Artikel-Schlagworte: „Cello-Festival“

Erinnerungen an Bernard Greenhouse

Mittwoch, 18. Mai 2011

Die Mitarbeiter der Kronberg Academy trauern um den großen Cellisten Bernard Greenhouse. Er verstarb am 13. Mai in seinem Haus in Wellfleet auf der Halbinsel Cape Cod.

Greenhouse, der zu den Mitbegründern des großartigen Kammermusikensembles Beaux Arts Trio zählte, war ein gern gesehener Gast in der Burgstadt. Viele Male weilte er in Kronberg und war bei unseren Cello Meisterklassen ein begehrter Cello-Lehrer, zuletzt 2008. Obgleich schon gesundheitlich angeschlagen, nahm er die Strapazen der langen Flugreise auf sich, um auch bei den Feierlichkeiten zum Tode von Mstislav Rostropovich im Oktober 2007 teilzunehmen. Mancher Kronberger wird es noch vor Augen haben: im Kronberger Schulgarten wurde feierlich die Rostropovich-Büste enthüllt und bei der anschließenden Feier in der Johanniskirche würdigte Greenhouse in einer emotionalen Ansprache den großen Russen. Viele, die ihn live in unserer Stadt erleben konnten, werden sich an seine enorme menschliche Ausstrahlung und Wärme erinnern.

Welche Erinnerungen haben Kollegen aus unserem Team? Hier zwei Beispiele:

Gabriela Denicke, verantwortlich in der Academy für Sponsoring und Partner, hatte von Anfang die Aufgabe übernommen, Bernard Greenhouse bei seinen Aufenthalten in Kronberg zu betreuen. Sie hat über die Jahre, wie sie selbst sagt, eine Freundschaft mit dem großen Cellisten entwickeln können. Hier ihre Gedanken und Erinnerungen:

„Was mir besonders im Gedächtnis haften blieb ist dies: „Make it simple!. Das sagte er stets den jungen Leuten. Und auch: you have to say something through your music! Damit meinte er, es geht beim Spielen nicht darum, wie wirke ich, oder spiele ich die Noten richtig, oder etwas anderes ich-bezogenes, sondern vielmehr wenn Du dem Publikum nicht etwas mitteilen möchtest mit Deinem Spiel, dann lass es. Er blieb so lange jung, vor allem young at heart – durch die Jugend! Die Begegnung mit der Jugend, mit dem Cello- bzw. Musik-Nachwuchs, das war sein Lebenselexir!“.

Und sie fährt fort: „Ich erinnere mich noch vor Jahren, als ich ihn nach dem langen Flug abholte am Frankfurter Flughafen, da saß nun dieser berühmte ältere Herr auf einer Bank, ruhte sich aus nach den Anstrengungen des Fluges. Und ich fragte mich dann, wie mag er nur die vor ihm liegende anstrengende Meisterkurs-Woche überstehen. Und dann kam der erste Kurs und er wuchs an Statur und Energie. Es war unglaublich, er war die ganze Woche über so jung. Er hatte Stil und es war für ihn selbstverständlich, dass er während der Meisterkurs-Woche zu jedem Konzert seiner Kollegen, wie er die anderen Cellisten immer nannte, ging, auch wenn er nach einem anstrengenden Tag müde war. Das gehörte sich einfach. Er hatte einen feinen Humor, er lachte gern, er war warmherzig und großzügig, er hatte aber auch einen ausgeprägten Sinn für geschäftliche Belange”. So weit unsere Kollegin Gabriela Denicke.

Oda Cramer von Laue, verantwortlich für Kommunikation bei uns, fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Bernard Greenhouse kam mir immer fast ein wenig „british“ vor – er war einfach der „Grandseigneur“ unter den Cellisten. Sehr offen und menschlich. Sowohl wenn es um Musik, als auch wenn es um andere „weltliche“ Themen ging, kam er immer klar „auf den Punkt“. Ohne dass man interpretieren, raten oder irgendwie zwischen den Zeilen lesen musste, was er meinte“.

Der Autor dieser Zeilen erinnert sich gerne an eine Cello-Meisterklasse 2008 in der Stadthalle Kronberg, als Bernard Greenhouse mit großer Ruhe und Gelassenheit einem 20-jährigen jungen Mann beibrachte, dass das ständige Vibrato keinerlei Anzeichen von Musikalität waren sondern eher ein unbedingt abzugewöhnndes ständiges Zittern der linken Griffhand.  Humor und Wohlwollen sorgten bei dem Schüler für stetige, kleine Fortschritte in jener Stunde.

Bernard Greenhouse hielt in den letzten Lebensjahren viele Meisterkurse in den USA, Kanada und Europa. Und Kronberg im Taunus hat dabei eine durchaus bemerkenswerte Rolle in seinen letzten Lebensjahren gespielt – darauf sind wir alle hier sehr stolz! Die Mitarbeiter der Kronberg Academy werden ihn sehr vermissen.

Michael Heinz

Verein der Freunde und Förderer / Martin Helmchen exklusiv in der Johanniskirche

Dienstag, 30. März 2010

KA Konzert M. Helmchen 03.2010 AM L1021557 Am Samstag Abend, den 27. März gab es ein besonderes musikalisches Ereignis mit dem Berliner Pianisten Martin Helmchen. Aufführungsort war die Johanniskirche in Kronberg.

“Vingt Régards sur l’Enfant-Jésus” von Olivier Messiaen (auf deutsch etwa: 20 Blicke auf das Jesuskind), ein monumentales religiös inspiriertes  Klavierwerk, das als Höhepunkt seines Klavierschaffens gilt, wurde aufgeführt. Ein Werk, das immerhin 2 Stunden die Konzentration der Zuhörer im Bann hält. Religion und Glaube spielten in der kompositorischen Arbeit dieses großen 1992 verstorbenen französischen Komponisten schon immer eine große Rolle.

