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Cello Festival ¦ Kontrapunkte lautet das Leitmotiv des neunten Cello-Festivals

Dienstag, 16. Juni 2009

Unser neuntes Cello-Festival, das vom 28. September bis 4. Oktober 2009 stattfindet, wirft seine Schatten voraus. Wir haben es unter das Leitmotiv “Kontrapunkte” gestellt, denn in 20 Konzerten und neun Workshops will es ausloten, wozu ein Cello so alles imstande ist – und dazu gab und gibt es im Laufe der Jahrhunderte und auf der ganzen Welt ganz unterschiedlich Ideen und Geistesblitze, die hier einander gegenüber gestellt werden.

Im Gegensatz zu den meisten früheren Cello-Festivals rankt sich das diesjährige also nicht um eine Künstlerpersönlichkeit und deren Lebenswerk, sondern wirft vielmehr ein Licht auf die große Vielfalt cellistischer Ausdrucksformen. So stehen nicht nur klassische Stücke auf dem Programm, sondern auch Werke, die dem Samba, Bossa Nova und Jazz zuzuordnen sind. Von den „Klassikern“ wiederum werden wir nur wenige der großen und bekannten Werke hören (wie das C-Dur Konzert von Joseph Haydn zum Haydn-Jahr), dafür aber auch hier viel Außergewöhnliches, von Entdeckungen aus der Alten Musik bis hin zu spannenden Erst- und Uraufführungen. Mit einem „Platzkonzert“ unter freiem Himmel (und bei freiem Eintritt), dem Cellokonzert von Friedrich Gulda, fängt übrigens alles an. Und wie ein blauer Faden zieht sich durch das gesamte Festival eine “Blaue Reihe”, in der uns an sechs Abenden zu später Stunde vieles erwartet, was man vom Cello sonst nicht so kennt – Originelles, Gewagtes und Improvisation.

Was nicht neu ist: Es wird atemberaubend, immer wieder finden Veranstaltungen zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten statt! Die Liste der Künstler, die zu dem Festival unter der Schirmherrschaft von Marta Casals Istomin nach Kronberg kommen liest sich wie ein Who is who nicht nur der Cello-, sondern der gesamten Musiker-Elite: Julius Berger, Claudio Bohórquez, Enrico Bronzi, Lars Danielson, Patrick und Thomas Demenga, Enrico Dindo, László Fenyö, David Geringas, Sebastian Hess, Gary Hoffman, Danjulo Ishizaka, Steven Isserlis, Gidon Kremer, Jens Peter Maintz, Mischa Maisky, Lily Maisky, Dai Miyata, Jaques Morelenbaum, Krzysztof Penderecki, Miklós Perényi, Ernst Reijseger, Giovanni Sollima, Ilan Volkov, Pieter Wispelwey, Frank Wolff, sowie das Ensemble Modern und die Kremerata Baltica.

In öffentlichen Workshops werden Jaques Morelenbaum, Ernst Reijseger, Thomas Demenga, Pieter Wispelwey, Julius Berger, David Geringas, Gary Hoffman, Patrick Demenga Giovanni Sollima im Zeitraum vom 30. September bis 3. Oktober junge Cellisten unterrichten.

Details zu den einzelnen Konzerten finden Sie auf unserer Internetseite und selbstverständlich werden wir Sie auch hier auf dem Laufenden halten.

Oda Cramer von Laue

Konzert ¦ Daniel Hope ¦ Eine Hommage an Yehudi Menuhin

Montag, 4. Mai 2009

Das morgige Sonderkonzert verspricht etwas Besonderes zu werden. Es steht ganz im Zeichen des großen Geigers Yehudi Menuhin, dessen Spiel Albert Einstein einst zu der Aussage veranlasste: „Jetzt weiß ich, dass es einen Gott im Himmel gibt.” Ausgesprochen hat er dies nachdem er Menuhin als 13-Jährigen in dem „Konzert der 3 B” (Bach, Beethoven, Brahms) mit den Berliner Philharmoniker gehört hatte.

Der Menuhin-Schüler Daniel Hope – Solist und Leitung des Konzerts – wird den Abend gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester sowie Benjamin Hudson, Wolfgang Kussmaul, (Violine) und György Bognar (Violoncello) musikalisch gestalten. Auf dem Programm stehen Werke von Bach und Vivaldi.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wird hingegen von seinen Begegnungen mit Menuhin sprechen. Erstmals persönlich getroffen hat Reich-Ranicki Menuhin im Jahre 1960. Es war eine zufällige Begegnung auf einer Zugfahrt von Köln nach Hamburg. Sie unterhielten sich und auf die Frage Reich-Ranickis, ob es nicht langweilig sei, wenn man wochenlang von Stadt zu Stadt reise und immer dasselbe Konzerte spiele, gab Menuhin ihm

„[...] eine Antwort von großer Schlichtheit, wenn nicht gar Banalität. Aber ich habe sie nie vergessen. Er sagte mir: „Wenn man sich jeden Abend wirklich Mühe gibt, wird es nie langweilig.” (Aus: Marcel Reich-Ranicki, Mein Leben)

Menuhin war nicht nur ein begnadeter Geiger, sondern er stellte seine Virtuosität in den Dienst eines undogmatischen Humanismus. Kein Musiker „dürfe dumpf vor sich hin fiedeln während die Welt in Flammen steht”, so seine persönliche Überzeugung. Er gab in den Kriegsjahren über 500 Konzerte für wohltätige Zwecke in Lazaretten und spielte unmittelbar nach Kriegsende für die Überlebenden der Konzentrationslager.

Da Yehudi Menuhin – ebenso wie uns – die Förderung junger, talentierter Künstler am Herzen lag, wird im Rahmen des Sonderkonzerts das erste Mal der Yehudi Menuhin Nachwuchspreis an ein junges Talent (bis 18 Jahre) vergeben. Aus Anlass des zehnten Todestages des großen Geigers haben wir einen Fonds gegründet aus dem dieser finanziert werden wird. Das Benefizkonzert mit Daniel Hope soll die Grundlage schaffen. Den Grundstock legte die Zürich Gruppe Deutschland mit einer Spende.

Bereits morgen Nachmittag um 15 Uhr findet in der Stadthalle Kronberg ein Podiumsgespräch mit Daniel Hope statt. Moderiert wird das Gespräch “Ein Vorbild von Kindesbeinen an – Erfahrungen mit Yehudi Menuhin” von Dr. Christoph Bungartz.

Karten für das Sonderkonzert „Yehudi Menuhin – eine Hommage” am Dienstag, dem 5. Mai um 19 Uhr im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt, Bertramstraße 3 gibt es an der Abendkasse oder hier

von Ulrike Schmid