Geigen Meisterkurse ¦ Was für ein Tag

(Tag 1: Audition)

Was für ein Tag! Wie es sich gehört bei Veranstaltungen der Kronberg Academy …
Morgens um kurz vor neun in der Stadthalle, die ersten Mitarbeiterinnen trudeln ein, man begrüßt sich fröhlich, teilweise mit vielen Fragezeichen in den Köpfen („Was gibt’s zu tun? Was kommt heute auf uns zu?”), die Projektleiterin steht auf der Leiter vor der Stadthalle (man muss ja Leitung auch wörtlich nehmen) und hängt eigenhändig das Banner „Willkommen in Kronberg auf”.

Die Stadthalle ist geputzt, aber noch lange nicht fertig, die Telefonleitungen werden noch gelegt (Umleitung des Büros ins Herz des Geschehens, in die Stadthalle), Kopierer und Drucker aufgestellt, Laptops eingerichtet. Um halb zehn müssen Notenständer da sein, denn die Auditions sollen pünktlich um zehn starten.

Die ersten Geiger trudeln ein – ein sehr ungewohntes Stadtbild, Kronberg ohne Cellokästen – nur Geigen, mit dem typischen „Geigerfleck” am Hals links.

Die Auditions beginnen, 10 Minuten Vorspielzeit für jeden – es ist alles dabei, vom alten Hasen, Vorspielerfahren und scheinbar völlig relaxed – bis zum kleinen 13jährigen koreanischen Jungen, der vor lauter Nervosität in seiner Jacke auftreten will und seine Noten im Einspielraum vergisst.

Dann, am Nachmittag, wird es noch spannender – es sind ja nicht nur Meisterkurse, sondern am Abend findet auch noch das Benefizkonzert in memoriam Mstislav Rostropovich statt – in Kronberg ist nichts einfach „nur so” oder ohne „mehr Adrenalin” möglich …

Ministerpräsident Roland Koch kommt am Abend und wird sprechen – aber auch ins Konzert gehen, also geht ein Polizist mit hechelndem Hund durch die Stadthalle und dieser schnüffelt an jedem Koffer, der in der Stadthalle steht, von diversen Geigern und Geigerinnen aus aller Welt, die Zivil-Security, auffällig unauffällig, zwei große Herren im Anzug, mit Knopf im Ohr.

Der HR kommt und baut den Ü-Wagen auf, man kennt die Tonmeister und -ingenieure mittlerweile und scherzt mit ihnen herum.

Mischa Maisky kommt an, mit seiner Tochter Lily, entspannt und freundlich wie immer, mit seiner unnachahmlichen Ausstrahlung und Energie, er spielt sich ein, kopiert Noten, erzählt Witze und Anekdoten.

Die ersten Konzertbesucher kommen, letzte verzweifelte Fragen nach Karten, die Spannung steigt, das Foyer der Stadthalle füllt sich, die Hostessen öffnen den Saal für den Einlass.

Alles ist wie immer und doch immer wieder aufregend, ob alles rechtzeitig klappt, die Künstler in ihren Garderoben zu finden sind, alle ihre Noten haben, wirklich an alles gedacht wurde, ob man auf der Bühne beim Umbauen nicht stolpert, beim Umblättern zu früh oder zu spät dran ist, die Blumenübergabe funktioniert. Für das Publikum wirkt alles leicht und dennoch sicher und zuverlässig – eben reibungslos.
Und man kann sagen: ja, wir haben es wieder geschafft!

Nur nicht ausruhen – weiter geht’s heute mit den ersten Kursen und abends dem ersten Konzert.

Julia Kadar

PS Die Geigen Meisterkurse sind öffentlich. Wer Lust hat, Ch. Tetzlaff, A. Chumachenco, M. Fuks oder P. Vernikov beim Unterrichten zu erleben, darf gerne vorbeikomen und den Kursen beiwohnen. (Tageskarte für 6 Euro gibt es in der Stadthalle)

Infos zu den Meisterkursen

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