Was ist zu Martin Helmchen noch zu sagen? Der junge Berliner ist längst kein Unbekannter mehr. “Hier ist eine früh gereifte Musikerpersönlichkeit am Werk, die Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit auf glückliche Weise verbindet”, lobte unlängst die Neue Zürcher Zeitung Martin Helmchen. Mit seinem virtuosen und gleichzeitig unprätentiösen Stil hat sich der 1982 in Berlin geborene Pianist in den letzten Jahren in der internationalen Musikszene einen Namen gemacht. Kammermusik liegt ihm besonders am Herzen – eine Leidenschaft, für die der großartige Boris Pergamenschikow wesentliche Impulse gab. Mit ihm musizierte er 2002 beim viel beachteten Projekt der Kronberg Academy Chamber Music Connects the World. Zu seinen Kammermusikpartnern gehören Gidon Kremer, Christian Tetzlaff, Heinrich Schiff und Julia Fischer, um nur einige Beispiele zu nennen. In Kronberg war Martin Helmchen schon häufiger  zu Gast: 2003 im Rahmen der Kronberger Kammerkonzerte, 2005 beim Cello Festival, wo er mit Danjulo Ishizaka musizierte und zuletzt im April 2009 beim Gedenktag für Mstislav Rostropovich.

Besonders angetan vom Konzert war auch der Fotograf Andreas Malkmus, der neben seiner fotografischen Arbeit an diesem Abend auch noch Zeit fand, die dargebotene Klangwelt Martin Helmchens mit großem Gewinn aufzunehmen. „ Ich war gefesselt von der lebens- und geistvollen Komposition, von Martins Ausdruckskraft und unpathetischem Ernst, von der sinnlichen Wucht des brillanten Flügels in der Kirchenakustik“. In der Tat, eine sehr persönliche Einschätzung.

Die Johanniskirche wurde so zur Bühne für einen sehr anspruchsvollen musikalischen Leckerbissen. Die einführenden Worte wurden von der Frankfurterin Susanne von Tobien gesprochen. Die zahlreich erschienenen Besucher aus der großen Schar der Freunde und Förderer verließen die Johanniskirche erfüllt und angereichert mit den noch nachhallenden Klängen aus der Welt des Glaubens. Wer Lust hat, die fotografischen Eindrücke dieses Abends noch einmal Revue passieren zu lassen, der sei auf unsere Academy Seite bei Flickr verwiesen:  http://www.flickr.com/photos/kronbergacademy/sets/72157623608842765/

Michael Heinz


Cello Festival ¦ Photos from the Workshop with Giovanni Sollima

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Once more: Photos from our workshops.

Cello Festival ¦ Kronberg kleidet sich in Rot ¦ Eine Künstlerbetreuerin berichtet

Dienstag, 20. Oktober 2009

Es ist Ende September und Kronberg kleidet sich in rote Farbe. Es ist nicht das politische Rot der anstehenden Bundestagswahlen, auch nicht das Rot des nahenden Herbstes, nein es ist das Rot, das Raimund Trenkler mit ‘leidenschaftlich’ bezeichnet. Rote Wände decken jegliche Häβlichkeiten zu, wie z. B. Baustellen. Rote Fahnen wehen im Wind, selbst die Stadtbusse schmücken sich damit. Ein roter Teppich, der den Weg durch die Altstadt weist, trägt dazu bei, dass jeder Stadtbürger, jedes Kind und jeder Besucher sich besonders eingeladen fühlt. Die Geschäfte machen auch mit und haben in ihren Dekorationen das Thema Cello und Musik gewählt. Und es scheint sogar die Sonne!

Open-Air-Konzert Der Berliner Platz ist beim Eröffnungskonzert voll gepackt mit hunderten von Besuchern, die mit Cello und Blasorchester, mit humorvoller Musik unterhalten werden, was allen gefällt! Wein und gute Laune fließen. Schon dieser Abend steht im Zeichen von Gemeinschaft und Familie. Obwohl die Kronberg Academy auch ein Elite-Institut ist, um besonders begabte junge Künstler zu fördern, ist sie ebenso eine Einrichtung, die stark von einem starken Gemeinschaftsgeist geprägt ist. Das wird besonders deutlich durch das Team, durch die Leute, die hier mitarbeiten, aus allen Altersklassen, mit verschiedensten Berufen und den unterschiedlichsten Hintergründen. Mittlerweile machen nämlich auch die nun erwachsenen (oder fast erwachsenen) Kinder der Teammitglieder mit, die seit Anfang der 90er Jahre dabei waren.

Konzert in der Naxos-Halle Musik verbindet: Generationen, Klassen, Kulturen und Länder. Wenn das bei der Politik doch genauso leicht der Fall wäre! Vielleicht um dem auf eine neue Art und Weise noch einmal Ausdruck zu verleihen, fand dieses Mal ein Konzert in der Naxos-Halle in Frankfurt statt. Im Tageslicht eine Industriehalle mit Graffiti, kaputten Fenstern, viel Staub und Unkraut – das aber ein Zuhause für so manchen (bildenden) Künstler ist. Ich muss ehrlich sagen, meine Vorstellungskraft strampelte ein wenig mit dem Gedanken, hier ein klassisches Konzert mit erstrangigen Musikern zu spielen! Doch nachdem das Kronberg Academy Team sowie Beleuchtungs- und Bühnenaufbauteams dort einen Tag lang gewerkt hatten, wurde aus der Aschenputtelhalle ein Märchentraum von Atmosphäre: Die Halle war in ein romantisches Licht getaucht, die Bühne ragte über insgesamt 700 gestellten gepolsterten Stühlen. Die zeitgenössische Musik weckte fast mystische Erinnerungen – Geschichten, die diese Halle vielleicht zu erzählen hat und erweckte sie zu neuem Leben. An diesem schönen Spätsommerabend im Kerzenlicht luden kleine, runde Tische im Empfangsbereich und außerhalb der Halle zu einem Glas Wein ein. Wieder wurde eine Brücke geschlagen, wieder gelang es der Kronberg Academy, uns zu überraschen. Die darauf noch folgenden 18 Konzerte, die Workshops und Ausstellungen in dieser Woche übertrafen für mich jegliches „Angebot“ der Vorjahre.

