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Erinnerungen an Bernard Greenhouse

Mittwoch, 18. Mai 2011

Die Mitarbeiter der Kronberg Academy trauern um den großen Cellisten Bernard Greenhouse. Er verstarb am 13. Mai in seinem Haus in Wellfleet auf der Halbinsel Cape Cod.

Greenhouse, der zu den Mitbegründern des großartigen Kammermusikensembles Beaux Arts Trio zählte, war ein gern gesehener Gast in der Burgstadt. Viele Male weilte er in Kronberg und war bei unseren Cello Meisterklassen ein begehrter Cello-Lehrer, zuletzt 2008. Obgleich schon gesundheitlich angeschlagen, nahm er die Strapazen der langen Flugreise auf sich, um auch bei den Feierlichkeiten zum Tode von Mstislav Rostropovich im Oktober 2007 teilzunehmen. Mancher Kronberger wird es noch vor Augen haben: im Kronberger Schulgarten wurde feierlich die Rostropovich-Büste enthüllt und bei der anschließenden Feier in der Johanniskirche würdigte Greenhouse in einer emotionalen Ansprache den großen Russen. Viele, die ihn live in unserer Stadt erleben konnten, werden sich an seine enorme menschliche Ausstrahlung und Wärme erinnern.

Welche Erinnerungen haben Kollegen aus unserem Team? Hier zwei Beispiele:

Gabriela Denicke, verantwortlich in der Academy für Sponsoring und Partner, hatte von Anfang die Aufgabe übernommen, Bernard Greenhouse bei seinen Aufenthalten in Kronberg zu betreuen. Sie hat über die Jahre, wie sie selbst sagt, eine Freundschaft mit dem großen Cellisten entwickeln können. Hier ihre Gedanken und Erinnerungen:

„Was mir besonders im Gedächtnis haften blieb ist dies: „Make it simple!. Das sagte er stets den jungen Leuten. Und auch: you have to say something through your music! Damit meinte er, es geht beim Spielen nicht darum, wie wirke ich, oder spiele ich die Noten richtig, oder etwas anderes ich-bezogenes, sondern vielmehr wenn Du dem Publikum nicht etwas mitteilen möchtest mit Deinem Spiel, dann lass es. Er blieb so lange jung, vor allem young at heart – durch die Jugend! Die Begegnung mit der Jugend, mit dem Cello- bzw. Musik-Nachwuchs, das war sein Lebenselexir!“.

Und sie fährt fort: „Ich erinnere mich noch vor Jahren, als ich ihn nach dem langen Flug abholte am Frankfurter Flughafen, da saß nun dieser berühmte ältere Herr auf einer Bank, ruhte sich aus nach den Anstrengungen des Fluges. Und ich fragte mich dann, wie mag er nur die vor ihm liegende anstrengende Meisterkurs-Woche überstehen. Und dann kam der erste Kurs und er wuchs an Statur und Energie. Es war unglaublich, er war die ganze Woche über so jung. Er hatte Stil und es war für ihn selbstverständlich, dass er während der Meisterkurs-Woche zu jedem Konzert seiner Kollegen, wie er die anderen Cellisten immer nannte, ging, auch wenn er nach einem anstrengenden Tag müde war. Das gehörte sich einfach. Er hatte einen feinen Humor, er lachte gern, er war warmherzig und großzügig, er hatte aber auch einen ausgeprägten Sinn für geschäftliche Belange”. So weit unsere Kollegin Gabriela Denicke.

Oda Cramer von Laue, verantwortlich für Kommunikation bei uns, fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Bernard Greenhouse kam mir immer fast ein wenig „british“ vor – er war einfach der „Grandseigneur“ unter den Cellisten. Sehr offen und menschlich. Sowohl wenn es um Musik, als auch wenn es um andere „weltliche“ Themen ging, kam er immer klar „auf den Punkt“. Ohne dass man interpretieren, raten oder irgendwie zwischen den Zeilen lesen musste, was er meinte“.

Der Autor dieser Zeilen erinnert sich gerne an eine Cello-Meisterklasse 2008 in der Stadthalle Kronberg, als Bernard Greenhouse mit großer Ruhe und Gelassenheit einem 20-jährigen jungen Mann beibrachte, dass das ständige Vibrato keinerlei Anzeichen von Musikalität waren sondern eher ein unbedingt abzugewöhnndes ständiges Zittern der linken Griffhand.  Humor und Wohlwollen sorgten bei dem Schüler für stetige, kleine Fortschritte in jener Stunde.

Bernard Greenhouse hielt in den letzten Lebensjahren viele Meisterkurse in den USA, Kanada und Europa. Und Kronberg im Taunus hat dabei eine durchaus bemerkenswerte Rolle in seinen letzten Lebensjahren gespielt – darauf sind wir alle hier sehr stolz! Die Mitarbeiter der Kronberg Academy werden ihn sehr vermissen.

Michael Heinz

Eine Mutter-Tochter Erfolgsgeschichte

Samstag, 23. April 2011

Der Mädchenchor “Shchedryk” aus Kiew zu Gast in Kronberg

In wenigen Tagen wird eine Gruppe von ca. 60 Menschen aus der Ukraine zu uns nach Kronberg reisen. Mit dem Bus. Die meisten Mitfahrerinnen sind junge Damen im Alter von 12- 20 Jahren, allesamt mit glockenklaren Stimmen ausgestattet. Sie sind Mitglieder des berühmten Kinderchors Shchedryk aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Auf Einladung der Kronberg Academy werden sie an unserem Tag für Mstislav Rostropovich am 27. April in der Welthauptstadt des Cello weilen. Und gleich zweimal in der Burgstadt auftreten. Einmal mit drei kurzen Chorstücken an der Büste von Slava, im Kronberger Schulgarten. Zuvor jedoch gibt der Chor unter der Leitung von Frau Marianna Sablina ein eigenes Chorkonzert in der Kirche St. Peter und Paul. Das Repertoire ist breit gestreut. Werke der Renaissance bis zur Moderne werden zur Aufführung kommen. Kronberg darf sich also an diesem Tage auf außergewöhnliche Chorinterpretationen freuen.

