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American Friends – persönlicher Bericht eines Praktikanten

Dienstag, 31. August 2010

Die Kronberg Academy in Florida – Arbeitsauftakt am  Strand

Seit einigen Jahren engagiert sich die Kronberg Academy auch in den USA. Genauer gesagt, in Florida. Hier hat Axel Langhorst die American Friends of Kronberg Academy auf Anregung und Initiative von Raimund Trenkler 2008 gegründet und versucht seitdem, der Cello Kultur und der Ausbildung hochbegabter junger Streicher in den USA,  den Weg zu ebnen. Außerdem wird ein reger Austausch von amerikanischen und europäischen Künstlern gefördert.

Und was das Neueste ist: im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der Kronberg Academy in Kronberg und der Manhattan School of Music in New York wird demnächst, gewissermaßen als Weltpremiere, Distance Learning im größeren Stile eingeführt. Dabei werden die Lokalitäten  der beiden Musik-Institutionen in New York und Kronberg über digitale Verbindungen miteinander vernetzt. Was dann an Unterricht möglich sein wird, das nennen wir eine grenzüberschreitende digitale Meisterklasse. Dabei werden über eine hochwertige digitale Audio – und Video-Übertragungsstrecke Unterrichtsstunden zwischen Lehrern und Studenten in Kronberg und New York abgehalten. Der offizielle Start ist in einigen Wochen.

Was haben die American Friends schon alles in den letzten 12 Monaten an Konzerten gestemmt? Nun, seit  2009 sind bislang insgesamt drei Junge Solisten aus den Staaten und aus Kronberg mit jeweils 2 Konzerten an die Öffentlichkeit getreten.

All diese Projekte, jene die laufen und jene die noch geplant sind, verlangen Axel eine Menge Vorbereitungs- und Koordinationsaufgaben ab. Und deshalb werde ich morgen zu seiner Unterstützung in die USA reisen und ihm dort in den nächsten Monaten bei all seinen Aktivitäten und beim weiteren Ausbau der American Friends tatkräftig unterstützen.  Die letzten Tage vorm Abflug sind natürlich sehr spannend. In Kronberg bekomme ich letzte Arbeitsanweisungen und werde mit einer Vielzahl von Büchern, CD’s und DVD’S bestückt, um diese mit in die USA zu bringen.

Es ist somit nur ein kurzer Aufenthalt in Kronberg gewesen und gleichzeitig wird es ein Abschied für mehrere Monate werden. Florida und der Strand winken – aber die Arbeit, die auf mich wartet, ist auch nicht zu verachten. Eine aufregende Zeit beginnt nun und ich bin stolz, Axel und den American Friends mit all ihren Unterstützern, Musikern,  Studenten und Förderern bei Ihren Projekten und Ihrer weiteren Entwicklung zur Seite zu stehen.

Jan P. Poeter

Grand Prix Emanuel Feuermann – Die Rote Tasche

Dienstag, 17. August 2010

Spannung und Aufregung pur in Berlin – Auswahl der 12 Finalisten durch 5-köpfige Jury

Die rote Tasche durfte nicht verloren gehen. In ihr befanden sich die Unterlagen für die Jury und die von den Bewerbern eingesendeten DVDs, anhand derer entschieden werden sollte, welche zwölf Cellisten sich im November beim Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin behaupten würden. Am vergangenen Sonntag machten Mareile Zürcher und ich uns auf den Weg in die Hauptstadt, die 1. Runde des Wettbewerbs zu bestreiten (organisatorisch, versteht sich).

Schon bei Betreten des Unterrichtsraumes von Prof. Jens Peter Maintz in der Universität der Künste (UdK) stellte sich heraus, dass wir den idealen Ort gewählt hatten: Sofort fiel der Blick auf das lebensgroße Bild, auf dem Emanuel Feuermann höchstpersönlich abgebildet war, in gewohnt lässiger Pose – Cello im Arm, Zigarette im Mund (den Kritikern und aktiven Nichtrauchern sei gesagt: Die gehört einfach dazu!) und ein schelmisches Lächeln auf den Lippen.

Dank den hilfsbereiten Mitarbeitern der UdK konnten wir alles im Voraus begutachten; der Raum war technisch ausgestattet (u. a. TV-Bildschirm 50’’) und die Technik funktionierte bereits beim ersten Test einwandfrei (drei Kreuze!).