Als Künstlerbetreuerin (nun schon seit über zehn Jahren) weiß ich von den Künstlern selber, dass sie sich in Kronberg immer besonders wohl fühlen. Wenn sie nicht schon direkt fragen, deuten sie zumindest an, dass sie gerne wieder eingeladen werden möchten. Ein besseres Kompliment kann Kronberg ja gar nicht bekommen! Diesen Sommer habe ich auch einmal im Ausland bei einem anderen Musik Festival gearbeitet. Mir wurde wieder so deutlich, dass Kronberg mit seinem Familien- und Gemeinschaftssinn einzigartig ist und dass dies etwas ganz Besonderes ist, das wir nicht aufhören sollten zu schätzen! Damit meine beiden ältesten Kindern auch einmal in den Genuss kommen, werden sie nächstes Jahr zum ersten Mal bei ‘Chamber Music Connects the World’ mitmachen und hoffentlich dabei neue Mitglieder der Kronberg-Academy-Familie werden!

von Isolde James-Griffiths
(Scotland)

Cello Festival ¦ Von null auf hundert in fünf Sekunden ¦ Ein Künstlerbetreuer berichtet

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Von null auf hundert in nur ein paar Sekunden, hieß es während einer Woche Cello Festival an vielen Stellen. Nicht nur Management, Team, Gäste und die Künstler mussten zu Weilen auf Zack sein. Auch die Riege der 21 Künstlerbetreuer war ständig einsatzbereit und wenn es darauf ankam im nächsten Moment am Ort des Geschehens. Der Künstlerbetreuer Jan Philipp Pöter berichtet über eine spannende Woche beim Cello Festival – backstage.

Sonntag, Teamtreffen. Man sieht das erste Mal die Gesichter des circa 40-köpfigen Teams. Für mich, das erste Mal beim Kronberger Cello Festival, nicht leicht, sich auf Anhieb die vielen neuen Namen und Gesichter zu merken. Schnell stellt sich aber raus, dass das relativ junge bzw. junggebliebene Team der Künstlerbetreuer auf der gleichen Frequenz schwingt. Bei einem ersten gemeinsamen Bier in einem der kleinen Restaurants Kronbergs betreiben wir dann das erste Mal Teambuilding und lernen uns kennen.

Montag bis Sonntag, Das Festival. Nach der Einweisung am Sonntag fühlt man sich zwar informiert, aber immer noch etwas unsicher, was die verschiedenen Locations in und um Kronberg, aber auch in Frankfurt angeht. Das Team, das überwiegend aus Künstlerbetreuern besteht, die nicht aus Kronberg kommen, sowie vielen, die das erste Mal dabei sind, findet sich aber schnell zurecht.

Man ist einem oder mehreren Künstlern zugeteilt, die von morgens bis abends zu betreuen sind. Erst einmal vom Flughafen oder Bahnhof abgeholt, startet eine kleine Routine von Mechanismen, die sich jeden Tag wiederholen. Vom engagierten Team wird den Künstlern jeder Wunsch von den Augen abgelesen: Morgens aus dem Hotel zur Probe in die Stadt, mittags zum Essen ins Restaurant, nachmittags zum Ausruhen ins Hotel, abends zum Konzert und zwischendurch parat sein, damit der Künstler seine Spontaneität ausleben kann. Klingt simpel? Ist es auch! ABER – Jeder der schon einmal auf einem Festival gearbeitet hat, weiß, dass es nicht dabei bleibt. Es ereignen sich eine Vielzahl von Variationen oder kleinen Pannen, die zuweilen den Ablaufplan etwas aufwirbeln. Dann ist der Künstlerbetreuer gefragt, der in fünf Sekunden von null auf hundert sprintet, und den Künstler zur verschobenen Probe bringt oder ihn nach einem späten Bier noch um 1.30 Uhr ins Hotel bringt.

Trotz der kleinen Klippen, die plötzlich und unvermittelt aus dem Nebel erscheinen und die es möglichst geschickt zu umschiffen gilt, bietet der Festival-Alltag eine unglaubliche Vielfalt an Aufgaben und Eindrücken, die wirklich Spaß machen. Neben Ansagen des Navis auf der Autobahn: „Bitte schauen Sie in eine Landkarte“ oder den unendlich verwirrenden Parkhäusern des Frankfurter Flughafens, bietet das Festival dem Team einen außergewöhnlich engen Kontakt zu internationalen TOP-Musikern aus der ganzen Welt, die sonst im edlen Ambiente und meist in einem goldenen Käfig à la Royal Opera House oder Wiener Musikverein verkehren, und deren Konzerte kaum zu bezahlen sind. Wir haben sie nun nicht nur „on stage“ gesehen und erlebt, sondern auch als Mensch – im Auto, im Hotel und an der Bar.

Oft ist es jedoch nicht nur der Künstler, um den man sich als Künstlerbetreuer kümmern muss. So manch ein Künstler kommt mit Familie oder anderen Mitbringsel, die besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mal ist es eine schwangere Ehefrau, mal ein Hund von der Größe eines Tennisballes, mal ein fünf jähriges Kind, in jedem Fall aber ein Cello, das wegen seines Wertes von mehreren Zehntausend Euro außerordentlich behutsam behandelt werden muss. All diese spontanen wie auch geplanten Dinge machen den Job als Künstlerbetreuer so spannend.

Die Zeit als Künstlerbetreuer ist aber nicht nur hektisch. Zwischendurch gibt es immer wieder Phasen, in denen man nicht unterwegs ist. In diesem Fall geht man dann zum Bistro. Das Bistro der Stadthalle, dem Herzen des Festivals, hat sich als beliebter und belebter Treffpunkt für Künstlerbetreuer und andere Teammitglieder herausgestellt. Neben einem schnellen Happen werden die letzen News und Pläne aber auch die lustigsten Geschichten ausgetauscht. Einer berichtet von utopischen Geschwindigkeitsüberschreitungen auf dem Weg zu einem dieser unvorhersehbaren Spezialeinsätze, der andere vom Privatleben des Hotel-Doorman, der in vielen Momenten des Wartens ein sehr angenehmer Gesprächspartner für fast alle Künstlerbetreuer war.

Montag, Das Ende. Während das Festival für die meisten Künstler und auch für das Publikum am Sonntag endet, gilt für das Team am Tag danach noch: Abbauen. Aber nicht nur das, sondern auch „Auf Wiedersehen“ sagen. In nur einer Woche lernt man sich gut kennen, verbringt viel Zeit miteinander. Man lernt sich schätzen; wird ein Team. Und dann ist alles vorbei. Von Hundert auf Null in zwei Sekunden.

