Artikel-Schlagworte: „Digitale Meisterklasse“

Musikalische Welten / Die Zukunft des Konzerts

Donnerstag, 28. Juli 2011

Vier Thesen

Die Duisburger Philharmoniker haben auf ihrer Blogseite Dacapo jüngst interessierte Musikfreunde und Institutionen aufgerufen, ihre Gedanken zur Zukunft des Konzerts darzulegen. Das Thema wurde mit dem Twitterkürzel #DKDZ versehen, um es auch in den Diskussionsforen und auf der Kurzmitteilungs-Plattform Twitter weiter verfolgen zu können.

Hier nun der Beitrag der Kronberg Academy, aufbereitet  in Thesenform.

These 1: Konzerte vor Ort “live” erleben

Die vor Ort gehörte Live-Musik ist unseres Erachtens unersetzbar! Der unmittelbar erlebte künstlerische Vortrag in einem Live-Konzert, in dem die Künstler mehr oder weniger hautnah erlebt werden, transportiert Emotionen  und individuelle Eindrücke, die es zum einmaligen Erlebnis oder gar “Hör-Abenteuer” werden lassen. Daher sind wir überzeugt, dass dies auch noch in 5 Jahren so gesehen wird und seinen hohen Stellenwert behält – ohne größere Abstriche. Das herausragende Merkmal eines so live gehörten Konzerts ist die Tatsache, dass es in dieser Form nicht wiederholbar ist, mit anderen Worten, es verkörpert  ein einmaliges Erlebnis und repräsentiert daher etwas ungemein wertvolles. Das Wechselspiel zwischen Musikern und ihrem Publikum erzeugt sehr haufig eine unvergleichliche Stimmung und atmosphärische Dichte,  die man als Zuhörer oft als Gänsehaut-Erlebnis lange im Gedächtnis bewahren wird.

These 2: Verbreitung von Konzerten über das Internet

Ohne Frage trägt das Internet mit seinen diversen Formaten (live-Konzerte / Streaming) und Zugriffsmöglichkeiten auf  Video-Sequenzen ( Portale wie etwa YouTube oder VIMEO  zwecks Abruf von historischen oder  aktuelleren Konzerten) auch zur Verbreitung der klassischen Musik bei. Es erhöht auch die Bekanntheit von Musikern, Komponisten, sowie berühmt gewordener Werkaufführungen sowie die Bekanntheit bestimmter Aufführungsorte und Konzertsäle. Daher sind diese Formate eine gute Alternative zum Musik-Hören mittels CDs und DVDs. Aber keinesfalls sind diese Formate ein wirklicher Ersatz für das unmittlebar live gehörte Konzerterlebnis.

These 3: „Dabei-Sein“ und Erleben von Aufführungen im Rahmen von digitalen Meisterklassen

Seit kurzem im Einsatz: die sog. digitalen Meisterklassen bzw. Meisterkurse. Von einigen wenigen Institutionen bereits entwickelt (die Kronberg Academy zählt hier mit zu den Vorreitern) im Bereich der klassischen Musik/Kammermusik.  Es handelt sich hierbei um hochwertige, internet-basierte Unterrichtsformen, bei denen in höchster Audio- und Video-Qualität Schüler mit ihren Lehrern kommunizieren,  wobei Schüler und Lehrer räumlich vollkommen getrennt sind.  Hier ergeben sich für interessierte Zuhörer ( andere Studenten, Musiklehrer, Musik-Journalisten, Musikfreunde) bei Zustimmung der Beteiligten und Ihrer Institutionen die Möglichkeit, einen solche Meisterkurs auch aus der Ferne via Internet mitzuverfolgen ( was ansonsten private Sessions wären).  Ein großer Vorteil der Internet-Technologie kommt hier zum Tragen.

These 4 : Die weitere Entwicklung des Konzerterlebnisses
Das Konzert der Zukunft (DKDZ)

Die technologische Entwicklung des Internets ist weiterhin rasant. Die neuen Online-Formate (wie etwa die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker) werden weiter neue Zuschauerkreise anlocken und so für eine größere Verbreitung von Konzerterlebnissen sorgen (aktuelle wie auch historische). Aber dennoch: der persönliche, vor Ort „live“ erlebte Konzertbesuch sorgt unserer Meinung nach für eine absolut einmalige und nicht ersetzbare Erlebnisintensität und -tiefe, die jeder, der das “echte” Konzerterlebnis je bewusst erlebt hat, nicht missen möchte. So gesehen werden wir auch in 5 Jahren keine generelle Abkehr oder signifikante Abnahme des persönlichen Besuches von Konzerten erleben, seien dies nun Popmusik-Konzerte, Jazzkonzerte oder Konzerte mit klassischer Musik. Die Emotionen  schwappen dort am höchsten, wo Menschen vor Ort dem Konzerterlebnis direkt lauschen. Dies wird auch innerhalb der nächsten 5 Jahre unserer Überzeugung nach so bleiben, trotz des weiteren Siegeszugs des Internets!

