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Masters in Performance 2011 / Persönliche Eindrücke eines Musikfreundes

Mittwoch, 8. Juni 2011

Das Team der Kronberg Academy freut sich immer wieder, wenn aus den Reihen der Zuhörer und Besucher feedback an unsere Institution herangetragen wird. Ein Dialog mit unseren Zuhörern ist von großem Wert, da wir die Akzeptanz und Einschätzung unserer Zuhörer für sehr wichtig halten.

Das es sogar auch den Wunsch zu einem schriftlichen Beitrag geben kann, davon zeugt der folgende Blogbeitrag, der von einem Besucher unserer gerade zu Ende gegangenen Konzertreihe “Masters in Performance” stammt. Harald Berchtold hat fast alle Konzerte dieses Wochenendes (2.6. – 7.6. ) erlebt und er schildert im folgenden Beitrag auf eine sehr persönliche Art die Eindrücke, die er dabei sammeln konnte.

Die Masters in Performance-Konzerte der Kronberg Academy stehen seit geraumer Zeit ganz oben auf meiner persönlichen Konzert-Wunschliste. Das besondere dieser Konzertreihe ist die private Atmosphäre, gepaart mit der Intensität und räumlichen Nähe, mit der sich die Musik im Sitzungssaal des Kronberger Rathauses entfaltet – und unmittelbar auf die Zuhörer übergreift.

Nur an ganz wenigen anderen Orten wird man derart überwältigt vom Klang eines einzigen Streichinstruments und kann gleichzeitig die Individualität und Ausdruckskraft der Solisten und deren Klavierbegleitung auf sich einwirken lassen. Viele Musikliebhaber aus Kronberg und Umgebung und weitere Besucher aus fernen Ländern nutzten diese einzigartige Möglichkeit, den Fortschritt ihrer bereits aus früheren Konzerten bekannten jungen Solisten sowie deren Begleitung zu verfolgen.

Welche der Konzerte haben mir persönlich aus dem diesjährigen Konzertprogramm neue Eindrücke vermittelt? Da ist gleich zu Beginn das Eröffnungs- & Examenskonzert von Gabriel Adriano Schwabe zu nennen. Gabriel Schwabe, der mir bereits beim Cello Meisterkurs von David Geringas im Oktober 2010 mit einem besonders warmen Ton seines Cellospiels auffiel, setzte sein hochkonzentriertes Cellospiel in der Stadthalle Kronberg eindrucksvoll fort – souverän begleitet von der Pianistin Anna Naretto.

Dass die Viola ihr früheres Schattendasein als vernachlässigtes kammermusikalisches Solo-Streichinstrument überwunden hat, ist in den aktuelleren Konzertprogrammen nicht nur der Kronberg Academy zunehmend festzustellen. Wie großartig das ehemals wenig beachtete Klangspektrum einer Viola sein kann, wurde eindringlich in den Darbietungen von Yura Lee und Peijun Xu in Kronberg offenbart. Je mehr Viola Musik von Bach, Brahms, Chopin, Kodalyi und Hindemith erklang, umso unmissverständlicher wurde klar, wie tief mittlerweile der Pflock unseres heutigen Musikempfindens in Richtung pro Viola als kammermusikalisches Soloinstrument eingeschlagen wurde und die Viola nicht mehr wegzudenken ist.

Das einzige reine Solo-Konzert bei Masters in Performance 2011 gab die Geigerin Alina Ibragimova und das derart beeindruckend und fesselnd, dass ich gerne noch mehr davon gehört hätte. Egal ob bei Heinrich Ignaz Franz Biber, Luciano Berio oder Bela Bartok – die russische Seele ihrer Interpretation war für mich allgegenwärtig und in ihrer Tiefe und technischen Brillanz atemberaubend. Ebenso überwältigend erfüllten die Ravel- und Tschaikowsky-Interpretationen des Geigers Valeriy Sokolov die Zuhörer.

Die Geigerin Jehye Lee gab überraschenderweise sogar zwei Konzerte – Samstag und Sonntag (als Vertretung für die verhinderte Suyoen Kim): Und so war es ein außergewöhnliches Erlebnis, ihre Interpretation „mit leidenschaftlichem Ausdruck“ der Violinsonate von Robert Schumann Nr. 1, a-Moll, op. 105 auch noch ein zweites Mal hören zu dürfen; wobei neben ihrem strahlenden Geigenton die perfekte Harmonie mit der mit feinstem Anschlag musizierenden Pianistin Yumiko Urabe besonders auffiel. Jehye Lee verabschiedete sich mit zwei ergreifenden Paganini Capricen als Zugabe und sicherlich hat jeder der Anwesenden ihr in tiefer Dankbarkeit für ihre musikalische Darbietungen in Kronberg die besten Glück- & Erfolgswünsche für ihre Teilnahme am kommenden Tschaikowsky Wettbewerb in Moskau mit auf den Weg gegeben.

Harald Berchtold, Kronberg i.T.

