Archiv für die Kategorie „Musikinstrumente“

Cello Meisterkurse 2012 / Besuch bei Cellobauer Thorsten Theis

Sonntag, 16. September 2012

Es hatte doch noch geklappt. Trotz eines äußerst engen Zeitplans machte Meistercellist David Geringas am Samstagnachmittag einen kurzen Besuch bei Cellobauer Thorsten Theis. Mit von der Partie war seine Meisterkursschülerin Natalia Costiuc, die seit zwei Jahren ein von Thorsten Theis gebautes Cello spielt. Es handelt sich um ein Modell nach dem italienischen Cellobauer  Guadagnini. Von Natalia Costiuc hatten wir zuvor erfahren, wie sehr sie sich mit dem Instrument angefreundet hatte. “Der Klang hat sich wunderbar entwickelt und ich bin froh,  dass ich das Gerät für weitere 2 Jahre spielen darf.”  Der jungen aus St. Petersburg stammenden Cellistin ist das Instrument als Leihgabe 2010 vom Instrumentenfonds der Kronberg Academy übergeben worden. Thorsten Theis, der sich 2002 als Cellobauer selbständig gemacht hatte, stiftete das von ihm im Jahre 2008 fertiggestellte  Instrument als Danke-Schön an die Kronberg Academy für seine stärkere Einbindung in die große Cello-Familie.

Und David Geringas, der seit vielen Jahren bei unseren Projekten mitwirkt, pflichtete Natalia Costiuc bei, als er hinzufügte, dass dieses Cello sehr gut zu ihr passen würde und sie mit diesem Instrument weitere Entwicklungsmöglichkeiten vor sich habe.  Einen Vergleich mit einem authentischen, jahrhundertealten Guadagnini könne man natürlich erst sehr viel später ziehen, 200 Jahre sind da die entsprechende Größenordnung, so der Meistercellist. Für Thorsten Theis war es eine sehr positive Begegnung. Beim anschließenden Fototermin war er mit den zwei Musikern in gelöster Stimmung für Sekunden vereint. Die kurze Stippvisite des weltweit angesehenen Künstlers mit seiner Kronberger Meisterkursschülerin sorgte so für einen ganz besonderen Akzent bei unserem jungen Cellobauer.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Musical Instruments / Brandnew violins that sound like century-old masterpieces

Donnerstag, 7. Juli 2011

Johann Ascher is a young man with strong interests in both music and the arts of crafting instruments, especially stringed instruments. Since 2009 he works in the Hamburg branch of Yamaha, the famous Japanese manufacturer of musical instruments. He has had a chance to visit the violin workshops at the Yamaha headquarters in Hamamatsu and experienced the deep expertise that Yamaha´s violin makers are representing. “It´s all very craft-oriented” he tells us in an interview, “no factory-based process is involved, it´s pure hand-made work executed by highly experienced luthiers”. What Yamaha has been working on in the last couple of years are its new technology called A.R.E., which uses insights from acoustics, biology and living musicians who know (and hear) about all the subtleties that century-old violins are capable of.

Mr. Ascher represented Yamaha on two days during the 2nd violin masterclasses in Kronberg.

The main aim was to build relationships with the young violinists and answer questions of interested musicians and visitors. On display in one of the rooms of the city hall was a original Yamaha violin, model YVN500S, adapting the A.R.E. technology. A.R.E. stands for Acoustic Resonance Enhancements.

So, what is this new Yamaha technology all about?

A.R.E. is an original wood reforming technology made with woods which were processed with this technology. Yamaha´s claim is that the tonal richness of the instruments should be equal to famous old instrument ( e.g. type Stradivarius). A.R.E technology uses precision controlled humidity and temperature to manipulate the molecular properties of the wood into a more acoustically ideal condition (similar to the molecular characteristics of woods in instruments that have been played for years). The process is chemical free, thus an environmentally friendly process. Certain alterations lead to corresponding ideal conditions of those woods (all coming from Europe). A.R.E. will constantly be optimised.

