Archiv für die Kategorie „Kammermusikprojekte“

Als alles anfing (Teil 1)

Dienstag, 17. September 2013

Stöbern im Archiv:  Zurück zu den Wurzeln

Unser Festival zum 20-jährigen Bestehen, das in gut 10 Tagen startet, animiert geradezu, einen kurzen Blick in die Historie unserer Institution zu werfen.

Auch wenn der hier schreibende Blogger im Jahr der Gründung 1993 noch weit entfernt war von dem Entschluss, als Mitarbeiter in dieser wunderbaren Institution anzuheuern, so kann er sich doch retrospektiv und mit Begeisterung den Meilensteinen in der Entwicklung dieser Institution widmen. Und immerzu staunen.

Angefangen hatte ja alles Anfang der Neunziger Jahre mit dem Cello.

Gründer und künstlerischer Direktor Raimund Trenkler kann hier eine unglaubliche Geschichte erzählen. Nämlich die, wie es wirklich begonnen hatte. Was die Ursprungsidee war und wie das erste Festival dann tatsächlich über die Bühne gegangen ist (keiner hielt es damals in so kurzer Zeit für realisierbar!).

Es gab damals an 3 Tagen insgesamt 10 Konzerte. Das Abschlußkonzert fand am 24. Oktober 1993 in der Kronberger Stadthalle statt.

Die Presse war voll des Lobes, die eingeladenen Musiker und Marta Casals-Istomin waren begeistert vom ersten Cello Festival, welches der Erinnerung an Pablo Casals gewidmet war, dem großen Künstler und Humanisten (der Festivalbeginn fiel auf den 20. Todestag des bedeutenden Musikers).

Die Musikwelt hatte eine neue Begegnungsstätte, einen neuen Ort, wo man sich fortan regelmäßig treffen würde. Die dazu gegründete Institution, der Vorläufer der heutigen Kronberg Academy, nannte sich damals noch “Internationale Kammermusik-Akademie Kronberg”. Raimund Trenklers Philosophie war es, Cellisten mehrerer Generationen zusammenzuführen und miteinander musizieren und lernen zu lassen.  Oder wie er es auch gerne ausdrückt, ein Familientreffen für Cellisten sollte in die Welt gesetzt werden. Berühmte etablierte Musiker sollten jungen, hochbegabten Musikern Inspiration und Erfahrungen im Wege des gemeinsamen Musizierens vermitteln.

Sieben Jahre  später (beginnend mit dem Projekt Chamber Music Connects the World im Jahre 2000) gab es eine wichtige Erweiterung unserer Institution in Richtung Streicherakademie. Seitdem ist es gelungen, das  Renommee und die Bekanntheit auch mit diesem erweiterten Profil als einer internationalen Ausbildungsstätte für Streicher deutlich auszubauen. Gekrönt wurde diese Entwicklung durch die Einführung eines eigenen Studiengangs “Kronberg Academy Masters” im Jahre 2007 (mit den Abschlüssen Bachelor, Masters und Further Masters Studies). Die Geschichte dieser “Transformation” ist einen besonderen Blogbeitrag in der Zukunft wert.

Zurück zur Historie. Wie findet man Zeugen der Vergangenheit  in den eigenen vier Wänden?

Man stöbert in diversen Regalen und Kisten. Und wo befinden sich jene wertvollen Kisten, Kartons und Ordner?

In den verzweigten Räumlichkeiten unseres Receptur-Gebäudes etwa, einschließlich des Dachbodens. Wo man tatsächlich auch fündig werden kann, wenn man Staub und schlechte Luft für sagen wir ca. zwei-drei  Stunden ertragen kann. Und gewillt ist, um der Anfänge habhaft zu werden,  intensiv nach entsprechend „frühen“ Dokumenten zu suchen. Wenn es sein muss, auch zu graben und zu wühlen. Mithin befindet man sich auf einer Art musik-archäologischem Trip.

Dafür taugen unter anderem unsere Räumlichkeiten im 1. Stock der Receptur, wo wir seit einiger Zeit unser neues Studio 4 eingerichtet haben. Und in diesem hergerichteten Raum, der zum Proben genutzt wird, befinden sich auch historische Schätze zum Leben von Pablo Casals in Form diverser Bücher, Biografien, einer riesigen Schallplattensammlung und Programmheften vom berühmten Prades Festival, wo Casals seit Gründung viele Male aufgetreten ist. In einem Plattenregal von Studio 4 kann ich das von allen Teilnehmern persönlich signierte Programmheft des 1. Cello Festivals von 1993 (unserem Gründungsjahr) in Händen halten und sogleich fotografisch für diesen Blogbeitrag ablichten. Ein echtes Erfolgserlebnis!

Angestachelt durch diesen Erfolg geht das Durchstöbern in anderen Räumen weiter. Unser Dachboden ist das nächste Ziel. Hier findet man durchaus weitere Schätze. Poster, Flyer, Fahnen und aufgezogene große Schwarz-Weiss Fotos von berühmten Künstlern und Lehrern, die in Kronberg gastierten, sind verstreut in Ecken und auf verstaubten Regalböden zu bewundern.

Man muss wissen, dass sämtliche Drucksachen unserer schreibenden Team-Kollegen seit Gründung, also alle Broschüren, Programmhefte, Flyer, Poster, Fahnen und Sonderdrucke aus nunmehr  20 Jahren einen beträchtlichen Berg an Papier ergeben würden. Man muss  staunen über die enorme Produktivität unserer Texter und der mit uns kopperierenden Grafiker und  Layouter.

Generell muss ich an dieser Stelle vermerken, dass all die wunderbaren „Drucksachen“, die seit Gründung entstanden sind, natürlich mit jeweils mindestens einem Master-Exemplar in einem zentralen Ordner ( es sind natürlich mehrere!)  sorgsam archiviert und für die werte Nachwelt aufbewahrt werden. Das Erfassen dieser kleinen Kostbarkeiten und die Präsentation all der Print-Produkte seit 1993 wäre eine kleine Ausstellung wert. Ich bin überzeugt, man könnte sogar ein kleines Buch darüber publizieren, welches Musikfreunde aber auch Menschen mit Design und Layout-Affinität begeistern würde.

Michael Heinz, Kronberg Academy Team

Masterclass mit Antje Weithaas

Donnerstag, 28. März 2013

Musik und Gespräche sorgen für besonderen Masterclass-Mix

Während zwei intensiver Masterclass-Tage hatten unsere Jungen Solisten Gelegenheit, mit einer vielseitigen, international sehr beachteten deutschen Geigerin und Pädagogin neue Impulse und Inspiration zu erhalten.

Antje Weithaas, seit einigen Jahren Professorin für Geige an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin ist nicht nur eine gefragte Lehrerin sondern auch eine überaus aktive Kammermusikerin. Letzte Woche verbrachte die gebürtige Cottbusserin zwei Tage in Kronberg, um diverse Kammermusikstücke mit den jungen Musikern zu vertiefen.

Liest man ihre Vita, so ist man mehr als beeindruckt. Auftritte als Solistin hatte sie mit vielen international sehr namhaften Künstlern und Orchestern. Hier nur ein paar Beispiele: Los Angeles Philharmonic Orchestra, San Francisco Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra oder dem Londoner BBC Symphony Orchestra. Großartige Dirigenten wie Vladimir Askenazy, Sir Neville Marriner oder Yakov Kreizberg waren dabei ihre musikalischen Partner.

Als Kammermusikerin ist sie mit Tanja und Christian Tetzlaff, Clemens Hagen, Silke Avenhaus sowie  Sharon Kam und Lars Vogt in wechselnden Formationen auf der Bühne. Zusammen mit Tabea Zimmermann, Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras hat sie im Jahre 2002 das ARCANTO-Quartett gegründet und 2004 ihren ersten Auftritt mit dieser Formation in Stuttgart erlebt. Mit ARCANTO war sie auch schon weltweit unterwegs,  so auch in der Carnegie Hall New York,  in Barcelona oder in der Tonhalle in Zürich. Teamplay ist ihre Sache. Wie schrieb die Neue Zürcher Zeitung vor einiger Zeit beeindruckt “Das Arcanto Quartett musiziert mit einer solchen Einigkeit in Ausdruck, Klangfarbe und Artikulation, wie man es selbst bei hauptamtlichen Streichquartetten selten erlebt.”

Ins Tonstudio zwecks CD-Aufnahmen verschlägt es die agile Musikerin natürlich auch von Zeit zu Zeit, zusammen mit der Pianistin Silke Avenhaus hat sie allein bereits 5 CDs eingespielt.  Mit anderen Worten, Antje Weithaas kann beim Nachdenken und Erzählen über die vielen Aspekte eines farbigen Musiker- und Pädagogenlebens aus dem Vollen schöpfen. Und humorvoll, ja locker und direkt ist sie obendrein noch.

Das konnten die Jungen Solisten speziell am zweiten Tag der Masterclass erleben, als der Direktor unseres Studiengangs, Friedemann Eichhorn, eine Diskussion mit ihr zum Thema “Wie übt man?” moderierte und mit eigenen Fragen und wissenswerten Einschüben spickte.

Die Neu-Potsdamerin verblüffte dann so einige Male die anwesenden Jungen Solisten mit Ihren Antworten zum Thema Üben. “Ich bin ehrlich, so ganz diszipliniert geht es bei mir auch nicht immer zu” meinte sie bei den Fragen zur Häufigkeit des Übens. Ihre diversen Verpflichtungen und Auftritte engen die Spielräume für reines “Üben” ein. Und die reine Technik hätte sie nun durchaus hinter sich. Üben tue sie nicht mit einer von vornherein anvisierten Häufigkeit bzw. Dauer, sondern jeweils angestossen durch gegebenem Anlass. Dies gelte für neue Stücke oder solche Kompositionen, die sie schon einige Zeit nicht mehr gespielt habe.

Sie könne sich auf ein Reservoir bekannter Stücke aus ihrer Frühzeit stützen und solche Werke spiele sie auswendig. Neue Stücke muss sie sich durch intensives Partitur-Studium erarbeiten und diese werden dann vom Blatt gespielt.

