Ein Jahr Kronbergzweinull
Dienstag, 8. Dezember 2009Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich einmal ganz kurz gedacht: Aha, jetzt werd’ ich alt – also natürlich: weise. Schau, da fährt er, der Zug – soll ich losrennen? Da sprachen nämlich einige unserer Praktikanten in der Pizzeria ganz selbstverständlich miteinander über „Facebook“ und „StudiVZ“ und ich dachte: Was reden die? Und blieb hübsch still. Dann aber ging es auch schon los: Unser künstlerischer Leiter Raimund Trenkler holte Ulrike Schmid ins Boot. Sie kam und schloss uns lässig die Tür zum Web 2.0 auf. Seitdem sind wir alle hier bei Facebook, ob jung oder weise – neugierig und mit Spaß aktiv, manche sogar schon wieder eher skeptisch und „drüber stehend“ … Vor allem aber hat die Kronberg Academy ihr neues Kommunikationsfeld für sich entdeckt!
Der Auslöser, über so etwas überhaupt nachzudenken, war wie sicher bei den meisten anderen Kultureinrichtungen auch, der Wunsch, jüngere bzw. netzaffine Menschen zu erreichen. Um sie als Publikum für uns und unsere Sache, für die Klassische Musik zu gewinnen und am Ende vielleicht sogar zu begeistern.
Die Möglichkeiten des Web 2.0 schienen da genau die richtigen zu sein – der Draht zur Jugend und die Möglichkeit, auch einmal persönlicher, emotionaler und aktueller zu berichten, als das über Pressemitteilungen, Werbebroschüren oder auch Texte für die Homepage möglich ist. Aber ob’s auch funktioniert …?
Social Media Tools, Weblog, Flickr, FriendFeed, Facebook, Twitter – für fast alle im Team war das komplettes Neuland, wahnsinnig suspekt … aber irgendwie doch reizvoll … Trotzdem hat es eine ganze Weile gedauert, bis unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet intern so richtig ernst genommen wurden.
Ein wirkliches Vorbild in dieser Sache, auf dessen umfassende Erfahrung man hätte aufbauen können, gab es noch nicht. Aber die Duisburger Philharmoniker, die uns als echte Pioniere einige Monate voraus hatten, haben uns ermutigt und Mut gemacht. Unser Entschluss war: Wir fangen an, das genannte erste Ziel (junge Menschen zu erreichen) vor Augen – und darüber hinaus im Sinn: Schau’n wir doch mal, welche weiteren Effekte wir dabei erzielen! Da wir ja nicht nur Konzertveranstalter sind, sondern und vor allem als Ausbildungsinstitution verstehen, eröffnen sich vielleicht noch ganz neue, zunächst nicht bedachte Möglichkeiten.
Nach einem Jahr wissen wir immer noch nicht hundertprozentig, wohin uns das alles führen kann. Aber wir wissen, dass etwas in Bewegung gekommen ist: Über Facebook sind wir als Institution und auch persönlich noch näher an „unseren Musikern“ dran, vor allem auch an unseren Studenten weltweit. Die „Blogger-Szene“(da, da und da) ist auf uns aufmerksam geworden – darunter sicher viele, die bisher nicht zu den klassischen Konzertgängern gehören. Und es macht Spaß, im Blog seine eigenen Eindrücke und seine eigene Begeisterung auszudrücken für das, was hier geschieht – wenn man auch die Zeit dafür im trubeligen Tagesgeschäft erst finden muss.
Was denke ich nach einem Jahr? Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Eine abenteuerlustige UND weise Entscheidung – auch wenn sie viel Zeit kostet! Es geht auf jeden Fall weiter. Wir bleiben präsent! Und wünschen uns viele „Effekte“!