As a result, Yamaha’s high-end violin YVN500S is produced as a new violin, yet with tonal characteristics of an old masterpiece. A few artists have evaluated these violins and stated to possess the ability of very old instruments with characteristics of solid and bright sound, especially in the higher registers.

Mr. Ascher is in charge of developer relations, that means he maintains contacts to leading musicians who want to be involved with the technological developments to be adapted for the optimised crafting of stringed instruments – pertinent to young musicians who can´t afford those precious old instruments. He was admitting that the market for violins is one of the toughest in the musical instrument domain.

When the Academy team learned from Professor Zakhar Bron, one of our teachers within the “Kronberg Academy Masters” study programme. that he was involved with the conceptual design of a new type of violin at Yamaha, we invited Yamaha to present some of those violins to the broader public during our 2nd violin masterclasses and concerts. Professor Bron is providing feedback to the violin developer team of Yamaha for roughly 5 years. His prime interest is the improvement of the acoustics of brand new violins affordable for young, talented musicians. Mr. Ascher has the major task in his product management role to exchange views with the artistic developer partners such as Professor Zakhar Bron and concertmasters Mischa Nodelman ( Neue Philharmonie Westfalen ) and Rainer Küchel (Vienna Philharmonic). In North America violinist Pinchas Zukerman is one of the prime development artists..

According to Mr. Ascher Yamaha has sold about a dozen of those violins and that the company is very patient with the further development of this segment of high quality string instruments. The violins are priced between a few hundred Euros to some 15,000 Euros for the most advanced piece (here the wood is about 10 years old, for the affordable instruments the wood has an age of about 5 years).

While musicians, young violinists and visitors could take a look at the Yamaha Violin on the first floor of the city hall, many musicians stopped by at the giant violin that luthier Ekkard Seidel and bow maker Daniel Schmidt had brought to Kronberg from Markneukirchen.

To summarise,  large and small violins attracted a lot of traffic from musicians and visitors alike during successful eight days of the second violin masterclasses  and concerts in Kronberg.

Michael Heinz

Feuermann in Amerika (2) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der 2. Weltkrieg bricht aus

Eine letzte Konzertreise führte Feuermann Anfang 1939 nochmals nach Europa. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten zeichnete sich der Ausbruch des 2. Weltkrieges ab. RCA nahm Feuermann unter Vertrag, Columbia, mit denen er zuvor zusammen gearbeitet hatte, hatte das Nachsehen. Diverse Plattenaufnahmen u.a. mit Franz Rupp am Klavier (Begleiter von Fritz Kreisler) zeugen heute von Feuermanns großer Meisterschaft auf dem Gebiet der Kammermusik. Lediglich eine einzige Aufnahme eines Bachschen Werkes ist erhalten geblieben. Sie entstammt einem Konzert im New Yorker Lewisohn Stadion zusammen mit den New Yorker Philharmonikern. Das Konzert wurde im Radio gesendet und aufgezeichnet. Sonst gibt es keinerlei Aufnahmen eines Bachschen Werkes. Da Feuermann gewusst hatte, dass Casals sämtliche 6 Suiten in den Jahren 1936 und 1939 aufgenommen hatte, war er wohl der Meinung, dass diese Werke die Domäne von Casals seien. Feuermann hatte eine hohe Meinung von dem katalanischen Maestro und wollte die Cello-Suiten mit Casals gemeinsam einstudieren. Aber dazu kam es nicht mehr.

