Archiv für die Kategorie „Interviews“

Interview mit Nils Mönkemeyer – Mit Musik-Miteinander

Dienstag, 19. Oktober 2010

Michael Heinz: Am kommenden Freitag den 22. Oktober werden Sie die Möglichkeit haben, im Rahmen unseres Projekts “Mit Musik – Miteinander”  gewissermaßen vom Solisten  zum Lehrer zu werden – gemeinsam mit Ihren Mitstreitern Kaori Yamagami und Mikhail Ovrutsky. Was verbinden Sie mit dieser Vorstellung?

Nils Mönkemeyer: “Studierende” bleiben wir als Musiker ja unser ganzes Leben lang. Für mich geht es bei dem Projekt nicht in erster Linie darum, mich als Lehrer zu betätigen, sondern vielmehr im lebendigen Zusammenspiel voneinander zu lernen. Kammermusik ist eine Gattung, die am besten ohne eine menschlich gedachte Hierarchie funktioniert, man muss in der Lage sein, im richtigen Moment die anderen Spieler zu unterstützen und dann wieder einen entscheidenden Impuls setzen, Freude an kleinen Einwürfen zu haben und gemeinsam ein großes Ganzes zu schaffen.

MH: Als ehemaliger Junior bei „Chamber Music Connects the World“ 2008 konnten Sie mit namhaften Kammermusikern und Solisten gemeinsam Kammermusikwerke erarbeiten – wie prägend war diese Erfahrung für Sie, was hat dies für ihre eigene musikalische Weiterentwicklung bewirkt?

NM: Eine intensive Woche zu verbringen mit Künstlern wie Gidon Kremer oder Yuri Bashmet ist natürlich etwas ganz, ganz besonderes. Beide Künstler waren und sind Idole für mich und die Momente der Konzerte sind mir immer wieder ganz präsent. Es ist diese absolute Konzentration und Hingabe, die mich an diesen großen Meistern besonders beeindruckt hat, diese völlige Hingabe im Moment des Spielens, die alles andere unwichtig macht und den “magischen Moment” erschafft, nach dem wir immer suchen. Die Erinnerung daran macht mich sehr glücklich.

MH: Manch einer ist der geborene Lehrer, wie ist Ihre Einschätzung von sich selbst in dieser Rolle…? Haben Sie hier eine Vorahnung oder betreten sie hier völlig neues Terrain und wissen selbst noch nicht, wie dies ausgeht? Von Bernhard Greenhouse stammt der Gedanke, dass man sich immer ganz auf die Persönlichkeit der Schüler einlassen muss, jeder Schüler hat einen anderen „Auslöser“ für den Erkenntnisprozess.

NM: Ich war drei Jahre Assistent von Diemut Poppen in Madrid und habe seit einem Jahr meine eigene Klasse in Dresden. Unterrichten ist schon seit vielen Jahren ein Hauptfeiler meiner künstlerischen Tätigkeit. Jeder Schüler hat eine unverwechselbare und eigene Persönlichkeit . Manche halten mir selbst einen Spiegel vor, andere kommen mit Problemen, über die ich nie nachgedacht habe und so ist jede Unterrichtsstunde neu und faszinierend. Der Lehrer lernt genauso viel, wie der Schüler.

MH: Welche Musiker sind für Sie eine große Inspiration – möglicherweise auch Musiker, die nicht aus der Kammermusik stammen,  die Ihnen zB auch Anregungen geben, wie man musikalische Strukturen „liest“, die Essenz eines Werkes vollständig durchdringt?

NM: Da gibt es viele. Immer wieder verbringe ich Stunden auf Seiten wie Youtube oder beim Anhören von CDs und entdecke neue Welten und Ansichten. Besonders inspirierend  sind aber die Begegnungen mit Kollegen und Orchestern bei gemeinsamen Konzerten, die mich besonders bereichern.

MH: Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Kronberg denken?

NM: Man kommt an, alles ist von einem supernetten Team perfekt vorbereitet und man packt das Instrument aus und muss nur noch spielen, in der Pause ist der Kaffee schon fertig und immer jemand, mit dem man sich gerne unterhält…Das ist doch herrlich!!