Am nächsten Morgen trafen wir die letzten Vorbereitungen. Für Verpflegung wurde gesorgt, von Obst über Schokolade bis Gummibärchen platzierten wir alles auf den Tischen der Jury. Bei der Koffeinzufuhr behalfen wir uns der vorhandenen (N)Espresso-Maschine von Prof. Maintz – somit waren beste Voraussetzungen geschaffen, dass die Konzentration auch nach dem 14. Anhören von Schumanns „5 Stücke im Volkston“ nicht absackte. Nach und nach trafen die Professoren ein, die Runde setzte sich aus Wolfgang Boettcher, Thomas Demenga, David Geringas, Jens Peter Maintz und Raimund Trenkler zusammen. Herzliche Begrüßungen untereinander und einige einweisende Worte vom Leiter der Academy, und dann wurde es ernst.

15 Minuten lang widmete sich die Jury jedem Kandidaten. Meine Aufgabe hierbei war, die jeweils richtige DVD einzulegen und von einem Stück zum nächsten zu schalten, ggf. zu spulen. Zum Glück hatte ich mir die Zeiten zuvor genau notiert, somit konnte nichts schief gehen. Da ich neben dem Bildschirm saß, hatte ich keinen Blick auf denselben und konnte mich voll und ganz auf den Ton konzentrieren (und derweil die Reaktionen der Jurymitglieder beobachten). Beim einen lauschte man dem gesamten Prélude einer Bach-Suite, beim anderen nur in Teilen, dafür waren bei jenem mehrere Variationen der Reger-Suite interessant usw. Die Professoren schienen die Tücken jedes Stückes genau zu kennen und horchten bei bestimmten Stellen besonders auf. Da wurde hier der Lebenslauf überflogen, dort Notizen aufs Papier gebracht und bei manchen wenigen minutenlang wort- und regungslos zugehört.

Als am Dienstagnachmittag die letzte der 38 DVDs abgespielt worden war, schickten die Professoren sich an eine Entscheidung zu treffen. Das Ergebnis zeigte, dass sich die fünf überraschend einig waren; auf Anhieb wurden elf Kandidaten für die 2. Runde nominiert und auch der zwölfte war nach zwei weiteren Wahlgängen schnell gefunden. (man erlaube mir diese Bemerkung am Rande, dass auch meine Kollegin Mareile und ich, sozusagen intern, mit zehn „Richtigen“ gar nicht so falsch getippt hatten.)

Der Ausklang der drei spannenden Tage in Berlin gestaltete sich gewohnt musikalisch, wie sich das für Musikbegeisterte gehört, mit einem Besuch des Young Euro Classic, einem Festival, in dessen Rahmen Jugendorchester aus ganz Europa in der Hauptstadt auftreten. Nachdem wir mit dem Fahrrad(!) zum Konzerthaus geradelt waren, lauschten wir dem „Baltic Youth Philharmonic“ unter Kristjan Järvi. Mitbegründer des Orchesters ist Thomas Hummel, der selbst einmal, als die Kronberg Academy noch in den Anfängen stand, die ersten Cello-Festivals mitbetreut hatte. Während ich mich von den Klängen Stravinskys „Sacre du Printemps“ mitreißen ließ, schossen mir verschiedenste Gedanken durch den Kopf: In drei Monaten wird in diesem prächtigen Saal das Abschlusskonzert des Grand Prix Emanuel Feuermann stattfinden. Wer wohl die drei Cellisten sein werden, die es in die Finalrunde schaffen? Und wem wohl nach der Finalrunde die Trophäe überreicht wird? Wir dürfen alle gespannt sein!

Beschwingt gönnten wir uns im Anschluss an das Konzert ein Glas Wein auf dem Gendarmenmarkt und machten uns zu später Stunde auf den Rückweg durch das nächtliche Berlin.

Anna-Maria Lange

Chamber Music Connects the World – Interview mit Raimund Trenkler

Dienstag, 15. Juni 2010

Das 6. Mal ist „Chamber Music Connects the World“ am 19. Mai in Kronberg mit zwei Schlusskonzerten über die Bühne gegangen. In einem ersten rückblickenden Beitrag hatte die Projekt-Verantwortliche Oda Cramer von Laue ( Beitrag vom 29.5.) ihre persönlichen Eindrücke hier an dieser Stelle geschildert. Im folgenden Interview mit Raimund Trenkler, dem künstlerischen Leiter der Kronberg Academy, erfahren wir dessen Einschätzungen über das, was ihn bewegt hat, welche Aufgaben zu bewältigen waren und wie die weitere Zukunft dieses Projekts aussieht.

