Flags, posters and banners greet visitors and young musicians alike!
The citizens of Kronberg are experiencing once more a marvellous musical festivity celebrating this time the gathering of some 160 young violin players from more than 40 countries, from 5 continents. The second Violin Masterclasses and concerts will be held between June 19 and 25 here, making Kronberg for about a week the heart of the violin world. And, indeed, the team of Kronberg Academy and our supporters have done a great job in collaboration with the city officials to grace this wonderful place with banners, posters and flags so that every visitor and musician can get a notion of how omnipresent this event really is.
Yesterday, throngs of youngsters arrived by train or airplane in Frankfurt from where they moved to our city. Suddenly, new dynamics unfolded, with many youngsters carrying luggage and instrument cases, asking pedestrians for direction to the academy offices where registration would take place. In some instances one could identify the musical school for which these students are matriculated. In my case, on my way uphill to our offices, while still busy making photos of this scene, a young violinist and her mother crossed my way: and quickly I found out, that it was a young player from New York who studies at the Juilliard school. An institution, which is in some ways comparable to Kronberg Academy, although Juilliard is much bigger with regard to the number of students ( in the realm of educating highly talented young string players).
Now, today, on this partly rainy Sunday, all the young musicians are going through 10 minute-auditions with four teachers/tutors. At the end of the day it will be decided who then will be accepted by the teachers to join in a masterclass with one of the maestros for which they had applied beforehand. So, after each student has finished his or her audition a time of waiting and hoping will follow until this very evening. Then, during the Welcome Dinner, all the young violinists will hear about whether they have been accepted as active participants in the masterclasses of their choice.
We keep our fingers crossed for all of them. And for those students who couldn´t make it to the active masterclass participation, we invite them enjoy their status as passive participants where they will learn by way of listening and communicating with other musicians and the teachers. While some students are still busy preparing themselves for the audition challenge, wrestling with tension and a bit of nervousness, meantime, all our visitors and the citizens can feel the spirit of this event while strolling the streets and places, finding posters and banners on many corners. The young violinists and the many vistors will change the face and dynamics of this city for a long wonderful week. May the masterclasses and the concerts provide for unique moments and encounters.
Das Team der Kronberg Academy freut sich immer wieder, wenn aus den Reihen der Zuhörer und Besucher feedback an unsere Institution herangetragen wird. Ein Dialog mit unseren Zuhörern ist von großem Wert, da wir die Akzeptanz und Einschätzung unserer Zuhörer für sehr wichtig halten.
Das es sogar auch den Wunsch zu einem schriftlichen Beitrag geben kann, davon zeugt der folgende Blogbeitrag, der von einem Besucher unserer gerade zu Ende gegangenen Konzertreihe “Masters in Performance” stammt. Harald Berchtold hat fast alle Konzerte dieses Wochenendes (2.6. – 7.6. ) erlebt und er schildert im folgenden Beitrag auf eine sehr persönliche Art die Eindrücke, die er dabei sammeln konnte.
Die Masters in Performance-Konzerte der Kronberg Academy stehen seit geraumer Zeit ganz oben auf meiner persönlichen Konzert-Wunschliste. Das besondere dieser Konzertreihe ist die private Atmosphäre, gepaart mit der Intensität und räumlichen Nähe, mit der sich die Musik im Sitzungssaal des Kronberger Rathauses entfaltet – und unmittelbar auf die Zuhörer übergreift.
Nur an ganz wenigen anderen Orten wird man derart überwältigt vom Klang eines einzigen Streichinstruments und kann gleichzeitig die Individualität und Ausdruckskraft der Solisten und deren Klavierbegleitung auf sich einwirken lassen. Viele Musikliebhaber aus Kronberg und Umgebung und weitere Besucher aus fernen Ländern nutzten diese einzigartige Möglichkeit, den Fortschritt ihrer bereits aus früheren Konzerten bekannten jungen Solisten sowie deren Begleitung zu verfolgen.
Welche der Konzerte haben mir persönlich aus dem diesjährigen Konzertprogramm neue Eindrücke vermittelt? Da ist gleich zu Beginn das Eröffnungs- & Examenskonzert von Gabriel Adriano Schwabe zu nennen. Gabriel Schwabe, der mir bereits beim Cello Meisterkurs von David Geringas im Oktober 2010 mit einem besonders warmen Ton seines Cellospiels auffiel, setzte sein hochkonzentriertes Cellospiel in der Stadthalle Kronberg eindrucksvoll fort – souverän begleitet von der Pianistin Anna Naretto.
Dass die Viola ihr früheres Schattendasein als vernachlässigtes kammermusikalisches Solo-Streichinstrument überwunden hat, ist in den aktuelleren Konzertprogrammen nicht nur der Kronberg Academy zunehmend festzustellen. Wie großartig das ehemals wenig beachtete Klangspektrum einer Viola sein kann, wurde eindringlich in den Darbietungen von Yura Lee und Peijun Xu in Kronberg offenbart. Je mehr Viola Musik von Bach, Brahms, Chopin, Kodalyi und Hindemith erklang, umso unmissverständlicher wurde klar, wie tief mittlerweile der Pflock unseres heutigen Musikempfindens in Richtung pro Viola als kammermusikalisches Soloinstrument eingeschlagen wurde und die Viola nicht mehr wegzudenken ist.
Das einzige reine Solo-Konzert bei Masters in Performance 2011 gab die Geigerin Alina Ibragimova und das derart beeindruckend und fesselnd, dass ich gerne noch mehr davon gehört hätte. Egal ob bei Heinrich Ignaz Franz Biber, Luciano Berio oder Bela Bartok – die russische Seele ihrer Interpretation war für mich allgegenwärtig und in ihrer Tiefe und technischen Brillanz atemberaubend. Ebenso überwältigend erfüllten die Ravel- und Tschaikowsky-Interpretationen des Geigers Valeriy Sokolov die Zuhörer.
Die Geigerin Jehye Lee gab überraschenderweise sogar zwei Konzerte – Samstag und Sonntag (als Vertretung für die verhinderte Suyoen Kim): Und so war es ein außergewöhnliches Erlebnis, ihre Interpretation „mit leidenschaftlichem Ausdruck“ der Violinsonate von Robert Schumann Nr. 1, a-Moll, op. 105 auch noch ein zweites Mal hören zu dürfen; wobei neben ihrem strahlenden Geigenton die perfekte Harmonie mit der mit feinstem Anschlag musizierenden Pianistin Yumiko Urabe besonders auffiel. Jehye Lee verabschiedete sich mit zwei ergreifenden Paganini Capricen als Zugabe und sicherlich hat jeder der Anwesenden ihr in tiefer Dankbarkeit für ihre musikalische Darbietungen in Kronberg die besten Glück- & Erfolgswünsche für ihre Teilnahme am kommenden Tschaikowsky Wettbewerb in Moskau mit auf den Weg gegeben.
Eine letzte Konzertreise führte Feuermann Anfang 1939 nochmals nach Europa. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten zeichnete sich der Ausbruch des 2. Weltkrieges ab. RCA nahm Feuermann unter Vertrag, Columbia, mit denen er zuvor zusammen gearbeitet hatte, hatte das Nachsehen. Diverse Plattenaufnahmen u.a. mit Franz Rupp am Klavier (Begleiter von Fritz Kreisler) zeugen heute von Feuermanns großer Meisterschaft auf dem Gebiet der Kammermusik. Lediglich eine einzige Aufnahme eines Bachschen Werkes ist erhalten geblieben. Sie entstammt einem Konzert im New Yorker Lewisohn Stadion zusammen mit den New Yorker Philharmonikern. Das Konzert wurde im Radio gesendet und aufgezeichnet. Sonst gibt es keinerlei Aufnahmen eines Bachschen Werkes. Da Feuermann gewusst hatte, dass Casals sämtliche 6 Suiten in den Jahren 1936 und 1939 aufgenommen hatte, war er wohl der Meinung, dass diese Werke die Domäne von Casals seien. Feuermann hatte eine hohe Meinung von dem katalanischen Maestro und wollte die Cello-Suiten mit Casals gemeinsam einstudieren. Aber dazu kam es nicht mehr.
