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Musikalisches im Kronberger Malermuseum / Mit Musik – Miteinander

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Am vergangenen Sonntag, bei schönstem Herbst-Wetter rund um Kronberg, gaben 8 junge Musiker in den Räumen des Kronberger Maler-Museums in der Streitkirche ein mitreißendes Schlusskonzert. Dies war die Abrundung ihrer Teilnahme am Kammermusik-Projekt “Mit Musik – Miteinander”, nunmehr im 10. Jahr seit Start des Projekts duch die Kronberg Academy. Acht junge Leute, allesamt Preisträger bei Musik-Wettbewerben in Deutschland (Jugend Musiziert) und Österreich (Prima la Musica), kamen als Schüler in die Taunusstadt, um von drei jungen Lehrern zu lernen und gemeinsam mit Ihnen ausgewählte Kammermusik-Werke einzustudieren.

Sätze aus den Werken von Ernst von Dohnanyi, Alexander Borodin, Johannes Brahms und Robert Schumann, um nur einige zu nennen, sorgten für einen bunten musikalischen Strauss, der den Zuhörern großes Vergnügen bereitete. Intensiver Applaus belohnte die jungen Musiker aus Deutschland und Österreich. Mitglieder unseres Teams überreichten jedem der Teilnehmer rote Rosen und bescheinigten allen jungen Musikern großes Engagement und Spielfreude. Die drei Lehrer hatten zuvor seit Freitagnachmittag dieses Wochenendes akribisch die einzelnen Stücke geprobt. Kaori Yamagami, Nils Mönkemeyer und Mikhail Ovrutsky waren angereist, um als Mentoren und Lehrer zu fungieren. Die fotografischen Impressionen waren am Freitag und Sonntag entstanden. Während der Pausen zwischen den „Musikproben und Foto-Sessions“ hatte ich Gelegenheit, mit einigen der jungen Nachwuchsmusiker und Lehrer kurz zu sprechen.

Die 14-jährige Dorothea Schupelius, die jüngste der 8 Teilnehmer, berichtete mit freudigem Gesichtsausdruck von ihren 2 ersten Preisen beim Regional- und Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Jahre 2009. Und als Krönung, im selben Jahr, errang sie den ersten Preis (mit Höchstpunktzahl) beim Bundeswettbewerb in der Kategorie Kammermusik, Klavier und ein Streichinstrument. Dorothea spielt seit ihrem achten Lebensjahr Violine und ist in Berlin-Wilmersdorf aufgewachsen. Wenn sie von den derzeit namhaften Geigern besonders mag, da musste sie nicht lange überlegen und nannte mir erst Daniel Hope und dann Anne Sophie Mutter. Von den ganz großen Virtuosen des letzten Jahrhunderts nannte sie Jascha Heifetz und Nathan Milstein. Der junge Leonhard Avelini, der neben ihr stand, nickte uns beiden zu und schickte hinterher: „Die hören wir auch auf CD ab und an bei uns zuhause“ und er mag die Aufnahmen der beiden großen Geiger ganz besonders.

Für lange Gespräche war an diesem Wochenende in der Streitkirche natürlich keine Zeit, da der Probenplan alle Teilnehmer – Lehrer und Schüler gleichermaßen – stark in Beschlag nahm. So verwunderte es nicht, dass mein geplantes Gespräch mit Kaori Yamagami auf einige Minuten zusammenschrumpfte. Egal, einige Einsichten und Einblicke in ihre Denkwelt konnte ich ihr dennoch entlocken.

Kaori berichtete mir von ihrer resoluten Mutter und dem frühen im Alter von drei Jahren beginnenden täglichen Üben (bis zum 9. Lebensjahr eine Steigerung von Jahr zu Jahr), was enorme Entbehrungen brachte aber auch Dankbarkeit, denn ohne diese Disziplin, die die Mutter aus Liebe zu ihr immer durchhielt und durchsetzte, wäre Kaori nicht an der Stelle, wo sie heute steht. Und sie ist sehr überzeugt, dass Studierende bis zum 16. Lebensjahr eine Basis geschaffen haben müssen, was die technische Seite ihres Instruments betrifft. Danach würde die eigentliche „Arbeit“ aber erst so richtig beginnen: nämlich die Arbeit an der künstlerischen Weiterentwicklung eines jeden Musikers.

