Archiv für die Kategorie „Entstehungsgeschichte“

Musikalische Welten – Riesengeige aus dem Vogtland

Donnerstag, 8. Juli 2010

Kaum zu glauben. Die siebenfach vergrößerte Geige, die 16 Handwerksbetriebe, darunter 3 Bogenmachermeister, zwischen Anfang Januar und Ende Mai 2010 in Markneukirchen zusammengebaut haben, ist bespielbar. Die Riesengeige maß bei Fertigstellung genau 4,27 m. Mit dem 5,22 m langen Bogen ließ man zwei kurze Stücke erklingen: Zum Geburtstag viel Glück und Hoch soll sie leben. „Der Klang war gigantisch“, so Ekkard Seidl, Geigenbaumeister aus dem sächsischen Vogtland, dazu  Ideengeber und Koordinator für dieses anspruchsvolle Projekt.  Zielsetzung war es, die Bedeutung der Geigenbauer-Innung, die seit 333 Jahren in der Stadt Markneukirchen existiert, in Erinnerung zu rufen. Aber auch dem im Juni fälligen Festakt der Stadt anlässlich Ihres 650 Jahre Stadtrechte-Jubiläums den nötigen Prunk zu verleihen. Nicht nur eine flüchtige Feier zu Ehren der Stadt sollte es geben, sondern auch etwas Werthaltiges müsste nach den Festlichkeiten für die Nachwelt erhalten bleiben – auch dies war eine Motivation. Und ein weiteres Jubiläum ganz persönlicher Art gesellte sich dazu. Ekkard feiert im Jahre 2010 sein 25-jähriges Firmen-Jubiläum als selbständiger Geigenbaumeister. Die Idee einer Riesengeige kam ihm in der Vergangenheit schon häufiger in den Sinn, aber im Dezember 2009 begann die heiße Phase für ihn, als er nämlich die Unterstützung vieler Betriebe und Handwerker akquirieren musste und sein Projekt als Teil der städtischen Feierlichkeiten realisieren wollte. Dank seiner guten Kontakte zu Handwerkern, Meistern und Rathaus-Verantwortlichen  gelang es rasch, die nötigen Helfer und Unterstützer für dieses ambitionierte Vorhaben zu gewinnen und sie in seine generalstabsmäßige Planung einzubinden.

In verschiedenen Werkstätten wurden die Bestandteile gefertigt: Wirbel, Saiten, Stimme und Steg, Kinnhalter und Knöpfchen, Decke, Boden und Zargen. Einige dutzend Kilo Fichte, Ahorn und Ebenholz und stolze 6 Liter Holzleim waren nötig, um dieses Meisterwerk hervorzubringen. Gewicht bei Fertigstellung: über 100 kg.  Mit der Gesamtlänge von über 4m ist das Instrument mehr als doppelt so lang wie ein Kontrabass. „Jedes Detail war eine Herausforderung. Formenbau, Werkzeugbau, Platz, Materialbeschaffung und auch die Zeit waren Engpassfaktoren. Ich habe straff organisiert und meine Mitstreiter motiviert. 3 Tage vor dem Umzug war die Geige fertig, es musste nur noch für den großen Auftritt geprobt werden“, so Ekkard Seidl. Am Ende hat es geklappt.

Auf dem Marktlatz konnten sich dann am 6. Juni alle Besucher und Gäste persönlichen vom ausdrucksvollen Klang der Riesengeige überzeugen. Und obendrein sah sie auch noch gut aus. Tatsächlich, diese Riesengeige glich der „normal proportionierten Geige“ enorm, nur halt riesig in den Ausmaßen. Und das war schließlich beabsichtigt.  Als Modell diente den Erbauern eine Geige des großen vogtländischen Meisters Johann Georg Schönfelder II (1750-1824) – absolut originalgetreu nachgebaut. Auf dem bejubelten Umzug anlässlich des Stadt-Jubiläums am 6. Juni war es dann soweit: auf einem Tieflade-Anhänger, gezogen von einem kräftigen PS-starken Traktor, war die Riesengeige fest verzurrt. Schaulustige bestaunten und bejubelten das sächsische Wunderwerk. MDR und Regionalfernsehen waren zur Stelle und hielten diese Momente fest. An einen sachgerechten Eintrag in Wikipedia hat Ekkard Seidl bereits gedacht und so wird die Riesengeige auch im Internet demnächst Ihre Bekanntheit steigern können.

Für die Freunde der Musik, die gerne durch deutsche Lande reisen, denen sei zugerufen: Ein Abstecher in den vogtländischen Musikwinkel lohnt nun umso mehr, seit es Ekkard und seine vielen fleißigen Handwerker-Mitstreiter geschafft haben, diese Geige für die Nachwelt zu produzieren. Nochmal Ekkard Seidl: „Es sollte etwas geschaffen werden, was uns überdauert und noch in Jahrzehnten bewundert wird, von Gag keine Spur“.

