Artikel-Schlagworte: „Yehudi Menuhin“

Masterclass mit Antje Weithaas

Donnerstag, 28. März 2013

Musik und Gespräche sorgen für besonderen Masterclass-Mix

Während zwei intensiver Masterclass-Tage hatten unsere Jungen Solisten Gelegenheit, mit einer vielseitigen, international sehr beachteten deutschen Geigerin und Pädagogin neue Impulse und Inspiration zu erhalten.

Antje Weithaas, seit einigen Jahren Professorin für Geige an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin ist nicht nur eine gefragte Lehrerin sondern auch eine überaus aktive Kammermusikerin. Letzte Woche verbrachte die gebürtige Cottbusserin zwei Tage in Kronberg, um diverse Kammermusikstücke mit den jungen Musikern zu vertiefen.

Liest man ihre Vita, so ist man mehr als beeindruckt. Auftritte als Solistin hatte sie mit vielen international sehr namhaften Künstlern und Orchestern. Hier nur ein paar Beispiele: Los Angeles Philharmonic Orchestra, San Francisco Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra oder dem Londoner BBC Symphony Orchestra. Großartige Dirigenten wie Vladimir Askenazy, Sir Neville Marriner oder Yakov Kreizberg waren dabei ihre musikalischen Partner.

Als Kammermusikerin ist sie mit Tanja und Christian Tetzlaff, Clemens Hagen, Silke Avenhaus sowie  Sharon Kam und Lars Vogt in wechselnden Formationen auf der Bühne. Zusammen mit Tabea Zimmermann, Daniel Sepec und Jean-Guihen Queyras hat sie im Jahre 2002 das ARCANTO-Quartett gegründet und 2004 ihren ersten Auftritt mit dieser Formation in Stuttgart erlebt. Mit ARCANTO war sie auch schon weltweit unterwegs,  so auch in der Carnegie Hall New York,  in Barcelona oder in der Tonhalle in Zürich. Teamplay ist ihre Sache. Wie schrieb die Neue Zürcher Zeitung vor einiger Zeit beeindruckt “Das Arcanto Quartett musiziert mit einer solchen Einigkeit in Ausdruck, Klangfarbe und Artikulation, wie man es selbst bei hauptamtlichen Streichquartetten selten erlebt.”

Ins Tonstudio zwecks CD-Aufnahmen verschlägt es die agile Musikerin natürlich auch von Zeit zu Zeit, zusammen mit der Pianistin Silke Avenhaus hat sie allein bereits 5 CDs eingespielt.  Mit anderen Worten, Antje Weithaas kann beim Nachdenken und Erzählen über die vielen Aspekte eines farbigen Musiker- und Pädagogenlebens aus dem Vollen schöpfen. Und humorvoll, ja locker und direkt ist sie obendrein noch.

Das konnten die Jungen Solisten speziell am zweiten Tag der Masterclass erleben, als der Direktor unseres Studiengangs, Friedemann Eichhorn, eine Diskussion mit ihr zum Thema “Wie übt man?” moderierte und mit eigenen Fragen und wissenswerten Einschüben spickte.

Die Neu-Potsdamerin verblüffte dann so einige Male die anwesenden Jungen Solisten mit Ihren Antworten zum Thema Üben. “Ich bin ehrlich, so ganz diszipliniert geht es bei mir auch nicht immer zu” meinte sie bei den Fragen zur Häufigkeit des Übens. Ihre diversen Verpflichtungen und Auftritte engen die Spielräume für reines “Üben” ein. Und die reine Technik hätte sie nun durchaus hinter sich. Üben tue sie nicht mit einer von vornherein anvisierten Häufigkeit bzw. Dauer, sondern jeweils angestossen durch gegebenem Anlass. Dies gelte für neue Stücke oder solche Kompositionen, die sie schon einige Zeit nicht mehr gespielt habe.

Sie könne sich auf ein Reservoir bekannter Stücke aus ihrer Frühzeit stützen und solche Werke spiele sie auswendig. Neue Stücke muss sie sich durch intensives Partitur-Studium erarbeiten und diese werden dann vom Blatt gespielt.

Als sie in die Runde der Musiker fragte, was sie, die Jungen Solisten, denn zum Üben motiviere, kam eine wie aus der Pistole geschossene Antwort eines anwesenden Musikers vom Kuss-Quartett: “Coffee” lautete sein Beitrag. Lachende Minen rundherum. Aber Frau Weithaas trug selbst auch immer wieder zur Leichtigkeit dieser Diskussionsrunde bei. Worum es ihr ginge beim Thema Üben war nach ihren Worten der Aspekt der Freude und der Frische im Kopf. Das Üben müsse keinesfalls Langeweile verbreiten.  Allzu schematisches Üben, gab sie zu bedenken, würde die Gefühle und Empfindungen für die Musik abtöten, und das müsse nicht sein. “Warum mehr leiden als notwendig”, fragte sie einmal in die Runde. Und an anderer Stelle meinte sie ironisch in Richtung Friedemann Eichhorn, dass sie ihr Mitwirkung bei diesem Thema nun keineswegs als Bestbesetzung sehe. Erneut Schmunzeln in der Runde.