Michael Heinz: Wie hast Du „das Projekt Chamber Music Connects the World“ im 10. Jubiläumsjahr erlebt?

Raimund Trenkler: Es ist jedes Mal aufs Neue ein Abenteuer, auf was wir uns da einlassen. Es bleibt neu und frisch, denn es sind immer andere junge Musiker und andere Werke, die auf dem Spielplan stehen. Um es gleich vorweg zu nehmen: die Qualität der musikalischen Darbietungen in diesem Jahr, das Niveau der hier angereisten Musiker war durchweg sehr, sehr hoch. Man muss sich vorstellen, es kommen 22 junge Musiker nach Kronberg. Und diese jungen hochbegabten Musiker haben die Chance mit den berühmten Fünf Seniors zusammen zu treffen und gemeinsam Musik einzustudieren. Sie sind ihren Idolen und Vorbildern ganz nahe. Aus der musikalischen Abhängigkeit zwischen den Seniors und Juniors entsteht automatisch auch menschliche Nähe. Und wir schaffen die Rahmenbedingungen, dass dies auf eine besonders vertraute und familiäre Weise geschehen kann. Es entstehen so besondere Konstellationen und die Intensität der Zusammenarbeit ist so nur in der Kammermusik möglich. So manch einer der Juniors hat während der 11 Tage in Kronberg einen musikalisch-virtuosen Höhenflug hingelegt. Das   gemeinsame Ziel ist es, ausgewählte Kammermusik-Werke einzustudieren und ein einmaliges musikalisches Erlebnis zu gestalten – für die Musiker selbst und auch für das Publikum. Und das Publikum kann bereits während der öffentlichen Proben an der Entstehung des Werkes teilhaben.
Einfach einmalig und es wird nie langweilig!


MH: Welche besonderen Herausforderungen waren zu meistern?

RT: Die größte Herausforderung war es, fünf namhafte Musiker dazu zu bewegen, für gut 11 Tage ihre Terminkalender freizuhalten und sie hier zur aktiven Teilnahme beim Projekt „Chamber Music“ in Kronberg zu motivieren. Da es sich um Künstler von Weltrang handelt, kann man sicht leicht vorstellen, dass viele alternative Auftrittsmöglichkeiten und Konzertangebote für diese Musiker mit dem Projekt der Kronberg Academy im Wettstreit liegen. Gidon Kremer, Tatjana Grindenko, András Schiff, Yuri Bashmet und ursprünglich geplant auch der englische Cellist Steven Isserlis, dies war unser Plan.  Dass wir auch das im diesem Jahr wieder einmal geschafft haben, grenzt schon an kleines Wunder. Die kurzfristige Absage von Steven Isserlis hatte ein ernstes Zusatzproblem für uns entstehen lassen, aber der ebenso kurzfristig herbeigeführte Einstieg von Frans Helmerson, der nahtlos in alle zuvor terminierten Stücke von Steven Isserlis einsprang, „rettete uns den Tag“. Das war schon mit viel Schweiß verbunden.

Die zweite riesige Herausforderung: die Zusammenstellung des umfänglichen Probenplans und die während der Veranstaltungen sich immer wieder ergebenden  Änderungen. Das ganze auf Tagesbasis zu managen, insbesondere die jeweils neuen Probenpläne für den folgenden Tag an alle Künstler und die Support-Teams weiter zu leiten, das ist eine enorme logistische Meisterleistung. Der Probenplan ist äußerst komplex.  Tauchen an einer Stelle Änderungen auf, sind viele andere Proben jeweils betroffen und müssen ihrerseits geändert werden. Es gibt viele Abhängigkeiten zu berücksichtigen, und ja, man kann hier schnell Fehler machen und ein kleines Chaos anzetteln. Täglich gab es Änderungen und der Druck auf die Verantwortlichen war über all die Tage sehr groß.

MH: Wie geht es weiter mit „Chamber Music Connects the World“ ?

RT: Das inhaltliche Konzept von „Chamber Music…“ ist besonders tragfähig, da es aufgrund seiner Flexibilität, nämlich immer wieder stets neue junge Musiker auszuwählen und neue Werke aus dem riesigen Reservoir der Kammermusik auszuwählen, viel Raum für Neues und auch Experimentierfreudigkeit ermöglicht. Natürlich, die Kammermusik bildet den Nukleus.