Mit ein wenig Glück könnte die Riesengeige im nächsten Frühsommer auch ihren Weg nach Kronberg finden, dann nämlich, wenn die Kronberg Academy zum zweiten mal ihre Geigen Meisterkurse durchführt (19.bis 26. Juni 2011). Zumindst ist das aus heutiger Sicht die Zielsetzung. Für Musikfreunde und Gäste gäbe es dann in der Burgstadt eine weitere Attraktion zu bestaunen. Welch eine Aussicht.

Ein Nachwort: In den folgenden Wochen seit dem 6. Juni gab es viele Anfragen von Musikmessen, Veranstaltern und Firmen, die die Geige zu Werbe-  und Marketingzwecke nutzen wollen. Auch in diese Richtung ein Erfolg für die Stadt und Ihre anerkannte Musikinstrumenten-Tradition. Auf ins Vogtland, Ihr Musiker und Freunde sächsischer Kultur und Gastfreundschaft.

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (5)

Freitag, 7. Mai 2010

Alissa Margulis, Violine / Junior 2006

Alissa Margulis

Alissa Margulis kam 2006 nach Kronberg. Sie war damals 25 Jahre alt.

Geboren wurde sie im Jahre 1981 in Freiburg. Sie stammt aus einer russischen Musiker-Familie. Mit 4 Jahren begann sie sowohl Geige als auch Klavier zu spielen. Ihre erste öffentliche Aufführung gab sie im Alter von 7 Jahren. Schon früh gewann sie Preise und wurde mit 13 Schülerin von Zakhar Bron an der Musikhochschule Köln. Ihre Studien setzte sie fort in Brüssel mit Augustin Dumay sowie in Wien bei Pavel Vernikov. Meisterkurse besuchte sie u.a. bei Ana Chumachenko, Vladimir Spivakov, Ida Haendel und Shlomo Mintz.

Geschätzt für ihre expressiven und hoch-emotionalen Konzerte, tritt die Kölner Geigerin regelmäßig in wichtigen Konzertsälen wie dem Palais des Beaux-Arts in Brüssel, der Kölner Philharmonie, dem Wiener Musikverein (Brahms Saal), dem Herkulessaal in München, der Izumi Hall in Osaka, der Tonhalle Düsseldorf oder in der St. Petersburger Philharmonie auf.

Sie spielt seither regelmäßig als Solistin, etwa mit der Kremerata Baltica, dem Belgian National Orchestra, den Düsseldorfer Symphonikern, dem Beethovenorchester Bonn, dem English Chamber Orchestra, dem Jerusalem Symphony Orchestra und dem Prague Symphony Orchestra, um nur einige zu nennen.

Ihre diversen Preise bei internationalen Wettbewerben gewann sie u.a. beim Wieniawski Wettbewerb in Polen, beim Violinwettbewerb von Novosibirsk und beim Viotti Vercelli Wettbewerb in Italien. Stolz ist sie besonders auf den Förderpreis der Europäischen Kulturstiftung, der ihr in Berlin von Daniel Barenboim überreicht wurde. Die Zeitschrift „The Guardian“ beschreibt Alissa Margulis Spiel als „exceptional“, Ivry Gitlis spricht von einer “Erleuchtung” und Martha Argerich nennt sie eine „ strong musical personality“.

Alissa Margulis ist eine begeisterte Kammermusikerin und spielt regelmäßig mit Künstlern wie Martha Argerich, Yuri Bashmet, David Geringas, Ivry Gitlis, Gidon Kremer, Mischa Maisky, Lilya Zilberstein und Paul Badura-Skoda (Spielzeit: 2008-09). Sie hatte in den letzten drei Jahren diverse Auftritte bei einigen der bekanntesten Festivals in Europa, etwa beim Davos Festival, beim Encuentro di Musica Santander, beim Gstaad Festival Yehudi Menuhin, beim Oleg Kagan Festival Kreuth, beim Lockenhaus Festival oder etwa beim Maggio Musicale Fiorentino.

Ihre diversen CD Aufnahmen brachten sie mit sehr namhaften Musikern zusammen –hervorhebenswert hier ist die Zusammenarbeit mit Martha Argerich aus dem Jahre 2009, welche ein großes internationales Echo gefunden hat. EMI Classics veröffentlichte Live-Mitschnitte mit dem Titel: „Martha Argerich and Friends” – Lugano 2009“.

Ein neuer Karriereschritt ergab sich im letzen Jahr. Dies war der Sprung in die Welt der akademischen Ausbildung: im April 2009 vom Königlichen Konservatorium Antwerpen dazu ausgewählt, als Professorin zu unterrichten. Sie zählt somit zu den jüngsten Professorinnen in Europa im Fach Violine. Auf ihre weitere Entwicklung sind viele Freunde der Kammermusik in Europa gewiss gespannt.

