Archiv für die Kategorie „Meisterkurse“

Meisterkurse – Aufbruch in ein neues Zeitalter

Donnerstag, 12. August 2010

Der erste transatlantische digitale Meisterkurs kurz vor dem Start – Weltpremiere im  September 2010

Am 20. September wird es Ernst mit der digitalen Lerntechnologie. Dann wird in Kronberg in den Räumlichkeiten der so genannten Streitkirche, genauer: in den Räumen des Kronberg Academy Masters, der erste Meisterkurs zwischen einem hiesigen Professor, in diesem Falle David Geringas, und Studenten aus Amerika stattfinden.

Um dieses ambitionierte Projekt auf die Beine zu stellen, waren monatelang vielfältige technische und organisatorische Einzelheiten abzuklären und technische Spezifikationen zu studieren. Gegenwärtig läuft die Endphase der Implementierung der notwendigen Komponenten und die Verlegung der nötigen Glasfaser-Anschlüsse und Kabel sowie die Herrichtung eines speziellen Regie-Raumes. Letzterer ist so gut wie fertig gestellt. In diesem Raum in der Streitkirche (der ehemalige Noten-Raum des Elite-Studienganges) werden künftig bei jeder Lernstunde (technisch gesprochen: eine Session) zwei  Techniker der  Partner-Firma NOVUM vor Ort sein, um den sicheren technischen Ablauf der Unterrichtsstunde zu gewährleisten.

Ein kurzer Foto-Termin in den Räumlichkeiten der Streitkirche Anfang der Woche bezeugt den Stand der Arbeiten. Wie seltsam: In der digitalen (stofflosen) Welt sind es am Ende des Tages doch wieder Drähte, Kanäle, Leitungen und Schrauben, Blenden und Gerätekästen (Racks), die für den leisen und unsichtbaren Fluss der Bits und Bytes benötigt werden. Das in Kronberg realisierte Konzept setzt auf hochwertigste Bild- und Tonqualität, da ein grenzüberschreitender Meisterkurs natürlich die allerfeinsten Nuancen erlebbar machen muss. Mit anderen Worten, die Anforderungen an die entsprechende Infrastruktur auf beiden Seiten der Kommunkationskette sind enorm hoch. Die letzten Arbeiten an den Verbindungen und die Installation und Verlegung der letzten Kilometer Glasfaser-Kabels in die Räumlichkeiten der Streitkirche sind vor kurzem abgeschlossen worden. Mein Kurz-Besuch im zukünftigen Regie-Raum, der wie ein modernes Radio-Studio anmutet, hat mich zuversichtlich gestimmt, ja begeistert!

Was die Angelsachsen „Distance Learning“ nennen, tritt nun auch in der Welt der Musik seinen Siegeslauf an. Die Kronberg Academy hat bereits im letzten Jahr ihre Fühler nach New York ausgestreckt, um einen Partner zu akquirieren, und mit der befreundeten „Manhattan School of Music“ einen kompetenten Technologie-Pionier gefunden.

Worum geht es beim Distance Learning? Studenten und Professoren, die ansonsten hunderte Kilometer auseinander sind, können sich über diese digitale Brücke austauschen, verständigen und kommunizieren – um Unterricht zu erteilen bzw. aus Sicht der Studenten, unterrichtet zu werden. Unser Kooperationspartner, die angesehene „Manhattan School of Music“ hat hier seit ca. 10 Jahren wertvolle Vorarbeit geleistet. Mittlerweile sind viele Unterrichtsstunden mithilfe dieser Technologie durchgeführt worden. Einer der Künstler, der hier von Anfang an mit Herzblut und Schwung involviert war, ist der weltberühmte Geiger und Bratschist Pinchas Zukerman. Herr Zukerman wird es auch sein, der in Bälde den Studenten des Kronberger Elite-Studienganges in der Streitkirche digital gegenüber sitzen (oder stehen?) wird.

Nun ist die Kronberg Academy wieder einmal in einer Vorreiter-Rolle in Europa und bestätigt erneut ihren Ruf, mutig neue Wege zu gehen. Am 16. August heißt es: Daumen drücken, dass der allererste technische Live-Test glänzend über die Bühne geht und alle technischen Komponenten „mit-spielen“ !

Die echte Premiere mit Professor David Geringas in Kronberg und New Yorker Studenten erfolgt dann einen Monat später: am 20. September gibt es grünes Licht für den ersten transatlantischen digitalen Meisterkurs.

