Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Buongiorno! – Cello all’italiana
Dienstag, 22. September 2009Ein italienischer Vormittag mit zwei „modernen Erstaufführungen“ aus dem Barock: Zwei Sonaten des italienischen Komponisten Giovanni Platti, die seit dem 18. Jahrhundert nie wieder gespielt worden sind, werden aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Wachgeküsst werden die schlafenden Schönen am Samstag, dem 3. Oktober um 11.30 in der Johanniskirche von Sebastian Hess mit dem Barockcello und dem Cembalisten Christoph Hammer aus München. Die Italiener Enrico Dindo (Violoncello) und Monica Cattarossi (Klavier) runden das Konzert ab mit einer Sonate des als „italienischer Brahms“ zu seiner Zeit bekannt gewordenen Komponisten Giuseppe Martucci.
Der Vormittag beginnt mit der Sonata quinta für Violoncello und B.c. B-Dur von Giovanni Platti. Zu den vielleicht zu Unrecht vergessenen Künstlern des frühen 18. Jahrhunderts gehört Giovanni Platti, der in Venedig seine Ausbildung genoss, bevor er 1722 mit einer Gruppe italienischer Musiker nach Würzburg an die Residenz des musikliebenden Fürstbischofs von Schönborn kam, wo er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Offenbar erfüllte er die Wünsche seiner Dienstherren, deren einflussreiche Familie in Würzburg und dem nahegelegenen Wiesentheid residierte, zur vollsten Zufriedenheit: Eine Gehaltsliste von 1730 weist ihn als den bestbezahlten Musiker der Kapelle aus. In Würzburg und Wiesentheid gehörte zu seinen vielfältigen Aufgaben die Komposition von Kirchenmusik und Kammermusik ebenso wie der Einsatz als Oboist und Geiger. Offenbar für den in Wiesentheid residierenden Grafen von Schönborn, einen Amateurcellisten, komponierte er eine große Anzahl von Cellowerken, darunter Konzerte, Trios, Duos und Sonaten. Die B-Dur-Sonate ist in einem autographen Manuskript überliefert, das auf das Jahr 1725 datiert ist.
Es folgt die Sonata Prima für Violoncello und B.c. d-Moll von Alessandro Scarlatti, der zu den angesehensten Komponisten seiner Zeit gehörte. Sein künstlerischer Weg begann in seinen Jugendtagen in Rom, wo er bald einen herausragenden Platz in der musikalischen Hierarchie der Stadt eroberte. Seine Arbeit als Opernkomponist konnte das vom Papst regierte Rom allerdings nicht dulden, und so kam Scarlatti nach Neapel, wo er mit seinen zahlreichen Opern als der Schöpfer der sogenannten „neapolitanischen Schule“ in die Musikgeschichte einging. Wie bei den meisten Opernkomponisten seiner Zeit ist auch von Scarlatti nur sehr wenig Instrumentalmusik erhalten geblieben. Überdies lassen sich viele auch nicht zweifelsfrei als Werke Scarlattis bestimmen. Das gilt auch für die drei Sonaten für Cello und Generalbass, deren Quellen unter seinem Namen in einer Mailänder Bibliothek aufbewahrt werden.
Gegenüber der Zahl von über 500 Konzerten, die Antonio Vivaldi komponiert hat, erscheint die Gruppe von insgesamt
neun erhaltenen Cellosonaten, deren Quellen in drei Bibliotheken in Frankreich, Italien und Deutschland aufbewahrt werden, winzig und unbedeutend. Tatsächlich hat der große Meister des barocken Concerto diese Sonaten wohl auch nie zur Veröffentlichung vorgesehen, sondern nur auf Bestellung für den Hausgebrauch und zum Zeitvertreib von Amateurcellisten komponiert. Die Sonate VIII für Violoncello und B.c. RV 44, die in zwei Abschriften in Neapel und Wiesentheid überliefert ist, ist wohl um 1730 entstanden; in der neapolitanischen Abschrift bestätigen eigenhändige Eintragungen des Komponisten außerdem die Echtheit des Konvoluts. Die Wiesentheider Abschrift war offensichtlich für den Grafen von Schönborn gedacht. Nach dem traditionellen Muster der Kirchensonate aufgebaut (mit der Satzfolge Langsam – Schnell – Langsam – Schnell), sprengt die a-Moll-Sonate mit einem spektakulären zweiten Satz alle Hörerwartungen: Dieser erinnert sowohl rhythmisch als auch melodisch eher an eine Jazz-Nummer als an das Allegro einer barocken Sonate.
