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Mit Musik – Miteinander / Hallo, ich bin dann mal neu hier

Dienstag, 9. Oktober 2012

Was für ein Luxus, die neuen Arbeitskollegen schon mal in einem anderen Umfeld kennenzulernen als im Bürostress! Und dabei einem viel spannenderen. Denn direkt zu Beginn meines halbjährigen Praktikums in Kronberg hatte ich die Möglichkeit, das Projekt „Mit Musik – Miteinander“ mitbetreuen zu dürfen.

Die drei -mittlerweile- Ex-Praktikanten Lea, Caroline und Philipp waren schon mit den Teilnehmern und Dozenten Vilde Frang, Yura Lee und Bonian Tian bekannt, sodass sie alle mit Namen begrüßen konnten. Ich stellte mich meist selbst kurz vor mit: „Hallo, ich bin die neue Praktikantin“, und wurde vor allem von den Dozenten freundlich aufgenommen – man sieht sich ja noch öfter.

Das musikalische Wochenende begann freitags mit einer kleinen Kennenlern-Probe, bei der sich die einzelnen Teilnehmer und ihre Dozenten erst mal beschnuppern konnten, bevor es am Samstag ans Eingemacht ging: In nur einer Stunde sollten die technischen und musikalischen Finessen der verschiedenen Quart-, Quint- und Oktette gemeistert und ausgearbeitet werden. Dabei stand allerdings nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern das gemeinsame Musizieren und die gegenseitige Inspiration – hier dürfen Fehler gemacht werden. Das merkte man auch den Teilnehmern an: Die Unsicherheit verflog beim gemeinsamen Abendessen, es wurde gelacht, sich kennengelernt und das Miteinander genossen.

Auch die Dozenten tauten deutlich auf, und spätestens bei den ausgedehnten Proben wurde mir wieder einmal deutlich vor Augen geführt, wohin man es mit Fleiß und dem entsprechenden Talent so bringen kann… Da wird man als Hobbymusikerin schon ein bisschen neidisch. Und wenn man dann noch dabei sein kann, wie Bonian Tian mit einem Streichquartett Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ übt, möchte man am liebsten selbst direkt zum Cello greifen. Besonders angetan war ich übrigens von der Art Yura Lees, die von der Bratsche aus ihre Quintette leitete und dabei versuchte, den Teilnehmern interpretatorische Ansätze zu vermitteln.

Das Konzert am Sonntag war erstaunlich gut besucht; natürlich gab es den ein oder anderen kurzen Schreckmoment, als etwa Vilde Frang ohne ihre Noten auf die Bühne ging, oder als zwei Teilnehmerinnen sich nicht einig werden konnten, wem denn jetzt welche Geige gehört… Aber für alle Probleme gab es eine Lösung, und so konnten Teilnehmer, Dozenten und Teammitglieder das aufregende Wochenende auch genießen. Es war aber auch wirklich spannend, so viele junge und so gute Musiker auf einem Haufen zu erleben, die nicht einmal nach dem Probenende von der Musik abließen, sondern sich noch Noten aus dem Archiv liehen, um eine spontane Abendprobe zu veranstalten.

„Mit Musik – Miteinander“ ist ein Projekt, das größtenteils von Praktikanten organisiert und durchgeführt wird, und so kamen mir die Einblicke natürlich doppelt gelegen: Als Einstand in das Praktikum und als Vorbereitung auf das „MMM“, das meine Mitpraktikantin Antje Oswald und ich im nächsten April organisieren werden. Bis zur tatsächlichen Durchführung bleibt allerdings noch viel zu tun, denn nicht nur dieses Projekt will vorbereitet werden, sondern auch die anstehenden Geigenmeisterkurse und das Cello Festival. Und dann wird die Academy auch noch 20 Jahre alt…Es gibt viel zu tun – wir freuen uns drauf!

Franziska Hiller

Praktikantin im Team der Kronberg Academy

Kammermusik aus Sicht eines Solisten:Ein Interview mit Bonian Tian

Freitag, 10. August 2012

Bonian Tian, 1986 in Shenyang/China geboren, erhielt seinen ersten Cellounterricht im Alter von fünf Jahren. 2005 zog er nach Deutschland und kam fünf Jahre später nach Kronberg, als er in den Masterstudiengang der Kronberg Academy als Junger Solist aufgenommen wurde. Erstmalig nahm er in diesem Jahr am Chamber Music Connects the World Festival als Junior teil; im September wird er dann die Rolle des Dozenten bei unserem Projekt Mit Musik Miteinander übernehmen. In unserem Interview spricht er über die Kammermusik aus der Perspektive des Schülers und des Dozenten und seine Zusammenarbeit mit sowohl jungen, als auch etablierten Künstlern.

Bonian, du arbeitest gerade an deiner Karriere als internationaler Solist. Warum war es für dich interessant, bei einem Kammermusikfestival mitzuwirken?

Ich glaube, solistisches Spielen und Kammermusik sind ganz unterschiedlich. Zusammenfassen kann ich die Unterschiede nicht, aber wenn man Künstler oder Musiker ist, muss man einfach alles können. Heute hört man sehr oft entweder Kammermusiker, Orchestermusiker oder Solisten. Sie können super musizieren in ihrem Fachbereich. Aber die große Künstler, wie Kremer, Bashmet und Schiff, sie können alles. Egal was sie spielen, die Leute hören immer gern zu. Für mich ist Chamber Music Connects the World eines der großartigsten Festivals auf der Welt! Man kann nicht nur mit renommierten Dozenten musizieren, sondern auch die jungen Künstler sind super. Ohne CMCW hätten wir die Gelegenheit leider nicht! Musik verbindet Musiker aus der ganzen Welt.

Welche drei Eigenschaften beschreiben deiner Meinung nach einen guten Kammermusiker?

1) Beherrschung des eigenen Instruments 2) Musikalische Auffassungsgabe 3) Geselligkeit und Unkompliziertheit bei der Probe.

Ist es wichtig, dass die „Chemie“ in der Gruppe stimmt oder kann grundsätzlich jeder mit jedem gleich gut musizieren?

Ich finde, um Kammermusik zu machen, ist es ganz wichtig, dass die Musikern sich persönlich gut verstehen. Nur mit guter Stimmung kann man schöne Musik machen.

Welches kammermusikalische Werk gefällt dir besonders gut?

Leider kann ich kein Bestimmtes nennen. Eigentlich gefallen mir alle Werke. Das hängt davon ab, mit wem ich musiziere. Wenn mit einem fantastischen Künstler spielt , kann selbst ein einfaches Stück Spaß machen und man kann viel Neues dabei entdecken.

Wenn du einmal mit einem Künstler deiner Wahl im Ensemble spielen könntest: wer wäre das?

Yo-Yo Ma!

Im September wirst du bei unserem Projekt Mit Musik Miteinander selbst mit jungen Streichern kammermusikalische Werke erarbeiten. Worauf freust du dich besonders und was könnte vielleicht „schieflaufen“?

Kammermusik mit jungen Streichern zu erarbeiten ist ganz anders, als selber zu spielen. Ich muss mich vor der Probe sehr gut vorbereiten und mich vorher so gut wie möglich über das jeweilige Stück informieren. Natürlich sollte man auch alle möglichen Fälle bei der Probe vorausdenken, damit man die Probenzeit optimal nutzen kann. Ich freue mich auch total darauf, die jungen Streicher kennenzulernen und mit ihnen zu musizieren. Sie sind alle talentierte junge Musiker, ich bin ganz sicher, nichts könnte schieflaufen :-)

Bonian, vielen Dank für dieses Interview!

Caroline Just

Kronberg Academy

Masterclass / Play with Presence (part 2)

Donnerstag, 31. Mai 2012

Observations from a Masterclass with Mauricio Fuks

Another big topic that afternoon was phrasing and intonation. One Young Soloist was asked how often he practiced playing  scales on a daily basis. Mr. Fuks then quickly added  the statement ” When playing scales one must pay attention to intonation, because that improves the capability for better coordination”.

“I want to hear your phrasing!”.  And, “if you want to play for people (and not for yourself), you must play more practical, so to speak, while at the same time you must also play to be heard so that the audience can recognize your great sensitivity”.

Earlier, with a different Young Soloist, Fuks fcussed on the importance of intonation, and made the point that any composition has to be viewed against the backdrop of the composers own language. French and German composers were compared, with Mr. Fuks saying at one point in time “This is serious German Music, not French Music!”

Playing with the composers name Bruch, Maestro Fuks wanted to make an important point with regard to intonation. He looked at the Young Sloloist. Then delivering a funny word-play with the composer’s name Bruch, of which the young musician performed a piece.  Fuks remarked,  “You play with too much sugar, the composer´s name is not Brüch!” pronouncing this German composer´s name so that it sounded like a French word.  “If some sweetness in the piece is required then German sweetness must be intonated, not French. There is a difference. German and French sweetness are very different, musically peaking”.

