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Masterclass mit Antje Weithaas

Donnerstag, 28. März 2013

Musik und Gespräche sorgen für besonderen Masterclass-Mix

Während zwei intensiver Masterclass-Tage hatten unsere Jungen Solisten Gelegenheit, mit einer vielseitigen, international sehr beachteten deutschen Geigerin und Pädagogin neue Impulse und Inspiration zu erhalten.

Antje Weithaas, seit einigen Jahren Professorin für Geige an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin ist nicht nur eine gefragte Lehrerin sondern auch eine überaus aktive Kammermusikerin. Letzte Woche verbrachte die gebürtige Cottbusserin zwei Tage in Kronberg, um diverse Kammermusikstücke mit den jungen Musikern zu vertiefen.

Liest man ihre Vita, so ist man mehr als beeindruckt. Auftritte als Solistin hatte sie mit vielen international sehr namhaften Künstlern und Orchestern. Hier nur ein paar Beispiele: Los Angeles Philharmonic Orchestra, San Francisco Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra oder dem Londoner BBC Symphony Orchestra. Großartige Dirigenten wie Vladimir Askenazy, Sir Neville Marriner oder Yakov Kreizberg waren dabei ihre musikalischen Partner.

Als Kammermusikerin ist sie mit Tanja und Christian Tetzlaff, Clemens Hagen, Silke Avenhaus sowie  Sharon Kam und Lars Vogt in wechselnden Formationen auf der Bühne. Zusammen mit Tabea Zimmermann, Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras hat sie im Jahre 2002 das ARCANTO-Quartett gegründet und 2004 ihren ersten Auftritt mit dieser Formation in Stuttgart erlebt. Mit ARCANTO war sie auch schon weltweit unterwegs,  so auch in der Carnegie Hall New York,  in Barcelona oder in der Tonhalle in Zürich. Teamplay ist ihre Sache. Wie schrieb die Neue Zürcher Zeitung vor einiger Zeit beeindruckt “Das Arcanto Quartett musiziert mit einer solchen Einigkeit in Ausdruck, Klangfarbe und Artikulation, wie man es selbst bei hauptamtlichen Streichquartetten selten erlebt.”

Ins Tonstudio zwecks CD-Aufnahmen verschlägt es die agile Musikerin natürlich auch von Zeit zu Zeit, zusammen mit der Pianistin Silke Avenhaus hat sie allein bereits 5 CDs eingespielt.  Mit anderen Worten, Antje Weithaas kann beim Nachdenken und Erzählen über die vielen Aspekte eines farbigen Musiker- und Pädagogenlebens aus dem Vollen schöpfen. Und humorvoll, ja locker und direkt ist sie obendrein noch.

Das konnten die Jungen Solisten speziell am zweiten Tag der Masterclass erleben, als der Direktor unseres Studiengangs, Friedemann Eichhorn, eine Diskussion mit ihr zum Thema “Wie übt man?” moderierte und mit eigenen Fragen und wissenswerten Einschüben spickte.

Die Neu-Potsdamerin verblüffte dann so einige Male die anwesenden Jungen Solisten mit Ihren Antworten zum Thema Üben. “Ich bin ehrlich, so ganz diszipliniert geht es bei mir auch nicht immer zu” meinte sie bei den Fragen zur Häufigkeit des Übens. Ihre diversen Verpflichtungen und Auftritte engen die Spielräume für reines “Üben” ein. Und die reine Technik hätte sie nun durchaus hinter sich. Üben tue sie nicht mit einer von vornherein anvisierten Häufigkeit bzw. Dauer, sondern jeweils angestossen durch gegebenem Anlass. Dies gelte für neue Stücke oder solche Kompositionen, die sie schon einige Zeit nicht mehr gespielt habe.

Sie könne sich auf ein Reservoir bekannter Stücke aus ihrer Frühzeit stützen und solche Werke spiele sie auswendig. Neue Stücke muss sie sich durch intensives Partitur-Studium erarbeiten und diese werden dann vom Blatt gespielt.

Als sie in die Runde der Musiker fragte, was sie, die Jungen Solisten, denn zum Üben motiviere, kam eine wie aus der Pistole geschossene Antwort eines anwesenden Musikers vom Kuss-Quartett: “Coffee” lautete sein Beitrag. Lachende Minen rundherum. Aber Frau Weithaas trug selbst auch immer wieder zur Leichtigkeit dieser Diskussionsrunde bei. Worum es ihr ginge beim Thema Üben war nach ihren Worten der Aspekt der Freude und der Frische im Kopf. Das Üben müsse keinesfalls Langeweile verbreiten.  Allzu schematisches Üben, gab sie zu bedenken, würde die Gefühle und Empfindungen für die Musik abtöten, und das müsse nicht sein. “Warum mehr leiden als notwendig”, fragte sie einmal in die Runde. Und an anderer Stelle meinte sie ironisch in Richtung Friedemann Eichhorn, dass sie ihr Mitwirkung bei diesem Thema nun keineswegs als Bestbesetzung sehe. Erneut Schmunzeln in der Runde.

Und dann machte sie noch die Rolle des aufmerksamen Hörens deutlich. Gleichwohl betonte sie, dass sie sich nicht zu jedem Violinstück die diversen bekannten Einspielungen anhöre. Und ein weitere Ausspruch verblüffte unsere jungen Musiker, als sie meinte, man müsse auch nicht spielen wie Heifetz, Oistrach, Menuhin oder Stern oder all die anderen bekannten großen Geigen-Virtuosen. Jeder Musiker müsse sich vielmehr selbst seinen Zugang zum betreffenden Werk über die Noten erarbeiten und an einer eigenen Interpretation feilen. Dies formulierte sie mit dem Brustton der Überzeugung. Eine wichtige Botschaft für die jungen Künstler.

