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Cello Masterclasses / A teacher who loves stress

Mittwoch, 12. September 2012

What a busy day this was!

The morning kicked-off with a couple of  preparational work items for a planned film session. This session was  scheduled for the early afternoon hours,  where I was supposed to assist our partner Friedemann Grüning for a short interview with Maestro David Geringas.

In order to condition myself with the right feelings and thoughts I attended two masterclasses with this famous Lithuanian cellist, conductor and teacher. When the masterclass sessions were finished I quickly grabbed some food and was running to the Recepturhof building where the interview was about to happen. Lighntning and audio conditions were fine-tuned, so the interview could run smoothly . Which it did.

Satisfied with the results of that 20-minute interview I then handed the room over to Yuka Kobayashi, the Japanese pianist who urgently wanted to rehearse. After that, my next activity was to attend the last masterclass sessions of the day with German cellist  Jens Peter Maintz at Kronberg´s Streitkirche.

Now, here comes an  example of a truly busy man. For someone like Jens Peter Maintz the end of the day comes near only when the midnight hour approaches. This seems to be the rule for him, being one of our four cello teachers.  The last 3 students of his afternoon masterclass (which started in the morning) confronted him with works by Shostakovich and Ligeti. Heavy stuff, I thought!  Being asked about how he is coping with this whole workload throughout the entire day he simply answered „ I love stress“. And there seemed to be no irony in his answer.

After the last student left the room at around 7 pm, Jens Peter kindly explained what the remaining activities of the day would be: a little rest, then attending the concert with Frans Helmerson and Mihaela Martin at 8 pm, followed by just another very important activity of the day, which is rehearsing until midnight. In order to prepare for his own concert the next day. Still fresh-looking Jens Peter, who was studying with David Geringas in Lübeck, delivered his answers happily. Amazing!

No doubt, this teacher and cello virtuoso is full of energy. Now I know, what a busy schedule really looks like.

Anyway, we look forward to his concert tomorrow evening.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Interview – Alina Ibragimova

Mittwoch, 21. April 2010

Eine der drei Seniors bei „Mit Musik – Miteinander“ (MMM) vor 10 Tagen war Alina Ibragimova.

Die 1985 in Russland geborene Geigerin, stets gut gelaunt und mit strahlendem Lachen unterwegs, willigte spontan zu einem kurzen Interview am Sonntag, den 11. April 2010 im Kronberger Maler-Museum ein. Gelesen hatte ich viel über die junge Solistin, u.a .von ihren drei letzten CD-Produktionen für Hyperion Records ( 2008 und 2009) und ihren Auftritten in Salzburg, Verbier und Salle Pleyel Paris . Ihre Ausbildung an der Yehudi  Menuhin School unter Natasha Boyarskaya und ihre Auftritte im Bolschoi-Theater und in London sind nicht minder berichtenswert, insbesondere auch Ihr Auftreten gemeinsam mit Yehudi Menuhin kurz vor dessen Tod im Jahre 1998 ( sie war damals erst dreizehn alt). Und natürlich ihr zweimaliges Erscheinen als Junior bei „Chamber Music Connects the World“ ( CMCW), 2004 und 2008.

Seit Oktober 2008 studiert Alina nun an der Kronberg Academy und nimmt an den Kronberg Academy Further Master Studies teil. Alina lebt und arbeitet in Berlin und London.

Wen überrascht es:  Ich war mehr als beeindruckt von ihrer Vita. Nun wollte ich in diesem sonntäglichen Interview von ihr erfahren, wie sie unsere beiden Kammermusik-Reihen MMM und CMCW sieht, aber auch, welche Bedeutung diese für sie persönlich hätten und welche Rolle die Musik insgesamt in Ihrem Leben spielt ( das Interview wurde auf Englisch durchgeführt, nachfolgend eine Zusammenfassung auf deutsch mit einigen wörtlichen englischen Zitaten).

Michael Heinz: Welche Bedeutung hat ihre Teilnahme an Chamber Music Connects the World im Jahre 2004 und 2008 für Sie gehabt?

Alina Ibragimova: Das waren jeweils 11 großartige Tage, die ich einfach nicht missen möchte. Das war fällig in meiner damaligen persönlichen Entwicklung in jenen Jahren, die Teilnahme hat mich bereichert ( an einer Stelle des Interviews sagt sie. „I needed this“).

MH: Was war besonders hervorhebenswert als Erfahrung?
AI: Ganz besonders hervorhebenswert war es für mich , mit den Herausforderungen des Spielens als zweite Geigerin zu agieren , das war absolut neu. Und ich musste mich entsprechend umstellen. Das war keineswegs einfach – eben eine echte Herausforderung!

MH: Was ist aus ihrer persönlichen Sicht das das Besondere an der Kammermusik im Zusammenhang mit unserem Projekt „Mit Musik Miteinander“?

AI: Ich möchte den Juniors vermitteln, wie wichtig das Hören ist! Dabei geht es mir nicht um technischen Anweisungen und Hinweise – vielmehr möchte ich die jüngeren Musiker auf die Besonderheiten des Zusammenspiels einstimmen  – „How to listen“ – das ist so wichtig…..! Zitat: „Learning to becoming very flexible and knowing how to react to the other players while they lead, these are key capabilities and skills when performing chamber music.”

MH: Wer hat Sie als Lehrer stark geprägt?

