Chamber Music Connects the World / Wie alles begann
Donnerstag, 1. April 2010Dies ist der Auftakt und eine kleine Einstimmung zu unserer neuen 10-teiligen Blog-Serie über die Anfänge des Kammermusik-Projekts „Chamber Music Connects the World“ und Portraits einiger Ex-Juniors.
Vor nunmehr fast genau 10 Jahren begann für die Kronberg Academy die Reise in die Welt der Kammermusik, und gleichzeitig die Etablierung eines weiteren Bausteins in der Förderung und Ausbildung junger, hochbegabter Musiker und Solisten.
In insgesamt drei Blogbeiträgen wollen wir die Geschichte von CMCW nacherzählen, von den gedanklichen Wurzeln bis zur Realisierung im Jahre 2000. Und vorweg ein kurzer Rückblick auf ein Kammermusik-Projekt in Amerika, wo das Experiment „Marlboro Music School“ in den frühen Fünfziger Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Welche Hürden und Hindernisse beim ersten Zusammentreffen in Kronberg im Jahre 2000 zu überwinden waren, davon soll auch hier später berichtet werden. Und über manche Eigentümlichkeit.
Dies alles wird erzählerisch und mit kleinen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen garniert. Eingesammelt und eingefangen bei all jenen, die mit Herzblut von Anfang mit dabei waren.
Was uns aber alle bis heute fasziniert ist dies:
die ersten Seniors bei Chamber Music sind über ihre eigenen Lehrer und deren Wegbegleiter mit einer Generation verbunden, die viele herausragende Künstler der jüngeren Musikgeschichte hervorgebracht hat – dies wird stets lebendig, wenn man die Lebensläufe der beteiligten Musiker sich vor Augen führt und dann realisiert, dass auch diese Seniors auf den Schultern jener Generation stehen und von deren Kreativität und Meisterschaft nachhaltig inspiriert wurden. Ausnahmekünstler wie Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Rudolf Serkin, David Oistrach und Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin und natürlich nicht zu vergessen Mstislav Rostropovich haben ihre Meisterschaft und Disziplin an unsere Seniors weitergegeben – sich dieser Verbindungen bewusst zu sein und zugleich als Ansporn und Maßstab weiterzugeben, das ist nach wie vor das Ziel . Die jungen Musiker von heute reihen sich ein in diesen Strom. So betrachtet, ergibt sich ein bedeutungsvoller Brückenschlag zwischen den Generationen bis in die heutige Zeit.
Schließlich erhellen wir an sechs Musiker-Beispielen in den dann folgenden Blogbeiträgen zur Geschichte von Chamber Music Connects the World wie sich der eine oder andere Ex-Junior seit der Teilnahme künstlerisch weiter entwickelt hat. Denn “Chamber Music” istbekanntlich ein weiterer Pfeiler in der individuellen Förderung und Entwicklung einer aufstrebenden jungen Solisten-Generation der Extra-Klasse.
Nächster Blog: Feuerprobe für ein einzigartiges Konzept
Michael Heinz


Mola Sylla wurde in Dakar im Senegal geboren. Seit mehr als 20 Jahren lebt der Sänger und Komponist in Amsterdam. Mit seinen Gruppen Senemali und VeDaKi entwickelte er einen ganz individuellen ethnischen Stil, der senegalische Musik mit anderen ethnischen Musikelementen verbindet. Auf diese Weise entsteht ein musikalischer Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des afrikanischen Kontinents und der westlichen neuen Heimat des Musikers. Mola Syllas mitreißende Musik lebt von der freien Improvisation und der Spontaneität, mit der er die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse ineinander fließen lässt. Mit seiner rauen Stimme singt er afrikanische Stammeslieder und erzählt Geschichten aus dem Senegal, aber auch von der neuen Heimat, von falschen Erwartungen, Hoffnungen, Enttäuschungen. Meist singt er in der senegalesischen Stammessprache Wolof. Untermalt werden seine Songs von mitreißenden folkloristische Rhythmen, die er mit virtuoser Technik afrikanischen Instrumenten entlockt, die bei uns größtenteils unbekannt sind: Mbira, Kongloa (ein Lamellophon aus dem Senegal), Xalam oder Kalimba.