Michael Heinz

Kronberger Sommer / Fotografische Erkundungen in der Altstadt

Dienstag, 27. Juli 2010

Wie man einen brütenden Sommertag überlebt:  Foto-Exkursion und  Nachdenken über Emanuel Feuermann

Ein heißer Juli-Tag – endlich mal keine musikalische Hoch-Saison für uns im Team der Kronberg Academy. Aber, gottlob, die nächsten Jobs stehen vor der Tür und die Vorbereitungen für die Cello-Meisterkurse Ende September laufen schon mit hoher Drehzahl. Und dann sind da auch noch die Vorbereitungen auf den Grand Prix Emanuel Feuermann im November, ein bedeutender internationaler Cello-Wettbewerb, um große Talente zu entdecken.

Es ist ein Montag, die Mittagspause winkt. Die Sonne brütet unerbittlich über der Kronberger Altstadt – die trockene Wärme tut dennoch gut und der leichte, warme Wind machen einen Spaziergang durch die Altstadt-Gassen zu einem Erlebnis. Die Kronberger Burg thront majestätisch in der Juli-Sonne. Fast kommen Urlaubsgefühle auf.  Aber weit gefehlt, es ist ja ein Arbeitstag. Trotzdem,  Zeit für eine Mittags-Unterbrechung winkt, warum nicht das Schöne mit dem Nützlichen verbinden. Neue Inspirationen beim Fotografieren und Wandeln durch das  Altstadt-Gewirr einsammeln und ein paar Gedanken zu neuen Aufgaben entwickeln – so lautet die innere Einstimmung für die nächste Stunde.

Es ist 14.00 Uhr, wenige Menschen sind in der Altstadt unterwegs. Ein idealer Moment, um die vielen Kronberger Sehenswürdigkeiten ungestört, in aller Ruhe, fotografisch einzufangen und all jenen, die Kronberg noch nicht so gut kennen, mit diesen Aufnahmen Appetit auf einen eigenen Rundgang zu machen.  Das Geflecht der Altstadt-Gassen und Strassen durchforsten. Und dabei über die nächsten musikalischen und organisatorischen Herausforderungen unseres Teams aus der Sicht der schreibenden Zunft nachzudenken.

Ich verlasse unsere Arbeitsräume im Receptur-Innenhof und mache mich auf den Weg zu einer Erkundung der speziellen Art. Für die vielen Besucher, die Kronberg hauptsächlich aus der Perspektive der Kammermusik und des Cellos wahrnehmen, so denke ich, wäre es erstrebenswert, einige der markantesten Gebäude und Plätze sowie die Burg und Altstadt mit begeistertem Blick festzuhalten. Während des Suchens nach Motiven, die auch die Spielorte unserer vielen Konzerte mit einschließen – die Johanniskirche und die Streitkirche – grüble ich über die nächste Serie Blogbeiträge nach. Die Vorgabe lautet, im Vorgriff und gewissermaßen zur Einstimmung auf den Grand Prix Wettbewerb im November den großen Cellisten Emanuel Feuermann für einige Wochen wieder verstärkt ins Bewusstsein der Musik-Interessierten zurückzurufen.

Nicht, dass es keine guten Materialien oder Dokumente über ihn gäbe, aber das Bestreben,  diesen vielleicht hoffnungsvollsten Cellisten neben Pablo Casals noch einmal in groben Umrissen in all seiner Genialität lebendig werden zu lassen. Emanuel Feuermann, der Solist, der Kammermusik-Partner, und nicht zu vergessen, der großartige Lehrer und Pädagoge und der Mensch, der in einer schwierigen Zeit sein Leben neu organisieren musste und das Glück hatte, durch Emigration eine neue Heimat zu finden – viele Facetten also. Das wäre der Mühen und Recherchen wert. Das Andenken an diesen so früh verstorbenen Vollblut-Musiker ( er verstarb im Alter von nur 39 Jahren) ist in unseren Räumen allgegenwärtig – viele Fotografien aus seinem Leben, die in ihn auch mit seiner Familie und anderen Musikern zeigen, schmücken einige Wände unserer Büroräume. So ist er stets unter uns, zwischen vielen Plakaten mit all den anderen Großen der Kammermusik wie Mstislav Rostropovich, Gidon Kremer oder David Geringas, um nur einige zu nennen.

Nun, mein Exkurs durch die Altstadt neigt sich dem Ende entgegen, Motive waren reichlich vorhanden. Die Überlegungen zur nächsten  Blog-Serie haben sich deutlicher herauskristallisiert – diese fotografische Auszeit war also im doppelte Sinne lohnenswert.

Mein Fazit: Die warme Luft, die südliche Sonne beflügelt auch hierzulande. Kronberg im Sommer, das ist nicht zu verachten. Back to Work.

