Zum dritten Mal : Gedenken an Slava
Mittwoch, 28. April 2010Fotografische Impressionen von Mareile Zürcher zum 3. Gedenktag an Mstislav Rostropovich in Kronberg, der Welthauptstadt des Cello
Fotografische Impressionen von Mareile Zürcher zum 3. Gedenktag an Mstislav Rostropovich in Kronberg, der Welthauptstadt des Cello
Kronberg, im März 2010:
An einem der ersten Tage ohne Schnee in Kronberg waren sie alle versammelt: 7 Junge Solisten waren zusammengekommen, um Ana Chumachencos Meisterkurs beizuwohnen. Endlich hatte ich mal Gelegenheit, so viele junge Musiker unseres Studienganges „Kronberg Academy Masters/ Further Master Studies“ geballt an einem Platz zu erleben. Keine Übertreibung: das war ein angenehmes, familiäres Zusammentreffen von Alt und Jung, und was mir so mancher Junge Solist nachher erzählte: man kennt sich größtenteils untereinander. Aber der Reihe nach….
Wer war dabei….?
Peijun Xu, Benedict Klöckner, Yumiko Urabe, Alicja Smietana, Alina Ibragimova, Eri Sugita, Sasha Sitkovetsky, Soojin Han, Vilde Frang, der Berliner Gabriel Schwabe und schließlich David Gueran.
Während der Vormittag alleine dem Einzelunterricht gewidmet war, war nach dem gemeinsamen Mittagessen zunächst Kammermusik „vom Blatt“ angesagt und es durften nun auch einige Zuhörer des Academy Teams mit dabei sein. Absolut spannend dachte ich und ließ mich auf knappe 3 Stunden intensiven Musik-Hörens ein.
Direkt neben dem aufmerksamen Stephen Potts sitzend, dem Leiter des Academy-Master Studienganges, versuchte ich , sowohl den Klängen der Musik zu folgen, als auch ein Gefühl für die Anstrengungen und Konzentration der jungen Musiker mit aufzunehmen. Den Auftakt machte das lebhafte und zugleich rasante Oktett von Felix Mendelssohn-Bartholdy – ein absolut begeisterndes Stück! Im Halbkreis sitzend, Frau Chumachenco als 4. Geige im Zentrum, musizierten alle mit viel Schwung und Klasse. Sasha Sitkovetsky, der mir zuvor stolz von seinen frühen Begegnungen mit Yehudi Menuhin berichtet hatte, hatte als erster Geiger die Führungsrolle inne – glänzend – so meine subjektive Empfindung.
Dann, nach einer kurzen Pause, stand Alina Ibragimova allein im Zentrum der Aufmerksamkeit: Sie intonierte die Sonate Nr. 2 Op. 94 von Prokofiev mit großer Inbrunst. Die begeisterten Kommentare Ana Chumachencos und der anderen Meisterkurs-Teilnehmer über ihr Spiel ließ die junge Russin, die in Großbritannien lebt, mit sichtlicher Freude und gut gelaunt über sich ergehen. Einer Katze gleich, lautlos und gewandt aus der Bodenperspektive fotografierend, war auch unser Fotograf Andreas Malkmus mit von der Partie, um diese Momente gewissermaßen für das Familien-Album festzuhalten. Den Schlussakkord seiner Arbeit bildete ein wirklich schönes, familiäres Gruppenfoto der jungen Musiker mit Frau Chumachenco –
dieses und weitere „atmosphärische“ Momentaufnahmen eines besonderen Meisterkurs-Tages in der Kronberger Streitkirche können nun alle Fans und Freunde auf unserer Kronberg Academy Flickr- Seite bestaunen.
Michael Heinz
Druckfrisch und zum Ausliefern bereit: Das Jahrbuch 2009 der Kronberg Academy – 666 Gramm schwer, Wissen und Fakten auf 164 Seiten, und daneben lebendige fotografische Exkursionen in die Welt der Musik plus eine eingelegte DVD mit einem Porträt über die Academy. Gedruckt in einer Auflage von 2000 Exemplaren.
Die schöne Aufmachung mit dem typischen Academy-Rot auf der Titelseite und den Kapital-Einleitungen verlocken jeden Musik-Begeisterten zum Vertiefen und Schmökern. Somit ist das Jahrbuch das vielleicht wichtigste Druckerzeugnis der Kronberg Academy, denn es zeigt rückblickend, wo und in welchem Zusammenhang musikalische Ereignisse zu bestaunen und zu erleben waren. Und welcher Kopf steckt hinter der Erstellung dieses feinen Werkes? Es ist unser Team-Mitglied Oda Cramer von Laue, verantwortlich für Kommunikation und alle Druckerzeugnisse, die diesen wichtigen Job seit Jahren verantwortlich ausführt. Mehrere Monate beschäftigt sie sich intensiv mit den Recherchen, dem Schreiben und der Koordination mit Grafikern, Fotografen und Druckern. Viel Schweiß und Perlen also.
Hier im Kurzdurchgang die wichtigsten Abschnitte:
Im Editorial fasst Raimund Trenkler, der künstlerische Leiter, die Höhepunkte des Jahres zusammen. In weiteren Verlauf erfährt der geneigte Leser einiges über die Förderer, Stifter und Freunde der Academy. Im Anschluss daran gibt es einen fotografischen Rückblick auf das Jahr 2009 gefolgt von Artikeln zum Themenkomplex: Kulturförderung in der Krise. Originell besonders der von Klaus-Albert Bauer geschriebene Beitrag „Vom Bruttosozialglück in Kronberg„ Weitere Themenfelder sind Berichte aus dem Lehr- und Ausbildungsgeschehen, zu den Kronberg Academy Masters Studiengängen und sehr anschauliche Berichte und beeindruckende Fotos von den erstmals durchgeführten Geigen Meisterkursen. Es folgen Berichte über das spektakuläre Cello Festival 2009, in dem die Grenzen musikalischer Genres überschritten wurden ( man denke z.B. an die Auftritte von Jacques Morelenbaum, Lars Danielsson, Giovanni Sollima, Roby Lakatos und Ernst Reijseger). Dazu insgesamt sechs Ur-und Erstaufführungen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Cello Festivals. Ferner ein Bericht vom Gedenktag an Slava, dem großen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich im April vergangenen Jahres, der auch in diesem Jahr feierlich begangen wird. Das Jahrbuch endet mit Abschnitten zu weiteren Projekten und Ereignissen und schliesst mit dem Abschnitt „ Das Jahr in Fakten“.
Alles in Allem: eine rundum geglückte Dokumentation der vielfältigen musikalischen Ereignisse und Begegnungen in Kronberg. Jeder, der im letzten Jahr bei einem der Konzerte dabei war, kann manches nochmal vor dem geistigen Auge Revue passieren lassen. Aber auch jene, die sich verstärkt mit der Arbeit der Academy als Sponsoren oder Förderer künftig befassen wollen, bekommen tiefe Einblicke und werden mannigfaltig inspiriert.
Michael Heinz
Bewegende Szenen am 9. November 1989 in Berlin – und bewegende Bilder am 9. November 2009 beim Fest zu Erinnerung an den Mauerfall vor 20 Jahren …
Aber wisst Ihr noch wie’s vor zehn Jahren am 9. November war? Bei uns „Altgedienten“ der Kronberg Academy kommen da Erinnerungen hoch an den 9. November 1999, der uns damals alle nach Berlin geführt hat.
Als die Mauer fiel, spielte Mstislav Rostropovich aus Freude und Dankbarkeit spontan eine Bachsuite am Checkpoint Charlie – filmisch dokumentiert und zu sehen im dortigen Museum. „Mit 160 Cellisten will ich am Brandenburger Tor spielen!“ Das war der Wunsch – nein, eher der Wille von Mstislav Rostropovich, den er zehn Jahre später per nächtlichem Telefonanruf zur Aufgabe von Raimund Trenkler machte.
