Artikel-Schlagworte: „Albert Schweitzer“

Als alles anfing (Teil 2)

Sonntag, 22. September 2013

Erinnerungen an Pablo Casals

Für einen leidenschaftlicher Sammler von Fundstücken zur eigenen Geschichte sind die Räumlichkeiten rund um unseren Dachboden von unschätzbarem Wert. Wenn man an die Anfänge denkt, also an unser Gründungsjahr 1993, so wird man daran erinnert, dass unsere Institution mit dem Namen “Internationale Kammermusik-Akademie Kronberg“ gestartet war und und alsbald die Aufmerksamkeit von Musikern, Hochschulen und Musik-Pädagogen auf sich zog.

Beim Betrachten der noch in Gelb und Schwarz produzierten Broschüre, die zum ersten Cello Festival herausgebracht wurde, wird man dann unweigerlich auf den Namen Pablo Casals gelenkt. Wie heißt es auf der Titelseite unserer ersten Festival-Broschüre: „in memoriam Pablo Casals“. Das erste Cello-Festival wurde vom 22. – bis 24. Oktober ausgetragen und der Festivalauftakt fiel auf den 20. Todestag des großen spanischen Cellisten.  Die Broschüre wartete damals mit besonderen Beiträgen zum Leben dieses einmaligen Künstlers auf.

Zwei Beispiele:

Professor Dr. Kurt Pahlen schrieb einen vierseitigen Artikel über den Meister-Cellisten. Pahlen war  Casals mehrfach in seinem eigenen Leben begegnet und verfügte daher über eine tiefe Kenntnis des großen Musikers und Humanisten, der im katalanischen Örtchen Vendrell – unweit Barcelona – geboren wurde.

Ein beeindruckender, intimer Bericht über die vielen Facetten diese Musikers, der im Kern stets einfach, menschlich und zugleich von großer Willenskraft  und festen moralischen Wertvorstellungen geprägt war. Und der zugleich die Wertschätzung für das Geschenk  des Lebens und die Wunder der Natur immer wieder hervorhob. Jung sein und jung bleiben bis ins hohe Alter, dies gelänge nur, wenn man das Leben wertschätzt, so wurde es von ihm berichtet. Wie sagte es Casals mit seinen eigenen Worten: “ Das Bewusstsein vom Wunder des Lebens erfüllt mich mit einem Gefühl  unglaublichen Staunens,  ein menschliches Wesen zu sein. Dann gehe ich an meinen Flügel und spiele zwei Präludien und Fugen von Bach. Die Musik ist für mich nie dasselbe, sie ist jeden Tag etwas Neues, etwas Phantastiches, etwas Unglaubliches. Bach ist, wie die Natur, ein Wunder“.

Diese Worte sind großartig, denke ich und bin zugleich froh, dass wir nun – 20 Jahre später – im Jahre 2013, den Bogen zur Musik von Johann Sebastian Bach doch sehr passend in die Konzertabfolge unseres aktuellen Festivals „Cello Plus“ eingefangen haben. Das erste und das letzte Konzerte sind dem großen Komponisten Johann Sebastian Bach gewidmet.

Aber ich bleibe noch Momente in der Historie, unseren eigenen kurzen Geschichte.

Beim weiteren Durchstöbern der Broschüre stösst man auf einen kurzen Lebenslauf, verfasst von Helga und Rudolf von Tobel. Rudolf von Tobel, ein Schweizer Cellist und Casals-Schüler, der einige Male mit Casals konzertierte und Plattenaufnahmen machte, steuerte in diesem Artikel seinen Blickwinkel auf die besondere Persönlichkeit des Musikers bei. Das Engagement  von Pablo Casals  zur  damaligen Zeit wird einem erst in aller Klarheit deutlich, wenn man sich die folgende Begebenheit mit ihm aus den 50er Jahren vor Augen führt. Zusammen mit Albert Schweitzer, einem Freund und weiteren Streiter und Kämpfer (nicht zu vergessen dessen Orgel-und Bach- Leidenschaft, ) für Menschlichkeit, appellierten beide 1958 an die Großmächte, das Wettrüsten und die Atombombenversuche einzustellen. Dies ist nur einer seiner öffentlichen Bekundungen gewesen, in denen er einen klaren Standpunkt für eine Sache eingenommen hatte. Als Republikaner hatte er aus Überzeugung  Franco-Spanien den Rücken gekehrt und Jahrzehnte keinen Auftritt in seinem Heimatland mehr durchgeführt. Er war ein Mann mit klaren Überzeugungen und unverrückbaren Standpunkten und Haltungen.

Raimund Trenkler, unser Künstlerischer Leiter seit jener Zeit, wird nicht müde, die Bedeutung dieses Jahrhundertkünstlers auch für die heutige Zeit immer wieder aufs neue zu betonen. Dabei ist die einmalige Verbindung zwischen künstlerischer Größe und der Rolle der Menschlichkeit im Leben dieses  Künstlers prägend. In der berühmt gewordenen Bild-Biografie über Casals, mit einmaligen Fotografien des deutschen Fotokünstlers Fritz Henle, kann  man viele großartige Zitate des Katalanen finden.

