Cello Festival ¦ Kronberg kleidet sich in Rot ¦ Eine Künstlerbetreuerin berichtet

Es ist Ende September und Kronberg kleidet sich in rote Farbe. Es ist nicht das politische Rot der anstehenden Bundestagswahlen, auch nicht das Rot des nahenden Herbstes, nein es ist das Rot, das Raimund Trenkler mit ‘leidenschaftlich’ bezeichnet. Rote Wände decken jegliche Häβlichkeiten zu, wie z. B. Baustellen. Rote Fahnen wehen im Wind, selbst die Stadtbusse schmücken sich damit. Ein roter Teppich, der den Weg durch die Altstadt weist, trägt dazu bei, dass jeder Stadtbürger, jedes Kind und jeder Besucher sich besonders eingeladen fühlt. Die Geschäfte machen auch mit und haben in ihren Dekorationen das Thema Cello und Musik gewählt. Und es scheint sogar die Sonne!

Open-Air-Konzert Der Berliner Platz ist beim Eröffnungskonzert voll gepackt mit hunderten von Besuchern, die mit Cello und Blasorchester, mit humorvoller Musik unterhalten werden, was allen gefällt! Wein und gute Laune fließen. Schon dieser Abend steht im Zeichen von Gemeinschaft und Familie. Obwohl die Kronberg Academy auch ein Elite-Institut ist, um besonders begabte junge Künstler zu fördern, ist sie ebenso eine Einrichtung, die stark von einem starken Gemeinschaftsgeist geprägt ist. Das wird besonders deutlich durch das Team, durch die Leute, die hier mitarbeiten, aus allen Altersklassen, mit verschiedensten Berufen und den unterschiedlichsten Hintergründen. Mittlerweile machen nämlich auch die nun erwachsenen (oder fast erwachsenen) Kinder der Teammitglieder mit, die seit Anfang der 90er Jahre dabei waren.

Konzert in der Naxos-Halle Musik verbindet: Generationen, Klassen, Kulturen und Länder. Wenn das bei der Politik doch genauso leicht der Fall wäre! Vielleicht um dem auf eine neue Art und Weise noch einmal Ausdruck zu verleihen, fand dieses Mal ein Konzert in der Naxos-Halle in Frankfurt statt. Im Tageslicht eine Industriehalle mit Graffiti, kaputten Fenstern, viel Staub und Unkraut – das aber ein Zuhause für so manchen (bildenden) Künstler ist. Ich muss ehrlich sagen, meine Vorstellungskraft strampelte ein wenig mit dem Gedanken, hier ein klassisches Konzert mit erstrangigen Musikern zu spielen! Doch nachdem das Kronberg Academy Team sowie Beleuchtungs- und Bühnenaufbauteams dort einen Tag lang gewerkt hatten, wurde aus der Aschenputtelhalle ein Märchentraum von Atmosphäre: Die Halle war in ein romantisches Licht getaucht, die Bühne ragte über insgesamt 700 gestellten gepolsterten Stühlen. Die zeitgenössische Musik weckte fast mystische Erinnerungen – Geschichten, die diese Halle vielleicht zu erzählen hat und erweckte sie zu neuem Leben. An diesem schönen Spätsommerabend im Kerzenlicht luden kleine, runde Tische im Empfangsbereich und außerhalb der Halle zu einem Glas Wein ein. Wieder wurde eine Brücke geschlagen, wieder gelang es der Kronberg Academy, uns zu überraschen. Die darauf noch folgenden 18 Konzerte, die Workshops und Ausstellungen in dieser Woche übertrafen für mich jegliches „Angebot“ der Vorjahre.

Als Künstlerbetreuerin (nun schon seit über zehn Jahren) weiß ich von den Künstlern selber, dass sie sich in Kronberg immer besonders wohl fühlen. Wenn sie nicht schon direkt fragen, deuten sie zumindest an, dass sie gerne wieder eingeladen werden möchten. Ein besseres Kompliment kann Kronberg ja gar nicht bekommen! Diesen Sommer habe ich auch einmal im Ausland bei einem anderen Musik Festival gearbeitet. Mir wurde wieder so deutlich, dass Kronberg mit seinem Familien- und Gemeinschaftssinn einzigartig ist und dass dies etwas ganz Besonderes ist, das wir nicht aufhören sollten zu schätzen! Damit meine beiden ältesten Kindern auch einmal in den Genuss kommen, werden sie nächstes Jahr zum ersten Mal bei ‘Chamber Music Connects the World’ mitmachen und hoffentlich dabei neue Mitglieder der Kronberg-Academy-Familie werden!

von Isolde James-Griffiths
(Scotland)
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