Als sie in die Runde der Musiker fragte, was sie, die Jungen Solisten, denn zum Üben motiviere, kam eine wie aus der Pistole geschossene Antwort eines anwesenden Musikers vom Kuss-Quartett: “Coffee” lautete sein Beitrag. Lachende Minen rundherum. Aber Frau Weithaas trug selbst auch immer wieder zur Leichtigkeit dieser Diskussionsrunde bei. Worum es ihr ginge beim Thema Üben war nach ihren Worten der Aspekt der Freude und der Frische im Kopf. Das Üben müsse keinesfalls Langeweile verbreiten.  Allzu schematisches Üben, gab sie zu bedenken, würde die Gefühle und Empfindungen für die Musik abtöten, und das müsse nicht sein. “Warum mehr leiden als notwendig”, fragte sie einmal in die Runde. Und an anderer Stelle meinte sie ironisch in Richtung Friedemann Eichhorn, dass sie ihr Mitwirkung bei diesem Thema nun keineswegs als Bestbesetzung sehe. Erneut Schmunzeln in der Runde.

Und dann machte sie noch die Rolle des aufmerksamen Hörens deutlich. Gleichwohl betonte sie, dass sie sich nicht zu jedem Violinstück die diversen bekannten Einspielungen anhöre. Und ein weitere Ausspruch verblüffte unsere jungen Musiker, als sie meinte, man müsse auch nicht spielen wie Heifetz, Oistrach, Menuhin oder Stern oder all die anderen bekannten großen Geigen-Virtuosen. Jeder Musiker müsse sich vielmehr selbst seinen Zugang zum betreffenden Werk über die Noten erarbeiten und an einer eigenen Interpretation feilen. Dies formulierte sie mit dem Brustton der Überzeugung. Eine wichtige Botschaft für die jungen Künstler.

Und schließlich betonte sie die Rolle des Hörens beim Spielen und Erarbeiten bestimmter Passagen einer Komposition. Alles müsse über das Hören, also über die Ohren gesteuert werden und nicht über die Arbeit der Finger. Ob es hier Geheimnisse gebe, wurde sie gefragt. “Keine Geheimnisse”, so ihre Antwort, außer, und da kam wieder die Frische im Kopf zu Geltung, “your brain needs to be fresh”. Die Diskussionsrunde wurde in englischer Sprache durchgeführt und auch dabei war Antje Weithaas sehr geschmeidig und virtuos.

Nach eineinhab Stunden eines angeregten Frage-und Antwort Dialogs, der nicht nur die Themamtik “Üben” umfasst hatte, wurde der letzte Break des Tages eingeläutet. Eine erbauliche und informative Abwechslung mit einer frisch und sympathisch auftretenden Künstlerin und Pädagogin. So werden sicherlich viele Junge Solisten diesen Nachmittag im Studio 2 in Erinnerung behalten.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Mit Musik – Miteinander / Hallo, ich bin dann mal neu hier

Dienstag, 9. Oktober 2012

Was für ein Luxus, die neuen Arbeitskollegen schon mal in einem anderen Umfeld kennenzulernen als im Bürostress! Und dabei einem viel spannenderen. Denn direkt zu Beginn meines halbjährigen Praktikums in Kronberg hatte ich die Möglichkeit, das Projekt „Mit Musik – Miteinander“ mitbetreuen zu dürfen.

Die drei -mittlerweile- Ex-Praktikanten Lea, Caroline und Philipp waren schon mit den Teilnehmern und Dozenten Vilde Frang, Yura Lee und Bonian Tian bekannt, sodass sie alle mit Namen begrüßen konnten. Ich stellte mich meist selbst kurz vor mit: „Hallo, ich bin die neue Praktikantin“, und wurde vor allem von den Dozenten freundlich aufgenommen – man sieht sich ja noch öfter.

Das musikalische Wochenende begann freitags mit einer kleinen Kennenlern-Probe, bei der sich die einzelnen Teilnehmer und ihre Dozenten erst mal beschnuppern konnten, bevor es am Samstag ans Eingemacht ging: In nur einer Stunde sollten die technischen und musikalischen Finessen der verschiedenen Quart-, Quint- und Oktette gemeistert und ausgearbeitet werden. Dabei stand allerdings nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern das gemeinsame Musizieren und die gegenseitige Inspiration – hier dürfen Fehler gemacht werden. Das merkte man auch den Teilnehmern an: Die Unsicherheit verflog beim gemeinsamen Abendessen, es wurde gelacht, sich kennengelernt und das Miteinander genossen.

Auch die Dozenten tauten deutlich auf, und spätestens bei den ausgedehnten Proben wurde mir wieder einmal deutlich vor Augen geführt, wohin man es mit Fleiß und dem entsprechenden Talent so bringen kann… Da wird man als Hobbymusikerin schon ein bisschen neidisch. Und wenn man dann noch dabei sein kann, wie Bonian Tian mit einem Streichquartett Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ übt, möchte man am liebsten selbst direkt zum Cello greifen. Besonders angetan war ich übrigens von der Art Yura Lees, die von der Bratsche aus ihre Quintette leitete und dabei versuchte, den Teilnehmern interpretatorische Ansätze zu vermitteln.

Das Konzert am Sonntag war erstaunlich gut besucht; natürlich gab es den ein oder anderen kurzen Schreckmoment, als etwa Vilde Frang ohne ihre Noten auf die Bühne ging, oder als zwei Teilnehmerinnen sich nicht einig werden konnten, wem denn jetzt welche Geige gehört… Aber für alle Probleme gab es eine Lösung, und so konnten Teilnehmer, Dozenten und Teammitglieder das aufregende Wochenende auch genießen. Es war aber auch wirklich spannend, so viele junge und so gute Musiker auf einem Haufen zu erleben, die nicht einmal nach dem Probenende von der Musik abließen, sondern sich noch Noten aus dem Archiv liehen, um eine spontane Abendprobe zu veranstalten.

„Mit Musik – Miteinander“ ist ein Projekt, das größtenteils von Praktikanten organisiert und durchgeführt wird, und so kamen mir die Einblicke natürlich doppelt gelegen: Als Einstand in das Praktikum und als Vorbereitung auf das „MMM“, das meine Mitpraktikantin Antje Oswald und ich im nächsten April organisieren werden. Bis zur tatsächlichen Durchführung bleibt allerdings noch viel zu tun, denn nicht nur dieses Projekt will vorbereitet werden, sondern auch die anstehenden Geigenmeisterkurse und das Cello Festival. Und dann wird die Academy auch noch 20 Jahre alt…Es gibt viel zu tun – wir freuen uns drauf!

Franziska Hiller

Praktikantin im Team der Kronberg Academy

Cello Meisterkurse 2012 / Besuch bei Cellobauer Thorsten Theis

Sonntag, 16. September 2012

Es hatte doch noch geklappt. Trotz eines äußerst engen Zeitplans machte Meistercellist David Geringas am Samstagnachmittag einen kurzen Besuch bei Cellobauer Thorsten Theis. Mit von der Partie war seine Meisterkursschülerin Natalia Costiuc, die seit zwei Jahren ein von Thorsten Theis gebautes Cello spielt. Es handelt sich um ein Modell nach dem italienischen Cellobauer  Guadagnini. Von Natalia Costiuc hatten wir zuvor erfahren, wie sehr sie sich mit dem Instrument angefreundet hatte. “Der Klang hat sich wunderbar entwickelt und ich bin froh,  dass ich das Gerät für weitere 2 Jahre spielen darf.”  Der jungen aus St. Petersburg stammenden Cellistin ist das Instrument als Leihgabe 2010 vom Instrumentenfonds der Kronberg Academy übergeben worden. Thorsten Theis, der sich 2002 als Cellobauer selbständig gemacht hatte, stiftete das von ihm im Jahre 2008 fertiggestellte  Instrument als Danke-Schön an die Kronberg Academy für seine stärkere Einbindung in die große Cello-Familie.

Und David Geringas, der seit vielen Jahren bei unseren Projekten mitwirkt, pflichtete Natalia Costiuc bei, als er hinzufügte, dass dieses Cello sehr gut zu ihr passen würde und sie mit diesem Instrument weitere Entwicklungsmöglichkeiten vor sich habe.  Einen Vergleich mit einem authentischen, jahrhundertealten Guadagnini könne man natürlich erst sehr viel später ziehen, 200 Jahre sind da die entsprechende Größenordnung, so der Meistercellist. Für Thorsten Theis war es eine sehr positive Begegnung. Beim anschließenden Fototermin war er mit den zwei Musikern in gelöster Stimmung für Sekunden vereint. Die kurze Stippvisite des weltweit angesehenen Künstlers mit seiner Kronberger Meisterkursschülerin sorgte so für einen ganz besonderen Akzent bei unserem jungen Cellobauer.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Cello Meisterkurse 2012 / Spielen, Hören, Staunen

Freitag, 14. September 2012

Dieser Blogbeitrag wurde von unserem Meisterkurs-Teilnehmer Alexey Stadler verfasst. Alexey, Jahrgang 1991, ist ein junger Cellist aus St. Petersburg, der bereits im Alter von 4 Jahren mit dem Cellospiel begonnen hat. Alexey stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Er war erstmals bei unserem Projekt Chamber Music Connects the World im Juni dieses Jahr bei uns in Kronberg zu Gast. Wir freuen uns über seine Bereitschaft, während des laufenden Betriebs der Cello Meisterkurse 2012 einen kurzen persönlichen Beitrag für uns zu schreiben. Hier sind seine Gedanken und Beobachtungen der letzten 2 Tage.

Gestern hatte ich einen tollen Unterricht bei Prof. Geringas. Ich kenne ihn schon mehr als 5 Jahre, aber jedes Treffen mit ihm ist für mich stets sehr spannend. Ich habe im Meisterkurs eine Cello Sonate von Prokofiev gespielt und habe schon früher gehört, wie er dieses Stück unterrichtet hatte. Aber trotzdem, ich habe so viele Ideen bekommen und Neues durch seine Erläuterungen gehört.

Es ist unglaublich, wie Herr Geringas  in 45 Minuten so viel über Musik erzählen kann, über den Komponisten, die Zeit in der das Stück entstanden ist und die politische Atmosphäre zu jener Zeit. Und natürlich auch über die diversen cellistischen Aspekte: viele Kleinigkeiten einerseits aber auch Spielweisen andererseits, auf die ich nun meine Aufmerksamkeit richten werde. Und ich muss nun auch darauf achten, in welcher Richtung ich mich selbst weiter entwickeln kann.