Nachdenken über Pablo Casals: Er war ein einzigartiger, überragender Künstler und echter Menschenfreund. In aktuellen Gesprächen und Dialogen gerade jetzt müssen wir an ihn und andere gleichgesinnte Musiker denken, wenn das Thema Eintreten für Menschlichkeit und Verantwortung diskutiert wird. Es ist nicht nur Sache von Politikern und Aktivisten, diesem Anliegen Ausdruck zu verleihen, so sind auch wir hier überzeugt. Wie sagt es Raimund Trenkler vor wenigen Tagen: Die Gedanken und Einstellungen von Pablo Casals sind aktueller denn je. Und zitiert ein weiteres Mal den katalanischen Meister, mit einem der berühmtesten Zitate von ihm:  „Kunst und Menschlichkeit sind untrennbar“.

Zurück in den Academy-Alltag.  Mein Ausflug in die ersten beiden Jahrzehnte der Kronberg Academy, insbesondere ins Gründungsjahr,  war alles andere als staubig. Staunen und Bewunderung für einen großartigen Künstler und Menschen, mit dem sich unsere Institution bis heute tief verbunden fühlt, klingen noch lange nach.

Teil 1: “Stöbern im Archiv” ist bereits am 17.9.2013 erschienen

Michael Heinz / Kronberg Academy Team

Soojin Han begeistert mit Bach-Werken in Königstein

Donnerstag, 20. Januar 2011

Königstein im Taunus, nur einen Steinwurf entfernt vom Standort der Kronberg Academy, war am dritten Januar-Sonntag im neuen Jahr Schauplatz  eines begeisternden Konzerts mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Es spielte Soojin Han, Junge Solistin des Kronberg Academy Masters. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Eine immer noch weihnachtlich geschmückte Immanuelkirche bot den herbeiströmenden Besuchern das Gefühl von Festlichkeit und Besinnung. Und das mitten im Januar. Bachsche Musik für Solo Violine erfüllte den mit dutzenden Kerzen hell erleuchteten Kirchenraum. Der massive Schneefall, der den Taunus um die Jahreswende noch massiv zugesetzt hatte, war längst verschwunden. Aber die besinnliche Stimmung in der Kirche und der beeindruckende Auftritt von Soojin Han sorgten dennoch für ein ein tolles Ambiente und ein unvergessliches musikalisches Erlebnis.

Soojin Han freut sich über den Beifall

Soojin Han spielte mit großer Hingabe die beiden Violin-Sonaten Nr. 1 g-Moll und Nr. 2 a-Moll. Zwischen beiden Stücken hatten die Veranstalter eine kurze Pause eingebaut, in der Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer drei berühmte Persönlichkeiten zitierte, die in ihren Beschreibungen die Charakteristika und Einmaligkeit der Bachschen Werke einzufangen versuchten.  Neben Mozart wurden auch der italienische Komponist Ruggiero Leoncavallo und der Orgelmusik spielende Albert Schweitzer zitiert. Allen Beschreibungen war die hohe Anerkennung des Genius von Bach gemeinsam und die Größe seines Schaffens. Diese Werke, so beispielsweise Albert Schweitzer, predigen uns eines, „stille sein und gesammelt sein“. Und ferner: „Was er war und erlebt hat, steht nur in den Tönen“. Mit derlei Zitaten, die die Zuschauer begierig aufnahmen, konnte der zweite Teil des Konzerts noch zu einem spürbaren Höhepunkt reifen.

Hintergrund für diesen Auftritt von Soojin Han bildet die Kooperation zwischen dem Förderverein Kirchenmusik der ev. Immanuel-Gemeinde Königstein und der Kronberg Academy. Raimund Trenkler hatte sich mit dem Vorsitzenden des Königsteiner Fördervereins, Dr. Weber, verständigt, für insgesamt 6 Konzerte zwischen 2009 und 2014 Junge Solisten des Studiengangs der Kronberg Academy zu gewinnen und mit diesen sämtliche Solo-Werke für Violoncello und Violine aufführen zu lassen. Den Auftakt hatte im Jahre 2009 bereits Alina Ibragimova mit 2 Violin-Sonaten gemacht. Es folgte im letzten Jahr der Cellist Benedict Klöckner, der zwei Suiten für Violoncello aufführte.

Soojin Han war nun die dritte Junge Solistin der Kronberg Academy, die die Besucher in Königstein mit dem überwältigenden Klang Bachscher Musik für Solo-Violine in ihren Bann zog. Der lang anhaltende Beifall für die in London lebende Koreanerin war ein starker Beweis für die Wertschätzung ihrer Darbietung.



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