Mitten in den Vorbereitungen zum 4. Cello-Festival war das, aber wir haben es tatsächlich wahr gemacht: 160 junge Cellisten aus aller Welt – zusammengetrommelt von unserem kleinen Kronberger Büro – sowie viele „unserer“ berühmten Solisten saßen am Abend des 9. November auf einer extra angefertigten Bühne vor dem Brandenburger Tor. Gemeinsam mit Mstislav Rostropovich und vor einem Riesenpublikum spielten sie – ein Riesenklang! – unter anderem zusammen mit den Scorpions „Wind of change“. Und da wir schon in Berlin waren, zogen wir am nächsten Tag in den Bundestag ein, wo das Cellissimo-Ensemble zur offiziellen Feierstunde spielte. Der 9. November 99 in Berlin war, ohne Frage, ein ganz persönliches Riesenerlebnis!
Hier gibt’s noch mehr Bilder zu sehen:
Es ist Ende September und Kronberg kleidet sich in rote Farbe. Es ist nicht das politische Rot der anstehenden Bundestagswahlen, auch nicht das Rot des nahenden Herbstes, nein es ist das Rot, das Raimund Trenkler mit ‘leidenschaftlich’ bezeichnet. Rote Wände decken jegliche Häβlichkeiten zu, wie z. B. Baustellen. Rote Fahnen wehen im Wind, selbst die Stadtbusse schmücken sich damit. Ein roter Teppich, der den Weg durch die Altstadt weist, trägt dazu bei, dass jeder Stadtbürger, jedes Kind und jeder Besucher sich besonders eingeladen fühlt. Die Geschäfte machen auch mit und haben in ihren Dekorationen das Thema Cello und Musik gewählt. Und es scheint sogar die Sonne!
Der Berliner Platz ist beim Eröffnungskonzert voll gepackt mit hunderten von Besuchern, die mit Cello und Blasorchester, mit humorvoller Musik unterhalten werden, was allen gefällt! Wein und gute Laune fließen. Schon dieser Abend steht im Zeichen von Gemeinschaft und Familie. Obwohl die Kronberg Academy auch ein Elite-Institut ist, um besonders begabte junge Künstler zu fördern, ist sie ebenso eine Einrichtung, die stark von einem starken Gemeinschaftsgeist geprägt ist. Das wird besonders deutlich durch das Team, durch die Leute, die hier mitarbeiten, aus allen Altersklassen, mit verschiedensten Berufen und den unterschiedlichsten Hintergründen. Mittlerweile machen nämlich auch die nun erwachsenen (oder fast erwachsenen) Kinder der Teammitglieder mit, die seit Anfang der 90er Jahre dabei waren.
Musik verbindet: Generationen, Klassen, Kulturen und Länder. Wenn das bei der Politik doch genauso leicht der Fall wäre! Vielleicht um dem auf eine neue Art und Weise noch einmal Ausdruck zu verleihen, fand dieses Mal ein Konzert in der Naxos-Halle in Frankfurt statt. Im Tageslicht eine Industriehalle mit Graffiti, kaputten Fenstern, viel Staub und Unkraut – das aber ein Zuhause für so manchen (bildenden) Künstler ist. Ich muss ehrlich sagen, meine Vorstellungskraft strampelte ein wenig mit dem Gedanken, hier ein klassisches Konzert mit erstrangigen Musikern zu spielen! Doch nachdem das Kronberg Academy Team sowie Beleuchtungs- und Bühnenaufbauteams dort einen Tag lang gewerkt hatten, wurde aus der Aschenputtelhalle ein Märchentraum von Atmosphäre: Die Halle war in ein romantisches Licht getaucht, die Bühne ragte über insgesamt 700 gestellten gepolsterten Stühlen. Die zeitgenössische Musik weckte fast mystische Erinnerungen – Geschichten, die diese Halle vielleicht zu erzählen hat und erweckte sie zu neuem Leben. An diesem schönen Spätsommerabend im Kerzenlicht luden kleine, runde Tische im Empfangsbereich und außerhalb der Halle zu einem Glas Wein ein. Wieder wurde eine Brücke geschlagen, wieder gelang es der Kronberg Academy, uns zu überraschen. Die darauf noch folgenden 18 Konzerte, die Workshops und Ausstellungen in dieser Woche übertrafen für mich jegliches „Angebot“ der Vorjahre.
Als Künstlerbetreuerin (nun schon seit über zehn Jahren) weiß ich von den Künstlern selber, dass sie sich in Kronberg immer besonders wohl fühlen. Wenn sie nicht schon direkt fragen, deuten sie zumindest an, dass sie gerne wieder eingeladen werden möchten. Ein besseres Kompliment kann Kronberg ja gar nicht bekommen! Diesen Sommer habe ich auch einmal im Ausland bei einem anderen Musik Festival gearbeitet. Mir wurde wieder so deutlich, dass Kronberg mit seinem Familien- und Gemeinschaftssinn einzigartig ist und dass dies etwas ganz Besonderes ist, das wir nicht aufhören sollten zu schätzen! Damit meine beiden ältesten Kindern auch einmal in den Genuss kommen, werden sie nächstes Jahr zum ersten Mal bei ‘Chamber Music Connects the World’ mitmachen und hoffentlich dabei neue Mitglieder der Kronberg-Academy-Familie werden!
Von null auf hundert in nur ein paar Sekunden, hieß es während einer Woche Cello Festival an vielen Stellen. Nicht nur Management, Team, Gäste und die Künstler mussten zu Weilen auf Zack sein. Auch die Riege der 21 Künstlerbetreuer war ständig einsatzbereit und wenn es darauf ankam im nächsten Moment am Ort des Geschehens. Der Künstlerbetreuer Jan Philipp Pöter berichtet über eine spannende Woche beim Cello Festival – backstage.
Sonntag, Teamtreffen. Man sieht das erste Mal die Gesichter des circa 40-köpfigen Teams. Für mich, das erste Mal beim Kronberger Cello Festival, nicht leicht, sich auf Anhieb die vielen neuen Namen und Gesichter zu merken. Schnell stellt sich aber raus, dass das relativ junge bzw. junggebliebene Team der Künstlerbetreuer auf der gleichen Frequenz schwingt. Bei einem ersten gemeinsamen Bier in einem der kleinen Restaurants Kronbergs betreiben wir dann das erste Mal Teambuilding und lernen uns kennen.
Montag bis Sonntag, Das Festival. Nach der Einweisung am Sonntag fühlt man sich zwar informiert, aber immer noch etwas unsicher, was die verschiedenen Locations in und um Kronberg, aber auch in Frankfurt angeht. Das Team, das überwiegend aus Künstlerbetreuern besteht, die nicht aus Kronberg kommen, sowie vielen, die das erste Mal dabei sind, findet sich aber schnell zurecht.
Man ist einem oder mehreren Künstlern zugeteilt, die von morgens bis abends zu betreuen sind. Erst einmal vom Flughafen oder Bahnhof abgeholt, startet eine kleine Routine von Mechanismen, die sich jeden Tag wiederholen. Vom engagierten Team wird den Künstlern jeder Wunsch von den Augen abgelesen: Morgens aus dem Hotel zur Probe in die Stadt, mittags zum Essen ins Restaurant, nachmittags zum Ausruhen ins Hotel, abends zum Konzert und zwischendurch parat sein, damit der Künstler seine Spontaneität ausleben kann. Klingt simpel? Ist es auch! ABER – Jeder der schon einmal auf einem Festival gearbeitet hat, weiß, dass es nicht dabei bleibt. Es ereignen sich eine Vielzahl von Variationen oder kleinen Pannen, die zuweilen den Ablaufplan etwas aufwirbeln. Dann ist der Künstlerbetreuer gefragt, der in fünf Sekunden von null auf hundert sprintet, und den Künstler zur verschobenen Probe bringt oder ihn nach einem späten Bier noch um 1.30 Uhr ins Hotel bringt.
