Artikel-Schlagworte: „Pablo Casals“

Als alles anfing (Teil 2)

Sonntag, 22. September 2013

Erinnerungen an Pablo Casals

Für einen leidenschaftlicher Sammler von Fundstücken zur eigenen Geschichte sind die Räumlichkeiten rund um unseren Dachboden von unschätzbarem Wert. Wenn man an die Anfänge denkt, also an unser Gründungsjahr 1993, so wird man daran erinnert, dass unsere Institution mit dem Namen “Internationale Kammermusik-Akademie Kronberg“ gestartet war und und alsbald die Aufmerksamkeit von Musikern, Hochschulen und Musik-Pädagogen auf sich zog.

Beim Betrachten der noch in Gelb und Schwarz produzierten Broschüre, die zum ersten Cello Festival herausgebracht wurde, wird man dann unweigerlich auf den Namen Pablo Casals gelenkt. Wie heißt es auf der Titelseite unserer ersten Festival-Broschüre: „in memoriam Pablo Casals“. Das erste Cello-Festival wurde vom 22. – bis 24. Oktober ausgetragen und der Festivalauftakt fiel auf den 20. Todestag des großen spanischen Cellisten.  Die Broschüre wartete damals mit besonderen Beiträgen zum Leben dieses einmaligen Künstlers auf.

Zwei Beispiele:

Professor Dr. Kurt Pahlen schrieb einen vierseitigen Artikel über den Meister-Cellisten. Pahlen war  Casals mehrfach in seinem eigenen Leben begegnet und verfügte daher über eine tiefe Kenntnis des großen Musikers und Humanisten, der im katalanischen Örtchen Vendrell – unweit Barcelona – geboren wurde.

Ein beeindruckender, intimer Bericht über die vielen Facetten diese Musikers, der im Kern stets einfach, menschlich und zugleich von großer Willenskraft  und festen moralischen Wertvorstellungen geprägt war. Und der zugleich die Wertschätzung für das Geschenk  des Lebens und die Wunder der Natur immer wieder hervorhob. Jung sein und jung bleiben bis ins hohe Alter, dies gelänge nur, wenn man das Leben wertschätzt, so wurde es von ihm berichtet. Wie sagte es Casals mit seinen eigenen Worten: “ Das Bewusstsein vom Wunder des Lebens erfüllt mich mit einem Gefühl  unglaublichen Staunens,  ein menschliches Wesen zu sein. Dann gehe ich an meinen Flügel und spiele zwei Präludien und Fugen von Bach. Die Musik ist für mich nie dasselbe, sie ist jeden Tag etwas Neues, etwas Phantastiches, etwas Unglaubliches. Bach ist, wie die Natur, ein Wunder“.

Diese Worte sind großartig, denke ich und bin zugleich froh, dass wir nun – 20 Jahre später – im Jahre 2013, den Bogen zur Musik von Johann Sebastian Bach doch sehr passend in die Konzertabfolge unseres aktuellen Festivals „Cello Plus“ eingefangen haben. Das erste und das letzte Konzerte sind dem großen Komponisten Johann Sebastian Bach gewidmet.

Aber ich bleibe noch Momente in der Historie, unseren eigenen kurzen Geschichte.

Beim weiteren Durchstöbern der Broschüre stösst man auf einen kurzen Lebenslauf, verfasst von Helga und Rudolf von Tobel. Rudolf von Tobel, ein Schweizer Cellist und Casals-Schüler, der einige Male mit Casals konzertierte und Plattenaufnahmen machte, steuerte in diesem Artikel seinen Blickwinkel auf die besondere Persönlichkeit des Musikers bei. Das Engagement  von Pablo Casals  zur  damaligen Zeit wird einem erst in aller Klarheit deutlich, wenn man sich die folgende Begebenheit mit ihm aus den 50er Jahren vor Augen führt. Zusammen mit Albert Schweitzer, einem Freund und weiteren Streiter und Kämpfer (nicht zu vergessen dessen Orgel-und Bach- Leidenschaft, ) für Menschlichkeit, appellierten beide 1958 an die Großmächte, das Wettrüsten und die Atombombenversuche einzustellen. Dies ist nur einer seiner öffentlichen Bekundungen gewesen, in denen er einen klaren Standpunkt für eine Sache eingenommen hatte. Als Republikaner hatte er aus Überzeugung  Franco-Spanien den Rücken gekehrt und Jahrzehnte keinen Auftritt in seinem Heimatland mehr durchgeführt. Er war ein Mann mit klaren Überzeugungen und unverrückbaren Standpunkten und Haltungen.