MH: Bitte formulieren Sie hier ein paar Gedanken, was Ihnen besonders am Herzen liegt, wenn Sie sich bald hier zu uns auf den Weg machen, in Bezug auf Ihre Rolle als Senior bei „Mit Musik-Miteinander“

NM: Am kommenden Freitag im schönen Kronberg……freue ich mich auf viele neugierige und motivierte “Juniors”, auf meine wunderbaren Kollegen Kaori und Mikhail und das nette Team der Academy. Nicht zuletzt: Musik, Musik, Musik:)

MH: Was sind ihre ganz persönlichen kurz- und mittelfristigen Ziele und Wünsche nach dieser „Kronberger Station“, wenn wir dies so fragen dürfen…?

NM: Da habe ich sehr viel Glück: Berlin Philharmonie, Köln Philharmonie, tolle Orchester, eine neue CD “Folia” im Januar, diese Saison ist meine bisher schönste!!

MH: danke für dieses Interview, Herr Mönkemeyer!

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Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Geigenbauer lässt die Späne fliegen

Dienstag, 18. Mai 2010

Bei Ekkard Seidl fliegen die Späne. Vornüber gebeugt bearbeitet er mit einem Meissel ein schon zurecht gesägtes Holzteil in der äußerlich erkennbaren Form einer Violine. Die Ausarbeitung der Wölbung geschieht mit Meissel, Hobel und Ziehklinge, so erzählt er mir. Es macht Spaß, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Ekkard Seidl bearbeitet ein Stück Bosnischen Bergahorn (muß mindestens 15 Jahre gelagert werden, bevor man ihm zu Leibe rücken darf). Holz ist für unseren vogtländischen Geigenbaumeister ein Naturstoff mit Leib und Seele. Wie produktiv ein Mann sein kann zeigen diese Zahlen: cirka 10 Musikinstrumente pro Jahr stellt er fertig. Ein jedes wird sorgfältig nach den höchst individuellen Vorstellungen eines Musikers – seiner Kunden – entworfen. Im Schnitt setzt er 200 Arbeitsstunden für eine Geige ein, für eine Bratsche oder ein Cello entsprechend mehr. Der gesamte Prozess der Produktion eines Instruments erstreckt sich über ungefähr 3 Monate. Von seinen angefertigten Instrumenten entfallen etwa 60% auf moderne Modelle, ca. 40% auf barocke Modelle.

Seine Engagement und seine Liebe zu dieser Handwerkskunst haben ihm auch die Impulse für so manche Speziallösung gegeben, und einiges davon ist patentiert. Zusammen mit Bogenmachermeister Daniel Schmidt zieht er Musiker und Besucher immer wieder in seine mobile Werkstatt am Ende des Foyers der Kronberger Stadthalle. Heute beispielsweise war hoher Besuch in der Werkstatt. Die berühmte Geigen-Professorin und Solistin Edith Peinemann, derzeit Präsidentin der ESTA, hatte einige Wünsche für Ekkard Seidl mit im Gepäck

Stets gut aufgelegt und bereit zu einem Schwätzchen rund um Geigen, Bratschen und Cello schwärmt er sehr gerne auch vom heimischen Vogtland und den dortigen etwa 150 Meisterbetrieben, die alle Musikinstrumente eines Orchesters umfassen (außer Tasteninstrumente). Einmalig in der Welt, so verkündet er mit stolzerfüllter Brust. Das sächsische Vogtland als größtes  Zentrum der Musikinstrumentenproduktion der Welt ( auch der Musikwinkel geannt), wer weiß das schon!

Ekkard Seidl ist ein bodenständiger Mann. Seit gut 15 Jahren kommt der in Leipzig geborene Geigenbaumeister nun nach Kronberg und belebt bei hiesigen Großveranstaltungen der Kronberg Academy mit seiner mobilen Werkstatt die Atmosphäre auf eine ganz handgreilfliche Art. Viele kennen ihn bereits. Musik spielt natürlich eine riesige Rolle in seinem Leben. Herr Seidl freut sich über drei besondere Jubiläen, die dieses Jahr anstehen. Einmal sein 25-jähriges Berufsjubiläum, dann 333 Jahre existiert die Berufsinnung der Geigenbauer im vogtländischen Markneukirchen und schließlich feiert diese Stadt ihr 650-jähriges Bestehen.