Obgleich sie bereits 2 CDs eingespielt hat, ist ihr die Arbeit im Studio nicht so geheuer, da hier viel auf reine Perfektion geachtet werde und diese auch mit technischen Mitteln im Nachhinein „realisiert“ werden könnte. Daher seien ihr Aufnahmen bei Live-Auftritten viel lieber, denn hier würde ein authentischer Auftritt aufgezeichnet, bei dem unperfektes eben dazu gehörte. Was sie von den “Cross-Over“- Tedenzen in der Klassik halte, wollte ich am Schluss noch kurz erfahren. „David Garrett ist ein Pop-Musiker, das muss man wissen, sagte sie. „Was er macht, hat mit unserer Arbeit nichts mehr zu tun“ gab sie mir zu bedenken. Aber, „er ist ein guter Geiger“, meinte sie noch anerkennend, „und er hat sich für Cross-over und Fusion entschieden“. Und diesen Gedanken schob sie noch nach: „Persönlichkeiten in der klassischen Musik müsse es geben, insbesondere jene, die die Menschen begeistern und anziehen. Aber niemand dürfe sich als Interpret über den Komponisten stellen. Das wäre schlicht anmaßend“.

„Du sprichst mir aus der Seele“, rief der zufällig vorbeilaufende Stephen Potts zu uns hinüber. Stephen ist Leiter unseres einzigartigen Studiengangs „Kronberg Academy Master“ und fand seine Sicht von Respekt und Wertschätzung gegenüber den Komponisten vollauf bestätigt.

“Mit Musik-Miteinander“ wurde vergangenen Sonntag mit dem tollen Schlusskonzert beendet. Die jungen Musiker drehten nach Beendigung des Schlusskonzertes noch einmal freudig auf und einige tanzten vergnügt im Studio 1, wo sich normalerweise die Unterrichtsräume unseres Studiengangs befinden. Die Räumlichkeiten wurden kurzfristig für MMM in Umkleide- und Probenräume verwandelt. Sander Stuart, der Viola gespielt hatte, mimte Tanzfiguren, und Magdalena Kraus eilte herbei, um das Happening zu ergänzen. Dann schnappte jeder seinen Instrumenten-Koffer, die rote Rose und rief jedem anderen Mitteilnehmer noch ein paar Abschiedsworte zu, dann ging es abwärts, raus auf die Tanzhausstrasse, wo Freunde und Familienmitglieder die jungen Leute in Empfang nahmen.

Kronberg war wieder einmal Schauplatz von „Mit Musik – Miteinander“, nunmehr im 10. Jahr. Wieder verließen junge Musiker diese Stadt mit dem Gefühl, an einem inspirierenden Ort gewesen zu sein und aktiv mitgewirkt zu haben. Und sie hatten reichlich Gelegenheit, technische und interpretatorische Anregungen für Ihr eigenes Spiel aufzugreifen und umzusetzen.

Michael Heinz

Interview mit Nils Mönkemeyer – Mit Musik-Miteinander

Dienstag, 19. Oktober 2010

Michael Heinz: Am kommenden Freitag den 22. Oktober werden Sie die Möglichkeit haben, im Rahmen unseres Projekts “Mit Musik – Miteinander”  gewissermaßen vom Solisten  zum Lehrer zu werden – gemeinsam mit Ihren Mitstreitern Kaori Yamagami und Mikhail Ovrutsky. Was verbinden Sie mit dieser Vorstellung?

Nils Mönkemeyer: “Studierende” bleiben wir als Musiker ja unser ganzes Leben lang. Für mich geht es bei dem Projekt nicht in erster Linie darum, mich als Lehrer zu betätigen, sondern vielmehr im lebendigen Zusammenspiel voneinander zu lernen. Kammermusik ist eine Gattung, die am besten ohne eine menschlich gedachte Hierarchie funktioniert, man muss in der Lage sein, im richtigen Moment die anderen Spieler zu unterstützen und dann wieder einen entscheidenden Impuls setzen, Freude an kleinen Einwürfen zu haben und gemeinsam ein großes Ganzes zu schaffen.

MH: Als ehemaliger Junior bei „Chamber Music Connects the World“ 2008 konnten Sie mit namhaften Kammermusikern und Solisten gemeinsam Kammermusikwerke erarbeiten – wie prägend war diese Erfahrung für Sie, was hat dies für ihre eigene musikalische Weiterentwicklung bewirkt?

NM: Eine intensive Woche zu verbringen mit Künstlern wie Gidon Kremer oder Yuri Bashmet ist natürlich etwas ganz, ganz besonderes. Beide Künstler waren und sind Idole für mich und die Momente der Konzerte sind mir immer wieder ganz präsent. Es ist diese absolute Konzentration und Hingabe, die mich an diesen großen Meistern besonders beeindruckt hat, diese völlige Hingabe im Moment des Spielens, die alles andere unwichtig macht und den “magischen Moment” erschafft, nach dem wir immer suchen. Die Erinnerung daran macht mich sehr glücklich.