Feuermann trifft auf Jascha Heifetz und agiert als Lehrer
Während Casals in Europa immer die allerhöchste Verehrung genoss, war Feuermann nun in den Vereinigten Staaten buchstäblich außer Konkurrenz. In jener Zeit wurde Feuermann von Jascha Heifetz sehr unterstützt, mit dem er dann bei RCA nicht zuletzt aufgrund des Erfolges mit dem NOA Orchester unter Leon Barzin, das Doppelkonzert von Brahms aufnahm. Für Yo-Yo Ma belegen diese Aufnahmen, dass Feuermann der einzige Cellist in jener Zeit war, der dem Geiger Heifetz “Bogenstrich für Bogenstrich” ebenbürtig war. Feuermann ging aber auch einer Lehrtätigkeit am berühmten Curtis Institute in Philadelphia nach. Der damalige Leiter und Geiger Ephraim Zimbalist hatte ihm diesen prestigeträchtigen Lehrauftrag verschafft (zu seinen dortigen Schülern zählte u.a. David Soyer, Gründer des Guarneri-Quartetts).
Das „One Million Dollar Trio“ – Feuermann schreibt Musik-Geschichte
Im Sommer des Jahres 1941 nahm Feuermann zusammen mit den beiden Superstars der damaligen Zeit Jascha Heifetz (Violine) und Arthur Rubinstein (Klavier) einige der bedeutendsten Kammermusik-Werke auf. Das Trio ging seinerzeit als “One Million Dollar Trio” in die Musik-Geschichte ein. Die Aufnahmen sind bis heute von hohem musikalischen Rang. Weitere Aufnahmen folgten unter Einbeziehung des damals führenden englischen Bratschers, William Primrose.
Die Kriegsgeschehnisse hatten im Dezember 1941 auch Amerika einbezogen und Feuermann zeigte patriotisches Engagement für seine neue Heimat. Er gab Konzerte vor US-Soldaten und beteiligte sich am so genannten ” I am an American-Day”. Ansonsten sorgten seine diversen Konzertauftritte und Plattenaufnahmen für einen prallen Kalender. Zwischenzeitlich war es gelungen, die Eltern und seinen Bruder nach Amerika zu bringen, mithilfe des Musiker-Freundes Bronislav Hubermann.
Das letzte Konzert
Am 7. Mai gab er sein letztes Konzert in Ann Arbor mit dem Philadelphia Orchestra unter Thor Johnson, zwei Wochen später, noch nicht einmal 40 Jahre jung, verstarb er am 21. Mai 1942 an den Folge-Komplikationen einer an sich einfachen Operation. Sein Tod war für alle unfassbar. Arthur Rubinstein charakterisierte den Menschen Emanuel Feuermann ganz einfach so: ” Er war das Leben selbst”.
Wenige Tage vor seinem Tod hatte Emanuel Feuermann einen Plattenvertrag unterschrieben: Er sollte sämtliche Beethoven Sonaten einspielen. Die Aufnahme der Bach Cello Suiten hingegen, mit denen er sich auseinander gesetzt hatte, war ihm nicht so eilig.
Bei seiner Beisetzung am 28. Mai war die damalige Musiker-Elite zugegen. Ormandy, Szell, Serkin, Schnabel, Huberman und Toscanini, sie alle waren am Tage seines Begräbnisses zur Stelle. In einem Nachruf für die New York Times schrieb der Musiker-Kollege Joseph Schuster einen großartigen Beitrag, er bezeichnete Feuermann als “unersetzlichen Künstler”. Und 1954 äußerte Pablo Casals in seinen berühmt gewordenen Gesprächen mit seinem Landsmann José Maria Corredor, welchen Cellisten er ganz besonders verehre. Es sei Emanuel Feuermann gewesen und dessen Tod sei ein großer Verlust für die Musik.
Ein einfacher Grabstein auf dem Kensico Friedhof des Ortes Valhalla nördlich von New York erinnert an den neben Pablo Casals größten Cellisten seiner Zeit. Bedingt durch die Kriegswirren der damaligen Zeit verbreitete sich die Nachricht von seinem Tode nur verspätet nach Europa. Erst im Oktober 1945 erhielt Feuermanns Witwe Eva einen handgeschriebenen Brief von Pablo Casals, den dieser auf französisch von London aus abgeschickt hatte. Darin faßte er mit wenigen Sätzen die Bewunderung und Anerkennung für den Menschen und Musiker Emanuel Feuermann zusammen.
Ausblick
Die Kronberg Academy möchte die Erinnerung an diesen großen Musiker allzeit mit ihrem Wettbewerb und auch mit Projekten und Veröffentlichungen weiterhin wach halten und als nach wie vor lebendige und vorbildliche Inspirationsquelle für kommende Cello-Generationen verstanden wissen.
Feuermanns immerwährendes Credo: ein singendes Cello
Im vorherigen Blogbeitrag hatten wir uns mit den Vorstellungen Emanuel Feuermanns zum Thema Lernen und Üben befasst.
Jetzt sollen mehr die künstlerischen Qualitäten des Cello-Spiels aus seiner Sicht beleuchtet werden. Es sei nochmals in Erinnerung gerufen, dass in den Augen vieler berühmter Musiker-Zeitgenossen die Meisterschaft im Cello-Spiel durch Feuermann ungeahnte Höhen erlebte. Zur Verdeutlichung ein Zitat des ungarischen Cellisten Janos Starker über ihn:
“I place him as the most important figure for 20th century cello playing . . . . [While] Casals was responsible for establishing cello playing of the modern age, [it was] Feuermann who showed us the way to the next development. The cello was no longer an instrument to be excused because of its difficulty. He overcame all the difficulties which before his time were considered almost invincible obstacles.”
Die Beherrschung des Cellos
“It is surprising how few rules and principles there are and still more surprising how completely they change the entire style of playing. Believe it or not, my dear friend, the really outstanding string players, whether Kreisler, Casals, or Heifetz, are similar to each other in the way they use their muscular systems and handle their instruments and bows. The main differences lie in their different personalities, talents, and ideas, and only to a very small extent in their techniques, for which, again, physical differences are accountable.
Very simply, these rules are not demanded of the performer, but demanded by the instrument. Please understand this point thoroughly, because this is the basic fault of your approach. You have to know your instrument, cello and bow and how to handle them, the demands of the music and your mental and physical abilities and weaknesses to be able to recognize your mistakes, the inadequacies in your playing and to try to correct them. Analysis, patience, and endurance are the main requirements for your development.
One small example: when a cellist plays fast detache notes on the lower strings, you can hardly speak of the sound he produces, rather, you could call it a scratchy noise. The reason? You can only get a good sound from a string if it vibrates. Bring the string to vibration and one of the worst handicaps of the cello disappears. A very simple fact, certainly not a miracle, easy to remedy, yet still not recognized as the source of one of the ugliest and most prevalent ills of cello playing”.
Keine Note ohne Ausdruck und Artikulation
“As in a written sentence the only guidelines are the single words, commas, periods, question marks, etc., so in music notation we have only the bar lines, the bowings, the pitch and length of the single notes, and expression marks (accents, crescendi, etc., play quite a special role). What meaning can there be in a story recited in a monotone? Very little. The words may be recognizable, but there will be little real sense.
When you played for me, I showed you how little attention you have given to this way of looking at music, to this kind of approach, the most important one for a performer that I know of. Of course, partly by chance, partly because we have more to lean on in musical notation than in language, and partly because you have a musical education outside of cello playing, and lastly because one cannot practice and play for years without achieving something, you quite often understood the meaning of the music.
Let me try to explain to you what I mean by approach. Except for groups of fast notes where a given number of notes are one single rhythmical unit, there is not a note in music that should be played without expression or articulation. It can be compared to speaking, in which every syllable has its rhythm and phrasing within a sentence, according to its desired meaning. So, every note must be played according to the intended expression within the musical phrase”.
Musikalität und Spieltechnik
“Here technique, there musicality – an ancient comparison which is senseless and has done great damage to the perfection of playing. There should be a three-part division: mechanism, musicality, and technique, which when used musically is the mechanism.
What should the goal be for a performer, that is for the interpreter of a composition, i.e., the musical expression of another person? To interpret as closely as possible the composer’s intentions, at least what the player believes are his intentions. How can one best accomplish this goal? First one should recognize this goal as such and then control the means that are absolutely necessary for its accomplishment.
In my opinion, a war exists between technique and musicality. It brings with it only confusion, and makes a great performance virtually impossible. If one understands that by musicality is meant that one recognizes the intentions of the composer, then the other half of the term-”technique”-can be explained as possessing the real means necessary for bringing these intentions to fruition……. virtuoso includes: the greatest ability, respect for a piece of art, and the ability to fit one’s personality to the art work. How many of us have this? How many of us believe we have it, and are mistaken about it? And how many could have it if they were guided properly during their development?”