Raimund Trenkler, unser Künstlerischer Leiter seit jener Zeit, wird nicht müde, die Bedeutung dieses Jahrhundertkünstlers auch für die heutige Zeit immer wieder aufs neue zu betonen. Dabei ist die einmalige Verbindung zwischen künstlerischer Größe und der Rolle der Menschlichkeit im Leben dieses  Künstlers prägend. In der berühmt gewordenen Bild-Biografie über Casals, mit einmaligen Fotografien des deutschen Fotokünstlers Fritz Henle, kann  man viele großartige Zitate des Katalanen finden.

Nachdenken über Pablo Casals: Er war ein einzigartiger, überragender Künstler und echter Menschenfreund. In aktuellen Gesprächen und Dialogen gerade jetzt müssen wir an ihn und andere gleichgesinnte Musiker denken, wenn das Thema Eintreten für Menschlichkeit und Verantwortung diskutiert wird. Es ist nicht nur Sache von Politikern und Aktivisten, diesem Anliegen Ausdruck zu verleihen, so sind auch wir hier überzeugt. Wie sagt es Raimund Trenkler vor wenigen Tagen: Die Gedanken und Einstellungen von Pablo Casals sind aktueller denn je. Und zitiert ein weiteres Mal den katalanischen Meister, mit einem der berühmtesten Zitate von ihm:  „Kunst und Menschlichkeit sind untrennbar“.

Zurück in den Academy-Alltag.  Mein Ausflug in die ersten beiden Jahrzehnte der Kronberg Academy, insbesondere ins Gründungsjahr,  war alles andere als staubig. Staunen und Bewunderung für einen großartigen Künstler und Menschen, mit dem sich unsere Institution bis heute tief verbunden fühlt, klingen noch lange nach.

Teil 1: “Stöbern im Archiv” ist bereits am 17.9.2013 erschienen

Michael Heinz / Kronberg Academy Team

Als alles anfing (Teil 1)

Dienstag, 17. September 2013

Stöbern im Archiv:  Zurück zu den Wurzeln

Unser Festival zum 20-jährigen Bestehen, das in gut 10 Tagen startet, animiert geradezu, einen kurzen Blick in die Historie unserer Institution zu werfen.

Auch wenn der hier schreibende Blogger im Jahr der Gründung 1993 noch weit entfernt war von dem Entschluss, als Mitarbeiter in dieser wunderbaren Institution anzuheuern, so kann er sich doch retrospektiv und mit Begeisterung den Meilensteinen in der Entwicklung dieser Institution widmen. Und immerzu staunen.

Angefangen hatte ja alles Anfang der Neunziger Jahre mit dem Cello.

Gründer und künstlerischer Direktor Raimund Trenkler kann hier eine unglaubliche Geschichte erzählen. Nämlich die, wie es wirklich begonnen hatte. Was die Ursprungsidee war und wie das erste Festival dann tatsächlich über die Bühne gegangen ist (keiner hielt es damals in so kurzer Zeit für realisierbar!).

Es gab damals an 3 Tagen insgesamt 10 Konzerte. Das Abschlußkonzert fand am 24. Oktober 1993 in der Kronberger Stadthalle statt.

Die Presse war voll des Lobes, die eingeladenen Musiker und Marta Casals-Istomin waren begeistert vom ersten Cello Festival, welches der Erinnerung an Pablo Casals gewidmet war, dem großen Künstler und Humanisten (der Festivalbeginn fiel auf den 20. Todestag des bedeutenden Musikers).

Die Musikwelt hatte eine neue Begegnungsstätte, einen neuen Ort, wo man sich fortan regelmäßig treffen würde. Die dazu gegründete Institution, der Vorläufer der heutigen Kronberg Academy, nannte sich damals noch “Internationale Kammermusik-Akademie Kronberg”. Raimund Trenklers Philosophie war es, Cellisten mehrerer Generationen zusammenzuführen und miteinander musizieren und lernen zu lassen.  Oder wie er es auch gerne ausdrückt, ein Familientreffen für Cellisten sollte in die Welt gesetzt werden. Berühmte etablierte Musiker sollten jungen, hochbegabten Musikern Inspiration und Erfahrungen im Wege des gemeinsamen Musizierens vermitteln.