Trotz der kleinen Klippen, die plötzlich und unvermittelt aus dem Nebel erscheinen und die es möglichst geschickt zu umschiffen gilt, bietet der Festival-Alltag eine unglaubliche Vielfalt an Aufgaben und Eindrücken, die wirklich Spaß machen. Neben Ansagen des Navis auf der Autobahn: „Bitte schauen Sie in eine Landkarte“ oder den unendlich verwirrenden Parkhäusern des Frankfurter Flughafens, bietet das Festival dem Team einen außergewöhnlich engen Kontakt zu internationalen TOP-Musikern aus der ganzen Welt, die sonst im edlen Ambiente und meist in einem goldenen Käfig à la Royal Opera House oder Wiener Musikverein verkehren, und deren Konzerte kaum zu bezahlen sind. Wir haben sie nun nicht nur „on stage“ gesehen und erlebt, sondern auch als Mensch – im Auto, im Hotel und an der Bar.
Oft ist es jedoch nicht nur der Künstler, um den man sich als Künstlerbetreuer kümmern muss. So manch ein Künstler kommt mit Familie oder anderen Mitbringsel, die besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mal ist es eine schwangere Ehefrau, mal ein Hund von der Größe eines Tennisballes, mal ein fünf jähriges Kind, in jedem Fall aber ein Cello, das wegen seines Wertes von mehreren Zehntausend Euro außerordentlich behutsam behandelt werden muss. All diese spontanen wie auch geplanten Dinge machen den Job als Künstlerbetreuer so spannend.
Die Zeit als Künstlerbetreuer ist aber nicht nur hektisch. Zwischendurch gibt es immer wieder Phasen, in denen man nicht unterwegs ist. In diesem Fall geht man dann zum Bistro. Das Bistro der Stadthalle, dem Herzen des Festivals, hat sich als beliebter und belebter Treffpunkt für Künstlerbetreuer und andere Teammitglieder herausgestellt. Neben einem schnellen Happen werden die letzen News und Pläne aber auch die lustigsten Geschichten ausgetauscht. Einer berichtet von utopischen Geschwindigkeitsüberschreitungen auf dem Weg zu einem dieser unvorhersehbaren Spezialeinsätze, der andere vom Privatleben des Hotel-Doorman, der in vielen Momenten des Wartens ein sehr angenehmer Gesprächspartner für fast alle Künstlerbetreuer war.
Montag, Das Ende. Während das Festival für die meisten Künstler und auch für das Publikum am Sonntag endet, gilt für das Team am Tag danach noch: Abbauen. Aber nicht nur das, sondern auch „Auf Wiedersehen“ sagen. In nur einer Woche lernt man sich gut kennen, verbringt viel Zeit miteinander. Man lernt sich schätzen; wird ein Team. Und dann ist alles vorbei. Von Hundert auf Null in zwei Sekunden.
Bald wird es Herbst in Kronberg. Mutter Natur schickt ihre spätsommerlichen Temperaturen und die ersten bunten Blätter durch die Stadt. Bei uns im Festivalbüro hingegen geht es heiß her – stürmische Zeiten stehen bevor. Nur noch ganz wenige Wochen (eigentlich kann man schon in Tagen zählen) bis zum 9. Cello Festival! Jeder und jede klemmt sich jetzt hinter den Schreibtisch, den Kopf voller Gedanken: Vorfreude mischt sich mit Aufregung, Spannung mit Anspannung. Proben, Logistik, Aufbau, Technik, Notenversand, Hotels, Geigenbau- und Fotoausstellung, Studentenanmeldungen, Kartenbestellungen – bei allem was zu tun ist, vergisst doch niemand von uns, warum wir das alles machen: Um den Künstlern, dem Publikum und nicht zuletzt uns selbst eine unvergessliche Woche zu bereiten: Den Künstlern eine Plattform, um mit ihrem herausragenden Können zu verzaubern (sei es nun mit Cello, Orchester, Chor oder Magie); dem Publikum die Möglichkeit, diese großen Künstler live zu erleben; und uns – dem Team – die Erfahrung, all das vor und hinter den Kulissen mitzuerleben. Mit all den verschiedenen Künstlern und dem abwechslungsreichen Programm wird Kronberg sich in einen Ort bunt wie Herbstlaub verwandeln!
Ich bin seit dem 27. April Praktikantin bei der Kronberg Academy. Genau an diesem Tag begannen hier die Geigen Meisterkurse und ich bekam meine erste verantwortungsvolle Aufgabe, die Leitung der Hostessen, die sowohl den Einlass zu den Konzerten und Meisterkursen kontrollieren, als auch den Catering-Service in den Konzertpausen ausführen. Da ich selbst schon oft auf Messen als Hostess gearbeitet habe, kannte ich solche Aufgaben. Aber in der leitenden Position stand ich dabei noch nie. Jedoch gab es keine großen Schwierigkeiten. Wenn eine Hostess oder ein Host kurzfristig absagte, habe ich deren Aufgaben einfach übernommen.
Nach den Geigen Meisterkursen lernte ich erst das Büroleben der Kronberg Academy kennen. Anfangs musste ich mich mit den mir neuen Computerprogrammen, wie z.B. Access befassen. Dann begannen auch schon wichtige Vorbereitungen zum nächsten Projekt „Mit Musik – Miteinander“ vom 22. bis 24. Mai, das eigenverantwortlich nur von Praktikanten organisiert wird. Dafür mussten u. a. ein Flyer erstellt, Noten an Dozenten und Teilnehmer verschickt und Probenpläne geschrieben werden.
Nach dem erfolgreichen Ende von „Mit Musik – Miteinander“ ging es nahtlos weiter mit den Vorbereitungen zum Cello Festival, welches mit seinen 20 Konzerten und 10 Workshops in sieben Tagen eine sehr komplexe Organisation voraussetzt. Denn die fast 50 Künstler, zwei Kammerorchester, das Blasorchester und der Chor benötigen neben einer Unterkunft auch Probenräume und einen Künstlerbetreuer, der sie von einem Ort zum anderen kutschieren kann. Es gibt viele Einzelheiten, die man bei der Organisation eines großen Festivals beachten muss, welche einem aus der Ferne heraus nicht bewusst sind.
Das kann man alles erst in der Praxis feststellen. So wurde das Erstellen der Probenpläne der Orchester zu keinem Zuckerschlecken. Beste Koordination war gefragt ohne spezielle Probenwünsche der Solo-Künstler zu missachten.
Nicht vergessen darf man die Anfertigung der Broschüre mit den Konzertprogrammen für das Cello Festival, wofür von jedem Künstler ein aktueller Lebenslauf inklusive Foto und alle Details zu den jeweiligen Konzertprogrammen eingeholt werden muss – das ist im Moment meine Aufgabe.
Neben der Vorbereitung des Cello Festivals laufen natürlich die Vorbereitungen für andere, kommende Projekte, wie z. B. „Chamber Music Connects the World“ 2010 oder dem nächsten „Mit Musik – Miteinander“ (im November 2009) weiter.
Alles in allem habe ich in den letzten drei Monaten sehr viel dazugelernt und freue mich schon sehr das Cello Festival Ende September in der „Welthauptstadt des Cellos“ miterleben zu dürfen.
Bis dahin ist aber noch viel Arbeit!!

Seit 11 Jahren kommt unser “Haus- und Hof-Geigenbauer” Ekkard Seidl regelmäßig zu unseren Meisterkursen und Festivals nach Kronberg und kümmert sich in der Stadthalle in einer eigens dafür eingerichteten Schau-Werkstatt nicht nur um die Neugier der Festivalbesucher, die ihm über die Schulter sehen dürfen, wenn er vorführt wie eine Geige entsteht, sondern vor allem um die größeren und kleineren Wünsche und Probleme der teilnehmenden Künstler und Studenten. Ist während eines Konzertes eine Saite gerissen? Hatte ein Cello einen kleinen Unfall und ist nun durch einen Kratzer im Lack verunziert? Hat ein Besucher auf seinem Dachboden eine alte Bratsche gefunden und möchte wissen, ob man dieser Instrumenten-Urgroßmutter neues Leben einhauchen kann? Ekkard Seidl steht jedem mit Rat und Tat zur „Saite“!
Doch seine eigene Werkstatt im vogtländischen Markneukirchen hatte – trotz alljährlicher guter Vorsätze – noch niemand von uns besichtigt, obwohl Ekkard nie müde geworden ist, uns einzuladen. So nahmen Mareile Zürcher und ich uns im Juli einen Mietwagen und einen Tag frei und fuhren in “das Sächsische Cremona”, wie Ekkards Heimatstadt schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts aufgrund der vielen dort ansässigen Musikinstrumente-Bauer auch genannt wird, die der kleinen Stadt – vor allem in Musikerkreisen – zu Weltruhm verholfen haben.