Cello Festival ¦ Eine Kunst für sich – der Bogenbau

Dienstag, 6. Oktober 2009

Beim Cello Festival treten nicht nur Künstler auf, sondern auch Geigenbauer, Bogenmacher und Zubehörhersteller präsentierten ihre wertvollen Instrumente und Produkte. Geigenbauer bauen nicht nur Geigen, sondern auch Bratschen und Celli. Bogenmacher dagegen bauen nur Bögen – denn Bogenbau ist eine Kunst für sich. Einer der besten und renommiertesten Bogenmacher, auch über die Grenzen Deutschlands hinweg, ist  Jochen Schmidt aus Dresden. Er ließ sich zusammen mit Ekkard Seidl in einer Geigenbau-Werkstatt in der Stadthalle Kronberg bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Während des Cello Festivals nutzte Ingrid Scheuermann die Chance, mit  Jochen Schmidt zu sprechen.

Herr Schmidt, Sie stammen aus einer traditionsreichen Bogenmacherfamilie. Ihr Vater Hans-Karl Schmidt und Ihr Bruder Daniel waren ebenfalls schon häufig in Kronberg. Was bedeutet es Ihnen, in diesem Jahr beim Cello Festival dabei zu sein?
Es ist wichtig, weiterhin Klasse statt Masse zu zeigen und das engagierte Festival fachlich kompetent zu unterstützen.

Was braucht es denn, um einen guten Bogen herzustellen? Holz, Pferdehaare, Fingerspitzengefühl, Zeit …?
Genau diese Dinge! Und Erfahrung.

Was fasziniert Sie daran, Bogenmacher zu sein? Haben Sie jemals den Wunsch gehabt, etwas anderes zu lernen – zum Beispiel Geigenbau?
Es ist ein schönes und vielseitiges Fach. Interessen an anderen Dingen habe ich natürlich, aber um eines richtig zu machen, braucht es volle Konzentration.

Oft hört man davon, dass Musiker, die es sich leisten können, eine speziell auf sie zugeschnittene Geige (bzw. Bratsche, Cello) bauen lassen. Gibt es auch in der Bogenmacherkunst solche Sonderwünsche und wie können Sie diese erfüllen?
Das ist fast normal bei meiner täglichen Praxis, tonliche Wünsche zu erfüllen. Und zwar vor allem, indem ich ein spezielles Holz für den Bogen auswähle.

Vielen Dank für das Interview!

Cello Festival ¦ Slide Show ¦ Impressions of Concerts and Workshops

Sonntag, 4. Oktober 2009

Photos: Andreas Malkmus

KAtalk am 2. Oktober ¦ Zusammenfassung

Freitag, 2. Oktober 2009

Für alle, die heute Vormittag nicht live dabei sein konnten, gibt es hier eine Zusammenfassung des Gesprächs von Hagen Kohn, Ernst Reijseger und Birgit Schmidt-Hurtienne vom Blog Auslassungspunkte – den Twittern besser bekannt als be_es_ha, die sich auch noch in das Gespräch eingebracht hat. Ernst Reijseger fand dabei klare Worte, wenn es um die Ausbildung von Musikern geht. Er hätte noch viel mehr zu erzählen gehabt – nur die angesetzten 30 Minuten waren leider viel zu schnell rum und er musste in die Probe.

VioWorld Herzliche Grüße aus Berlin! Ich freue mich, Sie kennenzulernen – wenn auch nur virtuell.
KronbergAcadem/E.Reijseger einen virtuellen Gruß zurück

VioWorld Sie geben zu Zeit Workshops an der Kronberg Academy. Wie ist die Atmosphäre?
KronbergAcadem/E.Reijseger es war nur ein Workshop. Leider, … Atmosphäre war sehr gut. Ich möchte gerne noch mehr Stunden geben. Erachte das für notwendig

VioWorld Worauf legen Sie besonderen Wert bei der Vermittlung von Musik? Was zählt heute für angehende Profimusiker?
KronbergAcadem/E.Reijseger Weniger Konkurrenz während der Studienzeit. Passion statt “Gymnastik”. Ein breit aufgestelltes musikalisches Weltbild

In puncto Cello gibt es für Studenten viel mehr Möglichkeiten, als das was angeboten wird. Alle lernen dasselbe
Studenten sind überfordert mit dem klassischen Standartrepertoire und haben keine Zeit für eigene Entwicklung und Ideen
Wenn wir ein Konservatorium als Unternehmen ansehen, ist der turn-over. D.h. 1% der Studenten bekommt als Musiker eine Anstellung

VioWorld Sie sind ja ein stilistisch äußerst vielseitiger Künstler – was halten Sie von der Unterscheidung in E- und U-Musik?
KronbergAcadem/E.Reijseger dieses Schubladendenken ist Blödsinn.

be_es_ha Hemmt “klassische” Ausbildung das Talent, zu Improvisieren? Sollte man nicht zuerst Improvisieren lernen? Aber wo?

KronbergAcadem/E.Reijseger ja, @be_es_ha es hemmt jetzt. Improvisation sollte schon längst Teil der Ausbildung sein; an den Musikhochschulen
be_es_ha Vielleicht besser schon an den Musikschulen, wo hoffentlich bald viele Ihrer Schüler die nächste Generation unterrichten

Nochmals vielen Dank an alle Beteiligten!

KAtalk ¦ Hagen Kohn trifft Ernst Reijseger

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Morgen (2. Okt.) ist es soweit. Zwischen 11.15 und 11.45 findet unser dritter KAtalk statt. Dieses Mal unterhalten sich (virtuell) Hagen Kohn und Ernst Reijseger.

Die Erfahrenen unter Ihnen wissen ja bereits, wie’s funktioniert. Für alle Neuhinzugekommenen hier noch einmal eine Erläuterung.

Was verbirgt sich hinter einem KAtalk?

Der KAtalk ist ein Gespräch zwischen einem unserer Twitter-Freunde und einem Cellisten, Bratscher oder Geiger, der in einer engen Beziehung zu uns steht. Im heutige Fall ist es Ernst Reijseger, der im Rahmen des Cello Festivals einen Workshop gegeben hat, in mehreren Konzerten als Solist auftritt und dessen Komposition am Sonntag uraufgeführt wird.

Wie können Sie beim KAtalk dabei sein?