Cello Klänge für Slava

Sonntag, 17. April 2011

Kurz vor dem Start: Begegnung mit einem großen Musiker

In Kronberg steigt die Vorfreude auf besondere musikalische Ereignisse am Tag der „Verabredung mit Slava“ – am 27. April.  In Erinnerung an den großen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich, von seinen Freunden Slava genannt, veranstalten wir nun zum 4. Male einen kleinen Festakt an der Büste des 2007 verstorbenen großen Künstlers. Für Raimund Trenkler und das gesamte Team der Academy ist es ein Herzenswunsch, mit diesem Tag den Geist dieses großen Künstlers und Humanisten wieder lebendig werden zu lassen.  Seine Begeisterungsfähigkeit und seine Lebensfreude waren sprichwörtlich und viele Menschen auf der Welt konnten dies bei seinen Konzerten und bei seinen zahlreichen öffentlichen Meisterkursen – nicht zuletzt in Kronberg- hautnah miterleben.

Das musikalische Rahmenprogramm für den 27. April bringt neben dem Mädchenchor “Shchedryk” aus Kiew (hierüber werden wir separat berichten) zwei anerkannte Cellisten nach Kronberg.

Da ist einmal Rostropovichs letzter Meisterschüler Ivan Monighetti zu nennen. Monighetti, Jahrgang 1948, gebürtig aus Riga/Lettland wird die gute Tradition fortsetzen, nämlich einen Satz aus einer Bachschen Cello-Suite nahe der Büste von Rostropovich zu intonieren ( in den 3 Jahren zuvor taten dies bereits David Geringas, Misha Maisky und zuletzt Natalia Gutman).

Es ist überliefert, dass Monighetti einer der Lieblingsschüler des großen Russen gewesen war. Inspiriert von dem großen Lehrer betrat Monighetti internationale Konzertsäle und begann auch intensiv Musik auf CDs einzuspielen. Hierbei wurde er mehrfach bei verschiedenen Labels weltweit mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Das Schweizer Fernsehen RTSI widmete dem Balten 1999 zwei Dokumentarfilme: “Ritratto a Monighetti” und “Monighetti: storie di famiglia”. Ivan Monighetti lebt zur Zeit in der Schweiz, wo er eine Professur für Cello an der Musik-Akademie Basel bekleidet Als engagierter Lehrer steht er in der Tradition seines Lehrers Mstislav Rostropovich. Einige seiner eigenen Meisterschüler sind international auch bereits anerkannte Künstler-Persönlichkeiten. Im abendlichen Benefizkonzert zugunsten der Rostropovich Cello Foundation werden Ivan Monighettti zusammen mit dem Pianisten Pavel Gililov zu hören sein.

Im 2. Teil dieses Konzerts wird die Kronberg Academy den jungen russischen Cellisten Alexander Buzlov präsentieren, der zusammen mit Anna Naretto am Klavier zwei Werke zur Aufführung bringen wird ( Benjamin Britten´s Sonate in C, op. 65 sowie Rostropovichs Humoreske für Violoncello und Klavier op.5). Alexander Buzlov gewann im November 2010 in Berlin beim international anerkannten Cello-Nachwuchswettbewerb „Grand Prix Emanuel Feuermann“ den Hauptpreis. Der junge Cellist ist Jahrgang 1983, geboren in Moskau und derzeit als Assistent von Natalia Gutman am Moskauer Tchaikovsky Konservatorium tätig. Natalia Gutmann war Schülerin von Rostropovich und so betrachtet, könnte man den jungen Alexander Buzlov auch als “Schüler-Enkel” ansehen.

Seit seinem bemerkenswerten Debüt in der Carnegie Hall von New York im Jahr 2005 verfolgt der junge russische Cellist eine internationale Karriere als Solist und Kammermusiker. Er konzertierte bereits mit namhaften russischen und westlichen Orchestern u.a. unter Leitung von Leonard Slatkin, Yakov Kreizberg, Valery Gergiev, Alexander Vedernikov.

Die Einnahmen dieses Konzerts werden der Förderung junger Cellisten zugute kommen, und damit dem lange verfolgten Ziele Rostropovichs dienen. Rostropovich hatte die Idee zur Gründung einer Stiftung unter der Obhut der Kronberger Academy bereits Mitte der Neunziger Jahre und wollte dem Cellisten-Nachwuchs erweiterte Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Die Rostropovich Cello Foundation existiert seit 1997 unter dem Dach der Kronberg Academy.

Keine Frage, dass wir von der Academy angesichts der Klasse der auftretenden  Cellisten und Begleitmusiker auf ein bestens besuchtes Benefiz-Konzert hoffen.  Mögen alle Zuhörer und Freunde von Rostropovich einen unvergesslichen musikalischen Ausklang in der Kronberger Stadthalle erleben, ganz im Sinne der leidenschaftlichen Begeisterung für Musik, so wie wir dies häufig mit Slava erleben konnten.

