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Chamber Music Connects the World – die Feuertaufe

Montag, 12. April 2010

P1290523 Die Grundidee lautete: berühmte, großartige Solisten, genannt Seniors, zusammen zu bringen mit jungen, aufstrebenden Künstlern und sie über 11 lange Tage gemeinsam in Kronberg arbeiten zu lassen. Diese Idee nahm Ende der Neunziger Jahre Gestalt an. Eine außergewöhnliche Konstellation in der Art und Weise wie junge und etablierte Künstler gemeinsam kammermusikalische Werke einstudieren würden. Raimund Trenkler wollte  so die Förderung junger begabter Musiker, und nicht nur junger Cellisten, auf eine breitere Basis stellen.

Ein Vergleich zu den seit 1951 durchgeführten 6-wöchigen Konzert-Workshops der Marlboro Music School drängt sich auf.  Diese von Rudolf Serkin 1951 ins Leben gerufene Kammermusik-Schule war durchaus eine gewisse Inspirationsquelle für Raimund Trenklers neues Vorhaben. Dennoch, die Fokussierung auf 11 Tage intensiven Musizierens ohne Unterbrechung so wie jetzt bei Chamber Music Connects the World in Kronberg praktiziert, das war etwas gänzlich Neues. So gesehen, meint Raimund Trenkler auch heute noch, war das Zusammenbringen der weltberühmten Musiker mit den auserwählten jungen Künstlern tatsächlich ein echter Glücksfall. Aber eben auch totales Neuland!

Erwartungen und die Ansprüche an das zu Leistende waren hoch. Ein Projekt-Team wurde aufgesetzt, Oda Cramer von Laue, die im Jahre zuvor ihre Arbeit in Kronberg aufgenommen hatte, übernahm die Projektleitung. Selbst Musikerin, war sie von Anfang an Feuer und Flamme für das Vorhaben. Man bedenke, dass es äußerst schwierig sein würde, international so renommierte Musiker für einen solch langen Zeitraum an einen Ort zu binden. Mit den bestehenden damaligen Verbindungen der Academy gelang es aber, fünf überaus renommierte Künstler für diese Zeitspanne tatsächlich nach Kronberg zu holen und ihr Mitmachen zu garantieren.

Anfang 2000, wenige Wochen vor dem Projekt, stand die erste Bewährungsprobe an, das Probespiel für Chamber Music Connects the World nämlich. Und das war und ist seitdem für die jungen Bewerber eine Herausforderung der ganz besonderen Art und mit seinem ganz eigenen Schrecken: Damit Gidon Kremer seine jungen Ensemble-Partner als Kammermusiker kennen lernen kann, müssen sie – die es gewöhnt sind, als Solisten zu überzeugen – in Kronberg als „Einwechselspieler“ in einem Streichquartett beweisen, wie flexibel sie im „aus dem Stehgreif“ Zusammenspiel mit anderen Musikern sind. Wie oft haben wir hinterher zu hören bekommen, dass dies die schlimmste Vorspiel-Situation war, die manch einem widerfahren ist!

Welche organisatorischen Widrigkeiten gab es bei der ersten Audition? Oda Cramer von Laue erinnert sich: „Die Stadthalle musste hergerichtet werden, buchstäblich in letzter Minute, denn die ganze Halle war von den Faschingsfeierlichkeiten des Vorabends gezeichnet – der Geruch von Essen und Trinken lag in der Luft, Stühle und Tische bevölkerten die Halle und sorgten für ein großes optisches Chaos. Wir hatten am Morgen etwas eine halbe Stunde Zeit, das Notwendigste zu beseitigen oder zu kaschieren…“. Die hektischen Aufräumarbeiten wurden belohnt: die Auditions konnten in ordentlichen Räumlichkeiten abgehalten werden. Am Ende des Tages standen 22 junge Künstler als Teilnehmer des ersten Chamber Music- Workshop Projektes fest. Fortsetzung folgt im nächsten Blog  mit dem Titel : der Start. Plus, als kleine Ergänzung,  ein Seitenblick auf den einflußreichen Musikfilm ” The Trout” vom britischen Filmer Christopher Nupen.