Zum Schluss meines kurzen Besuches erzählt er mir noch von der Riesengeige, die derzeit in Markneukirchen fertig gestellt wird. Zum Stadt-Jubiläum soll sie pünktlich am 6. Juni der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Idee geht auf ihn zurück. Mit weiteren Innungsbetrieben erstellen die örtlichen Handwerksbetriebe unter seiner Führung das Prachtstück. Da darf man gespannt sein, welche Töne sie von sich geben wird. Mögen prächtige Klänge dieser monumentalen Geige den Äther rund um das Städtchen Markneukirchen erfüllen – und vielleicht bis Kronberg hallen.

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Sophies Bass-Welt

Samstag, 15. Mai 2010

Trotz eines Sturzes in einer Berliner S-Bahn Station und damit zwei geschienter Beine wagt Sophie Lücke den Sprung nach Kronberg – fast eine Nacht und Nebel Aktion.  Wie kam es dazu?

Sophie Lücke, geboren 1988 in Wernigerode, wurde erst vor wenigen Wochen gefragt, ob sie als Ersatz für einen anderen Kontrabassisten kurzfristig zur Veranstaltung „Chamber Music Connects the World“ in Kronberg einspringen könnte. Unter den potenziellen Ersatzkandidaten war sie diejenige, die aufgrund einer Empfehlung von András Schiff und ihres Könnens aussichtsreichste Ersatzkandidatin war und so vom Team der Academy schließlich nachnominiert wurde.

Nun ist sie mit den anderen 21 jungen Musikern – unsere Juniors –  hier mittendrin im Kronberger Musik-Geschehen. Sophie ist eine auffällige junge Dame, denn ihre Fortbewegung an zwei Krücken ist schließlich nichts alltägliches und wer ihr derzeit in Kronberg begegnet, wird von ihrer offenen und freundlichen Art sogleich angenehm berührt. Ihre derzeitigen Sorgen mit der Fortbewegung steckt sie weg, Freude und Strahlen sind  ihre Markenzeichen.

Als ich mit ihr gestern Nachmittag in ein Gespräch komme, schwärmt sie von ihrem Instrument, dem Kontrabass. Sie tut dies leicht und spielerisch.  So erzählt sie von den unterschiedlichen Bogentechniken, die die Welt in eine „Untergriff“ und in eine „Obergriff“-Sphäre einteilen. Die deutsche und österreichische Bass-Tradition sei mit dem Untergriff verquickt, wo das Spiel perkussive und eigenständige markante Bass-Linien erlaube. Die französische Obergriff-Spieltechnik hingegen phrasiere mehr klanglich-lyrisch und sei eher als Cello-Unterstützung zu verstehen. In der Kammermusik gebe es leider nur wenige Werke mit Kontrabass-Stimme.

Ihre persönlichen Ambitionen lassen sich so zusammenfassen: man muss hart arbeiten, viel lernen, um zu den Besten zu gehören, sonst hat man keine Chance in der heutigen Zeit. Aber sie ist überzeugt: der Bass,  der wird immer gebraucht. Und: man sollte in dieser rationalen Welt viel mehr den Gefühlen Glauben schenken – das müsste für die Musik und für das Leben insgesamt gelten! Oder diese Einsicht: “Ich lasse mir beim Studium Zeit, ich bin da ganz enstpannt und habe es nicht eilig”. Auch viele Wettbewerbe mitzumachen sei keine Priorität für sie. Was sie aber wisse, sei dies: sie wolle unbedingt dem Kontrabass  im Orchester ihrer Wahl die nötige Power verleihen und damit Teil einer starken Bass-Gruppe werden.

Was hält sie von Chamber Music Connects the World? Sie ist begeistert,  da sie hier wahnsinnig viel lernen kann – und das sei ihr wichtiger als alles andere. Sie möchte lernen von Persönlichkeiten wie András Schiff, dessen Spiel sie bewundert.  Da sie seit September 2008 Stipendiatin der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker ist, kommt sie selbst sehr viel herum mit den Berliner Philharmonikern. Die vielen Auftritte haben sie durch ganz Europa gebracht (inkl. Salzburg).