Wie kam es zur Gründung des Chors und was sind einige charakteristische Merkmale?

Der Kinderchor Shchedryk Kiew wurde im April 1971 von der bekannten Chorleiterin Iryna Mykolayivna Sablina gegründet. Von Anfang war die Absicht, herausragende musikalische Ergebnisse zu erzielen statt der seinerzeit vorherrschenden Kinderchortradition zu folgen (ganz  im Sinne des damaligen sowjetischen Kindheitsideals). Es war die klare Zielsetzung von Iryna Sablina, die Welt der klassischen Musik möglichst vielen Kindern nahe zu bringen.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt seit der Gründung auf der Aufführung von internationaler Chorliteratur verschiedenster Genres in der jeweiligen Originalsprache. Jenseits ihrer musikalischen Weiterentwicklung lernen die jungen Sängerinnen ebenso andere Kulturen kennen und respektieren.

Der Shchedryk Chor zeichnet sich besonders durch seinen markanten, kristallklaren Klang aus. Er kennt bezüglich des Repertoires keine Grenzen an Komplexität, was selbst Musikexperten immer wieder beeindruckt. Ein unverwechselbares Kennzeichen des Chors ist auch die außergewöhnliche Authentizität der kindlichen Emotionen, die in die Interpretation der Werke mit einfließen.  Obwohl der Chor durch seine interkulturelle Arbeit bereits zu Sowjet-Zeiten eine Annäherung an Europa begonnen hatte, gab es Reisen ins Ausland erst deutlich später als die von anderen Kindergruppen. Kontakte und Zusammenarbeit mit verschiedenen sowjetischen Chören haben das Konzertleben des Chores lebendig und interessant gemacht.

Im Jahre 2004 hat Iryna Sablina die Leitung des Chors an ihre Tochter Marianna übergeben, die mit dem gleichen Feuer und der gleichen Begeisterung die musikalische Mission ihrer Mutter fortsetzt. Seit nunmehr 7 Jahren ist Marianna Sablina mit dem Chor unterwegs und erweitert kontinuierlich das Repertoire von Shchedryk. Ihr Engagement gilt u.a. der „Charity to Children of Chernobyl“. Eine besondere Auszeichnung gab es für den Chor 2005:  Zum ersten Mal in der Geschichte des Internationalen Festivals „ Musica Sacra a Roma“ in Rom wurde 2005 das höchste goldene Diplom an den Shchedryk Kinderchor vergeben.

In Deutschland war der Chor zuletzt im September 2010 beim Beethovenfest Bonn mit dem Vokalwerk “Lulling the Sun” von Giya Kancheli zu Gast.

Wünschen wir allen Kronbergern und unseren Gästen zwei unvergessliche Auftritte am 27. April, am Tag der Verabredung mit Slava.


Michael Heinz

Cello Klänge für Slava

Sonntag, 17. April 2011

Kurz vor dem Start: Begegnung mit einem großen Musiker

In Kronberg steigt die Vorfreude auf besondere musikalische Ereignisse am Tag der „Verabredung mit Slava“ – am 27. April.  In Erinnerung an den großen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich, von seinen Freunden Slava genannt, veranstalten wir nun zum 4. Male einen kleinen Festakt an der Büste des 2007 verstorbenen großen Künstlers. Für Raimund Trenkler und das gesamte Team der Academy ist es ein Herzenswunsch, mit diesem Tag den Geist dieses großen Künstlers und Humanisten wieder lebendig werden zu lassen.  Seine Begeisterungsfähigkeit und seine Lebensfreude waren sprichwörtlich und viele Menschen auf der Welt konnten dies bei seinen Konzerten und bei seinen zahlreichen öffentlichen Meisterkursen – nicht zuletzt in Kronberg- hautnah miterleben.

Das musikalische Rahmenprogramm für den 27. April bringt neben dem Mädchenchor “Shchedryk” aus Kiew (hierüber werden wir separat berichten) zwei anerkannte Cellisten nach Kronberg.

Da ist einmal Rostropovichs letzter Meisterschüler Ivan Monighetti zu nennen. Monighetti, Jahrgang 1948, gebürtig aus Riga/Lettland wird die gute Tradition fortsetzen, nämlich einen Satz aus einer Bachschen Cello-Suite nahe der Büste von Rostropovich zu intonieren ( in den 3 Jahren zuvor taten dies bereits David Geringas, Misha Maisky und zuletzt Natalia Gutman).

Es ist überliefert, dass Monighetti einer der Lieblingsschüler des großen Russen gewesen war. Inspiriert von dem großen Lehrer betrat Monighetti internationale Konzertsäle und begann auch intensiv Musik auf CDs einzuspielen. Hierbei wurde er mehrfach bei verschiedenen Labels weltweit mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Das Schweizer Fernsehen RTSI widmete dem Balten 1999 zwei Dokumentarfilme: “Ritratto a Monighetti” und “Monighetti: storie di famiglia”. Ivan Monighetti lebt zur Zeit in der Schweiz, wo er eine Professur für Cello an der Musik-Akademie Basel bekleidet Als engagierter Lehrer steht er in der Tradition seines Lehrers Mstislav Rostropovich. Einige seiner eigenen Meisterschüler sind international auch bereits anerkannte Künstler-Persönlichkeiten. Im abendlichen Benefizkonzert zugunsten der Rostropovich Cello Foundation werden Ivan Monighettti zusammen mit dem Pianisten Pavel Gililov zu hören sein.