Feuermann trifft auf Jascha Heifetz und agiert als Lehrer

Während Casals in Europa immer die allerhöchste Verehrung genoss, war Feuermann nun in den Vereinigten Staaten buchstäblich außer Konkurrenz. In jener Zeit wurde Feuermann von Jascha Heifetz sehr unterstützt, mit dem er dann bei RCA nicht zuletzt aufgrund des Erfolges mit dem NOA Orchester unter Leon Barzin, das Doppelkonzert von Brahms aufnahm. Für Yo-Yo Ma belegen diese Aufnahmen, dass Feuermann der einzige Cellist in jener Zeit war, der dem Geiger Heifetz “Bogenstrich für Bogenstrich” ebenbürtig war. Feuermann ging aber auch einer Lehrtätigkeit am berühmten Curtis Institute in Philadelphia nach. Der damalige Leiter und Geiger Ephraim Zimbalist hatte ihm diesen prestigeträchtigen Lehrauftrag verschafft (zu seinen dortigen Schülern zählte u.a. David Soyer, Gründer des Guarneri-Quartetts).

Das „One Million Dollar Trio“ – Feuermann schreibt Musik-Geschichte

Im Sommer des Jahres 1941 nahm Feuermann zusammen mit den beiden Superstars der damaligen Zeit Jascha Heifetz (Violine)  und Arthur Rubinstein (Klavier) einige der bedeutendsten Kammermusik-Werke auf. Das Trio ging seinerzeit als “One Million Dollar Trio” in die Musik-Geschichte ein. Die Aufnahmen sind bis heute von hohem musikalischen Rang. Weitere Aufnahmen folgten unter Einbeziehung des damals führenden englischen Bratschers, William Primrose.

Die Kriegsgeschehnisse hatten im Dezember 1941 auch Amerika einbezogen und Feuermann zeigte patriotisches Engagement für seine neue Heimat. Er gab Konzerte vor US-Soldaten und beteiligte sich am so genannten ” I am an American-Day”. Ansonsten sorgten seine diversen Konzertauftritte und Plattenaufnahmen für einen prallen Kalender. Zwischenzeitlich war es gelungen, die Eltern und seinen Bruder nach Amerika zu bringen, mithilfe des Musiker-Freundes Bronislav Hubermann.

Das letzte Konzert

Am 7. Mai gab er sein letztes Konzert in Ann Arbor mit dem Philadelphia Orchestra unter Thor Johnson, zwei Wochen später, noch nicht einmal 40 Jahre jung, verstarb er am 21. Mai 1942 an den Folge-Komplikationen einer an sich einfachen Operation. Sein Tod war für alle unfassbar. Arthur Rubinstein charakterisierte den Menschen Emanuel Feuermann ganz einfach so: ” Er war das Leben selbst”.

Wenige Tage vor seinem Tod hatte Emanuel Feuermann einen Plattenvertrag unterschrieben: Er sollte sämtliche Beethoven Sonaten einspielen. Die Aufnahme der Bach Cello Suiten hingegen, mit denen er sich auseinander gesetzt hatte, war ihm nicht so eilig.

Bei seiner Beisetzung am 28. Mai war die damalige Musiker-Elite zugegen. Ormandy, Szell, Serkin, Schnabel, Huberman und Toscanini, sie alle waren am Tage seines Begräbnisses zur Stelle. In einem Nachruf für die New York Times schrieb der Musiker-Kollege Joseph Schuster einen großartigen Beitrag, er bezeichnete Feuermann als “unersetzlichen Künstler”. Und 1954 äußerte Pablo Casals in seinen berühmt gewordenen Gesprächen mit seinem Landsmann José Maria Corredor, welchen Cellisten er ganz besonders verehre. Es sei Emanuel Feuermann gewesen und dessen Tod sei ein großer Verlust für die Musik.

Ein einfacher Grabstein auf dem Kensico Friedhof des Ortes Valhalla nördlich von New York erinnert an den neben Pablo Casals  größten Cellisten seiner Zeit. Bedingt durch die Kriegswirren der damaligen Zeit verbreitete sich die Nachricht von seinem Tode nur verspätet nach Europa. Erst im Oktober 1945 erhielt Feuermanns Witwe Eva einen handgeschriebenen Brief von Pablo Casals, den dieser auf französisch von London aus abgeschickt hatte. Darin faßte  er mit wenigen Sätzen die Bewunderung und Anerkennung für den Menschen und Musiker Emanuel Feuermann zusammen.