So kam es,  dass sie über die Orchesterakademie schon viele große Dirigenten erleben konnte. Gemeinsames Musizieren mit Daniel Barenboim und Sir Simon Rattle haben sie auf musikalische Höhen geführt und das Schwärmen für die Berliner Bass-Gruppe war fast zwangsläufig die Folge ( „Sie sind die Besten der Welt“). Und sie fügt noch diesen Gedanken an: Ihr sei völlig klar, das sie als Solistin mit einem Kontrabass keine Chance hat und so ist ihr Weg im Grunde vorgezeichnet. Ihr Traum ist es, einmal als Bassist bei den Berliner Philharmonkern zu spielen. Bereits während ihrer anstehenden Londoner Studienjahre ( ab September 2010 an der Guildhall Scholl of Music and Dance) bei Professor Rinat Ibragimov (Vater von Alina Ibragimova, die Junge Solistin des Kronberg Academy Masters ist) werde sie sich parallel nach Anstellungsmöglichkeiten in Deutschland umschauen. Aber in den nächsten Tagen bis zum 19. Mai  taucht sie hier in Kronberg tief in die Welten der Kammermusik ein, um das maximale an Lernerfahrungen für sich herauszuholen.

Zum Schluss unseres Gesprächs erfahre ich noch von ihrer derzeitigen Annäherung an das Bass-Spiel im Jazz. Das gibt mir die Möglichkeit, ihr von der überragenden Spielkunst eines aufgehenden Bass-Sterns am Jazzhimmel zu erzählen – für den sie sich von nun an auch interessieren wolle. Die Rede ist von Avishai Cohen, ein Name, der ihr bereits bekannt war. Seine komplexe Musik wird ihr gefallen, denke ich. Eine CD-Kopie ist schon in Arbeit für Sophie. Auf das Ihre Bass-Welt weiter wachsen möge.

Michael Heinz

Balance und innere Ruhe ¦ Interview mit Peijun Xu

Montag, 8. Februar 2010

Workshop mit Gidon Kremer Peijun Xu hat vor wenigen Tagen beim sechsten Yuri Bashmet Viola-Wettbewerb (24. Jan. bis 1. Feb. 2010) den ersten Preis sowie zwei Sonderpreise gewonnen. Hier berichtet sie, wie sie es mit Motivation und Einstellung hält und wie sie Moskau erlebt hat.

Peijun, wie warst Du motiviert und wie hast Du den Wettbewerb erlebt?

Ich war mehr als nervös bei den ersten drei Runden, als die Ergebnisse angekündigt wurden. Zum Finale hin habe ich mich, so glaube ich, eigentlich ziemlich ruhig gefühlt.

Überhaupt bin ich sehr dankbar, dass ich das ganze Programm spielen konnte. Es macht mich noch glücklicher, wenn ich weiß, dass meine Musik den Zuhörern gefallen hat. Außerdem weiß man natürlich nie, was so alles passieren wird bei einem Wettbewerb. Aber hier hatte ich doch vorher schon ein bisschen das Gefühl, wie es laufen sollte. Ich habe meine Bestes gegeben und versucht, immer Musik zu spielen und das Ganze nicht nur ausschließlich als reinen Wettbewerb zu sehen und nur zu denken, ich muss gewinnen.

In den Konzerten und Auftritten habe ich versucht, meine Liebe für die gespielte Musik mit dem Publikum zu teilen.

Welche gewissermaßen mentale Unterstützung hattest Du?

Herr Trenkler hat mich zwischen den Runden sehr unterstützt. Er hat mir dabei gar nicht viel gesagt, sondern immer nur wieder für Motivation gesorgt.

Er hat zu mir gesagt, dass ich einfach bei meiner Musik bleiben soll, die ganzen Umstände drumherum vergessen soll und vielmehr die Chance, mit Orchester zu spielen, einfach nutzen und ausschöpfen soll.

Was war deine ursprüngliche Erwartung, deine Motivation als du nach Moskau gereist bist?

Ich bin kein Mensch, der um zu gewinnen zu einem Wettbewerb fährt. Natürlich, beim Wettbewerb möchte jeder gewinnen, aber ich kann das nicht als mein allerwichtigstes Ziel ansehen – ich würde sonst meinen Spaß bei der Musik verlieren. Ich schaue, ob und wie ich mich durch einen Wettbewerb besser entwickeln kann.

Ich war vor zwei Monaten noch nicht so sicher, ob ich nach Moskau fahren sollte, weil ich zu viel zu tun hatte und im Grunde kaum Zeit hatte, um mir das geforderte Repertoire der vier Runden zu erarbeiten. Aber Nobuko Imai und mein Freund unterstützten mich in dem Vorhaben.

