Artikel-Schlagworte: „Berlin“

Masterclass with Yuri Bashmet

Dienstag, 31. Januar 2012

Intense two days with a focus on musicality, precision and body language

Thirteen Young Soloists gathered in Kronberg for two days of intense education with a great violist and and a man who understands the full spectrum of the human body language:  mime Samy Molcho. Mr. Molcho is known for his body language expertise while Yuri Bashmet, the world-renowned viola artist, demonstrated his unique musicianship and educational prowess for the young musicians. Samy Molcho´s session delivered an important input for the Young Soloists with regard to the character and quality of their stage presence: Learning and understanding the impact of  an artist´s movements and gestures while performing on stage representing an indirect kind of communication that influences how the artist is generally perceived by the audience. Thereby having an influence on how well the performance can be supported through the right body language.

The sessions with both artists were extremely well received and the stimulation and the insights that the two men had to offer left the group highly motivated. Walking through the hall of our KAM facilities I tried to gather some personal feedback from the young musicians about the sessions with the famous Russian violist.

Said Hanna Lee, 27, violist from Korea,  studying in Kronberg since October last year,
“there was so much information over these two days, I am extremely motivated to dig deeper into  the world of music and try to be more complete as a player. Yes, it was very worthwhile”.

Yura Lee, another Korean violist, now living in Boston, confirmed this view during a break on the last day and continued having great fun with some other fellow Young Soloists.

Ella van Poucke, 17, the youngest participant of the group, found that Mr. Bashmet was extremely focused on every single note of the composition. And Pablo Ferrández, 21, another young Soloist added, “ Mr. Bashmet pays enormous attention to every detail, he has great listening capabilities and I was overwhelmed that he listens to the very last millisecond of a tone. He helps to improve one´s listening skills greatly”.

István Várdai, 27, who will finish the masters programme mid-year, was dwelling on the very personal traits of Mr. Bashmet when he said “ We get along very well with each other, and his personality is of such a kind that I can relate to very much”.

Berlin-based Gabriel Schwabe, 24, just concentrated on two skills. “What makes him unique? I asked. “It´s his very precision and also his patience” Gabriel answered.

Stephen Potts, director of “Kronberg Academy Masters” programme, attended most of the sessions and together with his team colleagues Anne Zipf and Gisela Rösing provided for all the necessary support and logistical services that needed to be organised before, during and after the sessions.

When Mr. Bashmet was ready to rush out of the studio rooms just minutes after the final session was completed I could ask hastily two questions believing these would help characterise his engagement as a teacher in Kronberg.

What is special about Kronberg and its academy, Mr. Bashmet?”, I asked him. “It´s all about the atmosphere. The academy is like a family, that´s very special!”.

“And what do you gain as a teacher from engaging in this kind of activity?” was my follow-up question. Standing already in the doorway he paused for a second then said “ When I am working with very young highly talented musicians I am feeling younger myself”.

Michael Heinz / Kronberg Academy Team

Feuermann in Amerika (1) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Vor einer Woche ging der Grand Prix Emanuel Feuerman in Berlin mit dem viel beachteten Preisträger-Konzert zu Ende. Das Erinnern an den großen Cellisten wurde auch durch die in der Philharmonie eingerichtete Feuermann-Ausstellung unterstützt. Und gewissermaßen flankierend haben wir versucht, im Rahmen einer Blogreihe einzelne Aspekte im Leben dieses großen Musikers ins Bewusstsein der heutigen Cellisten-Gemeinde zurückzurufen.

Die beiden abschließenden Beiträge gehen auf die letzten Lebensjahre des überragenden Mannes ein und beleuchten dabei insbesondere die Zeit in Amerika sowie einige seiner seine US Konzerte und Plattenproduktionen.

Wir hoffen, dass mit diesen beiden Blogbeiträgen über Emanuel Feuermann unser gerade abgeschlossenes Projekt Grand Prix Emanuel Feuermann einen wohlgerundeten Abschluss erfährt.