Fuks again quoted his former teacher Maestro Heifetz: “What does the audience expect from a musical performer? It´s a clear sound”!. He went on using Heifetz words, “ a concert is not a guessing game”. Then Mr. Fuks concluded for the young violinist “Intonation is of the essence, sweetheart!”

In 4 hours Mr. Fuks dropped an amazing number of hints and techniques to improve the Young Soloists´s  capability for better intonation, phrasing and dynamics. He always found words that sounded helpful, never losing sight of the strengths that the young musicians revealed during their session.

In my opionion, the special and often funny way of making remarks and providing feedback can be viewed as hallmarks of his teaching approach. And everybody in the room felt his extraordinary presence, as a teacher and a great human-being who wanted to inspire and provide help for self-help. It was a fantastic experience to watch him tutoring those young aspiring artists.

Later on in his final remarks Mr. Fuks stressed the point  that he was doing his work in complete continuation of what the permanent teachers for Kronberg Academy are doing in the regular educational units. His engagement should be seen as a complementary piece of education for Young Soloists.

After conclusion of the last session all remaining players seemingly went away with joy and inspiration. The last day ended with a long farewell procedure where the 11 Young Soloists  came to Mauricio and gave him a heart-felt hug before they were headed into different directions to pursue other business.

What a great place this is, I thought. A place where young and older musicians come together and create an atmosphere of committed work, respect and openness gaining new skills for better artistic expression, phrasing, intonation and a deepened understanding of what  “presence” means. And that´s just one of the key goals which our study programme “Kronberg Academy Masters” wants to achieve.

Michael Heinz / KronbergAcademy

Chamber Music Connects the World / And the Finalists are….

Freitag, 2. März 2012

Kronberg is ready to welcome 20 young musicians in June

We are happy to present twenty-one young musicians who were qualifying for participation in our June project Chamber Music Connects the World. Now that the audition weekend is recent history we are focussing on the completion of assigning the young musicians to the roughly 15 chamber music works, which were selected by the five seniors. Gidon Kremer and the Kronberg Academy project team are organising the process which young players will be performing in which pieces and what combinations with other players.

After some tough days during the audition the young musicians  can now relax and concentrate on their other duties and To Dos.

Now, who are the participants? For those who haven´t checked out our homepage recently, here we present that list again, categorised by the 4 involved string instruments.

And the juniors are:

Violin
Benjamin Beilman (USA)
Nikita Boriso-Glebsky (Russia)
Bogdan Bozovic (Serbia)
Oleksandra Fedosova (Ucraine)
Miriam Helms Ålien (Norway)
Ji Eun Anna Lee (Korea)
Hyeyoon Park (Korea)
Ying Xue (China)

Viola
Adrien Boisseau (France)
Georgy Kovalev (Russia)
Hanna Lee (Korea)
Hwa Yoon Lee (Korea)
Yura Lee (Korea)
Bénédicte Royer (France)

Cello
Alexander Buzlov (Russia)
Ivan Karizna (Belarus)
Anastasia Kobekina (Russia)
Edgar Moreau (France)
Alexey Stadler (Russia)
Bonian Tian (China)

Double Bass
Edicson Ruiz (Venezuela)

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For readers of our blogposts it might be interesting to learn from these young people why they thought it would be a good thing for them to apply for participation in the first place.

The basic theme of these statements is the aspect of learning under very special circumstances, which are unique. Following are the first five responses.

Nikita Boriso-Glebsky (Vl), Russia

I believe that there are lots of details and nuances in music which cannot be expressed and explained in words, but can only be understood from experience. This is a unique opportunity to gain this experience from such outstanding musicians in person by performing with them and other young and talented colleagues.

Benjamin Beilman (Vl), USA

I had the great fortune of spending four summers as a participant at the Marlboro Music Festival in Vermont from 2007-2010 …( ). The Kronberg Academy´s Chamber Music Connects the World project is one that would be an important next step for me in continuing the musical traditions I learned during my summers at Marlboro. Rehearsing and performing alongside musical masters provides a uniquely intimate learning environment that I believe is vital in my current musical development, Additionally, I think it is important to meet and befriend my fellow generation of musicians…..( ).

Yura Lee (Va), Korea

I would like to take part in Chamber Music Connects the World because the experience to learn from the masters is such a valuable one. Sometimes the greatest lessons can take place while playing chamber music together.

Alexander Buzlov (Vc), Russia

I truly believe that for any musician, chamber music pays a major role in his (her) musical development, as you get to share your passion for music with other artists, explore great musical works and learn many things in the process. Chamber Music Connects the World gives that opportunity as you get to meet the great masters and share music with them in a great atmosphere of friendship and love for music. That´s the greatest thing that can happen to any young performer.

3  Edicson Ruiz (Db), Venezuela

Because I love music from the bottom of my heart. It is a dream to make music together with Mr. Tetzlaff, M. Kremer, Mr. Bashmet, Mr. Isserlis and Mr. Schiff whom all I already know by accompanying them at their performances with Berlin Philharmonic Orchestra for the last 10 years where I have played there.

Our next blogpost will feature more young musicians and their answers. Meanwhile, our project team will finalise the cumbersome work of putting together the final set-up for all the compositions and the casting of players from the group of our young participants.

Michael Heinz / Kronberg Academy

Kronberg: centre of the violin world

Sonntag, 19. Juni 2011

Flags, posters and banners greet visitors and young musicians alike!

The citizens of Kronberg are experiencing once more a marvellous musical festivity celebrating this time the gathering of some 160 young violin players from more than 40 countries, from 5 continents. The second Violin Masterclasses and concerts will be held between June 19 and 25 here, making Kronberg  for about a week the heart of the violin world. And, indeed, the team of  Kronberg Academy and our supporters have done a great job in collaboration with the city officials to grace this wonderful place with banners, posters and flags so that every visitor and musician can get a notion of how omnipresent this event really is.

Yesterday, throngs of youngsters arrived by train or airplane in Frankfurt from where they moved to our city. Suddenly, new dynamics unfolded, with many youngsters carrying luggage and instrument cases, asking pedestrians for direction to the academy offices where registration would take place. In some instances one could identify the musical school for which these students are matriculated. In my case, on my way uphill to our offices, while still busy making photos of this scene, a young violinist and her mother crossed my way: and quickly I found out, that it was a young player from New York who studies at the Juilliard school. An institution, which is in some ways comparable to Kronberg Academy, although Juilliard is much bigger with regard to the number of students ( in the realm of educating highly talented young string players).

Now, today, on this partly rainy Sunday, all the young musicians are going through 10 minute-auditions with four teachers/tutors. At the end of the day it will be decided who then will be accepted by the teachers to join in a masterclass with one of the maestros for which they had applied beforehand. So, after each student has finished his or her audition a time of waiting and hoping will follow until this very evening. Then, during the Welcome Dinner, all the young violinists will hear about whether they have been accepted as active participants in the masterclasses of their choice.

We keep our fingers crossed for all of them. And for those students who couldn´t make it to the active masterclass participation, we invite them enjoy their status as passive participants where they will learn by way of listening and communicating with other musicians and the teachers. While some students are still busy preparing themselves for the audition challenge, wrestling with tension and a bit of nervousness, meantime, all our visitors and the citizens can feel the spirit of this event while strolling the streets and places, finding posters and banners on many corners. The young violinists and the many vistors will change the face and dynamics of this city for a long wonderful week. May the masterclasses and the concerts provide for unique moments and encounters.

Michael Heinz

Masters in Performance 2011 / Persönliche Eindrücke eines Musikfreundes

Mittwoch, 8. Juni 2011

Das Team der Kronberg Academy freut sich immer wieder, wenn aus den Reihen der Zuhörer und Besucher feedback an unsere Institution herangetragen wird. Ein Dialog mit unseren Zuhörern ist von großem Wert, da wir die Akzeptanz und Einschätzung unserer Zuhörer für sehr wichtig halten.

Das es sogar auch den Wunsch zu einem schriftlichen Beitrag geben kann, davon zeugt der folgende Blogbeitrag, der von einem Besucher unserer gerade zu Ende gegangenen Konzertreihe “Masters in Performance” stammt. Harald Berchtold hat fast alle Konzerte dieses Wochenendes (2.6. – 7.6. ) erlebt und er schildert im folgenden Beitrag auf eine sehr persönliche Art die Eindrücke, die er dabei sammeln konnte.

Die Masters in Performance-Konzerte der Kronberg Academy stehen seit geraumer Zeit ganz oben auf meiner persönlichen Konzert-Wunschliste. Das besondere dieser Konzertreihe ist die private Atmosphäre, gepaart mit der Intensität und räumlichen Nähe, mit der sich die Musik im Sitzungssaal des Kronberger Rathauses entfaltet – und unmittelbar auf die Zuhörer übergreift.

Nur an ganz wenigen anderen Orten wird man derart überwältigt vom Klang eines einzigen Streichinstruments und kann gleichzeitig die Individualität und Ausdruckskraft der Solisten und deren Klavierbegleitung auf sich einwirken lassen. Viele Musikliebhaber aus Kronberg und Umgebung und weitere Besucher aus fernen Ländern nutzten diese einzigartige Möglichkeit, den Fortschritt ihrer bereits aus früheren Konzerten bekannten jungen Solisten sowie deren Begleitung zu verfolgen.

