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Feuermann in Amerika (1) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Vor einer Woche ging der Grand Prix Emanuel Feuerman in Berlin mit dem viel beachteten Preisträger-Konzert zu Ende. Das Erinnern an den großen Cellisten wurde auch durch die in der Philharmonie eingerichtete Feuermann-Ausstellung unterstützt. Und gewissermaßen flankierend haben wir versucht, im Rahmen einer Blogreihe einzelne Aspekte im Leben dieses großen Musikers ins Bewusstsein der heutigen Cellisten-Gemeinde zurückzurufen.

Die beiden abschließenden Beiträge gehen auf die letzten Lebensjahre des überragenden Mannes ein und beleuchten dabei insbesondere die Zeit in Amerika sowie einige seiner seine US Konzerte und Plattenproduktionen.

Wir hoffen, dass mit diesen beiden Blogbeiträgen über Emanuel Feuermann unser gerade abgeschlossenes Projekt Grand Prix Emanuel Feuermann einen wohlgerundeten Abschluss erfährt.

Unruhige Jahre – Hoffen auf ein Verbleiben in Europa

Die Jahre nach seinem erzwungenen Ausscheiden in der Hochschule für Musik in Berlin brachten eine intensive Reisezeit mit sich. In jenen Jahren konzertierte er eifrig und war auch mehrmals auf Konzertreisen in den Vereinigten Staaten unterwegs. In den Jahren 1934 und 1935 hatte Feuermann wechselnde Wohnsitze mit Schwerpunkt Schweiz. Im Oktober 1936 erhielt er schließlich eine offizielle Aufenthalts-genehmigung für das Land. Bis 1938 hatte er die Hoffnung, dass London sein permanenter Wohnsitz werden könnte.

Diverse Platten mit unterschiedlichen Ensembles und Orchestern wurde eingespielt. In England entstanden großartige Aufnahmen zusammen mit Myra Hess und Gerald Moore. Erst im Mai 1938 gelang der Durchbruch auch bei den zurückhaltenden englischen Musik-Kritikern, als er beim May-Festival mit dem BBC Symphony Orchester unter Toscanini auftrat. Nun war auch hier der Damm gebrochen, was die Anerkennung seiner großen Meisterschaft und einzigartigen Stellung als bester Cellist neben Casals anging.

Die Zeit zwischen 1933 und 1938 war von Rastlosigkeit geprägt,  Feuermann gab hunderte von Konzerten in Europa, Asien, Südamerika und absolvierte zwei Konzertreisen durch Amerika. Ferner spielte er diverse Platten bei den damals führenden Plattengesellschaften ein. Seine Energie und sein Durchhaltevermögen als Solist waren legendär. Oft gab er an einem Abend zwei Cellokonzerte sowie als Zugabe den einen oder anderen Satz aus einer Suite für Violoncello von Bach.

Die „Ein Mann Revolution“ – Feuermanns Riesen-Projekt

Sein größtes Projekt dieser Art war allerdings sein Vorhaben mit Leon Barzin, dem damaligen Leiter und Gründer des Training Orchesters der National Orchestral Association ( N.O.A) in New York. Feuermanns Wunsch war es, sämtliche 13 Konzerte für Cello und Orchester im Rahmen von nur 4 Abonnement-Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall aufzuführen (jeweils 2 Konzerte im Februar und März 1938). Nach dem ersten Konzert am 5. Februar 1938 schrieb der damalige Musik-Kritiker der New York Times euphorisch in einem Beitrag von der “One Man Revolution”. Diese Charakterisierung des Spiels von Feuermann war von nun an ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer allseits anerkannten Musikerkarriere in den Staaten.

Feuermanns Zusammenarbeit mit dem legendären Dirigenten Leon Barzin war der Schlüssel zu diesem unglaublichen Projekt. Ein größeres Orchester, wie etwa die New Yorker Philharmoniker, hätte diesen Marathon-Lauf in so kurzer Abfolge nicht leisten können. Die vier Konzerte festigten Feuermanns Standing in Amerika enorm. Nur als Vergleich: erst in den sechziger Jahren wagte sich der große russische Cellist Mstislav Rostropovich erneut an diese Aufgabe heran.