Waren wir schon jedes Mal aufs neue von der provisorischen Geigenbau-Werkstatt in Kronberg beeindruckt gewesen, beeindruckte uns die “echte” Werkstatt in Ekkards Wohnhaus nun so sehr, dass wir am ersten Tag gleich etwa vier Stunden lang vor den Hölzern, Handwerksgeräten, Schubladen, Schachteln und Tiegeln standen und Ekkard mit – hoffentlich nicht allzu fachunkundigen – Fragen überrannten. Welche Teile eines Instruments werden geleimt, welche geklebt? Aus welchem Holz bestehen die Wirbel? Besteht die Decke aus einem oder aus zwei Teilen? Was kann man für Rückschlüsse aus den Jahresringen des Holzes ziehen? Wie muss der Bassbalken im Inneren der Geige verlaufen? … und stinkt ein Instrument etwa, wenn Fischleim verwendet wird?
Fast noch mehr als diese unglaubliche Handwerkskunst, für die ein Höchstmaß an Präzision vonnöten ist, bewunderten wir Ekkards Wissen und seine Fähigkeit, es geduldig in Worte zu fassen, sodass wirklich keine unserer Fragen offen blieb.
Trotz dieses Intensivkurses sind wir jetzt jedoch leider nicht in der Lage, selbst ein Streichinstrument zu erschaffen – darum sind wir sehr froh, dass Ekkard auch zum Cello Festival wieder nach Kronberg kommen wird!

Wie schon bei früheren Cello Festivals werden auch in diesem Jahr zahlreiche Geigenbauer (die übrigens auch Bratschen und Celli bauen!), Bogenmacher und Zubehör-Hersteller sich auf den zum Teil sehr langen Weg nach Kronberg machen, um ihre hochwertigen Instrumente, allen voran Celli, in einer Geigenbau-Ausstellung zu zeigen. In den letzten Wochen und Monaten liefen die Fäden bei mir zusammen: Viele Geigenbauer und andere Interessierte wandten sich mit Fragen an mich, und viele Anmeldungen trudelten ein: Aus der Schweiz, aus Italien, Großbritannien, Schweden und natürlich aus Deutschland haben sich Geigenbauer angemeldet!
Die große Anzahl an Anmeldungen finde ich in zweierlei Hinsicht besonders erfreulich: Viele langjährige, verlässliche Aussteller kommen auch in diesem Jahr wieder und einige neue Gesichter werden dabei sein! Ich bin schon sehr gespannt, welche unterschiedlichen Menschen, Charaktere, Instrumente, Klänge, Bauweisen, Ideen und Unternehmergedanken dann beim Cello Festival aufeinander treffen und sich gegenseitig ergänzen oder inspirieren werden! Und was sich wohl ergeben wird, wenn sie hier auf all die Künstler treffen, die ohne Instrumente ja auch nur „halbe Künstler“ wären ;-)!
Ganz nach dem Motto „Kontrapunkte“ wird das Angebot sicherlich sehr spannend sein. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, vom 30. September bis 4. Oktober die Geigenbau-Ausstellung in der Stadthalle und in der Receptur in Kronberg zu bestaunen: Instrumente, Noten, Zubehör, CDs, Accessoires … und eine Geigenbau-Werkstatt, in der jeder Neugierige dem Geigenbauer Ekkard Seidl und dem Bogenmacher Jochen Schmidt beim Bauen und Reparieren über die Schulter schauen kann.
Hanah Stuart – who studies at the renowned Juilliard School in New York – joined our Violin Masterclasses in April. She has been chosen to play in the YouTube-Sinfonie-Orchestra at Carnegie Hall in spring. Now – being back in New York and with some distance to her stay at Kronberg – she answered some questions about her daily “musician” life and her thoughts about Kronberg.
Hanah Stuart during the workshop with Roby Lakatos. Photo: Lutz Sternstein/Kronberg Academy
What do you have in mind now when you think about Kronberg?
I think of nothing but amazing things of course. It was my first time in Germany and it definitely will not be the last. Even though I studied German in school for the last semester, I felt all tongue tied and could barely say “Guten tag” without stuttering. Thank goodness most people knew more English than I knew German. Besides that, I just remember all the awesome players, teachers, and the many friends that I made in the short time I was there. Facebook really helps to keep in touch.
How do you feel about Kronberg and the Germans?
I was walking around die Stadt with Iskandar (a fellow participant) and it was like the town was out of a fairy tail. I really felt like we were in Hansel and Gretel or in the Shire and Hobbits should be walking about or something. It was perfectly charming. As for Germans, for someone who has only taken German about a semester in school, they speak too fast for me! Although I now know a German phrase not taught in the text book… “Ach so, genau” was used almost as much as “like” is in English!
You have been chosen to play at the students’ final concert. How were you selected?
With these types of international masterclasses, scheduling is going to be changing every five minutes so you are really kept on your toes. I had no idea what I was going to play and a last minute change had me calling my boss to break into my room to fax the music from New York. It was special :) but things like this seem to happen to me often so you learn to roll with the punches.
How did you feel about getting the chance to play with seven other students at the final concert?
Of course I was honored to be one of eight chosen for the final concert! In a place where everyone is good, if not outstanding, you can’t help but feel special!
Do you give public concerts on a regular basis?
I often perform because of school and as students, we are often encouraged to perform whenever and wherever. I was just in Iowa with some Juilliard students giving a concert at a local college in Dubuque. Even if it isn’t a ‘high scale’ event, any performing opportunity is fun with a grateful audience.
How can our readers imagine your professional life? Please tell something about your practicing, first concerts etc.
My professional life: oy, what a loaded question. These international masterclasses make you think outside the box. Because you are taken out of what you know, you learn so much and start thinking maybe you can do something very different than what you set out for when you were younger. I never think of violin playing as a ‘professional life’ mainly because any pay checks seem to go straight back to school for tuition. When it comes to practicing, I’m not afraid to take breaks but I’ll do what I have to do which means making myself schedule concerts or buying plane tickets to try out for masterclasses, etc. I can go from practicing less than an hour to four hours depending on my schedule. I’ve had overuse injury issues in the past so I try and practice efficiently and spread out my hours whenever possible.
Do you already play together with famous soloists or orchestras?
The first famous person I played with was Sarah Chang on a radio show. Since then, I have soloed with several regional orchestras across the US mainly as awards from winning competitions. After I attended Keshet Eilon in Israel last summer, I was invited to play in Carnegie Hall with Ida Haendel and Ani Shnarch for a benefit concert. I’ve also had a lot of media appearances in documentaries for various festivals, summits, and shows that I’ve been in. I’m still working on finding my exact niche for this musical world.
You have applied for the YouTube-Sinfonie-Orchestra and have been chosen to play at Carnegie Hall. Please tell us about this experience. Did it help your career?
The Youtube Symphony was a really really fun experience even though they worked us hard for the three days we were there. We rehearsed for 10 hours each of the two days before the concert and another 4 hours the next day and then of course performing 2.75 hours worth of music. MTT is awesome to work with and of course hanging out with all the musicians is like any other music festival. In terms of it helping the career: I can’t tell. People who know me definitely could pick me out and I would get facebook posts saying: hey I think I saw you! and all that jazz but I haven’t gotten signed by management or anything like that. It’s just another completely fun and awesome experience that I had this spring.
Thanks a bunch for answering my questions!
„Mit Musik – Miteinander”, so heißt eines der Projekte der Kronberg Academy, bei dem nicht ein einziges Instrument, sondern Streicherensembles im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Dass die Kronberg Academy sich nicht nur der Ausbildung junger Solokünstler widmet, sondern auch der Kammermusik, wusste ich bereits vor meinem Praktikum, das ich in der letzten Märzwoche begann. Doch die ersten Tage und Wochen in der Kronberg Academy standen ganz im Zeichen eines einzigen Instruments: die Geigen Meisterkurse standen vor der Tür! Als langjährige begeisterte Hobby-Geigerin war ich natürlich glücklich darüber, die Vorbereitungen (die sich zu diesem Zeitpunkt schon im Endspurt befanden!) und die Durchführung miterleben zu können.