Welche der Konzerte haben mir persönlich aus dem diesjährigen Konzertprogramm neue Eindrücke vermittelt? Da ist gleich zu Beginn das Eröffnungs- & Examenskonzert von Gabriel Adriano Schwabe zu nennen. Gabriel Schwabe, der mir bereits beim Cello Meisterkurs von David Geringas im Oktober 2010 mit einem besonders warmen Ton seines Cellospiels auffiel, setzte sein hochkonzentriertes Cellospiel in der Stadthalle Kronberg eindrucksvoll fort – souverän begleitet von der Pianistin Anna Naretto.

Dass die Viola ihr früheres Schattendasein als vernachlässigtes kammermusikalisches Solo-Streichinstrument überwunden hat, ist in den aktuelleren Konzertprogrammen nicht nur der Kronberg Academy zunehmend festzustellen. Wie großartig das ehemals wenig beachtete Klangspektrum einer Viola sein kann, wurde eindringlich in den Darbietungen von Yura Lee und Peijun Xu in Kronberg offenbart. Je mehr Viola Musik von Bach, Brahms, Chopin, Kodalyi und Hindemith erklang, umso unmissverständlicher wurde klar, wie tief mittlerweile der Pflock unseres heutigen Musikempfindens in Richtung pro Viola als kammermusikalisches Soloinstrument eingeschlagen wurde und die Viola nicht mehr wegzudenken ist.

Das einzige reine Solo-Konzert bei Masters in Performance 2011 gab die Geigerin Alina Ibragimova und das derart beeindruckend und fesselnd, dass ich gerne noch mehr davon gehört hätte. Egal ob bei Heinrich Ignaz Franz Biber, Luciano Berio oder Bela Bartok – die russische Seele ihrer Interpretation war für mich allgegenwärtig und in ihrer Tiefe und technischen Brillanz atemberaubend. Ebenso überwältigend erfüllten die Ravel- und Tschaikowsky-Interpretationen des Geigers Valeriy Sokolov die Zuhörer.

Die Geigerin Jehye Lee gab überraschenderweise sogar zwei Konzerte – Samstag und Sonntag (als Vertretung für die verhinderte Suyoen Kim): Und so war es ein außergewöhnliches Erlebnis, ihre Interpretation „mit leidenschaftlichem Ausdruck“ der Violinsonate von Robert Schumann Nr. 1, a-Moll, op. 105 auch noch ein zweites Mal hören zu dürfen; wobei neben ihrem strahlenden Geigenton die perfekte Harmonie mit der mit feinstem Anschlag musizierenden Pianistin Yumiko Urabe besonders auffiel. Jehye Lee verabschiedete sich mit zwei ergreifenden Paganini Capricen als Zugabe und sicherlich hat jeder der Anwesenden ihr in tiefer Dankbarkeit für ihre musikalische Darbietungen in Kronberg die besten Glück- & Erfolgswünsche für ihre Teilnahme am kommenden Tschaikowsky Wettbewerb in Moskau mit auf den Weg gegeben.

Harald Berchtold, Kronberg i.T.

Feuermann in Amerika (2) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der 2. Weltkrieg bricht aus

Eine letzte Konzertreise führte Feuermann Anfang 1939 nochmals nach Europa. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten zeichnete sich der Ausbruch des 2. Weltkrieges ab. RCA nahm Feuermann unter Vertrag, Columbia, mit denen er zuvor zusammen gearbeitet hatte, hatte das Nachsehen. Diverse Plattenaufnahmen u.a. mit Franz Rupp am Klavier (Begleiter von Fritz Kreisler) zeugen heute von Feuermanns großer Meisterschaft auf dem Gebiet der Kammermusik. Lediglich eine einzige Aufnahme eines Bachschen Werkes ist erhalten geblieben. Sie entstammt einem Konzert im New Yorker Lewisohn Stadion zusammen mit den New Yorker Philharmonikern. Das Konzert wurde im Radio gesendet und aufgezeichnet. Sonst gibt es keinerlei Aufnahmen eines Bachschen Werkes. Da Feuermann gewusst hatte, dass Casals sämtliche 6 Suiten in den Jahren 1936 und 1939 aufgenommen hatte, war er wohl der Meinung, dass diese Werke die Domäne von Casals seien. Feuermann hatte eine hohe Meinung von dem katalanischen Maestro und wollte die Cello-Suiten mit Casals gemeinsam einstudieren. Aber dazu kam es nicht mehr.

Feuermann trifft auf Jascha Heifetz und agiert als Lehrer

Während Casals in Europa immer die allerhöchste Verehrung genoss, war Feuermann nun in den Vereinigten Staaten buchstäblich außer Konkurrenz. In jener Zeit wurde Feuermann von Jascha Heifetz sehr unterstützt, mit dem er dann bei RCA nicht zuletzt aufgrund des Erfolges mit dem NOA Orchester unter Leon Barzin, das Doppelkonzert von Brahms aufnahm. Für Yo-Yo Ma belegen diese Aufnahmen, dass Feuermann der einzige Cellist in jener Zeit war, der dem Geiger Heifetz “Bogenstrich für Bogenstrich” ebenbürtig war. Feuermann ging aber auch einer Lehrtätigkeit am berühmten Curtis Institute in Philadelphia nach. Der damalige Leiter und Geiger Ephraim Zimbalist hatte ihm diesen prestigeträchtigen Lehrauftrag verschafft (zu seinen dortigen Schülern zählte u.a. David Soyer, Gründer des Guarneri-Quartetts).

Das „One Million Dollar Trio“ – Feuermann schreibt Musik-Geschichte

Im Sommer des Jahres 1941 nahm Feuermann zusammen mit den beiden Superstars der damaligen Zeit Jascha Heifetz (Violine)  und Arthur Rubinstein (Klavier) einige der bedeutendsten Kammermusik-Werke auf. Das Trio ging seinerzeit als “One Million Dollar Trio” in die Musik-Geschichte ein. Die Aufnahmen sind bis heute von hohem musikalischen Rang. Weitere Aufnahmen folgten unter Einbeziehung des damals führenden englischen Bratschers, William Primrose.

Die Kriegsgeschehnisse hatten im Dezember 1941 auch Amerika einbezogen und Feuermann zeigte patriotisches Engagement für seine neue Heimat. Er gab Konzerte vor US-Soldaten und beteiligte sich am so genannten ” I am an American-Day”. Ansonsten sorgten seine diversen Konzertauftritte und Plattenaufnahmen für einen prallen Kalender. Zwischenzeitlich war es gelungen, die Eltern und seinen Bruder nach Amerika zu bringen, mithilfe des Musiker-Freundes Bronislav Hubermann.

Das letzte Konzert

Am 7. Mai gab er sein letztes Konzert in Ann Arbor mit dem Philadelphia Orchestra unter Thor Johnson, zwei Wochen später, noch nicht einmal 40 Jahre jung, verstarb er am 21. Mai 1942 an den Folge-Komplikationen einer an sich einfachen Operation. Sein Tod war für alle unfassbar. Arthur Rubinstein charakterisierte den Menschen Emanuel Feuermann ganz einfach so: ” Er war das Leben selbst”.

Wenige Tage vor seinem Tod hatte Emanuel Feuermann einen Plattenvertrag unterschrieben: Er sollte sämtliche Beethoven Sonaten einspielen. Die Aufnahme der Bach Cello Suiten hingegen, mit denen er sich auseinander gesetzt hatte, war ihm nicht so eilig.

Bei seiner Beisetzung am 28. Mai war die damalige Musiker-Elite zugegen. Ormandy, Szell, Serkin, Schnabel, Huberman und Toscanini, sie alle waren am Tage seines Begräbnisses zur Stelle. In einem Nachruf für die New York Times schrieb der Musiker-Kollege Joseph Schuster einen großartigen Beitrag, er bezeichnete Feuermann als “unersetzlichen Künstler”. Und 1954 äußerte Pablo Casals in seinen berühmt gewordenen Gesprächen mit seinem Landsmann José Maria Corredor, welchen Cellisten er ganz besonders verehre. Es sei Emanuel Feuermann gewesen und dessen Tod sei ein großer Verlust für die Musik.

Ein einfacher Grabstein auf dem Kensico Friedhof des Ortes Valhalla nördlich von New York erinnert an den neben Pablo Casals  größten Cellisten seiner Zeit. Bedingt durch die Kriegswirren der damaligen Zeit verbreitete sich die Nachricht von seinem Tode nur verspätet nach Europa. Erst im Oktober 1945 erhielt Feuermanns Witwe Eva einen handgeschriebenen Brief von Pablo Casals, den dieser auf französisch von London aus abgeschickt hatte. Darin faßte  er mit wenigen Sätzen die Bewunderung und Anerkennung für den Menschen und Musiker Emanuel Feuermann zusammen.