Alissa Margulis spielt auf einer Guadagnini Violine aus dem Jahr 1754, eine private Leihgabe von Jonathan Moulds.

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Claudio Bohorquez

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Tanja Becker-Bender

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist: Marie-Elisabeth Hecker

CMCW – Was aus den Ex-Junirs geworden ist: Nicolas Altstaedt

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (3)

Mittwoch, 5. Mai 2010

Marie-Elisabeth Hecker,  Violoncello / Junior 2006

Hecker_Marie-Elisabeth

Marie-Elisabeth Hecker kam 2006 19-jährig zur Teilnahme an Chamber Music Connects the World erstmals nach Kronberg. Kurz zuvor im November 2005 konnte sie einen großen Erfolg verbuchen als sie den renommierten  8. Rostropovich Wettbewerb in Paris gewann. ( plus zwei Sonderpreise, welches ein absolutes Novum war).  In den dreißig Jahren des Rostropovich Wettbewerbs war dies das erste Mal, dass ein Cellist drei Preise gewonnen hatte. Wer sie seitdem persönlich bei Konzerten und Auftritten erlebt hat, schwärmt von Ihrer Leidenschaft und Musikalität. Viele Kenner nennen sie eine sensitive und sehr kreative Cellistin.

Marie-Elisabeth Hecker ist im Jahre 1987 in Zwickau geboren (Geburtsstadt von Robert Schumann), sie ist das fünfte von insgesamt acht Geschwistern. Mit einigen ihrer Geschwister ist sie auch schon aufgetreten und hat Konzerte gegeben.  Im Oktober 2005 gab sie ihr erstes Konzert in Amerika, im Kammermusiksaal der Stadt New York, der berühmten Bargemusic. Nicht zu vergessen: sie wohnte diversen Meisterkursen mit den ganz Großen der Kammermusik bei, z.B. Bernard Greenhouse, Gary Hoffman, Frans Helmerson, Steven Isserlis, Daniel Hope oder auch Peter Bruns. Zu den Höhepunkten ihrer bisherigen Karriere gehören Konzerte mit dem Cherubini-Orchester und Yuri Temirkanov beim »Ravenna Festival«, mit dem Symphonieorchester »Neues Russland« unter Yuri Bashmet in Moskau und zwei Auftritte beim »Elba Festival«, 2008 mit der Kremerata Baltica unter Gidon Kremer und 2009 mit Martin Helmchen. Mit dem Mariinsky Orchester und Valery Gergiev trat sie beim berühmten »Osterfestival« in Moskau auf.

Gewaltig Gas gegeben hat Marie-Elisabeth Hecker als Solistin auch in der Saison 2009-2010. Kritiker in Europa loben ihre Konzert- und Kammermusikaufführungen. Beeindruckend ihre letzten Auftritte: ihr Debut mit dem Leipziger Gewandhausorchester unter Gérard Korsten, dann die Auftritte mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim, dem BBC Symphony Orchestra unter Ji_í B_lohlávek und die Kooperation mit dem Niederländische Philharmonic Orchestra unter Jakob Kreizberg. Nicht zu vergessen, die Arbeit mit dem Royal Flemish Philharmonic Orchester unter Phillipe Herreweghe sowie ein Projekt mit Sylvain Cambreling. Hierzu schrieb die spanische Tageszeitung El Pais begeistert:  ‘Hecker plays like an angel … the beauty of her sound is enhanced by an exquisitely elegant line and sweeping lyricism… her performance comprises musicality and pure talent.’

Kronberg freute sich, als Marie-Elisabeth sich Ende 2008 entschloss, das Studium des Kronberg Academy Masters aufzunehmen. Seitdem ist Ihre Beziehung zu unserer Stadt weiter vertieft worden und man darf gespannt sein auf ihre weiteren solistischen Ausflüge als Junge Solistin in Nah und Fern.

Marie-Elisabt Hecker spielt auf einem italienischem Luigi Bajoni Cello von 1864, einer privaten Leihgabe der Erbgemeinschaft Lösch.

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm asl Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist Claudio Bohorquez

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist Tanja Becker-Bender

Michael Heinz

Chamber Music Connects the world – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (2)

Dienstag, 4. Mai 2010

Tanja Becker-Bender,  Violine / Junior 2000 und 2002

Becker-Bender, Tanja_bw_Photo_by_Christian_Steiner_1

Tanja Becker-Bender gehörte mit zu den Ersten Juniors im Jahre 2000, sie war damals gerade 22 Jahre jung. Sie hat seitdem zielstrebig Ihren Weg gemacht. Doch im Gegensatz zu so manch einem anderen Jung-Solisten hat sich Tanja Becker-Bender nicht im Konzertbetrieb verzehrt. Ihr Name begegnet einem nicht häufig in diversen Festivalprogrammen. Als sie in dem Fragebogen einer Frauenzeitschrift vor einigen Jahren ihren Erfolgsfaktor nennen sollte, antwortete sie “Mut zum Anderssein”.