Unruhige Jahre – Hoffen auf ein Verbleiben in Europa

Die Jahre nach seinem erzwungenen Ausscheiden in der Hochschule für Musik in Berlin brachten eine intensive Reisezeit mit sich. In jenen Jahren konzertierte er eifrig und war auch mehrmals auf Konzertreisen in den Vereinigten Staaten unterwegs. In den Jahren 1934 und 1935 hatte Feuermann wechselnde Wohnsitze mit Schwerpunkt Schweiz. Im Oktober 1936 erhielt er schließlich eine offizielle Aufenthalts-genehmigung für das Land. Bis 1938 hatte er die Hoffnung, dass London sein permanenter Wohnsitz werden könnte.

Diverse Platten mit unterschiedlichen Ensembles und Orchestern wurde eingespielt. In England entstanden großartige Aufnahmen zusammen mit Myra Hess und Gerald Moore. Erst im Mai 1938 gelang der Durchbruch auch bei den zurückhaltenden englischen Musik-Kritikern, als er beim May-Festival mit dem BBC Symphony Orchester unter Toscanini auftrat. Nun war auch hier der Damm gebrochen, was die Anerkennung seiner großen Meisterschaft und einzigartigen Stellung als bester Cellist neben Casals anging.

Die Zeit zwischen 1933 und 1938 war von Rastlosigkeit geprägt,  Feuermann gab hunderte von Konzerten in Europa, Asien, Südamerika und absolvierte zwei Konzertreisen durch Amerika. Ferner spielte er diverse Platten bei den damals führenden Plattengesellschaften ein. Seine Energie und sein Durchhaltevermögen als Solist waren legendär. Oft gab er an einem Abend zwei Cellokonzerte sowie als Zugabe den einen oder anderen Satz aus einer Suite für Violoncello von Bach.

Die „Ein Mann Revolution“ – Feuermanns Riesen-Projekt

Sein größtes Projekt dieser Art war allerdings sein Vorhaben mit Leon Barzin, dem damaligen Leiter und Gründer des Training Orchesters der National Orchestral Association ( N.O.A) in New York. Feuermanns Wunsch war es, sämtliche 13 Konzerte für Cello und Orchester im Rahmen von nur 4 Abonnement-Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall aufzuführen (jeweils 2 Konzerte im Februar und März 1938). Nach dem ersten Konzert am 5. Februar 1938 schrieb der damalige Musik-Kritiker der New York Times euphorisch in einem Beitrag von der “One Man Revolution”. Diese Charakterisierung des Spiels von Feuermann war von nun an ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer allseits anerkannten Musikerkarriere in den Staaten.

Feuermanns Zusammenarbeit mit dem legendären Dirigenten Leon Barzin war der Schlüssel zu diesem unglaublichen Projekt. Ein größeres Orchester, wie etwa die New Yorker Philharmoniker, hätte diesen Marathon-Lauf in so kurzer Abfolge nicht leisten können. Die vier Konzerte festigten Feuermanns Standing in Amerika enorm. Nur als Vergleich: erst in den sechziger Jahren wagte sich der große russische Cellist Mstislav Rostropovich erneut an diese Aufgabe heran.

Auch privat tat sich einiges bei Emanuel Feuermann: Während des zweiten Konzerts am 19. Februar 1938 kam seine Tochter Monica zur Welt.

Eine neue Heimat
Während Feuermann immer mit dem Gedanken spielte, trotz der Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und der um sich greifenden Kriegstreiberei doch in Europa bleiben zu können, wurde diese Hoffnung begraben, als Hitler-Deutschland im März 1938  Österreich okkupierte. Nun wurde Feuermann klar, dass seine Zukunft eindeutig in Amerika lag. Zwischen April und Oktober 1938 musste der große Cellist neben seinen Konzerten und Meisterkursen alles daran setzen, seine Familie aus Europa herauszubringen. Ende November konnten er und seine Frau Eva die offiziellen Einbürgerungsdokumente im Federal Building von Manhattan persönlich abholen. Die amerikanische Presse berichtete ausführlich über diesen Vorgang und titulierte ihn entweder als deutschen oder als österreichischen Cellisten, der zuvor schon häufig in den Vereinigten Staaten aufgetreten war.