Im 2. Teil dieses Konzerts wird die Kronberg Academy den jungen russischen Cellisten Alexander Buzlov präsentieren, der zusammen mit Anna Naretto am Klavier zwei Werke zur Aufführung bringen wird ( Benjamin Britten´s Sonate in C, op. 65 sowie Rostropovichs Humoreske für Violoncello und Klavier op.5). Alexander Buzlov gewann im November 2010 in Berlin beim international anerkannten Cello-Nachwuchswettbewerb „Grand Prix Emanuel Feuermann“ den Hauptpreis. Der junge Cellist ist Jahrgang 1983, geboren in Moskau und derzeit als Assistent von Natalia Gutman am Moskauer Tchaikovsky Konservatorium tätig. Natalia Gutmann war Schülerin von Rostropovich und so betrachtet, könnte man den jungen Alexander Buzlov auch als “Schüler-Enkel” ansehen.

Seit seinem bemerkenswerten Debüt in der Carnegie Hall von New York im Jahr 2005 verfolgt der junge russische Cellist eine internationale Karriere als Solist und Kammermusiker. Er konzertierte bereits mit namhaften russischen und westlichen Orchestern u.a. unter Leitung von Leonard Slatkin, Yakov Kreizberg, Valery Gergiev, Alexander Vedernikov.

Die Einnahmen dieses Konzerts werden der Förderung junger Cellisten zugute kommen, und damit dem lange verfolgten Ziele Rostropovichs dienen. Rostropovich hatte die Idee zur Gründung einer Stiftung unter der Obhut der Kronberger Academy bereits Mitte der Neunziger Jahre und wollte dem Cellisten-Nachwuchs erweiterte Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Die Rostropovich Cello Foundation existiert seit 1997 unter dem Dach der Kronberg Academy.

Keine Frage, dass wir von der Academy angesichts der Klasse der auftretenden  Cellisten und Begleitmusiker auf ein bestens besuchtes Benefiz-Konzert hoffen.  Mögen alle Zuhörer und Freunde von Rostropovich einen unvergesslichen musikalischen Ausklang in der Kronberger Stadthalle erleben, ganz im Sinne der leidenschaftlichen Begeisterung für Musik, so wie wir dies häufig mit Slava erleben konnten.

Michael Heinz

Interview mit István Várdai – Kronberg Academy Masters

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Gedanken und Impressionen zum Meisterkurs bei Professor Zahkar Bron

Am vergangenen Donnerstag traf ich auf einen unserer Studenten des Kronberg Academy Masters Studiengangs, den jungen István Várdai (Violoncello). Istvan weilte zusammen mit weiteren Studenten des Studiengangs für zwei  Tage in Kronberg, um an Meisterkursen mit Professor Zakhar Bron teilzunehmen.

Am Abend des 9. Dezember gab es Gelegenheit, István Várdai nach seinen Eindrücken zu befragen. Hier seine Antworten:

Istvan Vardai - Violoncello

Michael Heinz: Bevor es los ging am gestrigen Mittwoch, wie waren Deine Erwartungen an den Meisterkurs mit Zakhar Bron?

István Várdai: Nun, Ich hatte keine Angst, aber es gab eine gewisse Spannung in mir, denn ich wusste, dass Professor Bron sehr streng ist. Und dann dachte ich wiederum, dass es ein sehr spannender Nachmittag werden könnte.

MH: Was hattest Du von Ihm schon gehört bzw. gewusst?

IV: Na ja, das er halt sehr streng ist und auch, dass er sein sehr guter Pädagoge sein muss!

MH: Wie ist es nach dem Meisterkurs gewesen?

IV: Ich war sehr erleichtert, und vor allem, ich habe diverse Anregungen bekommen. Er hat auch bei mir geschimpft. Was mir die anderen Studenten schon vorher gesagt hatten, war etwas tröstlich: je mehr er das Gefühl hat, dass bei einem Solisten Potenzial vorhanden ist, desto strenger wird seine Kritik, und sie kann heftig werden! Ja, ich habe wichtige Anstöße bekommen und habe einen  klareren Blick bekommen, technisch und musikalisch. Professor Bron betonte immer wieder, auf den Komponisten und auf die Textur des Stückes zu achten. Er hat es mit einem Beispiel belegt, bei einer Crescendo-Passage muss es in diesem Werk nicht bedeuten: lauter werden, sondern es soll heißen, sich mehr zu öffnen.

MH: Wie hat er unterrichtet als Violin-Lehrer – aus der Sicht eines Cellisten, was ist Dir besonders aufgefallen, wovon konntest Du sehr profitieren?

IV: Professor Bron vermittelt Einblicke jenseits der Beherrschung des spezifischen Instruments. Denn, wie er hinzufügte, Cellisten denken sehr „cellistisch“! Er betont den Blick auf die musikalischen Strukturen, unterstreicht, dass man die Komposition ganzheitlich erfassen muss, die Textur sei maßgeblich. Und er unterstreicht ferner, dass er eben kein Cellist sei und dass er eine Brücke bauen wolle. Auf diese Art und Weise hilft er aus meiner Sicht sehr  sehr gut, die Unterschiedlichkeiten der Streichinstrumente zu überwinden. In Bezug auf das Verständnis der Komposition sei es egal, ob man als Cellist oder Geiger herangeht. Das ist natürlich sehr hilfreich.

MH: Welches Stück habt ihr geübt..?

