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Masterclass mit Antje Weithaas

Donnerstag, 28. März 2013

Musik und Gespräche sorgen für besonderen Masterclass-Mix

Während zwei intensiver Masterclass-Tage hatten unsere Jungen Solisten Gelegenheit, mit einer vielseitigen, international sehr beachteten deutschen Geigerin und Pädagogin neue Impulse und Inspiration zu erhalten.

Antje Weithaas, seit einigen Jahren Professorin für Geige an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin ist nicht nur eine gefragte Lehrerin sondern auch eine überaus aktive Kammermusikerin. Letzte Woche verbrachte die gebürtige Cottbusserin zwei Tage in Kronberg, um diverse Kammermusikstücke mit den jungen Musikern zu vertiefen.

Liest man ihre Vita, so ist man mehr als beeindruckt. Auftritte als Solistin hatte sie mit vielen international sehr namhaften Künstlern und Orchestern. Hier nur ein paar Beispiele: Los Angeles Philharmonic Orchestra, San Francisco Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra oder dem Londoner BBC Symphony Orchestra. Großartige Dirigenten wie Vladimir Askenazy, Sir Neville Marriner oder Yakov Kreizberg waren dabei ihre musikalischen Partner.

Als Kammermusikerin ist sie mit Tanja und Christian Tetzlaff, Clemens Hagen, Silke Avenhaus sowie  Sharon Kam und Lars Vogt in wechselnden Formationen auf der Bühne. Zusammen mit Tabea Zimmermann, Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras hat sie im Jahre 2002 das ARCANTO-Quartett gegründet und 2004 ihren ersten Auftritt mit dieser Formation in Stuttgart erlebt. Mit ARCANTO war sie auch schon weltweit unterwegs,  so auch in der Carnegie Hall New York,  in Barcelona oder in der Tonhalle in Zürich. Teamplay ist ihre Sache. Wie schrieb die Neue Zürcher Zeitung vor einiger Zeit beeindruckt “Das Arcanto Quartett musiziert mit einer solchen Einigkeit in Ausdruck, Klangfarbe und Artikulation, wie man es selbst bei hauptamtlichen Streichquartetten selten erlebt.”

Ins Tonstudio zwecks CD-Aufnahmen verschlägt es die agile Musikerin natürlich auch von Zeit zu Zeit, zusammen mit der Pianistin Silke Avenhaus hat sie allein bereits 5 CDs eingespielt.  Mit anderen Worten, Antje Weithaas kann beim Nachdenken und Erzählen über die vielen Aspekte eines farbigen Musiker- und Pädagogenlebens aus dem Vollen schöpfen. Und humorvoll, ja locker und direkt ist sie obendrein noch.

Das konnten die Jungen Solisten speziell am zweiten Tag der Masterclass erleben, als der Direktor unseres Studiengangs, Friedemann Eichhorn, eine Diskussion mit ihr zum Thema “Wie übt man?” moderierte und mit eigenen Fragen und wissenswerten Einschüben spickte.

Die Neu-Potsdamerin verblüffte dann so einige Male die anwesenden Jungen Solisten mit Ihren Antworten zum Thema Üben. “Ich bin ehrlich, so ganz diszipliniert geht es bei mir auch nicht immer zu” meinte sie bei den Fragen zur Häufigkeit des Übens. Ihre diversen Verpflichtungen und Auftritte engen die Spielräume für reines “Üben” ein. Und die reine Technik hätte sie nun durchaus hinter sich. Üben tue sie nicht mit einer von vornherein anvisierten Häufigkeit bzw. Dauer, sondern jeweils angestossen durch gegebenem Anlass. Dies gelte für neue Stücke oder solche Kompositionen, die sie schon einige Zeit nicht mehr gespielt habe.

Sie könne sich auf ein Reservoir bekannter Stücke aus ihrer Frühzeit stützen und solche Werke spiele sie auswendig. Neue Stücke muss sie sich durch intensives Partitur-Studium erarbeiten und diese werden dann vom Blatt gespielt.