Bisher erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre

Michael Heinz

Die Jugend-Jury – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 25. November 2010

Premiere: Die Jugend-Jury

Stolz und auch ein wenig zufrieden mit Ihrer Arbeit präsentierten sich 9 junge Leute am Freitag, den 19.11. auf der Bühne des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie. Zusammen mit den Mitgliedern der Haupt-Jury und den 12 Semi-Finalisten und dem Moderator des Finaltages, Hans-Jürgen Schatz, reihten sie sich in die Aufstellung der Teilnehmer an diesem Wettbewerb ein. Die Fotografen schossen ein abschließendes „Familienbild“ und beendeten so einen ereignisreichen und spannungsgeladenen Tag. Es war der entscheidende Freitag, als die Gewinner aus der Finalrunde gerade bekannt gegeben waren und die Spannung  allmählich unter allen Beteiligten nachließ. Einige Zuschauer waren noch in der Konzerthalle und ließen die zuletzt aufregenden Minuten allmählich abklingen.

An den Tagen zuvor konnte man die jungen Leute dabei beobachten, wie Sie voller Konzentration den 12 Musikern an den beiden Tagen des Semi-Finales lauschten und eifrig Notizen machten. Eingestimmt auf Ihre Arbeit wurden Sie zuvor von Raimund Trenkler, dem künstlerischen Leiter der Kronberg Academy und zugleich Jury-Mitglied. Wie am Ende von mehreren Mitgliedern der Haupt-Jury zu hören war, war diese Premiere einer Beteiligung von jungen Musikschülern und Studenten als Jugend-Jury geglückt und so als gelungene Erweiterung des Wettbewerbs-Procedere einzustufen.

Jugend-Juroren aus Berlin und Kronberg
Die jungen Leute kamen aus 4 verschiedenen Institutionen. Drei Jugend-Jury Mitglieder (Benjamin Lai, Christoph Heesch, Elia Cohen-Weissert) wurden vom Julius Stern Institut entsandt. Zwei Mitglieder stammten vom Musik-Gymnasium Carl Philipp Emanuel Bach (Valentin Preuss, Wassily Gerassimez). Drei junge Musiker kamen vom Emanuel Feuermann Konservatorium der Kronberg Academy (Robert Gufler, Anthony Orth, Joachim Piepenburg) und ein Teilnehmer kam von der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

Thomas Demenga erklärt sein Werk EFEU
Ein vertiefendes Gespräch mit dem Schweizer Komponisten und Cello-Lehrer Thomas Demenga aus Bern war ein weiterer Meilenstein in ihrer Rolle als Juroren während des Wettbewerbs. Thomas Demenga, der auch der Haupt-Jury angehörte, gab sich sehr locker und überaus zugänglich und war offen für Fragen und Kommentare seitens der Jugend-Jury in Bezug auf sein Auftragswerk „EFEU“, das in Berlin zur Uraufführung gelangte. Demenga beschrieb seine Intentionen für dieses Werk und arbeitete die kompositorischen Elemente heraus, die in der Notation auch diverse Bezüge zur Person des Cellisten Feuermann aufwies. Die rege Beteiligung an diesem Gespräch war für Thomas Demenga sicherlich eine angenehme Erfahrung. Nach mehreren Diskussionsrunden untereinander wurde dann in geschlossenen Räumen abgestimmt..