Welche musikalischen Ausbildungs-Phasen hat sie durchlaufen? Erster Violin-Unterricht mit sechs Jahren. Nach Unterrichtung durch Helmut Zehetmair (Mozarteum Salzburg) und Wolfgang Marschner (Freiburg) wurde Tanja Becker-Bender 14jährig Studentin von Wilhelm Melcher (Melos Quartett) an der Musikhochschule Stuttgart. Dann folgte ein Studienjahr bei David Takeno an der Guildhall School in London. Von 1997 bis 2000 setzte sie ihre Studien bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett) an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien fort und legte dort ihr Abschlussexamen mit Auszeichnung ab. Von 2000 bis 2002 studierte Tanja Becker-Bender als Stipendiatin des DAAD und der ZEIT-Stiftung (Gerd-Bucerius-Förderstipendium) an der Juilliard School in New York bei Robert Mann, dem langjährigen Primarius des Juilliard String Quartet, Abschluss mit dem Master of Music. Als einzige Geigerin des Jahres wurde sie ausgewählt, ihr solistisches Studium im renommierten “Artist Diploma” Programm der Juilliard School fortzusetzen. Im Jahre 2004 schloss sie dort ihr Studium mit einem exzellenten Solistenexamen ab. Größte Anerkennung wurde ihr in den USA mit dem Gewinn des Houston Symphony League Awards ebenfalls im Jahr 2004 zuteil, der ihr eine Einladung zu einer Aufführung des 2. Violinkonzerts von Bela Bartók mit dem Houston Symphony Orchestra einbrachte.

Was CD-Einspielungen angeht, war sie in den letzten Jahren äußerst produktiv. Eine ihrer letzten Einspielungen drehte sich um die Capricen von Niccolo Paganini. „Tanja ist eine der ganz wenigen Frauen, die sich der Herausforderung gestellt haben, Niccolò Paganinis 24 Capricen für eine CD aufzunehmen. Sie legte damit Zeugnis ab über ihr virtuoses Können, noch viel mehr aber dokumentiert sie auf ihrer ersten CD bei Hyperion ihren ausgeprägten Sinn für Klang“, so der Deutschlandfunk im April 2009. Ihre kostbare  Guarneri del Gesú Violine aus dem Jahr 1728 wird ihr von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt.  Mittlerweile fördert Tanja Becker-Bender selbst den musikalischen Nachwuchs: Die gefragte Kammermusikerin und Solistin lehrt seit zweieinhalb Jahren als Professorin für Violine in Nachfolge von Maxim Vengerov an der Musikhochschule Saar in Saarbrücken. Und natürlich muss man nicht betonen,  dass sie seit vielen Jahren mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammen gearbeitet hat. Wen wundert es da, dass man Ihre Rückkehr nach Kronberg so sehr erwartet.

Bereits erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – Die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

CMCW – Was aus den Ex-Juniors geworden ist / Claudio Bohorquez

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Ein Musikfilm als Inspiration

Dienstag, 20. April 2010

Die erste Chamber Music Connects The World  Reihe - April 2000 Das Titelbild der ersten Broschüre zu „Chamber Music Connects the World“ publiziert im April 2000, stellt eine probende Gruppe junger Musiker dar, die es in der Welt der Kammermusik weit gebracht haben. Zu sehen sind: Jacqueline du Pre, Daniel Barenboim und Pinchas Zukerman im Jahre 1969 bei gemeinsamen Probenarbeiten. Die Szene entstammt dem legendären Musikfilm „ The trout“, gedreht vom Briten Christopher Nupen, und zeigt mit großem Feingefühl den Prozess des Probens und  Einstudierens zu einem berühmten Kammermusikwerk von Schubert, dem sog. Forellen-Quintett.

Viele Musiker und Musikliebhaber sind dem Zauber dieses mitreißenden Dokumentar-Films erlegen, bis heute. Und schwärmen von der großen Emotionalität des Films. Auch Oda von Laue war mehr als angetan von dem Film, kein Wunder also, dass er gleichsam zu einer Motivationsquelle für die vor ihr liegende Arbeit wurde. Man entschloss sich seinerzeit im Team das besagte Szenen-Foto als Titelbild für die Broschüre auszuwählen.

Mit diesem Brückenschlag zum Film stellte man eine symbolträchtige Verbindung her zu einem in die Musik-Geschichte eingegangenen und berühmt gewordenen Zusammentreffen junger, aufstrebender Musiker. Das Abenteuer von „Chamber Music“ konnte nun auch in Kronberg beginnen im Rahmen eines eigenen, neuartigen Projektes.