Michael Heinz

Masters in Performance – Junge Solisten begeistern Kronberger Musikfreunde

Mittwoch, 23. Juni 2010

Kronberg bot am vergangenen Wochenende Musikfreunden ein prall gefülltes Konzertrogramm mit diversen Auftritten an mehreren Spielorten. Während die Jungen Solisten des Studienganges “Kronberg Academy Masters” vom Freitagabend bis zum späten Sonntagnachmittag musizierten, trat parallel Gidon Kremer drei mal mit Musikern  der Kremerata Baltica im Opel-Zoo auf. Das Konzert stand unter dem Motto “Tierharmonisches Konzert” (hierzu folgt ein separater Beitrag).

Pünktlich um 18.00 Uhr am Freitag  dem 18. Juni begannen die “Masters in Performance”-Auftritte der Jungen Solisten im Kronberger Maler-Museum. Das Besondere der “Masters in Performance” Reihe besteht darin, dem Publikum konzentriert hochtalentierte junge Musiker zu präsentieren, für die diese Konzerte zugleich den Abschluss des Studienjahres an der Kronberg Academy bilden. Zuhörer hatten überdies die Möglichkeit, einzelne oder sämtliche Konzerte zu besuchen. Ein einmaliges Angebot somit für Musik-Interessierte in und um Kronberg. Man konnte so auf  höchstem Niveau spielende junge Kammermusiker erleben, die bereits schon in namhaften Häusern als Solisten Konzerte geben.  Die elf Musiker (Valeriy Sokolov mußte in letzter Minute absagen) repräsentierten mit Ihrer Werkauswahl ein aussergewöhnlich reichhaltiges Programm, in dem auch von einigen Solisten gezielt Kompositionen ihrer fernöstlichen Heimat einbezogen wurden.

Den Anfang mit 2 Konzerten machten Benedict Klöckner und Peijun Xu, die zugleich ihr Examens-Abschlusskonzert gab.  Peijun Xu wurde von Evgenia Rubinova begleitet während Benedict Klöckner zusammen mit Anna Naretto spielte.  Am Samstag, dem 19. Juni folgten dann 5 weitere Solisten aus dem genannten Studien-Programm der Kronberg Academy.

Dai Miyata aus Japan sorgte für den Auftakt am Samstag.  Dai spielte Werke von Beethoven, Toshiro Mayuzumi ( ein sog. Bunraku für Cello Solo) sowie von Manuel de Falla.

Soojin Han (Violine), die aus London angereist war, gab in Begeleitung ihrer Pianistin Yumiko Urabe ein eindrucksvolles Konzert mit Werken von Brahms, des koreanischen Komponisten Isang Yun (“Kontrast 1″ ) und von Camille Saint-Saens. Nicht minder hinreißend waren dann die Auftritte von Gabriel Schwabe (Cello),  Eri Sugita Viola) und der aus Berlin angereisten Geigerin Alina Ibragimova.

Der dritte Konzerttag begann am am Sonntagvormittag. Alicja Smietana und Yumiko Urabe am Klavier ließen Werke der polnischen Komponisten  Lutoslawski und Szymanowski erklingen.  Vilde Frang eröffnete die Nachmittags-Konzerte mit einem äußerst anspruchsvollen Werk für Solo Violine von Bela Bartok.Die Zuhörer quittierten ihren Auftritt  mit begeistertem Applaus.  Es folgte Andreas Brantelid (Cello) begleitet von Anna Naretto, die Werke von Beethoven, Lindgren und Robert Schumann zum Klingen brachten.

Für den krönenden Abschluss sorgte der Auftritt von Alexander Sitkovetsky, der von seiner Mutter Olga Sitkovetsky am Klavier begleitet wurde. Saschas Darbietungen enthielten Stücke von Mozart, Grieg und das Werk “Tzigane” von Maurice Ravel. Nach seiner fulminanten Zugabe des Stückes “Czardas” von Vittorio Monti war der die Begeisterung auf dem Höhepunkt. Die Zuhörer in der sehr gut besuchten Räumlichkeit klatschten emphatisch Beifall und feierten Mutter und Sohn.

Stephen Potts, Leiter des Studienprogramms “Kronberg Academy Master”, war sichtlich zufrieden mit der musikalischen Qualität und vor allem auch mit der  Resonanz bei den Zuhörern.  Ein Fortsetzung dieser Reihe im kommenden Jahr wird sich so mancher Besucher im Stillen schon jetzt gewünscht haben. Vergessen waren für Stunden die Aufregungen rund um die Fußball-WM, denn die Jungen Solisten hatten es vermocht,  die Aufmerksamkeit auf Werke der Kammermusik und fernöstliche Klangwelten zu lenken.

Die jüngste Zuhörerin war die kleine Amelie Haumer, 6 Jahre jung. Sie und Ihre Mutter hatten viel Freude an den Konzerten. Die kleine Amelie, so erfuhr ich, spielt seit ihrem 4. Lebensjahr Klavier und übt derzeit sehr fleißig den “Frühling” von Vivaldi. Mutter und Tochter schienen äußerst angetan von den Darbietungen der Jungen Solisten und so mancher Besucher war angetan von der Art und Weise, wie die junge Zuhörerin die Musik auf sich wirken ließ.

Michael Heinz