Der KAtalk findet innerhalb von Twitter statt. Hagen Kohn wird Ernst Reijseger Fragen stellen, die er über unseren Account beantwortet. Selbstverständlich dürfen auch andere Follower Fragen an Ernst Reijseger richten. Wenn Sie keinen Twitter-Account haben und dennoch das Gespräch verfolgen wollen, können Sie dies auf der eigens dafür eingerichteten Twitterwall tun. Achtung! Die Fragen und Antworten sind dort immer nur für kurze Zeit zu sehen.

Falls eine Frage Ihrerseits unbeantwortet bleiben sollte, stellen Sie sie hier als Kommentar. Sie wird dann im Nachhinein beantwortet.

Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

von Ulrike Schmid

Gralshüter des wahren, schönen und guten Cellospieles

Donnerstag, 1. Oktober 2009

“Gralshüter des wahren, schönen und guten Cellospieles”  – damit sind wir gemeint. Wer dies gesagt hat und in welchem Zusammenhang – das erfahren Sie in dem heutigen Beitrag auf dem VioWorld-Blog.

Dank an Hagen Kohn und Michael Kasper!

Cello Festival ¦ Interview ¦ Eva Böcker

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Eva Böcker Beim Abschlusskonzert am Sonntag (17.00, 18.30 und 20.00 Uhr, Stadthalle) wirkt das Ensemble Modern in allen drei Teilen mit. Ein Gespräch mit dem Ensemble-Mitglied Eva Böcker, die als Solistin in den beiden Uraufführungen zu hören sein wird.

Frau Böcker, sind Sie zum ersten Mal in Kronberg oder haben Sie bereits an einem der anderen Projekte der Kronberg Academy teilgenommen?
Das ist mein erster Besuch bei der Kronberg Academy und ich freue mich sehr darauf.

Welche Erwartungen haben Sie an das Cello Festival?
Wichtig finde ich, dass die Vielseitigkeit des Cello-Repertoires dargestellt wird. Wo Musiker desselben Instruments aus aller Welt zusammenkommen, gebt es die Chance neu entdeckte Werke aus allen Epochen, aber auch neue Kompositionen vorzustellen. Glücklicherweise ist das Cello-Repertoire in den letzten 50 Jahren enorm gewachsen, und ein Festival wie dieses kann dazu beitragen, Werke bekannt zu machen.

Werden Sie auch Gelegenheit haben, andere Konzerte zu besuchen?
Leider wird es mir in diesem Jahr, unseres vollen Probenplanes wegen, nicht möglich sein, andere Konzerte der Kronberg Academy zu besuchen. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, dies in einem anderen Jahr nachzuholen.

Mit dem Ensemble Modern erarbeiten Sie jährlich 20 Uraufführungen. Am Sonntag wirken Sie als Solistin in zwei Uraufführungen mit. Was bedeuten diese Uraufführung, also die erste öffentliche Aufführung eines Werkes, für Sie persönlich?
Konzerte mit Uraufführungen gehören für mich immer zu den spannendsten Projekten. Ich liebe Überraschungen!

Wie haben Sie sich auf die beiden Uraufführungen vorbereitet? War einer der Komponisten bei den Vorbereitungen/Proben zugegen?
Beide Komponisten sind bei den Proben anwesend. Ich empfinde es als großes Glück, aus erster Hand erfahren zu können, was der Komponist sich vorstellt. Oft kommt es während der Probenzeit noch zu Änderungen in der Partitur …

Das Ensemble Modern ist bekannt dafür, dass ihre Mitglieder alle Projekte gemeinschaftlich organisieren. Wie muss man sich das vorstellen? Führt das nicht auch zu endlosen Diskussionen?
Natürlich gibt es bei 18 Musikern auch häufig 18 verschiedene Meinungen, was zu langen Diskussionen führen kann. Die Tatsache, dass jeder seine Meinung und Ideen mit einbringen kann, wirkt sehr motivierend und führt zu einer großen Vielseitigkeit!

von Ulrike Schmid

PS Wenn Sie Eva Böcker persönlich erleben möchten, können Sie hier Karten für das Konzert bestellen.

Cello Festival ¦ KAtalk ¦ Die Entscheidung ist gefallen

Dienstag, 29. September 2009

Zunächst vielen Dank an alle, die hier oder auf unserer Facebook-Fanseite kommentiert haben und somit den Gesprächspartner unseres nächsten KAtalks bestimmt haben. Die Wahl fiel auf  “den Erfinder” Ernst Reijseger.

Hagen Kohn, den Twitterern unter Ihnen als @VioWorld bekannt vom gleichnamigen Blog wird Ernst Reijseger befragen. Wann genau werden wir in Kürze bekannt geben. Doch soviel ist schon mal sicher – es wird noch in dieser Woche sein und auf keinen Fall am Sonntag. ;-)

Und wenn Sie selbst Fragen haben – nur zu …

von Ulrike Schmid

Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Cello-Finale

Montag, 28. September 2009

Ein furioser Abschluss verspricht das dreiteilige Abschlusskonzert des Cello Festivals am Sonntag, dem 4. Oktober zu werden: Drei Konzerte mit Star-Cellisten, einer Uraufführung, den beiden hoch gelobten und vielfach ausgezeichneten Orchestern Kremerata Baltica und Ensemble Modern sowie Komponisten, die ihre Werke selbst aufführen, darunter der große Krzysztof Penderecki am Dirigentenpult. Das ist das Cello heute!

Auf dem Programm des Orchesterkonzerts, Teil eins, stehen um 17 Uhr die “Kammermusik Nr. 3 für Cello und 10 Soloinstrumente op. 36 Nr. 2″ von Paul Hindemith, das “Konzert für Violoncello und Orchester” von György Ligeti, die Uraufführung des Werks „In contradiction“ für Ensemble und 2 solistische Celli von Saed Haddad.

Ausführende sind: Eva Böcker, Michael M. Kasper, Miklós Perényi, Pieter Wispelwey (Violoncelli), Ensemble Modern, Ilan Volkov (Dirigent)

Im zweiten Teil des Orchesterkonzerts hören Sie um 18.30 Uhr von Michail I. Glinka “Ne iskushay – Versuche mich nicht ohne Not” (Elegie), Peter Iljitsch Tchaikovsky “Net, tol’ko tot – Nur wer die Sehnsucht kennt”, Modest Petrowitsch Mussorgski “Sleza – Eine Träne”,  Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow “Vostochny romans – Östliche Romanze sowie die Rose und die Nachtigall”, Krzysztof Penderecki “Violakonzert” (Bearbeitung für Cello von Boris Pergamenschikow) und von Thomas Demenga „Relations“ – Ein Konzert für 2 Violoncelli und Orchester.