Und genau darüber habe ich gestern nachgedacht, als ich Prof. Maintz in einem Konzert gehört habe. Ich war sehr begeistert von seinem Auftritt. So ein tolles Programm: Kraft, Weinberg, Beethoven. Ich freue mich ehrlich gesagt sehr, dass in Kronberg relativ unbekannte Stücke zu hören sind. Es gibt mehr als 100 Cellisten im Saal und ich bin sicher, dass wegen des Konzertes gestern abend so manche Cellisten diese wunderbare Sonate von Weinberg spielen werden. Und Beethoven´s A-Dur Sonate klang einfach toll. Man kann selten so eine klare Interpretation und ein perfektes Spiel  dieser Komposition erleben.

Nur eine Sache finde ich schade, dass ich nicht wie Harry Potter gleichzeitig an 4 oder 5 Orten gleichzeitig sein kann. Ich möchte alle 4 Professoren erleben, aber leider laufen sie alle parallel nebeneinander.

Auf der anderen Seite, vom “passiv-hören” kann man manchmal mehr lernen, als wenn man selbst der aktive Schüler ist.

Was bleibt noch zu sagen? Ich freue mich sehr auf alle weiteren Meisterkurse der nächsten 3 Tage und natürlich auch auf die interessanten Konzerte von Prof. Geringas und Prof. Thedéen!

Alexey Stadler

Aktiver Teilnehmer bei den Cello Meisterkursen und Konzerten 2012

Cello Masterclasses / A teacher who loves stress

Mittwoch, 12. September 2012

What a busy day this was!

The morning kicked-off with a couple of  preparational work items for a planned film session. This session was  scheduled for the early afternoon hours,  where I was supposed to assist our partner Friedemann Grüning for a short interview with Maestro David Geringas.

In order to condition myself with the right feelings and thoughts I attended two masterclasses with this famous Lithuanian cellist, conductor and teacher. When the masterclass sessions were finished I quickly grabbed some food and was running to the Recepturhof building where the interview was about to happen. Lighntning and audio conditions were fine-tuned, so the interview could run smoothly . Which it did.

Satisfied with the results of that 20-minute interview I then handed the room over to Yuka Kobayashi, the Japanese pianist who urgently wanted to rehearse. After that, my next activity was to attend the last masterclass sessions of the day with German cellist  Jens Peter Maintz at Kronberg´s Streitkirche.

Now, here comes an  example of a truly busy man. For someone like Jens Peter Maintz the end of the day comes near only when the midnight hour approaches. This seems to be the rule for him, being one of our four cello teachers.  The last 3 students of his afternoon masterclass (which started in the morning) confronted him with works by Shostakovich and Ligeti. Heavy stuff, I thought!  Being asked about how he is coping with this whole workload throughout the entire day he simply answered „ I love stress“. And there seemed to be no irony in his answer.

After the last student left the room at around 7 pm, Jens Peter kindly explained what the remaining activities of the day would be: a little rest, then attending the concert with Frans Helmerson and Mihaela Martin at 8 pm, followed by just another very important activity of the day, which is rehearsing until midnight. In order to prepare for his own concert the next day. Still fresh-looking Jens Peter, who was studying with David Geringas in Lübeck, delivered his answers happily. Amazing!

No doubt, this teacher and cello virtuoso is full of energy. Now I know, what a busy schedule really looks like.

Anyway, we look forward to his concert tomorrow evening.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Erste Sternstunden bei den Meisterkursen

Dienstag, 11. September 2012

Wenn man den Job hat, zwischen den Meisterkursen pendeln zu können, um erste Impressionen für einen Blogbeitrag einzufangen, dann darf man wohl mehr als zufrieden sein.

Aber es war nicht nur das Bloggen angesagt. In den Vormittagsstunden des heutigen Tages gab es eine wichtige Besprechung zu unseren Filmaktivitäten. Danach geht es direkt in die Stadthalle, um noch etwas vor der Mittagspause bei David Geringas aufzusaugen an meisterlichen Gedanken zu Shostakovich und César Franck (dies waren zwei der Komponisten, die von den beiden Meisterkurschülern vorgeschlagen waren).

Ich habe also Gelegenheit, die junge russische Cellistin Anastasia Kobekina und den Franzosen Edgar Moreau im großen Saal zu hören. Beide waren im Juni dieses Jahr bei unserem Kammermusikprojekt “Chamber Music Connects the World” dabei.  Anastasia Kobekina spielt mit Hingabe den ersten Satz aus Shostakovichs Cellokonzert. Ein rasantes, expressives und aufwühlendes Werk. Meister Geringas gibt wertvolle Hinweise auf die tiefere Bedeutung dieser Komposition fürs Publikum.

Zwischendurch spricht er viel auf Russisch mit der jungen Anastasia. Manchmal wirft er der anwesenden Mutter von Anastasia, die auch im Publikum ist, einen Blick zu. Ein paar Worte gehen auch in ihre Richtung, sie ist Pianistin. Eine seit Jahren zu ins nach Kronberg reisende Musikliebhaberin aus Frankfurt berichtet mir von Ihrer Begeisterung für den Lehrer Geringas.  “Er ist phantastisch”, lässt sie mich wissen. Begeistert ist sie stets bei unseren Veranstaltungen.

Ihr Musikwissen ist profund, auch jetzt berichtet sie von Vater und Sohn Sanderling und weiss hinzuzufügen, dass Vater Kurt Sanderling noch persönlich mit Shostakovich in Russland befreundet war und ihn als ängstlichen Menschen kennengelernt hatte. Gestern habe sie seinen Sohn Michael Sanderling beim Dirigieren der 5. Sinfonie von Shostakovich in Frankfurt erlebt und sei daher noch mit Klängen dieses Komponisten angereichert.

Ein anderer Besucher der Meisterklasse gibt mir ebenfalls sehr positives Feedback über die gekonnte und engagierte Arbeit des Cello Individualisten und Lehrers David Geringas. Er bezieht sein Urteil auch auf die Geringas Arbeit mit dem jungen Franzosen Edgar Moreau, der nach seiner Einschätzung bereits ein ausserordentlich talentierte Cellist sei. Edgars etwas zarte rechte Bogenhand, so seine Einschätzung, bilde die Schwachstelle und Geringas vermittelt Edgar Moreau, wie man “Dolce” als Ausdruck zu verstehen habe und zeigt den Unterschied auf zwischen leise intonierten Tönen und dem tief empfundenen Spiel von etwas ausserordentlich Schönem. So wie in der Eingangsmelodie der  Cellosonate von César Franck. Beide Meisterkurse sind ein Genuss für mich – ja, in meiner höchst subjektiven Sicht sind es  bereits kleine Sternstunden.

Auch die junge italienische Cellistin Miriam Prandi, die mit vielen anderen aktiven und passiven Kursteilnehmern in der Stadthalle weilt, sagt zu mir nach der Session mit Edgar Moreau, dass Geringas enorm viel Inspiration zu geben habe. Für sie ist das fantastisch, es inspiriere sie selbst enorm und mache ihr Vorfreude auf den baldigen eigenen Meisterkurs am kommenden Samstag. Mein Nachmittag wird gekrönt von einem Meisterkurs bei Frans Helmerson, der die junge Norwegerin Frida Waervaagen mit vielen Einblicken in die Cello Komposition von Beethoven versorgt. Frida ist eine nordische Frohnatur, die gerne lacht und im Kurs bei Helmerson gibt es viel Anlass zu freudigem  Lachen.

Frida ist nach diesem Meisterkurs äußerst gelöst und  happy  und erzählt mir, dass die Meisterkurse bei Frans Helmerson für sie immer etwas spezielles seien. “Er sorgt dafür, dass ich das große Ganze der Komposition sehe und verstehe. Es geht immer um das rein Musikalische”, fügt sie noch an. Und strahlt bei jedem ihrer Worte. Frida kennt Kronberg und war bei unseren Veranstaltungen und Meisterkursen in den Jahren 2005-2007 mehrfach in der Burgstadt. Sie freut sich, nun nach 5 Jahren Abwesenheit wieder hier sein zu können.

Mehr Meisterkurse sind heute nicht drin, es geht weiter zum nächsten Job. Meiner eigenen Inspiration ist Genüge getan. Ein wirklicher praller Tag mit enormen Hörerfahrungen und großartigen Lehrern neigt sich dem Ende entgegen. Zeit zum Verarbeiten bleibt für die Nachtstunden.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Cello Meisterkurse 2012 / Arbeit bis zum Abwinken

Donnerstag, 6. September 2012

Die letzten Tage vor dem offiziellen Beginn der 10. Cello Meisterkurse & Konzerte sind absolut kritisch. Der Countdown bis zum Startschuss läuft nun, die Luft wird dünner, soll heißen, die Spannung steigt. Arbeitsdruck und Anspannungen nehmen zu. Aber so ist das hier immer im Team bevor ein größeres Projekt offiziell eingeläutet wird. Ganz charakteristisch ist die ausbrechende Listenfllut. Was verbirgt sich dahinter?

Ganz einfach: Es sind unsere geliebten Excel-Tabellen mit Übersichten und Abläufen. Die zu erledigenden Aufgaben, Prozesse und Verantwortlichkeiten sind ordentlich nach Themenstellung dokumentiert. Die Komplexität des gerade anstehenden Projekts ist nur solide auf dieser Basis zu bewerkstelligen. Um diese Strukturierung hinzubekommen, müssen die Kollegen im Team schon lange vorher reichlich schwitzen und viel untereinander abstimmen. Man stelle sich vor: etwa 130 junge Leute aus 33 Ländern sind unterzubringen, ihr Vorspiel-Marathon am kommenden Montag ist zu koordinieren und danach ein geregelter Ablauf Dutzender Meisterkurse in 4 Räumlichkeiten über 6 Tage hinweg mit allabendlichen Konzerten zu meistern. Wenn das keine Herausforderungen sind!

Hier nun helfen  die aus unserer Sicht bewährten Excel-Tabellen, aus denen wir Vorgangs-, Ablauf- und Personenlisten generieren, die für die  Teams wertvolle Übersichten und Orientierungen bieten.  Zum Beispiel die Reihenfolge des Auftritts der jungen Musiker, wenn erforderlich, dann auch mit Klavierbegleitung. Vier Pianistinnen stehen bereit. Ganz wichtig noch: Die vier Cellolehrer werden mit biografischen Informationen über jeden der jungen Studenten(innen) versorgt. Entsprechende Mappen werden erstellt.