Sieben Jahre  später (beginnend mit dem Projekt Chamber Music Connects the World im Jahre 2000) gab es eine wichtige Erweiterung unserer Institution in Richtung Streicherakademie. Seitdem ist es gelungen, das  Renommee und die Bekanntheit auch mit diesem erweiterten Profil als einer internationalen Ausbildungsstätte für Streicher deutlich auszubauen. Gekrönt wurde diese Entwicklung durch die Einführung eines eigenen Studiengangs “Kronberg Academy Masters” im Jahre 2007 (mit den Abschlüssen Bachelor, Masters und Further Masters Studies). Die Geschichte dieser “Transformation” ist einen besonderen Blogbeitrag in der Zukunft wert.

Zurück zur Historie. Wie findet man Zeugen der Vergangenheit  in den eigenen vier Wänden?

Man stöbert in diversen Regalen und Kisten. Und wo befinden sich jene wertvollen Kisten, Kartons und Ordner?

In den verzweigten Räumlichkeiten unseres Receptur-Gebäudes etwa, einschließlich des Dachbodens. Wo man tatsächlich auch fündig werden kann, wenn man Staub und schlechte Luft für sagen wir ca. zwei-drei  Stunden ertragen kann. Und gewillt ist, um der Anfänge habhaft zu werden,  intensiv nach entsprechend „frühen“ Dokumenten zu suchen. Wenn es sein muss, auch zu graben und zu wühlen. Mithin befindet man sich auf einer Art musik-archäologischem Trip.

Dafür taugen unter anderem unsere Räumlichkeiten im 1. Stock der Receptur, wo wir seit einiger Zeit unser neues Studio 4 eingerichtet haben. Und in diesem hergerichteten Raum, der zum Proben genutzt wird, befinden sich auch historische Schätze zum Leben von Pablo Casals in Form diverser Bücher, Biografien, einer riesigen Schallplattensammlung und Programmheften vom berühmten Prades Festival, wo Casals seit Gründung viele Male aufgetreten ist. In einem Plattenregal von Studio 4 kann ich das von allen Teilnehmern persönlich signierte Programmheft des 1. Cello Festivals von 1993 (unserem Gründungsjahr) in Händen halten und sogleich fotografisch für diesen Blogbeitrag ablichten. Ein echtes Erfolgserlebnis!

Angestachelt durch diesen Erfolg geht das Durchstöbern in anderen Räumen weiter. Unser Dachboden ist das nächste Ziel. Hier findet man durchaus weitere Schätze. Poster, Flyer, Fahnen und aufgezogene große Schwarz-Weiss Fotos von berühmten Künstlern und Lehrern, die in Kronberg gastierten, sind verstreut in Ecken und auf verstaubten Regalböden zu bewundern.

Man muss wissen, dass sämtliche Drucksachen unserer schreibenden Team-Kollegen seit Gründung, also alle Broschüren, Programmhefte, Flyer, Poster, Fahnen und Sonderdrucke aus nunmehr  20 Jahren einen beträchtlichen Berg an Papier ergeben würden. Man muss  staunen über die enorme Produktivität unserer Texter und der mit uns kopperierenden Grafiker und  Layouter.

Generell muss ich an dieser Stelle vermerken, dass all die wunderbaren „Drucksachen“, die seit Gründung entstanden sind, natürlich mit jeweils mindestens einem Master-Exemplar in einem zentralen Ordner ( es sind natürlich mehrere!)  sorgsam archiviert und für die werte Nachwelt aufbewahrt werden. Das Erfassen dieser kleinen Kostbarkeiten und die Präsentation all der Print-Produkte seit 1993 wäre eine kleine Ausstellung wert. Ich bin überzeugt, man könnte sogar ein kleines Buch darüber publizieren, welches Musikfreunde aber auch Menschen mit Design und Layout-Affinität begeistern würde.

Michael Heinz, Kronberg Academy Team

“I couldn´t feel any better”

Dienstag, 13. Dezember 2011

An encounter with Pablo Ferrández Castro, 20-year old new Young  Soloist of Kronberg Academy Masters

Just few hours before his concert for the Musikkreis Leyda Ungerer/Freunde Junger Musiker in Bad Homburg´s Schlosskirche was about to start Pablo Ferrández was kind enough to agree on a short interview focussing on his first impressions regarding his new life in Kronberg.

Just 20 year of age, Pablo was admitted as new Young  Soloist of  “Kronberg Academy Masters”, a  unique study programme launched by Kronberg Academy and Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main in 2006.