Ausblick

Die Kronberg Academy möchte die Erinnerung an diesen großen Musiker allzeit mit ihrem Wettbewerb und auch mit Projekten und Veröffentlichungen weiterhin wach halten und als nach wie vor lebendige und vorbildliche Inspirationsquelle für kommende Cello-Generationen verstanden wissen.

Folgende Beiträge sind vorangegangen:

Zeit zum Erinnern, Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1), Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre, Feuermann in Amerika (1)

Michael Heinz

Der Lehrer und Pädagoge (2) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 11. November 2010

Feuermanns immerwährendes Credo: ein singendes Cello

Emanuel Feuermann - beim Intonieren

Im vorherigen Blogbeitrag hatten wir uns mit den Vorstellungen Emanuel Feuermanns zum Thema Lernen und Üben befasst.

Jetzt sollen mehr die  künstlerischen Qualitäten des Cello-Spiels aus seiner Sicht beleuchtet werden. Es sei nochmals in Erinnerung gerufen, dass in den Augen vieler berühmter Musiker-Zeitgenossen die Meisterschaft im Cello-Spiel durch Feuermann ungeahnte Höhen erlebte. Zur Verdeutlichung ein Zitat des ungarischen Cellisten Janos Starker über ihn:

“I place him as the most important figure for 20th century cello playing . . . . [While] Casals was responsible for establishing cello playing of the modern age, [it was] Feuermann who showed us the way to the next development. The cello was no longer an instrument to be excused because of its difficulty. He overcame all the difficulties which before his time were considered almost invincible obstacles.”

Die Beherrschung des Cellos

“It is surprising how few rules and principles there are and still more surprising how completely they change the entire style of playing. Believe it or not, my dear friend, the really outstanding string players, whether Kreisler, Casals, or Heifetz, are similar to each other in the way they use their muscular systems and handle their instruments and bows. The main differences lie in their different personalities, talents, and ideas, and only to a very small extent in their techniques, for which, again, physical differences are accountable.

Very simply, these rules are not demanded of the performer, but demanded by the instrument. Please understand this point thoroughly, because this is the basic fault of your approach. You have to know your instrument, cello and bow and how to handle them, the demands of the music and your mental and physical abilities and weaknesses to be able to recognize your mistakes, the inadequacies in your playing and to try to correct them. Analysis, patience, and endurance are the main requirements for your development.

One small example: when a cellist plays fast detache notes on the lower strings, you can hardly speak of the sound he produces, rather, you could call it a scratchy noise. The reason? You can only get a good sound from a string if it vibrates. Bring the string to vibration and one of the worst handicaps of the cello disappears. A very simple fact, certainly not a miracle, easy to remedy, yet still not recognized as the source of one of the ugliest and most prevalent ills of cello playing”.

Keine Note ohne Ausdruck und Artikulation

“As in a written sentence the only guidelines are the single words, commas, periods, question marks, etc., so in music notation we have only the bar lines, the bowings, the pitch and length of the single notes, and expression marks (accents, crescendi, etc., play quite a special role). What meaning can there be in a story recited in a monotone? Very little. The words may be recognizable, but there will be little real sense.

When you played for me, I showed you how little attention you have given to this way of looking at music, to this kind of approach, the most important one for a performer that I know of. Of course, partly by chance, partly because we have more to lean on in musical notation than in language, and partly because you have a musical education outside of cello playing, and lastly because one cannot practice and play for years without achieving something, you quite often understood the meaning of the music.

Let me try to explain to you what I mean by approach. Except for groups of fast notes where a given number of notes are one single rhythmical unit, there is not a note in music that should be played without expression or articulation. It can be compared to speaking, in which every syllable has its rhythm and phrasing within a sentence, according to its desired meaning. So, every note must be played according to the intended expression within the musical phrase”.

Musikalität und Spieltechnik

“Here technique, there musicality – an ancient comparison which is senseless and has done great damage to the perfection of playing. There should be a three-part division: mechanism, musicality, and technique, which when used musically is the mechanism.

What should the goal be for a performer, that is for the interpreter of a composition, i.e., the musical expression of another person? To interpret as closely as possible the composer’s intentions, at least what the player believes are his intentions. How can one best accomplish this goal? First one should recognize this goal as such and then control the means that are absolutely necessary for its accomplishment.

In my opinion, a war exists between technique and musicality. It brings with it only confusion, and makes a great performance virtually impossible. If one understands that by musicality is meant that one recognizes the intentions of the composer, then the other half of the term-”technique”-can be explained as possessing the real means necessary for bringing these intentions to fruition……. virtuoso includes: the greatest ability, respect for a piece of art, and the ability to fit one’s personality to the art work. How many of us have this? How many of us believe we have it, and are mistaken about it? And how many could have it if they were guided properly during their development?”

Persönlichkeit und Interpretation

“We must make it clear to ourselves that it would do great harm to Beethoven’s music if each musician were allowed to maintain the essentiality of his own personality for the shaping and molding of Beethoven.

This arrogant attitude does great damage to both music and public. The personality cannot be excluded, but the musician must try to live up to the composer and not bring the composer down to his level. We must take it for granted that of the two, the composer is the greater. The goal which I consider as the most important for the player is: abandon vanity, and ability, if there is any thought behind it at all, will come forth”.

In dieser Blog-Reihe zum Grand Prix  Emanuel Feuermann sind bereits erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Michael Heinz

Musikalische Welten – Wozu braucht man einen Dirigenten?

Donnerstag, 1. Juli 2010

Welche Rolle spielt der Dirigent eines Orchesters oder eines Chors? Braucht man ihn überhaupt? Musik-Interessierte und Laien zerbrechen sich den Kopf hierüber und bleiben nicht selten ratlos. In diesem Beitrag geht es um Orchester-Dirigenten.

Stellen wir uns also ein Orchester oder Musik-Ensemble vor und betrachten die Ausgangslage. Schließlich ist doch jeder einzelne Orchester-Musiker ein gründlich  ausgebildeter Instrumentalist, der viele Werke gut kennen dürfte, in seltenen Fällen unter Umständen sogar besser als der Dirigent. Und schließlich gibt es ja durchaus Orchester und Ensembles, die ohne einen Dirigenten auskommen (Kammermusik). Dies stimmt nicht ganz, da auch in diesen Ensembles eine Führungsperson agiert. Genaues Zuhören und Zusehen sind hier besonders wichtig. Die Einsätze werden durch Handzeichen, Kopfbewegungen oder auch durch den Geigenbogen angegeben. Ein führender Musiker ist dennoch zuvor schon bestimmt worden. Aber zurück zu den großen Orchestern und deren Dirigenten. Welche Aufgaben und Funktionen nun übernimmt ein Dirigent?

Mit der wachsenden Größe der Orchester und der stetig zunehmenden Komplexität der Kompositionen ist die Funktion des Dirigenten mit der Zeit immer unverzichtbarer geworden. Warum? Salopp ausgedrückt: Der Dirigent nimmt die Rolle einer Führungsperson wahr – die Musiker müssen sich unterordnen. Je nach Temperament und Charakter-Disposition macht er oder sie auf seine individuelle, unverwechselbare Art Vorgaben über die Art und Weise des Spielens eines bestimmten  Werkes. Er oder Sie befasst sich intensiv mit der Partitur und dem Wesen des Werkes, erfasst die zugrunde liegenden musikalischen Strukturen, beachtet die historischen Umstände des Entstehens des Werks und setzt all dies um, in dem er/sie all diese Facetten in der gemeinsamen Erarbeitung und in den Proben mit dem gesamten Orchester durchgeht und dann probt. Ganz formell gesprochen, kann man die Aufgabe und Funktion des Dirigenten  – also das Dirigieren – grob so umreißen:

  • Er/sie markiert den für alle Musiker verbindlichen Takt und bestimmt damit auch das gemeinsame Tempo!
  • Er/sie zeigt den Musikern den Beginn und das Ende des Stücks sowie ihre Einsätze an
  • Er/sie beschreibt und zeigt die gestalterische Entwicklung des musikalischen Verlaufs an

Dirigenten versuchen dem Wesenskern des aufzuführenden Stücks nachzuspüren und offen zu legen, so wie dies durch Quellen ( Briefe, Tagebuchnotizen des Komponisten), Anmerkungen oder aussagekräftige Titel (Programmmusik) ersehbar oder ableitbar ist. Dirigenten kennen oder erarbeiten sich zuvor das musikhistorische Umfeld des Stückes. Häufig kennen Dirigenten die Partitur nach intensivem Studium auswendig und haben sich folglich eine genaue Klangvorstellung erarbeitet, die höchst individuell sei kann aber ebenso auch völlig der seinerzeitigen Aufführungspraxis nahe kommt (Stichwort: Werktreue, historische Aufführungspraxis). Mit anderen Worten: Die Dirigenten haben Spielräume, die sie aufgrund ihrer eigenen Philosophie und Herangehensweise an das betreffende Werk ausgiebig ausschöpfen können. Alle Nuancen der Interpretation eines Werkes werden in der Orchestermusik vom Dirigenten maßgeblich beeinflusst.