Und dann machte sie noch die Rolle des aufmerksamen Hörens deutlich. Gleichwohl betonte sie, dass sie sich nicht zu jedem Violinstück die diversen bekannten Einspielungen anhöre. Und ein weitere Ausspruch verblüffte unsere jungen Musiker, als sie meinte, man müsse auch nicht spielen wie Heifetz, Oistrach, Menuhin oder Stern oder all die anderen bekannten großen Geigen-Virtuosen. Jeder Musiker müsse sich vielmehr selbst seinen Zugang zum betreffenden Werk über die Noten erarbeiten und an einer eigenen Interpretation feilen. Dies formulierte sie mit dem Brustton der Überzeugung. Eine wichtige Botschaft für die jungen Künstler.

Und schließlich betonte sie die Rolle des Hörens beim Spielen und Erarbeiten bestimmter Passagen einer Komposition. Alles müsse über das Hören, also über die Ohren gesteuert werden und nicht über die Arbeit der Finger. Ob es hier Geheimnisse gebe, wurde sie gefragt. “Keine Geheimnisse”, so ihre Antwort, außer, und da kam wieder die Frische im Kopf zu Geltung, “your brain needs to be fresh”. Die Diskussionsrunde wurde in englischer Sprache durchgeführt und auch dabei war Antje Weithaas sehr geschmeidig und virtuos.

Nach eineinhab Stunden eines angeregten Frage-und Antwort Dialogs, der nicht nur die Themamtik “Üben” umfasst hatte, wurde der letzte Break des Tages eingeläutet. Eine erbauliche und informative Abwechslung mit einer frisch und sympathisch auftretenden Künstlerin und Pädagogin. So werden sicherlich viele Junge Solisten diesen Nachmittag im Studio 2 in Erinnerung behalten.

Michael Heinz

Kronberg Academy Team

Meisterklasse mit Volker Biesenbender

Mittwoch, 23. November 2011

Das ist Top, Top, Top

Er hat in London an der berühmten Yehudin Menuhin School studiert und ist viele Jahre später als Lehrer wieder an diesen Ort zurückgekehrt. Hier traf Volker Biesenbender auf  Stephen Potts, dem heutigen Direktor unseres Studiengangs „Kronberg Academy Masters“. Stephen war damals in leitender Stellung an dieser berühmten Londoner Musikschule für Yehudi Menuhin tätig. Als Stephen Potts im letzten Jahr wieder Kontakt zu seinem alten Freund Volker aufnahm, verabredete man zunächst einen Auftritt und einen Workshop anlässlich der Geigen-Meisterkurse im Juli dieses Jahres in Kronberg.  Schwerpunkt des Workshops war das Thema „Improvisation“, für das Volker Biesenbender fast schon ein Synonym innerhalb der klassischen Musikausbildung geworden ist. Jetzt, Mitte November, sollte er noch ein zweites Mal in diesem Jahr in die Burgstadt kommen, um für 14 Junge Solisten unseres Studiengangs „Kronberg Academy Masters“ (KAM) individuelle Meisterkurse zu geben.

Volker Biesenbenders Auftritt über 2 volle Tage ( 16./17.11.) war eine große Bereicherung für unsere jungen Musiker. Er war während dieser zwei prallen Tage im “flow”, wie er uns überzeugend berichtete. Als Lehrer unterwegs zu sein, das sei für ihn selbstverständlich. Er sieht es als persönliche Verpflichtung an, das Gelernte an die nächste Generation bestmöglich weiter zu geben. Und hierher nach Kronberg zu kommen, das war eine Herausforderung allererster Güte. Und die Resonanz bei den jungen Musikern war äußerst positiv. „Das war wunderbar“, so sagten es wie aus einem Munde Christel und Hanna Lee und auch Ella van Poucke, die mit 17 Jahren die jüngste Junge Solistin in unserem Studiengang.

Bei jeder Einzel-Session (Dauer. 50 Minuten) waren stets die anderen Solisten als Zuhörer mit von der Partie. So kam eine maximale Lernsituation zustande. Und am Abend waren alle angereichert mit Gedanken und Ideen von einem Lehrer, der auch als  Straßenmusiker Erfahrungen sammeln konnte.

Am Ende des zweiten Tages zeigte Volker den Jungen Solisten und dem Kronberg Academy Team einen israelischen Dokumentar-Film über seine Musik und seinen eigenen unkonventionellen musikalischen Werdegang. Seine musikalische Ausbildung führte ihn zunächst an die Musikhochschule Tel Aviv, wo er sein Studium abschloss. Insgesamt verbrachte er 4 Jahre in Israel. Nach dem Studium befasste er sich ausgiebig mit historischer Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basel. Daneben gab er zahlreiche Recitals und trat bei diversen Festivals auf. Mit seinem eigenen multistilistischen Trio Avodah gibt er seit einigen Jahren Konzerte in ganz Europa. Auch das Kronberger Publikum konnte sich im Sommer diesen Jahres ein eigenes Bild von dem mitreißenden Auftritt des Trios  in der Stadthalle machen. Bemerkenswert ist noch dies: Sein großer Mentor, der weltberühmte Yehudi Menuhin, unter dessen Stabführung er noch kurz vor dessen Tod die erste Bartók-Rhapsodie einspielte, wies in vielen Interviews und Fachartikeln enthusiastisch auf Biesenbenders künstlerische Vielseitigkeit hin.