Coming from a very musical family young Pablo started to play the cello already at age 3. Both his mother and father were enthusiastic for their children (Pablo has a younger sister , age 16, studying viola) to embark on a highly music-influenced development. Pablo´s father, trained as an engineer, turned musician after having heard several musical performances by his fellow countryman Pablo Casals. So the family decided that their first-born child would be named after the great Catalonian cello virtuoso.

Pablo was born in 1991 in Madrid. His mother, a musical teacher, wanted to instill early on musical capabilities by utilising a technique whereby music-oriented capabilities such as absolute pitch might influence her still unborn children. Obviously the results for both Pablo and his sister seem to have had a very positive impact on their musical developments based on their accomplishments so far.  Pablo currently lives in a guest family´s home in Kronberg and all of the facilities of Kronberg Academy lie within 10 m minutes walking distance. He is now one of 13 young people to study here in this city embracing various masterclasses, workshops and specially designed learning activities.

Following are Pablo´s answers to our questions reflecting his first thoughts and impressions

Q: How do you feel right now, having arrived in Germany and living now in Kronberg
Pablo: Well, I am just doing fine. And I am feeling so inspired. I breathe the good air, the colours, the nature around me. I take a lot of walks and do great deal of jogging. I love it all, here! Well, I could not feel better! Parallel to my regular jogging exercises I do work very hard and rehearse about 7 hours a day. I am very motivated. My willpower gets strengthened through my physical training and I love it. At the same time I feel relief  through walking and jogging.

Q: What is different here, compared to living in Spain
Pablo: Overall, Music is so valued in this country. I am encountering people who are enormously knowledgeable to great degree. For me classical music and Germany are just one thing. This is not really the case in my country. I can experience this very closely during and after concerts. Often people approach me here after the concerts and ask questions, and comment on my playing. They reveal insights and understanding. That is very special. On the other hand it is also quite challenging for an artist to play here.

Q: What did you know about Kronberg Academy prior to being approved in our study programme?
Pablo: I knew about Kronberg Academy quite a bit especially with regard to its international reputation. First, it´s famous, then I understood that it´s reaching for the highest standards in its educational programmes. Yes, and the Academy is known for its successes. And it is very well respected in the musical world, including where I come from. That this institution is just concentrating on only 14 students right now, tells a lot. On the other hand, most young musicians that I know, don´t have a real clue how the academy really works. The selection processes are very tough. What I forgot to mention: the famous teachers that are working with the Academy command respect. All this adds up with most young musicians´ assessment of the Academy as being an exclusive institution.

Q: Who have been your greatest influences, musically speaking?

Pablo: My teacher Natalia Shakoskaya in Madrid at the Escuela Superior de Música Reina Sofía. She taught me all important things what it means to play music and what it requires from a musician. She did not impose a particular technique or style or attitude apart from elaborating around the key philosophy on how to see and approach music and a given work of  a composer. Music must come from the inside and it has to be alive and honest. She told me lessons about how to express oneself musically. Natalia gave me everything, I am so grateful to her. Right now I am listening intensely to piano works played by Martha Argerich, that is where I learn many things while listening. I admire her. I don´t listen to lots of cello music, interestingly. Martha Argerich plays in a way, that one thinks the piece is composed in that very moment. This experience, approaching/understanding her enormous musical capabilities is what impacts me strongly  – for quite a while now. And my current teacher Frans Helmerson. He has such a clear understanding of what I need right now. This is fantastic and I am so  happy with him!

Q: Mentioning two great cello players, Pablo Casals  and Emanuel Feuermann and any other you like to mention, what is your  attitude towards these artists?
Pablo: Well, regarding Pablo Casals, we all have great respect for him, he is the grandfather of all other players. I particularly like Casals´s statement about J S Bach:  “Bach´s music means  knowing of everything and being aware of every feeling“.

Regarding Feuermann I can´t say so much because I don´t know enough about him. And then there is Mr. Rostropovich, the great maestro. Yes,  he is incredible. I was introduced to him when I was a small child, but I don´t have personal memories of that encounter.

Q: Living day in day out, with daily hour-long rehearsals, a life fully absorbed by music, how does that feel, are there pains from time to time?
Pablo: I had a very nice childhood and parents that were always caring. The daily practices were never imposed on me or my sister. We developed a sense of our own to rehearse. We are practicing to serve music. The quality and the value of the musical works are so enormous that one has to work so hard in order to be able to come close to the original genius in a given composition. That is absolutely necessary and I am doing it because it s my will to do so. My parents helped me to develop the necessary discipline. Constantly improving one´s playing that has always been my goal, up to now! This also means because of the long hours spent daily that there will be sacrifices, just as in sports! I see a clear parallel between what top sports folks are aiming for and what musicians are striving for in their endeavours. My motto is: we as musicians must work a lot for the sake of the music we are going to perform.