Michael Heinz

Cello-Meisterkurse / Die Programm-Broschüre gibt ersten Vorgeschmack

Donnerstag, 22. Juli 2010

Endlich sind sie da, die Programme zu den diesjährigen Cello Meisterkursen und Konzerten 2010.

Soeben vom Drucker gekommen und rasch an die ersten Kollegen im Hause der Receptur verteilt. Mit einer Auflage von 13.000 Stück wollen wir die wichtigsten Informationen zu den Meisterkursen und den sich daran anschließenden öffentlichen Konzerten in die nahe und ferne Welt tragen. Bereits einige Tausend der gefalteten Programmhefte – unsere Flyer – werden derzeit per Post an unsere große Freunde und Förderergemeinschaft versandt. Die andere Hälfte wird nach einem anderen Verteilschlüssel an ausgewählte Interessenten, Journalisten und Musik-Institutionen weitergeleitet. Die logistische Abwicklung der Bekanntmachung und Vermarktung ist ein Kapitel für sich, erfordert gute Planung und natürlich eine gute Adress-Datenbank.

Nun aber zurück zur musikalischen Seite des Flyers. Lernen von den großen Meistern Ihres Faches und gemeinsam mit Ihnen Werke aus dem Bereich Kammermusik aufführen. Darum wird es zwischen dem 20. und 27. September in Kronberg gehen. Aufführungsstätte sind die Johanniskirche im Herzen der pittoresken Altstadt, in unmittelbarer Nähe der Streitkirche wo unser  “Kronberg Academy Masters“ Studiengang beheimatet ist und ferner die Kronberger Stadthalle.

Auf der Titelseite unseres Flyers, der wie immer in Rot und Schwarz gehalten ist, sieht man den jungen ungarischen Cellisten István Várdai bei konzentriertem Spiel. Er ist Sinnbild für die vielen jungen „Meisterschüler“ und Teilnehmer, die nach Kronberg kommen, um gezielte Impulse für die Weiterentwicklung ihrer Spieltechnik zu erhalten und auch ihr musikalisches Wissen und Verständnis vertiefen möchten.

Insgesamt 5 Konzerte werden zwischen dem 23.9. und 27.9. zur Aufführung gelangen. Die Konzerte haben jeweils ein Motto, und das macht bereits jetzt Appetit auf diese Ereignisse. Das erste Konzert, in dem Frans Helmerson eine wichtige Rolle spielen wird, trägt das Motto: „Cello ganz Chopin“. Das  zweite Konzert soll intensiv berühren, es ist betitelt mit: „Cello expressiv“. Das dritte Konzert erhält eine swingende Note: „Der mit dem Cello tanzt“. Das vierte Konzert erhält das Moto „ Bloß Cello„ und schließlich das fünfte Konzert – zugleich der Abschluss der Meisterkurs-Woche – trägt das Motto „Cello-Aussichten“.

Wenn man den in Leporello-Form erstellten Prospekt aufblättert, dann gerät man sehr schnell ins Schwärmen. Großartige Cellisten und feine Werke der Kammermusik, geschrieben für Cello und zum Teil mit Klavierbegleitung, dominieren das Programm. Chopin, César Franck, Beethoven, Granados, Cassadó, Bach, Dutilleux und Alfredo Piatti sind die Komponisten, auf deren Werke man sich freuen darf.

Wer sind die vier Lehrer?

Vier ausgewiesene Cello-Meister haben der  Kronberg Acaemy ihre Teilnahme zugesagt. Es sind keine Geringeren als diese vier namhaften Musiker, einige von Ihnen seit vielen Jahren der Academy bei vielen Auftritten und Projekten aufs engste verbunden: David Geringas, Frans Helmerson, Gary Hoffman und der deutsche Cellist Jens Peter Maintz, der jüngste in diesem Quartett.

Last but not least: zwei „Einstimmungen“ liefern Hintergrund-Wissen. Dr. Susanne Schaal-Gotthardt erläutert einmal das Konzer Nr. 4 ( Jens Peter Maintz, Cello) und Konzert Nr. 1
(mit David Geringas). Dies ist ein Angebot an all jene Musikfreunde, denen die angekündigten Werke noch nicht so vertraut sind.

Was ist noch erwähnenswert? Ja, alle Cello Meisterkurse  sind öffentlich. Laien und Experten, Cellisten oder Nicht-Cellisten, können sich von der intensiven Arbeit zwischen Lehrern und Schülern mitreißen lassen, lediglich ein kleiner Obolus ist zu entrichten.