Ausblick

Die Kronberg Academy möchte die Erinnerung an diesen großen Musiker allzeit mit ihrem Wettbewerb und auch mit Projekten und Veröffentlichungen weiterhin wach halten und als nach wie vor lebendige und vorbildliche Inspirationsquelle für kommende Cello-Generationen verstanden wissen.

Folgende Beiträge sind vorangegangen:

Zeit zum Erinnern, Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1), Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre, Feuermann in Amerika (1)

Michael Heinz

Ein Cello als Danke-Schön

Donnerstag, 30. September 2010

Thorsten Theis, seit 2002 als selbständiger Cellobauer im Oberbergischen Land angesiedelt und die letzen Jahre häufiger Ausstellungsgast bei unseren Veranstaltungen, wollte seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Wollte Dank sagen für die Gelegenheit, nun schon zum x-ten Male auf dieser wichtigen Plattform in Kronberg seine Instrumente ausstellen zu können.

Er eröffnete den Mitarbeitern der Academy seine „Entschluß“ während der Cello Meisterkurse. Am vergangenen Samstag, den 25. September war es soweit: Eines seiner in Frage kommenden Celli wurde ausgewählt und schließlich der Academy zum  Geschenk gemacht. Das Guadagnini–Cello wird in den Bestand des Instrumentenfonds der Kronberg Academy e.V. übergehen. Beim Abschluss-Konzert der Meisterschüler am Montag, den 27.9. wurde Thorsten Theis nochmal auf die Bühne gebeten und Raimund Trenkler sagte ihm herzlichen Dank für seine großzügige Geste. Die anwesenden 500 Zuhörer des Schlusskonzertes waren ebenfalls angetan und spendeten reichlich Beifall für dieses Danke-Schön!

Beim Aussuchen und Probespielen hatte Frans Helmerson am Samstagnachmittag geholfen und bei der Schlussauswahl standen 3 Instrumente in der engeren Auswahl. Schließlich war der Meister Cellist von einer Kopie eines Guadagnini-Modells am meisten überzeugt und traf so die Endauswahl. Das Cello wurde von Thorsten Theis 2008 fertig gestellt und repräsentiert etwa 300 Arbeitsstunden.

Wer nun, fragt man sich, ist dieser sympathische junge Cellobauer?

Thorsten Theis ist ein hoch aufgeschossener junger Mann, der durch einen Zufall in die Welt des Instrumentenbaus gelangte. 1971 geboren im Oberbergischen, startete er nach der Schulzeit eine Werkzeugmacher-Ausbildung mit der Spezialisierung auf Formenbau. Diese Betätigung kam seiner Neigung, nach genauen Maßen zu arbeiten, sehr entgegen. Er konzentrierte sich dabei auf Formen für die Autoindustrie und musste hauptsächlich mit Stahlformen umgehen, „kaltem Stahl“, wie er mir gerne im Gespräch versichert.

Bis ein Unfall Mitte der Neunziger Jahre seinen bisherigen Lebensweg jäh unterbrach und er nach einem Jahr Reha die Bekanntschaft mit einem Geigenbauer machte. Er entdeckte seine Liebe zu Musikinstrumenten, das Cello hatte es ihm alsbald angetan. Ab 1999 wechselte er dann sein Berufsfeld, absolvierte später Ausbildungen in Theorie und Praxis des Geigen- und  Cellobaus ( 2001-2002). Dann war seine Entscheidung reif für einen endgültigen Berufswechsel und ein neues persönliches Abenteuer. Er sollte es nicht bereuen. Endlich konnte er mit dem Werkstoff arbeiten, der ihm besonders am Herzen lag. Mit Holz, einem warmen und lebendigen Werkstoff, wie er betont.

