Artikel-Schlagworte: „London“

Meisterklasse mit Volker Biesenbender

Mittwoch, 23. November 2011

Das ist Top, Top, Top

Er hat in London an der berühmten Yehudin Menuhin School studiert und ist viele Jahre später als Lehrer wieder an diesen Ort zurückgekehrt. Hier traf Volker Biesenbender auf  Stephen Potts, dem heutigen Direktor unseres Studiengangs „Kronberg Academy Masters“. Stephen war damals in leitender Stellung an dieser berühmten Londoner Musikschule für Yehudi Menuhin tätig. Als Stephen Potts im letzten Jahr wieder Kontakt zu seinem alten Freund Volker aufnahm, verabredete man zunächst einen Auftritt und einen Workshop anlässlich der Geigen-Meisterkurse im Juli dieses Jahres in Kronberg.  Schwerpunkt des Workshops war das Thema „Improvisation“, für das Volker Biesenbender fast schon ein Synonym innerhalb der klassischen Musikausbildung geworden ist. Jetzt, Mitte November, sollte er noch ein zweites Mal in diesem Jahr in die Burgstadt kommen, um für 14 Junge Solisten unseres Studiengangs „Kronberg Academy Masters“ (KAM) individuelle Meisterkurse zu geben.

Volker Biesenbenders Auftritt über 2 volle Tage ( 16./17.11.) war eine große Bereicherung für unsere jungen Musiker. Er war während dieser zwei prallen Tage im “flow”, wie er uns überzeugend berichtete. Als Lehrer unterwegs zu sein, das sei für ihn selbstverständlich. Er sieht es als persönliche Verpflichtung an, das Gelernte an die nächste Generation bestmöglich weiter zu geben. Und hierher nach Kronberg zu kommen, das war eine Herausforderung allererster Güte. Und die Resonanz bei den jungen Musikern war äußerst positiv. „Das war wunderbar“, so sagten es wie aus einem Munde Christel und Hanna Lee und auch Ella van Poucke, die mit 17 Jahren die jüngste Junge Solistin in unserem Studiengang.

Bei jeder Einzel-Session (Dauer. 50 Minuten) waren stets die anderen Solisten als Zuhörer mit von der Partie. So kam eine maximale Lernsituation zustande. Und am Abend waren alle angereichert mit Gedanken und Ideen von einem Lehrer, der auch als  Straßenmusiker Erfahrungen sammeln konnte.

Am Ende des zweiten Tages zeigte Volker den Jungen Solisten und dem Kronberg Academy Team einen israelischen Dokumentar-Film über seine Musik und seinen eigenen unkonventionellen musikalischen Werdegang. Seine musikalische Ausbildung führte ihn zunächst an die Musikhochschule Tel Aviv, wo er sein Studium abschloss. Insgesamt verbrachte er 4 Jahre in Israel. Nach dem Studium befasste er sich ausgiebig mit historischer Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basel. Daneben gab er zahlreiche Recitals und trat bei diversen Festivals auf. Mit seinem eigenen multistilistischen Trio Avodah gibt er seit einigen Jahren Konzerte in ganz Europa. Auch das Kronberger Publikum konnte sich im Sommer diesen Jahres ein eigenes Bild von dem mitreißenden Auftritt des Trios  in der Stadthalle machen. Bemerkenswert ist noch dies: Sein großer Mentor, der weltberühmte Yehudi Menuhin, unter dessen Stabführung er noch kurz vor dessen Tod die erste Bartók-Rhapsodie einspielte, wies in vielen Interviews und Fachartikeln enthusiastisch auf Biesenbenders künstlerische Vielseitigkeit hin.

Sein Credo: Das im Innersten eines Musikers Empfundene sollte beim Vortrag nach außen gelangen, es sollte idealerweise im Augenblick des Spielens ( im „Hier und Jetzt“) aus dem Musiker herausfließen. Der Musiker müsse im flow sein, seine eigenen tiefen Empfindungen und Gefühle für die Hörer erlebbar und erfahrbar machen. Auf unsere Frage, wer ihn maßgeblich in seiner musikalischen Auffassung beeinflusst habe, antwortete er sogleich und nennt seinen langjährigen Lehrer Rami Shevelov, aus seiner Zeit in Tel Aviv.