Ausführende sind Patrick Demenga, Thomas Demenga, Danjulo Ishizaka, Mischa Maisky (Violoncelli), Ensemble Modern, Kremerata Baltica, Krzysztof Penderecki, Ilan Volkov (Dirigenten)

Im dritten Teil des Orchesterkonzerts hören Sie um 20 Uhr die Werke „Cello Counterpoint“ für Cello-Oktett von Steve Reich, “Ludus Modorum” von Osvaldas Balakauskas sowie die Uraufführung „E.C.I. – Tell Me Everything“ von Ernst Reijseger.

Ausführende sind Julius Berger, Hyun Berger, Eva Böcker, László Fenyö, David Geringas, Danjulo Ishizaka,
Michael M. Kasper, Ernst Reijseger (Violoncelli), Ensemble Modern, Ilan Volkov (Dirigent)

Das Cello-Finale  findet in der Stadthalle Kronberg statt.

>> Karten für die Konzerte können Sie hier bestellen

von Oda Cramer von Laue und Annette Wittkopf

Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Preisträger-Matinee

Samstag, 26. September 2009

Ausgezeichnet!

Drei hochtalentierte junge Preisträger sind die Solisten dieses Konzerts am Sonntag, dem 4. Oktober um 12 Uhr in der Johanniskirche: Ha-Young Choi aus Korea war gerade erst zehn Jahre alt, als sie vergangenes Jahr gemeinsam mit Dai Miyata aus Japan den Landgraf von Hessen-Preis gewann. Sang-Eun Lee wird im Rahmen des Konzertes von Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels mit dem Ingrid zu Solms- Kulturpreis ausgezeichnet.

Auf dem Programm stehen
Luigi Boccherini: Sonate C-Dur G. 17 für Violoncello und Basso Continuo
Franz Schubert: Einleitung, Thema und Variationen op. 82 Nr. 2
Girolamo Frescobaldi: Toccata (Arr. von Gaspar Cassadó)
Pietro Locatelli: Sonate D-Dur für Violoncello und Klavier
György Ligeti: Sonate für Violoncello solo
Hisatada Otaka: Nocturne

von Oda Cramer von Laue und Annette Wittkopf

>> Karten für die Matinee erhalten Sie hier

Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Blaue Reihe – Virtual Counterpoint

Freitag, 25. September 2009

Unerschöpfliche Energien

Giovanni Sollima „So ein Talent gibt es nur einmal in hundert Jahren“, urteilte sein Kompositionslehrer Milko Kelemen an der Musikhochschule Stuttgart. Aber Giovanni Sollima ist nicht nur Komponist und tief verwurzelt in der musikalischen Kultur seiner sizilianischen Heimat, sondern auch ein mitreißend-temperamentvoller Cellist, der mit eigenen wie mit Stücken vieler Stilrichtungen zu faszinieren versteht. In seinen Kompositionen verbindet er auf faszinierende Weise Elemente aus Klassik, Rock, Jazz und ethnischer Musik zu seinem unverwechselbaren Stil.

Bei seinem Konzert am Samstag, dem 3. Oktober um 22 Uhr wird er in der St. Peter und Paul Kirche die Suite für Cello solo Nr. 4 Es-Dur BWV 1010 von Johann Sebastian Bach, Adriano Banchieris Contrappunto bestiale alla mente,  „In C“ von Terry Riley sowie die Sätze II-VI aus  seiner eigene Komposition Natural Songbook.

von Oda Cramer von Laue und Annette Wittkopf

>> Karten für dieses außergewöhnliche Abendkonzert  können Sie hier bestellen

Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Pièces en concert – Glänzend!

Donnerstag, 24. September 2009

Deborah Hoffman Harfe und Cello – das verspricht ein besonderes Klangerlebnis zu später Stunde zu werden.
Bruder und Schwester, beide vielfach ausgezeichnete und von Musikkritikern hochgelobte Solisten, spielen beim Nachtkonzert in der Johanniskirche: Gary Hoffman, einer der herausragenden Cellisten unserer Zeit, und die Harfenistin Deborah Hoffman, Gewinnerin internationaler Wettbewerbe und ausgewählte Repräsentantin der USA beim First World Harp Congress in den Niederlanden. Sie musizieren gemeinsam, auf ihrem Programm stehen aber auch Solowerke für beide Instrumente.

Gary Hoffman Auf dem Programm stehen:
François Couperin
Pièces en concert
Gabriel Fauré
Une châtelaine en sa tour op. 110 für Harfe solo
Gaspar Cassadó
Suite für Cello solo op. 8
Manuel de Falla
Suite populaire espagnole

Das Nachtkonzert findet am Samstag, dem 3. Oktober um 22.00 Uhr in der Johanniskirche Kronberg statt.

von Oda Cramer von Laue und Annette Wittkopf

>>>> Karten für dieses Konzert können Sie hier bestellen

Cello Festival ¦ KAtalk ¦ Sie haben die Auswahl!

Mittwoch, 23. September 2009

Nur noch wenige Tage sind es bis zur Eröffnung des Cello Festivals mit einem Open-Air-Konzert auf dem Berliner Platz. Doch was wäre ein Cello Festival ohne KAtalk – nicht auszudenken. Da das Cello Festival etwas ganz besonderes ist, haben wir uns für die dritte Auflage des KAtalks (wenn Sie noch nicht wissen, was sich dahinter verbirgt hier die Erklärung) etwas Besonderes ausgedacht.

Dieses Mal dürfen Sie bestimmen, wer von unserer Seite der Gesprächspartner sein soll. Aufgrund der Fülle der Cellisten, die nach Kronberg kommen, haben wir eine kleine Vorauswahl getroffen. Vorab ausgewählt haben wir drei Vertreter der jüngeren Generation sowie zwei Weltstars.

Und diese Herren stehen zur Auswahl:

David Geringas David Geringas – der „Große“ Er zählt seit Jahren zu den ganz Großen seines Faches und wurde für seine Gesamtleistungen als Musiker und Botschafter des Kulturstaates Deutschland mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Ernst Reijseger Ernst Reijseger – der „Erfinder“. Der Jazz-Cellist hat seine ganz eigenen Spieltechniken entwickelt: Pizzicato-Techniken, die auf der Zupftechnik eines (Bass-) Gitarristen basieren, und rhythmische Strukturen, die von Schlagzeugern und Pianisten inspiriert sind.