Ich denke selber auch, wenn man ein Ziel hat, kann man besser lernen und eine Herausforderung möchte ich schon immer übernehmen und angehen. Ich mache gewissermaßen einen Wettbewerb mit mir selber.

Was ist das Wichtigste in Bezug auf die innere Einstellung während des Wettbewerbs?

Für mich ist wichtig, Ruhe und innere Balance zu finden – das ist nicht einfach – man muss Unruhe und Nervosität vermeiden.

Ich sehe im Vordergrund die Freude und Fähigkeit, mit anderen Musikern zu kommunizieren – das ist das Wichtigste. Kommunizieren mithilfe der Musik, als ein Spieler, der mit all den anderen Musikern im Dialog steht. Und man muss wirklich Spaß und Freude bei all dem haben.

Wie war das Feedback vor Ort in Moskau, kurz nach dem Gewinn?

Nach dem Preisträgerkonzert gab es  eine kleine „Party“, dort konnte ich ein bisschen mit Yuri Bashmet reden. Er hat mir gesagt, dass ich begabt und sehr musikalisch bin, und ich soll so weiter machen. Und es war sehr schön mit dem Dirigenten, Herrn Sladkovsky, zusammenzuarbeiten. Manche Orchestermusiker wollten sogar Fotos von mir machen. Ich glaube, die haben auch alle Spaß gehabt, als sie mit mir zusammen musizierten.

Und dann habe ich unter den Teilnehmern auch viele neue Freunde kennengelernt. Ja, und die Leute dort von der Organisation und auch die Jury-Leute waren überhaupt sehr, sehr nett!

Wie hast Du Moskau erlebt?

Die Atmosphäre in Russland ist ein bisschen ähnlich wie in China für mich. Natürlich ist es auch wiederum ganz anders, aber ich meine, es ist den Chinesen näher als z.B. Europa. Ansonsten: das Tschaikowsky Konservatorium hat sehr schöne alte Räume und Säle. Man hat mehr Gefühl für die Musik, das war so beim Schnittke Konzert.

Was ändert sich für dich durch den Preis?

Für mein Studium ändert sich nichts. Ich hoffe, der Preis wird mir mehr Möglichkeiten bieten, mehr Konzerte zu geben. Mein Ziel bleibt, einfach immer besser zu werden und dass ich mit mehr guten Musikern zusammen arbeiten kann und vielleicht auch irgendwann eine CD machen kann.

Die Fragen stellte Michael Heinz

Junge Solisten ¦ 5 Minuten mit Benedict Kloeckner

Freitag, 18. Dezember 2009

Der Cellist Benedict Kloeckner wurde im Oktober dieses Jahres in unseren Studiengang “Kronberg Academy Masters” aufgenommen. Wie es dazu kam und welche Erwartungen er an den Studiengang hat, hat er mir in einem kurzen Interview erzählt.

Benedict Kloeckner1. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie als Junger Solist in den Studiengang aufgenommen wurden?
Seit 2004 habe ich regelmäßig an den Meisterkursen und am Festival der Kronberg Academy teilgenommen und wurde von so renommierten Lehrern wie David Geringas, Ralph Kirschbaum, Michael Sanderling, Frans Helmerson, Julius Berger  und Bernhard Greenhouse unterrichtet. Es war für mich eine großartige Möglichkeit in sehr kurzer Zeit eine Fülle von Inspiration und künstlerischen Erlebnissen zu bekommen. Es wurde mir manchmal erst im Nachhinein bewusst, wie sehr mich mancher Lehrer und manches Konzert inspiriert und mein persönliches Spiel weitergebracht haben.

2. Welche Erwartungen haben Sie an den Studiengang?

Ich hoffe, dass sich meine künstlerische Entwicklung dank der sehr individuellen, maßgeschneiderten Förderung und Betreuung durch die Kronberg Academy, sowie den Unterricht bei Prof.Frans Helmerson weiter positiv entfalten wird. Ich verspreche mir inspirierende Begegnungen mit Musikerpersönlichkeiten, die mir wichtige Impulse für mein Spiel geben können.