Ein bestimmtes System oder eine Methodik habe er dabei nicht zur Hand, so erklärte er uns. Wohl aber trete er in einen Dialog mit jedem Musiker, wenn dieser ihn sein/ihr Werk vorgespielt hat. So war es auch in Kronberg mit den insgesamt 14 Jungen Solisten, die die Instrumente Violine, Viola und Cello jeweils mit Klavierbegleitung in unterschiedlichen Werken erklingen ließen.

In unserem Gespräch kurz nach Beendigung der Meisterklasse Ende letzter Woche, schilderte er uns – sichtlich erleichtert – wie die zwei „Kronberger Tage“ auf ihn gewirkt hatten und mit welchen Gedanken er heimwärts reisen würde. Jeder der 14 jungen Musiker konnte sich 50 Minuten auf sein/ihr Stück vorbereiten, um dann im Kreise der Mitstudierenden das eigene Stück vorzutragen und dann Volkers Feedback zu hören. „Das war top, top, top“,  ließ er wissen. Was er hier erlebt habe mit den jungen Musikern, „das sei vom Feinsten gewesen, so seine Worte über die Jungen Solisten und die Kronberg Academy als Ausbildungsinstitution.

Über die Jahre mit vielen Erfahrungen in Sachen Unterrichten junger Musiker bestens ausgestattet, war Volker Biesenbender nicht zurückhaltend mit seinem Lob über die Arbeit, die das Team um Stephen Potts seit nunmehr 5 Jahren leistet. Für Biesenbender war es etwas Besonderes, die créme de la créme junger Streicher unterrichten zu dürfen und so viele herausragende junge Musiker um sich zu wissen. Eine solche Dichte hätte er noch nicht erlebt. Dazu die Natürlichkeit und die spezielle Atmosphäre in den Räumen der Streitkirche, dort wo die Meisterklassen und Kurse für die Jungen Solisten abgehalten werden. All dies sei ihm sehr positiv aufgefallen. An anderer Stelle fällt das Wort vom „Hochleistungslabor“, aber hier in Kronberg sei eben das Menschliche noch sehr zu spüren. Das sei bei ihm sehr positiv angekommen.

Und die Einladung der Academy, im nächsten Jahr bei „Classic for Kids“ erneut in Kronberg aufzutreten, da habe er mit seiner Zusage nicht mehr lange zögern müssen. Für die Musikliebhaber in und um Kronberg eine prima Nachricht!

Michael Heinz

Feuermann in Amerika (2) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der 2. Weltkrieg bricht aus

Eine letzte Konzertreise führte Feuermann Anfang 1939 nochmals nach Europa. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten zeichnete sich der Ausbruch des 2. Weltkrieges ab. RCA nahm Feuermann unter Vertrag, Columbia, mit denen er zuvor zusammen gearbeitet hatte, hatte das Nachsehen. Diverse Plattenaufnahmen u.a. mit Franz Rupp am Klavier (Begleiter von Fritz Kreisler) zeugen heute von Feuermanns großer Meisterschaft auf dem Gebiet der Kammermusik. Lediglich eine einzige Aufnahme eines Bachschen Werkes ist erhalten geblieben. Sie entstammt einem Konzert im New Yorker Lewisohn Stadion zusammen mit den New Yorker Philharmonikern. Das Konzert wurde im Radio gesendet und aufgezeichnet. Sonst gibt es keinerlei Aufnahmen eines Bachschen Werkes. Da Feuermann gewusst hatte, dass Casals sämtliche 6 Suiten in den Jahren 1936 und 1939 aufgenommen hatte, war er wohl der Meinung, dass diese Werke die Domäne von Casals seien. Feuermann hatte eine hohe Meinung von dem katalanischen Maestro und wollte die Cello-Suiten mit Casals gemeinsam einstudieren. Aber dazu kam es nicht mehr.

Feuermann trifft auf Jascha Heifetz und agiert als Lehrer

Während Casals in Europa immer die allerhöchste Verehrung genoss, war Feuermann nun in den Vereinigten Staaten buchstäblich außer Konkurrenz. In jener Zeit wurde Feuermann von Jascha Heifetz sehr unterstützt, mit dem er dann bei RCA nicht zuletzt aufgrund des Erfolges mit dem NOA Orchester unter Leon Barzin, das Doppelkonzert von Brahms aufnahm. Für Yo-Yo Ma belegen diese Aufnahmen, dass Feuermann der einzige Cellist in jener Zeit war, der dem Geiger Heifetz “Bogenstrich für Bogenstrich” ebenbürtig war. Feuermann ging aber auch einer Lehrtätigkeit am berühmten Curtis Institute in Philadelphia nach. Der damalige Leiter und Geiger Ephraim Zimbalist hatte ihm diesen prestigeträchtigen Lehrauftrag verschafft (zu seinen dortigen Schülern zählte u.a. David Soyer, Gründer des Guarneri-Quartetts).