MH: Manch einer ist der geborene Lehrer, wie ist Ihre Einschätzung von sich selbst in dieser Rolle…? Haben Sie hier eine Vorahnung oder betreten sie hier völlig neues Terrain und wissen selbst noch nicht, wie dies ausgeht? Von Bernhard Greenhouse stammt der Gedanke, dass man sich immer ganz auf die Persönlichkeit der Schüler einlassen muss, jeder Schüler hat einen anderen „Auslöser“ für den Erkenntnisprozess.

NM: Ich war drei Jahre Assistent von Diemut Poppen in Madrid und habe seit einem Jahr meine eigene Klasse in Dresden. Unterrichten ist schon seit vielen Jahren ein Hauptfeiler meiner künstlerischen Tätigkeit. Jeder Schüler hat eine unverwechselbare und eigene Persönlichkeit . Manche halten mir selbst einen Spiegel vor, andere kommen mit Problemen, über die ich nie nachgedacht habe und so ist jede Unterrichtsstunde neu und faszinierend. Der Lehrer lernt genauso viel, wie der Schüler.

MH: Welche Musiker sind für Sie eine große Inspiration – möglicherweise auch Musiker, die nicht aus der Kammermusik stammen,  die Ihnen zB auch Anregungen geben, wie man musikalische Strukturen „liest“, die Essenz eines Werkes vollständig durchdringt?

NM: Da gibt es viele. Immer wieder verbringe ich Stunden auf Seiten wie Youtube oder beim Anhören von CDs und entdecke neue Welten und Ansichten. Besonders inspirierend  sind aber die Begegnungen mit Kollegen und Orchestern bei gemeinsamen Konzerten, die mich besonders bereichern.

MH: Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Kronberg denken?

NM: Man kommt an, alles ist von einem supernetten Team perfekt vorbereitet und man packt das Instrument aus und muss nur noch spielen, in der Pause ist der Kaffee schon fertig und immer jemand, mit dem man sich gerne unterhält…Das ist doch herrlich!!

MH: Bitte formulieren Sie hier ein paar Gedanken, was Ihnen besonders am Herzen liegt, wenn Sie sich bald hier zu uns auf den Weg machen, in Bezug auf Ihre Rolle als Senior bei „Mit Musik-Miteinander“

NM: Am kommenden Freitag im schönen Kronberg……freue ich mich auf viele neugierige und motivierte “Juniors”, auf meine wunderbaren Kollegen Kaori und Mikhail und das nette Team der Academy. Nicht zuletzt: Musik, Musik, Musik:)

MH: Was sind ihre ganz persönlichen kurz- und mittelfristigen Ziele und Wünsche nach dieser „Kronberger Station“, wenn wir dies so fragen dürfen…?

NM: Da habe ich sehr viel Glück: Berlin Philharmonie, Köln Philharmonie, tolle Orchester, eine neue CD “Folia” im Januar, diese Saison ist meine bisher schönste!!

MH: danke für dieses Interview, Herr Mönkemeyer!

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Michael Heinz

Kammermusikprojekt ¦ Mit Musik – Miteinander: 100 % Miteinander und Füreinander

Montag, 9. November 2009

Mit Musik - Miteinander 02/2009 Näher als an diesem Wochenende hätten wir der Kammermusik kaum kommen können: Die jungen Dozenten Kirill Troussov, Kaori Yamagami und Itamar Ringel verschmolzen (musikalisch, räumlich und wärmetschnisch) mit den Zuhörern und dem Team in unserem Studio in der Streitkirche. Es wurden einige der schönsten Kammermusikwerke geboten und das in dazu geradezu geschaffenen Räumlichkeiten im Museum und in den Master Studios der Streitkirche.

Gebannt verfolgten wir die Partituren, gingen bei der aufsteigenden Melodie im Lerchenquartett mit, litten mit Brahms im G-Dur Streichsextett, erlagen Kaoris Mit Musik - Miteinander 02/2009 Musizierfreude und erlebten Itamar als Dirigent, Bratscher und Lehrer. Die 9 Teilnehmer – Preisträger von “Jugend musiziert” (Deutschland) und “Prima la Musica” (Österreich) – waren allem so offen gegenüber und vernetzten sich – schön die verschieden “Sing sangs” aus Wien, Graz, Stuttgart, Augsburg, russische Anklänge, hebräisch und eglisch. Es gab ein Wiedersehn mit der jungen Bratscherin Irina (sie war im Mai schon dabei) und mit Nicolai, dem Cellisten, der schon beim Cello Festival passiv dabei war.