Kronberg Academy

Meisterkurse – Aufbruch in ein neues Zeitalter

Donnerstag, 12. August 2010

Der erste transatlantische digitale Meisterkurs kurz vor dem Start – Weltpremiere im  September 2010

Am 20. September wird es Ernst mit der digitalen Lerntechnologie. Dann wird in Kronberg in den Räumlichkeiten der so genannten Streitkirche, genauer: in den Räumen des Kronberg Academy Masters, der erste Meisterkurs zwischen einem hiesigen Professor, in diesem Falle David Geringas, und Studenten aus Amerika stattfinden.

Um dieses ambitionierte Projekt auf die Beine zu stellen, waren monatelang vielfältige technische und organisatorische Einzelheiten abzuklären und technische Spezifikationen zu studieren. Gegenwärtig läuft die Endphase der Implementierung der notwendigen Komponenten und die Verlegung der nötigen Glasfaser-Anschlüsse und Kabel sowie die Herrichtung eines speziellen Regie-Raumes. Letzterer ist so gut wie fertig gestellt. In diesem Raum in der Streitkirche (der ehemalige Noten-Raum des Elite-Studienganges) werden künftig bei jeder Lernstunde (technisch gesprochen: eine Session) zwei  Techniker der  Partner-Firma NOVUM vor Ort sein, um den sicheren technischen Ablauf der Unterrichtsstunde zu gewährleisten.

Ein kurzer Foto-Termin in den Räumlichkeiten der Streitkirche Anfang der Woche bezeugt den Stand der Arbeiten. Wie seltsam: In der digitalen (stofflosen) Welt sind es am Ende des Tages doch wieder Drähte, Kanäle, Leitungen und Schrauben, Blenden und Gerätekästen (Racks), die für den leisen und unsichtbaren Fluss der Bits und Bytes benötigt werden. Das in Kronberg realisierte Konzept setzt auf hochwertigste Bild- und Tonqualität, da ein grenzüberschreitender Meisterkurs natürlich die allerfeinsten Nuancen erlebbar machen muss. Mit anderen Worten, die Anforderungen an die entsprechende Infrastruktur auf beiden Seiten der Kommunkationskette sind enorm hoch. Die letzten Arbeiten an den Verbindungen und die Installation und Verlegung der letzten Kilometer Glasfaser-Kabels in die Räumlichkeiten der Streitkirche sind vor kurzem abgeschlossen worden. Mein Kurz-Besuch im zukünftigen Regie-Raum, der wie ein modernes Radio-Studio anmutet, hat mich zuversichtlich gestimmt, ja begeistert!

Was die Angelsachsen „Distance Learning“ nennen, tritt nun auch in der Welt der Musik seinen Siegeslauf an. Die Kronberg Academy hat bereits im letzten Jahr ihre Fühler nach New York ausgestreckt, um einen Partner zu akquirieren, und mit der befreundeten „Manhattan School of Music“ einen kompetenten Technologie-Pionier gefunden.

Worum geht es beim Distance Learning? Studenten und Professoren, die ansonsten hunderte Kilometer auseinander sind, können sich über diese digitale Brücke austauschen, verständigen und kommunizieren – um Unterricht zu erteilen bzw. aus Sicht der Studenten, unterrichtet zu werden. Unser Kooperationspartner, die angesehene „Manhattan School of Music“ hat hier seit ca. 10 Jahren wertvolle Vorarbeit geleistet. Mittlerweile sind viele Unterrichtsstunden mithilfe dieser Technologie durchgeführt worden. Einer der Künstler, der hier von Anfang an mit Herzblut und Schwung involviert war, ist der weltberühmte Geiger und Bratschist Pinchas Zukerman. Herr Zukerman wird es auch sein, der in Bälde den Studenten des Kronberger Elite-Studienganges in der Streitkirche digital gegenüber sitzen (oder stehen?) wird.

Nun ist die Kronberg Academy wieder einmal in einer Vorreiter-Rolle in Europa und bestätigt erneut ihren Ruf, mutig neue Wege zu gehen. Am 16. August heißt es: Daumen drücken, dass der allererste technische Live-Test glänzend über die Bühne geht und alle technischen Komponenten „mit-spielen“ !

Die echte Premiere mit Professor David Geringas in Kronberg und New Yorker Studenten erfolgt dann einen Monat später: am 20. September gibt es grünes Licht für den ersten transatlantischen digitalen Meisterkurs.

Michael Heinz