Die Geigen Meisterkurse und Konzerte liegen erst einige Tage zurück, doch schon beginnt das nächste, etwas kleinere, aber nicht weniger interessante Projekt: „Mit Musik – Miteinander”. Auch dieses Projekt erwarte ich mit Spannung, denn als Geigerin mache und mag ich Kammermusik.
Während der Geigen Meisterkurse also schien dieses Kammermusikprojekt zunächst noch weit weg zu sein. Doch Ende April brach Hektik aus – die Stimmen mussten unter den Teilnehmern aufgeteilt werden („Hilfe, wie erkenne ich an einem Kurzlebenslauf, ob jemand 1. Geige oder doch eher 2. Geige spielen sollte?” „Ist das Tchaikovsky-Streichquartett wirklich so leicht wie es auf den ersten Blick aussieht – am Anfang sind immer die gleichen Töne!?”), und gerade noch rechtzeitig wurden die Noten zur Post gebracht. Leider nicht alle, denn noch immer fehlten uns noch zwei Teilnehmer, um alle geplanten Ensembles (Streichquartette, Streichquintette, Klavierquartette) bilden zu können.
Inzwischen war mir die Hauptorganisation von „Mit Musik – Miteinander” zugeteilt worden. Erst wenige Wochen bei der Kronberg Academy und schon mein eigenes Projekt …! Eine meiner Aufgaben bestand darin, noch geeignete Teilnehmer zu finden. Das ist mittlerweile geglückt! Doch jetzt, so kurz vor Beginn des Projekts, gibt es immer noch einiges zu tun: Die Teilnehmer wollen mit allen Informationen versorgt werden, die Technik wie z.B. Beleuchtung und Tontechnik muss geklärt werden, das Freizeit- und Rahmenprogramm will organisiert sein und alle Ablaufpläne müssen kontrolliert und aktualisiert werden. Die neue Praktikantin Cynthia Dietterle, die seit den Geigen Meisterkursen dabei ist, hilft mir tatkräftig dabei. Gemeinsam kümmern wir uns um das bevorstehende Projekt, und werden hoffentlich auch das nächste „Mit Musik – Miteinander”, das vom 6.-8. November stattfinden wird, eigenverantwortlich vorbereiten und durchführen. Die Erfahrungen, die wir dafür brauchen, können wir zurzeit sammeln.
Ich bin schon sehr gespannt, wie das kommende Wochenende, 22.-24. Mai, verlaufen wird: Die meisten Vorbereitungen für „Mit Musik – Miteinander” sind getroffen, es fehlen nur noch die Details zur Durchführung wie z.B. Ausstattung der Räumlichkeiten in der Streitkirche in Kronberg, die Verpflegung der Teilnehmer und Dozenten, die Programm- und Ablaufpläne zum Aushängen usw. Ich bin zuversichtlich, dass alles klappt und hoffe, dass viele Interessierte von Freitag 15 Uhr bis Sonntag 15 Uhr den Weg in die Streitkirche in Kronberg finden!
Unser “Beitrag” zur ARD-Themenwoche “Ist doch Ehrensache” heißt Gabriela Denicke. Fast auf den Tag genau ist sie seit 14 Jahren bei uns. Was sie damals bewogen hat, sich für die Kronberg Academy einzusetzen und wie ihr Arbeitsalltag bei und mit uns aussieht, hat sie hier geschildert.

Gabriela Denicke im Gespräch mit L. Subramaniam während der Geigen Meisterkurse
Dreimal die Woche halbtags ein bisschen beschäftigt sein – so hatte ich mir mein Leben vorgestellt, als meine beiden Kinder zum Studieren in die Welt gingen. Durch Zufall landete ich vor 14 Jahren bei der Kronberg Academy. In dem kleinen Büro fehlte vieles, so auch ein Plakat mit der Aufschrift “learning by doing”. Doch genau dies war die Devise, es waren keine Fachkenntnisse gefragt, sondern Neugier, Organisationstalent und Enthusiasmus. Dass bei der Kronberg Academy das Cello die erste Geige spielt, empfand ich dabei als besonders schön, denn schon immer war das sinnliche Cello mein Lieblingsinstrument in der Klassischen Musik. So stellte ich mir vor, mit ein wenig Arbeit eine angenehme Beschäftigung zu finden.
Doch schon sehr bald spürte ich: das hier kannst Du nur ganz oder gar nicht machen – und so wurde schnell ein Fulltime-Job daraus. Anfangs habe ich alles gemacht, von der Organisation unseres langsam größer werdenden Büros bis zur Reservierung diverser Räumlichkeiten für unsere Veranstaltungen, von Probenplänen bis Kartenverkauf, von Dankes- bis Rechnungsschreiben. Das Team wurde größer, einige Menschen sind dazugekommen, die wie ich teils ehrenamtlich, teils als Angestellte, teils als Praktikanten das Team der Kronberg Academy bilden. Vom Festival im Zwei-Jahres-Turnus haben wir uns zu immer neuen Projekten aufgemacht, und so wurden auch die Aufgaben immer umfassender und die Organisationsarbeit immer umfangreicher.
Diese Organisationsarbeit haben inzwischen jüngere Mitarbeiter übernommen, während ich mich neuen Aufgaben im Vorstand der Kronberg Academy und als Vorstandsmitglied der 2003 gegründeten Kronberg Academy Stiftung widme. Außerdem betreue ich unsere Sponsoren, die wichtige Partner der Kronberg Academy sind. In meiner Position, wo die meisten Fäden zusammenlaufen, konzentriere ich mich stärker darauf, im Team neue Dinge voranzubringen, Ideen aufzugreifen und weiter zu entwickeln, damit sie eine deutliche Gestalt annehmen. Natürlich bleibt die tägliche Organisation, aber wir haben es gemeinsam geschafft, die Aufgaben besser zu verteilen.
Noch heute lerne ich jeden Tag etwas Neues hinzu. Die Arbeit ist spannend und fordernd zugleich, aber das Gefühl lästiger Arbeit hat sich bis heute nicht eingeschlichen – dazu macht alles zu viel Freude! Und für den großen persönlichen Einsatz bekommt man jeden Tag etwas zurück! Allein dafür lohnt es sich, auf allerhand private Unternehmungen zu verzichten.

Johannes Manecke, Foto: Lutz Sternstein
Das grundlegende Problem, das der Künstlerbetreuer hat, wenn er am Vorabend des großen Events in Kronberg aufläuft, ist sein Nicht-Eingeweiht-Sein in die komplette vorangegangene Organisation der Veranstaltung. Das ist einerseits durchaus von Vorteil, da ein unvorstellbar großer Berg von Arbeit bereits von anderen Personen erledigt wurde. Andererseits ist es ein nicht zu unterschätzender Nachteil, erstmal über so ziemlich nichts Bescheid zu wissen. Im Vorfeld versucht man daher händeringend, jedem auch noch so zufällig vorbeihastenden Academy-Mitglied schnell noch irgendwie dienliche Informationen zu dem Künstler, den man betreuen soll, zu entlocken. Selbst wenn droht, durch hartnäckige Fragerei in Ungnade zu fallen und man den Eindruck hat, unter dem einen oder anderen latent genervten Blick nun doch recht gut über “seinen” Künstler und dessen Programm informiert zu sein, wird dieser Künstler einen dann schon mit der ersten Frage, die sich unmittelbar an die Begrüßung anschließt, ins Schwimmen bringen. Ihn interessieren in aller Regel gänzlich andere Sachen, als man selber sich hat vorstellen können. Vom Gefühl her ist das ungefähr so, als habe man sich auf eine Mathe-Prüfung vorbereitet, der Professor plötzlich aber lieber über französische Literatur diskutieren möchte. Eine Schlüsselqualifikation im Umgang mit den Künstlern ist daher, möglichst unbeeindruckt auf alle unvorhergesehenen Ereignisse und Fragen zu reagieren und schwungvolle Phrasen zu kreieren, die den Gegenüber zufriedenstellen, im Kern aber eigentlich nur verschleiern, dass eine direktere Antwort “keine Ahnung” gelautet hätte.
