Im (Vogt)Land der Geigen

Seit 11 Jahren kommt unser “Haus- und Hof-Geigenbauer” Ekkard Seidl regelmäßig zu unseren Meisterkursen und Festivals nach Kronberg und kümmert sich in der Stadthalle in einer eigens dafür eingerichteten Schau-Werkstatt nicht nur um die Neugier der Festivalbesucher, die ihm über die Schulter sehen dürfen, wenn er vorführt wie eine Geige entsteht, sondern vor allem um die größeren und kleineren Wünsche und Probleme der teilnehmenden Künstler und Studenten. Ist während eines Konzertes eine Saite gerissen? Hatte ein Cello einen kleinen Unfall und ist nun durch einen Kratzer im Lack verunziert? Hat ein Besucher auf seinem Dachboden eine alte Bratsche gefunden und möchte wissen, ob man dieser Instrumenten-Urgroßmutter neues Leben einhauchen kann? Ekkard Seidl steht jedem mit Rat und Tat zur „Saite“!
Doch seine eigene Werkstatt im vogtländischen Markneukirchen hatte – trotz alljährlicher guter Vorsätze – noch niemand von uns besichtigt, obwohl Ekkard nie müde geworden ist, uns einzuladen. So nahmen Mareile Zürcher und ich uns im Juli einen Mietwagen und einen Tag frei und fuhren in “das Sächsische Cremona”, wie Ekkards Heimatstadt schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts aufgrund der vielen dort ansässigen Musikinstrumente-Bauer auch genannt wird, die der kleinen Stadt – vor allem in Musikerkreisen – zu Weltruhm verholfen haben.
Waren wir schon jedes Mal aufs neue von der provisorischen Geigenbau-Werkstatt in Kronberg beeindruckt gewesen, beeindruckte uns die “echte” Werkstatt in Ekkards Wohnhaus nun so sehr, dass wir am ersten Tag gleich etwa vier Stunden lang vor den Hölzern, Handwerksgeräten, Schubladen, Schachteln und Tiegeln standen und Ekkard mit – hoffentlich nicht allzu fachunkundigen – Fragen überrannten. Welche Teile eines Instruments werden geleimt, welche geklebt? Aus welchem Holz bestehen die Wirbel? Besteht die Decke aus einem oder aus zwei Teilen? Was kann man für Rückschlüsse aus den Jahresringen des Holzes ziehen? Wie muss der Bassbalken im Inneren der Geige verlaufen? … und stinkt ein Instrument etwa, wenn Fischleim verwendet wird?
Fast noch mehr als diese unglaubliche Handwerkskunst, für die ein Höchstmaß an Präzision vonnöten ist, bewunderten wir Ekkards Wissen und seine Fähigkeit, es geduldig in Worte zu fassen, sodass wirklich keine unserer Fragen offen blieb.
Trotz dieses Intensivkurses sind wir jetzt jedoch leider nicht in der Lage, selbst ein Streichinstrument zu erschaffen – darum sind wir sehr froh, dass Ekkard auch zum Cello Festival wieder nach Kronberg kommen wird!
von Dorothee Hoffmann
Schlagworte: Geigenbau









