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Chamber Music Connects the World – Sophies Bass-Welt

Samstag, 15. Mai 2010

Trotz eines Sturzes in einer Berliner S-Bahn Station und damit zwei geschienter Beine wagt Sophie Lücke den Sprung nach Kronberg – fast eine Nacht und Nebel Aktion.  Wie kam es dazu?

Sophie Lücke, geboren 1988 in Wernigerode, wurde erst vor wenigen Wochen gefragt, ob sie als Ersatz für einen anderen Kontrabassisten kurzfristig zur Veranstaltung „Chamber Music Connects the World“ in Kronberg einspringen könnte. Unter den potenziellen Ersatzkandidaten war sie diejenige, die aufgrund einer Empfehlung von András Schiff und ihres Könnens aussichtsreichste Ersatzkandidatin war und so vom Team der Academy schließlich nachnominiert wurde.

Nun ist sie mit den anderen 21 jungen Musikern – unsere Juniors –  hier mittendrin im Kronberger Musik-Geschehen. Sophie ist eine auffällige junge Dame, denn ihre Fortbewegung an zwei Krücken ist schließlich nichts alltägliches und wer ihr derzeit in Kronberg begegnet, wird von ihrer offenen und freundlichen Art sogleich angenehm berührt. Ihre derzeitigen Sorgen mit der Fortbewegung steckt sie weg, Freude und Strahlen sind  ihre Markenzeichen.

Als ich mit ihr gestern Nachmittag in ein Gespräch komme, schwärmt sie von ihrem Instrument, dem Kontrabass. Sie tut dies leicht und spielerisch.  So erzählt sie von den unterschiedlichen Bogentechniken, die die Welt in eine „Untergriff“ und in eine „Obergriff“-Sphäre einteilen. Die deutsche und österreichische Bass-Tradition sei mit dem Untergriff verquickt, wo das Spiel perkussive und eigenständige markante Bass-Linien erlaube. Die französische Obergriff-Spieltechnik hingegen phrasiere mehr klanglich-lyrisch und sei eher als Cello-Unterstützung zu verstehen. In der Kammermusik gebe es leider nur wenige Werke mit Kontrabass-Stimme.

Ihre persönlichen Ambitionen lassen sich so zusammenfassen: man muss hart arbeiten, viel lernen, um zu den Besten zu gehören, sonst hat man keine Chance in der heutigen Zeit. Aber sie ist überzeugt: der Bass,  der wird immer gebraucht. Und: man sollte in dieser rationalen Welt viel mehr den Gefühlen Glauben schenken – das müsste für die Musik und für das Leben insgesamt gelten! Oder diese Einsicht: “Ich lasse mir beim Studium Zeit, ich bin da ganz enstpannt und habe es nicht eilig”. Auch viele Wettbewerbe mitzumachen sei keine Priorität für sie. Was sie aber wisse, sei dies: sie wolle unbedingt dem Kontrabass  im Orchester ihrer Wahl die nötige Power verleihen und damit Teil einer starken Bass-Gruppe werden.

Was hält sie von Chamber Music Connects the World? Sie ist begeistert,  da sie hier wahnsinnig viel lernen kann – und das sei ihr wichtiger als alles andere. Sie möchte lernen von Persönlichkeiten wie András Schiff, dessen Spiel sie bewundert.  Da sie seit September 2008 Stipendiatin der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker ist, kommt sie selbst sehr viel herum mit den Berliner Philharmonikern. Die vielen Auftritte haben sie durch ganz Europa gebracht (inkl. Salzburg).

So kam es,  dass sie über die Orchesterakademie schon viele große Dirigenten erleben konnte. Gemeinsames Musizieren mit Daniel Barenboim und Sir Simon Rattle haben sie auf musikalische Höhen geführt und das Schwärmen für die Berliner Bass-Gruppe war fast zwangsläufig die Folge ( „Sie sind die Besten der Welt“). Und sie fügt noch diesen Gedanken an: Ihr sei völlig klar, das sie als Solistin mit einem Kontrabass keine Chance hat und so ist ihr Weg im Grunde vorgezeichnet. Ihr Traum ist es, einmal als Bassist bei den Berliner Philharmonkern zu spielen. Bereits während ihrer anstehenden Londoner Studienjahre ( ab September 2010 an der Guildhall Scholl of Music and Dance) bei Professor Rinat Ibragimov (Vater von Alina Ibragimova, die Junge Solistin des Kronberg Academy Masters ist) werde sie sich parallel nach Anstellungsmöglichkeiten in Deutschland umschauen. Aber in den nächsten Tagen bis zum 19. Mai  taucht sie hier in Kronberg tief in die Welten der Kammermusik ein, um das maximale an Lernerfahrungen für sich herauszuholen.