Das „One Million Dollar Trio“ – Feuermann schreibt Musik-Geschichte

Im Sommer des Jahres 1941 nahm Feuermann zusammen mit den beiden Superstars der damaligen Zeit Jascha Heifetz (Violine)  und Arthur Rubinstein (Klavier) einige der bedeutendsten Kammermusik-Werke auf. Das Trio ging seinerzeit als “One Million Dollar Trio” in die Musik-Geschichte ein. Die Aufnahmen sind bis heute von hohem musikalischen Rang. Weitere Aufnahmen folgten unter Einbeziehung des damals führenden englischen Bratschers, William Primrose.

Die Kriegsgeschehnisse hatten im Dezember 1941 auch Amerika einbezogen und Feuermann zeigte patriotisches Engagement für seine neue Heimat. Er gab Konzerte vor US-Soldaten und beteiligte sich am so genannten ” I am an American-Day”. Ansonsten sorgten seine diversen Konzertauftritte und Plattenaufnahmen für einen prallen Kalender. Zwischenzeitlich war es gelungen, die Eltern und seinen Bruder nach Amerika zu bringen, mithilfe des Musiker-Freundes Bronislav Hubermann.

Das letzte Konzert

Am 7. Mai gab er sein letztes Konzert in Ann Arbor mit dem Philadelphia Orchestra unter Thor Johnson, zwei Wochen später, noch nicht einmal 40 Jahre jung, verstarb er am 21. Mai 1942 an den Folge-Komplikationen einer an sich einfachen Operation. Sein Tod war für alle unfassbar. Arthur Rubinstein charakterisierte den Menschen Emanuel Feuermann ganz einfach so: ” Er war das Leben selbst”.

Wenige Tage vor seinem Tod hatte Emanuel Feuermann einen Plattenvertrag unterschrieben: Er sollte sämtliche Beethoven Sonaten einspielen. Die Aufnahme der Bach Cello Suiten hingegen, mit denen er sich auseinander gesetzt hatte, war ihm nicht so eilig.

Bei seiner Beisetzung am 28. Mai war die damalige Musiker-Elite zugegen. Ormandy, Szell, Serkin, Schnabel, Huberman und Toscanini, sie alle waren am Tage seines Begräbnisses zur Stelle. In einem Nachruf für die New York Times schrieb der Musiker-Kollege Joseph Schuster einen großartigen Beitrag, er bezeichnete Feuermann als “unersetzlichen Künstler”. Und 1954 äußerte Pablo Casals in seinen berühmt gewordenen Gesprächen mit seinem Landsmann José Maria Corredor, welchen Cellisten er ganz besonders verehre. Es sei Emanuel Feuermann gewesen und dessen Tod sei ein großer Verlust für die Musik.

Ein einfacher Grabstein auf dem Kensico Friedhof des Ortes Valhalla nördlich von New York erinnert an den neben Pablo Casals  größten Cellisten seiner Zeit. Bedingt durch die Kriegswirren der damaligen Zeit verbreitete sich die Nachricht von seinem Tode nur verspätet nach Europa. Erst im Oktober 1945 erhielt Feuermanns Witwe Eva einen handgeschriebenen Brief von Pablo Casals, den dieser auf französisch von London aus abgeschickt hatte. Darin faßte  er mit wenigen Sätzen die Bewunderung und Anerkennung für den Menschen und Musiker Emanuel Feuermann zusammen.

Ausblick

Die Kronberg Academy möchte die Erinnerung an diesen großen Musiker allzeit mit ihrem Wettbewerb und auch mit Projekten und Veröffentlichungen weiterhin wach halten und als nach wie vor lebendige und vorbildliche Inspirationsquelle für kommende Cello-Generationen verstanden wissen.