Ferner entwickeln sie aufgrund von im Stück vorgegebenen Tempi oder Metronomangaben, möglicherweise auch Aufnahmen, eine eigene, präzise Vorstellung von Tempo und Klangcharakter des Stückes. Dirigenten erarbeiten sich die Einsätze der verschiedenen Instrumente oder Stimmen, Taktänderungen, Tempo- und Charakterwechsel und üben sie gestisch und mental für sich ein. Der Dirigent bewertet und korrigiert, wie die einzelnen Musiker bestimmte Passagen spielen (zu laut, zu langsam). Er ist somit derjenige, der die Klänge jedes einzelnen Instruments oder Instrumentengruppe wissend um die „Gesamt-Zusammenhänge“ steuert und in das von ihm gewünschte harmonische Ganze einmünden lässt. Beim Dirigenten laufen alle Fäden zusammen, er trifft die finalen Entscheidungen. Er entscheidet, überspitzt gesagt, über das „Wichtigste“: über Anfang und Ende eines Stückes und dass dies von allen beteiligten Musikern gleichzeitig ausgeführt wird (und in den Pausen darf niemand „rasseln“ – mit dem Abwinken des Dirigenten wird dies sichergestellt). Ohne  diese technischen Koordination aller Spielenden und Pausierenden gäbe es wohl nur Chaos.

Umfangreiche Probenarbeiten sollen sicherstellen, dass der Reifegrad des aufzuführenden Werkes dem Idealbild des Dirigenten sehr nahe kommt. Harte Arbeit, Geduld und Schweiß bei allen Parteien sind daher angesagt, motivierende und inspirierende Eigenschaften stellen so ein weiteres, allerdings wichtiges Merkmal in der Arbeit und Funktion eines Dirigenten dar. Es braucht sehr viel Erfahrung und profundes musikalisches Wissen, um bei einem Orchester positiv etwas zu bewirken, um einen Dialog mit den Musikern aufzunehmen und eine Interpretation entstehen zu lassen. Je sicherer das Wissen um die Partitur, desto souveräner der Auftritt vor dem Orchester. Denn wenn Orchestermusiker etwas nicht „vertragen“, dann sind es unsichere Dirigenten. Viele Dirigenten sind zusätzlich auch hervorragende Instrumentalisten oder Komponisten, wie z.B. Daniel Barenboim (Klavier) oder Pierre Boulez (Komposition). Und die Liste lässt sich beliebig in die Vergangenheit erweitern:  Mstislav Rostropowitsch (Cello), Leonard Bernstein (Komposition, Klavier), Sergei Rachmaninow (Komposition, Klavier),  Gustav Mahler (Komposition, Klavier). Wenn Dirigenten also gewissermaßen die musikalischen Chefs und gleichzeitig auch die intellektuellen musikalischen Vorabeiter sind , dann ist es nahe liegend, dass sich diese durch vielfältige „Führungs- und Persönlichkeitsmerkmale“ unterscheiden.

Fazit:

Der Dirigent ist die musikalische Führungsperson, ein intellektueller Arbeiter, ein Analytiker und Musik-Historiker in einem. Und wie gesagt, er ist der Entscheider. Ohne den Dirigenten gäbe es in einem großen Klangkörper stattdessen ein kleines Chaos. Mit seinen Hand- und Taktstockbewegungen, aber auch mit seiner Mimik prägt dann ein Dirigent rein äußerlich die Umsetzung seiner musikalischen Ideen. Dieser letzte Teil im gesamten umfänglichen Arbeitsprozess, der jeder Werkaufführung vorangeht, ist gewissermaßen die Kristallisation seiner Arbeit und Vorbereitungen. Alles Vorangegangene bleibt für den Laien unsichtbar.

Drei Dirigenten-Zitate zum Abschluss:

I’m not interested in having an orchestra sound like itself. I want it to sound like the composer  Leonard Bernstein

Can’t you read? The score demands “con amore,” and what are you doing? You are playing it like married men!”  Arturo Toscanini

“I have been told that my interpretations brought something new, but few were those who noticed that I merely wanted to render the natural tendency of the music structure.”
Sergiu Celibidache

Michael Heinz

Klangwelten – wie man Geigen und Bratschen unterscheidet

Mittwoch, 2. Juni 2010

Oder: was macht die Bratsche (Viola) zum dunklen Pendant der Geige?

Wer hat sich das nicht schon mal gefragt: worin unterscheidet sich eine Geige von einer Bratsche? In einem der letzten KAtalks kam die knifflige Frage auf, wie man eigentlich Viola und Violine unterscheidet. Gar nicht so leicht, zumindest für die nicht, die keine ausgewiesenen Musik-Experten oder gar Kammermusiker sind. Und die frappierende äußere Ähnlichkeit erschwert eine rasche Bestimmung und Unterscheidung dieser beiden „Klang-Körper“. Musikalische Laien können sich oft gar kein Bild von den Unterschieden zwischen beiden Instrumenten machen.

Hier ein paar Antworten abgestellt auf die Besonderheiten der Bratsche. Wunderbar klar hat es der ungarische Komponist Györgi Ligeti ausgedrückt: „Scheinbar ist die Viola nur eine größere Violine, einfach eine Quint tiefer gestimmt. Tatsächlich liegen aber Welten zwischen den beiden Instrumenten. Drei Saiten haben sie gemeinsam, die A-, D-, und G-Saite. Durch die hohe E-Saite erhält der Klang der Violine eine Leuchtkraft und metallische Durchdringlichkeit, die der Viola fehlen. Die Violine führt, die Viola bleibt im Schatten. Dafür besitzt die Viola durch die tiefe C-Saite eine eigenartige Herbheit, kompakt, etwas heiser und mit dem Nachgeschmack von Holz, Erde und Gerbsäure“ ( aus dem Vorwort von György Ligeti zu seiner Sonate für Viola solo der Jahre 1991–1994)..

Weitere Nuancen der Unterscheidung: Der Bogen der Bratsche gleicht dem der Violine, er ist allerdings länger und ca. 10–15 g schwerer und hat eine abgerundete Kante. Ein Unterschied zur Geige besteht in der Größe und Stimmung der Viola, deren leere Saiten eine Quinte tiefer auf c – g – d’ – a’ gestimmt sind.

Und noch was für die Ohren: Der Klang der Bratsche wird als voll, weich und dunkel bis in die höchsten Lagen beschrieben, dabei melancholisch, leicht rauchig und ein bisschen „näselnd“. Der tiefsten Saite, der C-Saite, ist zumal im „forte“ etwas Wildes und Rauhes zu eigen. Dies ist eine Klangfarbe, die in der Opern- und sinfonischen Welt gern vorkommt und auch häufig in der Filmmusik genutzt wird. In der Höhe, auf der A-Saite, fehlt der Bratsche irgendwie die Brillanz und Helligkeit der Violine – so zumindest mein  Empfinden. Viele Musiker indes sind sich einig bei dieser Charakterisierung: der Klang ist einfach dunkler, gleichzeitig hat er eine charakteristische Schärfe, die, so empfinden wiederum andere Experten, an den Klang der Oboe erinnere. Wie die Violine verfügt die Viola über einen obertonreichen Klang. Allerdings: der zu kleine Korpus dämpft die hohen Obertöne ab. Fazit: die äußerlich so ähnlichen Instrumente verfügen über sehr unterschiedliche Klang-Charakteristiken.

Worauf beruht die Eigentümlichkeit des Bratschenklangs? Es ist schlicht die Tatsache, dass der Korpus der Viola für ihre Stimmung eigentlich zu klein ist: Da sie eine Quinte tiefer als die Geige erklingt (Frequenzverhältnis 2:3), müsste der Korpus auch im gleichen Verhältnis länger sein als der 36 cm lange Geigenkorpus, also ungefähr 54 cm lang. Häufig ist der Violakorpus aber gerade einmal zwischen 40 cm und 43 cm lang (es gibt auch Violen mit bis zu 48 cm Länge). Die Abmessungen und Längenverhältnisse (Mensur) der beiden Instrumente sind also bei “näherer” Betrachtung durchaus zu unterscheiden. Und dies hat auch Konsequenzen für die Spielbarkeit der beiden Instrumente. Manch einem scheint die in Laien-Orchestern von Bratschisten gestellte  Frage  „Und wie lang ist Deine Bratsche?“ recht kurios. Je länger der Korpus, desto schwieriger die Spielbarkeit. Rücken und Nackenprobleme bei Bratschern sind daher keine Seltenheit.

Die eigentliche Domäne für die Bratsche ist die Kammermusik. An erster Stelle stehen hierbei Sonaten u.ä. für Viola allein und für Viola und Klavier sowie das Streichquartett (mit erster und zweiter Violine, Viola und Violoncello) als Hauptgattung der Kammermusik überhaupt.