AI: Peter Norris (Lehrer an der Yehudi Menuhin School in London) hatte sehr großen Einfluss auf meine Musikalität und mein Spiel. Ich war damals so 16-17 Jahre alt, er war wirklich sehr einflussreich für mich und besonders habe ich von ihm die Bedeutung des aufmerksamen Zuhörens mitbekommen. Und zwar ist das dann ganz besonders wichtig, wenn man mit anderen Musikern in Kammermusik-Ensembles zusammen spielt. Hier muss man einfach auf die anderen Stimmen aufpassen und sehr sehr flexibel sein. Und man spricht viel miteinander. Deswegen war ich auch für MMM und CMCW gewissermaßen dankbar – ich konnte so noch mehr hinzulernen  – von den ganz Großen. Eine sehr wertvolle Sache.

MH: Welche Platten habe Dich in Deiner Kindheit fasziniert, was hast Du sehr früh schon gehört?

AI: Ja, eine ganze Menge eigentlich – meine Eltern ( ihr Vater ist Kontrabassist bei den Londoner Symphonikern und ihre Mutter ist Violin-Lehrerin and der Menuhin School, wo sie später selbst anheuerte!) hatten sehr viele Platten und Tonbänder zuhause. Meine ersten Platten, die ich bewusst und mit Freude gehört habe, waren: Die Zauberflöte, die Matthäus-Passion, Yehudi Menuhins Violin-Konzerte von Beethoven und Schuberts Sonate a-Moll Arpeggione.

MH: Welche Rolle spielt die Musik in Deinem Leben..?

AI: Ich habe bereits im Alter von 4 meine erste Violine bekommen, von da an wurde das tägliche Spielen normal für mich – ich bin einfach dann damit groß geworden.

( Zitat: „Playing music, day in day out, it´s just a way of life – like eating, it´s very physical.
I have to do it, even when I am not performing on stage or are engaged musically otherwise.
I need to rehearse, at least 2-3 hours a day”).

MH: Wer sind einige Deiner musikalischen Vorbilder?

AI: Nun einige von diesen Musikern, die einen starken Einfluss auf mich hatten,

waren und sind Davd Oistrach, Jascha Heifetz und natürlich Yehudi Menuhin – wahrlich ganz große Virtuosen. Ja, die haben mich geprägt und inspiriert!

MH: Gibt es Unterschiede zwischen dem deutschen und dem britischen Publikum?

AI: Unterschiede zwischen dem britischen und deutschen Publikum gibt es einige: das deutsche Publikum ist offener, und  selbst in kleineren Orten gibt es immer gefüllte Häuser – in England ist dies im Grunde nur in der Hauptstadt London der Fall.

MH:
Lesen Sie Kritiken?
AI: Ja, ich lese die Kritiken. Allerdings nehme ich diese nicht so sehr ernst. Mit negativen Kritiken und Kommentaren komme ich gut klar. Ich weiß, dass zwei Journalisten in England beispielsweise sehr oft ein wenig negativ berichten, aber das tangiert mich nicht so sehr.

MH: Was bedeutet Dir Kronberg?

AI: Nun, Kronberg ist ein sehr wichtiger Ort für mich geworden. Ich habe zweimal an CMCW teilgenommen, jetzt bin ich bei MMM mit dabei und schließlich studiere ich nun an der Kronberg Academy. Das alles macht es zusammen mit meinen bisherigen Erfahrungen zu einem wirklich wichtigen Ort in meinem Leben.

MH: Was hast Du für Träume und Wünsche? (hier kann man Alina von ihrer sehr unprätentiösen Art erleben)

AI: “I have no special wishes or dreams. I just want to keep on playing music, being together with other nice people and my friends, and, just keep on learning!

MH: Vielen Dank,  Alina für dieses Interview zwischen den Proben.

Michael Heinz

Schuld war eine Flasche Rotwein ¦ Interview mit Nils Mönkemeyer

Montag, 11. Januar 2010

Nils Mönkemeyer Foto: Felix Bröde 2008 hat Nils Mönkemeyer an unserem Kammermusikprojekt „Chamber Music Connects the World“ teilgenommen, im vergangenen Jahr erhielt er den Echo Klassik 2009 als Nachwuchskünstler des Jahres. Wie er zur Bratsche kam und wie er mit der plötzlichen Berühmtheit umgeht, hat er mir in einem Interview erzählt.

1. Du hast kürzlich den Echo Klassik 2009 als Nachwuchskünstler des Jahres erhalten. Hat Dich die Entscheidung überrascht? Wie hast Du davon erfahren, dass Du ihn bekommst?
Ich saß um Mitternacht in der Küche und habe im Internet nach den Echonominierungen geschaut. Ich wusste wohl, dass meine CD im Gespräch war, aber hatte nicht wirklich damit gerechnet, den Preis auch wirklich zu bekommen. Trotzdem war ich ziemlich nervös. Die Newcomer-Kategorie wurde erst auf der dritten Seite aufgeführt und ich dachte schon, ich wäre nicht dabei, umso mehr hat mich das Ergebnis dann gefreut …

Besonders Spannend war bei der eigentlichen Gala das ganze “Drumherum”, zum ersten Mal auf einem roten Teppich laufen, Fotos machen während die Fotografen herumbrüllen und mit der Limousine vorfahren. Diese Dinge haben fast etwas Unwirkliches und sind ja für uns klassische Musiker nicht alltäglich.