Was Juroren so leisten müssen
Das allgemeine Echo der jungen Leute nach der Wahl aber auch schon in Gesprächen während des Wettbewerbs lautete in etwa so: Die Mitarbeit in einer Jury erfordere Engagement, Konzentration und das Bemühen, jedem Teilnehmer gerecht zu werden und schließlich auch zu erkennen, dass ein solcher Wettbewerb nichts mit Willkür oder gar Manipulation zu tun hat. Alle waren bei der Sache und fühlten sich am Ende sehr motiviert, auch in ihrem eigenen Spiel Fortschritte zu machen. Daher fiel die für Samstag geplante Stadtführung durch Berlin aus – denn alle wollten die Zeit zum Üben nutzen

Ansichten und Einblicke – einige Stimmen
Als Betreuer dieser Gruppe hatte ich Gelegenheit, am Rande des Geschehens mit einigen von Ihnen ein paar Worte zu wechseln und mich nach Ihren Eindrücken zu ihrer Rolle als Juroren zu erkundigen. Hier einige Schlaglichter. Der Sprecher der Jugend-Jury, Wassily Gerassimez, 19 Jahre jung, meinte: “ Was mich am meisten beeindruckt hat, war diese große Anzahl von Musikern. Das war mehr als inspirierend. Man fängt an, mit sich selbst im Dialog die einzelnen Facetten des Auftritts jedes einzelnen Musikers zu reflektieren. Und auf jeden Fall: So ein Wettbewerb ist alles andere als eine Manipulation“. Wassily entdeckte darüber hinaus viele Details und Kleinigkeiten vor dem Beginn eines Auftritts die ihn zuvor nie so aufgefallen waren. Johannes Przygodda, 17 Jahre, hob dies hervor: „ Diese Tage waren äußerst inspirierend, man konnte nun miterleben, wie so ein Wettbewerb tatsächlich funktioniert und abläuft, viel komplizierter und aufwendiger als man sich hatte vorstellen können. Emotionen muss man rüberbringen und man muss etwas zu sagen haben. Man braucht viel Zeit, um all das Gehörte und Erlebte zu verdauen. Wir würden sehr gerne wieder als Juroren mit dabei sein“. Valentin Preuss, 19, gab mir nach dem Preisträgerkonzert noch diesen Gedanken mit auf den Weg: „Die Interpretation eines Werkes ist für mich sehr entscheidend, letztlich bestehe die Kunst darin, die einzelnen Fragmente aus einem Stück zu einen Ganzen bei der Aufführung zusammenzufügen“. Christoph Heesch, 15, brachte es so auf den Punkt: „ Der ganze Wettbewerb treibt mich ganz persönlich an, ich möchte künftig so gut spielen können, wie all diese Musiker, die ich erlebt habe“. Benjamin Lai hob sehr auf die Ausstrahlung der einzelnen Musiker ab und meinte, dass es hier beachtliche Unterschiede zwischen den Semi-Finalisten gegeben habe sowohl in klanglicher, tonlicher als auch in motorischer Hinsicht.

Ich war begeistert und angetan von den Einsichten und Kommentaren der jungen Leute. Eine Premiere für diesen Wettbewerb und zugleich ein Experiment, das sich für alle ausgezahlt hatte.

Michael Heinz

Premiere: Die Jugend-Jury

Berliner Jahre – Grand Prix Emanuel Feuermann

Montag, 15. November 2010

Vier erfüllte Jahre für Feuermann

Feuermann-5

Emanuel Feuermann kam mit 27 Jahren nach Berlin. Bis zum Jahre 1929 hatte er etwa 1.000 Konzerte gegeben, war in etwa 300 Städten und Gemeinden in Deutschland und Europa aufgetreten. Kaum vorstellbar, da das Reisen zu jener Zeit etwas beschwerlicher war als heuzutage. Die grundlegenden technischen Fähigkeiten im Cello-Spiel, so halten es seine Biografen fest, hatte er bis um 1920 voll entwickelt. Die ersten Plattenaufnahmen entstanden zwischen 1925 und 1926, der Klang wurde als rund und technisch einwandfrei eingestuft, aber noch war Feuermann in puncto künstlerischer Ausdruckskraft noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Die Zeit kurz vor seinem Wechsel an die Spree war durch hektische Betriebsamkeit geprägt: Er wechselte zwischen zahlreichen Konzertreisen und diversen Schallplattenaufnahmen. Zum Vergleich: Pablo Casals war 39 Jahre alt, als er die ersten Platten einspielte.