IV: Wir haben das 1. Cellokonzert von Shostakovich gespielt , daraus den 2. und 3. Satz

MH: Hattest Du dieses Stück schon einmal zuvor öffentlich gespielt oder sogar schon des öfteren…?

IV: Ja einige Male, beim Tchaikovsky Wettbewerb, dann auch bei Konzerten. Das ist aber schon lange her.

MH: Was ist das besonders Schwierige an diesem Stück?

IV: Technische Probleme einerseits, aber auch das Verstehen der Textur. Shostakovich hat persönliche Erfahrungen des Krieges, der Kälte, der Düsternis in Musik verwandelt, dies klanglich angemessen umzusetzen, ist eine echte Herausforderung! Man muss versuchen, das Werk im Grunde auf einer metaphysischen Ebene zu erfassen. Das ist wirklich nicht leicht.

MH: Hattest Du Gelegenheit, seine Arbeit mit den jungen Violin-Solisten mit zu verfolgen – wie ist Dein Eindruck dazu?

IV: Ja, das hatte ich. Ich habe dies mit großem Interesse verfolgt. Und dabei bemerkt, dass wir alle mehr und minder mit denselben Problemen in dieser Phase unserer Entwicklung zu tun haben. Und was ich noch anmerken wollte, alle Studenten des Kronberg Academy Masters haben ja zwischenzeitlich auch eine Schulung in Sachen Alexander-Technik absolviert.

MH: Wie ist es eigentlich, wenn während eines Meisterkurses die anderen jungen Solisten unter den Zuhörern sind, wie bei Dir geschehen?

IV: Gar nicht so schlimm, alle waren wohlwollend. Jeder wünscht dem anderen nur das Gute, und wenn geschimpft wird, da leidet man dann mit!

MH. Was sind Deine nächsten wichtigen Lernschritte, wie geht es weiter bei Dir?

IV: Ich bin in Kürze mit einem weiteren Meisterkurs bei Frans Helmerson dabei -  noch im Dezember. Dann gibt’s erst einmal eine Pause. Und ich habe bereits die erste Konzert-Verpflichtung für einen Auftritt im dänischen Odense, im Januar 2011. Und dann möchte ich mich weiter in meiner neuen Heimat in Berlin, wo ich im Bezirk Wedding seit ein paar Monaten lebe, akklimatisieren. Die Stadt ist so groß und bietet viele Konzerte und Veranstaltungen. Was mir aber besonders wichtig ist: Ich möchte künftig mehr wichtige Prinzipien beachten, auch das habe ich vom Meisterkurs mit Professor Bron mitgenommen. Er hat mich für diese Dinge sensibilisiert. Eines hat zu tun mit den eigenen Ressourcen. Ich habe mir vorgenommen, im neuen Jahr mit meiner Kraft und meiner Zeit ökonomischer und klüger umzugehen, nicht mehr so viele Konzerte geben: Im letzten Jahr waren es an die 50, das werde ich in diesem Jahr nicht wiederholen.

MH: danke für dieses Gespräch und alles Gute für Dich im neuen Jahr!

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In diesem Interview wurde mehrfach der Begriff Textur verwandt, wie ist dieser Begriff in der Musik definiert? Die folgenden Erläuterungen mögen ein wenig hilfreich sein.

Es handelt sich im deutschprachigen Raum, insbesondere in der Computermusik, um ein musikalisches Muster, das durch Aneinanderreihung von Variationen eines Motivs entsteht.

Im englischsprachigen Raum wird der Begriff viel umfassender definiert und zwar nicht nur in Bezug auf Computermusik:  In music, texture is the way the melodic, rhythmic, and harmonic materials are combined in a composition, thus determining the overall quality of sound of a piece.

Michael Heinz

Der Lehrer und Pädagoge (2) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 11. November 2010

Feuermanns immerwährendes Credo: ein singendes Cello

Emanuel Feuermann - beim Intonieren

Im vorherigen Blogbeitrag hatten wir uns mit den Vorstellungen Emanuel Feuermanns zum Thema Lernen und Üben befasst.

Jetzt sollen mehr die  künstlerischen Qualitäten des Cello-Spiels aus seiner Sicht beleuchtet werden. Es sei nochmals in Erinnerung gerufen, dass in den Augen vieler berühmter Musiker-Zeitgenossen die Meisterschaft im Cello-Spiel durch Feuermann ungeahnte Höhen erlebte. Zur Verdeutlichung ein Zitat des ungarischen Cellisten Janos Starker über ihn:

“I place him as the most important figure for 20th century cello playing . . . . [While] Casals was responsible for establishing cello playing of the modern age, [it was] Feuermann who showed us the way to the next development. The cello was no longer an instrument to be excused because of its difficulty. He overcame all the difficulties which before his time were considered almost invincible obstacles.”

Die Beherrschung des Cellos

“It is surprising how few rules and principles there are and still more surprising how completely they change the entire style of playing. Believe it or not, my dear friend, the really outstanding string players, whether Kreisler, Casals, or Heifetz, are similar to each other in the way they use their muscular systems and handle their instruments and bows. The main differences lie in their different personalities, talents, and ideas, and only to a very small extent in their techniques, for which, again, physical differences are accountable.

Very simply, these rules are not demanded of the performer, but demanded by the instrument. Please understand this point thoroughly, because this is the basic fault of your approach. You have to know your instrument, cello and bow and how to handle them, the demands of the music and your mental and physical abilities and weaknesses to be able to recognize your mistakes, the inadequacies in your playing and to try to correct them. Analysis, patience, and endurance are the main requirements for your development.