Am Abend des Vorspieltages, nach erfolgter Auswahl der ca. 40 aktiven Meisterschüler, müssen dann die Meisterkurs-Details wieder in diversen Listen detailliert und rechtzeitig an alle Beteiligten übermittelt werden. Gleichzeitig sind Aushänge an den Spielorten anzubringen. Die vielen Änderungen, die sich im Laufe des Projekts dann einstellen, stellen eine weitere Hürde für unser Team dar, denn ohne ständige, rasche Anpassung an neue Gegebenheiten würde vieles aus dem Ruder laufen.

Projektmanagerin Mareile Zürcher behält wie immer kühlen Kopf und steuert das logistische Geschehen aus dem 1. Stock des Receptur-Gebäudes. Während des Projekts ist sie oft unterwegs und immer ansprechbereit, um aktuelle Änderungen umzusetzen. Unsere jungen Praktikantinnen Lea Jakob,  Caroline Just sowie seit kurzem Philipp Leibbrandt sind emsig mit der Erstellung der diversen Listen und Mappen befasst und kommunizieren rege untereinander.

Da am kommenden Wochenende in Kronberg der sehr beliebte Herbstmarkt veranstaltet wird, ist die Belegung und Ausstattung verschiedener Aufführungsorte besonders knifflig. In engem Kontakt mit den Verantwortlichen des Bauhofs der Stadt Kronberg  werden insbesondere Aufbau- und Abbauzeiten abgestimmt und koordiniert. Das ist u.a. Christian Hausers Job.

Weitere ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass z.B. unser Fahr-Service für die Künstler, der  Getränkeausschank während der Konzerte und die Bistrobesetzung und viele andere Dinge mehr perfekt funktionieren.

Die Erstellung der Programme und Broschüren liegt in den bewährten Händen von Oda Cramer von Laue, die für die gesamte inhaltliche Gestaltung dieser Medien verantwortlich ist. Parallel haben wir übers Internet und die Sozialen Netzwerke regelmäßig über das  anstehende Projekt berichtet. Aber auch unsere Kartenverkaufskolleginnen sind überaus präsent, wenn es um die Bearbeitung von Wünschen und Anfragen zu Kartenbestellungen geht. Die Beflaggung der Stadt und das Aufhängen von Postern sowie das Verteilen der Konzertprogramme in Kronberg und den umliegenden Gemeinden ist längst geschehen.

Noch in Arbeit ist das Zusammenstellen einer Fotoausstellung in der Stadthalle, die über “Vier Cellisten in Kronberg” informiert. Diese Dokumentation beleuchtet mit eindrucksvollen Fotografien und Texten das Wirken vier namhafter Meistercellisten in der Burgstadt.

Worüber wir uns auch gefreut haben, ist unser “neues Schaufenster”  in der Kronberger Postfiliale. Diese hat seit einigen Tagen am Berliner Platz ihr neues Domizil bezogen. Direkt neben dem Annahmeschalter ist eine permanente Regalfläche für CDs und DVDs sowie Platz für ein großes Academy Poster reserviert worden. So mancher Postkunde wird wohl ein Auge drauf werfen.

Jeder im Team freut sich nun auf die ersten Begegnungen mit den jungen Musikern und den Cellolehrern. Die ersten von ihnen werden am Wochenende bei uns erwartet.

Das Eröffnungskonzert am 11. September in der Johanniskirche kann mit einem besonderen Plus aufwarten. Zwei junge Cello-Solisten, Natalie Clein und Nicolas Altstaedt,  werden diesen Abend zusammen mit dem jungen türkischen Pianisten Fazil Say bestreiten. Dessen Sonate für Cello und Klavier “Four cities” wird als deutsche Erstaufführung zu hören sein. Das ist Anlass zur Freude, denn es verleiht dem Eröffnungskonzert eine besondere Note!

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Interview mit Friedemann Eichhorn / Neuer Direktor “Kronberg Academy Masters” (Teil 2)

Donnerstag, 2. August 2012

Fortsetzung des Interviews vom 31. Juli 2012

Die Kronberg Academy repräsentiert eine Institution mit hohem internationalem Bekanntheitsgrad und Renommée (ist gewissermaßen eine Marke). Wie lässt sich das Deiner Meinung nach absichern bzw. verbessern?

In der Musikwelt ist die Mund-zu-Mund-Propaganda entscheidend und noch effektiver als mediale Werbung, wobei letztere selbstverständlich keineswegs außer Acht gelassen werden darf ! Die beste Werbung für die Marke Kronberg Academy ist die Qualität der Veranstaltungen und der Lehre. Daran muss man immerzu weiterarbeiten, das darf nie aufhören – es ist ein stetiger Prozess. Und das spricht sich sehr schnell herum. Jeder Musiker, der bei uns zu Gast ist, trägt den Namen Kronberg Academy weiter. In diese Richtung werden wir mit Energie weitergehen.

Neben Deiner neuen Rolle hier in Kronberg hast du eine Professur in Weimar. Welche Synergie-Effekte siehst Du in der Verbindung dieser beiden Aufgaben bzw. Verantwortungsbereiche?

Durch meine Konzerttätigkeit als Geiger und meine Lehr- und Jurytätigkeit – ich habe die vergangenen Jahre auch regelmäßig an der Sommerakademie des Mozarteums Salzburg unterrichtet – befasse ich mich ständig mit den verschiedenen Bereichen der „Streicherbranche“: Berufsbilder, Repertoirefragen, Künstlervermittlung, pädagogische Ansätze, Fragen zum Instrumentarium, zu CD-Einspielungen und zu Wettbewerben. Hier entstehen viele Synergien. In der akademischen Selbstverwaltung der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar war und bin ich aktiv, z.B. im Senat und in der Promotionskommission. Als Direktor des Instituts für Streicher und Harfe habe ich die Studienreform in das Bachelor- und Master-System mitgestaltet.

Wie gefällt Dir das unmittelbare städtische Ambiente hier in Kronberg?

Kronberg ist eine schöne Stadt, überhaupt gefällt mir der Taunuskreis. Die Menschen, die ich bisher kennengelernt habe, sind äußerst freundlich und offen. Aufgewachsen bin ich ja in Speyer, gar nicht so weit weg…

Durch Deine beiden festen Wirkungsstätten Kronberg und Weimar dürfte sich Dein Reiseanteil erhöhen – bist Du viel mit dem Auto oder auch mit der Bahn unterwegs und kannst Du die Zeiten auf Reisen für Dich Ertrag bringend nutzen…?

Ich fahre fast immer mit dem Zug, es gibt eine prima Verbindung Frankfurt-Weimar, gern fahre ich ganz früh morgens. Die Bahn ist für mich deshalb so bequem, da ich hier sehr viel Büroarbeit wie Emails erledigen oder auch ungestört über Konzepte nachdenken kann.

Schaut man auf Deinen Lebenslauf, so sieht man sehr unterschiedliche Themengebiete, mit denen Du Dich intensiv befasst hast: Jura, Musikwissenschaft, Buchwesen, darüber hinaus bist Du nach wie vor aktiver Musiker und seit geraumer Zeit nun auch Hochschullehrer – gibt es ein oder mehrere verbindende Elemente zwischen diesen Gebieten?

Das gehört für mich alles zusammen. Gerade die Verbindung von geistiger und musikalisch-interpretatorischer Arbeit und rein instrumentalmethodischen Fragen finde ich wichtig. Ich glaube nicht so an jenen Musikertypus, der sich fortwährend nur mit seinem Instrument befasst und nichts als übt, wobei großer Fleiß natürlich Voraussetzung ist. Aber ein intellektueller Ausgleich – und da ist es unerheblich, ob man sich mit Literatur, Naturwissenschaften, Sprachen, Kunst oder anderen Disziplinen beschäftigt – halte ich für einen Künstler für unabdingbar, um eine wesentliche künstlerische Aussage treffen zu können. Man sieht doch bei all den großen Musikern, die nach Kronberg kommen, welch geistiger Hintergrund vorherrscht. Das, und nicht nur deren musikalische Fähigkeiten, ist großer Ansporn für unsere Young Soloists ! Deshalb sind die Begegnungen mit diesen Künstlern so wertvoll, auch alle gemeinsamen Gespräche abseits oder nach dem Arbeiten an der Musik.

Zum Schluss: Wie entspannst Du Dich nach intensiven Arbeitstagen-/Wochen?

Natürlich im Kreis meiner Familie. Meine Frau ist ja auch Geigerin und wir haben drei Kinder im Schul- und Kindergartenalter. Die zwei Töchter machen schon ganz schön Musik und treiben Sport, der Junge ist noch zu klein. Ansonsten bin ich gern im Garten und zupfe an Blumen und Kräutern. Einem guten Fußballspiel gegenüber bin ich seit jeher sehr aufgeschlossen (nicht nur im Fernsehen, sondern auch mit Freunden auf dem Platz) und schließlich bin ich begeisterter Wintersportler. Und dann ist da  noch die Küche, mein Lieblingsraum in unseren vier Wänden…

Friedemann, danke für dieses Interview!

Michael Heinz
Kronberg Academy Team

Am 31.7.2012 ist Teil 1 dieses Interviews veröffentlicht worden.

Interview mit Friedemann Eichhorn / Neuer Direktor “Kronberg Academy Masters” (Teil 1)

Dienstag, 31. Juli 2012

Ein Vollblutmusiker mit vielen Seiten

Seit Juli 2012 ist Friedemann Eichhorn Direktor unseres Studiengangs “Kronberg Academy Masters”. Er hat damit den seit 2006 in dieser Rolle fungierenden Stephen Potts abgelöst, der wieder nach England zurückkehrt.