Und schließlich betonte sie die Rolle des Hörens beim Spielen und Erarbeiten bestimmter Passagen einer Komposition. Alles müsse über das Hören, also über die Ohren gesteuert werden und nicht über die Arbeit der Finger. Ob es hier Geheimnisse gebe, wurde sie gefragt. “Keine Geheimnisse”, so ihre Antwort, außer, und da kam wieder die Frische im Kopf zu Geltung, “your brain needs to be fresh”. Die Diskussionsrunde wurde in englischer Sprache durchgeführt und auch dabei war Antje Weithaas sehr geschmeidig und virtuos.

Nach eineinhab Stunden eines angeregten Frage-und Antwort Dialogs, der nicht nur die Themamtik “Üben” umfasst hatte, wurde der letzte Break des Tages eingeläutet. Eine erbauliche und informative Abwechslung mit einer frisch und sympathisch auftretenden Künstlerin und Pädagogin. So werden sicherlich viele Junge Solisten diesen Nachmittag im Studio 2 in Erinnerung behalten.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Mit Musik – Miteinander / Kammermusik-Workshop als Motivationsschub (2)

Donnerstag, 19. April 2012

Im vorangegangenen Blogbeitrag wurde bereits unser morgen beginnendes Projekt skizziert und die Werke im Überblick vorgestellt. Dieser Beitrag wirft nun ein Licht auf die musizierenden Teilnehmer, nämlich die jungen Dozenten und die neun jungen Musiker, die Erfahrungen im Bereich der Kammermusik sammeln möchten.

Die jungen Musiker

An der Violine werden wir Gregor Hänssler, Eszter Kruchió, Luise Schulte und Dorothea Schupelius erleben. Gregor Hänssler, aus Schopfheim, wurde 1996 geboren und ist sowohl Preisträger des 1. Preises in der Solo und Duo Wertung bei „Jugend musiziert“ als auch 1. Preisträger im Quartett beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb. Eszter Kruchió ist 1993 in Budapest geboren, in Wien aufgewachsen und studiert seit 2011 Violine an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg bei Prof. Tanja Becker-Bender. Sie nahm bereits 2009 bei Mit Musik- Miteinander teil und errang mehrfach Preise bei „Prima la Musica“. Luise Schulte ist 1995 in Frankfurt geboren, ist bereits seit 2009 Mitglied des Landesjugendsinfonieorchester (LJSO) Hessen und seit 2011 Schülerin in der Klasse Yvonne Smeulers am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt. Komplettiert wird der Violinensatz durch die 1996 geborene Dorothea Schupelius aus Berlin. Sie ist Stipendiatin des Deutschen Musikinstrumentenfonds, Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe, wie „Jugend musiziert“ oder dem Klassikwettbewerb Berlin und hat bereits zahlreiche Soloauftritte im In- und Ausland bestritten.

Das unser Projekt Mit Musik – Miteinander zunehmend internationaler wird, zeigt sich diesmal im Bratschensatz. Sara Ferrández ist eine junge talentierte Bratschistin aus Madrid und bereichert die Zusammensetzung der Teilnehmer mit südlichem Flair. 2010 gewann die 1995 geborene Spanierin den dritten Preis beim Internationalen Viola-Cello Wettbewerb Llanes. Sara Ferrández studiert seit 2008 bei Prof. Diemut Poppen und Jonathan Brown an der Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid. Sie besuchte bereits Meisterkurse bei Jesse Levine, Thomas Riebl und Kim Kashkashian. Neben Sara Ferrández wird Kevin Treiber nach Kronberg kommen. Er wurde 1992 in Taiwan geboren und ist in Frankfurt aufgewachsen. Kevin Treiber ist Preisträger bei „Jugend musiziert“, wird unterrichtet von Máté Szücs, dem Solobratschisten der Berliner Philharmoniker und studiert an der Hochschule für Musik Würzburg bei Prof. Nimrod Guez.

Die Cellisten sind Nina Horn, Jacob Schwarz und Simon Tetzlaff. Die beiden zuletzt genannten jungen Musiker wurden 1996 und 1997 geboren und sind in Hessen groß geworden. Jacob Schwarz aus Oberursel ist Solocellist des Landesjugendsinfonieorchester Hessen und ist Preisträger bei „Jugend Musiziert“, unter anderem gewann er gemeinsam mit dem aus Bad Homburg stammenden Teilnehmer Simon Tetzlaff in der Wertung Cello-Duo den 1. Bundespreis. Simon Tetzlaff ist bereits zum zweiten Mal bei Mit Musik – Miteinander dabei, er erhielt im Alter von 6 Jahren seinen ersten Klavier und mit 9 Jahren seinen ersten Cellounterricht. Zur Zeit wird er von Prof. Susanne Müller-Hornbach unterrichtet. Ina Horn ist die dritte im Bunde der Cellisten. Sie kommt aus Roth bei Nürnberg und erhielt bereits im Alter von 5 Jahren ihren ersten Cellounterricht. Sie gewann 2009 einen ersten Bundespreis bei „Jugend musiziert“ im Duo Cello-Klavier und ist Mitglied des Bundesjugendorchesters.

Die Dozenten

Im ersten Durchgang von MMM in diesem Jahr sind die Dozenten Guy Ben-Ziony (Viola), Alexander Sitkovetsky (Violine) und István Várdai (Violoncello). Guy Ben-Ziony wurde in Israel geboren, studierte in Israel bei Prof. Chaim Taub, in Frankfurt bei Prof. Tabea Zimmermann und ferner in Leipzig bei Prof. Tatjana Masurenko. Seit 2006 hat er selbst eine Professur für Viola an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig übernommen. Guy Ben-Ziony ist kein Unbekannter in Kronberg, denn im Jahre 2000 war er bereits „Junior“ bei Chamber Music Connects the World.

Der Violinist Alexander Sitkovetsky wurde 1983 geboren. Im Alter von acht Jahren wurde er von Yehudi Menuhin an dessen Schule nach England geholt, wo er zunächst von Natasha Boyarsky, zuletzt von Pavel Vernikov unterrichtet wurde. Alexander Sitkovetsky ist Alumnus des Studiengangs Kronberg Academy Masters, seine Lehrerin war Ana Chumachenco. Im Jahr 2010 war er ebenfalls  Junior bei Chamber Music Connects the World.