Feuermannn schreibt Geschichte

In der Hauptstadt Berlin erlebte Feuermann nun eine äußerst intensive und zugleich erfüllte Zeit. In mehrfacher Hinsicht waren die Berliner Jahre von Erfolgen bei Konzertauftritten und beim Einspielen bedeutender Werke geprägt.  Die Stelle als Hochschul-Professor an der Hochschule für Musik (Vorgänger-Institution der heutigen Universität der Künste), trat er im Juni 1929 an. Sein Ansehen war nun sehr groß.

Studenten strömten danach aus allen Ecken dieser Welt zu ihm: Junge Leute kamen aus so fernen Länder wie Japan oder dem damaligen Palästina nach Berlin. In seiner Korrespondenz ließ er durchblicken, dass er Spaß an dieser Arbeit hatte obwohl das Niveau der Studenten der Cello-Klasse niedrig gewesen sei, und sein Vorgänger Hugo Becker dafür eigentlich „hinter Schloss und Riegel gehörte“. Ferner erwähnte er in seinen Briefen, dass er mit dem Ruf an die Berliner Hochschule der jüngste Professor für Musik in Deutschland wäre. Die Berliner Hochschule war zu der Zeit ein hervorragendes Lehrinstitut und mit Feuermann verpflichtete sie einen Musiker mit hohem Ansehen. Man hatte jemand,  der sich gerade anschickte, mit Solokonzerten auch international für Furore zu sorgen.

Erfolgswelle in Berlin

Schon 1932, als es in Berlin noch keine durch Nazis getrübte Kulturlandschaft gab, wurde er vom NBC Artists Service für eine umfassende Amerika-Tournee eingeplant, die sich aber schließlich zerschlug. Seine Konzert-Tätigkeit in jener Berliner Zeit war immens. Kaum konnte er sich vor Angeboten retten. Die Gagen waren sehr gut  für die damalige Zeit, obgleich die Zeiten allmählich schwierigen zu werden drohten. Man muss sich vergegenwärtigen, dass Ende der Zwanziger Jahre die Weltwirtschaftskrise in Amerika ausgebrochen war und die Folgen eines bedeutenden wirtschaftlichen Abschwungs allmählich ihre Schatten auch nach Europa warfen. Berlin trat seit Mitte der Zwanziger Jahre die Nachfolge Wiens als dem kulturellen Zentrum Europas an. Seymour Itzkoff, Verfasser einer der zwei Feuermann-Biografien, unterstreicht, wie sehr das damals in Berlin vorherrschende kulturelle Klima auch Feuermann zugute kam. Die Stadt war in den dreißiger Jahren ein Magnet für Kreative und Künstler aus den verschiedensten Ländern.