Auch privat tat sich einiges bei Emanuel Feuermann: Während des zweiten Konzerts am 19. Februar 1938 kam seine Tochter Monica zur Welt.

Eine neue Heimat
Während Feuermann immer mit dem Gedanken spielte, trotz der Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und der um sich greifenden Kriegstreiberei doch in Europa bleiben zu können, wurde diese Hoffnung begraben, als Hitler-Deutschland im März 1938  Österreich okkupierte. Nun wurde Feuermann klar, dass seine Zukunft eindeutig in Amerika lag. Zwischen April und Oktober 1938 musste der große Cellist neben seinen Konzerten und Meisterkursen alles daran setzen, seine Familie aus Europa herauszubringen. Ende November konnten er und seine Frau Eva die offiziellen Einbürgerungsdokumente im Federal Building von Manhattan persönlich abholen. Die amerikanische Presse berichtete ausführlich über diesen Vorgang und titulierte ihn entweder als deutschen oder als österreichischen Cellisten, der zuvor schon häufig in den Vereinigten Staaten aufgetreten war.

Bisher erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre

Michael Heinz

American Friends – persönlicher Bericht eines Praktikanten

Dienstag, 31. August 2010

Die Kronberg Academy in Florida – Arbeitsauftakt am  Strand

Seit einigen Jahren engagiert sich die Kronberg Academy auch in den USA. Genauer gesagt, in Florida. Hier hat Axel Langhorst die American Friends of Kronberg Academy auf Anregung und Initiative von Raimund Trenkler 2008 gegründet und versucht seitdem, der Cello Kultur und der Ausbildung hochbegabter junger Streicher in den USA,  den Weg zu ebnen. Außerdem wird ein reger Austausch von amerikanischen und europäischen Künstlern gefördert.

Und was das Neueste ist: im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der Kronberg Academy in Kronberg und der Manhattan School of Music in New York wird demnächst, gewissermaßen als Weltpremiere, Distance Learning im größeren Stile eingeführt. Dabei werden die Lokalitäten  der beiden Musik-Institutionen in New York und Kronberg über digitale Verbindungen miteinander vernetzt. Was dann an Unterricht möglich sein wird, das nennen wir eine grenzüberschreitende digitale Meisterklasse. Dabei werden über eine hochwertige digitale Audio – und Video-Übertragungsstrecke Unterrichtsstunden zwischen Lehrern und Studenten in Kronberg und New York abgehalten. Der offizielle Start ist in einigen Wochen.

Was haben die American Friends schon alles in den letzten 12 Monaten an Konzerten gestemmt? Nun, seit  2009 sind bislang insgesamt drei Junge Solisten aus den Staaten und aus Kronberg mit jeweils 2 Konzerten an die Öffentlichkeit getreten.

All diese Projekte, jene die laufen und jene die noch geplant sind, verlangen Axel eine Menge Vorbereitungs- und Koordinationsaufgaben ab. Und deshalb werde ich morgen zu seiner Unterstützung in die USA reisen und ihm dort in den nächsten Monaten bei all seinen Aktivitäten und beim weiteren Ausbau der American Friends tatkräftig unterstützen.  Die letzten Tage vorm Abflug sind natürlich sehr spannend. In Kronberg bekomme ich letzte Arbeitsanweisungen und werde mit einer Vielzahl von Büchern, CD’s und DVD’S bestückt, um diese mit in die USA zu bringen.

Es ist somit nur ein kurzer Aufenthalt in Kronberg gewesen und gleichzeitig wird es ein Abschied für mehrere Monate werden. Florida und der Strand winken – aber die Arbeit, die auf mich wartet, ist auch nicht zu verachten. Eine aufregende Zeit beginnt nun und ich bin stolz, Axel und den American Friends mit all ihren Unterstützern, Musikern,  Studenten und Förderern bei Ihren Projekten und Ihrer weiteren Entwicklung zur Seite zu stehen.