2. Inwieweit hat sich Dein musikalisches Leben dadurch verändert?
Ein Preis wie der ECHO hilft natürlich dabei, mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu treten. Auch Konzertveranstalter mögen oft dieses “Prädikat wertvoll”, im stillen Kämmerlein üben und versuchen, den Komponisten und dem eigenen Anspruch gerecht zu werden bleibt aber gleich. Und auf der Bühne muss ich ja immer wieder neu versuchen, einen besonderen Moment zu schaffen und dem Publikum eine Geschichte zu erzählen. Das, was man geschafft hat, ist in einem Wimpernschlag wieder vorbei. Das ist das Schöne und das Schwere am Musikmachen, unabhängig von allen Bestätigungen von außen.

3. Du hattest kürzlich einen Talkshow-Auftritt und auch eine Frauenzeitschrift hat über Dich berichtet. Der Umgang mit den Publikumsmedien scheint Dir durchaus Spaß zu machen oder liege ich da falsch?
Als Solist muss einem die Arbeit mit den Medien Spaß machen, das ist bei einer CD-Produktion sozusagen der zweite Akt. Die Amerikaner haben einen sehr schönen Satz dazu: Do something good and talk about it. :-)

4. Du kamst ja erst über den Umweg Geige dann mit 15 Jahren zur Bratsche. Wie kam’s zu dem Sinneswandel?
Schuld war eine Flasche Rotwein, Teenagerbegeisterung und Beethoven Quartette.

Im Bundesjugendorchester treffen sich dreimal pro Jahr ca. 80 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren, alle mit dem Ziel, später Musik zu studieren. An den Abenden gab es ausgedehnte Kammermusik-Sessions, zum ersten Mal die großen Streichquartette spielen und sich an der Musik berauschen. Nicht fehlen durfte die Rotweinflasche in der Mitte, wer einen Fehler gemacht hatte, musste einen Schluck trinken. Die Bratschistin war zuerst betrunken und ging schlafen und mir wurde die Bratsche in die Hand gedrückt. Das war’s dann, der Beginn einer ganz großen Leidenschaft, sie und ich, wir könnten zusammen alt werden!!

5. Weshalb moderierst Du Deine Konzerte? Ist das etwas, das Du von der Live Music Now-Förderung mitgenommen hast?

Das stimmt tatsächlich. LMN-Konzerte waren meine erste Begegnung mit Moderation. Sie kann helfen, noch vor dem Spielen eine Verbindung mit dem Publikum herzustellen oder die Stimmung aufzulockern. Ein paar kleine Worte oder eine Anekdote können auch helfen.

6. Die Klassikszene feiert Dich als deutsches Bratschenwunder. Löst so eine Bezeichnung bei Dir ungeteilte Freude aus oder ist es auch eine Belastung?
Ach, nett ist das ja, aber wenn, dann gebührt dieser Titel wohl eher Tabea Zimmermann. :-)

7. Du hast 2008 an „Chamber Music Connects the World“ der Kronberg Academy teilgenommen. Was für ein Ort ist Kronberg auf Deiner persönlichen Landkarte?
Das Kronberg-Projekt war unglaublich aufregend. Plötzlich hat man Proben und Konzerte mit Gidon Kremer oder Yuri Bashmet, zwei Künstler, die ich seit meiner Kindheit verehre. Dann gibt es jede Menge Feste und Treffen mit allen Teilnehmern und der Crew der Kronberg Academy. Es war eine wunderbare, spannende und dramatische Zeit in Kronberg – goldenes Fähnchen auf der persönlichen Landkarte.

Mehr über Nils Mönkemeyer erfahren Sie auf seiner Homepage.

Die Fragen stellte Ulrike Schmid

Mit Musik – Miteinander ¦ Interview mit der Teilnehmerin Eszter Kruchió

Montag, 16. November 2009

Vom 6. bis 8. November fand zum zweiten Mal in diesem Jahr unser Kammermusikprojekt Mit Musik – Miteinander statt. Unsere Praktikantin Melina Langhanns, die für dieses Projekt auch mitverantwortlich war,  hat die Gelgenheit genutzt und die Teilnehmerin Eszter Kruchió befragt.

Teilnehmerin Eszter Was erwartest Du von diesem Wochenende?
Ich erwarte und hoffe, dass Mit Musik – Miteinander ein einprägsames musikalisches Erlebnis wird, dass ich andere in meinem Alter kennen lernen werde, die ähnliche Interessen haben, zumindest was Musik betrifft. Außerdem werden vielleicht Kontakte geknüpft, die für den weiteren musikalischen Werdegang oder auch einfach nur für das weitere persönliche (musikalische) Leben nachhaltig sein könnten.

Da ich wahnsinnig gerne Kammermusik spiele, erwarte ich viele schöne musikalische Momente, viel musikalische Arbeit und zahlreiche Anregungen von den Dozenten. Es würde mich besonders freuen, eine neue Art des Zuganges zur Musik kennen zu lernen, andere Methoden zu erarbeiten, andere Ansichten, neue Arten auf einem Instrument zu spielen. Ich glaube, es ist besonders wichtig, eine so vielseitige Ausbildung wie möglich, so vielseitige und verschiedene Anregungen wie nur möglich zu bekommen, um auch selber vielseitig und kritisch (auch das muss man lernen!) sein zu können.