Und was die Chancen zur Teilnahme betrifft:  Im Vordergrund stehen allein das Können und die Leidenschaft der Bewerber der jungen Musiker. Ausführliche Bewerbungen und dann die Auditions für die Ausgewählten bilden die zu überwindenden Hürden. Hier mitmachen zu können ist etwas Außergewöhnliches, das hat sich jedenfalls herumgesprochen. Es beschert den jungen Musikern einmalige Erfahrungen. Wir hören oft von ihnen, wie prägend diese Tage für sie waren.

Neue Akzente können wir  setzen, in dem wir etwa die Einbeziehung von Bläsern in Erwägung ziehen, um so das musikalische Spektrum gleichsam auszudehnen und zu erweitern. Aber diese Entscheidungen haben noch ein wenig Zeit! Was heute schon sicher scheint ist dies: es wird wieder ein neues Abenteuer vor der Tür stehen, wenn 2012 im Mai eine neue Gruppe von ausgewählten jungen Musikern mit Weltkünstlern in Kronberg zusammentreffen werden, um ein neues Kapitel beim Projekt  “Chamber Music” zu schreiben.

Raimund, danke für dieses Gespräch.

Chamber Music Connects the World – Vorhang auf!

Sonntag, 9. Mai 2010

….. und dass es funkt wie immer!

Istvan Varda und Nicolas Altstaedt in bester Laune

Es ist ein grauer  Sonntag Nachmittag hier in Kronberg. Fast alle eingeladenen 22 Juniors sind in der Stadthalle, um die Begrüßung pünktlich um 15.00 Uhr aus dem Munde von Raimund Trenkler zu hören. Ein herzliches Danke-Schön wird Ihnen entgegengerufen und noch einmal die Besonderheit dieser Veranstaltung herausgestellt. Im Halbrund sitzend, lauschen die aus vielen Ländern angereisten jungen Künstler den ersten organisatorischen Hinweisen bezüglich der bevorstehenden Proben und der diversen Lokationen, in denen diese stattfinden. Raimund Trenkler ist stolz, dass die Veranstaltung nun im 10. Jahre ihres Bestehens (das 6. mal) in unserer Stadt erfolgen kann. Ein tolles Jubiläum!

Nach dem kurzen, informellen Eröffnungs-Procedere sind die Musiker sehr gespannt auf die Probenpläne, von denen Sie bisher noch keinerlei Details kannten. Dann um 15.30 Uhr werden die vorbereiteten Mappen mit den Probenplänen an alle verteilt und kurz darauf vertiefen sich alle Anwesenden geschäftig in die Listen, um Details Ihrer Probenarbeiten begierig aufzunehmen.

Istvan Vardai, der junge Mann aus Budapest verrät mir noch enthusiastisch , dass er sehr gespannt sei auf die Probenarbeiten zu dem von ihm sehr geschätzen Beethoven Streich-Qartett op. 131. „Ein verrücktes Stück, so Istvan, sein Lachen und seine Begeisterung machen mich neugierig, denn für mich ist das Erleben dieses Werkes eine Premiere  – welch ein Ausblick!

Zum Glück braucht Istan sich nicht lange in Geduld zu üben, denn es ist das erste Stück an diesem Nachmittag, welches unter der Anleitung des Seniors Gidon Kremer geprobt werden soll. Also keine Verschnaufpause für Istvan und die anderen Ensemble-Mitspieler.Maestro Gidon Kremer erscheint auch wenig später persönlich vor unserem Bistro-Bereich und begrüßt freundlich und warmherzig einige der Juniors mit einer innigen, familiären Umarmung. „Schön das anzusehen“, ruft meine junge Kollegin Anna-Maria Lange unserem künstlerischen Leiter Raimund Trenkler zu. Dieser nickt zustimmend und sendet wortlos einen lachenden Blick an die junge Kollegin zurück. Genau, das ist es, was dieses Zusammentreffen in Kronberg so einmalig macht. Man fühlt sich hier zuhause und gut betreut. Kurz darauf erscheint eine strahlende Tatjana Grindenko, sie wird herzlich begrüßt von Gidon Kremer und einigen der jungen russischen Musiker. Das obige Bild zeigt zwei glänzend aufgelegte junge Künstler, die Juniors Nicloas Altstaedt und Istvan Vardai aus Budapest (v.l.n.r.) – beides bekannte Gesichter in der Taunusstadt.