István Várdai ist der Cellist unseres Workshops, er wurde 1985 geboren und stammt aus einer ungarischen Musikerfamilie. Er wurde im Alter von 12 Jahren bei Prof. László Mezö an der Franz Liszt Musikakademie Budapest aufgenommen. Von 2010 an studierte er bei Prof. Reinhard Latzko an der Wiener Musik-Akademie. Seit 2010 wird István Várdai als Junger Solist der Kronberg Academy von Frans Helmerson unterrichtet. 2008 war er Sieger beim 63. Internationalen Concours de Genève und 2010 nahm auch István Várdai als Junior an Chamber Music Connects the World teil.

Ab Freitag, den 20. April heißt es wieder: Vorhang auf für ein spannendes musikalisches Wochenende in Kronberg!

Paul T. Haas / Kronberg Academy


Audition Weekend in Frankfurt

Freitag, 24. Februar 2012

Two crucial days for more than 30 young musicians


Over the last weekend we welcomed over 30 young musicians from 10 countries. The reason was that we were conducting auditions for our project “Chamber Music Connects the World” which we carry out every two years. The auditions took place in one of the larger concert rooms at Frankfurt´s conservatory (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst). We were lucky to have Mr. Gidon Kremer, world-renowned violinist, amongst the jurors.

Gidon Kremer is a frequent participant in our various educational projects and he enjoys engaging regularly in this ambitious project. Altogether there were 4 jurors that represented our decision-making body.

Preparations for these two days had already started early in 2011. Over Christmas and the first weeks in January and February our team worked very hard to make everything happen.

One last-minute big hurdle, though, could have destroyed all our organisational work. A major strike of the Frankfurt-based air traffic control personnel happened exactly around the time of the auditions.  Fortunately enough, only one young musician was affected and arrived one day later than originally planned.

The big challenge for those who were invited to take part in the audition was the short time span of only 10 minutes where every player had to engage musically as the fourth player of a string quartet (represented by the Kuss-Quartett) and play one movement from two different compositions. Especially tough was that our young players had no chance to rehearse with the chamber musicians beforehand. Only their own preparations of the two works provided the basis for interaction with the other quartet members.

Many busy helpers provided for food and drinks and a little booth next to the audition room functioned as a tiny organisation office.

Then on Friday, February 17, 9:30 in the morning the first day of audition would kick-off.

Our intern, Evgenia Mukha was heavily involved in all the necessary prep work and she assisted Oda Cramer von Laue, who was following the auditions in the main room. Mareile Zürcher took over the job of  unobtrusively letting in new musicians while other candidates were escorted on their way out.

The first group of players were the violinists. They kept coming in until noon. Then there was a first break for about 3 hours in order for the cellists to kick-off their sessions at 4.30 pm. Shortly before that point of time I arrived in the lobby to witness a very busy scene. Many young musicians were gathering, some sitting in front of a laptop, some engaging in discussions or taking a snack or waiting with their instrument cases in front of the lift. Now and then young students from the conservatory popped-up and checked what was going on.

The cellists were finishing their parts at around 7 pm. And the young players waited with anticipation to receive the results directly from Raimund Trenkler, artistic director of the Academy and member of the jury.

After the cellists had finished a few of  the violinists were called to engage in the last round of play-offs. Throughout the afternoon  the lobby room of Frankfurt´s conservatory was filled with waiting young musicians. During one of the last breaks I took the opportunity and spoke with one of the members of the Kuss-Quartett who have been partnering with our team for the audition work over many years. Jana Kuss and Oliver Wille gave me some background on how the quartet was founded in Berlin and how it had evolved ever since. In  any case, this ensemble has a great reputation and is one of the best in Germany. I asked Jana Kuss, violinist, what was it like to play these pieces a dozen times, and how the young aspirants performed: “Well”, she said, “everyone is different, and they all have their own special way of trying to get inside the sound of the other three players, timing is essential. It is a great experience for us to be part of this activity, however, it requires energy and concentration to play for such a long day”.

Friday was a very long day for all who actively participated. The sessions went on until 8 pm. By that time the majority of young players have had their turn. On the next day, Saturday Febr.18, the remaining group of viola players would jump onto the stage and do their best in front of the jurors, hoping to belong to those who would later be invited to the project in June. We are quite certain that on this weekend, charged with emotions, strong motivation and many expectations, young musicians delivered some great performances, learned some important lessons and gained new insights through this experience.

Michael Heinz / Kronberg  Academy

Masterclass with Yuri Bashmet

Dienstag, 31. Januar 2012

Intense two days with a focus on musicality, precision and body language

Thirteen Young Soloists gathered in Kronberg for two days of intense education with a great violist and and a man who understands the full spectrum of the human body language:  mime Samy Molcho. Mr. Molcho is known for his body language expertise while Yuri Bashmet, the world-renowned viola artist, demonstrated his unique musicianship and educational prowess for the young musicians. Samy Molcho´s session delivered an important input for the Young Soloists with regard to the character and quality of their stage presence: Learning and understanding the impact of  an artist´s movements and gestures while performing on stage representing an indirect kind of communication that influences how the artist is generally perceived by the audience. Thereby having an influence on how well the performance can be supported through the right body language.

The sessions with both artists were extremely well received and the stimulation and the insights that the two men had to offer left the group highly motivated. Walking through the hall of our KAM facilities I tried to gather some personal feedback from the young musicians about the sessions with the famous Russian violist.

Said Hanna Lee, 27, violist from Korea,  studying in Kronberg since October last year,
“there was so much information over these two days, I am extremely motivated to dig deeper into  the world of music and try to be more complete as a player. Yes, it was very worthwhile”.