Weshalb hast du dich beworben?
Erstens habe ich auf der Homepage der Kronberg Academy ein bisschen gestöbert und habe viele sehr interessante und anspruchsvolle Ausbildungsmöglichkeiten und Förderungswege gefunden. Außerdem fand ich unter den ehemaligen Teilnehmern von Mit Musik – Miteinander Namen von Musikerkollegen, die ich sehr schätze. Auch die Assistentin meines Geigenprofessors, die selber sehr viel Kammermusik spielt (ehem. Mitglied des Hagen-Quartetts; Mitglied des Klangforum Wien) hat es mir sehr ans Herz gelegt mich zu bewerben. Sie meinte, es wäre eine tolle Erfahrung.

Teilnehmerin Eszter Kruchió Natürlich haben mich auch der künstlerische Beirat der Kronberg Academy beeindruckt: Kremer, Bashmet und Rostropovich sind Namen mit einer besonderen Anziehungskraft. Besonders Gidon Kremer schätze ich sehr, seine Aufnahmen und Bücher sind sehr beeindruckend und sowohl musikalisch als auch historisch interessant.

Die Möglichkeiten in so großen Besetzungen, wie in einem Sextett oder Oktett zu spielen, sind leider nicht sehr häufig. Sechs oder acht Leute sind sehr schwer vereinbar, Probentermine zu finden ist kaum möglich. Dies ist also auf jeden Fall eine vielleicht nicht einmalige, aber doch seltene Möglichkeit.

Mein Interesse an diesem breit gefächerten Spektrum von Ausbildungsmöglichkeiten, besonders an Mit Musik – Miteinander,  wurde also geweckt – und schon schrieb ich meinen Lebenslauf.

Wie bist Du auf Mit Musik – Miteinander aufmerksam geworden?
Ich habe von Fr. Glanzmann, der Vorsitzenden von Prima la Musica, wie jeder Preisträger dieses Wettbewerbes, ein Informationsschreiben, in dem auch auf die Homepage der Kronberg Academy verwiesen wurde, inklusive einem Anmeldeformular zugeschickt bekommen.

Hast du schon an vielen Wettbewerben teilgenommen? An welchen?
Ich habe einige Male an Prima la Musica (Landeswettbewerb, Bundeswettbewerb) teilgenommen, solistisch und in verschiedensten kammermusikalischen Besetzungen (Klaviertrio, Streichquartett, Geige-Gitarren-Duo). Außerdem habe ich als kleineres Kind oft an der Döblinger Musikolympiade teilgenommen, ein Wettbewerb für kleine Kinder in einem angenehm-kleinen Rahmen, und zwei Mal an dem Wiener Musikschul-Wettbewerb (Violine-Klavier-Duo; Geigentrio).

Wettbewerbe sind wichtig, vor allem wegen der Vorbereitung, die unglaubliche Fortschritte bewirken kann. Besonders erfreulich war es als Preisträgerin des Wiener Musikschul-Wettbewerbes im Wiener Rathaus zu spielen, und als Preisträgerin von Prima la Musica im Wiener Konzerthaus und im Konzerthaus Klagenfurt zu spielen. Wettbewerbe haben für mich vor allem wegen der eventuellen nachträglichen Förderung einen Reiz.

Trotzdem denke ich, dass man es nicht übertreiben darf. Man geht ein sehr hohes Risiko ein – wenn man selber mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, kann man unter Umständen viel Motivation verlieren.

Schülerin und Lehrer Sind Deine Erwartungen erfüllt worden?
Ob sich meine Erwartungen erfüllt haben? Und wie! Mehr als das: Das Wochenende hat meine Erwartungen wirklich übertroffen.

Da wären erstens die Dozenten. Kirill mit seiner ungewöhnlich klaren und verständlichen Art technische Schwierigkeiten zu erklären und zu lösen. Ich musste aus Wien nach Deutschland zu einem russischen Geiger fahren, um die 2 Arten des Spiccato zu begreifen. Kaori mit ihrem unfassbaren Spieleinsatz. Ihr Gesicht, ihr Körper widerspiegeln in jeder Sekunde, in der sie Musik spielt, ihre Gefühle, ihre Emotionen. Ich hatte noch nie Gelegenheit einen solchen Musiker 3 Tage lang von so nah beobachten zu können. Und schließlich Itamar – so unglaublich feinfühlig. Er nimmt jede kleinste musikalische Veränderung war, geht mit jedem kleinsten musikalischen Impuls mit, achtet auf den Klang und auf die Linie jedes einzelnen Tones. Es war ein Abenteuer mit ihm gemeinsam zu spielen.

Zweitens war es sehr praktisch in der Partitur, auf die Wand projiziert, mitlesen zu können. So konnten wir auch passiv jede Probe ganz genau mitverfolgen. Wenn ich selber gespielt habe, so war es oft sehr hilfreich in die Partitur blicken zu können.

Außerdem hätte ich nicht erwartet, dass wirklich in jeder Probe einige Leute dabei sitzen – das hat die ganze Atmosphäre noch spannender gemacht.

Wir wurden perfekt versorgt, und behandelt wie erwachsene Musiker. Es ist schön zu sehen, dass es Geld für unsere Weiterbildung gibt!

Inwiefern wird sich Mit Musik – Miteinander auf Dein weiteres Spiel auswirken?
Nun, Itamars, Kaoris und Kirills Vorschläge, Bitten, Anregungen, Tipps klingen noch immer in meinen Ohren und ich ertappe mich immer wieder dabei sie selbst meinen Quartettkollegen zu sagen. Mit Musik – Miteinander hat meine ohnehin schon große Freude an der Kammermusik noch mehr vergrößert und bestätigt. Ich gehe jetzt Kammermusikstücke anders an, achte einfach viel mehr auf die grundlegenden Dinge, die wie drei Tage lang “gepredigt” bekommen haben.