Das Jahr 2002 markierte die Wende. Thorsten Theis wagte den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete seine eigene Werkstatt in Reichshof. Seither hat er über 50 Celli gebaut und einen soliden Kundenbestand aufgebaut. Die Violine sei ihm zu klein, sagt er und betont, dass ihm die Maße des Cello doch sehr entgegen kämen und der Klang ihn absolut fasziniere. Insbesondere das berühmte Montagnana-Modell „Sleeping Beauty“ hatte es ihm angetan. Er hatte es bei Heinrich Schiff, dem jetzigen Besitzer des Modells, erstmals hören können. Das Modell war lange auch im Besitz des großen Cellisten Gregor Piatigorsky, der die gold-orangene Farbe hervorhob, die immer noch original erhalten war. Hier kommt Thorsten Theis ins Schwärmen und weiß noch diverse Details hinzuzufügen.

In der Tat, die Welt der Celli ist ihm vertraut und er kann blendend davon erzählen und mit den Erfahrungen aus der eigenen Werkstatt verknüpfen. Raimund Trenkler und sein Team sind froh, einen weiteren Cellobauer und Stifter im Kreise der befreundeten Instrumentenbauer zu wissen.

Musikalische Welten – Riesengeige aus dem Vogtland

Donnerstag, 8. Juli 2010

Kaum zu glauben. Die siebenfach vergrößerte Geige, die 16 Handwerksbetriebe, darunter 3 Bogenmachermeister, zwischen Anfang Januar und Ende Mai 2010 in Markneukirchen zusammengebaut haben, ist bespielbar. Die Riesengeige maß bei Fertigstellung genau 4,27 m. Mit dem 5,22 m langen Bogen ließ man zwei kurze Stücke erklingen: Zum Geburtstag viel Glück und Hoch soll sie leben. „Der Klang war gigantisch“, so Ekkard Seidl, Geigenbaumeister aus dem sächsischen Vogtland, dazu  Ideengeber und Koordinator für dieses anspruchsvolle Projekt.  Zielsetzung war es, die Bedeutung der Geigenbauer-Innung, die seit 333 Jahren in der Stadt Markneukirchen existiert, in Erinnerung zu rufen. Aber auch dem im Juni fälligen Festakt der Stadt anlässlich Ihres 650 Jahre Stadtrechte-Jubiläums den nötigen Prunk zu verleihen. Nicht nur eine flüchtige Feier zu Ehren der Stadt sollte es geben, sondern auch etwas Werthaltiges müsste nach den Festlichkeiten für die Nachwelt erhalten bleiben – auch dies war eine Motivation. Und ein weiteres Jubiläum ganz persönlicher Art gesellte sich dazu. Ekkard feiert im Jahre 2010 sein 25-jähriges Firmen-Jubiläum als selbständiger Geigenbaumeister. Die Idee einer Riesengeige kam ihm in der Vergangenheit schon häufiger in den Sinn, aber im Dezember 2009 begann die heiße Phase für ihn, als er nämlich die Unterstützung vieler Betriebe und Handwerker akquirieren musste und sein Projekt als Teil der städtischen Feierlichkeiten realisieren wollte. Dank seiner guten Kontakte zu Handwerkern, Meistern und Rathaus-Verantwortlichen  gelang es rasch, die nötigen Helfer und Unterstützer für dieses ambitionierte Vorhaben zu gewinnen und sie in seine generalstabsmäßige Planung einzubinden.

In verschiedenen Werkstätten wurden die Bestandteile gefertigt: Wirbel, Saiten, Stimme und Steg, Kinnhalter und Knöpfchen, Decke, Boden und Zargen. Einige dutzend Kilo Fichte, Ahorn und Ebenholz und stolze 6 Liter Holzleim waren nötig, um dieses Meisterwerk hervorzubringen. Gewicht bei Fertigstellung: über 100 kg.  Mit der Gesamtlänge von über 4m ist das Instrument mehr als doppelt so lang wie ein Kontrabass. „Jedes Detail war eine Herausforderung. Formenbau, Werkzeugbau, Platz, Materialbeschaffung und auch die Zeit waren Engpassfaktoren. Ich habe straff organisiert und meine Mitstreiter motiviert. 3 Tage vor dem Umzug war die Geige fertig, es musste nur noch für den großen Auftritt geprobt werden“, so Ekkard Seidl. Am Ende hat es geklappt.