Folgende Beiträge sind vorangegangen:

Zeit zum Erinnern, Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1), Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre, Feuermann in Amerika (1)

Michael Heinz

Feuermann in Amerika (1) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Vor einer Woche ging der Grand Prix Emanuel Feuerman in Berlin mit dem viel beachteten Preisträger-Konzert zu Ende. Das Erinnern an den großen Cellisten wurde auch durch die in der Philharmonie eingerichtete Feuermann-Ausstellung unterstützt. Und gewissermaßen flankierend haben wir versucht, im Rahmen einer Blogreihe einzelne Aspekte im Leben dieses großen Musikers ins Bewusstsein der heutigen Cellisten-Gemeinde zurückzurufen.

Die beiden abschließenden Beiträge gehen auf die letzten Lebensjahre des überragenden Mannes ein und beleuchten dabei insbesondere die Zeit in Amerika sowie einige seiner seine US Konzerte und Plattenproduktionen.

Wir hoffen, dass mit diesen beiden Blogbeiträgen über Emanuel Feuermann unser gerade abgeschlossenes Projekt Grand Prix Emanuel Feuermann einen wohlgerundeten Abschluss erfährt.

Unruhige Jahre – Hoffen auf ein Verbleiben in Europa

Die Jahre nach seinem erzwungenen Ausscheiden in der Hochschule für Musik in Berlin brachten eine intensive Reisezeit mit sich. In jenen Jahren konzertierte er eifrig und war auch mehrmals auf Konzertreisen in den Vereinigten Staaten unterwegs. In den Jahren 1934 und 1935 hatte Feuermann wechselnde Wohnsitze mit Schwerpunkt Schweiz. Im Oktober 1936 erhielt er schließlich eine offizielle Aufenthalts-genehmigung für das Land. Bis 1938 hatte er die Hoffnung, dass London sein permanenter Wohnsitz werden könnte.

Diverse Platten mit unterschiedlichen Ensembles und Orchestern wurde eingespielt. In England entstanden großartige Aufnahmen zusammen mit Myra Hess und Gerald Moore. Erst im Mai 1938 gelang der Durchbruch auch bei den zurückhaltenden englischen Musik-Kritikern, als er beim May-Festival mit dem BBC Symphony Orchester unter Toscanini auftrat. Nun war auch hier der Damm gebrochen, was die Anerkennung seiner großen Meisterschaft und einzigartigen Stellung als bester Cellist neben Casals anging.

Die Zeit zwischen 1933 und 1938 war von Rastlosigkeit geprägt,  Feuermann gab hunderte von Konzerten in Europa, Asien, Südamerika und absolvierte zwei Konzertreisen durch Amerika. Ferner spielte er diverse Platten bei den damals führenden Plattengesellschaften ein. Seine Energie und sein Durchhaltevermögen als Solist waren legendär. Oft gab er an einem Abend zwei Cellokonzerte sowie als Zugabe den einen oder anderen Satz aus einer Suite für Violoncello von Bach.

Die „Ein Mann Revolution“ – Feuermanns Riesen-Projekt

Sein größtes Projekt dieser Art war allerdings sein Vorhaben mit Leon Barzin, dem damaligen Leiter und Gründer des Training Orchesters der National Orchestral Association ( N.O.A) in New York. Feuermanns Wunsch war es, sämtliche 13 Konzerte für Cello und Orchester im Rahmen von nur 4 Abonnement-Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall aufzuführen (jeweils 2 Konzerte im Februar und März 1938). Nach dem ersten Konzert am 5. Februar 1938 schrieb der damalige Musik-Kritiker der New York Times euphorisch in einem Beitrag von der “One Man Revolution”. Diese Charakterisierung des Spiels von Feuermann war von nun an ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer allseits anerkannten Musikerkarriere in den Staaten.

Feuermanns Zusammenarbeit mit dem legendären Dirigenten Leon Barzin war der Schlüssel zu diesem unglaublichen Projekt. Ein größeres Orchester, wie etwa die New Yorker Philharmoniker, hätte diesen Marathon-Lauf in so kurzer Abfolge nicht leisten können. Die vier Konzerte festigten Feuermanns Standing in Amerika enorm. Nur als Vergleich: erst in den sechziger Jahren wagte sich der große russische Cellist Mstislav Rostropovich erneut an diese Aufgabe heran.

Auch privat tat sich einiges bei Emanuel Feuermann: Während des zweiten Konzerts am 19. Februar 1938 kam seine Tochter Monica zur Welt.