3. Sie hatten einen Workshop bei Gidon Kremer. Wie müssen sich unsere Leserinnen und Leser so einen Workshop vorstellen?
Es war ganz sicher kein normaler Workshop, sondern eher ein Interpretationskurs im besten Sinne, oder wie Gidon Kremer sich ausdrückte ein Dialog. Alle Teilnehmer wurden ermutigt ihre Meinung frei zu äußern, da Herr Kremer immer wieder auch betonte, dass er durchaus auch irren könne, dass sein Urteil eben auch seine persönliche Meinung sei, die allerdings stets den Nagel auf den Kopf traf. Er beurteilte nicht nur das rein Handwerkliche des Musikstückes, sondern besonders die musikalische Aussage des Interpreten. Wirklich erstaunlich war dabei seine faszinierende Beobachtungsgabe mit der er sehr präzise die Stärken und Schwächen des jeweiligen Spielers erkannte und diese sehr offen zur Diskussion stellte.

Stets mahnte er, dass die Bravour des Handwerks mit der intellektuellen und emotionalen Notwendigkeit der Komposition zu verbinden sei. Er vermittelte uns die Notwendigkeit eines geistig und emotional gleichermaßen überzeugenden Spiels, in dem nicht nur schöne Passagen aneinander gereiht werden, sondern eine packende Geschichte erzählt wird. Er ermutigte uns in jeder Komposition nach neuen Klangfarben und Horizonten zu suchen, und sich dabei durchaus von angrenzenden Künsten wie Malerei und Literatur inspirieren zu lassen.

Sehr interessant waren auch die Geschichten eines an außergewöhnlichen Erlebnissen reichen Künstlerlebens, die Gidon Kremer abends beim gemeinsamen Essen im kleinen Kreis erzählte.

Die Stimmung des Kurses war sehr anregend, jeder Spieler gab sein Bestes und konnte sich einer äußerst aufmerksamen Zuhörerschaft sicher sein, die anschließend in einer lebhaften Diskussion die Interpretation diskutierte.

Es war für mich ein äußerst erhebendes und inspirierendes Erlebnis mit solch einem großen Künstler so intensiv arbeiten zu dürfen.

Vielen Dank für das Interview und den interessanten Einblick in einen Workshop mit Gidon Kremer.

von Ulrike Schmid

Mit Musik – Miteinander ¦ Interview mit der Teilnehmerin Eszter Kruchió

Montag, 16. November 2009

Vom 6. bis 8. November fand zum zweiten Mal in diesem Jahr unser Kammermusikprojekt Mit Musik – Miteinander statt. Unsere Praktikantin Melina Langhanns, die für dieses Projekt auch mitverantwortlich war,  hat die Gelgenheit genutzt und die Teilnehmerin Eszter Kruchió befragt.

Teilnehmerin Eszter Was erwartest Du von diesem Wochenende?
Ich erwarte und hoffe, dass Mit Musik – Miteinander ein einprägsames musikalisches Erlebnis wird, dass ich andere in meinem Alter kennen lernen werde, die ähnliche Interessen haben, zumindest was Musik betrifft. Außerdem werden vielleicht Kontakte geknüpft, die für den weiteren musikalischen Werdegang oder auch einfach nur für das weitere persönliche (musikalische) Leben nachhaltig sein könnten.

Da ich wahnsinnig gerne Kammermusik spiele, erwarte ich viele schöne musikalische Momente, viel musikalische Arbeit und zahlreiche Anregungen von den Dozenten. Es würde mich besonders freuen, eine neue Art des Zuganges zur Musik kennen zu lernen, andere Methoden zu erarbeiten, andere Ansichten, neue Arten auf einem Instrument zu spielen. Ich glaube, es ist besonders wichtig, eine so vielseitige Ausbildung wie möglich, so vielseitige und verschiedene Anregungen wie nur möglich zu bekommen, um auch selber vielseitig und kritisch (auch das muss man lernen!) sein zu können.

Weshalb hast du dich beworben?
Erstens habe ich auf der Homepage der Kronberg Academy ein bisschen gestöbert und habe viele sehr interessante und anspruchsvolle Ausbildungsmöglichkeiten und Förderungswege gefunden. Außerdem fand ich unter den ehemaligen Teilnehmern von Mit Musik – Miteinander Namen von Musikerkollegen, die ich sehr schätze. Auch die Assistentin meines Geigenprofessors, die selber sehr viel Kammermusik spielt (ehem. Mitglied des Hagen-Quartetts; Mitglied des Klangforum Wien) hat es mir sehr ans Herz gelegt mich zu bewerben. Sie meinte, es wäre eine tolle Erfahrung.