Sein Credo: Das im Innersten eines Musikers Empfundene sollte beim Vortrag nach außen gelangen, es sollte idealerweise im Augenblick des Spielens ( im „Hier und Jetzt“) aus dem Musiker herausfließen. Der Musiker müsse im flow sein, seine eigenen tiefen Empfindungen und Gefühle für die Hörer erlebbar und erfahrbar machen. Auf unsere Frage, wer ihn maßgeblich in seiner musikalischen Auffassung beeinflusst habe, antwortete er sogleich und nennt seinen langjährigen Lehrer Rami Shevelov, aus seiner Zeit in Tel Aviv.

Ein bestimmtes System oder eine Methodik habe er dabei nicht zur Hand, so erklärte er uns. Wohl aber trete er in einen Dialog mit jedem Musiker, wenn dieser ihn sein/ihr Werk vorgespielt hat. So war es auch in Kronberg mit den insgesamt 14 Jungen Solisten, die die Instrumente Violine, Viola und Cello jeweils mit Klavierbegleitung in unterschiedlichen Werken erklingen ließen.

In unserem Gespräch kurz nach Beendigung der Meisterklasse Ende letzter Woche, schilderte er uns – sichtlich erleichtert – wie die zwei „Kronberger Tage“ auf ihn gewirkt hatten und mit welchen Gedanken er heimwärts reisen würde. Jeder der 14 jungen Musiker konnte sich 50 Minuten auf sein/ihr Stück vorbereiten, um dann im Kreise der Mitstudierenden das eigene Stück vorzutragen und dann Volkers Feedback zu hören. „Das war top, top, top“,  ließ er wissen. Was er hier erlebt habe mit den jungen Musikern, „das sei vom Feinsten gewesen, so seine Worte über die Jungen Solisten und die Kronberg Academy als Ausbildungsinstitution.

Über die Jahre mit vielen Erfahrungen in Sachen Unterrichten junger Musiker bestens ausgestattet, war Volker Biesenbender nicht zurückhaltend mit seinem Lob über die Arbeit, die das Team um Stephen Potts seit nunmehr 5 Jahren leistet. Für Biesenbender war es etwas Besonderes, die créme de la créme junger Streicher unterrichten zu dürfen und so viele herausragende junge Musiker um sich zu wissen. Eine solche Dichte hätte er noch nicht erlebt. Dazu die Natürlichkeit und die spezielle Atmosphäre in den Räumen der Streitkirche, dort wo die Meisterklassen und Kurse für die Jungen Solisten abgehalten werden. All dies sei ihm sehr positiv aufgefallen. An anderer Stelle fällt das Wort vom „Hochleistungslabor“, aber hier in Kronberg sei eben das Menschliche noch sehr zu spüren. Das sei bei ihm sehr positiv angekommen.

Und die Einladung der Academy, im nächsten Jahr bei „Classic for Kids“ erneut in Kronberg aufzutreten, da habe er mit seiner Zusage nicht mehr lange zögern müssen. Für die Musikliebhaber in und um Kronberg eine prima Nachricht!

Michael Heinz

Interview – Alina Ibragimova

Mittwoch, 21. April 2010

Eine der drei Seniors bei „Mit Musik – Miteinander“ (MMM) vor 10 Tagen war Alina Ibragimova.

Die 1985 in Russland geborene Geigerin, stets gut gelaunt und mit strahlendem Lachen unterwegs, willigte spontan zu einem kurzen Interview am Sonntag, den 11. April 2010 im Kronberger Maler-Museum ein. Gelesen hatte ich viel über die junge Solistin, u.a .von ihren drei letzten CD-Produktionen für Hyperion Records ( 2008 und 2009) und ihren Auftritten in Salzburg, Verbier und Salle Pleyel Paris . Ihre Ausbildung an der Yehudi  Menuhin School unter Natasha Boyarskaya und ihre Auftritte im Bolschoi-Theater und in London sind nicht minder berichtenswert, insbesondere auch Ihr Auftreten gemeinsam mit Yehudi Menuhin kurz vor dessen Tod im Jahre 1998 ( sie war damals erst dreizehn alt). Und natürlich ihr zweimaliges Erscheinen als Junior bei „Chamber Music Connects the World“ ( CMCW), 2004 und 2008.

Seit Oktober 2008 studiert Alina nun an der Kronberg Academy und nimmt an den Kronberg Academy Further Master Studies teil. Alina lebt und arbeitet in Berlin und London.

Wen überrascht es:  Ich war mehr als beeindruckt von ihrer Vita. Nun wollte ich in diesem sonntäglichen Interview von ihr erfahren, wie sie unsere beiden Kammermusik-Reihen MMM und CMCW sieht, aber auch, welche Bedeutung diese für sie persönlich hätten und welche Rolle die Musik insgesamt in Ihrem Leben spielt ( das Interview wurde auf Englisch durchgeführt, nachfolgend eine Zusammenfassung auf deutsch mit einigen wörtlichen englischen Zitaten).

Michael Heinz: Welche Bedeutung hat ihre Teilnahme an Chamber Music Connects the World im Jahre 2004 und 2008 für Sie gehabt?

Alina Ibragimova: Das waren jeweils 11 großartige Tage, die ich einfach nicht missen möchte. Das war fällig in meiner damaligen persönlichen Entwicklung in jenen Jahren, die Teilnahme hat mich bereichert ( an einer Stelle des Interviews sagt sie. „I needed this“).