One small example: when a cellist plays fast detache notes on the lower strings, you can hardly speak of the sound he produces, rather, you could call it a scratchy noise. The reason? You can only get a good sound from a string if it vibrates. Bring the string to vibration and one of the worst handicaps of the cello disappears. A very simple fact, certainly not a miracle, easy to remedy, yet still not recognized as the source of one of the ugliest and most prevalent ills of cello playing”.

Keine Note ohne Ausdruck und Artikulation

“As in a written sentence the only guidelines are the single words, commas, periods, question marks, etc., so in music notation we have only the bar lines, the bowings, the pitch and length of the single notes, and expression marks (accents, crescendi, etc., play quite a special role). What meaning can there be in a story recited in a monotone? Very little. The words may be recognizable, but there will be little real sense.

When you played for me, I showed you how little attention you have given to this way of looking at music, to this kind of approach, the most important one for a performer that I know of. Of course, partly by chance, partly because we have more to lean on in musical notation than in language, and partly because you have a musical education outside of cello playing, and lastly because one cannot practice and play for years without achieving something, you quite often understood the meaning of the music.

Let me try to explain to you what I mean by approach. Except for groups of fast notes where a given number of notes are one single rhythmical unit, there is not a note in music that should be played without expression or articulation. It can be compared to speaking, in which every syllable has its rhythm and phrasing within a sentence, according to its desired meaning. So, every note must be played according to the intended expression within the musical phrase”.

Musikalität und Spieltechnik

“Here technique, there musicality – an ancient comparison which is senseless and has done great damage to the perfection of playing. There should be a three-part division: mechanism, musicality, and technique, which when used musically is the mechanism.

What should the goal be for a performer, that is for the interpreter of a composition, i.e., the musical expression of another person? To interpret as closely as possible the composer’s intentions, at least what the player believes are his intentions. How can one best accomplish this goal? First one should recognize this goal as such and then control the means that are absolutely necessary for its accomplishment.

In my opinion, a war exists between technique and musicality. It brings with it only confusion, and makes a great performance virtually impossible. If one understands that by musicality is meant that one recognizes the intentions of the composer, then the other half of the term-”technique”-can be explained as possessing the real means necessary for bringing these intentions to fruition……. virtuoso includes: the greatest ability, respect for a piece of art, and the ability to fit one’s personality to the art work. How many of us have this? How many of us believe we have it, and are mistaken about it? And how many could have it if they were guided properly during their development?”

Persönlichkeit und Interpretation

“We must make it clear to ourselves that it would do great harm to Beethoven’s music if each musician were allowed to maintain the essentiality of his own personality for the shaping and molding of Beethoven.

This arrogant attitude does great damage to both music and public. The personality cannot be excluded, but the musician must try to live up to the composer and not bring the composer down to his level. We must take it for granted that of the two, the composer is the greater. The goal which I consider as the most important for the player is: abandon vanity, and ability, if there is any thought behind it at all, will come forth”.

In dieser Blog-Reihe zum Grand Prix  Emanuel Feuermann sind bereits erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Geigenbauer lässt die Späne fliegen

Dienstag, 18. Mai 2010

Bei Ekkard Seidl fliegen die Späne. Vornüber gebeugt bearbeitet er mit einem Meissel ein schon zurecht gesägtes Holzteil in der äußerlich erkennbaren Form einer Violine. Die Ausarbeitung der Wölbung geschieht mit Meissel, Hobel und Ziehklinge, so erzählt er mir. Es macht Spaß, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Ekkard Seidl bearbeitet ein Stück Bosnischen Bergahorn (muß mindestens 15 Jahre gelagert werden, bevor man ihm zu Leibe rücken darf). Holz ist für unseren vogtländischen Geigenbaumeister ein Naturstoff mit Leib und Seele. Wie produktiv ein Mann sein kann zeigen diese Zahlen: cirka 10 Musikinstrumente pro Jahr stellt er fertig. Ein jedes wird sorgfältig nach den höchst individuellen Vorstellungen eines Musikers – seiner Kunden – entworfen. Im Schnitt setzt er 200 Arbeitsstunden für eine Geige ein, für eine Bratsche oder ein Cello entsprechend mehr. Der gesamte Prozess der Produktion eines Instruments erstreckt sich über ungefähr 3 Monate. Von seinen angefertigten Instrumenten entfallen etwa 60% auf moderne Modelle, ca. 40% auf barocke Modelle.

Seine Engagement und seine Liebe zu dieser Handwerkskunst haben ihm auch die Impulse für so manche Speziallösung gegeben, und einiges davon ist patentiert. Zusammen mit Bogenmachermeister Daniel Schmidt zieht er Musiker und Besucher immer wieder in seine mobile Werkstatt am Ende des Foyers der Kronberger Stadthalle. Heute beispielsweise war hoher Besuch in der Werkstatt. Die berühmte Geigen-Professorin und Solistin Edith Peinemann, derzeit Präsidentin der ESTA, hatte einige Wünsche für Ekkard Seidl mit im Gepäck

Stets gut aufgelegt und bereit zu einem Schwätzchen rund um Geigen, Bratschen und Cello schwärmt er sehr gerne auch vom heimischen Vogtland und den dortigen etwa 150 Meisterbetrieben, die alle Musikinstrumente eines Orchesters umfassen (außer Tasteninstrumente). Einmalig in der Welt, so verkündet er mit stolzerfüllter Brust. Das sächsische Vogtland als größtes  Zentrum der Musikinstrumentenproduktion der Welt ( auch der Musikwinkel geannt), wer weiß das schon!