Ein fantastisches Wochenende, das sich hoffentlich irgendwann wiederholen wird!

Vielen Dank für das Gespräch Eszter.

Das Interview führte Melina Langhanns

Mit Musik – Miteinander ¦ Interview mit der Teilnehmerin Swantje Asche-Tauscher

Donnerstag, 12. November 2009

Vom 6. bis 8. November fand zum zweiten Mal in diesem Jahr unser Kammermusikprojekt Mit Musik – Miteinander statt. Unsere Praktikantin Melina Langhanns, die für dieses Projekt auch mitverantwortlich war,  hat die Gelgenheit genutzt und die Teilnehmerin Swantje Asche-Tauscher befragt.

Was erwartest Du von diesem Wochenende?
Lehrer und Schülerin Zuerst blickte ich etwas kritisch diesem Wochenende entgegen, da drei Tage ja nicht gerade viel Zeit sind, um die Kammermusikalischen Werke zu erarbeiten und in aufführungsreife Form zu bringen. Dennoch war ich sehr gespannt, zu was für einem Ergebnis das Zusammenarbeiten mit anderen Teilnehmern und mit den Dozenten führen wird! Am größten war jedoch die Aussicht,  Kammermusik unter Anleitung von erfahrenen Musikern machen zu dürfen, da man sich ja sonst doch eher auf sein Solorepertoire konzentriert …

Weshalb hast Du Dich beworben?
Ich habe mich für Mit Musik – Miteinander beworben, da ich bisher öfters Kammermusik gemacht habe, jedoch vorwiegend auf Eigeninitiative und meist ohne Anweisung von erfahrenen Lehrern, was den ganzen Lernprozess erheblich mühsamer machte, so war ich sofort begeistert, mich zu diesem Kurs anmelden zu können, wo man intensiv Kammermusik mit erfahrene Musikern machen kann, und somit viel wertvolles Wissen mitnehmen und viel Spaß an der Musik haben kann!

Wie bist Du auf Mit Musik – Miteinander aufmerksam geworden?
Mir wurden schon öfters Flyer über Jugend musiziert zugeschickt, und ich kannte schon Freunde, welche diesen Kurs mitgemacht hatten und sehr begeistert davon waren. So zögerte ich nicht, mich ebenfalls anzumelden.

Sind Deine Erwartungen erfüllt worden?
Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt! Schon allein der Empfang war so herzlich und alles war so nett hergerichtet, eine perfektere Organisation kann man sich kaum wünschen! Und ich staunte sehr, wie unglaublich viel Wissen die jungen Dozenten hatten und uns weitergaben. Es war eine sehr gute Balance zwischen konzentrierter Arbeit und Spaß an der Musik vorhanden, was doch sehr angenehm war. Am Besten gefiel mir das gemeinsame Abschlusskonzert zusammen mit den Dozenten in den Räumen des Museums!

Hast Du schon an (vielen) Wettbewerben teilgenommen? An welchen?
Ehrlich gesagt habe ich immer regelmäßig bei Jugend musiziert mitgemacht, da dies wohl der bekannteste und ansprechendste Wettbewerb unter Jugendlichen ist. Aber langsam komme ich in ein Alter, wo man sich nicht nur im Deutschen Raum umschauen sollte, sondern sich auch den internationalen  Maßstäben stellen sollte … Für weiterführende Fördermaßnahmen, sei es das Bundesjugendorchester oder der Verleih von Instrumenten, ist dieser Wettbewerb ideal.

In wiefern wird sich Mit Musik – Miteinander auf Dein weiteres Spiel auswirken?

Da ich nun an der Hochschule auch Kammermusikunterricht erhalten werde, kann ich nun mein erweitertes Wissen bezüglich der Kammermusik direkt anwenden und weiter vertiefen und vielleicht besteht die Möglichkeit später Mal bei Chamber Music Connects the World teilzunehmen und mein Wissen immer mehr zu erweitern.

Danke für das Gespräch Swantje.

Das Interview führte Melina Langhanns

Cello Festival ¦ Eine Kunst für sich – der Bogenbau

Dienstag, 6. Oktober 2009

Beim Cello Festival treten nicht nur Künstler auf, sondern auch Geigenbauer, Bogenmacher und Zubehörhersteller präsentierten ihre wertvollen Instrumente und Produkte. Geigenbauer bauen nicht nur Geigen, sondern auch Bratschen und Celli. Bogenmacher dagegen bauen nur Bögen – denn Bogenbau ist eine Kunst für sich. Einer der besten und renommiertesten Bogenmacher, auch über die Grenzen Deutschlands hinweg, ist  Jochen Schmidt aus Dresden. Er ließ sich zusammen mit Ekkard Seidl in einer Geigenbau-Werkstatt in der Stadthalle Kronberg bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Während des Cello Festivals nutzte Ingrid Scheuermann die Chance, mit  Jochen Schmidt zu sprechen.

Herr Schmidt, Sie stammen aus einer traditionsreichen Bogenmacherfamilie. Ihr Vater Hans-Karl Schmidt und Ihr Bruder Daniel waren ebenfalls schon häufig in Kronberg. Was bedeutet es Ihnen, in diesem Jahr beim Cello Festival dabei zu sein?
Es ist wichtig, weiterhin Klasse statt Masse zu zeigen und das engagierte Festival fachlich kompetent zu unterstützen.