Q: Do you have a personal  vision for your next development steps?
Pablo: I want to become a soloist, performing lots of chamber music. I want to be 100% ready for this profession. Music deserves that the best is being delivered by the players. And I want to fulfill my role in the future not in a commercially driven sense. My music playing shall not be an economic enterprise. I want to make best use of my time with Kronberg Academy, earn the respect of others.

Q: What Do you expect from the educational programme here in Kronberg?
Pablo: At the end of my time in Kronberg I want to feel more complete. And I want to find and explore new possibilities for me. Since all the people in the academy as well as the musicians function altogether quite a bit like a big family I think I will have enough support in my endeavours. And I want to prove that I deserve being one of the students to study here under those great teachers.

Q: Are your parents still closely following your activities?
Pablo: Yes, of course: Our family is very well connectd and we communicate on a daily basis!I tell them about every activity that I do! And my parents keep inspiring me!

Q: What helps you to relax?
Pablo: As I said earlier, it´s jogging. Doing physical exercises/sports is very good. Bu the side effect is, it helps me to move my limits further towards longer distances. Yes, there are pains and sacrifices, but this is okay. I love that feeling! For me “Superacion” is the key in my life, I don´t know the English word for that. Meaning constantly striving to exceed oneself. That´s my way of strengthening my willpower. The will to improve one´s playing, it never stops, so here sports is helping me.

Q:  now our final question, how problematic is the need to be online in the internet, given your daily work schedule?
Pablo: I only can say good things about the internet. I use it daily so to be able to connect to my family, my friends – even when I am far away! I need it – I must stay in contact with my loved ones. So, the internet provides the platform.  And I am a regular user. Whenever I can,  I also use the telephone capability of Skype.

Thanks for the interview, Pablo!

Michael Heinz/Kronberg Academy

Erinnerungen an Bernard Greenhouse

Mittwoch, 18. Mai 2011

Die Mitarbeiter der Kronberg Academy trauern um den großen Cellisten Bernard Greenhouse. Er verstarb am 13. Mai in seinem Haus in Wellfleet auf der Halbinsel Cape Cod.

Greenhouse, der zu den Mitbegründern des großartigen Kammermusikensembles Beaux Arts Trio zählte, war ein gern gesehener Gast in der Burgstadt. Viele Male weilte er in Kronberg und war bei unseren Cello Meisterklassen ein begehrter Cello-Lehrer, zuletzt 2008. Obgleich schon gesundheitlich angeschlagen, nahm er die Strapazen der langen Flugreise auf sich, um auch bei den Feierlichkeiten zum Tode von Mstislav Rostropovich im Oktober 2007 teilzunehmen. Mancher Kronberger wird es noch vor Augen haben: im Kronberger Schulgarten wurde feierlich die Rostropovich-Büste enthüllt und bei der anschließenden Feier in der Johanniskirche würdigte Greenhouse in einer emotionalen Ansprache den großen Russen. Viele, die ihn live in unserer Stadt erleben konnten, werden sich an seine enorme menschliche Ausstrahlung und Wärme erinnern.

Welche Erinnerungen haben Kollegen aus unserem Team? Hier zwei Beispiele:

Gabriela Denicke, verantwortlich in der Academy für Sponsoring und Partner, hatte von Anfang die Aufgabe übernommen, Bernard Greenhouse bei seinen Aufenthalten in Kronberg zu betreuen. Sie hat über die Jahre, wie sie selbst sagt, eine Freundschaft mit dem großen Cellisten entwickeln können. Hier ihre Gedanken und Erinnerungen:

„Was mir besonders im Gedächtnis haften blieb ist dies: „Make it simple!. Das sagte er stets den jungen Leuten. Und auch: you have to say something through your music! Damit meinte er, es geht beim Spielen nicht darum, wie wirke ich, oder spiele ich die Noten richtig, oder etwas anderes ich-bezogenes, sondern vielmehr wenn Du dem Publikum nicht etwas mitteilen möchtest mit Deinem Spiel, dann lass es. Er blieb so lange jung, vor allem young at heart – durch die Jugend! Die Begegnung mit der Jugend, mit dem Cello- bzw. Musik-Nachwuchs, das war sein Lebenselexir!“.