Eine neue Heimat
Während Feuermann immer mit dem Gedanken spielte, trotz der Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und der um sich greifenden Kriegstreiberei doch in Europa bleiben zu können, wurde diese Hoffnung begraben, als Hitler-Deutschland im März 1938  Österreich okkupierte. Nun wurde Feuermann klar, dass seine Zukunft eindeutig in Amerika lag. Zwischen April und Oktober 1938 musste der große Cellist neben seinen Konzerten und Meisterkursen alles daran setzen, seine Familie aus Europa herauszubringen. Ende November konnten er und seine Frau Eva die offiziellen Einbürgerungsdokumente im Federal Building von Manhattan persönlich abholen. Die amerikanische Presse berichtete ausführlich über diesen Vorgang und titulierte ihn entweder als deutschen oder als österreichischen Cellisten, der zuvor schon häufig in den Vereinigten Staaten aufgetreten war.

Bisher erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre

Michael Heinz

Berliner Jahre – Grand Prix Emanuel Feuermann

Montag, 15. November 2010

Vier erfüllte Jahre für Feuermann

Feuermann-5

Emanuel Feuermann kam mit 27 Jahren nach Berlin. Bis zum Jahre 1929 hatte er etwa 1.000 Konzerte gegeben, war in etwa 300 Städten und Gemeinden in Deutschland und Europa aufgetreten. Kaum vorstellbar, da das Reisen zu jener Zeit etwas beschwerlicher war als heuzutage. Die grundlegenden technischen Fähigkeiten im Cello-Spiel, so halten es seine Biografen fest, hatte er bis um 1920 voll entwickelt. Die ersten Plattenaufnahmen entstanden zwischen 1925 und 1926, der Klang wurde als rund und technisch einwandfrei eingestuft, aber noch war Feuermann in puncto künstlerischer Ausdruckskraft noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Die Zeit kurz vor seinem Wechsel an die Spree war durch hektische Betriebsamkeit geprägt: Er wechselte zwischen zahlreichen Konzertreisen und diversen Schallplattenaufnahmen. Zum Vergleich: Pablo Casals war 39 Jahre alt, als er die ersten Platten einspielte.

Feuermannn schreibt Geschichte

In der Hauptstadt Berlin erlebte Feuermann nun eine äußerst intensive und zugleich erfüllte Zeit. In mehrfacher Hinsicht waren die Berliner Jahre von Erfolgen bei Konzertauftritten und beim Einspielen bedeutender Werke geprägt.  Die Stelle als Hochschul-Professor an der Hochschule für Musik (Vorgänger-Institution der heutigen Universität der Künste), trat er im Juni 1929 an. Sein Ansehen war nun sehr groß.

Studenten strömten danach aus allen Ecken dieser Welt zu ihm: Junge Leute kamen aus so fernen Länder wie Japan oder dem damaligen Palästina nach Berlin. In seiner Korrespondenz ließ er durchblicken, dass er Spaß an dieser Arbeit hatte obwohl das Niveau der Studenten der Cello-Klasse niedrig gewesen sei, und sein Vorgänger Hugo Becker dafür eigentlich „hinter Schloss und Riegel gehörte“. Ferner erwähnte er in seinen Briefen, dass er mit dem Ruf an die Berliner Hochschule der jüngste Professor für Musik in Deutschland wäre. Die Berliner Hochschule war zu der Zeit ein hervorragendes Lehrinstitut und mit Feuermann verpflichtete sie einen Musiker mit hohem Ansehen. Man hatte jemand,  der sich gerade anschickte, mit Solokonzerten auch international für Furore zu sorgen.

Erfolgswelle in Berlin

Schon 1932, als es in Berlin noch keine durch Nazis getrübte Kulturlandschaft gab, wurde er vom NBC Artists Service für eine umfassende Amerika-Tournee eingeplant, die sich aber schließlich zerschlug. Seine Konzert-Tätigkeit in jener Berliner Zeit war immens. Kaum konnte er sich vor Angeboten retten. Die Gagen waren sehr gut  für die damalige Zeit, obgleich die Zeiten allmählich schwierigen zu werden drohten. Man muss sich vergegenwärtigen, dass Ende der Zwanziger Jahre die Weltwirtschaftskrise in Amerika ausgebrochen war und die Folgen eines bedeutenden wirtschaftlichen Abschwungs allmählich ihre Schatten auch nach Europa warfen. Berlin trat seit Mitte der Zwanziger Jahre die Nachfolge Wiens als dem kulturellen Zentrum Europas an. Seymour Itzkoff, Verfasser einer der zwei Feuermann-Biografien, unterstreicht, wie sehr das damals in Berlin vorherrschende kulturelle Klima auch Feuermann zugute kam. Die Stadt war in den dreißiger Jahren ein Magnet für Kreative und Künstler aus den verschiedensten Ländern.