Was braucht es denn, um einen guten Bogen herzustellen? Holz, Pferdehaare, Fingerspitzengefühl, Zeit …?
Genau diese Dinge! Und Erfahrung.

Was fasziniert Sie daran, Bogenmacher zu sein? Haben Sie jemals den Wunsch gehabt, etwas anderes zu lernen – zum Beispiel Geigenbau?
Es ist ein schönes und vielseitiges Fach. Interessen an anderen Dingen habe ich natürlich, aber um eines richtig zu machen, braucht es volle Konzentration.

Oft hört man davon, dass Musiker, die es sich leisten können, eine speziell auf sie zugeschnittene Geige (bzw. Bratsche, Cello) bauen lassen. Gibt es auch in der Bogenmacherkunst solche Sonderwünsche und wie können Sie diese erfüllen?
Das ist fast normal bei meiner täglichen Praxis, tonliche Wünsche zu erfüllen. Und zwar vor allem, indem ich ein spezielles Holz für den Bogen auswähle.

Vielen Dank für das Interview!

Cello Festival ¦ Interview ¦ Eva Böcker

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Eva Böcker Beim Abschlusskonzert am Sonntag (17.00, 18.30 und 20.00 Uhr, Stadthalle) wirkt das Ensemble Modern in allen drei Teilen mit. Ein Gespräch mit dem Ensemble-Mitglied Eva Böcker, die als Solistin in den beiden Uraufführungen zu hören sein wird.

Frau Böcker, sind Sie zum ersten Mal in Kronberg oder haben Sie bereits an einem der anderen Projekte der Kronberg Academy teilgenommen?
Das ist mein erster Besuch bei der Kronberg Academy und ich freue mich sehr darauf.

Welche Erwartungen haben Sie an das Cello Festival?
Wichtig finde ich, dass die Vielseitigkeit des Cello-Repertoires dargestellt wird. Wo Musiker desselben Instruments aus aller Welt zusammenkommen, gebt es die Chance neu entdeckte Werke aus allen Epochen, aber auch neue Kompositionen vorzustellen. Glücklicherweise ist das Cello-Repertoire in den letzten 50 Jahren enorm gewachsen, und ein Festival wie dieses kann dazu beitragen, Werke bekannt zu machen.

Werden Sie auch Gelegenheit haben, andere Konzerte zu besuchen?
Leider wird es mir in diesem Jahr, unseres vollen Probenplanes wegen, nicht möglich sein, andere Konzerte der Kronberg Academy zu besuchen. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, dies in einem anderen Jahr nachzuholen.

Mit dem Ensemble Modern erarbeiten Sie jährlich 20 Uraufführungen. Am Sonntag wirken Sie als Solistin in zwei Uraufführungen mit. Was bedeuten diese Uraufführung, also die erste öffentliche Aufführung eines Werkes, für Sie persönlich?
Konzerte mit Uraufführungen gehören für mich immer zu den spannendsten Projekten. Ich liebe Überraschungen!

Wie haben Sie sich auf die beiden Uraufführungen vorbereitet? War einer der Komponisten bei den Vorbereitungen/Proben zugegen?
Beide Komponisten sind bei den Proben anwesend. Ich empfinde es als großes Glück, aus erster Hand erfahren zu können, was der Komponist sich vorstellt. Oft kommt es während der Probenzeit noch zu Änderungen in der Partitur …

Das Ensemble Modern ist bekannt dafür, dass ihre Mitglieder alle Projekte gemeinschaftlich organisieren. Wie muss man sich das vorstellen? Führt das nicht auch zu endlosen Diskussionen?
Natürlich gibt es bei 18 Musikern auch häufig 18 verschiedene Meinungen, was zu langen Diskussionen führen kann. Die Tatsache, dass jeder seine Meinung und Ideen mit einbringen kann, wirkt sehr motivierend und führt zu einer großen Vielseitigkeit!

von Ulrike Schmid

PS Wenn Sie Eva Böcker persönlich erleben möchten, können Sie hier Karten für das Konzert bestellen.

An Interview with Hanah Stuart

Montag, 15. Juni 2009

Hanah Stuart – who studies at the renowned Juilliard School in New York – joined our Violin Masterclasses in April. She has been chosen to play in the YouTube-Sinfonie-Orchestra at Carnegie Hall in spring. Now – being back in New York and with some distance to her stay at Kronberg – she answered some questions about her daily “musician” life and her thoughts about Kronberg.

Hanah Stuart during the workshop with Roby Lakatos. Photo: Lutz Sternstein/Kronberg Academy

What do you have in mind now when you think about Kronberg?
I think of nothing but amazing things of course. It was my first time in Germany and it definitely will not be the last. Even though I studied German in school for the last semester, I felt all tongue tied and could barely say “Guten tag” without stuttering. Thank goodness most people knew more English than I knew German. Besides that, I just remember all the awesome players, teachers, and the many friends that I made in the short time I was there. Facebook really helps to keep in touch.

How do you feel about Kronberg and the Germans?
I was walking around die Stadt with Iskandar (a fellow participant) and it was like the town was out of a fairy tail. I really felt like we were in Hansel and Gretel or in the Shire and Hobbits should be walking about or something. It was perfectly charming. As for Germans, for someone who has only taken German about a semester in school, they speak too fast for me! Although I now know a German phrase not taught in the text book… “Ach so, genau” was used almost as much as “like” is in English!