Zum Schluss unseres Gesprächs erfahre ich noch von ihrer derzeitigen Annäherung an das Bass-Spiel im Jazz. Das gibt mir die Möglichkeit, ihr von der überragenden Spielkunst eines aufgehenden Bass-Sterns am Jazzhimmel zu erzählen – für den sie sich von nun an auch interessieren wolle. Die Rede ist von Avishai Cohen, ein Name, der ihr bereits bekannt war. Seine komplexe Musik wird ihr gefallen, denke ich. Eine CD-Kopie ist schon in Arbeit für Sophie. Auf das Ihre Bass-Welt weiter wachsen möge.

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Gidon Kremer probt Beethoven Streichquartett op. 131

Mittwoch, 12. Mai 2010

Alle waren gespannt: wie würden die ersten nicht-öffentlichen Proben zu Beethovens Streichquartett Nr. 14  cis-Moll op. 131 (Orchesterfassung) verlaufen. Maestro Kremer scharte 14 Juniors um sich, die Probe begann am Dienstag um 11.00 Uhr. Mit dabei waren Soojin Han ( Vl1), Sascha Sitkovetsky (Vl1), Sueyon Kim ( Vl1), Valery Sokolov ( Vl2), Jana Ozolina (Vl2), Agata Szymczewska (Vl2), Jerome Benhaim (Vl2), Lily Francis (Vla), Adrien la Marca (Vla). Tali Kravitz (Vla), Istvan Vardai (Vc), Benedikt Klöckner (Vc), Julian  Arp (Vc) und Sophie Lücke am Kontrabass. Ein sehr sehr kompliziertes Stück, so hatte es mir Istvan Vardai noch am Sonntag Nachmittag geschildert.  Mit seinen sieben durchgehenden Sätze stellt es die Musiker permanent vor beachtliche Probleme. Dieses Quartett wird häufig als letztes experimentelles Werk von Ludwig van Beethoven betrachtet. Die ineinander übergehenden Sätze (Beethoven bevorzugte den Begriff  “Stücke”), so schreibt Gerd Indorf, sind von sehr unterschiedlichen Längen und bergen vielfältige formale und kompositionstechnische Elemente -  dazu kommen instrumentatorische Effekte wie pizzicato oder das Spiel auf dem Griffbrett (sul ponticello). All dies verbindet sich nach Gerd Indorf zu einem neuen musikalischen Organismus, der mit der klassischen Terminologie nur unzulänglich beschrieben werden kann.

Wie hat der fotografierende Blogger der Academy dies erlebt? Es folgen einige höchst überraschende  fotografische Momentaufnahmen von dieser musikalischen Schwerstarbeit für die Juniors. Aber wie man im Laufe dieser kleinen Foto-Reportage unschwer entnehmen kann, ging  es zum Schluß sehr gelassen und bisweilen auch humorvoll zu – wie gut, daß neben höchster Konzentration auch am Ende das Lachen obsiegte! Ja,  so werden Mammutaufgaben erfolgreich angegangen….

Das werte Publikum darf hören und staunen, wenn am kommenden Montag (17. Mai, Johanniskirche)  dieses überaus facettenreiche Werk zur Aufführung gelangt!

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Das Forellen Quintett wird geprobt

Dienstag, 11. Mai 2010

Fünf junger Musiker, wir nennen sie die Juniors,  waren am Montag, den 10. Mai 15.00 Uhr pünktlich im Großen Saal der Kronberger Stadthalle versammelt. Valery Sokolov (Vl), Lily Francis (Vla), Julian Arp ( Vc) und Kontrabassistin Sophie Lücke. Maestro András Schiff, einer unserer fünf Seniors bei Chamber Music  Connects the World, war bereits in der Halle und erwartete die jungen Musiker. Auf dem Probenplan stand Franz Schuberts “Forellenquintett”. Den vier jungen Solisten sah man die freudige und zugleich spannungsgeladene Stimmung an, es würden nun 2 Stunden intensiver Arbeit und Austausch mit dem großen Pianisten vor ihnen liegen. Einige Foto-Impressionen mögen die Stimmung und die Atmosphäre dieses großartigen Nachmittags dokumentieren. Größtmögliche Konzentration und zugleich die Bereitschaft, das Gehörte zu verinnerlichen und umzusetzen, das dürfte die Juniors wohlt beseelt haben, so dachte ich. Aus der letzen Reihe der bereits bestuhlten und ansonsten leeren Stadthalle versuchte ich mich in den Fluß der Forellen-Klänge “hineinuzuhören”. Eine wahrhaft großartige Musik, ich erinnerte mich an die Worte von Oda, die mir vor wenigen Monaten erst vom legendären Musikfilm “The Trout” von Christopher Nupen berichtet hatte. In dieser legendären Musik-Dokumentation vom Sommer 1969 geht es um die Einstudierung eben jenes Stückes von Schubert in einem Londoner Konzert ( u.a. mit Daniel Barenboim, Pinkas Zukerman, Jacqueline du Pre) , dem ich gestern hier in Kronberg als Zaungast beiwohnen durfte. Und die Möglichkeit bekam, in größter Zurückhaltung, einige fotografische Momente einzufangen.

Michael Heinz