Ist der Künstler erst einmal angekommen, ist die Lawine der unvorhergesehenen Zwischenfälle nicht mehr aufzuhalten. Allein der scheinbar harmlose Transport von Hotelzimmer zu Konzertbühne birgt ungeahnte Hindernisse. Mal in Form vergessener Noten oder Kleidungsstücke, mal in Form eines Autofahrers der sich mit seinem überdimensionierten Geländefahrzeug in der historischen Altstadt verkeilt hat – und das es wiederum mit der eigenen überdimensionierten Luxuslimousine zu umschiffen gilt, um erwähnte Noten oder Kleider doch schnell noch herbeizuschaffen. Schwieriger wird es dann, wenn man Interviews in nicht vorhandene Zeitfenster stopfen muss, die darüber hinaus in bereits belegten Räumen stattfinden sollen. Wiederum verlangt es also diplomatisches Geschick, dem Künstler zu verkünden, dass statt Mittagspause nun Presse auf dem Programm steht. Hurra! Unterdessen klingelt unentwegt das Mobiltelefon, über das entweder Hiobsbotschaften oder Fragen, auf die man keine Antwort hat, eingehen. Mit viel Glück ist irgendwann einfach der Akku leer. Schrecksekunden gibt es am laufenden Band. Etwa dann, wenn man meint, soeben Gidon Kremers USB-Stick verbaselt zu haben, oder wenn während der Probe plötzlich ein Fernsehteam auftaucht, und man trotz ausdrücklichen Wunsches vergessen hatte, den Künstler im Vorfeld darauf hinzuweisen. Glücksmomente folgen, wenn der USB-Stick doch wieder auftaucht und das Fernsehteam bereits von jemand anderem angekündigt wurde.
Entlohnt wird jegliche Mühe aber spätestens durch jene ganz besonderen, unbeschreiblichen Momente, die im Verlauf der Veranstaltung immer wieder ganz plötzlich und unerwartet entstehen, und in denen man etwa in ganz intimer Atmosphäre einer spontanen Darbietung lauschen oder dem Zusammentreffen und Gedankenaustausch großer Persönlichkeiten beiwohnen darf – wenn die Musik die Bühne verlässt, um mit einem selbst scheinbar auf Tuchfühlung zu gehen, einen aufsaugt und zum Teil eines erhabenen Ganzen werden lässt.
Am Ende des Tages (zu – in aller Regel – sehr weit vorgerückter Stunde und mit sehr müden Füßen) streift man mit einer erschöpften, aber dennoch eleganten Handbewegung das Magnetschildchen vom Hemde, auf dem neben dem dynamischen Academy-Logo der eigene Name steht. Dadurch fühlt man sich selbst wieder ein bisschen mehr Privatperson, und mit einer seltsamen, aber sehr angenehmen und intensiven Mischung aus Zufriedenheit, Erstaunen und bleierner Müdigkeit stellt man fest, dass wider Erwarten am Ende doch einmal mehr alles zur Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufen ist – und das sogar ziemlich gut! Es ist unbedingt empfehlenswert, diesen Augenblick im Gedächtnis zu halten, wenn am nächsten Morgen die Sonne aufgeht und das Künstlerkarussel erneut an Fahrt aufnimmt.
Hier meldet sich eine Externe zu Wort – darf ich mich kurz vorstellen? Vielleicht kennen Sie mich ja vom Sehen, von den letzten Veranstaltungen der Kronberg Academy – ich gehöre vermutlich zum Festival-Inventar! Ich möchte heute davon berichten, warum ich immer wieder so gerne nach Kronberg reise.
Im Jahre 2003, also vor sechs Jahren, am 3. Mai, begann mein neunmonatiges Praktikum bei der Kronberg Academy, an einem Wochenende, an dem MMM – Mit Musik Miteinander stattfand. Ich hatte wenig Ahnung, was mich erwarten würde – ich habe gelesen von großen Namen wie Gidon Kremer, Yuri Bashmet und Mstislav Rostropovich, um nur einige zu nennen – und ich war aufgeregt und voller Vorfreude. Neugierig und höchst motiviert, um den Betrieb Kronberg Academy kennen zu lernen. Tja – und das tat ich recht gründlich. Ich glaube, ich habe einfach alle Informationen aufgesaugt und dabei die Stadt, die festen und freien Mitarbeiter und die Institution Kronberg Academy sehr lieb gewonnen!
Seitdem kehre ich Jahr für Jahr zurück, um bei verschiedenen Projekten mit zu arbeiten, um die Studenten und Künstler zu betreuen, bei Konzerten für den reibunglosen Ablauf um die Bühne herum zu sorgen, Notenständer aufzubauen, viele Wege zwischen Rezeptur und Stadthalle zurückzulegen, – so auch dieses Jahr zu den Geigen-Meisterkursen. Ich habe auch Geige gespielt bzw. spiele immer noch in einem Amateur-Orchester, daher freue ich mich sehr, bei diesem besonderen Projekt – erste Meisterkurse für ein anderes Instrument als das Cello – dabei zu sein!
Das Praktikum von damals ist wirklich lange her, da war die Kronberg Academy erst zehn Jahre alt. Ich habe hier meine ersten Erfahrungen im Kulturmanagement gemacht und festgestellt, dass dieser Bereich genau derjenige ist, in dem ich arbeiten möchte. Ich möchte dazu beitragen, dass Konzerte, Festivals stattfinden, wo wunderbare, vielfältige Musik gespielt wird, mit Künstlern und Musikern, die sich durch unsere Arbeit ganz auf ihre Kunst konzentrieren können.
Bei der Kronberg Academy habe ich tolle Kontakte geknüpft: zu Musikern und Kollegen, von denen viele enge Freunde geworden sind (Festivals schweißen zusammen!), aber auch berufliche Kontakte, die nach wie vor sehr wertvoll sind und die mich dorthin geführt haben, wo ich jetzt arbeite – zur Deutschen Grammophon in Hamburg.
Mit Kronberg und besonders mit Raimund Trenkler, Oda Laue, Gaby Denicke – die mich von Anfang an kennen – und natürlich auch mit allen neueren Mitarbeitern und vielen Helfern der Kronberg Academy verbinden mich so viele Erinnerungen: es ist schwierig, bestimmte hervor zu heben – unvergesslich das Ende des Cello-Festivals 2003 („mein” erstes Cello-Festival, bei dem ich sehr viele tolle Aufgaben hatte), als der “Gesang der Vögel” von Pablo Casals mit allen beteiligten Künstlern und Studenten erklang, das Konzert in Gedenken an Boris Pergamenschikow mit all seinen Studenten im Oktober 2004, das Geburtstagskonzert von Gidon Kremer Februar 2007, einige Abschlussfeier im Schlosshotel, auf der Burg …
Ich fühle mich in Kronberg immer sehr wohl, es ist zu meinem zweiten oder dritten Zuhause geworden, und ich freue mich so sehr, immer wieder hierhin zu kommen.
Ich möchte an dieser Stelle allen, die ins Kultur-und Musikmanagement hineinschnuppern möchten, die Kronberg Academy empfehlen für Praktika – man kann mit großem Spaß viel lernen und erleben!
Alle unsere jungen Musiker, die an unseren Projekten – so wie bei den bevorstehenden Violin Masterclasses – teilnehmen finden bei Kronberger Familien Unterkunft. Dass dies eine sehr schöne und inspirierende Erfahrung für die jeweiligen Familien ist, bericht Christiane Grün, die seit über zehn Jahren junge Musiker in ihrem Haus aufnimmt.
„Darf ich auch üben?” Wenn ich diese Frage höre, dann wünsche ich mir sofort alle meine Instrumente spielenden Kinder herbei, doch die sind gerade anderweitig beschäftigt. Im besten Fall mit Hausaufgaben, sehr wahrscheinlich aber auf Schüler-VZ oder mit Chatten. Doch ich will gar nicht rummaulen. Meine Kinder sind ganz wunderbar, die „Kinder”, die mir die oben angegebene Frage stellen, sind die Geigen-, Viola-, Cello-, manchmal auch KlavierspielerInnen, die wir mehrmals im Jahr in unserem Haus während der diversen Musikfestivals der Kronberg Academy aufnehmen.