You have been chosen to play at the students’ final concert. How were you selected?
With these types of international masterclasses, scheduling is going to be changing every five minutes so you are really kept on your toes. I had no idea what I was going to play and a last minute change had me calling my boss to break into my room to fax the music from New York. It was special :) but things like this seem to happen to me often so you learn to roll with the punches.

How did you feel about getting the chance to play with seven other students at the final concert?
Of course I was honored to be one of eight chosen for the final concert! In a place where everyone is good, if not outstanding, you can’t help but feel special!

Do you give public concerts on a regular basis?
I often perform because of school and as students, we are often encouraged to perform whenever and wherever. I was just in Iowa with some Juilliard students giving a concert at a local college in Dubuque. Even if it isn’t a ‘high scale’ event, any performing opportunity is fun with a grateful audience.

How can our readers imagine your professional life? Please tell something about your practicing, first concerts etc.
My professional life: oy, what a loaded question. These international masterclasses make you think outside the box. Because you are taken out of what you know, you learn so much and start thinking maybe you can do something very different than what you set out for when you were younger. I never think of violin playing as a ‘professional life’ mainly because any pay checks seem to go straight back to school for tuition. When it comes to practicing, I’m not afraid to take breaks but I’ll do what I have to do which means making myself schedule concerts or buying plane tickets to try out for masterclasses, etc. I can go from practicing less than an hour to four hours depending on my schedule. I’ve had overuse injury issues in the past so I try and practice efficiently and spread out my hours whenever possible.

Do you already play together with famous soloists or orchestras?
The first famous person I played with was Sarah Chang on a radio show. Since then, I have soloed with several regional orchestras across the US mainly as awards from winning competitions. After I attended Keshet Eilon in Israel last summer, I was invited to play in Carnegie Hall with Ida Haendel and Ani Shnarch for a benefit concert. I’ve also had a lot of media appearances in documentaries for various festivals, summits, and shows that I’ve been in. I’m still working on finding my exact niche for this musical world.

You have applied for the YouTube-Sinfonie-Orchestra and have been chosen to play at Carnegie Hall. Please tell us about this experience. Did it help your career?
The Youtube Symphony was a really really fun experience even though they worked us hard for the three days we were there. We rehearsed for 10 hours each of the two days before the concert and another 4 hours the next day and then of course performing 2.75 hours worth of music. MTT is awesome to work with and of course hanging out with all the musicians is like any other music festival. In terms of it helping the career: I can’t tell. People who know me definitely could pick me out and I would get facebook posts saying: hey I think I saw you! and all that jazz but I haven’t gotten signed by management or anything like that. It’s just another completely fun and awesome experience that I had this spring.

Thanks a bunch for answering my questions!

Ulrike Schmid

Interview ¦ Ulrike Schmid über die Social-Media-Aktivitäten der Kronberg Academy

Freitag, 29. Mai 2009

Frank Tentler, Projektleiter des Web-Teams der Duisburger Philharmoniker und Mitorganisator der stART.09 hat mich kürzlich zu den Social-Media-Aktivitäten der Kronberg Academy befragt.

Auf der stARt.09 werde ich übrigens die Social-Media-Strategie der Kronberg Academy vorstellen. Mehr Informationen zur stART.09 – der Konferenz zu Kultur und Web 2.0, die am 24. und 25. September in Duisburg stattfindet, erfahren Sie hier.

von Ulrike Schmid

stARTconference ¦ Wir sind dabei

Donnerstag, 23. April 2009

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Im September wird in Duisburg eine sehr interessante Konferenz stattfinden: Die stARTconference – eine Konferenz zu Kultur + Web 2.0. Veranstalter ist die Agentur 4_CULTURE in Zusammenarbeit mit den Duisburger Philharmonikern.

Wir werden bei dieser Konferenz von all unseren Social-Media-Erfahrungen, die wir seit Dezember 2008 gemacht haben (und bis September machen werden) berichten. Als Vorreiter in diesem Bereich wollen wir mit dem Vortrag unseren Beitrag leisten, anderen Kulturschaffenden, die Hemmungen vom Einsatz dieser “neuen” Kommunikationsformen zu nehmen, und aufzeigen, was es uns bringt.

Als Rednerin werde ich die Kronberg Academy vertreten. Heute habe ich Karin Janner – eine der vier OrganisatorInnen von der Agentur 4_Cultur – zur stART.09 auf meinem Blog interviewt. Die Organisatoren und ich freuen uns über einen regen Austausch – in welcher Form und in welchem Netzwerk auch immer …

Zum Interview

Ulrike Schmid

Geigen Meisterkurse ¦ A tribute to Yehudi Menuhin

Mittwoch, 22. April 2009

A tribute to Yehudi Menuhin – unter dieses Motto haben wir unsere erstmalig stattfindenden Geigen Meisterkurse gestellt. Dem Motto entsprechen, werden wir einige Dozenten und Solisten zu Gast haben, die in direkter Verbindung zu Menuhin standen: Ana Chumachenco und Daniel Hope wurden von Menuhin unterrichtet, Roby Lakatos und Lakshminarayana Subramaniam haben mit ihm zusammengearbeitet, die jungen Solisten Alina Ibragimova sowie Alexander Sitkovetsky und der Dozent Mauricio Fuks haben an der Yehudi Menuhin School in der Nähe von London studiert bzw. gelehrt. Heute wäre der brillante Geiger und Kosmopolit 93 Jahre alt geworden. Dies zum Anlass nehmend können Sie heute bei uns eines der letzten Interviews lesen, das Yehudi Menuhin gegeben hat.