Persönlichkeit und Interpretation
“We must make it clear to ourselves that it would do great harm to Beethoven’s music if each musician were allowed to maintain the essentiality of his own personality for the shaping and molding of Beethoven.
This arrogant attitude does great damage to both music and public. The personality cannot be excluded, but the musician must try to live up to the composer and not bring the composer down to his level. We must take it for granted that of the two, the composer is the greater. The goal which I consider as the most important for the player is: abandon vanity, and ability, if there is any thought behind it at all, will come forth”.
Welche Rolle spielt der Dirigent eines Orchesters oder eines Chors? Braucht man ihn überhaupt? Musik-Interessierte und Laien zerbrechen sich den Kopf hierüber und bleiben nicht selten ratlos. In diesem Beitrag geht es um Orchester-Dirigenten.
Stellen wir uns also ein Orchester oder Musik-Ensemble vor und betrachten die Ausgangslage. Schließlich ist doch jeder einzelne Orchester-Musiker ein gründlich ausgebildeter Instrumentalist, der viele Werke gut kennen dürfte, in seltenen Fällen unter Umständen sogar besser als der Dirigent. Und schließlich gibt es ja durchaus Orchester und Ensembles, die ohne einen Dirigenten auskommen (Kammermusik). Dies stimmt nicht ganz, da auch in diesen Ensembles eine Führungsperson agiert. Genaues Zuhören und Zusehen sind hier besonders wichtig. Die Einsätze werden durch Handzeichen, Kopfbewegungen oder auch durch den Geigenbogen angegeben. Ein führender Musiker ist dennoch zuvor schon bestimmt worden. Aber zurück zu den großen Orchestern und deren Dirigenten. Welche Aufgaben und Funktionen nun übernimmt ein Dirigent?
Mit der wachsenden Größe der Orchester und der stetig zunehmenden Komplexität der Kompositionen ist die Funktion des Dirigenten mit der Zeit immer unverzichtbarer geworden. Warum? Salopp ausgedrückt: Der Dirigent nimmt die Rolle einer Führungsperson wahr – die Musiker müssen sich unterordnen. Je nach Temperament und Charakter-Disposition macht er oder sie auf seine individuelle, unverwechselbare Art Vorgaben über die Art und Weise des Spielens eines bestimmten Werkes. Er oder Sie befasst sich intensiv mit der Partitur und dem Wesen des Werkes, erfasst die zugrunde liegenden musikalischen Strukturen, beachtet die historischen Umstände des Entstehens des Werks und setzt all dies um, in dem er/sie all diese Facetten in der gemeinsamen Erarbeitung und in den Proben mit dem gesamten Orchester durchgeht und dann probt. Ganz formell gesprochen, kann man die Aufgabe und Funktion des Dirigenten – also das Dirigieren – grob so umreißen:
Er/sie markiert den für alle Musiker verbindlichenTaktund bestimmt damit auch das gemeinsame Tempo!
Er/sie zeigt den Musikern den Beginn und das Ende des Stücks sowie ihreEinsätze an
Er/sie beschreibt und zeigt die gestalterische Entwicklung des musikalischen Verlaufs an
Dirigenten versuchen dem Wesenskern des aufzuführenden Stücks nachzuspüren und offen zu legen, so wie dies durch Quellen ( Briefe, Tagebuchnotizen des Komponisten), Anmerkungen oder aussagekräftige Titel (Programmmusik) ersehbar oder ableitbar ist. Dirigenten kennen oder erarbeiten sich zuvor das musikhistorische Umfeld des Stückes. Häufig kennen Dirigenten die Partitur nach intensivem Studium auswendig und haben sich folglich eine genaue Klangvorstellung erarbeitet, die höchst individuell sei kann aber ebenso auch völlig der seinerzeitigen Aufführungspraxis nahe kommt (Stichwort: Werktreue, historische Aufführungspraxis). Mit anderen Worten: Die Dirigenten haben Spielräume, die sie aufgrund ihrer eigenen Philosophie und Herangehensweise an das betreffende Werk ausgiebig ausschöpfen können. Alle Nuancen der Interpretation eines Werkes werden in der Orchestermusik vom Dirigenten maßgeblich beeinflusst.
Ferner entwickeln sie aufgrund von im Stück vorgegebenen Tempi oderMetronomangaben, möglicherweise auch Aufnahmen, eine eigene, präzise Vorstellung von Tempo und Klangcharakter des Stückes. Dirigenten erarbeiten sich die Einsätze der verschiedenen Instrumente oder Stimmen, Taktänderungen, Tempo- und Charakterwechsel und üben sie gestisch und mental für sich ein. Der Dirigent bewertet und korrigiert, wie die einzelnen Musiker bestimmte Passagen spielen (zu laut, zu langsam). Er ist somit derjenige, der die Klänge jedes einzelnen Instruments oder Instrumentengruppe wissend um die „Gesamt-Zusammenhänge“ steuert und in das von ihm gewünschte harmonische Ganze einmünden lässt. Beim Dirigenten laufen alle Fäden zusammen, er trifft die finalen Entscheidungen. Er entscheidet, überspitzt gesagt, über das „Wichtigste“: über Anfang und Ende eines Stückes und dass dies von allen beteiligten Musikern gleichzeitig ausgeführt wird (und in den Pausen darf niemand „rasseln“ – mit dem Abwinken des Dirigenten wird dies sichergestellt). Ohne diese technischen Koordination aller Spielenden und Pausierenden gäbe es wohl nur Chaos.
Umfangreiche Probenarbeiten sollen sicherstellen, dass der Reifegrad des aufzuführenden Werkes dem Idealbild des Dirigenten sehr nahe kommt. Harte Arbeit, Geduld und Schweiß bei allen Parteien sind daher angesagt, motivierende und inspirierende Eigenschaften stellen so ein weiteres, allerdings wichtiges Merkmal in der Arbeit und Funktion eines Dirigenten dar. Es braucht sehr viel Erfahrung und profundes musikalisches Wissen, um bei einem Orchester positiv etwas zu bewirken, um einen Dialog mit den Musikern aufzunehmen und eine Interpretation entstehen zu lassen. Je sicherer das Wissen um die Partitur, desto souveräner der Auftritt vor dem Orchester. Denn wenn Orchestermusiker etwas nicht „vertragen“, dann sind es unsichere Dirigenten. Viele Dirigenten sind zusätzlich auch hervorragende Instrumentalisten oder Komponisten, wie z.B. Daniel Barenboim (Klavier) oder Pierre Boulez(Komposition). Und die Liste lässt sich beliebig in die Vergangenheit erweitern: Mstislav Rostropowitsch (Cello),Leonard Bernstein (Komposition, Klavier), Sergei Rachmaninow (Komposition, Klavier), Gustav Mahler(Komposition, Klavier). Wenn Dirigenten also gewissermaßen die musikalischen Chefs und gleichzeitig auch die intellektuellen musikalischen Vorabeiter sind , dann ist es nahe liegend, dass sich diese durch vielfältige „Führungs- und Persönlichkeitsmerkmale“ unterscheiden.
Fazit:
Der Dirigent ist die musikalische Führungsperson, ein intellektueller Arbeiter, ein Analytiker und Musik-Historiker in einem. Und wie gesagt, er ist der Entscheider. Ohne den Dirigenten gäbe es in einem großen Klangkörper stattdessen ein kleines Chaos. Mit seinen Hand- und Taktstockbewegungen, aber auch mit seiner Mimik prägt dann ein Dirigent rein äußerlich die Umsetzung seiner musikalischen Ideen. Dieser letzte Teil im gesamten umfänglichen Arbeitsprozess, der jeder Werkaufführung vorangeht, ist gewissermaßen die Kristallisation seiner Arbeit und Vorbereitungen. Alles Vorangegangene bleibt für den Laien unsichtbar.
I’m not interested in having an orchestra sound like itself. I want it to sound like the composer Leonard Bernstein
Can’t you read? The score demands “con amore,” and what are you doing? You are playing it like married men!” Arturo Toscanini
“I have been told that my interpretations brought something new, but few were those who noticed that I merely wanted to render the natural tendency of the music structure.” Sergiu Celibidache
Oder: was macht die Bratsche (Viola) zum dunklen Pendant der Geige?