MH: Was war besonders hervorhebenswert als Erfahrung?
AI: Ganz besonders hervorhebenswert war es für mich , mit den Herausforderungen des Spielens als zweite Geigerin zu agieren , das war absolut neu. Und ich musste mich entsprechend umstellen. Das war keineswegs einfach – eben eine echte Herausforderung!

MH: Was ist aus ihrer persönlichen Sicht das das Besondere an der Kammermusik im Zusammenhang mit unserem Projekt „Mit Musik Miteinander“?

AI: Ich möchte den Juniors vermitteln, wie wichtig das Hören ist! Dabei geht es mir nicht um technischen Anweisungen und Hinweise – vielmehr möchte ich die jüngeren Musiker auf die Besonderheiten des Zusammenspiels einstimmen  – „How to listen“ – das ist so wichtig…..! Zitat: „Learning to becoming very flexible and knowing how to react to the other players while they lead, these are key capabilities and skills when performing chamber music.”

MH: Wer hat Sie als Lehrer stark geprägt?

AI: Peter Norris (Lehrer an der Yehudi Menuhin School in London) hatte sehr großen Einfluss auf meine Musikalität und mein Spiel. Ich war damals so 16-17 Jahre alt, er war wirklich sehr einflussreich für mich und besonders habe ich von ihm die Bedeutung des aufmerksamen Zuhörens mitbekommen. Und zwar ist das dann ganz besonders wichtig, wenn man mit anderen Musikern in Kammermusik-Ensembles zusammen spielt. Hier muss man einfach auf die anderen Stimmen aufpassen und sehr sehr flexibel sein. Und man spricht viel miteinander. Deswegen war ich auch für MMM und CMCW gewissermaßen dankbar – ich konnte so noch mehr hinzulernen  – von den ganz Großen. Eine sehr wertvolle Sache.

MH: Welche Platten habe Dich in Deiner Kindheit fasziniert, was hast Du sehr früh schon gehört?

AI: Ja, eine ganze Menge eigentlich – meine Eltern ( ihr Vater ist Kontrabassist bei den Londoner Symphonikern und ihre Mutter ist Violin-Lehrerin and der Menuhin School, wo sie später selbst anheuerte!) hatten sehr viele Platten und Tonbänder zuhause. Meine ersten Platten, die ich bewusst und mit Freude gehört habe, waren: Die Zauberflöte, die Matthäus-Passion, Yehudi Menuhins Violin-Konzerte von Beethoven und Schuberts Sonate a-Moll Arpeggione.

MH: Welche Rolle spielt die Musik in Deinem Leben..?

AI: Ich habe bereits im Alter von 4 meine erste Violine bekommen, von da an wurde das tägliche Spielen normal für mich – ich bin einfach dann damit groß geworden.

( Zitat: „Playing music, day in day out, it´s just a way of life – like eating, it´s very physical.
I have to do it, even when I am not performing on stage or are engaged musically otherwise.
I need to rehearse, at least 2-3 hours a day”).

MH: Wer sind einige Deiner musikalischen Vorbilder?

AI: Nun einige von diesen Musikern, die einen starken Einfluss auf mich hatten,

waren und sind Davd Oistrach, Jascha Heifetz und natürlich Yehudi Menuhin – wahrlich ganz große Virtuosen. Ja, die haben mich geprägt und inspiriert!

MH: Gibt es Unterschiede zwischen dem deutschen und dem britischen Publikum?

AI: Unterschiede zwischen dem britischen und deutschen Publikum gibt es einige: das deutsche Publikum ist offener, und  selbst in kleineren Orten gibt es immer gefüllte Häuser – in England ist dies im Grunde nur in der Hauptstadt London der Fall.

MH:
Lesen Sie Kritiken?
AI: Ja, ich lese die Kritiken. Allerdings nehme ich diese nicht so sehr ernst. Mit negativen Kritiken und Kommentaren komme ich gut klar. Ich weiß, dass zwei Journalisten in England beispielsweise sehr oft ein wenig negativ berichten, aber das tangiert mich nicht so sehr.

MH: Was bedeutet Dir Kronberg?

AI: Nun, Kronberg ist ein sehr wichtiger Ort für mich geworden. Ich habe zweimal an CMCW teilgenommen, jetzt bin ich bei MMM mit dabei und schließlich studiere ich nun an der Kronberg Academy. Das alles macht es zusammen mit meinen bisherigen Erfahrungen zu einem wirklich wichtigen Ort in meinem Leben.

MH: Was hast Du für Träume und Wünsche? (hier kann man Alina von ihrer sehr unprätentiösen Art erleben)

AI: “I have no special wishes or dreams. I just want to keep on playing music, being together with other nice people and my friends, and, just keep on learning!

MH: Vielen Dank,  Alina für dieses Interview zwischen den Proben.

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World / Wie alles begann

Donnerstag, 1. April 2010

Dies ist der Auftakt und eine kleine Einstimmung zu unserer neuen 10-teiligen Blog-Serie über die Anfänge des Kammermusik-Projekts „Chamber Music Connects the World“ und Portraits einiger Ex-Juniors.

Vor nunmehr fast genau 10 Jahren begann für die Kronberg Academy die Reise in die Welt der Kammermusik, und gleichzeitig die Etablierung eines weiteren Bausteins in der Förderung und Ausbildung junger, hochbegabter Musiker und Solisten.