Und sie fährt fort: „Ich erinnere mich noch vor Jahren, als ich ihn nach dem langen Flug abholte am Frankfurter Flughafen, da saß nun dieser berühmte ältere Herr auf einer Bank, ruhte sich aus nach den Anstrengungen des Fluges. Und ich fragte mich dann, wie mag er nur die vor ihm liegende anstrengende Meisterkurs-Woche überstehen. Und dann kam der erste Kurs und er wuchs an Statur und Energie. Es war unglaublich, er war die ganze Woche über so jung. Er hatte Stil und es war für ihn selbstverständlich, dass er während der Meisterkurs-Woche zu jedem Konzert seiner Kollegen, wie er die anderen Cellisten immer nannte, ging, auch wenn er nach einem anstrengenden Tag müde war. Das gehörte sich einfach. Er hatte einen feinen Humor, er lachte gern, er war warmherzig und großzügig, er hatte aber auch einen ausgeprägten Sinn für geschäftliche Belange”. So weit unsere Kollegin Gabriela Denicke.

Oda Cramer von Laue, verantwortlich für Kommunikation bei uns, fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Bernard Greenhouse kam mir immer fast ein wenig „british“ vor – er war einfach der „Grandseigneur“ unter den Cellisten. Sehr offen und menschlich. Sowohl wenn es um Musik, als auch wenn es um andere „weltliche“ Themen ging, kam er immer klar „auf den Punkt“. Ohne dass man interpretieren, raten oder irgendwie zwischen den Zeilen lesen musste, was er meinte“.

Der Autor dieser Zeilen erinnert sich gerne an eine Cello-Meisterklasse 2008 in der Stadthalle Kronberg, als Bernard Greenhouse mit großer Ruhe und Gelassenheit einem 20-jährigen jungen Mann beibrachte, dass das ständige Vibrato keinerlei Anzeichen von Musikalität waren sondern eher ein unbedingt abzugewöhnndes ständiges Zittern der linken Griffhand.  Humor und Wohlwollen sorgten bei dem Schüler für stetige, kleine Fortschritte in jener Stunde.

Bernard Greenhouse hielt in den letzten Lebensjahren viele Meisterkurse in den USA, Kanada und Europa. Und Kronberg im Taunus hat dabei eine durchaus bemerkenswerte Rolle in seinen letzten Lebensjahren gespielt – darauf sind wir alle hier sehr stolz! Die Mitarbeiter der Kronberg Academy werden ihn sehr vermissen.

Michael Heinz

Feuermann in Amerika (1) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Vor einer Woche ging der Grand Prix Emanuel Feuerman in Berlin mit dem viel beachteten Preisträger-Konzert zu Ende. Das Erinnern an den großen Cellisten wurde auch durch die in der Philharmonie eingerichtete Feuermann-Ausstellung unterstützt. Und gewissermaßen flankierend haben wir versucht, im Rahmen einer Blogreihe einzelne Aspekte im Leben dieses großen Musikers ins Bewusstsein der heutigen Cellisten-Gemeinde zurückzurufen.

Die beiden abschließenden Beiträge gehen auf die letzten Lebensjahre des überragenden Mannes ein und beleuchten dabei insbesondere die Zeit in Amerika sowie einige seiner seine US Konzerte und Plattenproduktionen.

Wir hoffen, dass mit diesen beiden Blogbeiträgen über Emanuel Feuermann unser gerade abgeschlossenes Projekt Grand Prix Emanuel Feuermann einen wohlgerundeten Abschluss erfährt.

Unruhige Jahre – Hoffen auf ein Verbleiben in Europa

Die Jahre nach seinem erzwungenen Ausscheiden in der Hochschule für Musik in Berlin brachten eine intensive Reisezeit mit sich. In jenen Jahren konzertierte er eifrig und war auch mehrmals auf Konzertreisen in den Vereinigten Staaten unterwegs. In den Jahren 1934 und 1935 hatte Feuermann wechselnde Wohnsitze mit Schwerpunkt Schweiz. Im Oktober 1936 erhielt er schließlich eine offizielle Aufenthalts-genehmigung für das Land. Bis 1938 hatte er die Hoffnung, dass London sein permanenter Wohnsitz werden könnte.