Yura Lee, another Korean violist, now living in Boston, confirmed this view during a break on the last day and continued having great fun with some other fellow Young Soloists.

Ella van Poucke, 17, the youngest participant of the group, found that Mr. Bashmet was extremely focused on every single note of the composition. And Pablo Ferrández, 21, another young Soloist added, “ Mr. Bashmet pays enormous attention to every detail, he has great listening capabilities and I was overwhelmed that he listens to the very last millisecond of a tone. He helps to improve one´s listening skills greatly”.

István Várdai, 27, who will finish the masters programme mid-year, was dwelling on the very personal traits of Mr. Bashmet when he said “ We get along very well with each other, and his personality is of such a kind that I can relate to very much”.

Berlin-based Gabriel Schwabe, 24, just concentrated on two skills. “What makes him unique? I asked. “It´s his very precision and also his patience” Gabriel answered.

Stephen Potts, director of “Kronberg Academy Masters” programme, attended most of the sessions and together with his team colleagues Anne Zipf and Gisela Rösing provided for all the necessary support and logistical services that needed to be organised before, during and after the sessions.

When Mr. Bashmet was ready to rush out of the studio rooms just minutes after the final session was completed I could ask hastily two questions believing these would help characterise his engagement as a teacher in Kronberg.

What is special about Kronberg and its academy, Mr. Bashmet?”, I asked him. “It´s all about the atmosphere. The academy is like a family, that´s very special!”.

“And what do you gain as a teacher from engaging in this kind of activity?” was my follow-up question. Standing already in the doorway he paused for a second then said “ When I am working with very young highly talented musicians I am feeling younger myself”.

Michael Heinz / Kronberg Academy Team

Feuermann in Amerika (1) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Vor einer Woche ging der Grand Prix Emanuel Feuerman in Berlin mit dem viel beachteten Preisträger-Konzert zu Ende. Das Erinnern an den großen Cellisten wurde auch durch die in der Philharmonie eingerichtete Feuermann-Ausstellung unterstützt. Und gewissermaßen flankierend haben wir versucht, im Rahmen einer Blogreihe einzelne Aspekte im Leben dieses großen Musikers ins Bewusstsein der heutigen Cellisten-Gemeinde zurückzurufen.

Die beiden abschließenden Beiträge gehen auf die letzten Lebensjahre des überragenden Mannes ein und beleuchten dabei insbesondere die Zeit in Amerika sowie einige seiner seine US Konzerte und Plattenproduktionen.

Wir hoffen, dass mit diesen beiden Blogbeiträgen über Emanuel Feuermann unser gerade abgeschlossenes Projekt Grand Prix Emanuel Feuermann einen wohlgerundeten Abschluss erfährt.

Unruhige Jahre – Hoffen auf ein Verbleiben in Europa

Die Jahre nach seinem erzwungenen Ausscheiden in der Hochschule für Musik in Berlin brachten eine intensive Reisezeit mit sich. In jenen Jahren konzertierte er eifrig und war auch mehrmals auf Konzertreisen in den Vereinigten Staaten unterwegs. In den Jahren 1934 und 1935 hatte Feuermann wechselnde Wohnsitze mit Schwerpunkt Schweiz. Im Oktober 1936 erhielt er schließlich eine offizielle Aufenthalts-genehmigung für das Land. Bis 1938 hatte er die Hoffnung, dass London sein permanenter Wohnsitz werden könnte.

Diverse Platten mit unterschiedlichen Ensembles und Orchestern wurde eingespielt. In England entstanden großartige Aufnahmen zusammen mit Myra Hess und Gerald Moore. Erst im Mai 1938 gelang der Durchbruch auch bei den zurückhaltenden englischen Musik-Kritikern, als er beim May-Festival mit dem BBC Symphony Orchester unter Toscanini auftrat. Nun war auch hier der Damm gebrochen, was die Anerkennung seiner großen Meisterschaft und einzigartigen Stellung als bester Cellist neben Casals anging.

Die Zeit zwischen 1933 und 1938 war von Rastlosigkeit geprägt,  Feuermann gab hunderte von Konzerten in Europa, Asien, Südamerika und absolvierte zwei Konzertreisen durch Amerika. Ferner spielte er diverse Platten bei den damals führenden Plattengesellschaften ein. Seine Energie und sein Durchhaltevermögen als Solist waren legendär. Oft gab er an einem Abend zwei Cellokonzerte sowie als Zugabe den einen oder anderen Satz aus einer Suite für Violoncello von Bach.

Die „Ein Mann Revolution“ – Feuermanns Riesen-Projekt

Sein größtes Projekt dieser Art war allerdings sein Vorhaben mit Leon Barzin, dem damaligen Leiter und Gründer des Training Orchesters der National Orchestral Association ( N.O.A) in New York. Feuermanns Wunsch war es, sämtliche 13 Konzerte für Cello und Orchester im Rahmen von nur 4 Abonnement-Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall aufzuführen (jeweils 2 Konzerte im Februar und März 1938). Nach dem ersten Konzert am 5. Februar 1938 schrieb der damalige Musik-Kritiker der New York Times euphorisch in einem Beitrag von der “One Man Revolution”. Diese Charakterisierung des Spiels von Feuermann war von nun an ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer allseits anerkannten Musikerkarriere in den Staaten.

Feuermanns Zusammenarbeit mit dem legendären Dirigenten Leon Barzin war der Schlüssel zu diesem unglaublichen Projekt. Ein größeres Orchester, wie etwa die New Yorker Philharmoniker, hätte diesen Marathon-Lauf in so kurzer Abfolge nicht leisten können. Die vier Konzerte festigten Feuermanns Standing in Amerika enorm. Nur als Vergleich: erst in den sechziger Jahren wagte sich der große russische Cellist Mstislav Rostropovich erneut an diese Aufgabe heran.

Auch privat tat sich einiges bei Emanuel Feuermann: Während des zweiten Konzerts am 19. Februar 1938 kam seine Tochter Monica zur Welt.