Im Oktober 1997, wir waren gerade ein knappes halbes Jahr in Kronberg, kamen wir zum ersten Mal in den Genuss eines Musikfestivals direkt vor unserer Haustür. Der Wunsch, daran teilzuhaben, war wie ein essentielles Bedürfnis, das knallrote Banner mit dem Nietzsche-Zitat an der Häuserwand der alten Grundschule Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum ein Mahner. In der Kronberger Stadthalle, zu Zeiten des Festivals ein Informations- und Kommunikationszentrum für die Kronberger und den Rest der Welt, traf ich auf eine freundliche und kompetente Dame, die mir sogleich erklärte, dass Gasteltern immer gebraucht würden, und so wurde ich spontan dann auch gleich Mutter von einer freundlichen Cellistin. Unsere Erfahrung mit Cello war zu diesem Zeitpunkt noch beschränkt. Dieses mannsgroße Ding, sperrig, mit einer Art Eigenleben ausgestattet, wurde neben ihrer Besitzerin, zu einem gern gesehenen und gehörten Gast. Denn die Frage nach dem „Üben” wurde natürlich gleich gestellt. „Natürlich!” sagte ich ohne darüber nachzudenken. Fortan tönte es durch das ganze Haus, was den Mittagsschlaf der damals teilweise noch ganz kleinen Kinder, nicht im Mindesten störte, im Gegenteil. Im Laufe der Woche kamen dann noch zwei junge Musikerinnen dazu, Schlafplätze wurden irgendwie geschaffen. Wir stellten fest: Musiker sind genügsame Menschen. Das Haus wurde angefüllt mit Musik, mit interessanten Menschen, die sich ihrem Instrument verschrieben hatten und mit guten Gesprächen, nicht nur über Musik. Mein Mann kochte literweise Tee und Kaffee und holte dann abends die guten Rotweinflaschen aus dem Keller. Die Kinder wiederum freuten sich über Kuchen und Kekse, die nun immer auf dem Tisch standen. Das Haus war offen. Nicht nur, dass die Musiker sich auf ihre Zimmer zurückzogen und übten, sie fragten, ob sie sich bei uns im Wohnzimmer treffen und spielen könnten. So kamen wir oftmals in den Genuss unseres ganz eigenen kleinen Cellofestivals und mir schien es, dass wir erst jetzt richtig in Kronberg angekommen waren.
Mittlerweile nehmen wir jedes Jahr MusikerInnen auf. Die Kronberg Academy betreut längst mehr als nur das Cello Festival und die Kinder machen auch keinen Mittagsschlaf mehr. Sie spielen Geige, Klavier, Trompete und der Kleinste hat sich sogar ans Cello gewagt. Dass sie es als selbstverständlich ansehen zu musizieren, ist auch den diversen Festivals der Kronberg Academy und den vielen musikalischen „Kindern” geschuldet, die seitdem bei uns gewohnt haben und zu denen wir teilweise immer noch Kontakt haben.
Seit Oktober 2008 lebt nun auch eine junge Violaspielerin aus Japan, Eri, bei uns. Sie studiert hier im Rahmen des Kronberg Academy Further Masters Studiengangs. Für uns eine ganz neue Erfahrung. Wir erleben hautnah mit, was es heißt, die Entscheidung für eine professionelle Musikerkarriere getroffen zu haben: Üben, üben, üben. Dennoch bleibt genügend Zeit für gemeinsame Mahlzeiten und kleine Geburtstagsfeiern und das mit dem Unterhalten geht auch in Deutsch, Englisch und mit Händen und Füßen. Außerdem gibt sie den Kindern eigenwillige Repertoire-Vorschläge und zwingt auch mich ans Klavier zurück. Und wenn mal der gute Viola-Bogen in der Werkstatt ist, dann leiht Julius, mein geigender Sohn, ihr einfach seinen. Wie das in einer Familie eben so üblich ist.
Derzeit stecken wir mittendrin in den Vorbereitungen zu den Geigen-Meisterkursen, die vom 27. April bis 4. Mai 2009 zum allerersten Mal stattfinden. Da sich nächstes Jahr der Todestag von Yehudi Menuhin zum 10. Mal jährt, haben wir die Meisterkurse ihm zu Ehren gewidmet.
Im Organisieren von Meisterkursen oder anderen Kammermusikprojekten sind wir mittlerweile Meister, doch mit den Geigen Meisterkursen betreten wir jetzt absolutes Neuland und insofern gibt es das eine oder andere Neue, was wir tun müssen. Denn noch assoziiert mit der Kronberg Academy niemand Geigen-Meisterkurse und das wollen wir nun ändern. Nachdem Anfang des Jahres klar war, dass wir diese Kurse veranstalten, mussten Dozenten gefunden werden, die nicht nur erstklassige Solisten, sondern gleichzeitig auch gute Lehrer sind. Recherche war also angesagt. Ausgewählt haben wir nun Ana Chumachenco, Mauricio Fuks, Christian Tetzlaff und Pavel Vernikov.
Nachdem die Dozenten feststanden, ging es daran, die jungen Geiger darüber zu informieren. Also musste eine Adress-Datenbank gefüllt werden, Flyer und Anzeigen erstellt und weitere Programmpunkte sowie die Kurszeiten festgelegt werden. So allmählich haben wir das nun alles erledigt. Die Flyer sind nämlich verschickt und wir verzeichnen bereits erste Anmeldungen.
Bei all unseren Vorbereitungen erfahren wir von vielen Menschen v. a. aus der Musikszene Unterstützung. Oft ergeben sich aus einem Telefonat mit einem Künstler weitere Kontakte, Empfehlungen und Tipps. So ergibt eines das andere und das neue Angebot spricht sich so allmählich rum.
So war etwa die Tochter Yehudi Menuhins, Zamira Benthall-Menuhin, sofort bereit, die Schirmherrschaft der Meisterkurse zu übernehmen. Schließlich verfolge sie seit Jahren unsere Arbeit und die Ausbildungssituation, wie sie uns schrieb. Für ein Konzert (28. April) konnten wir die jungen Geiger Vilde Frang, Alina Ibragimova und Alexander Sitkovetzky gewinnen. Die drei verbindet nicht nur, dass sie am Kronberg Academy Masters-Programm teilnehmen, sondern auch, dass sie an der Menuhin School in London unterrichtet wurden.
Unsere Freude über die Zusage des ehemaligen Menuhin-Schülers Daniel Hope, ein Konzert (5. Mai) zu geben, war natürlich sehr groß. Auch der Gipsy-Geiger Roby Lakatos wird ein Konzert (2. Mai) geben und zusätzlich sowohl für die passiven als auch aktiven Meisterkurs-Teilnehmer einen Workshop (3. Mai) abhalten. Darauf sind wir alle schon sehr gespannt. Gleiches gilt auch für Gidon Kremer, der extra für uns sein Sabbatical unterbricht, um für alle Teilnehmer einen Workshop (1. Mai) zu geben – und Workshops hält er äußerst selten ab.
Für mich ist es gerade eine wahnsinnig schöne Erfahrung festzustellen, wie viel positive Resonanz und Unterstützung wir von Musikern und Menschen aus dem Musikbereich erfahren. Das lässt mich bei all dem Trubel auch ganz entspannt bleiben und erfüllt mich mit viel Freude.
Übrigens geht es hier zur Anmeldung und zum Programm.
Alle Jahre wieder, wenn sogar in der Kronberg Academy am Jahresende einmal ganz kurz so etwas wie Stille einkehrt (was natürlich nie lange vorhält!), dann sitze ich hier, oft alleine und endlich in Ruhe … denn für mich ist „heiße Jahrbuchzeit”.