Ekkard Seidl ist ein bodenständiger Mann. Seit gut 15 Jahren kommt der in Leipzig geborene Geigenbaumeister nun nach Kronberg und belebt bei hiesigen Großveranstaltungen der Kronberg Academy mit seiner mobilen Werkstatt die Atmosphäre auf eine ganz handgreilfliche Art. Viele kennen ihn bereits. Musik spielt natürlich eine riesige Rolle in seinem Leben. Herr Seidl freut sich über drei besondere Jubiläen, die dieses Jahr anstehen. Einmal sein 25-jähriges Berufsjubiläum, dann 333 Jahre existiert die Berufsinnung der Geigenbauer im vogtländischen Markneukirchen und schließlich feiert diese Stadt ihr 650-jähriges Bestehen.

Zum Schluss meines kurzen Besuches erzählt er mir noch von der Riesengeige, die derzeit in Markneukirchen fertig gestellt wird. Zum Stadt-Jubiläum soll sie pünktlich am 6. Juni der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Idee geht auf ihn zurück. Mit weiteren Innungsbetrieben erstellen die örtlichen Handwerksbetriebe unter seiner Führung das Prachtstück. Da darf man gespannt sein, welche Töne sie von sich geben wird. Mögen prächtige Klänge dieser monumentalen Geige den Äther rund um das Städtchen Markneukirchen erfüllen – und vielleicht bis Kronberg hallen.

Michael Heinz

KAtalk ¦ Johannes Reiss trifft Julian Arp

Montag, 17. Mai 2010

Bereits zum fünften Mal wird heute Nachmittag, Montag,  17. Mai 2010, zwischen 17 und 18 Uhr unser legendärer KAtalk stattfinden.

Heute Nachmittag treffen dann in einem Twitter-Interview Johannes Reiss, Direktor des Österreichischen Jüdischen Museums, der seit unserem letzten KAtalk zu unseren virtuellen Freunden zählt, und Julian Arp aufeinander. Außer einem Twitter-Account betreibt das Österreichische Jüdische Museum das lesenswerte Blog Koschere Melange und ist auch mit einer Fan-Seite bei Facebook präsent.

Was verbirgt sich hinter einem KAtalk?

Der KAtalk ist ein Gespräch zwischen einem unserer Twitter-Freunde und einem jungen Talent, das bei uns an einem der Kammermusikprojekte oder an einem Meisterkurse teilnimmt. Im heutigen Fall ist es Julian Arp, der derzeit an “Chamber Music Connects the World” teilnimmt.

Wie können Sie nun beim KAtalk dabei sein?

Der KAtalk findet innerhalb von Twitter statt. Johannes Reiss wird Julian Arp Fragen stellen, die er über unseren Account beantwortet. Selbstverständlich dürfen auch andere Follower Fragen an Julian Arp richten. Wenn Sie keinen Twitter-Account haben und dennoch das Gespräch verfolgen wollen, können Sie dies auf der eigens dafür eingerichteten Twitterwall tun. Achtung! Die Fragen und Antworten sind dort immer nur für kurze Zeit zu sehen.

Falls eine Frage Ihrerseits unbeantwortet bleiben sollte, stellen Sie sie als Kommentar. Sie wird dann im Nachhinein beantwortet.

Und für alle, die nicht dabei sein können, wird es morgen hier an dieser Stelle eine Zusammenfassung des Gesprächs geben.

Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Hier finden Sie die Beiträge zu den vergangenen vier KAtalks.

von Ulrike Schmid

Junge Solisten ¦ 5 Minuten mit Benedict Kloeckner

Freitag, 18. Dezember 2009

Der Cellist Benedict Kloeckner wurde im Oktober dieses Jahres in unseren Studiengang “Kronberg Academy Masters” aufgenommen. Wie es dazu kam und welche Erwartungen er an den Studiengang hat, hat er mir in einem kurzen Interview erzählt.

Benedict Kloeckner1. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie als Junger Solist in den Studiengang aufgenommen wurden?
Seit 2004 habe ich regelmäßig an den Meisterkursen und am Festival der Kronberg Academy teilgenommen und wurde von so renommierten Lehrern wie David Geringas, Ralph Kirschbaum, Michael Sanderling, Frans Helmerson, Julius Berger  und Bernhard Greenhouse unterrichtet. Es war für mich eine großartige Möglichkeit in sehr kurzer Zeit eine Fülle von Inspiration und künstlerischen Erlebnissen zu bekommen. Es wurde mir manchmal erst im Nachhinein bewusst, wie sehr mich mancher Lehrer und manches Konzert inspiriert und mein persönliches Spiel weitergebracht haben.

2. Welche Erwartungen haben Sie an den Studiengang?

Ich hoffe, dass sich meine künstlerische Entwicklung dank der sehr individuellen, maßgeschneiderten Förderung und Betreuung durch die Kronberg Academy, sowie den Unterricht bei Prof.Frans Helmerson weiter positiv entfalten wird. Ich verspreche mir inspirierende Begegnungen mit Musikerpersönlichkeiten, die mir wichtige Impulse für mein Spiel geben können.

3. Sie hatten einen Workshop bei Gidon Kremer. Wie müssen sich unsere Leserinnen und Leser so einen Workshop vorstellen?
Es war ganz sicher kein normaler Workshop, sondern eher ein Interpretationskurs im besten Sinne, oder wie Gidon Kremer sich ausdrückte ein Dialog. Alle Teilnehmer wurden ermutigt ihre Meinung frei zu äußern, da Herr Kremer immer wieder auch betonte, dass er durchaus auch irren könne, dass sein Urteil eben auch seine persönliche Meinung sei, die allerdings stets den Nagel auf den Kopf traf. Er beurteilte nicht nur das rein Handwerkliche des Musikstückes, sondern besonders die musikalische Aussage des Interpreten. Wirklich erstaunlich war dabei seine faszinierende Beobachtungsgabe mit der er sehr präzise die Stärken und Schwächen des jeweiligen Spielers erkannte und diese sehr offen zur Diskussion stellte.