Eine neue Heimat
Während Feuermann immer mit dem Gedanken spielte, trotz der Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und der um sich greifenden Kriegstreiberei doch in Europa bleiben zu können, wurde diese Hoffnung begraben, als Hitler-Deutschland im März 1938  Österreich okkupierte. Nun wurde Feuermann klar, dass seine Zukunft eindeutig in Amerika lag. Zwischen April und Oktober 1938 musste der große Cellist neben seinen Konzerten und Meisterkursen alles daran setzen, seine Familie aus Europa herauszubringen. Ende November konnten er und seine Frau Eva die offiziellen Einbürgerungsdokumente im Federal Building von Manhattan persönlich abholen. Die amerikanische Presse berichtete ausführlich über diesen Vorgang und titulierte ihn entweder als deutschen oder als österreichischen Cellisten, der zuvor schon häufig in den Vereinigten Staaten aufgetreten war.

Bisher erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre

Michael Heinz

Die Jugend-Jury – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 25. November 2010

Premiere: Die Jugend-Jury

Stolz und auch ein wenig zufrieden mit Ihrer Arbeit präsentierten sich 9 junge Leute am Freitag, den 19.11. auf der Bühne des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie. Zusammen mit den Mitgliedern der Haupt-Jury und den 12 Semi-Finalisten und dem Moderator des Finaltages, Hans-Jürgen Schatz, reihten sie sich in die Aufstellung der Teilnehmer an diesem Wettbewerb ein. Die Fotografen schossen ein abschließendes „Familienbild“ und beendeten so einen ereignisreichen und spannungsgeladenen Tag. Es war der entscheidende Freitag, als die Gewinner aus der Finalrunde gerade bekannt gegeben waren und die Spannung  allmählich unter allen Beteiligten nachließ. Einige Zuschauer waren noch in der Konzerthalle und ließen die zuletzt aufregenden Minuten allmählich abklingen.

An den Tagen zuvor konnte man die jungen Leute dabei beobachten, wie Sie voller Konzentration den 12 Musikern an den beiden Tagen des Semi-Finales lauschten und eifrig Notizen machten. Eingestimmt auf Ihre Arbeit wurden Sie zuvor von Raimund Trenkler, dem künstlerischen Leiter der Kronberg Academy und zugleich Jury-Mitglied. Wie am Ende von mehreren Mitgliedern der Haupt-Jury zu hören war, war diese Premiere einer Beteiligung von jungen Musikschülern und Studenten als Jugend-Jury geglückt und so als gelungene Erweiterung des Wettbewerbs-Procedere einzustufen.

Jugend-Juroren aus Berlin und Kronberg
Die jungen Leute kamen aus 4 verschiedenen Institutionen. Drei Jugend-Jury Mitglieder (Benjamin Lai, Christoph Heesch, Elia Cohen-Weissert) wurden vom Julius Stern Institut entsandt. Zwei Mitglieder stammten vom Musik-Gymnasium Carl Philipp Emanuel Bach (Valentin Preuss, Wassily Gerassimez). Drei junge Musiker kamen vom Emanuel Feuermann Konservatorium der Kronberg Academy (Robert Gufler, Anthony Orth, Joachim Piepenburg) und ein Teilnehmer kam von der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

Thomas Demenga erklärt sein Werk EFEU
Ein vertiefendes Gespräch mit dem Schweizer Komponisten und Cello-Lehrer Thomas Demenga aus Bern war ein weiterer Meilenstein in ihrer Rolle als Juroren während des Wettbewerbs. Thomas Demenga, der auch der Haupt-Jury angehörte, gab sich sehr locker und überaus zugänglich und war offen für Fragen und Kommentare seitens der Jugend-Jury in Bezug auf sein Auftragswerk „EFEU“, das in Berlin zur Uraufführung gelangte. Demenga beschrieb seine Intentionen für dieses Werk und arbeitete die kompositorischen Elemente heraus, die in der Notation auch diverse Bezüge zur Person des Cellisten Feuermann aufwies. Die rege Beteiligung an diesem Gespräch war für Thomas Demenga sicherlich eine angenehme Erfahrung. Nach mehreren Diskussionsrunden untereinander wurde dann in geschlossenen Räumen abgestimmt..

Was Juroren so leisten müssen
Das allgemeine Echo der jungen Leute nach der Wahl aber auch schon in Gesprächen während des Wettbewerbs lautete in etwa so: Die Mitarbeit in einer Jury erfordere Engagement, Konzentration und das Bemühen, jedem Teilnehmer gerecht zu werden und schließlich auch zu erkennen, dass ein solcher Wettbewerb nichts mit Willkür oder gar Manipulation zu tun hat. Alle waren bei der Sache und fühlten sich am Ende sehr motiviert, auch in ihrem eigenen Spiel Fortschritte zu machen. Daher fiel die für Samstag geplante Stadtführung durch Berlin aus – denn alle wollten die Zeit zum Üben nutzen