Wer hat sich das nicht schon mal gefragt: worin unterscheidet sich eine Geige von einer Bratsche? In einem der letzten KAtalks kam die knifflige Frage auf, wie man eigentlich Viola und Violine unterscheidet. Gar nicht so leicht, zumindest für die nicht, die keine ausgewiesenen Musik-Experten oder gar Kammermusiker sind. Und die frappierende äußere Ähnlichkeit erschwert eine rasche Bestimmung und Unterscheidung dieser beiden „Klang-Körper“. Musikalische Laien können sich oft gar kein Bild von den Unterschieden zwischen beiden Instrumenten machen.
Hier ein paar Antworten abgestellt auf die Besonderheiten der Bratsche. Wunderbar klar hat es der ungarische Komponist Györgi Ligetiausgedrückt: „Scheinbar ist die Viola nur eine größere Violine, einfach eine Quint tiefer gestimmt. Tatsächlich liegen aber Welten zwischen den beiden Instrumenten. Drei Saiten haben sie gemeinsam, die A-, D-, und G-Saite. Durch die hohe E-Saite erhält der Klang der Violine eine Leuchtkraft und metallische Durchdringlichkeit, die der Viola fehlen. Die Violine führt, die Viola bleibt im Schatten. Dafür besitzt die Viola durch die tiefe C-Saite eine eigenartige Herbheit, kompakt, etwas heiser und mit dem Nachgeschmack von Holz, Erde und Gerbsäure“ ( aus dem Vorwort von György Ligeti zu seiner Sonate für Viola solo der Jahre 1991–1994)..
Weitere Nuancen der Unterscheidung: Der Bogen der Bratsche gleicht dem der Violine, er ist allerdings länger und ca. 10–15 g schwerer und hat eine abgerundete Kante. Ein Unterschied zur Geige besteht in der Größe und Stimmung der Viola, deren leere Saiten eine Quinte tiefer auf c – g – d’ – a’ gestimmt sind.
Und noch was für die Ohren: Der Klang der Bratsche wird als voll, weich und dunkel bis in die höchsten Lagen beschrieben, dabei melancholisch, leicht rauchig und ein bisschen „näselnd“. Der tiefsten Saite, der C-Saite, ist zumal im „forte“ etwas Wildes und Rauhes zu eigen. Dies ist eine Klangfarbe, die in der Opern- und sinfonischen Welt gern vorkommt und auch häufig in der Filmmusik genutzt wird. In der Höhe, auf der A-Saite, fehlt der Bratsche irgendwie die Brillanz und Helligkeit der Violine – so zumindest mein Empfinden. Viele Musiker indes sind sich einig bei dieser Charakterisierung: der Klang ist einfach dunkler, gleichzeitig hat er eine charakteristische Schärfe, die, so empfinden wiederum andere Experten, an den Klang der Oboe erinnere. Wie die Violine verfügt die Viola über einen obertonreichen Klang. Allerdings: der zu kleine Korpus dämpft die hohen Obertöne ab. Fazit: die äußerlich so ähnlichen Instrumente verfügen über sehr unterschiedliche Klang-Charakteristiken.
Worauf beruht die Eigentümlichkeit des Bratschenklangs? Es ist schlicht die Tatsache, dass der Korpus der Viola für ihre Stimmung eigentlich zu klein ist: Da sie eine Quinte tiefer als die Geige erklingt (Frequenzverhältnis 2:3), müsste der Korpus auch im gleichen Verhältnis länger sein als der 36 cm lange Geigenkorpus, also ungefähr 54 cm lang. Häufig ist der Violakorpus aber gerade einmal zwischen 40 cm und 43 cm lang (es gibt auch Violen mit bis zu 48 cm Länge). Die Abmessungen und Längenverhältnisse (Mensur) der beiden Instrumente sind also bei “näherer” Betrachtung durchaus zu unterscheiden. Und dies hat auch Konsequenzen für die Spielbarkeit der beiden Instrumente. Manch einem scheint die in Laien-Orchestern von Bratschisten gestellte Frage „Und wie lang ist Deine Bratsche?“ recht kurios. Je länger der Korpus, desto schwieriger die Spielbarkeit. Rücken und Nackenprobleme bei Bratschern sind daher keine Seltenheit.
Die eigentliche Domäne für die Bratsche ist die Kammermusik. An erster Stelle stehen hierbei Sonaten u.ä. für Viola allein und für Viola und Klavier sowie das Streichquartett (mit erster und zweiter Violine, Viola und Violoncello) als Hauptgattung der Kammermusik überhaupt.
Nachfolgend einige Beispiele für Musikstücke, in denen die Bratsche und nicht die Violine die „erste Geige“ spielt..:
Bleibt zu hoffen, dass bei nächster Gelegenheit die Bratsche in Windeseile „erkannt und herausgehört“ wird. Und ihr warmer Klang noch bewusster in unsere Ohren dringt.
Mareile Zürcher, der gute Geist der Kronberg Academy und organisatorisches Supertalent was komplexes Projektmanagement angeht, feiert heute am 14. Mai 2010 ihren neunundzwanzigsten Geburtstag. Viele Team-Mitglieder, Künstler und Musiker – Seniors und Juniors - waren in der Stadthale Kronberg versammelt, als man ihr Blumen, Süßes und auch ein Ständchen von Gidon Kremer darbieten durfte, um der Freude Ausdruck zu verleihen.
Welch ein Tag für Mareile – gleichwohl mitten im Projekt steckend und viele noch anstehende Herausforderungen bei Chamber Music Connects the World vor sich. Aber wen wunderts, Mareile bleibt auch hier cool und gut gelaunt. Der Wonnemonat Mai läßt grüßen.
Während die Proben ab 11.00 also gleich wieder weiterlaufen und das volle Programm von Chamber Music Connects the World für diesen Tag wie immer höchst professionell seinen Lauf nimmt, zelebrieren derweil Mareile und diverse Mitarbeiter(innen) der Kronberg Academy über Mareiles gute Laune und Stimmung.
Eine kurze Foto-Reportage mit freundlicher und spontaner Unterstützung von Hobby-Fotografin Sabine Fritzen erstellt. Bleibt noch anzumerken, dass auch diese Mini-Reportage aus dem konstruktiven und spontanen Team-Geist heraus geboren wurde.
Fünf junger Musiker, wir nennen sie die Juniors, waren am Montag, den 10. Mai 15.00 Uhr pünktlich im Großen Saal der Kronberger Stadthalle versammelt. Valery Sokolov (Vl), Lily Francis (Vla), Julian Arp ( Vc) und Kontrabassistin Sophie Lücke. Maestro András Schiff, einer unserer fünf Seniors bei Chamber Music Connects the World, war bereits in der Halle und erwartete die jungen Musiker. Auf dem Probenplan stand Franz Schuberts“Forellenquintett”. Den vier jungen Solisten sah man die freudige und zugleich spannungsgeladene Stimmung an, es würden nun 2 Stunden intensiver Arbeit und Austausch mit dem großen Pianisten vor ihnen liegen. Einige Foto-Impressionen mögen die Stimmung und die Atmosphäre dieses großartigen Nachmittags dokumentieren. Größtmögliche Konzentration und zugleich die Bereitschaft, das Gehörte zu verinnerlichen und umzusetzen, das dürfte die Juniors wohlt beseelt haben, so dachte ich. Aus der letzen Reihe der bereits bestuhlten und ansonsten leeren Stadthalle versuchte ich mich in den Fluß der Forellen-Klänge “hineinuzuhören”. Eine wahrhaft großartige Musik, ich erinnerte mich an die Worte von Oda, die mir vor wenigen Monaten erst vom legendären Musikfilm “The Trout” von Christopher Nupen berichtet hatte. In dieser legendären Musik-Dokumentation vom Sommer 1969 geht es um die Einstudierung eben jenes Stückes von Schubert in einem Londoner Konzert ( u.a. mit Daniel Barenboim, Pinkas Zukerman, Jacqueline du Pre) , dem ich gestern hier in Kronberg als Zaungast beiwohnen durfte. Und die Möglichkeit bekam, in größter Zurückhaltung, einige fotografische Momente einzufangen.