Stets mahnte er, dass die Bravour des Handwerks mit der intellektuellen und emotionalen Notwendigkeit der Komposition zu verbinden sei. Er vermittelte uns die Notwendigkeit eines geistig und emotional gleichermaßen überzeugenden Spiels, in dem nicht nur schöne Passagen aneinander gereiht werden, sondern eine packende Geschichte erzählt wird. Er ermutigte uns in jeder Komposition nach neuen Klangfarben und Horizonten zu suchen, und sich dabei durchaus von angrenzenden Künsten wie Malerei und Literatur inspirieren zu lassen.

Sehr interessant waren auch die Geschichten eines an außergewöhnlichen Erlebnissen reichen Künstlerlebens, die Gidon Kremer abends beim gemeinsamen Essen im kleinen Kreis erzählte.

Die Stimmung des Kurses war sehr anregend, jeder Spieler gab sein Bestes und konnte sich einer äußerst aufmerksamen Zuhörerschaft sicher sein, die anschließend in einer lebhaften Diskussion die Interpretation diskutierte.

Es war für mich ein äußerst erhebendes und inspirierendes Erlebnis mit solch einem großen Künstler so intensiv arbeiten zu dürfen.

Vielen Dank für das Interview und den interessanten Einblick in einen Workshop mit Gidon Kremer.

von Ulrike Schmid

Starting Signal for the Grand Prix Emanuel Feuermann 2010

Dienstag, 15. Dezember 2009

Celli

Kronberg Academy and the Domenico Gabrielli Foundation at the Berlin University of the Arts (UdK Berlin) are together organising the third Grand Prix Emanuel Feuermann competition. The international cello competition is open to cellists of any nationality who were born in or after 1982. We are proud that Daniel Barenboim take the patronage of this event. From 16 to 21 November 2010, the third Grand Prix Emanuel Feuermann cello competition will be held in Berlin’s Philharmonie.

The international competition is organised once every four years by Kronberg Academy and the Domenico Gabrielli Foundation at the Berlin University of the Arts (UdK Berlin). It was first held in 2002 to mark the 100th anniversary of Emanuel Feuermann’s birth. The event is held in memory of the great artist and its aim is to help to discover and provide support for talented young cellists.

Emanuel Feuermann is said to have been one of the best cellists of the twentieth century. Alongside his career as a professional musician, he taught at the Berlin Academy of Music – now the Berlin University of Arts – for several years before emigrating in 1933.

Sophie Feuermann, Emanuel Feuermann’s sister and pianist, and his widow, Eva Feuermann-Lehnsen, have given Kronberg Academy the exclusive right to use the great cellist’s name for the competition. In November 2002 they travelled back from New York to Berlin for the first time in order to attend the first presen tation of the Grand Prix Emanuel Feuermann.

The competition’s patron, Daniel Barenboim, was on hand to present the awards to the winners of the Grand Prix Emanuel Feuermann in 2002 and in 2006, Danjulo Ishizaka and Giorgi Kharadze.

Competitors, application, schedule, venue and programme etc. please have a look at the Homepage.

Cello Festival ¦ Kontrapunkte lautet das Leitmotiv des neunten Cello-Festivals

Dienstag, 16. Juni 2009

Unser neuntes Cello-Festival, das vom 28. September bis 4. Oktober 2009 stattfindet, wirft seine Schatten voraus. Wir haben es unter das Leitmotiv “Kontrapunkte” gestellt, denn in 20 Konzerten und neun Workshops will es ausloten, wozu ein Cello so alles imstande ist – und dazu gab und gibt es im Laufe der Jahrhunderte und auf der ganzen Welt ganz unterschiedlich Ideen und Geistesblitze, die hier einander gegenüber gestellt werden.

Im Gegensatz zu den meisten früheren Cello-Festivals rankt sich das diesjährige also nicht um eine Künstlerpersönlichkeit und deren Lebenswerk, sondern wirft vielmehr ein Licht auf die große Vielfalt cellistischer Ausdrucksformen. So stehen nicht nur klassische Stücke auf dem Programm, sondern auch Werke, die dem Samba, Bossa Nova und Jazz zuzuordnen sind. Von den „Klassikern“ wiederum werden wir nur wenige der großen und bekannten Werke hören (wie das C-Dur Konzert von Joseph Haydn zum Haydn-Jahr), dafür aber auch hier viel Außergewöhnliches, von Entdeckungen aus der Alten Musik bis hin zu spannenden Erst- und Uraufführungen. Mit einem „Platzkonzert“ unter freiem Himmel (und bei freiem Eintritt), dem Cellokonzert von Friedrich Gulda, fängt übrigens alles an. Und wie ein blauer Faden zieht sich durch das gesamte Festival eine “Blaue Reihe”, in der uns an sechs Abenden zu später Stunde vieles erwartet, was man vom Cello sonst nicht so kennt – Originelles, Gewagtes und Improvisation.

Was nicht neu ist: Es wird atemberaubend, immer wieder finden Veranstaltungen zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten statt! Die Liste der Künstler, die zu dem Festival unter der Schirmherrschaft von Marta Casals Istomin nach Kronberg kommen liest sich wie ein Who is who nicht nur der Cello-, sondern der gesamten Musiker-Elite: Julius Berger, Claudio Bohórquez, Enrico Bronzi, Lars Danielson, Patrick und Thomas Demenga, Enrico Dindo, László Fenyö, David Geringas, Sebastian Hess, Gary Hoffman, Danjulo Ishizaka, Steven Isserlis, Gidon Kremer, Jens Peter Maintz, Mischa Maisky, Lily Maisky, Dai Miyata, Jaques Morelenbaum, Krzysztof Penderecki, Miklós Perényi, Ernst Reijseger, Giovanni Sollima, Ilan Volkov, Pieter Wispelwey, Frank Wolff, sowie das Ensemble Modern und die Kremerata Baltica.