Nachfolgend einige Beispiele für Musikstücke, in denen die Bratsche und nicht die Violine die „erste Geige“ spielt..:

Bleibt zu hoffen, dass bei nächster Gelegenheit die Bratsche in Windeseile „erkannt und herausgehört“ wird. Und ihr warmer Klang noch bewusster in unsere Ohren dringt.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team – Mareile Zürcher

Freitag, 14. Mai 2010

Mareile Zürcher, der gute Geist der Kronberg Academy und organisatorisches Supertalent was komplexes Projektmanagement angeht, feiert heute am 14. Mai 2010 ihren neunundzwanzigsten Geburtstag. Viele Team-Mitglieder, Künstler und Musiker – Seniors und Juniors -  waren in der Stadthale Kronberg versammelt, als man ihr Blumen, Süßes und auch ein Ständchen von Gidon Kremer darbieten durfte, um der Freude Ausdruck zu verleihen.

Welch ein Tag für Mareile – gleichwohl mitten im Projekt steckend und viele noch anstehende Herausforderungen bei Chamber Music Connects the World vor sich. Aber wen wunderts, Mareile bleibt  auch hier cool und gut gelaunt.  Der Wonnemonat Mai läßt grüßen.

Während die Proben ab 11.00 also gleich wieder weiterlaufen und das volle Programm von Chamber Music Connects the World für diesen Tag wie immer höchst professionell seinen Lauf nimmt, zelebrieren derweil Mareile und diverse Mitarbeiter(innen) der Kronberg Academy über Mareiles gute Laune und Stimmung.

Eine kurze Foto-Reportage mit freundlicher und spontaner Unterstützung von Hobby-Fotografin Sabine Fritzen erstellt. Bleibt noch anzumerken,  dass auch diese Mini-Reportage  aus dem konstruktiven und spontanen Team-Geist heraus geboren wurde.

Ein Hoch auf Mareile !

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Das Forellen Quintett wird geprobt

Dienstag, 11. Mai 2010

Fünf junger Musiker, wir nennen sie die Juniors,  waren am Montag, den 10. Mai 15.00 Uhr pünktlich im Großen Saal der Kronberger Stadthalle versammelt. Valery Sokolov (Vl), Lily Francis (Vla), Julian Arp ( Vc) und Kontrabassistin Sophie Lücke. Maestro András Schiff, einer unserer fünf Seniors bei Chamber Music  Connects the World, war bereits in der Halle und erwartete die jungen Musiker. Auf dem Probenplan stand Franz Schuberts “Forellenquintett”. Den vier jungen Solisten sah man die freudige und zugleich spannungsgeladene Stimmung an, es würden nun 2 Stunden intensiver Arbeit und Austausch mit dem großen Pianisten vor ihnen liegen. Einige Foto-Impressionen mögen die Stimmung und die Atmosphäre dieses großartigen Nachmittags dokumentieren. Größtmögliche Konzentration und zugleich die Bereitschaft, das Gehörte zu verinnerlichen und umzusetzen, das dürfte die Juniors wohlt beseelt haben, so dachte ich. Aus der letzen Reihe der bereits bestuhlten und ansonsten leeren Stadthalle versuchte ich mich in den Fluß der Forellen-Klänge “hineinuzuhören”. Eine wahrhaft großartige Musik, ich erinnerte mich an die Worte von Oda, die mir vor wenigen Monaten erst vom legendären Musikfilm “The Trout” von Christopher Nupen berichtet hatte. In dieser legendären Musik-Dokumentation vom Sommer 1969 geht es um die Einstudierung eben jenes Stückes von Schubert in einem Londoner Konzert ( u.a. mit Daniel Barenboim, Pinkas Zukerman, Jacqueline du Pre) , dem ich gestern hier in Kronberg als Zaungast beiwohnen durfte. Und die Möglichkeit bekam, in größter Zurückhaltung, einige fotografische Momente einzufangen.

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – 22 Juniors sind startklar

Montag, 10. Mai 2010

Fotoimpressionen von der Ankunft und Begrüßung der 22 Juniors in der Kronberger Stadthalle am gestrigen Sonntag, den 9. Mai – Raimund Trenkler, künstlerischer Leiter der Kronberg Academy, begrüßte die Teilnehmer des 6. Chamber Music Connects the World Events im Feldberg-Saal der Kronberger Stadthalle – anschließend gab es für interessierte Juniors eine Stadtführung duch die beiden Academy-Team Mitglieder Axel Langhorst ( American Friends of Kronberg Academy) und Michael Heinz ( Web 2-0 ). Hier ein paar Highlights…:

M. Heinz

Chamber Music Connects the world – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (4)

Donnerstag, 6. Mai 2010

Nicolas Altstaedt, Violoncello / Junior 2004

Nicolas Altstaedt in Kronberg

Nicolas Altstaedt kam 2004, 22-jährig zur dritten Auflage von „Chamber Music Connects the World“ nach Kronberg. Seit dieser Zeit hat sich der 1982 in Heidelberg geborene junge Solist auf vielfältige Weise weiterentwickelt und sein Können und seinen Reifeprozess mannigfaltig unter Beweis gestellt. Nicolas gehört zu den letzten Schülern Boris Pergamenschikows in Berlin (2003-2004), studierte danach bei David Geringas. Derzeit ist Professor Eberhard Feltz sein Lehrer an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Diverse Auszeichnungen, CD-Einspielungen und Auftritte markierten seinen Weg seither als anerkannter und gesuchter Solist.

Highlights der letzten Saison (2008-09)  waren Auftritte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter Sir Neville Marriner, dem RSO Stuttgart unter Sir Roger Norrington, der Haydn Philharmonie Österreich Ungarn unter Adam Fischer, dem Züricher und Stuttgarter Kammerorchester unter Dennis Russel Davies.

Zu seinen Kammermusik-Partnern zählten 2008 und 2009 Gidon Kremer, Yuri Bashmet, Alexander Lonquich, Jörg Widmann, das Quatuor Ebène, Daniel Hope, Leif Ove Andsnes. Ferner gab es intensive Kooperationen mit den Komponisten Thomas Ades, Lera Auerbach und Sofia Gubaidulina.

Im Haydnjahr 2009 veröffentlichte er bei Genuin Neuaufnahmen der Haydn Cellokonzerte. Die Fachpresse begeisterte sich über „die Plastizität im Detail….wie man sie in dieser Fülle des musikantisch Erfassten bisher noch nicht erlebt habe“, so schrieb es Peter Cossé 2009 in der Österreichischen Musikzeitung.

Zum Ende des letzten Jahres wurde Nicolas Altstaedt im Wiener Musikverein mit dem Credit Young Artist Award 2010 ausgezeichnet und er wird in Kürze beim Lucerne Festival mit den Wiener Philharmonikern unter Gustavo Dudamel auftreten.

Nicolas Altstaedt widmet sich intensiv der zeitgenössischen Musik. Er arbeitete eng mit Sofia Gubaidulina und Wilhelm Killmayer zusammen und brachte etliche ihm gewidmete Werke, u.a. von Moritz Eggert und Franghiz Ali-Sade zur Uraufführung.  Von der großen russischen Komponistin Sofia Gubaidulina wird Nicolas so charakterisiert:  „Schon jetzt besitzt er eine brillante Technik, schönen Klang, hervorragendes Gefühl der Form, feinste Phrasierung. Sein Spiel war vollkommen“.

Nicolas scheint ein geborener Lehrer. Anfang April hatte ich Gelegenheit, mit ihm in Kronberg anlässlich unserer Kammermusik-Veranstaltung „Mit Musik-Miteinander“ über Lernen und Lehren zu sprechen. Bei dieser Veranstaltung war er nun selbst in der Rolle des Senior und er füllte sie mit Leidenschaft und Begeisterung aus. Er spricht gerne über die Analyse musikalischer Strukturen und bekennt, dass Nikolaus Harnoncourt ihn stark intellektuell geprägt habe. Für ihn ist die Aufgabe des Weitergebens von Wissen an die Jüngeren eine Sache von Verantwortung mit dem Ziel, Grundstrukturen erfahrbar zu machen und die Fähigkeit, der Musik Gestalt zu geben. Kronberg erwartet Altstaedt nun mit Freude  zu „Chamber Music Connects the World“. Er ist der erste Ex-Junior, der bei diesem Projekt auch als Dozent auftritt – ein Ensemble wird ganz von ihm betreut – und damit einen Generationenwechsel ganz sachte einläutet. Sein Auftreten im Konzert der Ex-Juniors
( „Die Rückkehr der Glorreichen Sieben“) könnte einer der ersten Höhepunkte von Chamber Music Connects the World 2010 werden.

Nicolas kommt mit einem Violoncello von Nicolas Lupot (Paris 1821) im Gepäck in unsere Stadt.