Auf dem Marktlatz konnten sich dann am 6. Juni alle Besucher und Gäste persönlichen vom ausdrucksvollen Klang der Riesengeige überzeugen. Und obendrein sah sie auch noch gut aus. Tatsächlich, diese Riesengeige glich der „normal proportionierten Geige“ enorm, nur halt riesig in den Ausmaßen. Und das war schließlich beabsichtigt.  Als Modell diente den Erbauern eine Geige des großen vogtländischen Meisters Johann Georg Schönfelder II (1750-1824) – absolut originalgetreu nachgebaut. Auf dem bejubelten Umzug anlässlich des Stadt-Jubiläums am 6. Juni war es dann soweit: auf einem Tieflade-Anhänger, gezogen von einem kräftigen PS-starken Traktor, war die Riesengeige fest verzurrt. Schaulustige bestaunten und bejubelten das sächsische Wunderwerk. MDR und Regionalfernsehen waren zur Stelle und hielten diese Momente fest. An einen sachgerechten Eintrag in Wikipedia hat Ekkard Seidl bereits gedacht und so wird die Riesengeige auch im Internet demnächst Ihre Bekanntheit steigern können.

Für die Freunde der Musik, die gerne durch deutsche Lande reisen, denen sei zugerufen: Ein Abstecher in den vogtländischen Musikwinkel lohnt nun umso mehr, seit es Ekkard und seine vielen fleißigen Handwerker-Mitstreiter geschafft haben, diese Geige für die Nachwelt zu produzieren. Nochmal Ekkard Seidl: „Es sollte etwas geschaffen werden, was uns überdauert und noch in Jahrzehnten bewundert wird, von Gag keine Spur“.

Mit ein wenig Glück könnte die Riesengeige im nächsten Frühsommer auch ihren Weg nach Kronberg finden, dann nämlich, wenn die Kronberg Academy zum zweiten mal ihre Geigen Meisterkurse durchführt (19.bis 26. Juni 2011). Zumindst ist das aus heutiger Sicht die Zielsetzung. Für Musikfreunde und Gäste gäbe es dann in der Burgstadt eine weitere Attraktion zu bestaunen. Welch eine Aussicht.

Ein Nachwort: In den folgenden Wochen seit dem 6. Juni gab es viele Anfragen von Musikmessen, Veranstaltern und Firmen, die die Geige zu Werbe-  und Marketingzwecke nutzen wollen. Auch in diese Richtung ein Erfolg für die Stadt und Ihre anerkannte Musikinstrumenten-Tradition. Auf ins Vogtland, Ihr Musiker und Freunde sächsischer Kultur und Gastfreundschaft.

Michael Heinz

Klangwelten – wie man Geigen und Bratschen unterscheidet

Mittwoch, 2. Juni 2010

Oder: was macht die Bratsche (Viola) zum dunklen Pendant der Geige?

Wer hat sich das nicht schon mal gefragt: worin unterscheidet sich eine Geige von einer Bratsche? In einem der letzten KAtalks kam die knifflige Frage auf, wie man eigentlich Viola und Violine unterscheidet. Gar nicht so leicht, zumindest für die nicht, die keine ausgewiesenen Musik-Experten oder gar Kammermusiker sind. Und die frappierende äußere Ähnlichkeit erschwert eine rasche Bestimmung und Unterscheidung dieser beiden „Klang-Körper“. Musikalische Laien können sich oft gar kein Bild von den Unterschieden zwischen beiden Instrumenten machen.