Kammermusik-Abende und Solauftritte

Zunächst begann Feuermann mit anderen Mitgliedern der Hochschule zu musizieren, dazu gehörten der junge, brillante Geiger Joseph Wolfstahl sowie der aus Hanau stammende Bratschist und Komponist Paul Hindemith. Feuermann und Hindemith, die persönlich befreundet waren, lebten im feinen Berliner Westend und waren gewissermaßen Nachbarn. Feuermann hatte zeitweise ein Apartment in der Franken-Allee, während Hindemith einige Jahre am nahe gelegenen Brixplatz wohnte. Da Wolfsthal bereits im Alter von nur 31 Jahren 1931 verstarb, sprang als Ersatz der als Wunderkind groß gewordene Szymon Goldberg ein.  Dieser war zu der Zeit bereits mit 21 Jahren Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters. Das Trio gab sich den Namen „Hindemith-Trio“ und war auch in Berlin viel auf Bühnen zu sehen  und zu hören. Feuermann begann bald darauf, auch  Solokonzerte zu geben. Seine Schwester Sophie begleitete ihn oft am Klavier, er gab ihr häufiger den Vorrang vor anderen Pianisten. Im Mai 1929 bot man ihm für 45.000 Mark ein Tecchler-Cello an. Seine ursprüngliche Verwendung des vorhandenen Geldes wollte er zunächst auf den Kauf eines Autos verwenden, aber Paul Reifenberg, der Kölner Mäzen, mit dem er sehr befreundet war, riet ihm zum Kauf des Cellos und diesen Rat befolgte Feuermann schließlich. Viele Plattenaufnahmen aus den Berliner Jahren spielte Feuermann daher auf diesem exquisiten Instrument ein ( bis zum Jahre 1932, als er, noch in Berlin lebend, vom Londoner Handelshaus William E. Hill & Sons ein Montagnana-Cello übernahm).

Radikaler politischer Umbruch

Doch dann kam mit der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 die große Wende. Mit Brief vom 8. April 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung von seiner Professur mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Noch im Oktober 1933 besuchte Feuermann im Namen des jüdischen Kulturbundes mehrere deutsche Synagogen, was ein nicht ungefährliches Unterfangen darstellte.

Das Kapitel Deutschland wurde so jäh beendet. Feuermann emigrierte, damals immer noch ledig, ebenso wie seine Trio-Kollegen Szymon Goldberg und Paul Hindemith nach London (letzterer 1938). In England führten Feuermann mit seinen beiden Berliner Kammermusik-Partnern Paul Hindemith und Goldberg diverse bedeutende Trio-Werke der Musikliteratur auf.

Weltweite Konzert-Tourneen

Feuermann ging  nach seiner Berliner Zeit auf Konzertreisen nach Nord- und Südamerika, sowie nach Asien. Kurz darauf gab es ein erneutes musikalisches Highlight. Bei der Uraufführung von Arnold Schönbergs Cellokonzert spielte er den überaus schwierigen Solopart, Dirigent war Sir Thomas Beecham. Pablo Casals war ursprünglich für diesen Part vorgesehen, hatte aber aus terminlichen Gründen abgesagt. 1935 heratete Feuermann Eva Reifenberg, Tochter des Kölner Mäzens Paul Reifenberg. Ein neues Kapitel im Leben des Emanuel Feuermann wurde eingeleitet.

Bisher erschienen in der Blogreihe zum Grand Prix Emanuel Feuermann:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Michael Heinz


Bernard Greenhouse remembers – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 4. November 2010

One of the few living cellists who can speak about personal memories of Emanuel Feuermann is the American cellist Bernard Greenhouse. He is a long time friend of Kronberg Academy and has actively participated in many chamber music projects over the years. Bernie, as his friends call him, was 22 years of age when he first encountered Emanuel Feuermann in 1938. Feuermann was then 36 years of age. Bernard Greenhouse recently recorded his memories for  the Kronberg Academy, the recording  session took place at his home in Massachusetts on Oct. 24, 2010. In anticipation of the third international Grand Prix Emanuel Feuermann that will officilally start on November 16 in Berlin we belive that Bernard Greenhouse´s remarks and reflections bring back some aspects of his personality to the current generation of cellists and music lovers.

Bernard Greenhouse:

More than 70 years have gone by since I had the great pleasure to work with Emanuel Feuermann. I was young but not so young, that I couldn´t understand his wishes as far as improving my technique on the cello. He was very definitive. In a sense his denial of anyone´s ability to reach his extreme technical prowess was one the things which made it so necessary to have some experience in working with the great cellist.

