Schuld war eine Flasche Rotwein ¦ Interview mit Nils Mönkemeyer
Montag, 11. Januar 2010
2008 hat Nils Mönkemeyer an unserem Kammermusikprojekt „Chamber Music Connects the World“ teilgenommen, im vergangenen Jahr erhielt er den Echo Klassik 2009 als Nachwuchskünstler des Jahres. Wie er zur Bratsche kam und wie er mit der plötzlichen Berühmtheit umgeht, hat er mir in einem Interview erzählt.
1. Du hast kürzlich den Echo Klassik 2009 als Nachwuchskünstler des Jahres erhalten. Hat Dich die Entscheidung überrascht? Wie hast Du davon erfahren, dass Du ihn bekommst?
Ich saß um Mitternacht in der Küche und habe im Internet nach den Echonominierungen geschaut. Ich wusste wohl, dass meine CD im Gespräch war, aber hatte nicht wirklich damit gerechnet, den Preis auch wirklich zu bekommen. Trotzdem war ich ziemlich nervös. Die Newcomer-Kategorie wurde erst auf der dritten Seite aufgeführt und ich dachte schon, ich wäre nicht dabei, umso mehr hat mich das Ergebnis dann gefreut …
Besonders Spannend war bei der eigentlichen Gala das ganze “Drumherum”, zum ersten Mal auf einem roten Teppich laufen, Fotos machen während die Fotografen herumbrüllen und mit der Limousine vorfahren. Diese Dinge haben fast etwas Unwirkliches und sind ja für uns klassische Musiker nicht alltäglich.
2. Inwieweit hat sich Dein musikalisches Leben dadurch verändert?
Ein Preis wie der ECHO hilft natürlich dabei, mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu treten. Auch Konzertveranstalter mögen oft dieses “Prädikat wertvoll”, im stillen Kämmerlein üben und versuchen, den Komponisten und dem eigenen Anspruch gerecht zu werden bleibt aber gleich. Und auf der Bühne muss ich ja immer wieder neu versuchen, einen besonderen Moment zu schaffen und dem Publikum eine Geschichte zu erzählen. Das, was man geschafft hat, ist in einem Wimpernschlag wieder vorbei. Das ist das Schöne und das Schwere am Musikmachen, unabhängig von allen Bestätigungen von außen.
3. Du hattest kürzlich einen Talkshow-Auftritt und auch eine Frauenzeitschrift hat über Dich berichtet. Der Umgang mit den Publikumsmedien scheint Dir durchaus Spaß zu machen oder liege ich da falsch?
Als Solist muss einem die Arbeit mit den Medien Spaß machen, das ist bei einer CD-Produktion sozusagen der zweite Akt. Die Amerikaner haben einen sehr schönen Satz dazu: Do something good and talk about it. :-)
4. Du kamst ja erst über den Umweg Geige dann mit 15 Jahren zur Bratsche. Wie kam’s zu dem Sinneswandel?
Schuld war eine Flasche Rotwein, Teenagerbegeisterung und Beethoven Quartette.
Im Bundesjugendorchester treffen sich dreimal pro Jahr ca. 80 Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren, alle mit dem Ziel, später Musik zu studieren. An den Abenden gab es ausgedehnte Kammermusik-Sessions, zum ersten Mal die großen Streichquartette spielen und sich an der Musik berauschen. Nicht fehlen durfte die Rotweinflasche in der Mitte, wer einen Fehler gemacht hatte, musste einen Schluck trinken. Die Bratschistin war zuerst betrunken und ging schlafen und mir wurde die Bratsche in die Hand gedrückt. Das war’s dann, der Beginn einer ganz großen Leidenschaft, sie und ich, wir könnten zusammen alt werden!!
5. Weshalb moderierst Du Deine Konzerte? Ist das etwas, das Du von der Live Music Now-Förderung mitgenommen hast?
Das stimmt tatsächlich. LMN-Konzerte waren meine erste Begegnung mit Moderation. Sie kann helfen, noch vor dem Spielen eine Verbindung mit dem Publikum herzustellen oder die Stimmung aufzulockern. Ein paar kleine Worte oder eine Anekdote können auch helfen.
6. Die Klassikszene feiert Dich als deutsches Bratschenwunder. Löst so eine Bezeichnung bei Dir ungeteilte Freude aus oder ist es auch eine Belastung?
Ach, nett ist das ja, aber wenn, dann gebührt dieser Titel wohl eher Tabea Zimmermann. :-)
7. Du hast 2008 an „Chamber Music Connects the World“ der Kronberg Academy teilgenommen. Was für ein Ort ist Kronberg auf Deiner persönlichen Landkarte?
Das Kronberg-Projekt war unglaublich aufregend. Plötzlich hat man Proben und Konzerte mit Gidon Kremer oder Yuri Bashmet, zwei Künstler, die ich seit meiner Kindheit verehre. Dann gibt es jede Menge Feste und Treffen mit allen Teilnehmern und der Crew der Kronberg Academy. Es war eine wunderbare, spannende und dramatische Zeit in Kronberg – goldenes Fähnchen auf der persönlichen Landkarte.
Mehr über Nils Mönkemeyer erfahren Sie auf seiner Homepage.