In insgesamt drei Blogbeiträgen wollen wir die Geschichte von CMCW nacherzählen, von den gedanklichen Wurzeln bis zur Realisierung im Jahre 2000. Und vorweg ein kurzer Rückblick auf ein Kammermusik-Projekt in Amerika, wo das Experiment „Marlboro Music School“ in den frühen Fünfziger Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Welche Hürden und Hindernisse beim ersten Zusammentreffen in Kronberg im Jahre 2000 zu überwinden waren, davon soll auch hier später berichtet werden. Und über manche Eigentümlichkeit.

Dies alles wird erzählerisch und mit kleinen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen garniert. Eingesammelt und eingefangen bei all jenen, die mit Herzblut von Anfang mit dabei waren.

Was uns aber alle bis heute fasziniert ist dies:

die ersten Seniors bei Chamber Music sind über ihre eigenen Lehrer und deren Wegbegleiter mit  einer Generation verbunden, die viele herausragende Künstler der jüngeren Musikgeschichte hervorgebracht hat – dies wird stets lebendig, wenn man die Lebensläufe der beteiligten Musiker sich vor Augen führt und dann realisiert, dass auch diese Seniors auf den Schultern jener Generation stehen und von deren Kreativität und Meisterschaft nachhaltig inspiriert wurden. Ausnahmekünstler wie Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Rudolf Serkin, David Oistrach und Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin und natürlich nicht zu vergessen Mstislav Rostropovich haben ihre Meisterschaft und Disziplin an unsere Seniors weitergegeben – sich dieser Verbindungen bewusst zu sein und zugleich als Ansporn und Maßstab weiterzugeben, das ist nach wie vor das Ziel . Die jungen Musiker von heute reihen sich ein in diesen Strom. So betrachtet, ergibt sich ein bedeutungsvoller Brückenschlag zwischen den Generationen bis in die heutige Zeit.

Schließlich erhellen wir an sechs Musiker-Beispielen in den dann folgenden Blogbeiträgen zur Geschichte von Chamber Music Connects the World wie sich der eine oder andere Ex-Junior seit der Teilnahme künstlerisch weiter entwickelt hat. Denn “Chamber Music” istbekanntlich ein weiterer Pfeiler in der individuellen Förderung und Entwicklung einer aufstrebenden jungen Solisten-Generation der Extra-Klasse.

Nächster Blog:   Feuerprobe für ein einzigartiges Konzept

Michael Heinz

Meisterkurs: Ana Chumachenco und Ihre trefflichen Meisterschüler

Freitag, 19. März 2010


Kronberg, im März 2010:

An einem der ersten Tage ohne Schnee in Kronberg waren sie alle versammelt: 7 Junge Solisten waren zusammengekommen, um Ana Chumachencos Meisterkurs beizuwohnen. Endlich hatte ich mal Gelegenheit, so viele junge Musiker unseres Studienganges „Kronberg Academy Masters/ Further Master Studies“ geballt an einem Platz zu erleben. Keine Übertreibung: das war ein angenehmes, familiäres Zusammentreffen von Alt und Jung, und was mir so mancher Junge  Solist nachher erzählte:  man kennt sich größtenteils untereinander. Aber der Reihe nach….

Wer war dabei….?

Peijun Xu, Benedict Klöckner, Yumiko Urabe, Alicja Smietana, Alina Ibragimova, Eri Sugita, Sasha Sitkovetsky, Soojin Han, Vilde Frang, der Berliner Gabriel Schwabe und schließlich David Gueran.

Während der Vormittag alleine dem Einzelunterricht gewidmet war, war nach dem gemeinsamen Mittagessen zunächst Kammermusik „vom Blatt“ angesagt und es durften nun auch einige Zuhörer des Academy Teams mit dabei sein. Absolut spannend dachte ich und ließ mich auf knappe 3 Stunden intensiven Musik-Hörens ein.

Direkt neben dem aufmerksamen Stephen Potts sitzend, dem Leiter des Academy-Master Studienganges,  versuchte ich , sowohl den Klängen der Musik zu folgen, als auch ein Gefühl für die Anstrengungen und Konzentration der jungen Musiker mit aufzunehmen. Den Auftakt machte das lebhafte und zugleich rasante Oktett von Felix Mendelssohn-Bartholdy – ein absolut begeisterndes Stück! Im Halbkreis sitzend, Frau Chumachenco als 4. Geige im Zentrum, musizierten alle mit viel Schwung und Klasse. Sasha Sitkovetsky, der mir zuvor stolz von seinen frühen Begegnungen mit Yehudi Menuhin berichtet hatte, hatte als erster Geiger die Führungsrolle inne – glänzend – so meine subjektive Empfindung.

Dann, nach einer kurzen Pause, stand Alina Ibragimova allein im Zentrum der Aufmerksamkeit: Sie intonierte die Sonate Nr. 2 Op. 94 von Prokofiev mit großer Inbrunst. Die begeisterten Kommentare Ana Chumachencos und der anderen Meisterkurs-Teilnehmer über ihr Spiel ließ die junge Russin, die in Großbritannien lebt, mit sichtlicher Freude und gut gelaunt über sich ergehen. Einer Katze gleich, lautlos und gewandt aus der Bodenperspektive fotografierend, war auch unser Fotograf Andreas Malkmus mit von der Partie, um diese Momente gewissermaßen für das Familien-Album  festzuhalten. Den Schlussakkord seiner Arbeit bildete ein wirklich schönes, familiäres  Gruppenfoto der jungen Musiker mit Frau Chumachenco –

dieses und weitere „atmosphärische“ Momentaufnahmen eines besonderen Meisterkurs-Tages  in der Kronberger Streitkirche können nun alle Fans und Freunde auf unserer Kronberg Academy Flickr- Seite bestaunen.