Hier ein paar Antworten abgestellt auf die Besonderheiten der Bratsche. Wunderbar klar hat es der ungarische Komponist Györgi Ligeti ausgedrückt: „Scheinbar ist die Viola nur eine größere Violine, einfach eine Quint tiefer gestimmt. Tatsächlich liegen aber Welten zwischen den beiden Instrumenten. Drei Saiten haben sie gemeinsam, die A-, D-, und G-Saite. Durch die hohe E-Saite erhält der Klang der Violine eine Leuchtkraft und metallische Durchdringlichkeit, die der Viola fehlen. Die Violine führt, die Viola bleibt im Schatten. Dafür besitzt die Viola durch die tiefe C-Saite eine eigenartige Herbheit, kompakt, etwas heiser und mit dem Nachgeschmack von Holz, Erde und Gerbsäure“ ( aus dem Vorwort von György Ligeti zu seiner Sonate für Viola solo der Jahre 1991–1994)..

Weitere Nuancen der Unterscheidung: Der Bogen der Bratsche gleicht dem der Violine, er ist allerdings länger und ca. 10–15 g schwerer und hat eine abgerundete Kante. Ein Unterschied zur Geige besteht in der Größe und Stimmung der Viola, deren leere Saiten eine Quinte tiefer auf c – g – d’ – a’ gestimmt sind.

Und noch was für die Ohren: Der Klang der Bratsche wird als voll, weich und dunkel bis in die höchsten Lagen beschrieben, dabei melancholisch, leicht rauchig und ein bisschen „näselnd“. Der tiefsten Saite, der C-Saite, ist zumal im „forte“ etwas Wildes und Rauhes zu eigen. Dies ist eine Klangfarbe, die in der Opern- und sinfonischen Welt gern vorkommt und auch häufig in der Filmmusik genutzt wird. In der Höhe, auf der A-Saite, fehlt der Bratsche irgendwie die Brillanz und Helligkeit der Violine – so zumindest mein  Empfinden. Viele Musiker indes sind sich einig bei dieser Charakterisierung: der Klang ist einfach dunkler, gleichzeitig hat er eine charakteristische Schärfe, die, so empfinden wiederum andere Experten, an den Klang der Oboe erinnere. Wie die Violine verfügt die Viola über einen obertonreichen Klang. Allerdings: der zu kleine Korpus dämpft die hohen Obertöne ab. Fazit: die äußerlich so ähnlichen Instrumente verfügen über sehr unterschiedliche Klang-Charakteristiken.

Worauf beruht die Eigentümlichkeit des Bratschenklangs? Es ist schlicht die Tatsache, dass der Korpus der Viola für ihre Stimmung eigentlich zu klein ist: Da sie eine Quinte tiefer als die Geige erklingt (Frequenzverhältnis 2:3), müsste der Korpus auch im gleichen Verhältnis länger sein als der 36 cm lange Geigenkorpus, also ungefähr 54 cm lang. Häufig ist der Violakorpus aber gerade einmal zwischen 40 cm und 43 cm lang (es gibt auch Violen mit bis zu 48 cm Länge). Die Abmessungen und Längenverhältnisse (Mensur) der beiden Instrumente sind also bei “näherer” Betrachtung durchaus zu unterscheiden. Und dies hat auch Konsequenzen für die Spielbarkeit der beiden Instrumente. Manch einem scheint die in Laien-Orchestern von Bratschisten gestellte  Frage  „Und wie lang ist Deine Bratsche?“ recht kurios. Je länger der Korpus, desto schwieriger die Spielbarkeit. Rücken und Nackenprobleme bei Bratschern sind daher keine Seltenheit.

Die eigentliche Domäne für die Bratsche ist die Kammermusik. An erster Stelle stehen hierbei Sonaten u.ä. für Viola allein und für Viola und Klavier sowie das Streichquartett (mit erster und zweiter Violine, Viola und Violoncello) als Hauptgattung der Kammermusik überhaupt.

Nachfolgend einige Beispiele für Musikstücke, in denen die Bratsche und nicht die Violine die „erste Geige“ spielt..:

Bleibt zu hoffen, dass bei nächster Gelegenheit die Bratsche in Windeseile „erkannt und herausgehört“ wird. Und ihr warmer Klang noch bewusster in unsere Ohren dringt.

Michael Heinz



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