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm asl Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Claudio Bohorquez

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Tanja Becker-Bender

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Marie-Elisabeth Hecker

Michael Heinz

Chamber Music Connects the world – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (2)

Dienstag, 4. Mai 2010

Tanja Becker-Bender,  Violine / Junior 2000 und 2002

Becker-Bender, Tanja_bw_Photo_by_Christian_Steiner_1

Tanja Becker-Bender gehörte mit zu den Ersten Juniors im Jahre 2000, sie war damals gerade 22 Jahre jung. Sie hat seitdem zielstrebig Ihren Weg gemacht. Doch im Gegensatz zu so manch einem anderen Jung-Solisten hat sich Tanja Becker-Bender nicht im Konzertbetrieb verzehrt. Ihr Name begegnet einem nicht häufig in diversen Festivalprogrammen. Als sie in dem Fragebogen einer Frauenzeitschrift vor einigen Jahren ihren Erfolgsfaktor nennen sollte, antwortete sie “Mut zum Anderssein”.

Welche musikalischen Ausbildungs-Phasen hat sie durchlaufen? Erster Violin-Unterricht mit sechs Jahren. Nach Unterrichtung durch Helmut Zehetmair (Mozarteum Salzburg) und Wolfgang Marschner (Freiburg) wurde Tanja Becker-Bender 14jährig Studentin von Wilhelm Melcher (Melos Quartett) an der Musikhochschule Stuttgart. Dann folgte ein Studienjahr bei David Takeno an der Guildhall School in London. Von 1997 bis 2000 setzte sie ihre Studien bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett) an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien fort und legte dort ihr Abschlussexamen mit Auszeichnung ab. Von 2000 bis 2002 studierte Tanja Becker-Bender als Stipendiatin des DAAD und der ZEIT-Stiftung (Gerd-Bucerius-Förderstipendium) an der Juilliard School in New York bei Robert Mann, dem langjährigen Primarius des Juilliard String Quartet, Abschluss mit dem Master of Music. Als einzige Geigerin des Jahres wurde sie ausgewählt, ihr solistisches Studium im renommierten “Artist Diploma” Programm der Juilliard School fortzusetzen. Im Jahre 2004 schloss sie dort ihr Studium mit einem exzellenten Solistenexamen ab. Größte Anerkennung wurde ihr in den USA mit dem Gewinn des Houston Symphony League Awards ebenfalls im Jahr 2004 zuteil, der ihr eine Einladung zu einer Aufführung des 2. Violinkonzerts von Bela Bartók mit dem Houston Symphony Orchestra einbrachte.

Was CD-Einspielungen angeht, war sie in den letzten Jahren äußerst produktiv. Eine ihrer letzten Einspielungen drehte sich um die Capricen von Niccolo Paganini. „Tanja ist eine der ganz wenigen Frauen, die sich der Herausforderung gestellt haben, Niccolò Paganinis 24 Capricen für eine CD aufzunehmen. Sie legte damit Zeugnis ab über ihr virtuoses Können, noch viel mehr aber dokumentiert sie auf ihrer ersten CD bei Hyperion ihren ausgeprägten Sinn für Klang“, so der Deutschlandfunk im April 2009. Ihre kostbare  Guarneri del Gesú Violine aus dem Jahr 1728 wird ihr von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt.  Mittlerweile fördert Tanja Becker-Bender selbst den musikalischen Nachwuchs: Die gefragte Kammermusikerin und Solistin lehrt seit zweieinhalb Jahren als Professorin für Violine in Nachfolge von Maxim Vengerov an der Musikhochschule Saar in Saarbrücken. Und natürlich muss man nicht betonen,  dass sie seit vielen Jahren mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammen gearbeitet hat. Wen wundert es da, dass man Ihre Rückkehr nach Kronberg so sehr erwartet.

Bereits erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist / Claudio Bohorquez

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (1)

Montag, 3. Mai 2010

Claudio Bohórquez, Violoncello / Junior 2002

Claudio Bohorquez

Claudio Bohorquez war im Jahre 2002 erstmals als Junior bei Chamber Music Connects the World dabei. Er war damals 26 Jahre jung. Mit acht Jahren begann er das Cello-Spielen und kam im Jahre 1989 für zwei Jahre als Jungstudent zu David Geringas an die Musikhochschule  Lübeck. Später dann, als Schüler von Boris Pergamenschikow war Claudio Bohórquez schon früh erfolgreich bei internationalen Wettbewerben wie dem Tschaikovsk y Jugendwettbewerb in Moskau oder dem Rostropovich Wettbewerb in Paris. Von der Kronberg Academy wurde er u.a. durch den Landgraf von Hessen-Preis gefördert. Im Jahr 2000 war er mit drei Auszeichnungen Gewinner und erfolgreichster Teilnehmer des 1. Internationalen Pablo-Casals-Wettbewerbs der Kronberg Academy. Aus der Hand von Marta Casals Istomin erhielt er als zweijährige Leihgabe das Goffriller-Cello von Pablo Casals.

Claudio Bohórquez gastiert heute in der ganzen Welt. Er arbeitet dabei mit vielen der namhaftesten Dirigenten wie Daniel Barenboim, Rafael Frühbeck de Burgos, Christoph Eschenbach, Sir Neville Marriner, David Zinman oder Krzysztof Penderecki zusammen und konzertiert mit den größten deutschen und internationalen Orchestern – in Japan mit dem NHK Symphony Orchestra Tokyo und dem Tokyo Philharmonic Orchestra, in den USA mit fast allen großen Orchestern des Landes. Claudio Bohórquez verzeichnet eine beachtliche Anzahl an CD-Einspielungen, Rundfunkaufnahmen und Fernsehauftritten. Darüber hinaus widmet er sich verschiedenen Installations-, Improvisations- und Meditationsprojekten ent-wickelt ( z.B. gemeinsam mit dem Maler Klaus-Peter Kirchner das Installationsprojekt “Raum für Pablo Casals” als Hommage an diesen großen Cellisten) . Von 2003 bis 2006 war er Gastprofessor an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Berlin und ist ab Oktober 2009 erneut dorthin berufen worden.

Claudio spielt ein Violoncello von G. B. Rogeri, das ihm von der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt wird. Er lebt zur Zeit in Berlin.

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Ein Musikfilm als Inspiration

Dienstag, 20. April 2010

Die erste Chamber Music Connects The World  Reihe - April 2000 Das Titelbild der ersten Broschüre zu „Chamber Music Connects the World“ publiziert im April 2000, stellt eine probende Gruppe junger Musiker dar, die es in der Welt der Kammermusik weit gebracht haben. Zu sehen sind: Jacqueline du Pre, Daniel Barenboim und Pinchas Zukerman im Jahre 1969 bei gemeinsamen Probenarbeiten. Die Szene entstammt dem legendären Musikfilm „ The trout“, gedreht vom Briten Christopher Nupen, und zeigt mit großem Feingefühl den Prozess des Probens und  Einstudierens zu einem berühmten Kammermusikwerk von Schubert, dem sog. Forellen-Quintett.

Viele Musiker und Musikliebhaber sind dem Zauber dieses mitreißenden Dokumentar-Films erlegen, bis heute. Und schwärmen von der großen Emotionalität des Films. Auch Oda von Laue war mehr als angetan von dem Film, kein Wunder also, dass er gleichsam zu einer Motivationsquelle für die vor ihr liegende Arbeit wurde. Man entschloss sich seinerzeit im Team das besagte Szenen-Foto als Titelbild für die Broschüre auszuwählen.

Mit diesem Brückenschlag zum Film stellte man eine symbolträchtige Verbindung her zu einem in die Musik-Geschichte eingegangenen und berühmt gewordenen Zusammentreffen junger, aufstrebender Musiker. Das Abenteuer von „Chamber Music“ konnte nun auch in Kronberg beginnen im Rahmen eines eigenen, neuartigen Projektes.

Im nächsten Blog-Beitrag berichten wir über einige ehemalige Chamber Music – Teilnehmer und welchen Weg sie seitdem beschritten haben.

Michael Heinz

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann
CMCW – Die Feuertaufe

Mit Musik Miteinander – Klangräume im Malermuseum

Dienstag, 13. April 2010

Die kleine Schwester-Veranstaltung von Chamber Music Connects the World nämlich “Mit Musik – Miteinander” ging am Sonntag Nachmittag hier in Kronberg zu Ende. Es war die 16. Auflage dieser Veranstaltung.

Die Eingangspforte zu MMM

Während draußen Windböen und dunkle Wolken das Wetter auf einen neuen Nullpunkt trieben und der April sich von seiner klassischen Seite zeigte, war an drei Tagen das Kronberger Malermuseum Schauplatz geselligen, inspirierten Musizierens. Es war  intim und hautnah. Die jungen Musiker mussten Ihre musikalische Potenz demonstrieren und in zuvor ungeprobten Konstellationen mit neuen Mitspielern Musikwerke erarbeiten – und dabei so manche Herausforderung spieltechnisch und interpretatorisch bestehen. Für letzteres sorgten die schon sehr erfahrenen, aber noch jungen und sympathischen Seniors Alina Ibragimova, Itamar Ringel und der lebhafte Nicolas Altstaedt.