Claudio  Bohorquez Claudio Bohórquez – der Aufreger. Der ehemalige Schüler von David Geringas und Boris Pergamenschikow wird von Dirigenten, Publikum, Veranstaltern und Kritikern gleichermaßen als eine der aufregendsten und faszinierendsten Musikerpersönlichkeiten seiner Generation gepriesen.

Lászlá Fenyö László Fenyö – der Entdecker. Ein sicheres Stilempfinden und eine enorme technische Brillanz zeichnen László Fenyös aus. Eine reiche Orchestererfahrung und Entdeckerfreude in selten gespielter Sololiteratur vervollständigen sein musikalisches Profil.

Danjulo Ishizaka Danjulo Ishizaka – der Techniker. Er ist phänomenal in seinem technischen Potenzial und begeistert sowohl Publikum als auch Kritiker mit spontaner Klangfarbenphantasie.


Wählen Sie, wer befragt werden soll. Begründen Sie in einem (kurzen) Kommentar unter diesen Beitrag Ihren Wunsch. Alle Kommentare, die bis Montag, den 28. September, 12 Uhr eingehen, werden berücksichtigt. Der Cellist, dessen Antworten, die meisten von Ihnen lesen wollen, wird nächste Woche von einem unserer Twitter-Follower befragt. Die genauen Daten – Tag, Uhrzeit und Name des Cellisten – geben wir rechtzeitig bekannt. Wie immer können Sie – falls Sie keinen Twitter-Account haben – die Unterhaltung über unsere Twitterwall verfolgen.

Wenn Sie selbst Fragen haben, geben Sie sie als Kommentar ein. Wir sammeln sie, leiten sie weiter und stellen die Antworten dann hier ein. Dazu ist es allerdings nötig, dass Sie unter Ihrem realen Namen die Fragen stellen.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

von Ulrike Schmid

Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Mystisch

Mittwoch, 23. September 2009

Kamer Jugendchor

Ungewöhnliche Instrumente und ungewöhnliche Klangkombinationen erwarten Sie  bei Sofia Gubaidulinas „Sonnengesang“ am Samstag, dem 3. Oktober um 20.30 in der Johanniskirche. Schon die Besetzung mit gemischtem Chor, Cello und Schlaginstrumenten ist höchst unorthodox. Dennoch strahlt das Werk, die Vertonung des Lobgesangs des Heiligen Franz von Assisi auf die Sonne, Ruhe und Ernsthaftigkeit aus – ein mystischer Dialog zwischen Cello und Chor. Vielstimmiger Partner von Julius Berger ist der „Kamer…“ Jugend Chor aus Lettland, der mit seinem Gründer und Dirigenten Maris Sirmais alle renommierten Preise gewann, die bei internationalen Chorwettbewerben zu vergeben sind, und das Publikum weltweit zu Begeisterungsstürmen hinreißt.

Für die in der damaligen tatarischen Sowjetrepublik geborene Sofia Gubaidulina sind Musik und Spiritualität untrennbar miteinander verbunden. In den meisten ihrer Werke schafft die christlich geprägte Komponistin Bezüge zu religiösen Themen oder Symbolen. Dabei nutzt sie auch improvisatorische Elemente von Volks- und Ritualmusik aus den russischen, mittel- und ostasiatischen Regionen. Charakteristisch für ihren Personalstil sind die Verwendung von ungewöhnlichen Instrumenten sowie unkonventionelle Klangkombinationen. Letzteres trifft auf „Sonnengesang“ zu, ein Werk auf der Grundlage des berühmten altitalienischen Gebets von Franziskus von Assisi. In Gubaidulinas Komposition stehen Cello und Chor in einem mystischen Dialog miteinander, den das Schlagwerk mit den ätherischen Klängen von Celesta und anderem Schlagwerk kommentiert. „Sonnengesang“ ist aus Anlass des 70. Geburtstages von Mstislav Rostropovich entstanden und wurde im Februar 1998 von ihm in der Frankfurter Alten Oper uraufgeführt.

Mitwirkende:
Julius Berger (Violoncello), „Kamer…“ Jugendchor Lettland (Kammerchor), Andrei Pushkarev, Dmytro Marchenko (Perkussion), Maris Sirmais (Dirigent)

von Dr. Susanne Schaal-Gotthardt und Annette Wittkopf

>> Karten für dieses außergewöhnliche Abendkonzert  können Sie hier bestellen

Cello Festival ¦ Die Konzerte ¦ Buongiorno! – Cello all’italiana

Dienstag, 22. September 2009

Ein italienischer Vormittag mit zwei „modernen Erstaufführungen“ aus dem Barock: Zwei Sonaten des italienischen Komponisten Giovanni Platti, die seit dem 18. Jahrhundert nie wieder gespielt worden sind, werden aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Wachgeküsst werden die schlafenden Schönen am Samstag, dem 3. Oktober um 11.30 in der Johanniskirche von Sebastian Hess mit dem Barockcello und dem Cembalisten Christoph Hammer aus München. Die Italiener Enrico Dindo (Violoncello) und Monica Cattarossi (Klavier) runden das Konzert ab mit einer Sonate des als „italienischer Brahms“ zu seiner Zeit bekannt gewordenen Komponisten Giuseppe Martucci.

Der Vormittag beginnt mit der Sonata quinta für Violoncello und B.c. B-Dur von Giovanni Platti. Zu den vielleicht zu Unrecht vergessenen Künstlern des frühen 18. Jahrhunderts gehört Giovanni Platti, der in Venedig seine Ausbildung genoss, bevor er 1722 mit einer Gruppe italienischer Musiker nach Würzburg an die Residenz des musikliebenden Fürstbischofs von Schönborn kam, wo er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Offenbar erfüllte er die Wünsche seiner Dienstherren, deren einflussreiche Familie in Würzburg und dem nahegelegenen Wiesentheid residierte, zur vollsten Zufriedenheit: Eine Gehaltsliste von 1730 weist ihn als den bestbezahlten Musiker der Kapelle aus. In Würzburg und Wiesentheid gehörte zu seinen vielfältigen Aufgaben die Komposition von Kirchenmusik und Kammermusik ebenso wie der Einsatz als Oboist und Geiger. Offenbar für den in Wiesentheid residierenden Grafen von Schönborn, einen Amateurcellisten, komponierte er eine große Anzahl von Cellowerken, darunter Konzerte, Trios, Duos und Sonaten. Die B-Dur-Sonate ist in einem autographen Manuskript überliefert, das auf das Jahr 1725 datiert ist.