Im nächsten Blog-Beitrag berichten wir über einige ehemalige Chamber Music – Teilnehmer und welchen Weg sie seitdem beschritten haben.

Michael Heinz

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann
CMCW – Die Feuertaufe

Chamber Music Connects the World – die Feuertaufe

Montag, 12. April 2010

P1290523 Die Grundidee lautete: berühmte, großartige Solisten, genannt Seniors, zusammen zu bringen mit jungen, aufstrebenden Künstlern und sie über 11 lange Tage gemeinsam in Kronberg arbeiten zu lassen. Diese Idee nahm Ende der Neunziger Jahre Gestalt an. Eine außergewöhnliche Konstellation in der Art und Weise wie junge und etablierte Künstler gemeinsam kammermusikalische Werke einstudieren würden. Raimund Trenkler wollte  so die Förderung junger begabter Musiker, und nicht nur junger Cellisten, auf eine breitere Basis stellen.

Ein Vergleich zu den seit 1951 durchgeführten 6-wöchigen Konzert-Workshops der Marlboro Music School drängt sich auf.  Diese von Rudolf Serkin 1951 ins Leben gerufene Kammermusik-Schule war durchaus eine gewisse Inspirationsquelle für Raimund Trenklers neues Vorhaben. Dennoch, die Fokussierung auf 11 Tage intensiven Musizierens ohne Unterbrechung so wie jetzt bei Chamber Music Connects the World in Kronberg praktiziert, das war etwas gänzlich Neues. So gesehen, meint Raimund Trenkler auch heute noch, war das Zusammenbringen der weltberühmten Musiker mit den auserwählten jungen Künstlern tatsächlich ein echter Glücksfall. Aber eben auch totales Neuland!

Erwartungen und die Ansprüche an das zu Leistende waren hoch. Ein Projekt-Team wurde aufgesetzt, Oda Cramer von Laue, die im Jahre zuvor ihre Arbeit in Kronberg aufgenommen hatte, übernahm die Projektleitung. Selbst Musikerin, war sie von Anfang an Feuer und Flamme für das Vorhaben. Man bedenke, dass es äußerst schwierig sein würde, international so renommierte Musiker für einen solch langen Zeitraum an einen Ort zu binden. Mit den bestehenden damaligen Verbindungen der Academy gelang es aber, fünf überaus renommierte Künstler für diese Zeitspanne tatsächlich nach Kronberg zu holen und ihr Mitmachen zu garantieren.

Anfang 2000, wenige Wochen vor dem Projekt, stand die erste Bewährungsprobe an, das Probespiel für Chamber Music Connects the World nämlich. Und das war und ist seitdem für die jungen Bewerber eine Herausforderung der ganz besonderen Art und mit seinem ganz eigenen Schrecken: Damit Gidon Kremer seine jungen Ensemble-Partner als Kammermusiker kennen lernen kann, müssen sie – die es gewöhnt sind, als Solisten zu überzeugen – in Kronberg als „Einwechselspieler“ in einem Streichquartett beweisen, wie flexibel sie im „aus dem Stehgreif“ Zusammenspiel mit anderen Musikern sind. Wie oft haben wir hinterher zu hören bekommen, dass dies die schlimmste Vorspiel-Situation war, die manch einem widerfahren ist!

Welche organisatorischen Widrigkeiten gab es bei der ersten Audition? Oda Cramer von Laue erinnert sich: „Die Stadthalle musste hergerichtet werden, buchstäblich in letzter Minute, denn die ganze Halle war von den Faschingsfeierlichkeiten des Vorabends gezeichnet – der Geruch von Essen und Trinken lag in der Luft, Stühle und Tische bevölkerten die Halle und sorgten für ein großes optisches Chaos. Wir hatten am Morgen etwas eine halbe Stunde Zeit, das Notwendigste zu beseitigen oder zu kaschieren…“. Die hektischen Aufräumarbeiten wurden belohnt: die Auditions konnten in ordentlichen Räumlichkeiten abgehalten werden. Am Ende des Tages standen 22 junge Künstler als Teilnehmer des ersten Chamber Music- Workshop Projektes fest. Fortsetzung folgt im nächsten Blog  mit dem Titel : der Start. Plus, als kleine Ergänzung,  ein Seitenblick auf den einflußreichen Musikfilm ” The Trout” vom britischen Filmer Christopher Nupen.

Michael Heinz

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

Chamber Music Connects the World / Wie alles begann

Donnerstag, 1. April 2010

Dies ist der Auftakt und eine kleine Einstimmung zu unserer neuen 10-teiligen Blog-Serie über die Anfänge des Kammermusik-Projekts „Chamber Music Connects the World“ und Portraits einiger Ex-Juniors.

Vor nunmehr fast genau 10 Jahren begann für die Kronberg Academy die Reise in die Welt der Kammermusik, und gleichzeitig die Etablierung eines weiteren Bausteins in der Förderung und Ausbildung junger, hochbegabter Musiker und Solisten.