Kammermusik-Abende und Solauftritte

Zunächst begann Feuermann mit anderen Mitgliedern der Hochschule zu musizieren, dazu gehörten der junge, brillante Geiger Joseph Wolfstahl sowie der aus Hanau stammende Bratschist und Komponist Paul Hindemith. Feuermann und Hindemith, die persönlich befreundet waren, lebten im feinen Berliner Westend und waren gewissermaßen Nachbarn. Feuermann hatte zeitweise ein Apartment in der Franken-Allee, während Hindemith einige Jahre am nahe gelegenen Brixplatz wohnte. Da Wolfsthal bereits im Alter von nur 31 Jahren 1931 verstarb, sprang als Ersatz der als Wunderkind groß gewordene Szymon Goldberg ein.  Dieser war zu der Zeit bereits mit 21 Jahren Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters. Das Trio gab sich den Namen „Hindemith-Trio“ und war auch in Berlin viel auf Bühnen zu sehen  und zu hören. Feuermann begann bald darauf, auch  Solokonzerte zu geben. Seine Schwester Sophie begleitete ihn oft am Klavier, er gab ihr häufiger den Vorrang vor anderen Pianisten. Im Mai 1929 bot man ihm für 45.000 Mark ein Tecchler-Cello an. Seine ursprüngliche Verwendung des vorhandenen Geldes wollte er zunächst auf den Kauf eines Autos verwenden, aber Paul Reifenberg, der Kölner Mäzen, mit dem er sehr befreundet war, riet ihm zum Kauf des Cellos und diesen Rat befolgte Feuermann schließlich. Viele Plattenaufnahmen aus den Berliner Jahren spielte Feuermann daher auf diesem exquisiten Instrument ein ( bis zum Jahre 1932, als er, noch in Berlin lebend, vom Londoner Handelshaus William E. Hill & Sons ein Montagnana-Cello übernahm).

Radikaler politischer Umbruch

Doch dann kam mit der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 die große Wende. Mit Brief vom 8. April 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung von seiner Professur mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Noch im Oktober 1933 besuchte Feuermann im Namen des jüdischen Kulturbundes mehrere deutsche Synagogen, was ein nicht ungefährliches Unterfangen darstellte.

Das Kapitel Deutschland wurde so jäh beendet. Feuermann emigrierte, damals immer noch ledig, ebenso wie seine Trio-Kollegen Szymon Goldberg und Paul Hindemith nach London (letzterer 1938). In England führten Feuermann mit seinen beiden Berliner Kammermusik-Partnern Paul Hindemith und Goldberg diverse bedeutende Trio-Werke der Musikliteratur auf.

Weltweite Konzert-Tourneen

Feuermann ging  nach seiner Berliner Zeit auf Konzertreisen nach Nord- und Südamerika, sowie nach Asien. Kurz darauf gab es ein erneutes musikalisches Highlight. Bei der Uraufführung von Arnold Schönbergs Cellokonzert spielte er den überaus schwierigen Solopart, Dirigent war Sir Thomas Beecham. Pablo Casals war ursprünglich für diesen Part vorgesehen, hatte aber aus terminlichen Gründen abgesagt. 1935 heratete Feuermann Eva Reifenberg, Tochter des Kölner Mäzens Paul Reifenberg. Ein neues Kapitel im Leben des Emanuel Feuermann wurde eingeleitet.

Bisher erschienen in der Blogreihe zum Grand Prix Emanuel Feuermann:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Michael Heinz




Warning: is_executable() [function.is-executable]: open_basedir restriction in effect. File(/usr/local/bin/curl) is not within the allowed path(s): (/home/www/web608/:/usr/share/php/) in /home/www/web608/html/blog/wordpress/wp-includes/class-snoopy.php on line 208