Es folgt die Sonata Prima für Violoncello und B.c. d-Moll von Alessandro Scarlatti, der zu den angesehensten Komponisten seiner Zeit gehörte.  Sein künstlerischer Weg begann in seinen Jugendtagen in Rom, wo er bald einen herausragenden Platz in der musikalischen Hierarchie der Stadt eroberte. Seine Arbeit als Opernkomponist konnte das vom Papst regierte Rom allerdings nicht dulden, und so kam Scarlatti nach Neapel, wo er mit seinen zahlreichen Opern als der Schöpfer der sogenannten „neapolitanischen Schule“ in die Musikgeschichte einging. Wie bei den meisten Opernkomponisten seiner Zeit ist auch von Scarlatti nur sehr wenig Instrumentalmusik erhalten geblieben. Überdies lassen sich viele auch nicht zweifelsfrei als Werke Scarlattis bestimmen. Das gilt auch für die drei Sonaten für Cello und Generalbass, deren Quellen unter seinem Namen in einer Mailänder Bibliothek aufbewahrt werden.

Gegenüber der Zahl von über 500 Konzerten, die Antonio Vivaldi komponiert hat, erscheint die Gruppe von insgesamt
neun erhaltenen Cellosonaten, deren Quellen in drei Bibliotheken in Frankreich, Italien und Deutschland aufbewahrt werden, winzig und unbedeutend. Tatsächlich hat der große Meister des barocken Concerto diese Sonaten wohl auch nie zur Veröffentlichung vorgesehen, sondern nur auf Bestellung für den Hausgebrauch und zum Zeitvertreib von Amateurcellisten komponiert. Die Sonate VIII für Violoncello und B.c. RV 44, die in zwei Abschriften in Neapel und Wiesentheid überliefert ist, ist wohl um 1730 entstanden; in der neapolitanischen Abschrift bestätigen eigenhändige Eintragungen des Komponisten außerdem die Echtheit des Konvoluts. Die Wiesentheider Abschrift war offensichtlich für den Grafen von Schönborn gedacht. Nach dem traditionellen Muster der Kirchensonate aufgebaut (mit der Satzfolge Langsam – Schnell – Langsam – Schnell), sprengt die a-Moll-Sonate mit einem spektakulären zweiten Satz alle Hörerwartungen: Dieser erinnert sowohl rhythmisch als auch melodisch eher an eine Jazz-Nummer als an das Allegro einer barocken Sonate.

Die Matinee endet mit Sonate für Violoncello und Klavier fis-Moll op. 52 von Giuseppe Martucci. Obwohl das Musikleben Italiens im 19. Jahrhundert von der Oper dominiert wurde, versuchte Giuseppe Martucci, ein Zeitgenosse Giuseppe Verdis und großer Verehrer Richard Wagners, seine Landsleute auch für andere musikalische Gattungen zu begeistern. Er war ein erfolgreicher Klaviervirtuose, der den Matadoren wie Franz Liszt oder Anton Rubinstein durchaus das Wasser reichen konnte. Als Dirigent machte er Brahms’ Sinfonik in Italien bekannt, und auch mit seinen eigenen Kompositionen, darunter zahlreiche Klavierstücke, je zwei Sinfonien und Klavierkonzerte, Orchesterlieder, ein Oratorium und Kammermusik, orientierte er sich an der instrumentalen Tradition von Beethoven, Schumann und Brahms. In den vier Sätzen seiner Cellosonate op. 52 wird die Nähe zur deutschen Spätromantik deutlich hörbar und macht verständlich, dass Martucci bisweilen auch der „italienische Brahms“ genannt wurde. Die Sonate wurde übrigens 1884 bezeichnenderweise nicht in Italien, sondern von einem Leipziger Verleger publiziert.

von Dr. Susanne Schaal-Gotthardt und Annette Wittkopf

>> Karten für den “italienischen Vormittag” können Sie hier bestellen

Cello Festival ¦ Solisten ¦ Danjulo Ishizaka

Montag, 21. September 2009

Danjulo Ishizaka

Geboren 1979, studierte der Deutsch-Japaner von 1998 bis 2004 bei Boris Pergamenschikow an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Berlin.

Danjulo Ishizaka gewann u. a. 2001 den 1. Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München und 2002 den Grand Prix Emanuel Feuermann der Kronberg Academy und der UDK in Berlin.

Danjulo lshizaka gastiert regelmäßig bei bedeutenden Festivals wie dem Schleswig Holstein Musikfestival und dem Rheingau Musik Festival, dem Jerusalem Chamber Music Festival, dem Kissinger Sommer und den Osterfestspielen Salzburg. Tourneen führen ihn in alle EU-Staaten, in die USA, nach China, Russland und Japan. Im März 2006 hatte er sein Debut in der Carnegie Hall New York.

Er konzertiert mit Künstlern wie Gidon Kremer, Lisa Batiashvili oder Lars Vogt und renommierten Orchestern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Baltimore Symphony Orchestra, dem NHK Symphony Orchestra und den Wiener Symphonikern unter Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Mstislav Rostropovich und Krzysztof Penderecki.

Danjulo Ishizaka wurde für das renommierte “New Generation Artists scheme” der BBC ausgewählt. Seine bei SonyBMG erschienene Debut CD die er mit dem Pianisten Martin Helmchen eingespielt hat, wurde im Jahr 2006 mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet. Er spielt das ex Boris Pergamenschikow von W. Schnabl erbaute Cello der Kronberg Academy sowie das Stradivari Cello ‚Lord Aylesford’ (1696) von der Nippon Music Foundation.

Danjulo Ishizaka ist im zweiten Teil des Abschlusskonzerts am Sonntag, dem 4. Oktober um 18.30 mit Krzysztof Pendereckis Violakonzert (Bearbeitung für Cello von Boris Pergamenschikow) zu hören.



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