I was a much younger man looking for help in my work. I had had excellent training at the Juilliard School with Felix Salmond and I needed someone with a different approach to the instrument,  one who had a magnificent technical knowledge of the instrument – I found that in Emanuel Feuermann who could be rather sarcastic with his students and when a student did prove to have great promise, and played a passage which normally would be extremely difficult he would make light of it and play it with the greatest of ease and accuracy so the student always had this the feeling of let down because there was someone who played the Instrument better then he could – and that could be misleading
(Mr. Greenhouse laughs…).

My full admiration for this giant of the cello, a man who could do anything with the greatest of ease. It was absolutely a magnet to me. I had to learn how he did it and come as close as possible.

So I approached him and asked whether he would teach me. And he said, well, yes, I would like to help you but not on a regular basis – if you come once every 2-3 weeks for a lesson I will probably give you the time. But it turned out that that it wasn´t always that he was accessible because I was working at the time at CBS as the cellist in the orchestra there and I was constantly trying to improve my playing. One of the ways I thought of, one of the things which made me so obstinate in my approach to working with Feuermann was, that he seemed to be an easy going person and it surprised me how harsh he could be at my lessons and how much he thought about my progress as a cellist.
I sometimes in working with him I would become quite discouraged. But I had to persist if I wanted to work with him, I had to understand that he was not an easy master and demanded very much of my time. I later found out that he spoke well of my talent, I believe that he really did feel concerned with my career and my  playing because I was always invited to RCA to the recording sessions with Franz Rupp, the pianist, so I got to be part of the little circle of Emanuel Feuermann graduate students who revelled in his knowledge.

Assistant: what time period?

Bernard Greenhouse:  This was in 1938, 1939, 1940. Those were the years.

When he was teaching quite a bit in New York when I was very much devoted to working hard on the instrument, I thought it would be a wonderful thing to have a debut-recital in the town hall of New York City. I went up to Scarsdale in my beautiful sports car, a convertible!!

Assistant: What colour ?

Bernard Greenhouse: Red!! laughs……naturally!

And I parked right outside his door and he came to the door and he looked at my car and he looked at me and he said: “No lesson today, let´s go for a ride!”.

So, my lessons came rather on the irregular side but they were always done with a certain amount of integrity and help and so after my 4 years of work at Juilliard I found a different approach to playing the instrument and I settled down to really learn how to play the cello. Feuermann was the one to teach it.

Transcription:  Michael Heinz

Grand Prix Emanuel Feuermann – Die Rote Tasche

Dienstag, 17. August 2010

Spannung und Aufregung pur in Berlin – Auswahl der 12 Finalisten durch 5-köpfige Jury

Die rote Tasche durfte nicht verloren gehen. In ihr befanden sich die Unterlagen für die Jury und die von den Bewerbern eingesendeten DVDs, anhand derer entschieden werden sollte, welche zwölf Cellisten sich im November beim Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin behaupten würden. Am vergangenen Sonntag machten Mareile Zürcher und ich uns auf den Weg in die Hauptstadt, die 1. Runde des Wettbewerbs zu bestreiten (organisatorisch, versteht sich).

Schon bei Betreten des Unterrichtsraumes von Prof. Jens Peter Maintz in der Universität der Künste (UdK) stellte sich heraus, dass wir den idealen Ort gewählt hatten: Sofort fiel der Blick auf das lebensgroße Bild, auf dem Emanuel Feuermann höchstpersönlich abgebildet war, in gewohnt lässiger Pose – Cello im Arm, Zigarette im Mund (den Kritikern und aktiven Nichtrauchern sei gesagt: Die gehört einfach dazu!) und ein schelmisches Lächeln auf den Lippen.

Dank den hilfsbereiten Mitarbeitern der UdK konnten wir alles im Voraus begutachten; der Raum war technisch ausgestattet (u. a. TV-Bildschirm 50’’) und die Technik funktionierte bereits beim ersten Test einwandfrei (drei Kreuze!).