In insgesamt drei Blogbeiträgen wollen wir die Geschichte von CMCW nacherzählen, von den gedanklichen Wurzeln bis zur Realisierung im Jahre 2000. Und vorweg ein kurzer Rückblick auf ein Kammermusik-Projekt in Amerika, wo das Experiment „Marlboro Music School“ in den frühen Fünfziger Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Welche Hürden und Hindernisse beim ersten Zusammentreffen in Kronberg im Jahre 2000 zu überwinden waren, davon soll auch hier später berichtet werden. Und über manche Eigentümlichkeit.

Dies alles wird erzählerisch und mit kleinen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen garniert. Eingesammelt und eingefangen bei all jenen, die mit Herzblut von Anfang mit dabei waren.

Was uns aber alle bis heute fasziniert ist dies:

die ersten Seniors bei Chamber Music sind über ihre eigenen Lehrer und deren Wegbegleiter mit  einer Generation verbunden, die viele herausragende Künstler der jüngeren Musikgeschichte hervorgebracht hat – dies wird stets lebendig, wenn man die Lebensläufe der beteiligten Musiker sich vor Augen führt und dann realisiert, dass auch diese Seniors auf den Schultern jener Generation stehen und von deren Kreativität und Meisterschaft nachhaltig inspiriert wurden. Ausnahmekünstler wie Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Rudolf Serkin, David Oistrach und Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin und natürlich nicht zu vergessen Mstislav Rostropovich haben ihre Meisterschaft und Disziplin an unsere Seniors weitergegeben – sich dieser Verbindungen bewusst zu sein und zugleich als Ansporn und Maßstab weiterzugeben, das ist nach wie vor das Ziel . Die jungen Musiker von heute reihen sich ein in diesen Strom. So betrachtet, ergibt sich ein bedeutungsvoller Brückenschlag zwischen den Generationen bis in die heutige Zeit.

Schließlich erhellen wir an sechs Musiker-Beispielen in den dann folgenden Blogbeiträgen zur Geschichte von Chamber Music Connects the World wie sich der eine oder andere Ex-Junior seit der Teilnahme künstlerisch weiter entwickelt hat. Denn “Chamber Music” istbekanntlich ein weiterer Pfeiler in der individuellen Förderung und Entwicklung einer aufstrebenden jungen Solisten-Generation der Extra-Klasse.

Nächster Blog:   Feuerprobe für ein einzigartiges Konzept

Michael Heinz

Entstehungsgeschichte ¦ Schlag auf Schlag

Freitag, 27. Februar 2009

Das Cello-Festival war ein Riesenerfolg, die Stadthalle beim Eröffnungskonzert ausverkauft und auch die einzelnen Veranstaltungen waren gut besucht. Schnell machte es die Runde, dass es in Kronberg eine Institution gibt, deren Hauptaufgabe es ist, junge Künstler zu fördern und jeder wollte nun dabei sein und seinen Teil beitragen. Junge Nachwuchskünstler und Weltklasse-Musiker ebenso wie Freunde und Förderer. Nach diesem fulminanten Auftakt wurden bereits ein Jahr später ein Freundeskreis sowie die Cello Meisterkurse ins Leben gerufen, die von nun an alternierend mit dem Festival alle zwei Jahre stattfinden sollten.

1997 kam Mstislav Rostropovich zum ersten Mal persönlich nach Kronberg und er kam in der Folge regelmäßig und oft hierher. Seine Anwesenheit hat dem Cello-Festival noch einmal Auftrieb gegeben und führt zu einer noch größeren Akzeptanz sowohl in der Bevölkerung als auch in Musikerkreisen. Das Konzept von Raimund Trenkler war von Anfang an, alle Streicher einzubeziehen. Dadurch, dass das Cello-Festival allerdings so hervorstechend war und nicht zuletzt auch deshalb, weil Mstislav Rostropovich mit seiner Aussage, „Kronberg ist die Weltstadt des Cellos” der Kronberg Academy seinen „Stempel” (im positiven Sinne) aufdrückte. Doch die Kronberg Academy ist längst mehr: 1998 wurde das Viola-Fest initiiert und im Jahr 2000 der erste „Internationale Pablo Casals Cello Wettbewerb” sowie das Kammermusikprojekt „Chamber Music Connects the World” ins Leben gerufen. Es folgten „Mit Musik-Miteinander” und weitere Wettbewerbe. Mit den Geigen Meisterkursen wird nun in diesem Jahr die Lücke in der Ausbildung junger Solisten geschlossen.

Da es nur sinnvoll ist, junge Künstler zu fördern uns auszubilden, wenn man sich auch um die Entwicklung der „Basis” kümmert und bemüht, haben wir in den letzten Jahren außerdem einige Projekte und Aktionen für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen, die begeistert angenommen werden.