Auch wir im Team der Kronberg Academy sind nun froh, dass es endlich nach all diesen verzwickten und vertrackten wochenlangen Vorbereitungen losgehen kann. Unser Herzblut ist in Wallung – na, ja, sagen wir fast!

Welche persönlichen Wünsche und Hoffnungen haben mir einige Team-Kollegen noch rechtzeitig zurufen können, die Sie mit dem Ablauf im Jubiläumsjahr verbinden ?

Hier einige Beispiele:

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Oda Cramer von Laue:

Es möge funken – wie immer

Teresa Hofstetter ( Herrscherin über alle Noten und mehr…).

Dass ich jedem Junior die richtigen Noten geschickt habe.

Gisela Rösing:

Ich wünsche mir inspirierendes gemeinsames Musizieren, fröhliches Miteinander mit viel guter Laune und Humor, ausserdem musikalische Highlights – bei den Proben und Konzerten und:  gute Stimmung überall und bei Sonnenschein (notfalls im Herzen).

Gaby Denicke:

Die Künstler sollten sich hier wohlfühlen, denn nur dann kann Musik auf höchstem Niveau entstehen und damit wollen sie uns, d.h. das Publikum beschenken.

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Der Vorhang geht auf, die Bühne ist frei für intensiven Austausch und Kommunikation rund um kammermusikalische Leckerbissen. Von heute bis nächsten Mittwoch, den 19. Mai befindet sich Kronberg im Kammermusik-Fieber.

Dies war der 10. Blog-Beitrag aus meiner Feder zu den Vorbereitungen im 10. Jubiläumsjahr  von „Chamber Music Connects the World“. Via Twitter werden wir das werte Publikum in nah und fern in den nächsten Tagen mit fotografischen Eindrücken auf dem laufenden halten….

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Claudio Bohorquez

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Tanja Becker-Bender

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Marie-Elisabeth Hecker

CMCW – Was aus den Ex-Junirs geworden ist: Nicolas Altstaedt

CMCW – Was aus den Juniors geworden ist: Alissa Magulis

CMCW – Was aus den Juniors geworden ist: Antoine Tamestit

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – die Feuertaufe

Montag, 12. April 2010

P1290523 Die Grundidee lautete: berühmte, großartige Solisten, genannt Seniors, zusammen zu bringen mit jungen, aufstrebenden Künstlern und sie über 11 lange Tage gemeinsam in Kronberg arbeiten zu lassen. Diese Idee nahm Ende der Neunziger Jahre Gestalt an. Eine außergewöhnliche Konstellation in der Art und Weise wie junge und etablierte Künstler gemeinsam kammermusikalische Werke einstudieren würden. Raimund Trenkler wollte  so die Förderung junger begabter Musiker, und nicht nur junger Cellisten, auf eine breitere Basis stellen.

Ein Vergleich zu den seit 1951 durchgeführten 6-wöchigen Konzert-Workshops der Marlboro Music School drängt sich auf.  Diese von Rudolf Serkin 1951 ins Leben gerufene Kammermusik-Schule war durchaus eine gewisse Inspirationsquelle für Raimund Trenklers neues Vorhaben. Dennoch, die Fokussierung auf 11 Tage intensiven Musizierens ohne Unterbrechung so wie jetzt bei Chamber Music Connects the World in Kronberg praktiziert, das war etwas gänzlich Neues. So gesehen, meint Raimund Trenkler auch heute noch, war das Zusammenbringen der weltberühmten Musiker mit den auserwählten jungen Künstlern tatsächlich ein echter Glücksfall. Aber eben auch totales Neuland!

Erwartungen und die Ansprüche an das zu Leistende waren hoch. Ein Projekt-Team wurde aufgesetzt, Oda Cramer von Laue, die im Jahre zuvor ihre Arbeit in Kronberg aufgenommen hatte, übernahm die Projektleitung. Selbst Musikerin, war sie von Anfang an Feuer und Flamme für das Vorhaben. Man bedenke, dass es äußerst schwierig sein würde, international so renommierte Musiker für einen solch langen Zeitraum an einen Ort zu binden. Mit den bestehenden damaligen Verbindungen der Academy gelang es aber, fünf überaus renommierte Künstler für diese Zeitspanne tatsächlich nach Kronberg zu holen und ihr Mitmachen zu garantieren.