Am nächsten Morgen trafen wir die letzten Vorbereitungen. Für Verpflegung wurde gesorgt, von Obst über Schokolade bis Gummibärchen platzierten wir alles auf den Tischen der Jury. Bei der Koffeinzufuhr behalfen wir uns der vorhandenen (N)Espresso-Maschine von Prof. Maintz – somit waren beste Voraussetzungen geschaffen, dass die Konzentration auch nach dem 14. Anhören von Schumanns „5 Stücke im Volkston“ nicht absackte. Nach und nach trafen die Professoren ein, die Runde setzte sich aus Wolfgang Boettcher, Thomas Demenga, David Geringas, Jens Peter Maintz und Raimund Trenkler zusammen. Herzliche Begrüßungen untereinander und einige einweisende Worte vom Leiter der Academy, und dann wurde es ernst.

15 Minuten lang widmete sich die Jury jedem Kandidaten. Meine Aufgabe hierbei war, die jeweils richtige DVD einzulegen und von einem Stück zum nächsten zu schalten, ggf. zu spulen. Zum Glück hatte ich mir die Zeiten zuvor genau notiert, somit konnte nichts schief gehen. Da ich neben dem Bildschirm saß, hatte ich keinen Blick auf denselben und konnte mich voll und ganz auf den Ton konzentrieren (und derweil die Reaktionen der Jurymitglieder beobachten). Beim einen lauschte man dem gesamten Prélude einer Bach-Suite, beim anderen nur in Teilen, dafür waren bei jenem mehrere Variationen der Reger-Suite interessant usw. Die Professoren schienen die Tücken jedes Stückes genau zu kennen und horchten bei bestimmten Stellen besonders auf. Da wurde hier der Lebenslauf überflogen, dort Notizen aufs Papier gebracht und bei manchen wenigen minutenlang wort- und regungslos zugehört.

Als am Dienstagnachmittag die letzte der 38 DVDs abgespielt worden war, schickten die Professoren sich an eine Entscheidung zu treffen. Das Ergebnis zeigte, dass sich die fünf überraschend einig waren; auf Anhieb wurden elf Kandidaten für die 2. Runde nominiert und auch der zwölfte war nach zwei weiteren Wahlgängen schnell gefunden. (man erlaube mir diese Bemerkung am Rande, dass auch meine Kollegin Mareile und ich, sozusagen intern, mit zehn „Richtigen“ gar nicht so falsch getippt hatten.)

Der Ausklang der drei spannenden Tage in Berlin gestaltete sich gewohnt musikalisch, wie sich das für Musikbegeisterte gehört, mit einem Besuch des Young Euro Classic, einem Festival, in dessen Rahmen Jugendorchester aus ganz Europa in der Hauptstadt auftreten. Nachdem wir mit dem Fahrrad(!) zum Konzerthaus geradelt waren, lauschten wir dem „Baltic Youth Philharmonic“ unter Kristjan Järvi. Mitbegründer des Orchesters ist Thomas Hummel, der selbst einmal, als die Kronberg Academy noch in den Anfängen stand, die ersten Cello-Festivals mitbetreut hatte. Während ich mich von den Klängen Stravinskys „Sacre du Printemps“ mitreißen ließ, schossen mir verschiedenste Gedanken durch den Kopf: In drei Monaten wird in diesem prächtigen Saal das Abschlusskonzert des Grand Prix Emanuel Feuermann stattfinden. Wer wohl die drei Cellisten sein werden, die es in die Finalrunde schaffen? Und wem wohl nach der Finalrunde die Trophäe überreicht wird? Wir dürfen alle gespannt sein!

Beschwingt gönnten wir uns im Anschluss an das Konzert ein Glas Wein auf dem Gendarmenmarkt und machten uns zu später Stunde auf den Rückweg durch das nächtliche Berlin.

Anna-Maria Lange