Acht junge Musiker ( alle unter 20 Jahre), ausgewählt aus über dreißig Bewerbungen, waren nach Kronberg gekommen, um mit den drei zuvor genanten Seniors zusammen Kammermusik zu proben und eine intensive Atmosphäre des Lernens zu ermöglichen. Diverse Werke wurden einstudiert und erarbeitet. Alle drei Seniors (bereits alle Junior-Teilnehmer bei Chamber Music Connects the World in 2004- 2008) waren nun in der Rolle von Lehrern und erfüllten diese Aufgabe spürbar mit viel Engagement und Begeisterung. Start war am Freitag Nachmittag – und alle 8 Teilnehmer stiegen sofort in das Geschehen ein. Im Nebenraum war unser Akustiker Herr Lachmann dabei, die audiotechnischen Voraussetzungen für eine Audio-Aufnahme zu schaffen. Alle Teilnehmer werden ein Zertifikat und eine CD mit der Aufnahme der Schlussveranstaltung im Laufe der nächsten Wochen erhalten.

Der musikalische Ausklang am Sonntag Nachmittag krönte auf gelungene Weise die Stunden der Probenarbeit. Nicolas Altstaedt hatte zuvor eine kleine Einleitung gegeben, bevor es mit den insgesamt acht Stücken von Haydn, Mozart, Schumann, Schubert und Beethoven losging. Nicolas betonte die wichtige Rolle der Seniors bei der Weitergabe des Wissens an die jüngeren Musiker. Der hätten sich die drei Seniors gerne gestellt und selbst reichlich neue Erfahrungen sammeln können.

Den Zuhörern hatte der musikalischen Schlussbeitrag offenbar sehr gefallen - lang anhaltender, wohlwollender Beifall bezeugte dies nachdrücklich.

Dank der Crespo Foundation, die beide Projekte langfristig unterstützt, repräsentiert MMM einen weiteren Baustein in der Förderung sehr junger Musiker. Neue Freundschaften, musikalische Dialoge und ein inspiriertes “aufeinander eingehen” waren Kennzeichen dieses Wochenendes in Kronberg. Mehr als zufriedene Gesichter beim Auseinandergehen.

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – die Feuertaufe

Montag, 12. April 2010

P1290523 Die Grundidee lautete: berühmte, großartige Solisten, genannt Seniors, zusammen zu bringen mit jungen, aufstrebenden Künstlern und sie über 11 lange Tage gemeinsam in Kronberg arbeiten zu lassen. Diese Idee nahm Ende der Neunziger Jahre Gestalt an. Eine außergewöhnliche Konstellation in der Art und Weise wie junge und etablierte Künstler gemeinsam kammermusikalische Werke einstudieren würden. Raimund Trenkler wollte  so die Förderung junger begabter Musiker, und nicht nur junger Cellisten, auf eine breitere Basis stellen.

Ein Vergleich zu den seit 1951 durchgeführten 6-wöchigen Konzert-Workshops der Marlboro Music School drängt sich auf.  Diese von Rudolf Serkin 1951 ins Leben gerufene Kammermusik-Schule war durchaus eine gewisse Inspirationsquelle für Raimund Trenklers neues Vorhaben. Dennoch, die Fokussierung auf 11 Tage intensiven Musizierens ohne Unterbrechung so wie jetzt bei Chamber Music Connects the World in Kronberg praktiziert, das war etwas gänzlich Neues. So gesehen, meint Raimund Trenkler auch heute noch, war das Zusammenbringen der weltberühmten Musiker mit den auserwählten jungen Künstlern tatsächlich ein echter Glücksfall. Aber eben auch totales Neuland!

Erwartungen und die Ansprüche an das zu Leistende waren hoch. Ein Projekt-Team wurde aufgesetzt, Oda Cramer von Laue, die im Jahre zuvor ihre Arbeit in Kronberg aufgenommen hatte, übernahm die Projektleitung. Selbst Musikerin, war sie von Anfang an Feuer und Flamme für das Vorhaben. Man bedenke, dass es äußerst schwierig sein würde, international so renommierte Musiker für einen solch langen Zeitraum an einen Ort zu binden. Mit den bestehenden damaligen Verbindungen der Academy gelang es aber, fünf überaus renommierte Künstler für diese Zeitspanne tatsächlich nach Kronberg zu holen und ihr Mitmachen zu garantieren.

Anfang 2000, wenige Wochen vor dem Projekt, stand die erste Bewährungsprobe an, das Probespiel für Chamber Music Connects the World nämlich. Und das war und ist seitdem für die jungen Bewerber eine Herausforderung der ganz besonderen Art und mit seinem ganz eigenen Schrecken: Damit Gidon Kremer seine jungen Ensemble-Partner als Kammermusiker kennen lernen kann, müssen sie – die es gewöhnt sind, als Solisten zu überzeugen – in Kronberg als „Einwechselspieler“ in einem Streichquartett beweisen, wie flexibel sie im „aus dem Stehgreif“ Zusammenspiel mit anderen Musikern sind. Wie oft haben wir hinterher zu hören bekommen, dass dies die schlimmste Vorspiel-Situation war, die manch einem widerfahren ist!

Welche organisatorischen Widrigkeiten gab es bei der ersten Audition? Oda Cramer von Laue erinnert sich: „Die Stadthalle musste hergerichtet werden, buchstäblich in letzter Minute, denn die ganze Halle war von den Faschingsfeierlichkeiten des Vorabends gezeichnet – der Geruch von Essen und Trinken lag in der Luft, Stühle und Tische bevölkerten die Halle und sorgten für ein großes optisches Chaos. Wir hatten am Morgen etwas eine halbe Stunde Zeit, das Notwendigste zu beseitigen oder zu kaschieren…“. Die hektischen Aufräumarbeiten wurden belohnt: die Auditions konnten in ordentlichen Räumlichkeiten abgehalten werden. Am Ende des Tages standen 22 junge Künstler als Teilnehmer des ersten Chamber Music- Workshop Projektes fest. Fortsetzung folgt im nächsten Blog  mit dem Titel : der Start. Plus, als kleine Ergänzung,  ein Seitenblick auf den einflußreichen Musikfilm ” The Trout” vom britischen Filmer Christopher Nupen.

Michael Heinz

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

Chamber Music Connects the World / Wie alles begann

Donnerstag, 1. April 2010

Dies ist der Auftakt und eine kleine Einstimmung zu unserer neuen 10-teiligen Blog-Serie über die Anfänge des Kammermusik-Projekts „Chamber Music Connects the World“ und Portraits einiger Ex-Juniors.

Vor nunmehr fast genau 10 Jahren begann für die Kronberg Academy die Reise in die Welt der Kammermusik, und gleichzeitig die Etablierung eines weiteren Bausteins in der Förderung und Ausbildung junger, hochbegabter Musiker und Solisten.

In insgesamt drei Blogbeiträgen wollen wir die Geschichte von CMCW nacherzählen, von den gedanklichen Wurzeln bis zur Realisierung im Jahre 2000. Und vorweg ein kurzer Rückblick auf ein Kammermusik-Projekt in Amerika, wo das Experiment „Marlboro Music School“ in den frühen Fünfziger Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Welche Hürden und Hindernisse beim ersten Zusammentreffen in Kronberg im Jahre 2000 zu überwinden waren, davon soll auch hier später berichtet werden. Und über manche Eigentümlichkeit.

Dies alles wird erzählerisch und mit kleinen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen garniert. Eingesammelt und eingefangen bei all jenen, die mit Herzblut von Anfang mit dabei waren.

Was uns aber alle bis heute fasziniert ist dies:

die ersten Seniors bei Chamber Music sind über ihre eigenen Lehrer und deren Wegbegleiter mit  einer Generation verbunden, die viele herausragende Künstler der jüngeren Musikgeschichte hervorgebracht hat – dies wird stets lebendig, wenn man die Lebensläufe der beteiligten Musiker sich vor Augen führt und dann realisiert, dass auch diese Seniors auf den Schultern jener Generation stehen und von deren Kreativität und Meisterschaft nachhaltig inspiriert wurden. Ausnahmekünstler wie Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Rudolf Serkin, David Oistrach und Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin und natürlich nicht zu vergessen Mstislav Rostropovich haben ihre Meisterschaft und Disziplin an unsere Seniors weitergegeben – sich dieser Verbindungen bewusst zu sein und zugleich als Ansporn und Maßstab weiterzugeben, das ist nach wie vor das Ziel . Die jungen Musiker von heute reihen sich ein in diesen Strom. So betrachtet, ergibt sich ein bedeutungsvoller Brückenschlag zwischen den Generationen bis in die heutige Zeit.

Schließlich erhellen wir an sechs Musiker-Beispielen in den dann folgenden Blogbeiträgen zur Geschichte von Chamber Music Connects the World wie sich der eine oder andere Ex-Junior seit der Teilnahme künstlerisch weiter entwickelt hat. Denn “Chamber Music” istbekanntlich ein weiterer Pfeiler in der individuellen Förderung und Entwicklung einer aufstrebenden jungen Solisten-Generation der Extra-Klasse.

Nächster Blog:   Feuerprobe für ein einzigartiges Konzept

Michael Heinz