Fotoimpressionen von der Ankunft und Begrüßung der 22 Juniors in der Kronberger Stadthalle am gestrigen Sonntag, den 9. Mai – Raimund Trenkler, künstlerischer Leiter der Kronberg Academy, begrüßte die Teilnehmer des 6. Chamber Music Connects the World Events im Feldberg-Saal der Kronberger Stadthalle – anschließend gab es für interessierte Juniors eine Stadtführung duch die beiden Academy-Team Mitglieder Axel Langhorst ( American Friends of Kronberg Academy) und Michael Heinz ( Web 2-0 ). Hier ein paar Highlights…:
Nicolas Altstaedt kam 2004, 22-jährig zur dritten Auflage von „Chamber Music Connects the World“ nach Kronberg. Seit dieser Zeit hat sich der 1982 in Heidelberg geborene junge Solist auf vielfältige Weise weiterentwickelt und sein Können und seinen Reifeprozess mannigfaltig unter Beweis gestellt. Nicolas gehört zu den letzten Schülern Boris Pergamenschikows in Berlin (2003-2004), studierte danach bei David Geringas. Derzeit ist Professor Eberhard Feltz sein Lehrer an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Diverse Auszeichnungen, CD-Einspielungen und Auftritte markierten seinen Weg seither als anerkannter und gesuchter Solist.
Highlights der letzten Saison (2008-09) waren Auftritte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter Sir Neville Marriner, dem RSO Stuttgart unter Sir Roger Norrington, der Haydn Philharmonie Österreich Ungarn unter Adam Fischer, dem Züricher und Stuttgarter Kammerorchester unter Dennis Russel Davies.
Zu seinen Kammermusik-Partnern zählten 2008 und 2009 Gidon Kremer, Yuri Bashmet, Alexander Lonquich, Jörg Widmann, das Quatuor Ebène, Daniel Hope, Leif Ove Andsnes. Ferner gab es intensive Kooperationen mit den Komponisten Thomas Ades, Lera Auerbach und Sofia Gubaidulina.
Im Haydnjahr 2009 veröffentlichte er bei Genuin Neuaufnahmen der Haydn Cellokonzerte. Die Fachpresse begeisterte sich über „die Plastizität im Detail….wie man sie in dieser Fülle des musikantisch Erfassten bisher noch nicht erlebt habe“, so schrieb es Peter Cossé 2009 in der Österreichischen Musikzeitung.
Zum Ende des letzten Jahres wurde Nicolas Altstaedt im Wiener Musikverein mit dem Credit Young Artist Award 2010 ausgezeichnet und er wird in Kürze beim Lucerne Festival mit den Wiener Philharmonikern unter Gustavo Dudamel auftreten.
Nicolas Altstaedt widmet sich intensiv der zeitgenössischen Musik. Er arbeitete eng mit Sofia Gubaidulina und Wilhelm Killmayer zusammen und brachte etliche ihm gewidmete Werke, u.a. von Moritz Eggert und Franghiz Ali-Sade zur Uraufführung. Von der großen russischen Komponistin Sofia Gubaidulina wird Nicolas so charakterisiert: „Schon jetzt besitzt er eine brillante Technik, schönen Klang, hervorragendes Gefühl der Form, feinste Phrasierung. Sein Spiel war vollkommen“.
Nicolas scheint ein geborener Lehrer. Anfang April hatte ich Gelegenheit, mit ihm in Kronberg anlässlich unserer Kammermusik-Veranstaltung „Mit Musik-Miteinander“ über Lernen und Lehren zu sprechen. Bei dieser Veranstaltung war er nun selbst in der Rolle des Senior und er füllte sie mit Leidenschaft und Begeisterung aus. Er spricht gerne über die Analyse musikalischer Strukturen und bekennt, dass Nikolaus Harnoncourt ihn stark intellektuell geprägt habe. Für ihn ist die Aufgabe des Weitergebens von Wissen an die Jüngeren eine Sache von Verantwortung mit dem Ziel, Grundstrukturen erfahrbar zu machen und die Fähigkeit, der Musik Gestalt zu geben. Kronberg erwartet Altstaedt nun mit Freude zu „Chamber Music Connects the World“. Er ist der erste Ex-Junior, der bei diesem Projekt auch als Dozent auftritt – ein Ensemble wird ganz von ihm betreut – und damit einen Generationenwechsel ganz sachte einläutet. Sein Auftreten im Konzert der Ex-Juniors
( „Die Rückkehr der Glorreichen Sieben“) könnte einer der ersten Höhepunkte von Chamber Music Connects the World 2010 werden.
Nicolas kommt mit einem Violoncello von Nicolas Lupot (Paris 1821) im Gepäck in unsere Stadt.
Tanja Becker-Bender, Violine / Junior 2000 und 2002
Tanja Becker-Bender gehörte mit zu den Ersten Juniors im Jahre 2000, sie war damals gerade 22 Jahre jung. Sie hat seitdem zielstrebig Ihren Weg gemacht. Doch im Gegensatz zu so manch einem anderen Jung-Solisten hat sich Tanja Becker-Bender nicht im Konzertbetrieb verzehrt. Ihr Name begegnet einem nicht häufig in diversen Festivalprogrammen. Als sie in dem Fragebogen einer Frauenzeitschrift vor einigen Jahren ihren Erfolgsfaktor nennen sollte, antwortete sie “Mut zum Anderssein”.
Welche musikalischen Ausbildungs-Phasen hat sie durchlaufen? Erster Violin-Unterricht mit sechs Jahren. Nach Unterrichtung durch Helmut Zehetmair(Mozarteum Salzburg) und Wolfgang Marschner (Freiburg) wurde Tanja Becker-Bender 14jährig Studentin von Wilhelm Melcher (Melos Quartett) an der Musikhochschule Stuttgart. Dann folgte ein Studienjahr bei David Takeno an der Guildhall School in London. Von 1997 bis 2000 setzte sie ihre Studien bei Günter Pichler(Alban Berg Quartett) an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien fort und legte dort ihr Abschlussexamen mit Auszeichnung ab. Von 2000 bis 2002 studierte Tanja Becker-Bender als Stipendiatin des DAAD und der ZEIT-Stiftung (Gerd-Bucerius-Förderstipendium) an der Juilliard School in New York bei Robert Mann, dem langjährigen Primarius des Juilliard String Quartet, Abschluss mit dem Master of Music. Als einzige Geigerin des Jahres wurde sie ausgewählt, ihr solistisches Studium im renommierten “Artist Diploma” Programm der Juilliard School fortzusetzen. Im Jahre 2004 schloss sie dort ihr Studium mit einem exzellenten Solistenexamen ab. Größte Anerkennung wurde ihr in den USA mit dem Gewinn des Houston Symphony League Awards ebenfalls im Jahr 2004 zuteil, der ihr eine Einladung zu einer Aufführung des 2. Violinkonzerts von Bela Bartók mit dem Houston Symphony Orchestra einbrachte.
Was CD-Einspielungen angeht, war sie in den letzten Jahren äußerst produktiv. Eine ihrer letzten Einspielungen drehte sich um die Capricen von Niccolo Paganini. „Tanja ist eine der ganz wenigen Frauen, die sich der Herausforderung gestellt haben, Niccolò Paganinis 24 Capricen für eine CD aufzunehmen. Sie legte damit Zeugnis ab über ihr virtuoses Können, noch viel mehr aber dokumentiert sie auf ihrer ersten CD bei Hyperion ihren ausgeprägten Sinn für Klang“, so der Deutschlandfunk im April 2009. Ihre kostbare Guarneri del Gesú Violine aus dem Jahr 1728 wird ihr von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt. Mittlerweile fördert Tanja Becker-Bender selbst den musikalischen Nachwuchs: Die gefragte Kammermusikerin und Solistin lehrt seit zweieinhalb Jahren als Professorin für Violine in Nachfolge von Maxim Vengerov an der Musikhochschule Saar in Saarbrücken. Und natürlich muss man nicht betonen, dass sie seit vielen Jahren mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammen gearbeitet hat. Wen wundert es da, dass man Ihre Rückkehr nach Kronberg so sehr erwartet.