Teilnehmerin Eszter Kruchió Natürlich haben mich auch der künstlerische Beirat der Kronberg Academy beeindruckt: Kremer, Bashmet und Rostropovich sind Namen mit einer besonderen Anziehungskraft. Besonders Gidon Kremer schätze ich sehr, seine Aufnahmen und Bücher sind sehr beeindruckend und sowohl musikalisch als auch historisch interessant.

Die Möglichkeiten in so großen Besetzungen, wie in einem Sextett oder Oktett zu spielen, sind leider nicht sehr häufig. Sechs oder acht Leute sind sehr schwer vereinbar, Probentermine zu finden ist kaum möglich. Dies ist also auf jeden Fall eine vielleicht nicht einmalige, aber doch seltene Möglichkeit.

Mein Interesse an diesem breit gefächerten Spektrum von Ausbildungsmöglichkeiten, besonders an Mit Musik – Miteinander,  wurde also geweckt – und schon schrieb ich meinen Lebenslauf.

Wie bist Du auf Mit Musik – Miteinander aufmerksam geworden?
Ich habe von Fr. Glanzmann, der Vorsitzenden von Prima la Musica, wie jeder Preisträger dieses Wettbewerbes, ein Informationsschreiben, in dem auch auf die Homepage der Kronberg Academy verwiesen wurde, inklusive einem Anmeldeformular zugeschickt bekommen.

Hast du schon an vielen Wettbewerben teilgenommen? An welchen?
Ich habe einige Male an Prima la Musica (Landeswettbewerb, Bundeswettbewerb) teilgenommen, solistisch und in verschiedensten kammermusikalischen Besetzungen (Klaviertrio, Streichquartett, Geige-Gitarren-Duo). Außerdem habe ich als kleineres Kind oft an der Döblinger Musikolympiade teilgenommen, ein Wettbewerb für kleine Kinder in einem angenehm-kleinen Rahmen, und zwei Mal an dem Wiener Musikschul-Wettbewerb (Violine-Klavier-Duo; Geigentrio).

Wettbewerbe sind wichtig, vor allem wegen der Vorbereitung, die unglaubliche Fortschritte bewirken kann. Besonders erfreulich war es als Preisträgerin des Wiener Musikschul-Wettbewerbes im Wiener Rathaus zu spielen, und als Preisträgerin von Prima la Musica im Wiener Konzerthaus und im Konzerthaus Klagenfurt zu spielen. Wettbewerbe haben für mich vor allem wegen der eventuellen nachträglichen Förderung einen Reiz.

Trotzdem denke ich, dass man es nicht übertreiben darf. Man geht ein sehr hohes Risiko ein – wenn man selber mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, kann man unter Umständen viel Motivation verlieren.

Schülerin und Lehrer Sind Deine Erwartungen erfüllt worden?
Ob sich meine Erwartungen erfüllt haben? Und wie! Mehr als das: Das Wochenende hat meine Erwartungen wirklich übertroffen.

Da wären erstens die Dozenten. Kirill mit seiner ungewöhnlich klaren und verständlichen Art technische Schwierigkeiten zu erklären und zu lösen. Ich musste aus Wien nach Deutschland zu einem russischen Geiger fahren, um die 2 Arten des Spiccato zu begreifen. Kaori mit ihrem unfassbaren Spieleinsatz. Ihr Gesicht, ihr Körper widerspiegeln in jeder Sekunde, in der sie Musik spielt, ihre Gefühle, ihre Emotionen. Ich hatte noch nie Gelegenheit einen solchen Musiker 3 Tage lang von so nah beobachten zu können. Und schließlich Itamar – so unglaublich feinfühlig. Er nimmt jede kleinste musikalische Veränderung war, geht mit jedem kleinsten musikalischen Impuls mit, achtet auf den Klang und auf die Linie jedes einzelnen Tones. Es war ein Abenteuer mit ihm gemeinsam zu spielen.

Zweitens war es sehr praktisch in der Partitur, auf die Wand projiziert, mitlesen zu können. So konnten wir auch passiv jede Probe ganz genau mitverfolgen. Wenn ich selber gespielt habe, so war es oft sehr hilfreich in die Partitur blicken zu können.

Außerdem hätte ich nicht erwartet, dass wirklich in jeder Probe einige Leute dabei sitzen – das hat die ganze Atmosphäre noch spannender gemacht.

