Kammermusik aus Sicht eines Solisten:Ein Interview mit Bonian Tian
Freitag, 10. August 2012
Bonian Tian, 1986 in Shenyang/China geboren, erhielt seinen ersten Cellounterricht im Alter von fünf Jahren. 2005 zog er nach Deutschland und kam fünf Jahre später nach Kronberg, als er in den Masterstudiengang der Kronberg Academy als Junger Solist aufgenommen wurde. Erstmalig nahm er in diesem Jahr am Chamber Music Connects the World Festival als Junior teil; im September wird er dann die Rolle des Dozenten bei unserem Projekt Mit Musik Miteinander übernehmen. In unserem Interview spricht er über die Kammermusik aus der Perspektive des Schülers und des Dozenten und seine Zusammenarbeit mit sowohl jungen, als auch etablierten Künstlern.
Bonian, du arbeitest gerade an deiner Karriere als internationaler Solist. Warum war es für dich interessant, bei einem Kammermusikfestival mitzuwirken?
Ich glaube, solistisches Spielen und Kammermusik sind ganz unterschiedlich. Zusammenfassen kann ich die Unterschiede nicht, aber wenn man Künstler oder Musiker ist, muss man einfach alles können. Heute hört man sehr oft entweder Kammermusiker, Orchestermusiker oder Solisten. Sie können super musizieren in ihrem Fachbereich. Aber die große Künstler, wie Kremer, Bashmet und Schiff, sie können alles. Egal was sie spielen, die Leute hören immer gern zu. Für mich ist Chamber Music Connects the World eines der großartigsten Festivals auf der Welt! Man kann nicht nur mit renommierten Dozenten musizieren, sondern auch die jungen Künstler sind super. Ohne CMCW hätten wir die Gelegenheit leider nicht! Musik verbindet Musiker aus der ganzen Welt.
Welche drei Eigenschaften beschreiben deiner Meinung nach einen guten Kammermusiker?
1) Beherrschung des eigenen Instruments 2) Musikalische Auffassungsgabe 3) Geselligkeit und Unkompliziertheit bei der Probe.
Ist es wichtig, dass die „Chemie“ in der Gruppe stimmt oder kann grundsätzlich jeder mit jedem gleich gut musizieren?
Ich finde, um Kammermusik zu machen, ist es ganz wichtig, dass die Musikern sich persönlich gut verstehen. Nur mit guter Stimmung kann man schöne Musik machen.
Welches kammermusikalische Werk gefällt dir besonders gut?
Leider kann ich kein Bestimmtes nennen. Eigentlich gefallen mir alle Werke. Das hängt davon ab, mit wem ich musiziere. Wenn mit einem fantastischen Künstler spielt , kann selbst ein einfaches Stück Spaß machen und man kann viel Neues dabei entdecken.
Wenn du einmal mit einem Künstler deiner Wahl im Ensemble spielen könntest: wer wäre das?
Im September wirst du bei unserem Projekt Mit Musik Miteinander selbst mit jungen Streichern kammermusikalische Werke erarbeiten. Worauf freust du dich besonders und was könnte vielleicht „schieflaufen“?
Kammermusik mit jungen Streichern zu erarbeiten ist ganz anders, als selber zu spielen. Ich muss mich vor der Probe sehr gut vorbereiten und mich vorher so gut wie möglich über das jeweilige Stück informieren. Natürlich sollte man auch alle möglichen Fälle bei der Probe vorausdenken, damit man die Probenzeit optimal nutzen kann. Ich freue mich auch total darauf, die jungen Streicher kennenzulernen und mit ihnen zu musizieren. Sie sind alle talentierte junge Musiker, ich bin ganz sicher, nichts könnte schieflaufen :-)
Bonian, vielen Dank für dieses Interview!
Caroline Just
Kronberg Academy




