Friedemann Eichhorn wurde 1971 in Münster geboren und verbrachte seine Jugendjahre in Speyer.  Mit sieben Jahren begann er Violine zu spielen. Nach Unterricht bei Herbert Franze und Hiroshi Nishida wurde Prof. Valery Gradow sein Lehrer, bei dem er von 1987 bis 1992 an der Musikhochschule Mannheim studierte. Friedemann Eichhorn setzte seine Ausbildung bei Alberto Lysy an der International Menuhin Music Academy in der Schweiz fort und graduierte von der Juilliard School New York, wo er von Margaret Pardee (Violine), Earl Carlyss und Samuel Sanders (Kammermusik) und Miguel Harth-Bedoya (Dirigieren) unterrichtet wurde. Darüber hinaus studierte er Musikwissenschaft, Jura und Buchwesen an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, wo er zum Dr. phil. promovierte. Friedemann Eichhorn war Stipendiat des DAAD, der Menuhin Academy, Juilliard School, Villa Musica, Kronberg Academy und des PE-Förderkreises.
Im Jahr 2002 wurde Friedemann Eichhorn als Violin-Professor an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar berufen. Zuvor unterrichtete er an der Folkwang Hochschule Essen, Abteilung Duisburg. Er gibt Kurse u.a. an der Sommerakademie des Mozarteums Salzburg und seit 2004 an der Gustav Mahler Akademie Bozen. Masterclasses und Kurse gab er auch an der Universität für Musik Wien, der Guildhall School London sowie an der Pre College Division der Juilliard School. Friedemann Eichhorn ist Künstlerischer Leiter des Internationalen Louis-Spohr-Wettbewerbs für junge Geiger in Weimar. Von 1996 bis 2000 wirkte er als 1. koordinierter Konzertmeister des Staatstheaters Mainz. Daneben hat er diverse CD-Einspielungen für Hänssler und Naxos durchgeführt und auch als Dirigent einer Opern-Aufführung wirken dürfen. Summa Summarum, Friedemann Eichorn hat in seiner bisherigen Vita wahrlich viele Seiten anklingen lassen.

Das folgende Interview hat zwei Teile. Es wurde am vergangenen Wochenende geführt. In diesem ersten Teil geht es um die Kronberg Academy und die weitere Entwicklung des Studienprogramms. Im zweiten Teil werden dann Fragen aufgeworfen, die den Menschen Friedemann Eichhorn hervortreten lassen.

In den letzten Wochen und Monaten warst Du bereits bei Meisterkursen, Veranstaltungen und Events hier in Kronberg, was waren Deine Eindrücke und was ist aus Deiner Sicht das Besondere an dieser Einrichtung?

Das Besondere ist die Dichte an ganz außergewöhnlichen Begabungen und zwar sowohl auf Seite der Lehrenden als auch der Lernenden. Hier treffen sich regelmäßig zahlreiche der allerbesten jungen und älteren Künstler. Wobei in Kronberg beide Seiten auch voneinander lernen. Die künstlerische Qualität sucht international ihresgleichen.

Was war Deine Motivation, diese Aufgabenstellung in der Kronberg Academy zu übernehmen?

Ich fühle mich der Kronberg Academy seit vielen Jahren eng verbunden. Seit ich im Jahr 2001 als Professor nach Weimar berufen wurde, widme ich einen wichtigen Teil meiner künstlerischen Arbeit der Entwicklung von jungen Talenten. Das macht mir Freude und in Kronberg ist das Potential der Young Soloists riesengroß. Darüber hinaus liegt mir die Form – neudeutsch die „Unternehmensphilosophie“ – der Academy. Bei aller hohen Professionalität sind die Wege kurz und es hält sich ein gewisser familiärer Geist.
Welche Erinnerungen hast Du an Deine erste Teilnahme als junger Geiger bei „Chamber Music Connects the World“ im Jahre 2000?

Chamber Music Connects the World gehört zu meinen schönsten und wichtigsten künstlerischen Erfahrungen. Ich hatte die Gelegenheit mit Yuri Bashmet, Eugene Istomin, Gidon Kremer und Boris Pergamenschikow zu proben und zu spielen. Das ist ein Höhepunkt! Gerade kürzlich kamen viele Erinnerungen besonders lebhaft zurück, als ich den neuen Film der Academy über Yuri Bashmet gesehen habe. Darin finden sich einige Ausschnitte des Schnittke-Trios, das Yuri Bashmet mit Sebastian Hess am Cello und mir aufführte.

Welche Ziele strebst Du für die Weiterentwicklung des KAM-Studiengang an? Welche unmittelbar anstehenden Projekte haben Dein Hauptaugenmerk?

Das vergangene halbe Jahr, also die Zeit vor meinem offiziellen Antritt im Juli, habe ich vor allem dazu genutzt, die Abläufe kennenzulernen und viele Kontakte aufzubauen. Vernetzung und schnelle Kommunikation sind ganz wichtig. Ein großes Thema war und ist natürlich der Masterclass-Plan für unsere Young Soloists, den wir zusätzlich zu den regelmäßigen Unterrichten mit unseren hochgeschätzten Professoren Ana Chumachenco, Frans Helmerson, Nobuko Imai und Christian Tetzlaff organisieren. Ich freue mich, dass es  wiederum gelungen ist Yuri Bashmet, Martin Helmchen, Gary Hoffman, Gidon Kremer und András Schiff für musikalische Begegnungen zu gewinnen. Hinzu kommen Boris Kuschnir, Nils Mönkemeyer, Miklós Perényi, Lawrence Power, Antoine Tamestit, Antje Weithaas. Auf einen Improvisationskurs mit dem Geiger und Menuhin-Zögling Gilles Apap bin ich auch  gespannt. Wir sehen also einem sehr intensiven Studienjahr mit einem breiten Angebot für die Young Soloists entgegen. Das wichtigste Ziel des KAM-Studiengangs besteht darin, die international besten Lehrer und Musiker sowie die größten jungen Talente zu versammeln. Wichtig ist mir dabei auch, variable musikalische Ansätze einzubringen und Künstler mit unterschiedlichem Background für Masterclasses einzuladen. Unsere Young Soloists haben das Format, diese verschiedenen Traditionen zu erkennen, einzuordnen und deshalb davon zu profitieren. Das erweitert den Horizont!

Bezüglich der Theoriefächer zum KAM-Studiengang treffe ich mich demnächst mit den Kollegen der Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Frankfurt.

Hast Du Vorbilder in Sachen Lehrer und Musik-Pädagogik?

Aber ja, ohne Zweifel gehören unsere Professoren des KAM zu den Lehrern, die instrumental-methodisch und musikalisch Vorbildfunktion einnehmen. Stark geprägt haben mich natürlich meine eigenen Lehrer, darunter vor allem Alberto Lysy, der vor zwei Jahren verstorben ist. Meine Studienzeit an der Menuhin Academy in Gstaad war sehr inspirierend, auch weil Lord Menuhin selbst öfter für gemeinsame Konzerte und Masterclasses an die Academy kam.

In Kürze folgt Teil 2.

Michae Heinz

Kronberg Academy Team

Chamber Music Connects the World / Motivations of the Juniors

Freitag, 9. März 2012

Why do young musicians want to participate in our June project?

We believe it is quite illuminating to learn from young musicians why they have applied for participation in our upcoming project “Chamber Music Connects the World”. What are the driving thoughts and notions that they are concentrating on?

A few days ago we have published the thoughts and ideas of 5 young string players. Now we want to follow-up and present another group of five young musicians and their ideas. Here they are:

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Bogdan Bozovic (Vl), Serbia

My attention to this seminar was drawn by Steven Isserlis, as well as several friends and colleagues of mine that were participating in the past years. Chamber music is a great passion of mine and it is the field in music where I had the most experience. In CMCW 2012 I see a great opportunity to work and play with some of my musical idols and together with them explore masterpieces of the chamber repertoire.

Oleksandra Fedosova (Vl), Russia

Mein Ziel und Traum wäre bei der wunderbaren Musik in Kronberg mitzuwirken und die Möglichkeit zu haben mit den jungen talentierten Musikern sowie mit den Weltpersönlichkeiten zusammen spielen zu dürfen und mich weiter zu entwickeln.

Ji Eun Anna Lee  (Vl), USA

Chamber music has, simply put, changed my view on music. No longer is this music of my own – it is something that needs to be shared, that shares itself regardless, including its own individual life. It has shaped my violin playing, my musical interpretation, and also my outlook on life outside of music. I have realised that even playing concertos with an orchestra is a collaborative effort, a large-scale chamber music. I´ve also realised that music breathes and that what I do is breathe with it, whether it is perfectly in sync, syncopated or simply…( )…out of sync.

Adrien Boisseau (Va), France

I would be honoured to play with such musicians as Yuri Bashmet, Gidon Kremer or András Schiff. The seniors of this programme are musicians I respect and admire. I am willing to learn from their experience and talent. Share music with them would be a unique musical experience for me.

Bonian Tian (Vc), China

Chamber Music Connects the World is a dream for me! Because there are a lot of great musicians and artists. I always wanted to find the opportunity to learn and to work with such people. To know  and feel how they are working for the music. But it´s very hard to get it. I am very happy and lucky to be a part of Kronberg Academy. They give me the opportunity and support to do what I want and what I dream!

Michael Heinz / Kronberg Academy

Chamber Music Connects the World / And the Finalists are….

Freitag, 2. März 2012

Kronberg is ready to welcome 20 young musicians in June

We are happy to present twenty-one young musicians who were qualifying for participation in our June project Chamber Music Connects the World. Now that the audition weekend is recent history we are focussing on the completion of assigning the young musicians to the roughly 15 chamber music works, which were selected by the five seniors. Gidon Kremer and the Kronberg Academy project team are organising the process which young players will be performing in which pieces and what combinations with other players.

After some tough days during the audition the young musicians  can now relax and concentrate on their other duties and To Dos.

Now, who are the participants? For those who haven´t checked out our homepage recently, here we present that list again, categorised by the 4 involved string instruments.

And the juniors are:

Violin
Benjamin Beilman (USA)
Nikita Boriso-Glebsky (Russia)
Bogdan Bozovic (Serbia)
Oleksandra Fedosova (Ucraine)
Miriam Helms Ålien (Norway)
Ji Eun Anna Lee (Korea)
Hyeyoon Park (Korea)
Ying Xue (China)

Viola
Adrien Boisseau (France)
Georgy Kovalev (Russia)
Hanna Lee (Korea)
Hwa Yoon Lee (Korea)
Yura Lee (Korea)
Bénédicte Royer (France)

Cello
Alexander Buzlov (Russia)
Ivan Karizna (Belarus)
Anastasia Kobekina (Russia)
Edgar Moreau (France)
Alexey Stadler (Russia)
Bonian Tian (China)

Double Bass
Edicson Ruiz (Venezuela)

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For readers of our blogposts it might be interesting to learn from these young people why they thought it would be a good thing for them to apply for participation in the first place.