Die Matinee endet mit Sonate für Violoncello und Klavier fis-Moll op. 52 von Giuseppe Martucci. Obwohl das Musikleben Italiens im 19. Jahrhundert von der Oper dominiert wurde, versuchte Giuseppe Martucci, ein Zeitgenosse Giuseppe Verdis und großer Verehrer Richard Wagners, seine Landsleute auch für andere musikalische Gattungen zu begeistern. Er war ein erfolgreicher Klaviervirtuose, der den Matadoren wie Franz Liszt oder Anton Rubinstein durchaus das Wasser reichen konnte. Als Dirigent machte er Brahms’ Sinfonik in Italien bekannt, und auch mit seinen eigenen Kompositionen, darunter zahlreiche Klavierstücke, je zwei Sinfonien und Klavierkonzerte, Orchesterlieder, ein Oratorium und Kammermusik, orientierte er sich an der instrumentalen Tradition von Beethoven, Schumann und Brahms. In den vier Sätzen seiner Cellosonate op. 52 wird die Nähe zur deutschen Spätromantik deutlich hörbar und macht verständlich, dass Martucci bisweilen auch der „italienische Brahms“ genannt wurde. Die Sonate wurde übrigens 1884 bezeichnenderweise nicht in Italien, sondern von einem Leipziger Verleger publiziert.
von Dr. Susanne Schaal-Gotthardt und Annette Wittkopf
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Ein echtes Klangabenteuer erwartet Kinder beim Konzert mit dem Cellisten
The Augsburg-born cellist Julius Berger has been a permanent feature of the music scene for more than 25 years. That is not just because he is a wonderful musical interpreter, dubbed the “prophet of the cello” by the Frankfurter Allgemeine Zeitung following his second recording of Bach’s cello suites. He is also in worldwide demand as a soloist and chamber musician, has released a large number of CDs and trains leading musicians of the next generation. He initially taught at Würzburg and Saarbrücken but has now been teaching at the Augsburg University of Music since 2000, as well as giving international masterclasses – for example, at the international Mozarteum Summer Academy in Salzburg since 1992. He is Artistic Director of the Eckelshauser Musiktage and the Asiago Festival in Italy, is in charge of the international Leopold Mozart Competition in Augsburg and is a jury member at various international competitions. His research interests focus on cello works by Boccherini, some of which are still unknown. However, Julius Berger is also well known for his great commitment to contemporary music by John Cage, Toshio Hosokawa and Sofia Gubaidulina, some of whose works – along with those of other contemporary composers – he has premièred and recorded. Julius Berger plays one of the oldest celli in the world, the 1566 King Charles IX made by Andrea Amati.
Mola Sylla was born in Dakar, Senegal but has been living in Amsterdam for more than 20 years. With his groups Senemali and VeDaKi, the singer and composer has developed a completely individual ethnic style which combines Senegalese music with elements from other ethnic traditions. A musical dialogue thus takes place between the various cultures of the African continent and those of the musician’s new home in the West. Mola Sylla’s captivating music pulsates with free improvisation and spontaneity as he allows vastly different musical influences to merge. In his rough voice he sings African tribal songs and tells stories from Senegal as well as about his new home, false expectations, hopes and disappointments. He usually sings in the Senegalese tribal language of Wolof. His songs are punctuated by rousing folk rhythms which he entices with masterly technique out of African instruments that are largely unknown to us: mbira, kongloa (a lamellophone from Senegal), xalam and kalimba.
Born in Daker in Senegal in 1963, Serigne Gueye grew up surrounded by the music of West Africa. His grandfather was a percussionist with the National Ballet but was so often away from home that Serigne is largely self-taught. At the age of seven, he began playing at traditional ceremonies. His career as a professional musician began in 1984 with the renowned Star Band de Dakar, which allowed him to learn to play a wide range of other percussion instruments and to develop musical arrangement abilities and song. He toured in the USA and in Europe with the Star Band and other ensembles before joining Ifang Bondi in 1993 and playing on two of their CDs. He left Ifang Bondi in 1996 in order to explore jazz in greater depth and to search for ways to place his West African musical heritage in a broader context. He now lives in Amsterdam and works with many top Dutch jazz musicians, such as Han Bennink, Thijs van Leer, Sean Bergin, Franky Douglas, Eddy Veldman, Mola Sylla and Ernst Reijseger. He is a member of the bands Pia Piac and Mandinkabi and in 2002 joined Tobias Delius (saxophone, clarinet), Wilbert de Joode (double bass) and Hilary Jefferies (trombone) to form apa ini.
The Hungarian pianist Dénes Várjon studied with Ferenc Rados, György Kurtág and Sándor Devich at the Franz Liszt University of Music in Budapest. One of the first people to recognise his exceptional musical gifting was his fellow countryman András Schiff, with whom he took annual masterclasses. Schiff has since been one of his greatest advocates and their musical association continued when the former masterclass student became an internationally acclaimed professional pianist. Today the two artists often play together. In 1991 Dénes Várjon won the Concours Géza Anda in Zurich and made his debut at the Salzburg Festival that same year as a soloist with the Camerata Salzburg conducted by Sándor Végh.