Als sie in die Runde der Musiker fragte, was sie, die Jungen Solisten, denn zum Üben motiviere, kam eine wie aus der Pistole geschossene Antwort eines anwesenden Musikers vom Kuss-Quartett: “Coffee” lautete sein Beitrag. Lachende Minen rundherum. Aber Frau Weithaas trug selbst auch immer wieder zur Leichtigkeit dieser Diskussionsrunde bei. Worum es ihr ginge beim Thema Üben war nach ihren Worten der Aspekt der Freude und der Frische im Kopf. Das Üben müsse keinesfalls Langeweile verbreiten.  Allzu schematisches Üben, gab sie zu bedenken, würde die Gefühle und Empfindungen für die Musik abtöten, und das müsse nicht sein. “Warum mehr leiden als notwendig”, fragte sie einmal in die Runde. Und an anderer Stelle meinte sie ironisch in Richtung Friedemann Eichhorn, dass sie ihr Mitwirkung bei diesem Thema nun keineswegs als Bestbesetzung sehe. Erneut Schmunzeln in der Runde.

Und dann machte sie noch die Rolle des aufmerksamen Hörens deutlich. Gleichwohl betonte sie, dass sie sich nicht zu jedem Violinstück die diversen bekannten Einspielungen anhöre. Und ein weitere Ausspruch verblüffte unsere jungen Musiker, als sie meinte, man müsse auch nicht spielen wie Heifetz, Oistrach, Menuhin oder Stern oder all die anderen bekannten großen Geigen-Virtuosen. Jeder Musiker müsse sich vielmehr selbst seinen Zugang zum betreffenden Werk über die Noten erarbeiten und an einer eigenen Interpretation feilen. Dies formulierte sie mit dem Brustton der Überzeugung. Eine wichtige Botschaft für die jungen Künstler.

Und schließlich betonte sie die Rolle des Hörens beim Spielen und Erarbeiten bestimmter Passagen einer Komposition. Alles müsse über das Hören, also über die Ohren gesteuert werden und nicht über die Arbeit der Finger. Ob es hier Geheimnisse gebe, wurde sie gefragt. “Keine Geheimnisse”, so ihre Antwort, außer, und da kam wieder die Frische im Kopf zu Geltung, “your brain needs to be fresh”. Die Diskussionsrunde wurde in englischer Sprache durchgeführt und auch dabei war Antje Weithaas sehr geschmeidig und virtuos.

Nach eineinhab Stunden eines angeregten Frage-und Antwort Dialogs, der nicht nur die Themamtik “Üben” umfasst hatte, wurde der letzte Break des Tages eingeläutet. Eine erbauliche und informative Abwechslung mit einer frisch und sympathisch auftretenden Künstlerin und Pädagogin. So werden sicherlich viele Junge Solisten diesen Nachmittag im Studio 2 in Erinnerung behalten.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Cello Klänge für Slava

Sonntag, 17. April 2011

Kurz vor dem Start: Begegnung mit einem großen Musiker

In Kronberg steigt die Vorfreude auf besondere musikalische Ereignisse am Tag der „Verabredung mit Slava“ – am 27. April.  In Erinnerung an den großen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich, von seinen Freunden Slava genannt, veranstalten wir nun zum 4. Male einen kleinen Festakt an der Büste des 2007 verstorbenen großen Künstlers. Für Raimund Trenkler und das gesamte Team der Academy ist es ein Herzenswunsch, mit diesem Tag den Geist dieses großen Künstlers und Humanisten wieder lebendig werden zu lassen.  Seine Begeisterungsfähigkeit und seine Lebensfreude waren sprichwörtlich und viele Menschen auf der Welt konnten dies bei seinen Konzerten und bei seinen zahlreichen öffentlichen Meisterkursen – nicht zuletzt in Kronberg- hautnah miterleben.