Diverse Platten mit unterschiedlichen Ensembles und Orchestern wurde eingespielt. In England entstanden großartige Aufnahmen zusammen mit Myra Hess und Gerald Moore. Erst im Mai 1938 gelang der Durchbruch auch bei den zurückhaltenden englischen Musik-Kritikern, als er beim May-Festival mit dem BBC Symphony Orchester unter Toscanini auftrat. Nun war auch hier der Damm gebrochen, was die Anerkennung seiner großen Meisterschaft und einzigartigen Stellung als bester Cellist neben Casals anging.

Die Zeit zwischen 1933 und 1938 war von Rastlosigkeit geprägt,  Feuermann gab hunderte von Konzerten in Europa, Asien, Südamerika und absolvierte zwei Konzertreisen durch Amerika. Ferner spielte er diverse Platten bei den damals führenden Plattengesellschaften ein. Seine Energie und sein Durchhaltevermögen als Solist waren legendär. Oft gab er an einem Abend zwei Cellokonzerte sowie als Zugabe den einen oder anderen Satz aus einer Suite für Violoncello von Bach.

Die „Ein Mann Revolution“ – Feuermanns Riesen-Projekt

Sein größtes Projekt dieser Art war allerdings sein Vorhaben mit Leon Barzin, dem damaligen Leiter und Gründer des Training Orchesters der National Orchestral Association ( N.O.A) in New York. Feuermanns Wunsch war es, sämtliche 13 Konzerte für Cello und Orchester im Rahmen von nur 4 Abonnement-Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall aufzuführen (jeweils 2 Konzerte im Februar und März 1938). Nach dem ersten Konzert am 5. Februar 1938 schrieb der damalige Musik-Kritiker der New York Times euphorisch in einem Beitrag von der “One Man Revolution”. Diese Charakterisierung des Spiels von Feuermann war von nun an ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer allseits anerkannten Musikerkarriere in den Staaten.

Feuermanns Zusammenarbeit mit dem legendären Dirigenten Leon Barzin war der Schlüssel zu diesem unglaublichen Projekt. Ein größeres Orchester, wie etwa die New Yorker Philharmoniker, hätte diesen Marathon-Lauf in so kurzer Abfolge nicht leisten können. Die vier Konzerte festigten Feuermanns Standing in Amerika enorm. Nur als Vergleich: erst in den sechziger Jahren wagte sich der große russische Cellist Mstislav Rostropovich erneut an diese Aufgabe heran.

Auch privat tat sich einiges bei Emanuel Feuermann: Während des zweiten Konzerts am 19. Februar 1938 kam seine Tochter Monica zur Welt.

Eine neue Heimat
Während Feuermann immer mit dem Gedanken spielte, trotz der Ausschreitungen gegen jüdische Bürger und der um sich greifenden Kriegstreiberei doch in Europa bleiben zu können, wurde diese Hoffnung begraben, als Hitler-Deutschland im März 1938  Österreich okkupierte. Nun wurde Feuermann klar, dass seine Zukunft eindeutig in Amerika lag. Zwischen April und Oktober 1938 musste der große Cellist neben seinen Konzerten und Meisterkursen alles daran setzen, seine Familie aus Europa herauszubringen. Ende November konnten er und seine Frau Eva die offiziellen Einbürgerungsdokumente im Federal Building von Manhattan persönlich abholen. Die amerikanische Presse berichtete ausführlich über diesen Vorgang und titulierte ihn entweder als deutschen oder als österreichischen Cellisten, der zuvor schon häufig in den Vereinigten Staaten aufgetreten war.

Bisher erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Berliner Jahre

Michael Heinz

Berliner Jahre – Grand Prix Emanuel Feuermann

Montag, 15. November 2010

Vier erfüllte Jahre für Feuermann

Feuermann-5

Emanuel Feuermann kam mit 27 Jahren nach Berlin. Bis zum Jahre 1929 hatte er etwa 1.000 Konzerte gegeben, war in etwa 300 Städten und Gemeinden in Deutschland und Europa aufgetreten. Kaum vorstellbar, da das Reisen zu jener Zeit etwas beschwerlicher war als heuzutage. Die grundlegenden technischen Fähigkeiten im Cello-Spiel, so halten es seine Biografen fest, hatte er bis um 1920 voll entwickelt. Die ersten Plattenaufnahmen entstanden zwischen 1925 und 1926, der Klang wurde als rund und technisch einwandfrei eingestuft, aber noch war Feuermann in puncto künstlerischer Ausdruckskraft noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Die Zeit kurz vor seinem Wechsel an die Spree war durch hektische Betriebsamkeit geprägt: Er wechselte zwischen zahlreichen Konzertreisen und diversen Schallplattenaufnahmen. Zum Vergleich: Pablo Casals war 39 Jahre alt, als er die ersten Platten einspielte.