Wer kann bei den Meisterkursen eine Bewerbung abgeben? Alle interessierten jungen Cellisten, die nicht älter als 29 Jahre sind. Bewerbungsschluss ist der 23. Juli 2010 – die deadline steht vor der Tür – also Gas geben ist angesagt für ambitionierte junge Cellisten, wo immer sie dies auch lesen mögen.

Der Spätsommer kann kommen. Kronberg, die Welthauptstadt des Cello, erwartet viele Besucher aus nah und fern und hr2 als Medienpartner wird für die audio-technische Aufzeichnung auf höchstem Niveau sorgen.

Michael Heinz

Musikalische Welten – Riesengeige aus dem Vogtland

Donnerstag, 8. Juli 2010

Kaum zu glauben. Die siebenfach vergrößerte Geige, die 16 Handwerksbetriebe, darunter 3 Bogenmachermeister, zwischen Anfang Januar und Ende Mai 2010 in Markneukirchen zusammengebaut haben, ist bespielbar. Die Riesengeige maß bei Fertigstellung genau 4,27 m. Mit dem 5,22 m langen Bogen ließ man zwei kurze Stücke erklingen: Zum Geburtstag viel Glück und Hoch soll sie leben. „Der Klang war gigantisch“, so Ekkard Seidl, Geigenbaumeister aus dem sächsischen Vogtland, dazu  Ideengeber und Koordinator für dieses anspruchsvolle Projekt.  Zielsetzung war es, die Bedeutung der Geigenbauer-Innung, die seit 333 Jahren in der Stadt Markneukirchen existiert, in Erinnerung zu rufen. Aber auch dem im Juni fälligen Festakt der Stadt anlässlich Ihres 650 Jahre Stadtrechte-Jubiläums den nötigen Prunk zu verleihen. Nicht nur eine flüchtige Feier zu Ehren der Stadt sollte es geben, sondern auch etwas Werthaltiges müsste nach den Festlichkeiten für die Nachwelt erhalten bleiben – auch dies war eine Motivation. Und ein weiteres Jubiläum ganz persönlicher Art gesellte sich dazu. Ekkard feiert im Jahre 2010 sein 25-jähriges Firmen-Jubiläum als selbständiger Geigenbaumeister. Die Idee einer Riesengeige kam ihm in der Vergangenheit schon häufiger in den Sinn, aber im Dezember 2009 begann die heiße Phase für ihn, als er nämlich die Unterstützung vieler Betriebe und Handwerker akquirieren musste und sein Projekt als Teil der städtischen Feierlichkeiten realisieren wollte. Dank seiner guten Kontakte zu Handwerkern, Meistern und Rathaus-Verantwortlichen  gelang es rasch, die nötigen Helfer und Unterstützer für dieses ambitionierte Vorhaben zu gewinnen und sie in seine generalstabsmäßige Planung einzubinden.

In verschiedenen Werkstätten wurden die Bestandteile gefertigt: Wirbel, Saiten, Stimme und Steg, Kinnhalter und Knöpfchen, Decke, Boden und Zargen. Einige dutzend Kilo Fichte, Ahorn und Ebenholz und stolze 6 Liter Holzleim waren nötig, um dieses Meisterwerk hervorzubringen. Gewicht bei Fertigstellung: über 100 kg.  Mit der Gesamtlänge von über 4m ist das Instrument mehr als doppelt so lang wie ein Kontrabass. „Jedes Detail war eine Herausforderung. Formenbau, Werkzeugbau, Platz, Materialbeschaffung und auch die Zeit waren Engpassfaktoren. Ich habe straff organisiert und meine Mitstreiter motiviert. 3 Tage vor dem Umzug war die Geige fertig, es musste nur noch für den großen Auftritt geprobt werden“, so Ekkard Seidl. Am Ende hat es geklappt.

Auf dem Marktlatz konnten sich dann am 6. Juni alle Besucher und Gäste persönlichen vom ausdrucksvollen Klang der Riesengeige überzeugen. Und obendrein sah sie auch noch gut aus. Tatsächlich, diese Riesengeige glich der „normal proportionierten Geige“ enorm, nur halt riesig in den Ausmaßen. Und das war schließlich beabsichtigt.  Als Modell diente den Erbauern eine Geige des großen vogtländischen Meisters Johann Georg Schönfelder II (1750-1824) – absolut originalgetreu nachgebaut. Auf dem bejubelten Umzug anlässlich des Stadt-Jubiläums am 6. Juni war es dann soweit: auf einem Tieflade-Anhänger, gezogen von einem kräftigen PS-starken Traktor, war die Riesengeige fest verzurrt. Schaulustige bestaunten und bejubelten das sächsische Wunderwerk. MDR und Regionalfernsehen waren zur Stelle und hielten diese Momente fest. An einen sachgerechten Eintrag in Wikipedia hat Ekkard Seidl bereits gedacht und so wird die Riesengeige auch im Internet demnächst Ihre Bekanntheit steigern können.