Anfang 2000, wenige Wochen vor dem Projekt, stand die erste Bewährungsprobe an, das Probespiel für Chamber Music Connects the World nämlich. Und das war und ist seitdem für die jungen Bewerber eine Herausforderung der ganz besonderen Art und mit seinem ganz eigenen Schrecken: Damit Gidon Kremer seine jungen Ensemble-Partner als Kammermusiker kennen lernen kann, müssen sie – die es gewöhnt sind, als Solisten zu überzeugen – in Kronberg als „Einwechselspieler“ in einem Streichquartett beweisen, wie flexibel sie im „aus dem Stehgreif“ Zusammenspiel mit anderen Musikern sind. Wie oft haben wir hinterher zu hören bekommen, dass dies die schlimmste Vorspiel-Situation war, die manch einem widerfahren ist!

Welche organisatorischen Widrigkeiten gab es bei der ersten Audition? Oda Cramer von Laue erinnert sich: „Die Stadthalle musste hergerichtet werden, buchstäblich in letzter Minute, denn die ganze Halle war von den Faschingsfeierlichkeiten des Vorabends gezeichnet – der Geruch von Essen und Trinken lag in der Luft, Stühle und Tische bevölkerten die Halle und sorgten für ein großes optisches Chaos. Wir hatten am Morgen etwas eine halbe Stunde Zeit, das Notwendigste zu beseitigen oder zu kaschieren…“. Die hektischen Aufräumarbeiten wurden belohnt: die Auditions konnten in ordentlichen Räumlichkeiten abgehalten werden. Am Ende des Tages standen 22 junge Künstler als Teilnehmer des ersten Chamber Music- Workshop Projektes fest. Fortsetzung folgt im nächsten Blog  mit dem Titel : der Start. Plus, als kleine Ergänzung,  ein Seitenblick auf den einflußreichen Musikfilm ” The Trout” vom britischen Filmer Christopher Nupen.

Michael Heinz

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

Chamber Music Connects The World ¦ Spielen und Warten

Donnerstag, 25. Februar 2010

Beim ambitionierten Musik Projekt Chamber Music Connects the Worldgeht es in die erste heiße Phase. Aus 150 Bewerbungen wurden 33 Musiker ausgewählt und nach Kronberg zu den sog. „Auditions“ eingeladen. Außergewöhnlich für diese Auditions ist es, dass die jungen Musiker sich nahtlos in das Spiel eines Quartetts einfügen müssen – Genauigkeit und Timing sowie intime Kenntnis der Partitur sind erforderlich. Eine echte Herausforderung also, der sich die jungen Musiker so noch nie zu stellen brauchten. Die Jury (Gidon Kremer, Raimund Trenkler, Stephen Potts und Tatjana Grindenko) wird die Qual der Wahl haben.

Viele junge Musiker fluten in die Stadthalle, viele von ihnen bereits ausgezeichnet und als Sieger bei internationalen Wettbewerben geehrt.

Wo gibt es das sonst noch? 19 Geigen, 9 Bratschen und 5 Celli versammeln sich in Kronbergs Mitte. Allesamt mit dem Potenzial, in Zukunft musikalisch Furore zu machen.

In knappen 10 Minuten muss sich ein jeder von ihnen bewähren. Vormittags sind die Geigen-Solisten an der Reihe. Mein Gefühl sagt mir, dass die jungen Geiger allesamt kommunikative, lebhafte junge Leute sind. Cellisten und Bratscher erscheinen mir ein klein wenig verhaltener.

Im Laufe des Tages versammeln sich die jeweils Wartenden im Bistro-Bereich der Stadthalle. Dies ist ein Treffpunkt für kurze Gespräche und Begegnungen. Man trinkt, isst und verkürzt das Warten. Von einem jungen tschechischen Geiger erfahre ich von seinem Missgeschick Montag und Dienstag verwechselt zu haben ( Typisch Junge, meint meine liebe Frau am Abend, als ich ihr von meinen Erlebnissen berichte). Freundlich und gar nicht enttäuscht berichtet er mir noch, dass er bei dieser Ausgangslage keine Illusionen hatte. Seine Einsätze wären nicht ganz exakt zu den übrigen Spielern des Kuss-Quartetts erfolgt. Frappierend die sehr offene Art des 29-jährigen, der im letzten Jahr seine Studien an der Musikschule Hanns Eisler Berlin beendet hat. Nun Berufsmusiker zu sein, sei nicht leicht, so sein Fazit.