Im Publikum die kleine, höchstens fünfjährige Deutsch-Japanerin mit Mutter fasziniert in der ersten Reihe, der aus Engalnd angereiste Kammermusikliebhaber, die Kanzlei aus Frankfurt, die mit 12 Personen vorbeigekommen war und viele Kammermusikliebhaber aus der Region… Wir waren im Bann von Schubert und Mozart und verwandelt durch das Wechselspiel in Mendelssohn-Bartholdys Oktett – die leicht aufblitzenden Pralltriller, die klare Geige von Kirill, die souveränen Bratschenläufe von Itamar und der sonore Celloklang von Kaori – es war schön und wir haben ein wirklich intensives Wochenende erlebt!

Für alle die nicht dabei sein konnten – das nächste Mit Musik – Miteinander findet statt vom 9. bis 11. April 2010 mit Alina Ibragimova, Itamar Ringel und Nicolas Altstaedt!

von Mareile Zürcher

Kammermusikprojekt ¦ Mit Musik – Miteinander wirft seine Schatten voraus

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Kaum ist das große Cello Festival vorbei, bleibt keine Zeit für eine Pause, da ein nächstes Projekt ansteht: Vom 6. bis 8. November findet wieder das Kammermusikprojekt „Mit Musik – Miteinander“ statt. Im Gegensatz zum Cello Festival, bei dem über 50 Künstler zu Gast in Kronberg waren, handelt es sich bei „Mit Musik – Miteinander“ um drei junge Nachwuchskünstler (Violine, Viola, Cello), die zusammen mit 9 Schülern (im Alter von 12 bis 20) kammermusikalische Werke erarbeiten. Während im Mai dieses Jahres bei „Mit Musik – Miteinander“ u. a. der Pianist Martin Helmchen Dozent war, wird es im November eine reine Streichergruppe geben.

Die Dozenten werden Kirill Troussov (Violine), Itamar Ringel (Viola) und Kaori Yamagami (Violoncello) sein.

Der 27-jährige Kirill Troussov ist in St. Petersburg geboren, studierte am Rimsky-Korsakov-Konservatorium, dann in Köln und München und ist mittlerweile so bekannt, dass er Einladungen von berühmten Orchestern erhält, wie z. B. der Staatskapelle Berlin, den Münchner Philharmonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Russischen Nationalorchester.

Der Bratschist Itamar Ringel, der seine musikalische Ausbildung in Jerusalem begann, studiert derzeit an der Hochschule für Musik „Hanns-Eisler“ in Berlin bei Tabea Zimmermann.

Kaori Yamagami, die schon mit drei Jahren ein Cello in der Hand hielt, hatte mit sechs Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt.  Das Ausnahme-Talent studierte am Curtis Institute of Music in Philadelphia, am New England Conservatory in Boston bei Paul Katz und seit 2003 bei Frans Helmerson an der Kölner Musikhochschule. Kein Wunder, dass Kaori zahlreiche Preise gewann und mit internationalen Orchestern, wie dem Montreal Symphony Orchestra, gastierte.

Alle drei Nachwuchsmusiker haben, wie üblich, eine Gemeinsamkeit: Sie haben beim Kammermusikprojekt „Chamber Music Connects the World“, dem „Mutter-Projekt“ von „Mit Musik Miteinander“ als „Juniors“ teilgenommen, d. h. sie musizierten u. a. zusammen mit Künstlern wie Yuri Bashmet, Gary Hoffman oder Gidon Kremer.

Nun sollen die „Juniors“ bei „Mit Musik – Miteinander“ junge Instrumentalisten im Alter von 12-20 Jahren unterrichten. Und das hoffentlich auch diesmal mit Erfolg!

Beworben haben sich ca. 35 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Österreich, die meisten auf Einladung der Wettbewerbe „Jugend musiziert“ und „Prima la musica“, dem österreichischen Pendant. Schließlich ist die Bedingung für die Teilnahme an „Mit Musik Miteinander“, Bundespreisträger einer dieser Wettbewerbe zu sein.

Das Kammermusikprojekt wird traditionell von uns Praktikanten organisiert, als erstes „eigenes“ Projekt, und nun hoffen wir natürlich, dass alles gut über die Bühne geht!

von Cynthia Dietterle