Claudio Bohorquez war im Jahre 2002 erstmals als Junior bei Chamber Music Connects the World dabei. Er war damals 26 Jahre jung. Mit acht Jahren begann er das Cello-Spielen und kam im Jahre 1989 für zwei Jahre als Jungstudent zu David Geringas an die Musikhochschule Lübeck. Später dann, als Schüler von Boris Pergamenschikow war Claudio Bohórquez schon früh erfolgreich bei internationalen Wettbewerben wie dem Tschaikovsk y Jugendwettbewerb in Moskau oder dem Rostropovich Wettbewerb in Paris. Von der Kronberg Academy wurde er u.a. durch den Landgraf von Hessen-Preis gefördert. Im Jahr 2000 war er mit drei Auszeichnungen Gewinner und erfolgreichster Teilnehmer des 1. Internationalen Pablo-Casals-Wettbewerbs der Kronberg Academy. Aus der Hand von Marta Casals Istomin erhielt er als zweijährige Leihgabe das Goffriller-Cello von Pablo Casals.
Claudio Bohórquez gastiert heute in der ganzen Welt. Er arbeitet dabei mit vielen der namhaftesten Dirigenten wie Daniel Barenboim, Rafael Frühbeck de Burgos, Christoph Eschenbach, Sir Neville Marriner, David Zinman oder Krzysztof Penderecki zusammen und konzertiert mit den größten deutschen und internationalen Orchestern – in Japan mit dem NHK Symphony Orchestra Tokyo und dem Tokyo Philharmonic Orchestra, in den USA mit fast allen großen Orchestern des Landes. Claudio Bohórquez verzeichnet eine beachtliche Anzahl an CD-Einspielungen, Rundfunkaufnahmen und Fernsehauftritten. Darüber hinaus widmet er sich verschiedenen Installations-, Improvisations- und Meditationsprojekten ent-wickelt ( z.B. gemeinsam mit dem Maler Klaus-Peter Kirchner das Installationsprojekt “Raum für Pablo Casals” als Hommage an diesen großen Cellisten) . Von 2003 bis 2006 war er Gastprofessor an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Berlin und ist ab Oktober 2009 erneut dorthin berufen worden.
Claudio spielt ein Violoncello von G. B. Rogeri, das ihm von der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt wird. Er lebt zur Zeit in Berlin.
Das Titelbild der ersten Broschüre zu „Chamber Music Connects the World“ publiziert im April 2000, stellt eine probende Gruppe junger Musiker dar, die es in der Welt der Kammermusik weit gebracht haben. Zu sehen sind: Jacqueline du Pre, Daniel Barenboim und Pinchas Zukerman im Jahre 1969 bei gemeinsamen Probenarbeiten. Die Szene entstammt dem legendären Musikfilm „ The trout“, gedreht vom Briten Christopher Nupen, und zeigt mit großem Feingefühl den Prozess des Probens und Einstudierens zu einem berühmten Kammermusikwerk von Schubert, dem sog. Forellen-Quintett.
Viele Musiker und Musikliebhaber sind dem Zauber dieses mitreißenden Dokumentar-Films erlegen, bis heute. Und schwärmen von der großen Emotionalität des Films. Auch Oda von Laue war mehr als angetan von dem Film, kein Wunder also, dass er gleichsam zu einer Motivationsquelle für die vor ihr liegende Arbeit wurde. Man entschloss sich seinerzeit im Team das besagte Szenen-Foto als Titelbild für die Broschüre auszuwählen.
Mit diesem Brückenschlag zum Film stellte man eine symbolträchtige Verbindung her zu einem in die Musik-Geschichte eingegangenen und berühmt gewordenen Zusammentreffen junger, aufstrebender Musiker. Das Abenteuer von „Chamber Music“ konnte nun auch in Kronberg beginnen im Rahmen eines eigenen, neuartigen Projektes.
Im nächsten Blog-Beitrag berichten wir über einige ehemalige Chamber Music – Teilnehmer und welchen Weg sie seitdem beschritten haben.
Die kleine Schwester-Veranstaltung von Chamber Music Connects the World nämlich “Mit Musik – Miteinander” ging am Sonntag Nachmittag hier in Kronberg zu Ende. Es war die 16. Auflage dieser Veranstaltung.
Während draußen Windböen und dunkle Wolken das Wetter auf einen neuen Nullpunkt trieben und der April sich von seiner klassischen Seite zeigte, war an drei Tagen das Kronberger Malermuseum Schauplatz geselligen, inspirierten Musizierens. Es war intim und hautnah. Die jungen Musiker mussten Ihre musikalische Potenz demonstrieren und in zuvor ungeprobten Konstellationen mit neuen Mitspielern Musikwerke erarbeiten – und dabei so manche Herausforderung spieltechnisch und interpretatorisch bestehen. Für letzteres sorgten die schon sehr erfahrenen, aber noch jungen und sympathischenSeniorsAlina Ibragimova, Itamar Ringelund der lebhafteNicolas Altstaedt.
Acht junge Musiker ( alle unter 20 Jahre), ausgewählt aus über dreißig Bewerbungen, waren nach Kronberg gekommen, um mit den drei zuvor genanten Seniors zusammen Kammermusik zu proben und eine intensive Atmosphäre des Lernens zu ermöglichen. Diverse Werke wurden einstudiert und erarbeitet. Alle drei Seniors (bereits alle Junior-Teilnehmer bei Chamber MusicConnects the World in 2004- 2008) waren nun in der Rolle von Lehrern und erfüllten diese Aufgabe spürbar mit viel Engagement und Begeisterung. Start war am Freitag Nachmittag – und alle 8 Teilnehmer stiegen sofort in das Geschehen ein. Im Nebenraum war unser Akustiker Herr Lachmann dabei, die audiotechnischen Voraussetzungen für eine Audio-Aufnahme zu schaffen. Alle Teilnehmer werden ein Zertifikat und eine CD mit der Aufnahme der Schlussveranstaltung im Laufe der nächsten Wochen erhalten.
Der musikalische Ausklang am Sonntag Nachmittag krönte auf gelungene Weise die Stunden der Probenarbeit. Nicolas Altstaedt hatte zuvor eine kleine Einleitung gegeben, bevor es mit den insgesamt acht Stücken von Haydn, Mozart, Schumann, Schubert und Beethoven losging. Nicolas betonte die wichtige Rolle der Seniors bei der Weitergabe des Wissens an die jüngeren Musiker. Der hätten sich die drei Seniors gerne gestellt und selbst reichlich neue Erfahrungen sammeln können.
Den Zuhörern hatte der musikalischen Schlussbeitrag offenbar sehr gefallen - lang anhaltender, wohlwollender Beifall bezeugte dies nachdrücklich.
Dank der Crespo Foundation, die beide Projekte langfristig unterstützt, repräsentiert MMM einen weiteren Baustein in der Förderung sehr junger Musiker. Neue Freundschaften, musikalische Dialoge und ein inspiriertes “aufeinander eingehen” waren Kennzeichen dieses Wochenendes in Kronberg. Mehr als zufriedene Gesichter beim Auseinandergehen.
Die Grundidee lautete: berühmte, großartige Solisten, genannt Seniors, zusammen zu bringen mit jungen, aufstrebenden Künstlern und sie über 11 lange Tage gemeinsam in Kronberg arbeiten zu lassen. Diese Idee nahm Ende der Neunziger Jahre Gestalt an. Eine außergewöhnliche Konstellation in der Art und Weise wie junge und etablierte Künstler gemeinsam kammermusikalische Werke einstudieren würden. Raimund Trenkler wollte so die Förderung junger begabter Musiker, und nicht nur junger Cellisten, auf eine breitere Basis stellen.
Ein Vergleich zu den seit 1951 durchgeführten 6-wöchigen Konzert-Workshops der Marlboro Music School drängt sich auf. Diese von Rudolf Serkin 1951 ins Leben gerufene Kammermusik-Schule war durchaus eine gewisse Inspirationsquelle für Raimund Trenklers neues Vorhaben. Dennoch, die Fokussierung auf 11 Tage intensiven Musizierens ohne Unterbrechung so wie jetzt bei Chamber Music Connects the World in Kronberg praktiziert, das war etwas gänzlich Neues. So gesehen, meint Raimund Trenkler auch heute noch, war das Zusammenbringen der weltberühmten Musiker mit den auserwählten jungen Künstlern tatsächlich ein echter Glücksfall. Aber eben auch totales Neuland!