Das ganze Jahr über erleben wir so viele schöne, erstaunliche Dinge! Es „passiert” so viel – und alles ist irgendwie immer viel zu schnell wieder vorbei. Weil es Ereignisse sind, Erlebnisse – Energien, die sich für Momente verbünden, Begegnungen, die in Augenblicken zünden, atemberaubende Stimmungen, die man festhalten möchte… weil es Musik ist!
Hinzu kommt, dass unsere Institution, die Kronberg Academy, sich immer weiter entwickelt, reifer wird und komplexer. Viele Bausteine werden zusammengefügt, schon wieder ist etwas hinzugekommen – und alles passt zusammen. Aber wie? Nicht nur für Außenstehende ist es manchmal knifflig, die Zusammenhänge zu verstehen.
Und darum gibt es unser Jahrbuch. Es ist der Versuch, Erlebnisse und Stimmungen festzuhalten, indem man sie widerspiegelt durch Berichte und durch die schönen Bilder unserer Fotografen (in diesem Jahr waren es vor allem Andreas Malkmus, Lutz Sternstein und Simon Annand). Es soll aber auch informieren, die Projekte erklären, „Aha-Erlebnisse” bescheren. Und schließlich ist es eine Dokumentation, ein Bericht, aus dem auch wir uns später einmal schlau machen, wer wann was mit wem hier gespielt hat und welche Menschen und Institutionen sonst noch in das Kronberg-Academy-Geschehen eingebunden waren. Eine Erinnerung für Künstler, Förderer, Mitarbeiter, Partner, Freunde …
So beginnt im Spätherbst für mich die Zeit des Erntens und des Sammelns: Fotos und Medienbeiträge werden gesichtet, Ansprachen und Interviews abgehört und transkribiert, Künstler und Kollegen werden nach ihren Eindrücken und Erlebnissen befragt, Gastbeiträge werden erbeten (zu welchen Thema? Wer könnte wohl dazu etwas schreiben?) Von allen Kolleginnen werden aktuelle Listen erbeten …Es ist wie eine große Inventur und Bestandsaufnahme.
Nun, wie gesagt, ist Ruhe im Büro eingekehrt und ich habe gleichsam alles vor mir ausgebreitet. Jetzt wird ausgewählt, zusammengefügt, gefeilt, redigiert übersetzt. Meine beiden wichtigsten Partner in diesen Tagen sind Glynis Thompson, die meine Texte ins Englische übersetzt, und Patrick Koch, unser Grafiker und großartiger Gestalter, der schließlich aus allem wieder etwas Wunderbares zaubern wird.
Bis Februar werden wir’s hoffentlich geschafft haben!
In unserer Reihe, in der wir Projekte und Personen vorstellen, berichtet heute der Geiger Kirill Troussov über ein Konzert, das wir ihm und anderen Musikern bei der BASF organisiert haben. Kirill Troussov war 2006 Teilnehmer bei Chamber Music Connects the World, im November dieses Jahres war er Dozent bei Mit Musik – Miteinander und spätestens im nächsten Jahr wird er wieder als Dozent bei MMM dabei sein.
Am 14. Dezember trat ich mit zwei Nils Mönkemeyer (Viola), Giorgi Kharadze (Violoncello), und meiner Schwester Alexandra Troussova (Klavier) bei der BASF-Matinee auf. Die Veranstalter haben uns als „Junge Wilde ihres Faches” angekündigt. Für dieses Konzert hat uns die Kronberg Academy zusammen gebracht. Nils, Giorgi und ich haben alle einmal an dem Projekt „Chamber Music Connects the World” der Kronberg Academy teilgenommen. In Kronberg sind wir sind uns zwar nie persönlich begegnet, weil wir in unterschiedlichen Jahren dort waren, nun hat uns aber die Kronberg Academy für dieses Konzert nach Ludwigshafen vermittelt, was uns natürlich sehr gefreut hat. Ursprünglich sollten Nils und ich schon letztes Jahr mit Maxim Vengerov in Ludwigshafen spielen. Deshalb hatten wir uns dann damals in München auf einen Kaffee getroffen, um die Details zu besprechen. Das war der Anfang unserer Freundschaft. Giorgi kenne ich noch von Studienzeiten, da wir zusammen an der Kölner Musikhochschule studiert haben. Einem gemeinsamen Auftritt von uns vier stand also (fast) nichts mehr im Wege.
Für uns stellte sich nun die Frage, was wir spielen sollen und wie wir die das mit den Proben hinkriegen. Wir wollten schon früher gemeinsam musizieren, hatten das aber immer wieder vertagt, aufgrund unser aller gut gefüllten Terminpläne. Fürs Programm hatte ich die Idee, dass wir im ersten Teil jeder etwas Solo spielen und im zweiten dann mit meiner Schwester ein Quartett spielen könnten. Das hat dann auch der BASF gut gefallen und so haben wir’s dann am Sonntag gemacht.
Schwieriger wurde es hingegen, gemeinsame Probentermine hin zu kriegen, schließlich sind wir alle viel auf Konzertreisen. Letztendlich haben wir dann doch eine Möglichkeit gefunden, uns in München, wo Nils, meiner Schwester und ich „eigentlich” zuhause sind, zum Proben zu treffen. Giorgi kam dann für ein Wochenende zu uns und wir haben sehr intensiv gearbeitet. Da wir alle sowohl musikalisch als auch menschlich auf der gleichen Wellenlänge sind, war es eine tolle Zusammenarbeit. Wir haben sehr viel Spaß gehabt und das ist es doch was die Musik besonders macht! Sie bringt die Künstler und das Publikum in diesen Augenblicken zusammen!
Da wir uns so gut verstehen und musikalisch auch so gut zusammenpassen wollen wir auch in Zukunft gemeinsam auftreten. Mit diesem Konzert haben wir es schließlich geschafft, gemeinsam mit einem sehr großen Erfolg etwas auf die Beine zu stellen! Es hat einfach alles gestimmt: ein tolles Publikum, tolle Organisation, ein wunderbarer Saal mit einer sehr guten Akustik und Freunde mit denen man gemeinsam Musik machen kann. Was braucht man mehr?
We’d like to give you some insights into our several projects which took place during the year. Today we will start with “Chamber Music Connects the World” which is held every two years. This project gives exceptionally talented young musicians the chance to play in chamber music ensembles with some of the great instrumentalists of the international music scene.
It also broadens the traditional teacher-pupil relationship by working and playing pieces of music together. Playing in concerts together is the highlight of this formative experience for the participants. Through their personal involvement as “seniors” in this project, great musicians support us in our aim to educate and provide a sound promotional platform for a new generation of chamber musicians.
Ksenia Bashmet participated as a pianist this year and will give some very personal impressions of her experience.
The first thing that I want to say is that I love the place! This kind of small German town – it’s really beautiful! And since the town is so small, when you are going from A to B you definitely meet someone from Academy! I like this very much! It makes me feel part of the team!

Actually I didn’t expect anything special, I just knew that Kronberg is the place where young people are playing chamber music with well-known musicians, so it is true! I played with Gidon Kremer, which was wonderful, but also a little sad, because the piece that we played was short, and we didn’t have much to do … I mean, I would have liked to have longer rehearsals with him, but there was really nothing much to do! Also, I played with my father (which I had done before Kronberg, of course) who is the best teacher in the world and the most important thing for me was, that we stayed in the same place for 10 days and could see each other every day! (it is absolutely impossible in real life, believe me, because he is always somewhere playing concerts!) So to play the Shostakovich quintet with him was amazing!
Everything there is organized for the musicians! There is a timetable, food and drinks in rehearsal rooms, even a pencil is at its place every day! So you don’t have to think about anything but the music!
Also at the same time there the European Soccer cup was taking place and we were all watching games together, which was real fun! I met a lot of nice students there and some of them are very close friends of mine now! Volodya Babeshko, Nils Moenkemeyer, Khatya Buniatishvili – we are all friends now! It is important to have new close friends in my age (28)! With Volodya and with Nils we will have some concerts in Russia in the close future!
I’d love to come back to Kronberg again! Maybe not as a chamber musician, but as an accompanist to your cello and viola projects, because I am really in love with this place and with the atmosphere there!!!
I’d like to thank the whole team for the wonderful time I spent in Kronberg this year! You are doing a great job! I’m your fan now!