In öffentlichen Workshops werden Jaques Morelenbaum, Ernst Reijseger, Thomas Demenga, Pieter Wispelwey, Julius Berger, David Geringas, Gary Hoffman, Patrick Demenga Giovanni Sollima im Zeitraum vom 30. September bis 3. Oktober junge Cellisten unterrichten.

Details zu den einzelnen Konzerten finden Sie auf unserer Internetseite und selbstverständlich werden wir Sie auch hier auf dem Laufenden halten.

Oda Cramer von Laue

Grand Prix Emanuel Feuermann

Dienstag, 24. Februar 2009

Eigentlich könnte man denken mit den erstmals stattfindenden Geigen Meisterkursen im Mai dieses Jahres und dem Cello Festival im Oktober hätten die Projektleiter bei uns genug zu tun, doch schon sitzen wir an den Vorbereitungen zu Chamber Music Connects the World im Mai 2010 und zum dritten Grand Prix Emanuel Feuermann im November 2010.

Die beiden öffentlichen Finalrunden des Wettbewerbs werden voraussichtlich in der Zeit vom 16. bis 21. November 2010 in Berlin stattfinden. Der Grand Prix Emanuel Feuermann, findet alle vier Jahre immer im November im Zeitraum um den Geburtstag des großen Cellisten Emanuel Feuermann am 22. November in Berlin statt. Der Wettbewerb wurde 2002 anlässlich Emanuel Feuermanns 100. Geburtstag ins Leben gerufen und wird gemeinsam von der Kronberg Academy und der Universität der Künste organisiert.

2006 durfte ich ihn gleich einen Monat nach meinem Start bei der Kronberg Academy als das erstes Projekt hautnah miterleben und dabei Berliner Musikluft atmen und die Spannung eines Wettbewerbs erstmals hautnah erfahren. Viele der Cellisten sind mir seitdem immer wieder begegnet – einige als junge Solisten des Kronberg Academy Masters.

Nun bereite ich selbst den nächsten Wettbewerb vor – es ist sehr schön und spannend mit den verschieden Partnern in Kontakt zu treten – Philharmonie, Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Medienpartnern, Orchestern, Jurymitgliedern (wird noch nicht verraten wer es ist). Manchmal ist es gar nicht so leicht von Kronberg aus alles in Berlin im Blick zu haben, aber dank unseres eingespielten Teams ist es immer wieder möglich, gilt es doch mit den von uns mit organisierten Meisterkursen in Seoul (Korea) noch viel weitere Distanzen zu überwinden!

Mehr Informationen zum Grand Prix Emanuel Feuermann findet man auch auf unserer Website. Ich hoffe, hier schon bald mehr über das Cello Festival in diesem Jahr erzählen zu dürfen, denn wir bekommen im Moment schon sehr viel Anfragen zu mitwirkenden Cellisten, Programmen, Daten, …

Mareile Zürcher

Entstehungsgeschichte ¦ Exkurs: Über den Wolken

Freitag, 13. Februar 2009

Es war im Jahre 1992 als Raimund Trenkler mit dem Cellissimo-Ensemble in Asien auf Tournee war. Um das nicht gerade üppige Honorar, dass die fünf jungen Cellisten für ihre Auftritte erhielten, nicht für unnötige Reisekosten weiter zu schmälern – gemeint sind die Celli, die normalerweise als weitere „Personen” hätten gebucht werden müssen – hatten sie stets bei all ihren Flügen versucht, die Stewardessen davon zu überzeugen, ihre Celli „quasi unterm Arm” mit ins Flugzeug zu nehmen. Meist hatten sie damit auch Erfolg. Welche Stewardess kann schon dem geballten Charme von fünf jungen Herren widerstehen? Nur an jenem Tag, als sie von Seoul nach Frankfurt zurück wollten und mussten, half kein Bitten – die Maschine war sowohl in der Economy als auch in der Business Class bis auf den letzten Sitz ausgebucht. Was tun? Termine in Deutschland zwangen sie dazu, dass sie und ihre Instrumente mit dieser Maschine mitkamen.

Da kam Raimund Trenkler die Idee, sie könnte ja für die Passagiere der First Class das „höchste Konzert” aller Zeiten geben und als Gegenleistung werden ihre Instrumente kostenlos mitgenommen. Dem Kapitän gefiel diese Idee so gut, dass er sich nicht nur auf diesen Vorschlag einließ, sondern sogar noch etwas höher flog als gewöhnlich, damit es auch wirklich das “höchste Konzert aller Zeiten” wurde. Das Konzert wurde während des Flugs wiederholt und sogar in die zweite Klasse übertragen.

Da Flugpersonal, Passagiere und die Cellisten selbst so viel Spaß bei diesen Konzerten hatten, kristallisierte sich bei den Musikern, allen voran unserem künstlerischer Leiter die Idee heraus, Cellisten an einem Ort zusammenzubringen und ein „Familienereignis” in Form des gemeinsamen Musizierens zu machen. Denn, wenn schon das Musizieren zu fünft so viel Freude bringt, wie müsste es erst sein, wenn Cellisten aus der ganzen Welt zusammenkommen? Die Idee des Cello-Festivals war geboren!

Nächsten Freitag geht’s weiter mit den Anfängen im eigenen Wohnzimmer …

Bisher erschienen:
Cello – Cellissimo

Ulrike Schmid


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