Mit alle unseren Projekten verfolgen wir verschiedene pädagogische Ansätze und sie stehen alle im Bezug zueinander. Im Prinzip haben wir vier Kategorien: In den „Meisterkursen” gilt das klassische Lehrer-Studenten-Verhältnis. Bei „Chamber Music Connects the World” sind wiederum die jungen Solisten auf einer Augenhöhe mit den Weltklasse-Streichern und erarbeiten gemeinsam Stücke, die sie der Öffentlichkeit in Konzerten präsentieren. Bei „Mit Musik – Miteinander” wiederum werden die jungen Solisten selbst zu Lehrern, indem sie noch jüngere Streicher unterrichten bzw. gemeinsam Stücke erarbeiten. Bei Wettbewerben, wie etwa dem Grand Prix Emanuel Feuermann, haben die jungen Solisten die Chance, sich zu profilieren und beim Cello-Festival bekommen die jungen Solisten schließlich die Möglichkeit, neben berühmten Musikern vor großem Publikum aufzutreten.

Durch all diese Projekte und deren Verknüpfungen ergibt sich eine Art Generationenvertrag, da ein junger Solist verschiedene „Stationen” bei uns durchläuft – um am Ende als Weltstar und Pädagoge wieder zu kommen.

Ulrike Schmid

Bisher erschienen
Die Anfänge oder Du spinnst
Cello – Cellissimo
Exkurs: Über den Wolken

Entstehungsgeschichte ¦ Die Anfänge oder Du spinnst

Freitag, 20. Februar 2009

Die Idee war (über den Wolken) geboren und mit ihr auch schon die Festlegung, dass Kronberg der Ort sein wird, an dem sie realisiert werden sollte. Die beschauliche Kleinstadt im Taunus war wie geschaffen dafür, den Familiencharakter des Cello-Festivals für jedermann erlebbar zu machen. Die Bevölkerung sollte miteinbezogen werden, um den Künstler das Gefühl zu geben zuhause zu sein. Gleichzeitig hat das Publikum das Privileg, sehr unmittelbar an den Konzerten teilzuhaben, so als würde man anstelle eines Restaurantbesuchs im Ausland privat zum Abendessen eingeladen werden. Nicht umsonst sagte Gidon Kremer bei seinem letzten Konzert im Dezember 2008 „Nach Kronberg kommen ist wie nach Hause kommen”.

Doch bis dahin war es ein langer und teils auch mühsamer Weg. Als Raimund Trenkler vor 17 Jahren den Anspruch hatte, ein Cello-Festival zu etablieren, sollte es nicht nur das größte werden, sondern es sollte damit auch eine geistige Botschaft vermittelt, ein höheres Ziel verbunden werden. „Kunst und Menschlichkeit sind untrennbar” – dieses Vermächtnis Pablo Casals ist nach wie vor prägend für die Arbeit der Kronberg Academy. Um die gesamte Organisation und Umsetzung auf solide Beine zu stellen, gründeten er und seine Mitstreiter im Februar 1993 die Internationale Kammermusik-Akademie Kronberg e.V., die 1999 in die Kronberg Academy e. V. umbenannt wurde.

Als Raimund Trenkler damals Mitstreiter und Sponsoren suchte, bekam er als Antwort häufig den Satz „Du spinnst” zu hören. Mittlerweile sind die, die das einst sagten, nicht nur seine Freunde geworden, sondern auch treue Unterstützer der Kronberg Academy. Seine Hartnäckigkeit, seine tiefste Überzeugung von dem, was er erreichen wollte und nicht zuletzt auch die Tatsache, dass er alles was er tut, immer auch als Berufsmusiker tut, führten schließlich zum gewünschten Ziel. Sponsoren waren ebenso gefunden wie Musiker von Weltruf, die teilnehmen wollten. Es herrschte Aufbruchstimmung und diese rief bei Vielen den Gründergeist wach. Neben der finanziellen Unterstützung leisteten viele Kronberger ihren Beitrag in Form von „Arbeitskraft” oder nahmen als Gastfamilien junge Musiker bei sich auf.

Der Termin fürs erste Cello-Festival stand fest und der Schirmherr ebenso: Mstislav Rostropovich übernahm die Schirmherrschaft und am 20. Todestag Pablo Casals wurde das erste Cello Festival von seiner Witwe Marta Casals Istom in der Kronberger Stadthalle eröffnet. „Ihre Unterstützung war entscheidend für den Erfolg und noch heute verbindet uns eine große Freundschaft”, so Raimund Trenkler.