Ansichten und Einblicke – einige Stimmen
Als Betreuer dieser Gruppe hatte ich Gelegenheit, am Rande des Geschehens mit einigen von Ihnen ein paar Worte zu wechseln und mich nach Ihren Eindrücken zu ihrer Rolle als Juroren zu erkundigen. Hier einige Schlaglichter. Der Sprecher der Jugend-Jury, Wassily Gerassimez, 19 Jahre jung, meinte: “ Was mich am meisten beeindruckt hat, war diese große Anzahl von Musikern. Das war mehr als inspirierend. Man fängt an, mit sich selbst im Dialog die einzelnen Facetten des Auftritts jedes einzelnen Musikers zu reflektieren. Und auf jeden Fall: So ein Wettbewerb ist alles andere als eine Manipulation“. Wassily entdeckte darüber hinaus viele Details und Kleinigkeiten vor dem Beginn eines Auftritts die ihn zuvor nie so aufgefallen waren. Johannes Przygodda, 17 Jahre, hob dies hervor: „ Diese Tage waren äußerst inspirierend, man konnte nun miterleben, wie so ein Wettbewerb tatsächlich funktioniert und abläuft, viel komplizierter und aufwendiger als man sich hatte vorstellen können. Emotionen muss man rüberbringen und man muss etwas zu sagen haben. Man braucht viel Zeit, um all das Gehörte und Erlebte zu verdauen. Wir würden sehr gerne wieder als Juroren mit dabei sein“. Valentin Preuss, 19, gab mir nach dem Preisträgerkonzert noch diesen Gedanken mit auf den Weg: „Die Interpretation eines Werkes ist für mich sehr entscheidend, letztlich bestehe die Kunst darin, die einzelnen Fragmente aus einem Stück zu einen Ganzen bei der Aufführung zusammenzufügen“. Christoph Heesch, 15, brachte es so auf den Punkt: „ Der ganze Wettbewerb treibt mich ganz persönlich an, ich möchte künftig so gut spielen können, wie all diese Musiker, die ich erlebt habe“. Benjamin Lai hob sehr auf die Ausstrahlung der einzelnen Musiker ab und meinte, dass es hier beachtliche Unterschiede zwischen den Semi-Finalisten gegeben habe sowohl in klanglicher, tonlicher als auch in motorischer Hinsicht.

Ich war begeistert und angetan von den Einsichten und Kommentaren der jungen Leute. Eine Premiere für diesen Wettbewerb und zugleich ein Experiment, das sich für alle ausgezahlt hatte.

Michael Heinz

Premiere: Die Jugend-Jury

Berliner Jahre – Grand Prix Emanuel Feuermann

Montag, 15. November 2010

Vier erfüllte Jahre für Feuermann

Feuermann-5

Emanuel Feuermann kam mit 27 Jahren nach Berlin. Bis zum Jahre 1929 hatte er etwa 1.000 Konzerte gegeben, war in etwa 300 Städten und Gemeinden in Deutschland und Europa aufgetreten. Kaum vorstellbar, da das Reisen zu jener Zeit etwas beschwerlicher war als heuzutage. Die grundlegenden technischen Fähigkeiten im Cello-Spiel, so halten es seine Biografen fest, hatte er bis um 1920 voll entwickelt. Die ersten Plattenaufnahmen entstanden zwischen 1925 und 1926, der Klang wurde als rund und technisch einwandfrei eingestuft, aber noch war Feuermann in puncto künstlerischer Ausdruckskraft noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Die Zeit kurz vor seinem Wechsel an die Spree war durch hektische Betriebsamkeit geprägt: Er wechselte zwischen zahlreichen Konzertreisen und diversen Schallplattenaufnahmen. Zum Vergleich: Pablo Casals war 39 Jahre alt, als er die ersten Platten einspielte.

Feuermannn schreibt Geschichte

In der Hauptstadt Berlin erlebte Feuermann nun eine äußerst intensive und zugleich erfüllte Zeit. In mehrfacher Hinsicht waren die Berliner Jahre von Erfolgen bei Konzertauftritten und beim Einspielen bedeutender Werke geprägt.  Die Stelle als Hochschul-Professor an der Hochschule für Musik (Vorgänger-Institution der heutigen Universität der Künste), trat er im Juni 1929 an. Sein Ansehen war nun sehr groß.

Studenten strömten danach aus allen Ecken dieser Welt zu ihm: Junge Leute kamen aus so fernen Länder wie Japan oder dem damaligen Palästina nach Berlin. In seiner Korrespondenz ließ er durchblicken, dass er Spaß an dieser Arbeit hatte obwohl das Niveau der Studenten der Cello-Klasse niedrig gewesen sei, und sein Vorgänger Hugo Becker dafür eigentlich „hinter Schloss und Riegel gehörte“. Ferner erwähnte er in seinen Briefen, dass er mit dem Ruf an die Berliner Hochschule der jüngste Professor für Musik in Deutschland wäre. Die Berliner Hochschule war zu der Zeit ein hervorragendes Lehrinstitut und mit Feuermann verpflichtete sie einen Musiker mit hohem Ansehen. Man hatte jemand,  der sich gerade anschickte, mit Solokonzerten auch international für Furore zu sorgen.

Erfolgswelle in Berlin

Schon 1932, als es in Berlin noch keine durch Nazis getrübte Kulturlandschaft gab, wurde er vom NBC Artists Service für eine umfassende Amerika-Tournee eingeplant, die sich aber schließlich zerschlug. Seine Konzert-Tätigkeit in jener Berliner Zeit war immens. Kaum konnte er sich vor Angeboten retten. Die Gagen waren sehr gut  für die damalige Zeit, obgleich die Zeiten allmählich schwierigen zu werden drohten. Man muss sich vergegenwärtigen, dass Ende der Zwanziger Jahre die Weltwirtschaftskrise in Amerika ausgebrochen war und die Folgen eines bedeutenden wirtschaftlichen Abschwungs allmählich ihre Schatten auch nach Europa warfen. Berlin trat seit Mitte der Zwanziger Jahre die Nachfolge Wiens als dem kulturellen Zentrum Europas an. Seymour Itzkoff, Verfasser einer der zwei Feuermann-Biografien, unterstreicht, wie sehr das damals in Berlin vorherrschende kulturelle Klima auch Feuermann zugute kam. Die Stadt war in den dreißiger Jahren ein Magnet für Kreative und Künstler aus den verschiedensten Ländern.