The basic theme of these statements is the aspect of learning under very special circumstances, which are unique. Following are the first five responses.

Nikita Boriso-Glebsky (Vl), Russia

I believe that there are lots of details and nuances in music which cannot be expressed and explained in words, but can only be understood from experience. This is a unique opportunity to gain this experience from such outstanding musicians in person by performing with them and other young and talented colleagues.

Benjamin Beilman (Vl), USA

I had the great fortune of spending four summers as a participant at the Marlboro Music Festival in Vermont from 2007-2010 …( ). The Kronberg Academy´s Chamber Music Connects the World project is one that would be an important next step for me in continuing the musical traditions I learned during my summers at Marlboro. Rehearsing and performing alongside musical masters provides a uniquely intimate learning environment that I believe is vital in my current musical development, Additionally, I think it is important to meet and befriend my fellow generation of musicians…..( ).

Yura Lee (Va), Korea

I would like to take part in Chamber Music Connects the World because the experience to learn from the masters is such a valuable one. Sometimes the greatest lessons can take place while playing chamber music together.

Alexander Buzlov (Vc), Russia

I truly believe that for any musician, chamber music pays a major role in his (her) musical development, as you get to share your passion for music with other artists, explore great musical works and learn many things in the process. Chamber Music Connects the World gives that opportunity as you get to meet the great masters and share music with them in a great atmosphere of friendship and love for music. That´s the greatest thing that can happen to any young performer.

3  Edicson Ruiz (Db), Venezuela

Because I love music from the bottom of my heart. It is a dream to make music together with Mr. Tetzlaff, M. Kremer, Mr. Bashmet, Mr. Isserlis and Mr. Schiff whom all I already know by accompanying them at their performances with Berlin Philharmonic Orchestra for the last 10 years where I have played there.

Our next blogpost will feature more young musicians and their answers. Meanwhile, our project team will finalise the cumbersome work of putting together the final set-up for all the compositions and the casting of players from the group of our young participants.

Michael Heinz / Kronberg Academy

Audition Weekend in Frankfurt

Freitag, 24. Februar 2012

Two crucial days for more than 30 young musicians


Over the last weekend we welcomed over 30 young musicians from 10 countries. The reason was that we were conducting auditions for our project “Chamber Music Connects the World” which we carry out every two years. The auditions took place in one of the larger concert rooms at Frankfurt´s conservatory (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst). We were lucky to have Mr. Gidon Kremer, world-renowned violinist, amongst the jurors.

Gidon Kremer is a frequent participant in our various educational projects and he enjoys engaging regularly in this ambitious project. Altogether there were 4 jurors that represented our decision-making body.

Preparations for these two days had already started early in 2011. Over Christmas and the first weeks in January and February our team worked very hard to make everything happen.

One last-minute big hurdle, though, could have destroyed all our organisational work. A major strike of the Frankfurt-based air traffic control personnel happened exactly around the time of the auditions.  Fortunately enough, only one young musician was affected and arrived one day later than originally planned.

The big challenge for those who were invited to take part in the audition was the short time span of only 10 minutes where every player had to engage musically as the fourth player of a string quartet (represented by the Kuss-Quartett) and play one movement from two different compositions. Especially tough was that our young players had no chance to rehearse with the chamber musicians beforehand. Only their own preparations of the two works provided the basis for interaction with the other quartet members.

Many busy helpers provided for food and drinks and a little booth next to the audition room functioned as a tiny organisation office.

Then on Friday, February 17, 9:30 in the morning the first day of audition would kick-off.

Our intern, Evgenia Mukha was heavily involved in all the necessary prep work and she assisted Oda Cramer von Laue, who was following the auditions in the main room. Mareile Zürcher took over the job of  unobtrusively letting in new musicians while other candidates were escorted on their way out.

The first group of players were the violinists. They kept coming in until noon. Then there was a first break for about 3 hours in order for the cellists to kick-off their sessions at 4.30 pm. Shortly before that point of time I arrived in the lobby to witness a very busy scene. Many young musicians were gathering, some sitting in front of a laptop, some engaging in discussions or taking a snack or waiting with their instrument cases in front of the lift. Now and then young students from the conservatory popped-up and checked what was going on.

The cellists were finishing their parts at around 7 pm. And the young players waited with anticipation to receive the results directly from Raimund Trenkler, artistic director of the Academy and member of the jury.

After the cellists had finished a few of  the violinists were called to engage in the last round of play-offs. Throughout the afternoon  the lobby room of Frankfurt´s conservatory was filled with waiting young musicians. During one of the last breaks I took the opportunity and spoke with one of the members of the Kuss-Quartett who have been partnering with our team for the audition work over many years. Jana Kuss and Oliver Wille gave me some background on how the quartet was founded in Berlin and how it had evolved ever since. In  any case, this ensemble has a great reputation and is one of the best in Germany. I asked Jana Kuss, violinist, what was it like to play these pieces a dozen times, and how the young aspirants performed: “Well”, she said, “everyone is different, and they all have their own special way of trying to get inside the sound of the other three players, timing is essential. It is a great experience for us to be part of this activity, however, it requires energy and concentration to play for such a long day”.

Friday was a very long day for all who actively participated. The sessions went on until 8 pm. By that time the majority of young players have had their turn. On the next day, Saturday Febr.18, the remaining group of viola players would jump onto the stage and do their best in front of the jurors, hoping to belong to those who would later be invited to the project in June. We are quite certain that on this weekend, charged with emotions, strong motivation and many expectations, young musicians delivered some great performances, learned some important lessons and gained new insights through this experience.

Michael Heinz / Kronberg  Academy

Violin Masterclasses and Concerts / Interview with young violinist Jérôme Benhaim

Mittwoch, 29. Juni 2011


Few questions prompting five concise hand-written answers

It was during the final hours after the last concert and the ovations for the soloists  of the 2nd Violin Masterclasses were coming to an end when we asked  Jérôme Benhaim,  a 24-year old violinist from France living in Hamburg, to give us some feedback. Jerome has been an active participant, meaning, he had qualified for 2 lessons of personal teaching with famous violinist Christian Tetzlaff. Jérôme  agreed spontaneously to respond to some 5 short questions. The main goal for the quick interview was to receive some personal thoughts.  Since we knew Jerome from last year´s attendance of our project “Chamber Music Connects the World“, where he was playing and rehearsing with Gidon Kremer and Andras Schiff, it was easy for us to approach him with our request amidst all the other young players and guests in front of the “Posthaus”,  a few meters away from Kronberg´s  “Stadthalle”.

Following are Jérôme´s answers and thoughts on what he had experienced over that one long week in our city.

Q: In your view, what was special about the 2nd Violin Masterclasses and Concerts?

The quality and the number of the teachers. And, the fact that you can listen and learn so much from 4 of the top teachers in the world. And then, yes, the quality of the concerts! The meetings and encounters with the other students were also priceless.

Q: How would you rate the Kronberg Violin masterclasses?

9-10 out of a 10 max rating scale.

Q: What was the greatest learning effect or result that you have experienced?

Opening to lots of different views on music and violin playing.

Q: How do you feel about the city of Kronberg?

Rainy! On the other hand, very enjoyable and also  a great place to practice music.The city is peaceful and warm.

Q: Do you have special personal comments to make?

Except for saying “Thank You” , not really! Maybe 2 lessons are a bit few but we also learned so much from listening that two could be enough.

Thanks, Jerome, for having taken the time during the final hours of the Violin Masterclasses and and providing personal feedback to us!

Michael Heinz

Kronberg: centre of the violin world

Sonntag, 19. Juni 2011

Flags, posters and banners greet visitors and young musicians alike!

The citizens of Kronberg are experiencing once more a marvellous musical festivity celebrating this time the gathering of some 160 young violin players from more than 40 countries, from 5 continents. The second Violin Masterclasses and concerts will be held between June 19 and 25 here, making Kronberg  for about a week the heart of the violin world. And, indeed, the team of  Kronberg Academy and our supporters have done a great job in collaboration with the city officials to grace this wonderful place with banners, posters and flags so that every visitor and musician can get a notion of how omnipresent this event really is.

Yesterday, throngs of youngsters arrived by train or airplane in Frankfurt from where they moved to our city. Suddenly, new dynamics unfolded, with many youngsters carrying luggage and instrument cases, asking pedestrians for direction to the academy offices where registration would take place. In some instances one could identify the musical school for which these students are matriculated. In my case, on my way uphill to our offices, while still busy making photos of this scene, a young violinist and her mother crossed my way: and quickly I found out, that it was a young player from New York who studies at the Juilliard school. An institution, which is in some ways comparable to Kronberg Academy, although Juilliard is much bigger with regard to the number of students ( in the realm of educating highly talented young string players).

Now, today, on this partly rainy Sunday, all the young musicians are going through 10 minute-auditions with four teachers/tutors. At the end of the day it will be decided who then will be accepted by the teachers to join in a masterclass with one of the maestros for which they had applied beforehand. So, after each student has finished his or her audition a time of waiting and hoping will follow until this very evening. Then, during the Welcome Dinner, all the young violinists will hear about whether they have been accepted as active participants in the masterclasses of their choice.

We keep our fingers crossed for all of them. And for those students who couldn´t make it to the active masterclass participation, we invite them enjoy their status as passive participants where they will learn by way of listening and communicating with other musicians and the teachers. While some students are still busy preparing themselves for the audition challenge, wrestling with tension and a bit of nervousness, meantime, all our visitors and the citizens can feel the spirit of this event while strolling the streets and places, finding posters and banners on many corners. The young violinists and the many vistors will change the face and dynamics of this city for a long wonderful week. May the masterclasses and the concerts provide for unique moments and encounters.

Michael Heinz

“Mit Musik – Miteinander” / Interview with Yura Lee

Donnerstag, 19. Mai 2011

Coming weekend Yura Lee along with Lily Francis and Claudio Bohorquez will assume the role of lecturers in our chamber music project „ Mit Musik – Miteinander“. This project, which runs for many years now (happening twice a year) is designed to bring young soloists together with talented musicians  aged 13- 20 years. It is both a performing and a learning exercise, and the final concert on Sunday, May 22 will present to the public the results of two days of hard and inspiring work.