“Jetzt weiß ich, dass es Gott gibt”, sagte Albert Einstein als er Sie als Kind spielen hörte. Heute werden Sie als großer Humanist, ja als Heiliger verehrt. Wie sehen Sie sich selbst?

Oh ich bin gar kein Heiliger! Ich tauge nicht dafür. Ich habe meine Prinzipien, aber leider werden die richtigen Prinzipien nie verwirklicht. Man hofft immer, dass es eine bessere Welt gibt.

Ist die Welt schlechter geworden?

Der Mensch war nie ein Engel. Er hat sich an sich nicht verändert im Gegensatz zur Technik, der Ökologie, die Wissenschaft. Demokratie ist an sich fabelhaft, doch sie hat sich nicht entwickelt. Eigentlich sollte sie den Gruppen eine Stimme geben, die keine Stimme haben. Das tut sie nicht immer. Das andere Problem ist sie selbst: Man glaubt, man könnte über die Freiheit verfügen, wie man will. Aber die Freiheit ist die Würde des anderen, die man respektieren muss.

Gibt es für Sie eine ideale Regierungsform?

Man müsste Politiker haben, die Visionen haben und genügend Geld, um unabhängig diese umzusetzen. Dann hätte man eine aristokratische Regierung, die natürlich nicht das Volk repräsentierte, aber vielleicht die Verantwortung für die Zukunft übernehmen würde. Heute denkt man nicht weiter als in kurzen Zeiträumen, bis zu den nächsten Wahlen. Wir müssen daran arbeiten. Darum mache ich das Projekt, wo wir zu den schwierigen Schulen gehen. Wenn die Kinder anfangen zu singen und zu tanzen, dann sind alle Vorurteile weg. Wir zwingen die Kinder Schreckliches zu lesen, zu hören und zu sehen. Dadurch vernichten wir, was im Kind gedeihen könnte. Die Brutalisierung der Jugend ist erschreckend.

Sie haben selbst vier Kinder; wie ist Ihnen die Erziehung gelungen?

Ja, ich glaube ja. Oft war meine Frau der bessere Vater. Frauen sorgen für die Zukunft, Frauen bringen einen wieder auf den Boden der Realität, folgen oft nicht dummen Theorien, weil sie das Leben geben. Der Mann glaubt etwa die große Theorie erfunden zu haben, die Wahrheit. Und dann will er das ganze Leben in diese Richtung forcieren. In der Kunst oder Wissenschaft ist es gut. Aber oft ist die Idee auf Hass aufgebaut, wie bei Diktatoren, dann gibt es nur Vernichtung…

Wenn Sie Ihr ungemein reiches Leben in einem Wort zusammenfassen müssten …

In drei: Liebe und Güte und Glück. Ich hatte wunderbare Eltern und Freunde, das Glück mit Musik leben zu dürfen und zu allen Menschen zu sprechen, seien sie schwarz, gelb oder weiß. Das war das Schönste in meinem Leben.

Über Ihr Eintreten für Wilhelm Furtwängler kurz nach Kriegsende waren viele empört, Sie wurden öffentlich als Verräter und Kollaborateur der Nationalsozialisten gebrandmarkt. Wie sehen Sie heute Deutschland?

Es ist das erste Land, das wirklich ernsthaft und konsequent daran gearbeitet hat, sich von den alten Ideologien frei zu machen. Die Dokumentierungsstelle etwa für deutsche Zigeuner in Heidelberg ist ein solches Zeichen. Es gibt hier viele gute Menschen.

Sind Sie einverstanden mit den vielen Biographien, die über Sie geschrieben wurden?

Mit den meisten nicht, ich habe viele anders empfunden, als dort beschrieben. Nur das, was ich geschrieben habe, stimmt.

Wenn ein Film über Sie gedreht werden sollte, wer sollte Ihre Rolle spielen? Immerhin sollten Sie selbst einmal Paganini spielen.

Ich habe keinen Wunsch, ein Held zu sein, ich tauge auch nicht dazu. Ich weiß es nicht. Ich mag den Film von Bruno Monsaignon über mich.

Sie hatten so viele Gaben. Hätten Sie sich noch mehr gewünscht?

Sehr viel mehr Sport aber auch intellektuelle Fähigkeiten wie Mathematik oder die Naturwissenschaften. Ich wünschte, ich könnte alle Sprachen beherrschen. Es fehlen so viele Dinge.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nicht wirklich. Ich habe Angst, dass gute Menschen vernichtet werden, große Kunst zerstört wird, ganze Wälder. Das ist unerträglich. Sie haben als jüngerer Mensch ein schweres Erbe.

Das Interview führte Teresa Pieschacón Raphael am 16. Dezember 1997 in Fontainbleau bei Paris. 14 Monate später starb Yehudi Menuhin in Berlin.

Online-Marketing für Kulturinstitutionen

Donnerstag, 12. Februar 2009

Regelmäßig befragt Karin Janner, freie Marketingberaterin mit Schwerpunkt Kulturmarketing, Experten zum Thema “Online-Marketing im Kulturbereich”. Da ich die Web 2.0-Aktivitäten für dieses Blog und alle weiteren Social-Media-Aktivitäten koordiniere und begleite hat sie mich zum Thema Online-Marketing befragt. Das Interview können Sie auf ihrem Kulturmarketing-Blog lesen.

Vielen Dank dafür Karin!

Ulrike Schmid


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