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Chamber Music Connects the World – Interview mit Raimund Trenkler

Dienstag, 15. Juni 2010

Das 6. Mal ist „Chamber Music Connects the World“ am 19. Mai in Kronberg mit zwei Schlusskonzerten über die Bühne gegangen. In einem ersten rückblickenden Beitrag hatte die Projekt-Verantwortliche Oda Cramer von Laue ( Beitrag vom 29.5.) ihre persönlichen Eindrücke hier an dieser Stelle geschildert. Im folgenden Interview mit Raimund Trenkler, dem künstlerischen Leiter der Kronberg Academy, erfahren wir dessen Einschätzungen über das, was ihn bewegt hat, welche Aufgaben zu bewältigen waren und wie die weitere Zukunft dieses Projekts aussieht.

Michael Heinz: Wie hast Du „das Projekt Chamber Music Connects the World“ im 10. Jubiläumsjahr erlebt?

Raimund Trenkler: Es ist jedes Mal aufs Neue ein Abenteuer, auf was wir uns da einlassen. Es bleibt neu und frisch, denn es sind immer andere junge Musiker und andere Werke, die auf dem Spielplan stehen. Um es gleich vorweg zu nehmen: die Qualität der musikalischen Darbietungen in diesem Jahr, das Niveau der hier angereisten Musiker war durchweg sehr, sehr hoch. Man muss sich vorstellen, es kommen 22 junge Musiker nach Kronberg. Und diese jungen hochbegabten Musiker haben die Chance mit den berühmten Fünf Seniors zusammen zu treffen und gemeinsam Musik einzustudieren. Sie sind ihren Idolen und Vorbildern ganz nahe. Aus der musikalischen Abhängigkeit zwischen den Seniors und Juniors entsteht automatisch auch menschliche Nähe. Und wir schaffen die Rahmenbedingungen, dass dies auf eine besonders vertraute und familiäre Weise geschehen kann. Es entstehen so besondere Konstellationen und die Intensität der Zusammenarbeit ist so nur in der Kammermusik möglich. So manch einer der Juniors hat während der 11 Tage in Kronberg einen musikalisch-virtuosen Höhenflug hingelegt. Das   gemeinsame Ziel ist es, ausgewählte Kammermusik-Werke einzustudieren und ein einmaliges musikalisches Erlebnis zu gestalten – für die Musiker selbst und auch für das Publikum. Und das Publikum kann bereits während der öffentlichen Proben an der Entstehung des Werkes teilhaben.
Einfach einmalig und es wird nie langweilig!


MH: Welche besonderen Herausforderungen waren zu meistern?

RT: Die größte Herausforderung war es, fünf namhafte Musiker dazu zu bewegen, für gut 11 Tage ihre Terminkalender freizuhalten und sie hier zur aktiven Teilnahme beim Projekt „Chamber Music“ in Kronberg zu motivieren. Da es sich um Künstler von Weltrang handelt, kann man sicht leicht vorstellen, dass viele alternative Auftrittsmöglichkeiten und Konzertangebote für diese Musiker mit dem Projekt der Kronberg Academy im Wettstreit liegen. Gidon Kremer, Tatjana Grindenko, András Schiff, Yuri Bashmet und ursprünglich geplant auch der englische Cellist Steven Isserlis, dies war unser Plan.  Dass wir auch das im diesem Jahr wieder einmal geschafft haben, grenzt schon an kleines Wunder. Die kurzfristige Absage von Steven Isserlis hatte ein ernstes Zusatzproblem für uns entstehen lassen, aber der ebenso kurzfristig herbeigeführte Einstieg von Frans Helmerson, der nahtlos in alle zuvor terminierten Stücke von Steven Isserlis einsprang, „rettete uns den Tag“. Das war schon mit viel Schweiß verbunden.