Das musikalische Rahmenprogramm für den 27. April bringt neben dem Mädchenchor “Shchedryk” aus Kiew (hierüber werden wir separat berichten) zwei anerkannte Cellisten nach Kronberg.

Da ist einmal Rostropovichs letzter Meisterschüler Ivan Monighetti zu nennen. Monighetti, Jahrgang 1948, gebürtig aus Riga/Lettland wird die gute Tradition fortsetzen, nämlich einen Satz aus einer Bachschen Cello-Suite nahe der Büste von Rostropovich zu intonieren ( in den 3 Jahren zuvor taten dies bereits David Geringas, Misha Maisky und zuletzt Natalia Gutman).

Es ist überliefert, dass Monighetti einer der Lieblingsschüler des großen Russen gewesen war. Inspiriert von dem großen Lehrer betrat Monighetti internationale Konzertsäle und begann auch intensiv Musik auf CDs einzuspielen. Hierbei wurde er mehrfach bei verschiedenen Labels weltweit mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Das Schweizer Fernsehen RTSI widmete dem Balten 1999 zwei Dokumentarfilme: “Ritratto a Monighetti” und “Monighetti: storie di famiglia”. Ivan Monighetti lebt zur Zeit in der Schweiz, wo er eine Professur für Cello an der Musik-Akademie Basel bekleidet Als engagierter Lehrer steht er in der Tradition seines Lehrers Mstislav Rostropovich. Einige seiner eigenen Meisterschüler sind international auch bereits anerkannte Künstler-Persönlichkeiten. Im abendlichen Benefizkonzert zugunsten der Rostropovich Cello Foundation werden Ivan Monighettti zusammen mit dem Pianisten Pavel Gililov zu hören sein.

Im 2. Teil dieses Konzerts wird die Kronberg Academy den jungen russischen Cellisten Alexander Buzlov präsentieren, der zusammen mit Anna Naretto am Klavier zwei Werke zur Aufführung bringen wird ( Benjamin Britten´s Sonate in C, op. 65 sowie Rostropovichs Humoreske für Violoncello und Klavier op.5). Alexander Buzlov gewann im November 2010 in Berlin beim international anerkannten Cello-Nachwuchswettbewerb „Grand Prix Emanuel Feuermann“ den Hauptpreis. Der junge Cellist ist Jahrgang 1983, geboren in Moskau und derzeit als Assistent von Natalia Gutman am Moskauer Tchaikovsky Konservatorium tätig. Natalia Gutmann war Schülerin von Rostropovich und so betrachtet, könnte man den jungen Alexander Buzlov auch als “Schüler-Enkel” ansehen.

Seit seinem bemerkenswerten Debüt in der Carnegie Hall von New York im Jahr 2005 verfolgt der junge russische Cellist eine internationale Karriere als Solist und Kammermusiker. Er konzertierte bereits mit namhaften russischen und westlichen Orchestern u.a. unter Leitung von Leonard Slatkin, Yakov Kreizberg, Valery Gergiev, Alexander Vedernikov.

Die Einnahmen dieses Konzerts werden der Förderung junger Cellisten zugute kommen, und damit dem lange verfolgten Ziele Rostropovichs dienen. Rostropovich hatte die Idee zur Gründung einer Stiftung unter der Obhut der Kronberger Academy bereits Mitte der Neunziger Jahre und wollte dem Cellisten-Nachwuchs erweiterte Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Die Rostropovich Cello Foundation existiert seit 1997 unter dem Dach der Kronberg Academy.

Keine Frage, dass wir von der Academy angesichts der Klasse der auftretenden  Cellisten und Begleitmusiker auf ein bestens besuchtes Benefiz-Konzert hoffen.  Mögen alle Zuhörer und Freunde von Rostropovich einen unvergesslichen musikalischen Ausklang in der Kronberger Stadthalle erleben, ganz im Sinne der leidenschaftlichen Begeisterung für Musik, so wie wir dies häufig mit Slava erleben konnten.

Michael Heinz



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