Michael Heinz

Daniel Hope: Manchmal hat er einen zum Rasen gebracht

Montag, 11. Mai 2009
Christoph Bungartz im Gespräch mit Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

Christoph Bungartz im Gespräch mit Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

„A tribute to Yehudi Menuhin” – das sollten die ersten Geigen-Meisterkurse sein – und das sind sie gewesen! Ein Tribut vor allem in der Vielfältigkeit der Geigen-Erlebnisse, die sie uns beschert haben, „verursacht” durch die ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten der Künstler, die in dieser Woche mitgemischt und den Kursen Stimmung und Profil verliehen haben. Und fast jeder dieser Künstler stand mit Yehudi Menuhin in irgendeiner Beziehung – er wiederum, so stellt man es sich vor, hatte sie alle in seinem großen Herzen und teilte ihre musikalischen Welten.

Am 5. Mai, dem Tag nach dem Abschlusskonzert, gab es dann aber noch einmal die Gelegenheit, ganz Persönliches über den Menschen und Künstler Yehudi Menuhin zu erfahren. Denn Daniel Hope kam am

Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

Nachmittag nach Kronberg, um von seinen Erlebnissen und Erfahrungen mit Menuhin zu erzählen. So kam man um 15.00 Uhr in der Stadthalle zusammen, bevor man zum Konzert in den Hessischen Rundfunk aufbrach, wo Daniel Hope am Abend das Gedenk- und Benefizkonzert für den Yehudi Menuhin Nachwuchspreis spielen sollte.

Auf zwei Sesseln auf der Vorbühne der großen Saals wurde Daniel Hope von Christoph Bungartz vom NDR animiert, seine Erlebnisse zu erzählen – und Erzählen kann Daniel auch ausgesprochen gut! Und zwar auf eine sehr amüsante und britisch-charmante Art und Weise… es wurde viel gelacht in dieser Stunde in der Stadthalle.

Der Hintergrund: Daniels Mutter war Yehudi Menuhins Assistentin. Ihr kleiner Sohn lebte darum zeitweise auch in Menuhins Haus und hatte dort viele Erlebnisse und Begegnungen mit großen Künstlern, die zu Besuch kamen. (So wie andere dem Onkel Franz die Schnürsenkel zusammenbinden, so zog Daniel Rostropovichs Cellostachel heraus ….)

Daniel Hope erzählte liebevoll und in vielen Anekdoten von den Eigenarten des „sehr offenen und menschenfreundlichen” Mannes, dessen Kollege er später wurde – und der dann sein Mentor war. So erfuhr man zum Beispiel, dass Menuhin nie nervös war und so spontan, dass er dem jungen Daniel Hope mitten in dessen Auftritt noch Tipps für einen besseren Fingersatz auf die Bühne hinausraunte.

Sehr viel Humor muss er gehabt haben! „Manchmal hat er einen zum Rasen gebracht …” aber „unglaubliche musikalische Momente” hat er einem beschert.

von Oda Cramer von Laue

Konzert ¦ Daniel Hope ¦ Eine Hommage an Yehudi Menuhin

Montag, 4. Mai 2009

Das morgige Sonderkonzert verspricht etwas Besonderes zu werden. Es steht ganz im Zeichen des großen Geigers Yehudi Menuhin, dessen Spiel Albert Einstein einst zu der Aussage veranlasste: „Jetzt weiß ich, dass es einen Gott im Himmel gibt.” Ausgesprochen hat er dies nachdem er Menuhin als 13-Jährigen in dem „Konzert der 3 B” (Bach, Beethoven, Brahms) mit den Berliner Philharmoniker gehört hatte.

Der Menuhin-Schüler Daniel Hope – Solist und Leitung des Konzerts – wird den Abend gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester sowie Benjamin Hudson, Wolfgang Kussmaul, (Violine) und György Bognar (Violoncello) musikalisch gestalten. Auf dem Programm stehen Werke von Bach und Vivaldi.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wird hingegen von seinen Begegnungen mit Menuhin sprechen. Erstmals persönlich getroffen hat Reich-Ranicki Menuhin im Jahre 1960. Es war eine zufällige Begegnung auf einer Zugfahrt von Köln nach Hamburg. Sie unterhielten sich und auf die Frage Reich-Ranickis, ob es nicht langweilig sei, wenn man wochenlang von Stadt zu Stadt reise und immer dasselbe Konzerte spiele, gab Menuhin ihm

„[...] eine Antwort von großer Schlichtheit, wenn nicht gar Banalität. Aber ich habe sie nie vergessen. Er sagte mir: „Wenn man sich jeden Abend wirklich Mühe gibt, wird es nie langweilig.” (Aus: Marcel Reich-Ranicki, Mein Leben)

Menuhin war nicht nur ein begnadeter Geiger, sondern er stellte seine Virtuosität in den Dienst eines undogmatischen Humanismus. Kein Musiker „dürfe dumpf vor sich hin fiedeln während die Welt in Flammen steht”, so seine persönliche Überzeugung. Er gab in den Kriegsjahren über 500 Konzerte für wohltätige Zwecke in Lazaretten und spielte unmittelbar nach Kriegsende für die Überlebenden der Konzentrationslager.