Die zweite riesige Herausforderung: die Zusammenstellung des umfänglichen Probenplans und die während der Veranstaltungen sich immer wieder ergebenden  Änderungen. Das ganze auf Tagesbasis zu managen, insbesondere die jeweils neuen Probenpläne für den folgenden Tag an alle Künstler und die Support-Teams weiter zu leiten, das ist eine enorme logistische Meisterleistung. Der Probenplan ist äußerst komplex.  Tauchen an einer Stelle Änderungen auf, sind viele andere Proben jeweils betroffen und müssen ihrerseits geändert werden. Es gibt viele Abhängigkeiten zu berücksichtigen, und ja, man kann hier schnell Fehler machen und ein kleines Chaos anzetteln. Täglich gab es Änderungen und der Druck auf die Verantwortlichen war über all die Tage sehr groß.

MH: Wie geht es weiter mit „Chamber Music Connects the World“ ?

RT: Das inhaltliche Konzept von „Chamber Music…“ ist besonders tragfähig, da es aufgrund seiner Flexibilität, nämlich immer wieder stets neue junge Musiker auszuwählen und neue Werke aus dem riesigen Reservoir der Kammermusik auszuwählen, viel Raum für Neues und auch Experimentierfreudigkeit ermöglicht. Natürlich, die Kammermusik bildet den Nukleus.

Und was die Chancen zur Teilnahme betrifft:  Im Vordergrund stehen allein das Können und die Leidenschaft der Bewerber der jungen Musiker. Ausführliche Bewerbungen und dann die Auditions für die Ausgewählten bilden die zu überwindenden Hürden. Hier mitmachen zu können ist etwas Außergewöhnliches, das hat sich jedenfalls herumgesprochen. Es beschert den jungen Musikern einmalige Erfahrungen. Wir hören oft von ihnen, wie prägend diese Tage für sie waren.

Neue Akzente können wir  setzen, in dem wir etwa die Einbeziehung von Bläsern in Erwägung ziehen, um so das musikalische Spektrum gleichsam auszudehnen und zu erweitern. Aber diese Entscheidungen haben noch ein wenig Zeit! Was heute schon sicher scheint ist dies: es wird wieder ein neues Abenteuer vor der Tür stehen, wenn 2012 im Mai eine neue Gruppe von ausgewählten jungen Musikern mit Weltkünstlern in Kronberg zusammentreffen werden, um ein neues Kapitel beim Projekt  “Chamber Music” zu schreiben.

Raimund, danke für dieses Gespräch.

Chamber Music Connects the World – Vorhang auf!

Sonntag, 9. Mai 2010

….. und dass es funkt wie immer!

Istvan Varda und Nicolas Altstaedt in bester Laune

Es ist ein grauer  Sonntag Nachmittag hier in Kronberg. Fast alle eingeladenen 22 Juniors sind in der Stadthalle, um die Begrüßung pünktlich um 15.00 Uhr aus dem Munde von Raimund Trenkler zu hören. Ein herzliches Danke-Schön wird Ihnen entgegengerufen und noch einmal die Besonderheit dieser Veranstaltung herausgestellt. Im Halbrund sitzend, lauschen die aus vielen Ländern angereisten jungen Künstler den ersten organisatorischen Hinweisen bezüglich der bevorstehenden Proben und der diversen Lokationen, in denen diese stattfinden. Raimund Trenkler ist stolz, dass die Veranstaltung nun im 10. Jahre ihres Bestehens (das 6. mal) in unserer Stadt erfolgen kann. Ein tolles Jubiläum!

Nach dem kurzen, informellen Eröffnungs-Procedere sind die Musiker sehr gespannt auf die Probenpläne, von denen Sie bisher noch keinerlei Details kannten. Dann um 15.30 Uhr werden die vorbereiteten Mappen mit den Probenplänen an alle verteilt und kurz darauf vertiefen sich alle Anwesenden geschäftig in die Listen, um Details Ihrer Probenarbeiten begierig aufzunehmen.