Von der selbstbewussten Mariechristine (19) erfahre ich, dass sie am Samstag aus dem sonnigen Kalifornien zusammen mit ihrer Mutter nach Deutschland angereist sei. Und, so erzählt sie mir, wie wichtig das Studium der „Partitur“ für sie sei. Bei Elena Graf, die aus dem nahen Frankfurt angereist ist, spüre ich eine enorme Leichtigkeit, keine Spur von Spannung. Ihr junger Begleiter gibt ihr offenbar Ruhe. Die junge Chinesin Peijun Xu (24), frisch-gebackene Gewinnerin des 6. Yuri Bashmet Viola Wettbewerbs in Moskau, erzählt mir von dem großen Lernaufwand, den sie täglich bewältigt und ihr somit sehr wenig freie Zeit lasse. Am späten Abend lerne ich Tali Kravitz kennen. Sie ist aus dem verschneiten New York nach Kronberg angereist und weiß einiges über das Distance Learning Programm der Manhattan School of Music ( MSM) zu berichten, wo sie nun als Viola Instructor arbeitet.

Schließlich beeindruckt mich noch sehr der junge koreanische Solist Joon-Ho Shim (22), der als Cellist lange warten musste. Er kam aus Essen heute nach Kronberg. Joon-Ho eröffnet mir freimütig, wie unerwartet schnell das Stravinsky Stück gespielt wurde und dass es größter Konzentration bedurft hätte, hier die Einsätze zu beherrschen. Und seine Geschichte über die ersten Jahre allein in Deutschland  – ohne Deutsch-Kenntnisse im Gepäck im zarten Alter von 14 jahren – das verlangt mir großen Respekt ab. Es war die Hölle, so seine Worte. Der junge Mann begibt sich nach unserem abendlichen Austausch in den großen Saal. Es ist nun 20.30 Uhr. Raimund Trenkler hat soeben die Bratscher und Cellisten zur Verkündung der Ergebnisse zur Jury gerufen. Ich präpariere meine Kamera, folge den jungen Leuten für einige letzte Fotos. Schlussstrich unter einen langen, ereignisreichen Tag.

Von Michael Heinz

Entstehungsgeschichte ¦ Cello – Cellissimo

Freitag, 6. Februar 2009

In einer mehrteiligen Serie wollen wir Sie in den nächsten Wochen immer freitags an der Entstehungsgeschichte der Kronberg Academy teilhaben lassen. Wie entstand die Idee, wer waren die Initiatoren, wie sahen die Anfänge aus, wie ging’s voran etc.?

Erinnern wird sich unser Geschäftsführer und künstlerischer Leiter Raimund Trenkler, dessen Idee es zunächst war, Cellisten an einem Ort zusammen zu bringen, ein Cello-Festival zu initiieren und zu etablieren. Dass aus dieser Idee schließlich Kronberg als „Welthauptstadt des Cellos”, so Mistlav Rostropovich, hervorgehen sollte – das hätte damals noch niemand gedacht. Doch alles der Reihe nach …

Raimund Trenkler ist Berufscellist – auch wenn die Auftritte aufgrund seiner Tätigkeit für die Kronberg Academy selten geworden sind – und hat an der Musik-Akademie der Stadt Basel sowie an der Folkwang Hochschule in Essen Cello studiert und an der Royal Academy of Music in London sein Solistendiplom erworben. Anschließend war er u. a. als Solocellist beim Seoul Sinfonie Orchestra sowie als freier Mitarbeiter beim hr-Rundfunkorchester tätig und gründetet das aus fünf Cellisten bestehende Cellissimo-Ensemble mit dem er gelegentlich auch heute noch auftritt.

Die Erfahrungen, die er als Cellist sammelte, brachten ihn schließlich zu der Überzeugung, dass die Ausbildung hochbegabter junger Solisten optimiert werden müsste, da deren Bedürfnisse von den Musikhochschulen des Landes nicht berücksichtigt wurden. Diesen Zustand wollte er ändern und im Rückblick betrachtet hat er damit der Musikwelt – vor allem der „Streicherwelt” – einen großen Dienst erwiesen.

Und nächsten Freitag geht’s weiter mit einem Exkurs „Über den Wolken” …

Ulrike Schmid