Kammermusik-Abende und Solauftritte

Zunächst begann Feuermann mit anderen Mitgliedern der Hochschule zu musizieren, dazu gehörten der junge, brillante Geiger Joseph Wolfstahl sowie der aus Hanau stammende Bratschist und Komponist Paul Hindemith. Feuermann und Hindemith, die persönlich befreundet waren, lebten im feinen Berliner Westend und waren gewissermaßen Nachbarn. Feuermann hatte zeitweise ein Apartment in der Franken-Allee, während Hindemith einige Jahre am nahe gelegenen Brixplatz wohnte. Da Wolfsthal bereits im Alter von nur 31 Jahren 1931 verstarb, sprang als Ersatz der als Wunderkind groß gewordene Szymon Goldberg ein.  Dieser war zu der Zeit bereits mit 21 Jahren Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters. Das Trio gab sich den Namen „Hindemith-Trio“ und war auch in Berlin viel auf Bühnen zu sehen  und zu hören. Feuermann begann bald darauf, auch  Solokonzerte zu geben. Seine Schwester Sophie begleitete ihn oft am Klavier, er gab ihr häufiger den Vorrang vor anderen Pianisten. Im Mai 1929 bot man ihm für 45.000 Mark ein Tecchler-Cello an. Seine ursprüngliche Verwendung des vorhandenen Geldes wollte er zunächst auf den Kauf eines Autos verwenden, aber Paul Reifenberg, der Kölner Mäzen, mit dem er sehr befreundet war, riet ihm zum Kauf des Cellos und diesen Rat befolgte Feuermann schließlich. Viele Plattenaufnahmen aus den Berliner Jahren spielte Feuermann daher auf diesem exquisiten Instrument ein ( bis zum Jahre 1932, als er, noch in Berlin lebend, vom Londoner Handelshaus William E. Hill & Sons ein Montagnana-Cello übernahm).

Radikaler politischer Umbruch

Doch dann kam mit der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 die große Wende. Mit Brief vom 8. April 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung von seiner Professur mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Noch im Oktober 1933 besuchte Feuermann im Namen des jüdischen Kulturbundes mehrere deutsche Synagogen, was ein nicht ungefährliches Unterfangen darstellte.

Das Kapitel Deutschland wurde so jäh beendet. Feuermann emigrierte, damals immer noch ledig, ebenso wie seine Trio-Kollegen Szymon Goldberg und Paul Hindemith nach London (letzterer 1938). In England führten Feuermann mit seinen beiden Berliner Kammermusik-Partnern Paul Hindemith und Goldberg diverse bedeutende Trio-Werke der Musikliteratur auf.

Weltweite Konzert-Tourneen

Feuermann ging  nach seiner Berliner Zeit auf Konzertreisen nach Nord- und Südamerika, sowie nach Asien. Kurz darauf gab es ein erneutes musikalisches Highlight. Bei der Uraufführung von Arnold Schönbergs Cellokonzert spielte er den überaus schwierigen Solopart, Dirigent war Sir Thomas Beecham. Pablo Casals war ursprünglich für diesen Part vorgesehen, hatte aber aus terminlichen Gründen abgesagt. 1935 heratete Feuermann Eva Reifenberg, Tochter des Kölner Mäzens Paul Reifenberg. Ein neues Kapitel im Leben des Emanuel Feuermann wurde eingeleitet.

Bisher erschienen in der Blogreihe zum Grand Prix Emanuel Feuermann:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Michael Heinz


Bernard Greenhouse remembers – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 4. November 2010

One of the few living cellists who can speak about personal memories of Emanuel Feuermann is the American cellist Bernard Greenhouse. He is a long time friend of Kronberg Academy and has actively participated in many chamber music projects over the years. Bernie, as his friends call him, was 22 years of age when he first encountered Emanuel Feuermann in 1938. Feuermann was then 36 years of age. Bernard Greenhouse recently recorded his memories for  the Kronberg Academy, the recording  session took place at his home in Massachusetts on Oct. 24, 2010. In anticipation of the third international Grand Prix Emanuel Feuermann that will officilally start on November 16 in Berlin we belive that Bernard Greenhouse´s remarks and reflections bring back some aspects of his personality to the current generation of cellists and music lovers.

Bernard Greenhouse:

More than 70 years have gone by since I had the great pleasure to work with Emanuel Feuermann. I was young but not so young, that I couldn´t understand his wishes as far as improving my technique on the cello. He was very definitive. In a sense his denial of anyone´s ability to reach his extreme technical prowess was one the things which made it so necessary to have some experience in working with the great cellist.

I was a much younger man looking for help in my work. I had had excellent training at the Juilliard School with Felix Salmond and I needed someone with a different approach to the instrument,  one who had a magnificent technical knowledge of the instrument – I found that in Emanuel Feuermann who could be rather sarcastic with his students and when a student did prove to have great promise, and played a passage which normally would be extremely difficult he would make light of it and play it with the greatest of ease and accuracy so the student always had this the feeling of let down because there was someone who played the Instrument better then he could – and that could be misleading
(Mr. Greenhouse laughs…).

My full admiration for this giant of the cello, a man who could do anything with the greatest of ease. It was absolutely a magnet to me. I had to learn how he did it and come as close as possible.

So I approached him and asked whether he would teach me. And he said, well, yes, I would like to help you but not on a regular basis – if you come once every 2-3 weeks for a lesson I will probably give you the time. But it turned out that that it wasn´t always that he was accessible because I was working at the time at CBS as the cellist in the orchestra there and I was constantly trying to improve my playing. One of the ways I thought of, one of the things which made me so obstinate in my approach to working with Feuermann was, that he seemed to be an easy going person and it surprised me how harsh he could be at my lessons and how much he thought about my progress as a cellist.
I sometimes in working with him I would become quite discouraged. But I had to persist if I wanted to work with him, I had to understand that he was not an easy master and demanded very much of my time. I later found out that he spoke well of my talent, I believe that he really did feel concerned with my career and my  playing because I was always invited to RCA to the recording sessions with Franz Rupp, the pianist, so I got to be part of the little circle of Emanuel Feuermann graduate students who revelled in his knowledge.

Assistant: what time period?

Bernard Greenhouse:  This was in 1938, 1939, 1940. Those were the years.