Istvan Vardai, der junge Mann aus Budapest verrät mir noch enthusiastisch , dass er sehr gespannt sei auf die Probenarbeiten zu dem von ihm sehr geschätzen Beethoven Streich-Qartett op. 131. „Ein verrücktes Stück, so Istvan, sein Lachen und seine Begeisterung machen mich neugierig, denn für mich ist das Erleben dieses Werkes eine Premiere  – welch ein Ausblick!

Zum Glück braucht Istan sich nicht lange in Geduld zu üben, denn es ist das erste Stück an diesem Nachmittag, welches unter der Anleitung des Seniors Gidon Kremer geprobt werden soll. Also keine Verschnaufpause für Istvan und die anderen Ensemble-Mitspieler.Maestro Gidon Kremer erscheint auch wenig später persönlich vor unserem Bistro-Bereich und begrüßt freundlich und warmherzig einige der Juniors mit einer innigen, familiären Umarmung. „Schön das anzusehen“, ruft meine junge Kollegin Anna-Maria Lange unserem künstlerischen Leiter Raimund Trenkler zu. Dieser nickt zustimmend und sendet wortlos einen lachenden Blick an die junge Kollegin zurück. Genau, das ist es, was dieses Zusammentreffen in Kronberg so einmalig macht. Man fühlt sich hier zuhause und gut betreut. Kurz darauf erscheint eine strahlende Tatjana Grindenko, sie wird herzlich begrüßt von Gidon Kremer und einigen der jungen russischen Musiker. Das obige Bild zeigt zwei glänzend aufgelegte junge Künstler, die Juniors Nicloas Altstaedt und Istvan Vardai aus Budapest (v.l.n.r.) – beides bekannte Gesichter in der Taunusstadt.

Auch wir im Team der Kronberg Academy sind nun froh, dass es endlich nach all diesen verzwickten und vertrackten wochenlangen Vorbereitungen losgehen kann. Unser Herzblut ist in Wallung – na, ja, sagen wir fast!

Welche persönlichen Wünsche und Hoffnungen haben mir einige Team-Kollegen noch rechtzeitig zurufen können, die Sie mit dem Ablauf im Jubiläumsjahr verbinden ?

Hier einige Beispiele:

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Oda Cramer von Laue:

Es möge funken – wie immer

Teresa Hofstetter ( Herrscherin über alle Noten und mehr…).

Dass ich jedem Junior die richtigen Noten geschickt habe.

Gisela Rösing:

Ich wünsche mir inspirierendes gemeinsames Musizieren, fröhliches Miteinander mit viel guter Laune und Humor, ausserdem musikalische Highlights – bei den Proben und Konzerten und:  gute Stimmung überall und bei Sonnenschein (notfalls im Herzen).

Gaby Denicke:

Die Künstler sollten sich hier wohlfühlen, denn nur dann kann Musik auf höchstem Niveau entstehen und damit wollen sie uns, d.h. das Publikum beschenken.

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Der Vorhang geht auf, die Bühne ist frei für intensiven Austausch und Kommunikation rund um kammermusikalische Leckerbissen. Von heute bis nächsten Mittwoch, den 19. Mai befindet sich Kronberg im Kammermusik-Fieber.

Dies war der 10. Blog-Beitrag aus meiner Feder zu den Vorbereitungen im 10. Jubiläumsjahr  von „Chamber Music Connects the World“. Via Twitter werden wir das werte Publikum in nah und fern in den nächsten Tagen mit fotografischen Eindrücken auf dem laufenden halten….

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Claudio Bohorquez

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Tanja Becker-Bender

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Marie-Elisabeth Hecker

CMCW – Was aus den Ex-Junirs geworden ist: Nicolas Altstaedt

CMCW – Was aus den Juniors geworden ist: Alissa Magulis

CMCW – Was aus den Juniors geworden ist: Antoine Tamestit

Michael Heinz