Michael Heinz

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

Chamber Music Connects the World ¦ Diashow ¦ Audition

Dienstag, 23. Februar 2010

Einige Eindrücke von der gestrigen Audition.

Geigen Meisterkurse ¦ Was für ein Tag

Dienstag, 28. April 2009

(Tag 1: Audition)

Was für ein Tag! Wie es sich gehört bei Veranstaltungen der Kronberg Academy …
Morgens um kurz vor neun in der Stadthalle, die ersten Mitarbeiterinnen trudeln ein, man begrüßt sich fröhlich, teilweise mit vielen Fragezeichen in den Köpfen („Was gibt’s zu tun? Was kommt heute auf uns zu?”), die Projektleiterin steht auf der Leiter vor der Stadthalle (man muss ja Leitung auch wörtlich nehmen) und hängt eigenhändig das Banner „Willkommen in Kronberg auf”.

Die Stadthalle ist geputzt, aber noch lange nicht fertig, die Telefonleitungen werden noch gelegt (Umleitung des Büros ins Herz des Geschehens, in die Stadthalle), Kopierer und Drucker aufgestellt, Laptops eingerichtet. Um halb zehn müssen Notenständer da sein, denn die Auditions sollen pünktlich um zehn starten.

Die ersten Geiger trudeln ein – ein sehr ungewohntes Stadtbild, Kronberg ohne Cellokästen – nur Geigen, mit dem typischen „Geigerfleck” am Hals links.

Die Auditions beginnen, 10 Minuten Vorspielzeit für jeden – es ist alles dabei, vom alten Hasen, Vorspielerfahren und scheinbar völlig relaxed – bis zum kleinen 13jährigen koreanischen Jungen, der vor lauter Nervosität in seiner Jacke auftreten will und seine Noten im Einspielraum vergisst.

Dann, am Nachmittag, wird es noch spannender – es sind ja nicht nur Meisterkurse, sondern am Abend findet auch noch das Benefizkonzert in memoriam Mstislav Rostropovich statt – in Kronberg ist nichts einfach „nur so” oder ohne „mehr Adrenalin” möglich …

Ministerpräsident Roland Koch kommt am Abend und wird sprechen – aber auch ins Konzert gehen, also geht ein Polizist mit hechelndem Hund durch die Stadthalle und dieser schnüffelt an jedem Koffer, der in der Stadthalle steht, von diversen Geigern und Geigerinnen aus aller Welt, die Zivil-Security, auffällig unauffällig, zwei große Herren im Anzug, mit Knopf im Ohr.

Der HR kommt und baut den Ü-Wagen auf, man kennt die Tonmeister und -ingenieure mittlerweile und scherzt mit ihnen herum.

Mischa Maisky kommt an, mit seiner Tochter Lily, entspannt und freundlich wie immer, mit seiner unnachahmlichen Ausstrahlung und Energie, er spielt sich ein, kopiert Noten, erzählt Witze und Anekdoten.

Die ersten Konzertbesucher kommen, letzte verzweifelte Fragen nach Karten, die Spannung steigt, das Foyer der Stadthalle füllt sich, die Hostessen öffnen den Saal für den Einlass.

Alles ist wie immer und doch immer wieder aufregend, ob alles rechtzeitig klappt, die Künstler in ihren Garderoben zu finden sind, alle ihre Noten haben, wirklich an alles gedacht wurde, ob man auf der Bühne beim Umbauen nicht stolpert, beim Umblättern zu früh oder zu spät dran ist, die Blumenübergabe funktioniert. Für das Publikum wirkt alles leicht und dennoch sicher und zuverlässig – eben reibungslos.
Und man kann sagen: ja, wir haben es wieder geschafft!

Nur nicht ausruhen – weiter geht’s heute mit den ersten Kursen und abends dem ersten Konzert.

Julia Kadar

PS Die Geigen Meisterkurse sind öffentlich. Wer Lust hat, Ch. Tetzlaff, A. Chumachenco, M. Fuks oder P. Vernikov beim Unterrichten zu erleben, darf gerne vorbeikomen und den Kursen beiwohnen. (Tageskarte für 6 Euro gibt es in der Stadthalle)

Infos zu den Meisterkursen