Für die Freunde der Musik, die gerne durch deutsche Lande reisen, denen sei zugerufen: Ein Abstecher in den vogtländischen Musikwinkel lohnt nun umso mehr, seit es Ekkard und seine vielen fleißigen Handwerker-Mitstreiter geschafft haben, diese Geige für die Nachwelt zu produzieren. Nochmal Ekkard Seidl: „Es sollte etwas geschaffen werden, was uns überdauert und noch in Jahrzehnten bewundert wird, von Gag keine Spur“.

Mit ein wenig Glück könnte die Riesengeige im nächsten Frühsommer auch ihren Weg nach Kronberg finden, dann nämlich, wenn die Kronberg Academy zum zweiten mal ihre Geigen Meisterkurse durchführt (19.bis 26. Juni 2011). Zumindst ist das aus heutiger Sicht die Zielsetzung. Für Musikfreunde und Gäste gäbe es dann in der Burgstadt eine weitere Attraktion zu bestaunen. Welch eine Aussicht.

Ein Nachwort: In den folgenden Wochen seit dem 6. Juni gab es viele Anfragen von Musikmessen, Veranstaltern und Firmen, die die Geige zu Werbe-  und Marketingzwecke nutzen wollen. Auch in diese Richtung ein Erfolg für die Stadt und Ihre anerkannte Musikinstrumenten-Tradition. Auf ins Vogtland, Ihr Musiker und Freunde sächsischer Kultur und Gastfreundschaft.

Michael Heinz

Meisterkurs: Ana Chumachenco und Ihre trefflichen Meisterschüler

Freitag, 19. März 2010


Kronberg, im März 2010:

An einem der ersten Tage ohne Schnee in Kronberg waren sie alle versammelt: 7 Junge Solisten waren zusammengekommen, um Ana Chumachencos Meisterkurs beizuwohnen. Endlich hatte ich mal Gelegenheit, so viele junge Musiker unseres Studienganges „Kronberg Academy Masters/ Further Master Studies“ geballt an einem Platz zu erleben. Keine Übertreibung: das war ein angenehmes, familiäres Zusammentreffen von Alt und Jung, und was mir so mancher Junge  Solist nachher erzählte:  man kennt sich größtenteils untereinander. Aber der Reihe nach….

Wer war dabei….?

Peijun Xu, Benedict Klöckner, Yumiko Urabe, Alicja Smietana, Alina Ibragimova, Eri Sugita, Sasha Sitkovetsky, Soojin Han, Vilde Frang, der Berliner Gabriel Schwabe und schließlich David Gueran.

Während der Vormittag alleine dem Einzelunterricht gewidmet war, war nach dem gemeinsamen Mittagessen zunächst Kammermusik „vom Blatt“ angesagt und es durften nun auch einige Zuhörer des Academy Teams mit dabei sein. Absolut spannend dachte ich und ließ mich auf knappe 3 Stunden intensiven Musik-Hörens ein.

Direkt neben dem aufmerksamen Stephen Potts sitzend, dem Leiter des Academy-Master Studienganges,  versuchte ich , sowohl den Klängen der Musik zu folgen, als auch ein Gefühl für die Anstrengungen und Konzentration der jungen Musiker mit aufzunehmen. Den Auftakt machte das lebhafte und zugleich rasante Oktett von Felix Mendelssohn-Bartholdy – ein absolut begeisterndes Stück! Im Halbkreis sitzend, Frau Chumachenco als 4. Geige im Zentrum, musizierten alle mit viel Schwung und Klasse. Sasha Sitkovetsky, der mir zuvor stolz von seinen frühen Begegnungen mit Yehudi Menuhin berichtet hatte, hatte als erster Geiger die Führungsrolle inne – glänzend – so meine subjektive Empfindung.