Damals erledigte er die Arbeit noch im eigenen Wohnzimmer gemeinsam mit einer ehrenamtlichen Helferin, drei Telefonen und einem Fax. Händisch wurde fürs erste Cello-Festival noch am Wohnzimmertisch jede Karte einzeln mit Preis und Sitzplatz versehen und zur Post gebracht. Und so ganz nebenbei hatte er auch noch seine Auftritte als Berufsmusiker zu bewältigen …

Ulrike Schmid

Bisher erschienen
Cello – Cellissimo
Exkurs: Über den Wolken

Entstehungsgeschichte ¦ Exkurs: Über den Wolken

Freitag, 13. Februar 2009

Es war im Jahre 1992 als Raimund Trenkler mit dem Cellissimo-Ensemble in Asien auf Tournee war. Um das nicht gerade üppige Honorar, dass die fünf jungen Cellisten für ihre Auftritte erhielten, nicht für unnötige Reisekosten weiter zu schmälern – gemeint sind die Celli, die normalerweise als weitere „Personen” hätten gebucht werden müssen – hatten sie stets bei all ihren Flügen versucht, die Stewardessen davon zu überzeugen, ihre Celli „quasi unterm Arm” mit ins Flugzeug zu nehmen. Meist hatten sie damit auch Erfolg. Welche Stewardess kann schon dem geballten Charme von fünf jungen Herren widerstehen? Nur an jenem Tag, als sie von Seoul nach Frankfurt zurück wollten und mussten, half kein Bitten – die Maschine war sowohl in der Economy als auch in der Business Class bis auf den letzten Sitz ausgebucht. Was tun? Termine in Deutschland zwangen sie dazu, dass sie und ihre Instrumente mit dieser Maschine mitkamen.

Da kam Raimund Trenkler die Idee, sie könnte ja für die Passagiere der First Class das „höchste Konzert” aller Zeiten geben und als Gegenleistung werden ihre Instrumente kostenlos mitgenommen. Dem Kapitän gefiel diese Idee so gut, dass er sich nicht nur auf diesen Vorschlag einließ, sondern sogar noch etwas höher flog als gewöhnlich, damit es auch wirklich das “höchste Konzert aller Zeiten” wurde. Das Konzert wurde während des Flugs wiederholt und sogar in die zweite Klasse übertragen.

Da Flugpersonal, Passagiere und die Cellisten selbst so viel Spaß bei diesen Konzerten hatten, kristallisierte sich bei den Musikern, allen voran unserem künstlerischer Leiter die Idee heraus, Cellisten an einem Ort zusammenzubringen und ein „Familienereignis” in Form des gemeinsamen Musizierens zu machen. Denn, wenn schon das Musizieren zu fünft so viel Freude bringt, wie müsste es erst sein, wenn Cellisten aus der ganzen Welt zusammenkommen? Die Idee des Cello-Festivals war geboren!

Nächsten Freitag geht’s weiter mit den Anfängen im eigenen Wohnzimmer …

Bisher erschienen:
Cello – Cellissimo

Ulrike Schmid

Entstehungsgeschichte ¦ Cello – Cellissimo

Freitag, 6. Februar 2009

In einer mehrteiligen Serie wollen wir Sie in den nächsten Wochen immer freitags an der Entstehungsgeschichte der Kronberg Academy teilhaben lassen. Wie entstand die Idee, wer waren die Initiatoren, wie sahen die Anfänge aus, wie ging’s voran etc.?

Erinnern wird sich unser Geschäftsführer und künstlerischer Leiter Raimund Trenkler, dessen Idee es zunächst war, Cellisten an einem Ort zusammen zu bringen, ein Cello-Festival zu initiieren und zu etablieren. Dass aus dieser Idee schließlich Kronberg als „Welthauptstadt des Cellos”, so Mistlav Rostropovich, hervorgehen sollte – das hätte damals noch niemand gedacht. Doch alles der Reihe nach …

Raimund Trenkler ist Berufscellist – auch wenn die Auftritte aufgrund seiner Tätigkeit für die Kronberg Academy selten geworden sind – und hat an der Musik-Akademie der Stadt Basel sowie an der Folkwang Hochschule in Essen Cello studiert und an der Royal Academy of Music in London sein Solistendiplom erworben. Anschließend war er u. a. als Solocellist beim Seoul Sinfonie Orchestra sowie als freier Mitarbeiter beim hr-Rundfunkorchester tätig und gründetet das aus fünf Cellisten bestehende Cellissimo-Ensemble mit dem er gelegentlich auch heute noch auftritt.

Die Erfahrungen, die er als Cellist sammelte, brachten ihn schließlich zu der Überzeugung, dass die Ausbildung hochbegabter junger Solisten optimiert werden müsste, da deren Bedürfnisse von den Musikhochschulen des Landes nicht berücksichtigt wurden. Diesen Zustand wollte er ändern und im Rückblick betrachtet hat er damit der Musikwelt – vor allem der „Streicherwelt” – einen großen Dienst erwiesen.

Und nächsten Freitag geht’s weiter mit einem Exkurs „Über den Wolken” …

Ulrike Schmid