Erwartungen und die Ansprüche an das zu Leistende waren hoch. Ein Projekt-Team wurde aufgesetzt, Oda Cramer von Laue, die im Jahre zuvor ihre Arbeit in Kronberg aufgenommen hatte, übernahm die Projektleitung. Selbst Musikerin, war sie von Anfang an Feuer und Flamme für das Vorhaben. Man bedenke, dass es äußerst schwierig sein würde, international so renommierte Musiker für einen solch langen Zeitraum an einen Ort zu binden. Mit den bestehenden damaligen Verbindungen der Academy gelang es aber, fünf überaus renommierte Künstler für diese Zeitspanne tatsächlich nach Kronberg zu holen und ihr Mitmachen zu garantieren.
Anfang 2000, wenige Wochen vor dem Projekt, stand die erste Bewährungsprobe an, das Probespiel für Chamber Music Connects the World nämlich. Und das war und ist seitdem für die jungen Bewerber eine Herausforderung der ganz besonderen Art und mit seinem ganz eigenen Schrecken: Damit Gidon Kremer seine jungen Ensemble-Partner als Kammermusiker kennen lernen kann, müssen sie – die es gewöhnt sind, als Solisten zu überzeugen – in Kronberg als „Einwechselspieler“ in einem Streichquartett beweisen, wie flexibel sie im „aus dem Stehgreif“ Zusammenspiel mit anderen Musikern sind. Wie oft haben wir hinterher zu hören bekommen, dass dies die schlimmste Vorspiel-Situation war, die manch einem widerfahren ist!
Welche organisatorischen Widrigkeiten gab es bei der ersten Audition? Oda Cramer von Laue erinnert sich: „Die Stadthalle musste hergerichtet werden, buchstäblich in letzter Minute, denn die ganze Halle war von den Faschingsfeierlichkeiten des Vorabends gezeichnet – der Geruch von Essen und Trinken lag in der Luft, Stühle und Tische bevölkerten die Halle und sorgten für ein großes optisches Chaos. Wir hatten am Morgen etwas eine halbe Stunde Zeit, das Notwendigste zu beseitigen oder zu kaschieren…“. Die hektischen Aufräumarbeiten wurden belohnt: die Auditions konnten in ordentlichen Räumlichkeiten abgehalten werden. Am Ende des Tages standen 22 junge Künstler als Teilnehmer des ersten Chamber Music- Workshop Projektes fest. Fortsetzung folgt im nächsten Blog mit dem Titel : der Start. Plus, als kleine Ergänzung, ein Seitenblick auf den einflußreichen Musikfilm ” The Trout” vom britischen Filmer Christopher Nupen.
Dies ist der Auftakt und eine kleine Einstimmung zu unserer neuen 10-teiligen Blog-Serie über die Anfänge des Kammermusik-Projekts „Chamber Music Connects the World“ und Portraits einiger Ex-Juniors.
Vor nunmehr fast genau 10 Jahren begann für die Kronberg Academy die Reise in die Welt der Kammermusik, und gleichzeitig die Etablierung eines weiteren Bausteins in der Förderung und Ausbildung junger, hochbegabter Musiker und Solisten.
In insgesamt drei Blogbeiträgen wollen wir die Geschichte von CMCW nacherzählen, von den gedanklichen Wurzeln bis zur Realisierung im Jahre 2000. Und vorweg ein kurzer Rückblick auf ein Kammermusik-Projekt in Amerika, wo das Experiment „Marlboro Music School“ in den frühen Fünfziger Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Welche Hürden und Hindernisse beim ersten Zusammentreffen in Kronberg im Jahre 2000 zu überwinden waren, davon soll auch hier später berichtet werden. Und über manche Eigentümlichkeit.
Dies alles wird erzählerisch und mit kleinen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen garniert. Eingesammelt und eingefangen bei all jenen, die mit Herzblut von Anfang mit dabei waren.
Was uns aber alle bis heute fasziniert ist dies:
die ersten Seniors bei Chamber Music sind über ihre eigenen Lehrer und deren Wegbegleiter mit einer Generation verbunden, die viele herausragende Künstler der jüngeren Musikgeschichte hervorgebracht hat – dies wird stets lebendig, wenn man die Lebensläufe der beteiligten Musiker sich vor Augen führt und dann realisiert, dass auch diese Seniors auf den Schultern jener Generation stehen und von deren Kreativität und Meisterschaft nachhaltig inspiriert wurden. Ausnahmekünstler wie Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Rudolf Serkin, David Oistrach und Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin und natürlich nicht zu vergessen Mstislav Rostropovich haben ihre Meisterschaft und Disziplin an unsere Seniors weitergegeben – sich dieser Verbindungen bewusst zu sein und zugleich als Ansporn und Maßstab weiterzugeben, das ist nach wie vor das Ziel . Die jungen Musiker von heute reihen sich ein in diesen Strom. So betrachtet, ergibt sich ein bedeutungsvoller Brückenschlag zwischen den Generationen bis in die heutige Zeit.
Schließlich erhellen wir an sechs Musiker-Beispielen in den dann folgenden Blogbeiträgen zur Geschichte von Chamber Music Connects the World wie sich der eine oder andere Ex-Junior seit der Teilnahme künstlerisch weiter entwickelt hat. Denn “Chamber Music” istbekanntlich ein weiterer Pfeiler in der individuellen Förderung und Entwicklung einer aufstrebenden jungen Solisten-Generation der Extra-Klasse.
Nächster Blog: Feuerprobe für ein einzigartiges Konzept
An einem der ersten Tage ohne Schnee in Kronberg waren sie alle versammelt: 7 Junge Solisten waren zusammengekommen, um Ana Chumachencos Meisterkurs beizuwohnen. Endlich hatte ich mal Gelegenheit, so viele junge Musiker unseres Studienganges „Kronberg Academy Masters/ Further Master Studies“ geballt an einem Platz zu erleben. Keine Übertreibung: das war ein angenehmes, familiäres Zusammentreffen von Alt und Jung, und was mir so mancher Junge Solist nachher erzählte: man kennt sich größtenteils untereinander. Aber der Reihe nach….
Wer war dabei….?
Peijun Xu, Benedict Klöckner, Yumiko Urabe, Alicja Smietana, Alina Ibragimova, Eri Sugita, Sasha Sitkovetsky, Soojin Han, Vilde Frang, der Berliner Gabriel Schwabe und schließlich David Gueran.
Während der Vormittag alleine dem Einzelunterricht gewidmet war, war nach dem gemeinsamen Mittagessen zunächst Kammermusik „vom Blatt“ angesagt und es durften nun auch einige Zuhörer des Academy Teams mit dabei sein. Absolut spannend dachte ich und ließ mich auf knappe 3 Stunden intensiven Musik-Hörens ein.
Direkt neben dem aufmerksamen Stephen Potts sitzend, dem Leiter des Academy-Master Studienganges, versuchte ich , sowohl den Klängen der Musik zu folgen, als auch ein Gefühl für die Anstrengungen und Konzentration der jungen Musiker mit aufzunehmen. Den Auftakt machte das lebhafte und zugleich rasante Oktett von Felix Mendelssohn-Bartholdy – ein absolut begeisterndes Stück! Im Halbkreis sitzend, Frau Chumachenco als 4. Geige im Zentrum, musizierten alle mit viel Schwung und Klasse. Sasha Sitkovetsky, der mir zuvor stolz von seinen frühen Begegnungen mit Yehudi Menuhin berichtet hatte, hatte als erster Geiger die Führungsrolle inne – glänzend – so meine subjektive Empfindung.
Dann, nach einer kurzen Pause, stand Alina Ibragimova allein im Zentrum der Aufmerksamkeit: Sie intonierte die Sonate Nr. 2 Op. 94 von Prokofiev mit großer Inbrunst. Die begeisterten Kommentare Ana Chumachencos und der anderen Meisterkurs-Teilnehmer über ihr Spiel ließ die junge Russin, die in Großbritannien lebt, mit sichtlicher Freude und gut gelaunt über sich ergehen. Einer Katze gleich, lautlos und gewandt aus der Bodenperspektive fotografierend, war auch unser Fotograf Andreas Malkmus mit von der Partie, um diese Momente gewissermaßen für das Familien-Album festzuhalten. Den Schlussakkord seiner Arbeit bildete ein wirklich schönes, familiäres Gruppenfoto der jungen Musiker mit Frau Chumachenco –
dieses und weitere „atmosphärische“ Momentaufnahmen eines besonderen Meisterkurs-Tages in der Kronberger Streitkirche können nun alle Fans und Freunde auf unserer Kronberg Academy Flickr- Seite bestaunen.