Dann, nach einer kurzen Pause, stand Alina Ibragimova allein im Zentrum der Aufmerksamkeit: Sie intonierte die Sonate Nr. 2 Op. 94 von Prokofiev mit großer Inbrunst. Die begeisterten Kommentare Ana Chumachencos und der anderen Meisterkurs-Teilnehmer über ihr Spiel ließ die junge Russin, die in Großbritannien lebt, mit sichtlicher Freude und gut gelaunt über sich ergehen. Einer Katze gleich, lautlos und gewandt aus der Bodenperspektive fotografierend, war auch unser Fotograf Andreas Malkmus mit von der Partie, um diese Momente gewissermaßen für das Familien-Album  festzuhalten. Den Schlussakkord seiner Arbeit bildete ein wirklich schönes, familiäres  Gruppenfoto der jungen Musiker mit Frau Chumachenco –

dieses und weitere „atmosphärische“ Momentaufnahmen eines besonderen Meisterkurs-Tages  in der Kronberger Streitkirche können nun alle Fans und Freunde auf unserer Kronberg Academy Flickr- Seite bestaunen.

Michael Heinz

KA Jahrbuch 2009 – ein Kaleidoskop musikalischer Höhepunkte

Donnerstag, 11. März 2010

Druckfrisch und zum Ausliefern bereit: Das Jahrbuch 2009 der Kronberg Academy – 666 Gramm schwer, Wissen und Fakten auf 164 Seiten, und daneben lebendige fotografische Exkursionen in die Welt der Musik plus eine eingelegte DVD mit einem Porträt über die Academy. Gedruckt in einer Auflage von 2000 Exemplaren.

Die schöne Aufmachung mit dem typischen Academy-Rot auf der Titelseite und den Kapital-Einleitungen verlocken jeden Musik-Begeisterten zum Vertiefen und Schmökern. Somit ist das Jahrbuch das vielleicht wichtigste Druckerzeugnis der Kronberg Academy, denn es zeigt rückblickend, wo und in welchem Zusammenhang musikalische Ereignisse zu bestaunen und zu erleben waren. Und welcher Kopf steckt hinter der Erstellung dieses feinen Werkes? Es ist unser Team-Mitglied Oda Cramer von Laue, verantwortlich für Kommunikation und alle Druckerzeugnisse, die diesen wichtigen Job seit Jahren verantwortlich ausführt. Mehrere Monate beschäftigt sie sich intensiv mit den Recherchen, dem Schreiben und der Koordination mit Grafikern, Fotografen und Druckern. Viel Schweiß und Perlen also.

Hier im Kurzdurchgang die wichtigsten Abschnitte:

Im Editorial fasst Raimund Trenkler, der künstlerische Leiter, die Höhepunkte des Jahres zusammen. In weiteren Verlauf erfährt der geneigte Leser einiges über die Förderer, Stifter und Freunde der Academy. Im Anschluss daran gibt es einen fotografischen Rückblick auf das Jahr 2009 gefolgt von Artikeln zum Themenkomplex: Kulturförderung in der Krise. Originell besonders der von Klaus-Albert Bauer geschriebene Beitrag „Vom Bruttosozialglück in Kronberg„ Weitere Themenfelder sind Berichte aus dem Lehr- und Ausbildungsgeschehen, zu den Kronberg Academy Masters Studiengängen und sehr anschauliche Berichte und beeindruckende Fotos von den erstmals durchgeführten Geigen Meisterkursen. Es folgen Berichte über das spektakuläre Cello Festival 2009, in dem die Grenzen musikalischer Genres überschritten wurden ( man denke z.B. an die Auftritte von Jacques Morelenbaum, Lars Danielsson, Giovanni Sollima, Roby Lakatos und Ernst Reijseger). Dazu insgesamt sechs Ur-und Erstaufführungen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Cello Festivals. Ferner ein Bericht vom Gedenktag an Slava, dem großen russischen  Cellisten Mstislav Rostropovich im April vergangenen Jahres, der auch in diesem Jahr feierlich begangen wird. Das Jahrbuch endet mit Abschnitten zu weiteren Projekten und Ereignissen und schliesst mit dem Abschnitt „ Das Jahr in Fakten“.

Alles in Allem: eine rundum geglückte Dokumentation der vielfältigen musikalischen Ereignisse und Begegnungen in Kronberg. Jeder, der im letzten Jahr bei einem der Konzerte dabei war, kann manches nochmal vor dem geistigen Auge Revue passieren lassen. Aber auch jene, die sich verstärkt mit der Arbeit der Academy als Sponsoren oder Förderer künftig befassen wollen, bekommen tiefe Einblicke und werden mannigfaltig inspiriert.

Michael Heinz

Daniel Hope: Manchmal hat er einen zum Rasen gebracht

Montag, 11. Mai 2009
Christoph Bungartz im Gespräch mit Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

Christoph Bungartz im Gespräch mit Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

„A tribute to Yehudi Menuhin” – das sollten die ersten Geigen-Meisterkurse sein – und das sind sie gewesen! Ein Tribut vor allem in der Vielfältigkeit der Geigen-Erlebnisse, die sie uns beschert haben, „verursacht” durch die ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten der Künstler, die in dieser Woche mitgemischt und den Kursen Stimmung und Profil verliehen haben. Und fast jeder dieser Künstler stand mit Yehudi Menuhin in irgendeiner Beziehung – er wiederum, so stellt man es sich vor, hatte sie alle in seinem großen Herzen und teilte ihre musikalischen Welten.