Wir wurden perfekt versorgt, und behandelt wie erwachsene Musiker. Es ist schön zu sehen, dass es Geld für unsere Weiterbildung gibt!

Inwiefern wird sich Mit Musik – Miteinander auf Dein weiteres Spiel auswirken?
Nun, Itamars, Kaoris und Kirills Vorschläge, Bitten, Anregungen, Tipps klingen noch immer in meinen Ohren und ich ertappe mich immer wieder dabei sie selbst meinen Quartettkollegen zu sagen. Mit Musik – Miteinander hat meine ohnehin schon große Freude an der Kammermusik noch mehr vergrößert und bestätigt. Ich gehe jetzt Kammermusikstücke anders an, achte einfach viel mehr auf die grundlegenden Dinge, die wie drei Tage lang “gepredigt” bekommen haben.

Ein fantastisches Wochenende, das sich hoffentlich irgendwann wiederholen wird!

Vielen Dank für das Gespräch Eszter.

Das Interview führte Melina Langhanns

Gralshüter des wahren, schönen und guten Cellospieles

Donnerstag, 1. Oktober 2009

“Gralshüter des wahren, schönen und guten Cellospieles”  – damit sind wir gemeint. Wer dies gesagt hat und in welchem Zusammenhang – das erfahren Sie in dem heutigen Beitrag auf dem VioWorld-Blog.

Dank an Hagen Kohn und Michael Kasper!

Cello Festival ¦ Interview ¦ Eva Böcker

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Eva Böcker Beim Abschlusskonzert am Sonntag (17.00, 18.30 und 20.00 Uhr, Stadthalle) wirkt das Ensemble Modern in allen drei Teilen mit. Ein Gespräch mit dem Ensemble-Mitglied Eva Böcker, die als Solistin in den beiden Uraufführungen zu hören sein wird.

Frau Böcker, sind Sie zum ersten Mal in Kronberg oder haben Sie bereits an einem der anderen Projekte der Kronberg Academy teilgenommen?
Das ist mein erster Besuch bei der Kronberg Academy und ich freue mich sehr darauf.

Welche Erwartungen haben Sie an das Cello Festival?
Wichtig finde ich, dass die Vielseitigkeit des Cello-Repertoires dargestellt wird. Wo Musiker desselben Instruments aus aller Welt zusammenkommen, gebt es die Chance neu entdeckte Werke aus allen Epochen, aber auch neue Kompositionen vorzustellen. Glücklicherweise ist das Cello-Repertoire in den letzten 50 Jahren enorm gewachsen, und ein Festival wie dieses kann dazu beitragen, Werke bekannt zu machen.

Werden Sie auch Gelegenheit haben, andere Konzerte zu besuchen?
Leider wird es mir in diesem Jahr, unseres vollen Probenplanes wegen, nicht möglich sein, andere Konzerte der Kronberg Academy zu besuchen. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, dies in einem anderen Jahr nachzuholen.

Mit dem Ensemble Modern erarbeiten Sie jährlich 20 Uraufführungen. Am Sonntag wirken Sie als Solistin in zwei Uraufführungen mit. Was bedeuten diese Uraufführung, also die erste öffentliche Aufführung eines Werkes, für Sie persönlich?
Konzerte mit Uraufführungen gehören für mich immer zu den spannendsten Projekten. Ich liebe Überraschungen!

Wie haben Sie sich auf die beiden Uraufführungen vorbereitet? War einer der Komponisten bei den Vorbereitungen/Proben zugegen?
Beide Komponisten sind bei den Proben anwesend. Ich empfinde es als großes Glück, aus erster Hand erfahren zu können, was der Komponist sich vorstellt. Oft kommt es während der Probenzeit noch zu Änderungen in der Partitur …

Das Ensemble Modern ist bekannt dafür, dass ihre Mitglieder alle Projekte gemeinschaftlich organisieren. Wie muss man sich das vorstellen? Führt das nicht auch zu endlosen Diskussionen?
Natürlich gibt es bei 18 Musikern auch häufig 18 verschiedene Meinungen, was zu langen Diskussionen führen kann. Die Tatsache, dass jeder seine Meinung und Ideen mit einbringen kann, wirkt sehr motivierend und führt zu einer großen Vielseitigkeit!

von Ulrike Schmid

PS Wenn Sie Eva Böcker persönlich erleben möchten, können Sie hier Karten für das Konzert bestellen.