Da Yehudi Menuhin – ebenso wie uns – die Förderung junger, talentierter Künstler am Herzen lag, wird im Rahmen des Sonderkonzerts das erste Mal der Yehudi Menuhin Nachwuchspreis an ein junges Talent (bis 18 Jahre) vergeben. Aus Anlass des zehnten Todestages des großen Geigers haben wir einen Fonds gegründet aus dem dieser finanziert werden wird. Das Benefizkonzert mit Daniel Hope soll die Grundlage schaffen. Den Grundstock legte die Zürich Gruppe Deutschland mit einer Spende.

Bereits morgen Nachmittag um 15 Uhr findet in der Stadthalle Kronberg ein Podiumsgespräch mit Daniel Hope statt. Moderiert wird das Gespräch “Ein Vorbild von Kindesbeinen an – Erfahrungen mit Yehudi Menuhin” von Dr. Christoph Bungartz.

Karten für das Sonderkonzert „Yehudi Menuhin – eine Hommage” am Dienstag, dem 5. Mai um 19 Uhr im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt, Bertramstraße 3 gibt es an der Abendkasse oder hier

von Ulrike Schmid

Geigen Meisterkurse ¦ A tribute to Yehudi Menuhin

Mittwoch, 22. April 2009

A tribute to Yehudi Menuhin – unter dieses Motto haben wir unsere erstmalig stattfindenden Geigen Meisterkurse gestellt. Dem Motto entsprechen, werden wir einige Dozenten und Solisten zu Gast haben, die in direkter Verbindung zu Menuhin standen: Ana Chumachenco und Daniel Hope wurden von Menuhin unterrichtet, Roby Lakatos und Lakshminarayana Subramaniam haben mit ihm zusammengearbeitet, die jungen Solisten Alina Ibragimova sowie Alexander Sitkovetsky und der Dozent Mauricio Fuks haben an der Yehudi Menuhin School in der Nähe von London studiert bzw. gelehrt. Heute wäre der brillante Geiger und Kosmopolit 93 Jahre alt geworden. Dies zum Anlass nehmend können Sie heute bei uns eines der letzten Interviews lesen, das Yehudi Menuhin gegeben hat.

“Jetzt weiß ich, dass es Gott gibt”, sagte Albert Einstein als er Sie als Kind spielen hörte. Heute werden Sie als großer Humanist, ja als Heiliger verehrt. Wie sehen Sie sich selbst?

Oh ich bin gar kein Heiliger! Ich tauge nicht dafür. Ich habe meine Prinzipien, aber leider werden die richtigen Prinzipien nie verwirklicht. Man hofft immer, dass es eine bessere Welt gibt.

Ist die Welt schlechter geworden?

Der Mensch war nie ein Engel. Er hat sich an sich nicht verändert im Gegensatz zur Technik, der Ökologie, die Wissenschaft. Demokratie ist an sich fabelhaft, doch sie hat sich nicht entwickelt. Eigentlich sollte sie den Gruppen eine Stimme geben, die keine Stimme haben. Das tut sie nicht immer. Das andere Problem ist sie selbst: Man glaubt, man könnte über die Freiheit verfügen, wie man will. Aber die Freiheit ist die Würde des anderen, die man respektieren muss.

Gibt es für Sie eine ideale Regierungsform?

Man müsste Politiker haben, die Visionen haben und genügend Geld, um unabhängig diese umzusetzen. Dann hätte man eine aristokratische Regierung, die natürlich nicht das Volk repräsentierte, aber vielleicht die Verantwortung für die Zukunft übernehmen würde. Heute denkt man nicht weiter als in kurzen Zeiträumen, bis zu den nächsten Wahlen. Wir müssen daran arbeiten. Darum mache ich das Projekt, wo wir zu den schwierigen Schulen gehen. Wenn die Kinder anfangen zu singen und zu tanzen, dann sind alle Vorurteile weg. Wir zwingen die Kinder Schreckliches zu lesen, zu hören und zu sehen. Dadurch vernichten wir, was im Kind gedeihen könnte. Die Brutalisierung der Jugend ist erschreckend.

Sie haben selbst vier Kinder; wie ist Ihnen die Erziehung gelungen?

Ja, ich glaube ja. Oft war meine Frau der bessere Vater. Frauen sorgen für die Zukunft, Frauen bringen einen wieder auf den Boden der Realität, folgen oft nicht dummen Theorien, weil sie das Leben geben. Der Mann glaubt etwa die große Theorie erfunden zu haben, die Wahrheit. Und dann will er das ganze Leben in diese Richtung forcieren. In der Kunst oder Wissenschaft ist es gut. Aber oft ist die Idee auf Hass aufgebaut, wie bei Diktatoren, dann gibt es nur Vernichtung…

Wenn Sie Ihr ungemein reiches Leben in einem Wort zusammenfassen müssten …

In drei: Liebe und Güte und Glück. Ich hatte wunderbare Eltern und Freunde, das Glück mit Musik leben zu dürfen und zu allen Menschen zu sprechen, seien sie schwarz, gelb oder weiß. Das war das Schönste in meinem Leben.

Über Ihr Eintreten für Wilhelm Furtwängler kurz nach Kriegsende waren viele empört, Sie wurden öffentlich als Verräter und Kollaborateur der Nationalsozialisten gebrandmarkt. Wie sehen Sie heute Deutschland?