Am 5. Mai, dem Tag nach dem Abschlusskonzert, gab es dann aber noch einmal die Gelegenheit, ganz Persönliches über den Menschen und Künstler Yehudi Menuhin zu erfahren. Denn Daniel Hope kam am

Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

Daniel Hope, Foto: Lutz Sternstein

Nachmittag nach Kronberg, um von seinen Erlebnissen und Erfahrungen mit Menuhin zu erzählen. So kam man um 15.00 Uhr in der Stadthalle zusammen, bevor man zum Konzert in den Hessischen Rundfunk aufbrach, wo Daniel Hope am Abend das Gedenk- und Benefizkonzert für den Yehudi Menuhin Nachwuchspreis spielen sollte.

Auf zwei Sesseln auf der Vorbühne der großen Saals wurde Daniel Hope von Christoph Bungartz vom NDR animiert, seine Erlebnisse zu erzählen – und Erzählen kann Daniel auch ausgesprochen gut! Und zwar auf eine sehr amüsante und britisch-charmante Art und Weise… es wurde viel gelacht in dieser Stunde in der Stadthalle.

Der Hintergrund: Daniels Mutter war Yehudi Menuhins Assistentin. Ihr kleiner Sohn lebte darum zeitweise auch in Menuhins Haus und hatte dort viele Erlebnisse und Begegnungen mit großen Künstlern, die zu Besuch kamen. (So wie andere dem Onkel Franz die Schnürsenkel zusammenbinden, so zog Daniel Rostropovichs Cellostachel heraus ….)

Daniel Hope erzählte liebevoll und in vielen Anekdoten von den Eigenarten des „sehr offenen und menschenfreundlichen” Mannes, dessen Kollege er später wurde – und der dann sein Mentor war. So erfuhr man zum Beispiel, dass Menuhin nie nervös war und so spontan, dass er dem jungen Daniel Hope mitten in dessen Auftritt noch Tipps für einen besseren Fingersatz auf die Bühne hinausraunte.

Sehr viel Humor muss er gehabt haben! „Manchmal hat er einen zum Rasen gebracht …” aber „unglaubliche musikalische Momente” hat er einem beschert.

von Oda Cramer von Laue

Predict the Unpredictable – Künstlerbetreuer in Kronberg

Freitag, 8. Mai 2009
Johannes Manecke, Foto: Lutz Sternstein

Johannes Manecke, Foto: Lutz Sternstein

Das grundlegende Problem, das der Künstlerbetreuer hat, wenn er am Vorabend des großen Events in Kronberg aufläuft, ist sein Nicht-Eingeweiht-Sein in die komplette vorangegangene Organisation der Veranstaltung. Das ist einerseits durchaus von Vorteil, da ein unvorstellbar großer Berg von Arbeit bereits von anderen Personen erledigt wurde. Andererseits ist es ein nicht zu unterschätzender Nachteil, erstmal über so ziemlich nichts Bescheid zu wissen. Im Vorfeld versucht man daher händeringend, jedem auch noch so zufällig vorbeihastenden Academy-Mitglied schnell noch irgendwie dienliche Informationen zu dem Künstler, den man betreuen soll, zu entlocken. Selbst wenn droht, durch hartnäckige Fragerei in Ungnade zu fallen und man den Eindruck hat, unter dem einen oder anderen latent genervten Blick nun doch recht gut über “seinen” Künstler und dessen Programm informiert zu sein, wird dieser Künstler einen dann schon mit der ersten Frage, die sich unmittelbar an die Begrüßung anschließt, ins Schwimmen bringen. Ihn interessieren in aller Regel gänzlich andere Sachen, als man selber sich hat vorstellen können. Vom Gefühl her ist das ungefähr so, als habe man sich auf eine Mathe-Prüfung vorbereitet, der Professor plötzlich aber lieber über französische Literatur diskutieren möchte. Eine Schlüsselqualifikation im Umgang mit den Künstlern ist daher, möglichst unbeeindruckt auf alle unvorhergesehenen Ereignisse und Fragen zu reagieren und schwungvolle Phrasen zu kreieren, die den Gegenüber zufriedenstellen, im Kern aber eigentlich nur verschleiern, dass eine direktere Antwort “keine Ahnung” gelautet hätte.