Druckfrisch und zum Ausliefern bereit: Das Jahrbuch 2009 der Kronberg Academy – 666 Gramm schwer, Wissen und Fakten auf 164 Seiten, und daneben lebendige fotografische Exkursionen in die Welt der Musik plus eine eingelegte DVD mit einem Porträt über die Academy. Gedruckt in einer Auflage von 2000 Exemplaren.
Die schöne Aufmachung mit dem typischen Academy-Rot auf der Titelseite und den Kapital-Einleitungen verlocken jeden Musik-Begeisterten zum Vertiefen und Schmökern. Somit ist das Jahrbuch das vielleicht wichtigste Druckerzeugnis der Kronberg Academy, denn es zeigt rückblickend, wo und in welchem Zusammenhang musikalische Ereignisse zu bestaunen und zu erleben waren. Und welcher Kopf steckt hinter der Erstellung dieses feinen Werkes? Es ist unser Team-Mitglied Oda Cramer von Laue, verantwortlich für Kommunikation und alle Druckerzeugnisse, die diesen wichtigen Job seit Jahren verantwortlich ausführt. Mehrere Monate beschäftigt sie sich intensiv mit den Recherchen, dem Schreiben und der Koordination mit Grafikern, Fotografen und Druckern. Viel Schweiß und Perlen also.
Hier im Kurzdurchgang die wichtigsten Abschnitte:
Im Editorial fasst Raimund Trenkler, der künstlerische Leiter, die Höhepunkte des Jahres zusammen. In weiteren Verlauf erfährt der geneigte Leser einiges über die Förderer, Stifter und Freunde der Academy. Im Anschluss daran gibt es einen fotografischen Rückblick auf das Jahr 2009 gefolgt von Artikeln zum Themenkomplex: Kulturförderung in der Krise. Originell besonders der von Klaus-Albert Bauer geschriebene Beitrag „Vom Bruttosozialglück in Kronberg„ Weitere Themenfelder sind Berichte aus dem Lehr- und Ausbildungsgeschehen, zu den Kronberg Academy Masters Studiengängen und sehr anschauliche Berichte und beeindruckende Fotos von den erstmals durchgeführten Geigen Meisterkursen. Es folgen Berichte über das spektakuläre Cello Festival 2009, in dem die Grenzen musikalischer Genres überschritten wurden ( man denke z.B. an die Auftritte von Jacques Morelenbaum, Lars Danielsson, Giovanni Sollima, Roby Lakatos und Ernst Reijseger). Dazu insgesamt sechs Ur-und Erstaufführungen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Cello Festivals. Ferner ein Bericht vom Gedenktag an Slava, dem großen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich im April vergangenen Jahres, der auch in diesem Jahr feierlich begangen wird. Das Jahrbuch endet mit Abschnitten zu weiteren Projekten und Ereignissen und schliesst mit dem Abschnitt „ Das Jahr in Fakten“.
Alles in Allem: eine rundum geglückte Dokumentation der vielfältigen musikalischen Ereignisse und Begegnungen in Kronberg. Jeder, der im letzten Jahr bei einem der Konzerte dabei war, kann manches nochmal vor dem geistigen Auge Revue passieren lassen. Aber auch jene, die sich verstärkt mit der Arbeit der Academy als Sponsoren oder Förderer künftig befassen wollen, bekommen tiefe Einblicke und werden mannigfaltig inspiriert.
Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich einmal ganz kurz gedacht: Aha, jetzt werd’ ich alt – also natürlich: weise. Schau, da fährt er, der Zug – soll ich losrennen? Da sprachen nämlich einige unserer Praktikanten in der Pizzeria ganz selbstverständlich miteinander über „Facebook“ und „StudiVZ“ und ich dachte: Was reden die? Und blieb hübsch still. Dann aber ging es auch schon los: Unser künstlerischer Leiter Raimund Trenkler holte Ulrike Schmid ins Boot. Sie kam und schloss uns lässig die Tür zum Web 2.0 auf. Seitdem sind wir alle hier bei Facebook, ob jung oder weise – neugierig und mit Spaß aktiv, manche sogar schon wieder eher skeptisch und „drüber stehend“ … Vor allem aber hat die Kronberg Academy ihr neues Kommunikationsfeld für sich entdeckt!
Der Auslöser, über so etwas überhaupt nachzudenken, war wie sicher bei den meisten anderen Kultureinrichtungen auch, der Wunsch, jüngere bzw. netzaffine Menschen zu erreichen. Um sie als Publikum für uns und unsere Sache, für die Klassische Musik zu gewinnen und am Ende vielleicht sogar zu begeistern.
Die Möglichkeiten des Web 2.0 schienen da genau die richtigen zu sein – der Draht zur Jugend und die Möglichkeit, auch einmal persönlicher, emotionaler und aktueller zu berichten, als das über Pressemitteilungen, Werbebroschüren oder auch Texte für die Homepage möglich ist. Aber ob’s auch funktioniert …?
Social Media Tools, Weblog,Flickr, FriendFeed, Facebook, Twitter – für fast alle im Team war das komplettes Neuland, wahnsinnig suspekt … aber irgendwie doch reizvoll … Trotzdem hat es eine ganze Weile gedauert, bis unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet intern so richtig ernst genommen wurden.
Ein wirkliches Vorbild in dieser Sache, auf dessen umfassende Erfahrung man hätte aufbauen können, gab es noch nicht. Aber die Duisburger Philharmoniker, die uns als echte Pioniere einige Monate voraus hatten, haben uns ermutigt und Mut gemacht. Unser Entschluss war: Wir fangen an, das genannte erste Ziel (junge Menschen zu erreichen) vor Augen – und darüber hinaus im Sinn: Schau’n wir doch mal, welche weiteren Effekte wir dabei erzielen! Da wir ja nicht nur Konzertveranstalter sind, sondern und vor allem als Ausbildungsinstitution verstehen, eröffnen sich vielleicht noch ganz neue, zunächst nicht bedachte Möglichkeiten.
Nach einem Jahr wissen wir immer noch nicht hundertprozentig, wohin uns das alles führen kann. Aber wir wissen, dass etwas in Bewegung gekommen ist: Über Facebook sind wir als Institution und auch persönlich noch näher an „unseren Musikern“ dran, vor allem auch an unseren Studenten weltweit. Die „Blogger-Szene“(da, da und da) ist auf uns aufmerksam geworden – darunter sicher viele, die bisher nicht zu den klassischen Konzertgängern gehören. Und es macht Spaß, im Blog seine eigenen Eindrücke und seine eigene Begeisterung auszudrücken für das, was hier geschieht – wenn man auch die Zeit dafür im trubeligen Tagesgeschäft erst finden muss.
Was denke ich nach einem Jahr? Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Eine abenteuerlustige UND weise Entscheidung – auch wenn sie viel Zeit kostet! Es geht auf jeden Fall weiter. Wir bleiben präsent! Und wünschen uns viele „Effekte“!
Morgen (2. Okt.) ist es soweit. Zwischen 11.15 und 11.45 findet unser dritter KAtalk statt. Dieses Mal unterhalten sich (virtuell) Hagen Kohn und Ernst Reijseger.
Die Erfahrenen unter Ihnen wissen ja bereits, wie’s funktioniert. Für alle Neuhinzugekommenen hier noch einmal eine Erläuterung.
Was verbirgt sich hinter einem KAtalk?
Der KAtalk ist ein Gespräch zwischen einem unserer Twitter-Freunde und einem Cellisten, Bratscher oder Geiger, der in einer engen Beziehung zu uns steht. Im heutige Fall ist es Ernst Reijseger, der im Rahmen des Cello Festivals einen Workshop gegeben hat, in mehreren Konzerten als Solist auftritt und dessen Komposition am Sonntag uraufgeführt wird.
Wie können Sie beim KAtalk dabei sein?
Der KAtalk findet innerhalb von Twitter statt. Hagen Kohn wird Ernst Reijseger Fragen stellen, die er über unseren Account beantwortet. Selbstverständlich dürfen auch andere Follower Fragen an Ernst Reijseger richten. Wenn Sie keinen Twitter-Account haben und dennoch das Gespräch verfolgen wollen, können Sie dies auf der eigens dafür eingerichteten Twitterwall tun. Achtung! Die Fragen und Antworten sind dort immer nur für kurze Zeit zu sehen.
Falls eine Frage Ihrerseits unbeantwortet bleiben sollte, stellen Sie sie hier als Kommentar. Sie wird dann im Nachhinein beantwortet.