During the course of nearly three days all participants will join in different groupings in order to rehearse and perform a couple of classic chamber music works. Beginning on Friday afternoon in Kronbergs “Streitkirche” our team expects some 10 young musicians from Germany and Austria. Some of the young musicians have already participated in last year´s project, October 2010.

We wanted to ask one of the young lecturers, how she is about to prepare for this event and what is her attitude towards teaching and learning. So we asked Yura Lee, the 25-year old Korean, now living in the United States.

Yura participated in Kronberg Academy’s Chamber Music Connects the World in 2004 and joined Kronberg Academy Further Masters in September 2010, studying violin with Professor Ana Chumachenco and viola with Professor Nabuko Imai. Looking back at her early musical development one clearly sees a tremendous development. Her violin studies began at age 4 with Namyoon Kim in Seoul,Korea. Her talent was quickly recognized, when, at age 5, she won a top prize at the prestigious Hankook Ilbo Competition in Seoul. Two years later she made her debut with Korea’s leading orchestra, the KBS Symphony.

From 1994 to 2001, Yura studied at the Juilliard School of Music, under the late Dorothy DeLay and Hyo Kang. During the summers of1995-2000 she was a full scholarship student at the Aspen Music School. In 2001-2002 and 2007, she participated at the Steans Institute for Young Artists at Ravinia and from 2001-2005, studied with Miriam Fried and Paul Biss at Indiana University, and the New England Conservatory of Music in Boston. In 1997, she received the Debut Artist of the Year prize at the “Performance Today” awards given by National Public Radio. In 2007, she received, among other prizes, the prestigious Avery Fischer Career Grant.

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Here are our five questions that we asked Yura to provide some answers

Q: How do you prepare for the upcoming project MMM?

Not only will I be teaching but will be playing with the students, so the preparations include: learning the score of the piece visually (learning about the parts of other instruments), and practicing my own part of course. Also it always helps to know about the composers themselves, in my case for this MMM will be Mozart and Beethoven. It’s interesting to think about what they intended, in their historical context.

Q: How do you feel when performing as a teacher. What have been your experiences so far?

I have taught before (very young kids), but not at a conservatory or music school since I’m still 25 years old, and I feel that there are many things I need to learn. It is however, my first time actually performing with the students. I’m looking forward to it!

Q: What is essential for you when you think of teaching and learning ( from a teacher and a learner´s standpoint), what can a teacher learn while teaching?

For me, teaching (from teacher’s perspective) and learning (from student’s perspective) is all about opening up possibilities. A teacher can learn so much from students because everyone is different, everyone is unique. What may work for me, may not work for everyone. It’s exciting to think of new solutions, different ways of playing. Also, there are infinite amounts of things to learn – one should never stop exploring and learning, no matter how old you are or how long you’ve been playing music.

Q: Can you imagine becoming more active in the world of teaching?

I will spend part of this summer teaching at a festival in the United States. I never want to stop performing, but it would be great to have performing life with teaching life as well, in the future.

Q: What is your expectation and perhaps hope after those 3 days in Kronberg will have ended Sunday afternoon?

I hope the students will enjoy the process (practicing/learning) as much as result (our concert at the end). Chamber music is such a great thing, and it’s great to be exposed to it at a young age. I’m happy that we will experience it together.

Michael Heinz

Kronberg in Winter Wonderland – Impressions and a Look Back

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Kronberg Academy Team finishes a dynamic year 2010

In a few days we will close our books on a dynamic year 2010. During the final days of the year we are all happy to welcome winter wonderland in the world´s cello capital which is Kronberg ( Maestro Rostropovich said this many years ago).

Lots of great projects were successfully delivered. The last big event on our To-Do list was the execution of the third international cello competition “Grand Prix Emanuel Feuermann” in Berlin late November, organised together with the “Universität der Künste Berlin”. 12 semi-finalists gathered in Berlin´s Kammermusiksaal and in the last round just 3 finalists  competed for this prestigious price. In the end, Russian cellist Alexander Buzlov was nominated by the jury as the winner, followed by the British cellist Philip Higham and the German cellist Konstanze von Gutzeit. A marvellous final concert of the winners in the “Konzerthaus” topped the overall event on November 21. Well, a series of other events and projects from January to November created a permanent stream of intense work on our behalf. To mention just a few: cello master classes in September, masters in performance in June, featuring many solo performances of our young soloists, then the chamber music project “Chamber Music Connects the World” in its tenth year. All of these activities received enormous press coverage. Our team delivered background stories on the blog site with current photographs and interviews. Another KA talk was realised, interviewing cello soloist Julian Arp, who participated in the CMCW workshops..

Not to forget the two rounds of our “Mit Musik – Miteinander” workshops where 3 young soloists teach and play with around 10-15 young talented musicians (aged under 20 years).

Besides all this we´ve put a programme of classical music for kids into action, a project that happens every year and we run this three times featuring different compositions and different musical instruments at the centre of the works. This is our contribution to attract young children to the world of classical music. One very special event (on top of what has just been described) was a true world premiere: Gidon Kremer, the world-renowned violinist and leader of the “Kremerata Baltica”, realised his idea to play especially for kids and offer a programme that was highly related to the world of animals. In close cooperation with the Kronberg Zoo, Gidon Kremer and members of his “Kremerate Baltica“ performed two concerts on the estate of the Zoo. And one additional performance which was exclusively given for the German friends and supporters organisation. A major Frankfurt-based radio station (hr2) recorded the concerts and broadcasted some weeks later.

Also for the third time, we celebrated in the heart of Kronberg Mstislav Rostropvichs 3rd death anniversary on April 27.  Seated close to the Rostropovich bust Russian cellist Natalia Gutman performed a movement of Johann Sebastian Bach´s Suite for cello solo with hundreds of interested Kronberg citizens including its mayor.

Our study programme Kronberg Academy Masters blossomed as well. Many master classes were held, and our eminent body of professors is still: Frans Helmerson, Gary Hoffman, Christian Tetzlaff, Nobuko Imai and Ana Chumachenko. During the last two weeks Professor Zakhar Bron from the Musikhochschule Cologne visited Kronberg and conducted master classes with our Young Soloists. The current number of “Kronberg Academy Masters” is now at 13. Interesting developments will happen during the coming year under the leadership of Stephen Potts, who is director of this unique study programme in the world of high calibre musical education.

During the last days of 2010 the team of Kronberg Academy is just finalising the preliminary agenda for the major projects and events in 2011. And we will have many offerings on our plate, you can be sure.

While still struggling with heavy snowfall in recent days (and more to come over Christmas) we are in a state of excitement because we can already grasp what it means to kick-off another successful year of musical performances and gatherings in our city next year, where emotions and commitment are the cornerstones of what we do here in this institution as one team.

A last word: we want to thank all our friends, supporters, musicians young and old, in Germany and in many European countries but also from countries as far away as China, Korea and Japan.

We look forward to present a series of great new musical events during 2011 and hope that our followers and friends grow in numbers but also muscially, emotionally and last but not least, personally.

To all of you: we wish you and your families a Merry Christmas and a Happy New Year!

Our next blog contribution will be published in early January.

Kronberg Academy Team

Zeit zum Erinnern – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Emanuel Feuermann:  Cellist aus Leidenschaft

Die Musik-Welt gedenkt Ende November des Musikers und Weltbürgers Emanuel Feuermann, dem so früh verstorbenen Ausnahme-Cellisten, dessen Karriere kurz vor  seinem 40. Lebensjahr im Mai 1942 jäh beendet wurde. Er starb an den Folgen einer Operation.

Die musikalische Welt verlor damals einen außergewöhnlichen Künstler, dessen überragende Meisterschaft in der virtuosen Handhabung des Cellos bestand. Bereits zu Lebzeiten ein gefeierter Solo-Cellist, gastierte er ausgiebig in USA und Europa und hinterließ überall begeisterte Zuhörer. Am 22. November nun jährt sich sein Todestag zum 68. Male.

Zu seinem Gedenken wird zum dritten Mal der Grand Prix Emanuel Feuermann durchgeführt. Die Kronberg Academy hat die ursprünglich von Boris Pergamenschikow entwickelte Idee eines Wettbewerbs zu seinen Ehren aufgegriffen und in Kooperation mit der Universität der Künste in Berlin daraus einen nunmehr fest etablierten international renommierten Wettbewerb für junge Nachwuchs-Cellisten entwickelt. Erstmals wurde der Wettbewerb im Jahre 2002 durchgeführt, im Jahre 2006 gab es die zweite Auflage und nun in wenigen Wochen wird zum dritte Male der Wettbewerb im Berliner Kammermusik-Saal der Philharmonie gestartet.

Nach wie vor ist das Wissen über den großen Cellisten Feuermann und die Kenntnis der wenigen vorliegenden Biografien recht dünn gesät und bis zum heutigen Tag ist der Bekanntheitsgrad dieses aus Ost-Europa stammenden Musikers immer noch unbefriedigend. Aber alle Kenner der Musik sind sich einig, dass er in einem Atemzuge mit den anderen großen Instrumentalisten des 20. Jahrhunderts zu nennen ist, wie etwa  Arthur Rubinstein, Jascha Heifetz,  Nathan Milstein, Pablo Casals oder auch David Oistrach, Gregor Piatigorsky und Mischa Elman.

In einer lockeren Folge von 4 Beiträgen möchten wir an die Person und den Musiker Emanuel Feuermann erinnern und einige vielleicht weniger bekannte Aspekte seines Lebens aber auch seine Wirkung auf die nachfolgenden Künstler-Generationen würdigen.

Welche Aspekte wolllen wir näher beleuchten?

Einmal soll es darum gehen, den Lehrer Feuermann zu skizzieren, dann werden weitere Beiträge sich mit seiner Zeit in Berlin, in Amerika und mit seinen besten Aufnahmen auf Schallplatte sowie seinen fulminanten Konzert-Auftritten befassen.

Schließlich sollen im Schlussbeitrag einige Facetten der Persönlichkeit dieses außergewöhnlichen Musikers lebendig werden und einer seiner Schüler zu Wort kommen.

Was wünschen wir uns mit dieser kleinen Serie über den großen Musiker?