Ist der Künstler erst einmal angekommen, ist die Lawine der unvorhergesehenen Zwischenfälle nicht mehr aufzuhalten. Allein der scheinbar harmlose Transport von Hotelzimmer zu Konzertbühne birgt ungeahnte Hindernisse. Mal in Form vergessener Noten oder Kleidungsstücke, mal in Form eines Autofahrers der sich mit seinem überdimensionierten Geländefahrzeug in der historischen Altstadt verkeilt hat – und das es wiederum mit der eigenen überdimensionierten Luxuslimousine zu umschiffen gilt, um erwähnte Noten oder Kleider doch schnell noch herbeizuschaffen. Schwieriger wird es dann, wenn man Interviews in nicht vorhandene Zeitfenster stopfen muss, die darüber hinaus in bereits belegten Räumen stattfinden sollen. Wiederum verlangt es also diplomatisches Geschick, dem Künstler zu verkünden, dass statt Mittagspause nun Presse auf dem Programm steht. Hurra! Unterdessen klingelt unentwegt das Mobiltelefon, über das entweder Hiobsbotschaften oder Fragen, auf die man keine Antwort hat, eingehen. Mit viel Glück ist irgendwann einfach der Akku leer. Schrecksekunden gibt es am laufenden Band. Etwa dann, wenn man meint, soeben Gidon Kremers USB-Stick verbaselt zu haben, oder wenn während der Probe plötzlich ein Fernsehteam auftaucht, und man trotz ausdrücklichen Wunsches vergessen hatte, den Künstler im Vorfeld darauf hinzuweisen. Glücksmomente folgen, wenn der USB-Stick doch wieder auftaucht und das Fernsehteam bereits von jemand anderem angekündigt wurde.

Entlohnt wird jegliche Mühe aber spätestens durch jene ganz besonderen, unbeschreiblichen Momente, die im Verlauf der Veranstaltung immer wieder ganz plötzlich und unerwartet entstehen, und in denen man etwa in ganz intimer Atmosphäre einer spontanen Darbietung lauschen oder dem Zusammentreffen und Gedankenaustausch großer Persönlichkeiten beiwohnen darf – wenn die Musik die Bühne verlässt, um mit einem selbst scheinbar auf Tuchfühlung zu gehen, einen aufsaugt und zum Teil eines erhabenen Ganzen werden lässt.

Am Ende des Tages (zu – in aller Regel – sehr weit vorgerückter Stunde und mit sehr müden Füßen) streift man mit einer erschöpften, aber dennoch eleganten Handbewegung das Magnetschildchen vom Hemde, auf dem neben dem dynamischen Academy-Logo der eigene Name steht. Dadurch fühlt man sich selbst wieder ein bisschen mehr Privatperson, und mit einer seltsamen, aber sehr angenehmen und intensiven Mischung aus Zufriedenheit, Erstaunen und bleierner Müdigkeit stellt man fest, dass wider Erwarten am Ende doch einmal mehr alles zur Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufen ist – und das sogar ziemlich gut! Es ist unbedingt empfehlenswert, diesen Augenblick im Gedächtnis zu halten, wenn am nächsten Morgen die Sonne aufgeht und das Künstlerkarussel erneut an Fahrt aufnimmt.

von Johannes Manecke

Violin Masterclasses ¦ Slideshow ¦ Workshop Subramaniam

Mittwoch, 6. Mai 2009

Impressions from the workshop with L. Subramaniam.

All photos: Copyright Andreas Malkmus

Geigen Meisterkurse ¦ Und wieder hat die Jury entschieden ¦ Yehudi Menuhin Nachwuchspreis geht an 14-Jährige

Mittwoch, 6. Mai 2009

Erstmals wurde gestern Abend im Rahmen des Sonderkonzerts “Yehudi Menuhin – eine Hommage” der mit 3.000 Euro dotierte Yehudi Menuhin Nachwuchspreis vergeben. Erhalten hat ihn die 14-jährige japanische Geigerin Hiroka Matsumoto. Sie ist die Erste, die mit diesem Preis, der von nun an alle zwei Jahren im Rahmen der Geigen Meisterkurse vergeben wird, ausgezeichnet wurde.

Yehudi Menuhin war selbst ein musikalisches „Wunderkind”, gründete Stiftungen und Schulen, darunter die berühmte Yehudi Menuhin School, um Kinder schon früh musikalisch zu fördern. Der zehnte Todestag des großen Geigers war Anlass einen Fonds zu gründen, aus dem dauerhaft der Yehudi Menuhin Nachwuchspreis finanziert werden wird.

von Ulrike Schmid