Jan P. Poeter

Meisterkurse – Aufbruch in ein neues Zeitalter

Donnerstag, 12. August 2010

Der erste transatlantische digitale Meisterkurs kurz vor dem Start – Weltpremiere im  September 2010

Am 20. September wird es Ernst mit der digitalen Lerntechnologie. Dann wird in Kronberg in den Räumlichkeiten der so genannten Streitkirche, genauer: in den Räumen des Kronberg Academy Masters, der erste Meisterkurs zwischen einem hiesigen Professor, in diesem Falle David Geringas, und Studenten aus Amerika stattfinden.

Um dieses ambitionierte Projekt auf die Beine zu stellen, waren monatelang vielfältige technische und organisatorische Einzelheiten abzuklären und technische Spezifikationen zu studieren. Gegenwärtig läuft die Endphase der Implementierung der notwendigen Komponenten und die Verlegung der nötigen Glasfaser-Anschlüsse und Kabel sowie die Herrichtung eines speziellen Regie-Raumes. Letzterer ist so gut wie fertig gestellt. In diesem Raum in der Streitkirche (der ehemalige Noten-Raum des Elite-Studienganges) werden künftig bei jeder Lernstunde (technisch gesprochen: eine Session) zwei  Techniker der  Partner-Firma NOVUM vor Ort sein, um den sicheren technischen Ablauf der Unterrichtsstunde zu gewährleisten.

Ein kurzer Foto-Termin in den Räumlichkeiten der Streitkirche Anfang der Woche bezeugt den Stand der Arbeiten. Wie seltsam: In der digitalen (stofflosen) Welt sind es am Ende des Tages doch wieder Drähte, Kanäle, Leitungen und Schrauben, Blenden und Gerätekästen (Racks), die für den leisen und unsichtbaren Fluss der Bits und Bytes benötigt werden. Das in Kronberg realisierte Konzept setzt auf hochwertigste Bild- und Tonqualität, da ein grenzüberschreitender Meisterkurs natürlich die allerfeinsten Nuancen erlebbar machen muss. Mit anderen Worten, die Anforderungen an die entsprechende Infrastruktur auf beiden Seiten der Kommunkationskette sind enorm hoch. Die letzten Arbeiten an den Verbindungen und die Installation und Verlegung der letzten Kilometer Glasfaser-Kabels in die Räumlichkeiten der Streitkirche sind vor kurzem abgeschlossen worden. Mein Kurz-Besuch im zukünftigen Regie-Raum, der wie ein modernes Radio-Studio anmutet, hat mich zuversichtlich gestimmt, ja begeistert!

Was die Angelsachsen „Distance Learning“ nennen, tritt nun auch in der Welt der Musik seinen Siegeslauf an. Die Kronberg Academy hat bereits im letzten Jahr ihre Fühler nach New York ausgestreckt, um einen Partner zu akquirieren, und mit der befreundeten „Manhattan School of Music“ einen kompetenten Technologie-Pionier gefunden.

Worum geht es beim Distance Learning? Studenten und Professoren, die ansonsten hunderte Kilometer auseinander sind, können sich über diese digitale Brücke austauschen, verständigen und kommunizieren – um Unterricht zu erteilen bzw. aus Sicht der Studenten, unterrichtet zu werden. Unser Kooperationspartner, die angesehene „Manhattan School of Music“ hat hier seit ca. 10 Jahren wertvolle Vorarbeit geleistet. Mittlerweile sind viele Unterrichtsstunden mithilfe dieser Technologie durchgeführt worden. Einer der Künstler, der hier von Anfang an mit Herzblut und Schwung involviert war, ist der weltberühmte Geiger und Bratschist Pinchas Zukerman. Herr Zukerman wird es auch sein, der in Bälde den Studenten des Kronberger Elite-Studienganges in der Streitkirche digital gegenüber sitzen (oder stehen?) wird.

Nun ist die Kronberg Academy wieder einmal in einer Vorreiter-Rolle in Europa und bestätigt erneut ihren Ruf, mutig neue Wege zu gehen. Am 16. August heißt es: Daumen drücken, dass der allererste technische Live-Test glänzend über die Bühne geht und alle technischen Komponenten „mit-spielen“ !

Die echte Premiere mit Professor David Geringas in Kronberg und New Yorker Studenten erfolgt dann einen Monat später: am 20. September gibt es grünes Licht für den ersten transatlantischen digitalen Meisterkurs.

Michael Heinz