Unser Team wünscht sich vor allem interessierte und vielleicht auch begeisterte Leser und lesende Musiker, die sich ermutigt fühlen, mehr über den Menschen und Künstler zu erfahren und von ihm zu lernen und Inspiration zu empfangen. Dann wäre es die Mühe wert gewesen, noch einmal im Hintergrund zu recherchieren und auch das eine  oder andere nicht so Bekannte ans Licht zu fördern. Einen ersten Eindruck vom Wesen dieses Musikers erhält man, wenn man sich das folgende Zitat von ihm vergegenwärtigt. Feuermann, der trotz Ruhm und Jubel zu seinen Lebzeiten keinen Wirbel um seine Person mochte, wollte stets die unglaubliche Ausdrucksvielfalt seines Instruments meistern und den Werken der Komponisten gerecht werden.

Virtuoso should be a title of honor…..the greatest ability, respect for a piece of art and the ability to fit one`s personality to the art work…….I believe that even among the greatest names on the stage, only a few deserve it „
(Emanuel Feuermann, 1942)

Der erste Beitrag erscheint in den nächsten Tagen.

Michael Heinz

Interview mit Nils Mönkemeyer – Mit Musik-Miteinander

Dienstag, 19. Oktober 2010

Michael Heinz: Am kommenden Freitag den 22. Oktober werden Sie die Möglichkeit haben, im Rahmen unseres Projekts “Mit Musik – Miteinander”  gewissermaßen vom Solisten  zum Lehrer zu werden – gemeinsam mit Ihren Mitstreitern Kaori Yamagami und Mikhail Ovrutsky. Was verbinden Sie mit dieser Vorstellung?

Nils Mönkemeyer: “Studierende” bleiben wir als Musiker ja unser ganzes Leben lang. Für mich geht es bei dem Projekt nicht in erster Linie darum, mich als Lehrer zu betätigen, sondern vielmehr im lebendigen Zusammenspiel voneinander zu lernen. Kammermusik ist eine Gattung, die am besten ohne eine menschlich gedachte Hierarchie funktioniert, man muss in der Lage sein, im richtigen Moment die anderen Spieler zu unterstützen und dann wieder einen entscheidenden Impuls setzen, Freude an kleinen Einwürfen zu haben und gemeinsam ein großes Ganzes zu schaffen.

MH: Als ehemaliger Junior bei „Chamber Music Connects the World“ 2008 konnten Sie mit namhaften Kammermusikern und Solisten gemeinsam Kammermusikwerke erarbeiten – wie prägend war diese Erfahrung für Sie, was hat dies für ihre eigene musikalische Weiterentwicklung bewirkt?

NM: Eine intensive Woche zu verbringen mit Künstlern wie Gidon Kremer oder Yuri Bashmet ist natürlich etwas ganz, ganz besonderes. Beide Künstler waren und sind Idole für mich und die Momente der Konzerte sind mir immer wieder ganz präsent. Es ist diese absolute Konzentration und Hingabe, die mich an diesen großen Meistern besonders beeindruckt hat, diese völlige Hingabe im Moment des Spielens, die alles andere unwichtig macht und den “magischen Moment” erschafft, nach dem wir immer suchen. Die Erinnerung daran macht mich sehr glücklich.

MH: Manch einer ist der geborene Lehrer, wie ist Ihre Einschätzung von sich selbst in dieser Rolle…? Haben Sie hier eine Vorahnung oder betreten sie hier völlig neues Terrain und wissen selbst noch nicht, wie dies ausgeht? Von Bernhard Greenhouse stammt der Gedanke, dass man sich immer ganz auf die Persönlichkeit der Schüler einlassen muss, jeder Schüler hat einen anderen „Auslöser“ für den Erkenntnisprozess.

NM: Ich war drei Jahre Assistent von Diemut Poppen in Madrid und habe seit einem Jahr meine eigene Klasse in Dresden. Unterrichten ist schon seit vielen Jahren ein Hauptfeiler meiner künstlerischen Tätigkeit. Jeder Schüler hat eine unverwechselbare und eigene Persönlichkeit . Manche halten mir selbst einen Spiegel vor, andere kommen mit Problemen, über die ich nie nachgedacht habe und so ist jede Unterrichtsstunde neu und faszinierend. Der Lehrer lernt genauso viel, wie der Schüler.

MH: Welche Musiker sind für Sie eine große Inspiration – möglicherweise auch Musiker, die nicht aus der Kammermusik stammen,  die Ihnen zB auch Anregungen geben, wie man musikalische Strukturen „liest“, die Essenz eines Werkes vollständig durchdringt?

NM: Da gibt es viele. Immer wieder verbringe ich Stunden auf Seiten wie Youtube oder beim Anhören von CDs und entdecke neue Welten und Ansichten. Besonders inspirierend  sind aber die Begegnungen mit Kollegen und Orchestern bei gemeinsamen Konzerten, die mich besonders bereichern.

MH: Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Kronberg denken?

NM: Man kommt an, alles ist von einem supernetten Team perfekt vorbereitet und man packt das Instrument aus und muss nur noch spielen, in der Pause ist der Kaffee schon fertig und immer jemand, mit dem man sich gerne unterhält…Das ist doch herrlich!!

MH: Bitte formulieren Sie hier ein paar Gedanken, was Ihnen besonders am Herzen liegt, wenn Sie sich bald hier zu uns auf den Weg machen, in Bezug auf Ihre Rolle als Senior bei „Mit Musik-Miteinander“

NM: Am kommenden Freitag im schönen Kronberg……freue ich mich auf viele neugierige und motivierte “Juniors”, auf meine wunderbaren Kollegen Kaori und Mikhail und das nette Team der Academy. Nicht zuletzt: Musik, Musik, Musik:)

MH: Was sind ihre ganz persönlichen kurz- und mittelfristigen Ziele und Wünsche nach dieser „Kronberger Station“, wenn wir dies so fragen dürfen…?

NM: Da habe ich sehr viel Glück: Berlin Philharmonie, Köln Philharmonie, tolle Orchester, eine neue CD “Folia” im Januar, diese Saison ist meine bisher schönste!!

MH: danke für dieses Interview, Herr Mönkemeyer!

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Michael Heinz

Ein Cello als Danke-Schön

Donnerstag, 30. September 2010

Thorsten Theis, seit 2002 als selbständiger Cellobauer im Oberbergischen Land angesiedelt und die letzen Jahre häufiger Ausstellungsgast bei unseren Veranstaltungen, wollte seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Wollte Dank sagen für die Gelegenheit, nun schon zum x-ten Male auf dieser wichtigen Plattform in Kronberg seine Instrumente ausstellen zu können.

Er eröffnete den Mitarbeitern der Academy seine „Entschluß“ während der Cello Meisterkurse. Am vergangenen Samstag, den 25. September war es soweit: Eines seiner in Frage kommenden Celli wurde ausgewählt und schließlich der Academy zum  Geschenk gemacht. Das Guadagnini–Cello wird in den Bestand des Instrumentenfonds der Kronberg Academy e.V. übergehen. Beim Abschluss-Konzert der Meisterschüler am Montag, den 27.9. wurde Thorsten Theis nochmal auf die Bühne gebeten und Raimund Trenkler sagte ihm herzlichen Dank für seine großzügige Geste. Die anwesenden 500 Zuhörer des Schlusskonzertes waren ebenfalls angetan und spendeten reichlich Beifall für dieses Danke-Schön!

Beim Aussuchen und Probespielen hatte Frans Helmerson am Samstagnachmittag geholfen und bei der Schlussauswahl standen 3 Instrumente in der engeren Auswahl. Schließlich war der Meister Cellist von einer Kopie eines Guadagnini-Modells am meisten überzeugt und traf so die Endauswahl. Das Cello wurde von Thorsten Theis 2008 fertig gestellt und repräsentiert etwa 300 Arbeitsstunden.

Wer nun, fragt man sich, ist dieser sympathische junge Cellobauer?

Thorsten Theis ist ein hoch aufgeschossener junger Mann, der durch einen Zufall in die Welt des Instrumentenbaus gelangte. 1971 geboren im Oberbergischen, startete er nach der Schulzeit eine Werkzeugmacher-Ausbildung mit der Spezialisierung auf Formenbau. Diese Betätigung kam seiner Neigung, nach genauen Maßen zu arbeiten, sehr entgegen. Er konzentrierte sich dabei auf Formen für die Autoindustrie und musste hauptsächlich mit Stahlformen umgehen, „kaltem Stahl“, wie er mir gerne im Gespräch versichert.

Bis ein Unfall Mitte der Neunziger Jahre seinen bisherigen Lebensweg jäh unterbrach und er nach einem Jahr Reha die Bekanntschaft mit einem Geigenbauer machte. Er entdeckte seine Liebe zu Musikinstrumenten, das Cello hatte es ihm alsbald angetan. Ab 1999 wechselte er dann sein Berufsfeld, absolvierte später Ausbildungen in Theorie und Praxis des Geigen- und  Cellobaus ( 2001-2002). Dann war seine Entscheidung reif für einen endgültigen Berufswechsel und ein neues persönliches Abenteuer. Er sollte es nicht bereuen. Endlich konnte er mit dem Werkstoff arbeiten, der ihm besonders am Herzen lag. Mit Holz, einem warmen und lebendigen Werkstoff, wie er betont.

Das Jahr 2002 markierte die Wende. Thorsten Theis wagte den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete seine eigene Werkstatt in Reichshof. Seither hat er über 50 Celli gebaut und einen soliden Kundenbestand aufgebaut. Die Violine sei ihm zu klein, sagt er und betont, dass ihm die Maße des Cello doch sehr entgegen kämen und der Klang ihn absolut fasziniere. Insbesondere das berühmte Montagnana-Modell „Sleeping Beauty“ hatte es ihm angetan. Er hatte es bei Heinrich Schiff, dem jetzigen Besitzer des Modells, erstmals hören können. Das Modell war lange auch im Besitz des großen Cellisten Gregor Piatigorsky, der die gold-orangene Farbe hervorhob, die immer noch original erhalten war. Hier kommt Thorsten Theis ins Schwärmen und weiß noch diverse Details hinzuzufügen.

In der Tat, die Welt der Celli ist ihm vertraut und er kann blendend davon erzählen und mit den Erfahrungen aus der eigenen Werkstatt verknüpfen. Raimund Trenkler und sein Team sind froh, einen weiteren Cellobauer und Stifter im Kreise der befreundeten Instrumentenbauer zu wissen.



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