Es ist das erste Land, das wirklich ernsthaft und konsequent daran gearbeitet hat, sich von den alten Ideologien frei zu machen. Die Dokumentierungsstelle etwa für deutsche Zigeuner in Heidelberg ist ein solches Zeichen. Es gibt hier viele gute Menschen.

Sind Sie einverstanden mit den vielen Biographien, die über Sie geschrieben wurden?

Mit den meisten nicht, ich habe viele anders empfunden, als dort beschrieben. Nur das, was ich geschrieben habe, stimmt.

Wenn ein Film über Sie gedreht werden sollte, wer sollte Ihre Rolle spielen? Immerhin sollten Sie selbst einmal Paganini spielen.

Ich habe keinen Wunsch, ein Held zu sein, ich tauge auch nicht dazu. Ich weiß es nicht. Ich mag den Film von Bruno Monsaignon über mich.

Sie hatten so viele Gaben. Hätten Sie sich noch mehr gewünscht?

Sehr viel mehr Sport aber auch intellektuelle Fähigkeiten wie Mathematik oder die Naturwissenschaften. Ich wünschte, ich könnte alle Sprachen beherrschen. Es fehlen so viele Dinge.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nicht wirklich. Ich habe Angst, dass gute Menschen vernichtet werden, große Kunst zerstört wird, ganze Wälder. Das ist unerträglich. Sie haben als jüngerer Mensch ein schweres Erbe.

Das Interview führte Teresa Pieschacón Raphael am 16. Dezember 1997 in Fontainbleau bei Paris. 14 Monate später starb Yehudi Menuhin in Berlin.

Violin Masterclasses ¦ Mittendrin in den Vorbereitungen

Dienstag, 23. Dezember 2008

Derzeit stecken wir mittendrin in den Vorbereitungen zu den Geigen-Meisterkursen, die vom 27. April bis 4. Mai 2009 zum allerersten Mal stattfinden. Da sich nächstes Jahr der Todestag von Yehudi Menuhin zum 10. Mal jährt, haben wir die Meisterkurse ihm zu Ehren gewidmet.

Im Organisieren von Meisterkursen oder anderen Kammermusikprojekten sind wir mittlerweile Meister, doch mit den Geigen Meisterkursen betreten wir jetzt absolutes Neuland und insofern gibt es das eine oder andere Neue, was wir tun müssen. Denn noch assoziiert mit der Kronberg Academy niemand Geigen-Meisterkurse und das wollen wir nun ändern. Nachdem Anfang des Jahres klar war, dass wir diese Kurse veranstalten, mussten Dozenten gefunden werden, die nicht nur erstklassige Solisten, sondern gleichzeitig auch gute Lehrer sind. Recherche war also angesagt. Ausgewählt haben wir nun Ana Chumachenco, Mauricio Fuks, Christian Tetzlaff und Pavel Vernikov.

Nachdem die Dozenten feststanden, ging es daran, die jungen Geiger darüber zu informieren. Also musste eine Adress-Datenbank gefüllt werden, Flyer und Anzeigen erstellt und weitere Programmpunkte sowie die Kurszeiten festgelegt werden. So allmählich haben wir das nun alles erledigt. Die Flyer sind nämlich verschickt und wir verzeichnen bereits erste Anmeldungen.

Bei all unseren Vorbereitungen erfahren wir von vielen Menschen v. a. aus der Musikszene Unterstützung. Oft ergeben sich aus einem Telefonat mit einem Künstler weitere Kontakte, Empfehlungen und Tipps. So ergibt eines das andere und das neue Angebot spricht sich so allmählich rum.

So war etwa die Tochter Yehudi Menuhins, Zamira Benthall-Menuhin, sofort bereit, die Schirmherrschaft der Meisterkurse zu übernehmen. Schließlich verfolge sie seit Jahren unsere Arbeit und die Ausbildungssituation, wie sie uns schrieb. Für ein Konzert (28. April) konnten wir die jungen Geiger Vilde Frang, Alina Ibragimova und Alexander Sitkovetzky gewinnen. Die drei verbindet nicht nur, dass sie am Kronberg Academy Masters-Programm teilnehmen, sondern auch, dass sie an der Menuhin School in London unterrichtet wurden.

Unsere Freude über die Zusage des ehemaligen Menuhin-Schülers Daniel Hope, ein Konzert (5. Mai) zu geben, war natürlich sehr groß. Auch der Gipsy-Geiger Roby Lakatos wird ein Konzert (2. Mai) geben und zusätzlich sowohl für die passiven als auch aktiven Meisterkurs-Teilnehmer einen Workshop (3. Mai) abhalten. Darauf sind wir alle schon sehr gespannt. Gleiches gilt auch für Gidon Kremer, der extra für uns sein Sabbatical unterbricht, um für alle Teilnehmer einen Workshop (1. Mai) zu geben – und Workshops hält er äußerst selten ab.

Für mich ist es gerade eine wahnsinnig schöne Erfahrung festzustellen, wie viel positive Resonanz und Unterstützung wir von Musikern und Menschen aus dem Musikbereich erfahren. Das lässt mich bei all dem Trubel auch ganz entspannt bleiben und erfüllt mich mit viel Freude.

Übrigens geht es hier zur Anmeldung und zum Programm.

Mareile Zürcher


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