1963 in Dakar (Senegal) geboren, wuchs Serigne Gueye mit der Musik Westafrikas auf. Sein Großvater arbeitete als Perkussionist im Nationalballett, war aber selten zuhause, so dass Serigne sich das Schlagzeugspielen weitgehend selbst beibrachte. Siebenjährig begann er, bei traditionellen Zeremonien zu spielen. Seine professionelle Laufbahn begann 1984 in der bekannten Star Band de Dakar, bei der er eine Menge weiterer Perkussionsinstrumente sowie Arrangement und Gesang lernte. Mit der Band und in anderen Ensembles tourte er in den USA und Europa und gehörte seit 1993 der Band Ifang Bondi an, mit der er zwei CDs einspielte. 1996 verließ er Ifang Bondi, um nach Wegen zu suchen, tiefer in den Jazz einzudringen und sein westafrikanisches Erbe in einem größeren Kontext einzubringen. Serigne Gueye lebt heute in Amsterdam und arbeitet mit vielen der holländischen Jazz-Größen zusammen, wie Han Bennink, Thijs van Leer, Sean Bergin, Franky Douglas, Eddy Veldman, Mola Sylla und Ernst Reijseger. Er ist Mitglied der Pia Piac und der Mandikabi Band und gründete im Jahr 2002 mit Tobias Delius (Saxophon, Klarinette), Wilbert de Joode (Kontrabass) and Hilary Jefferies (Posaune) die Gruppe apa ini.
Der ungarische Pianist Dénes Várjon studierte an der Liszt Ferenc Musik Akademie Budapest bei Ferenc Rados, György Kurtág und Sándor Devich. Einer der Ersten, der seine musikalische Hochbegabung erkannte und seitdem zu seinen größten Forderern zählte, war sein Landsmann András Schiff, bei dem er jährlich an Meisterkursen teilnahm. Auch als aus dem ehemaligen Schüler ein international erfolgreicher Pianist geworden war, blieb die musikalische Verbindung bestehen. Heute musizieren beide Künstler oft gemeinsam. Dénes Várjon gewann 1991 den Concours Géza Anda in Zürich und debütierte im gleichen Jahr als Solist mit der Camerata Salzburg unter der Leitung von Sándor Végh bei den Salzburger Festspielen.
Wenn Miklós Perényi Bach spielt, wird es im Konzertsaal so still, dass sogar das lästige Husten unterbleibt. Sein Spiel ist von einer ausgewogenen, selten erreichten Klarheit, die zu Herzen geht. Der ungarische Cellist gehört zu den Ausnahmemusikern, über deren Spiel selbst hartgesottene Kritiker nur einmütig lobend berichten. Immer wieder heben sie die überwältigende Schönheit seines Cellotons hervor. Obwohl ihn seine solistische Karriere in alle großen Musikzentren der Welt führte und er als einer der feinsinnigsten Interpreten unserer Zeit gilt, sieht der ungarische Cellist sich nicht als Star. Nie stellt er seine Virtuosität zur Schau sondern nimmt sich ganz hinter das Werk zurück
Mit elf Jahren wurde Benjamin Perényi in die Hochbegabtenklasse der Franz Liszt Akademie in Budapest aufgenommen, wo er sein Studium weiterführte und abschloss. Der renommierte Pianist András Schiff war von dem ungewöhnlichen Talent des jungen Nachwuchspianisten, dessen Repertoire Werke von Bach bis Bartók umfasst, so beeindruckt, dass er ihm einen Steinway Flügel schenkte. Neben dem prägenden Einfluss seines Vaters kamen wichtige Impulse für Benjamin Perényi’s musikalische Entwicklung von seinen Lehrern Jenö Jandó und István Lantos sowie von dem international erfolgreichen Pianisten Zoltán Kocsis, der ihn einlud, im Mai 2009 ein Konzert mit der Ungarischen Nationalphilharmonie aufzuführen. Auch beim Schleswig Holstein Musik Festival trat Benjamin Perényi bereit zweimal als Kammermusiker auf. Im Oktober 2001 musizierten Vater und Sohn erstmals gemeinsam im Musikkonservatorium in Genf. Für dieses Jahr ist neben dem Cello Festival in Kronberg ein gemeinsamer Auftritt beim Bartók Seminar in Szombathely, Ungarn, vorgesehen.