When he was teaching quite a bit in New York when I was very much devoted to working hard on the instrument, I thought it would be a wonderful thing to have a debut-recital in the town hall of New York City. I went up to Scarsdale in my beautiful sports car, a convertible!!

Assistant: What colour ?

Bernard Greenhouse: Red!! laughs……naturally!

And I parked right outside his door and he came to the door and he looked at my car and he looked at me and he said: “No lesson today, let´s go for a ride!”.

So, my lessons came rather on the irregular side but they were always done with a certain amount of integrity and help and so after my 4 years of work at Juilliard I found a different approach to playing the instrument and I settled down to really learn how to play the cello. Feuermann was the one to teach it.

Transcription:  Michael Heinz

Grand Prix Emanuel Feuermann – Die Rote Tasche

Dienstag, 17. August 2010

Spannung und Aufregung pur in Berlin – Auswahl der 12 Finalisten durch 5-köpfige Jury

Die rote Tasche durfte nicht verloren gehen. In ihr befanden sich die Unterlagen für die Jury und die von den Bewerbern eingesendeten DVDs, anhand derer entschieden werden sollte, welche zwölf Cellisten sich im November beim Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin behaupten würden. Am vergangenen Sonntag machten Mareile Zürcher und ich uns auf den Weg in die Hauptstadt, die 1. Runde des Wettbewerbs zu bestreiten (organisatorisch, versteht sich).

Schon bei Betreten des Unterrichtsraumes von Prof. Jens Peter Maintz in der Universität der Künste (UdK) stellte sich heraus, dass wir den idealen Ort gewählt hatten: Sofort fiel der Blick auf das lebensgroße Bild, auf dem Emanuel Feuermann höchstpersönlich abgebildet war, in gewohnt lässiger Pose – Cello im Arm, Zigarette im Mund (den Kritikern und aktiven Nichtrauchern sei gesagt: Die gehört einfach dazu!) und ein schelmisches Lächeln auf den Lippen.

Dank den hilfsbereiten Mitarbeitern der UdK konnten wir alles im Voraus begutachten; der Raum war technisch ausgestattet (u. a. TV-Bildschirm 50’’) und die Technik funktionierte bereits beim ersten Test einwandfrei (drei Kreuze!).

Am nächsten Morgen trafen wir die letzten Vorbereitungen. Für Verpflegung wurde gesorgt, von Obst über Schokolade bis Gummibärchen platzierten wir alles auf den Tischen der Jury. Bei der Koffeinzufuhr behalfen wir uns der vorhandenen (N)Espresso-Maschine von Prof. Maintz – somit waren beste Voraussetzungen geschaffen, dass die Konzentration auch nach dem 14. Anhören von Schumanns „5 Stücke im Volkston“ nicht absackte. Nach und nach trafen die Professoren ein, die Runde setzte sich aus Wolfgang Boettcher, Thomas Demenga, David Geringas, Jens Peter Maintz und Raimund Trenkler zusammen. Herzliche Begrüßungen untereinander und einige einweisende Worte vom Leiter der Academy, und dann wurde es ernst.

15 Minuten lang widmete sich die Jury jedem Kandidaten. Meine Aufgabe hierbei war, die jeweils richtige DVD einzulegen und von einem Stück zum nächsten zu schalten, ggf. zu spulen. Zum Glück hatte ich mir die Zeiten zuvor genau notiert, somit konnte nichts schief gehen. Da ich neben dem Bildschirm saß, hatte ich keinen Blick auf denselben und konnte mich voll und ganz auf den Ton konzentrieren (und derweil die Reaktionen der Jurymitglieder beobachten). Beim einen lauschte man dem gesamten Prélude einer Bach-Suite, beim anderen nur in Teilen, dafür waren bei jenem mehrere Variationen der Reger-Suite interessant usw. Die Professoren schienen die Tücken jedes Stückes genau zu kennen und horchten bei bestimmten Stellen besonders auf. Da wurde hier der Lebenslauf überflogen, dort Notizen aufs Papier gebracht und bei manchen wenigen minutenlang wort- und regungslos zugehört.

Als am Dienstagnachmittag die letzte der 38 DVDs abgespielt worden war, schickten die Professoren sich an eine Entscheidung zu treffen. Das Ergebnis zeigte, dass sich die fünf überraschend einig waren; auf Anhieb wurden elf Kandidaten für die 2. Runde nominiert und auch der zwölfte war nach zwei weiteren Wahlgängen schnell gefunden. (man erlaube mir diese Bemerkung am Rande, dass auch meine Kollegin Mareile und ich, sozusagen intern, mit zehn „Richtigen“ gar nicht so falsch getippt hatten.)

Der Ausklang der drei spannenden Tage in Berlin gestaltete sich gewohnt musikalisch, wie sich das für Musikbegeisterte gehört, mit einem Besuch des Young Euro Classic, einem Festival, in dessen Rahmen Jugendorchester aus ganz Europa in der Hauptstadt auftreten. Nachdem wir mit dem Fahrrad(!) zum Konzerthaus geradelt waren, lauschten wir dem „Baltic Youth Philharmonic“ unter Kristjan Järvi. Mitbegründer des Orchesters ist Thomas Hummel, der selbst einmal, als die Kronberg Academy noch in den Anfängen stand, die ersten Cello-Festivals mitbetreut hatte. Während ich mich von den Klängen Stravinskys „Sacre du Printemps“ mitreißen ließ, schossen mir verschiedenste Gedanken durch den Kopf: In drei Monaten wird in diesem prächtigen Saal das Abschlusskonzert des Grand Prix Emanuel Feuermann stattfinden. Wer wohl die drei Cellisten sein werden, die es in die Finalrunde schaffen? Und wem wohl nach der Finalrunde die Trophäe überreicht wird? Wir dürfen alle gespannt sein!

Beschwingt gönnten wir uns im Anschluss an das Konzert ein Glas Wein auf dem Gendarmenmarkt und machten uns zu später Stunde auf den Rückweg durch das nächtliche Berlin.

Anna-Maria Lange



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