Feuermannn schreibt Geschichte

In der Hauptstadt Berlin erlebte Feuermann nun eine äußerst intensive und zugleich erfüllte Zeit. In mehrfacher Hinsicht waren die Berliner Jahre von Erfolgen bei Konzertauftritten und beim Einspielen bedeutender Werke geprägt.  Die Stelle als Hochschul-Professor an der Hochschule für Musik (Vorgänger-Institution der heutigen Universität der Künste), trat er im Juni 1929 an. Sein Ansehen war nun sehr groß.

Studenten strömten danach aus allen Ecken dieser Welt zu ihm: Junge Leute kamen aus so fernen Länder wie Japan oder dem damaligen Palästina nach Berlin. In seiner Korrespondenz ließ er durchblicken, dass er Spaß an dieser Arbeit hatte obwohl das Niveau der Studenten der Cello-Klasse niedrig gewesen sei, und sein Vorgänger Hugo Becker dafür eigentlich „hinter Schloss und Riegel gehörte“. Ferner erwähnte er in seinen Briefen, dass er mit dem Ruf an die Berliner Hochschule der jüngste Professor für Musik in Deutschland wäre. Die Berliner Hochschule war zu der Zeit ein hervorragendes Lehrinstitut und mit Feuermann verpflichtete sie einen Musiker mit hohem Ansehen. Man hatte jemand,  der sich gerade anschickte, mit Solokonzerten auch international für Furore zu sorgen.

Erfolgswelle in Berlin

Schon 1932, als es in Berlin noch keine durch Nazis getrübte Kulturlandschaft gab, wurde er vom NBC Artists Service für eine umfassende Amerika-Tournee eingeplant, die sich aber schließlich zerschlug. Seine Konzert-Tätigkeit in jener Berliner Zeit war immens. Kaum konnte er sich vor Angeboten retten. Die Gagen waren sehr gut  für die damalige Zeit, obgleich die Zeiten allmählich schwierigen zu werden drohten. Man muss sich vergegenwärtigen, dass Ende der Zwanziger Jahre die Weltwirtschaftskrise in Amerika ausgebrochen war und die Folgen eines bedeutenden wirtschaftlichen Abschwungs allmählich ihre Schatten auch nach Europa warfen. Berlin trat seit Mitte der Zwanziger Jahre die Nachfolge Wiens als dem kulturellen Zentrum Europas an. Seymour Itzkoff, Verfasser einer der zwei Feuermann-Biografien, unterstreicht, wie sehr das damals in Berlin vorherrschende kulturelle Klima auch Feuermann zugute kam. Die Stadt war in den dreißiger Jahren ein Magnet für Kreative und Künstler aus den verschiedensten Ländern.

Kammermusik-Abende und Solauftritte

Zunächst begann Feuermann mit anderen Mitgliedern der Hochschule zu musizieren, dazu gehörten der junge, brillante Geiger Joseph Wolfstahl sowie der aus Hanau stammende Bratschist und Komponist Paul Hindemith. Feuermann und Hindemith, die persönlich befreundet waren, lebten im feinen Berliner Westend und waren gewissermaßen Nachbarn. Feuermann hatte zeitweise ein Apartment in der Franken-Allee, während Hindemith einige Jahre am nahe gelegenen Brixplatz wohnte. Da Wolfsthal bereits im Alter von nur 31 Jahren 1931 verstarb, sprang als Ersatz der als Wunderkind groß gewordene Szymon Goldberg ein.  Dieser war zu der Zeit bereits mit 21 Jahren Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters. Das Trio gab sich den Namen „Hindemith-Trio“ und war auch in Berlin viel auf Bühnen zu sehen  und zu hören. Feuermann begann bald darauf, auch  Solokonzerte zu geben. Seine Schwester Sophie begleitete ihn oft am Klavier, er gab ihr häufiger den Vorrang vor anderen Pianisten. Im Mai 1929 bot man ihm für 45.000 Mark ein Tecchler-Cello an. Seine ursprüngliche Verwendung des vorhandenen Geldes wollte er zunächst auf den Kauf eines Autos verwenden, aber Paul Reifenberg, der Kölner Mäzen, mit dem er sehr befreundet war, riet ihm zum Kauf des Cellos und diesen Rat befolgte Feuermann schließlich. Viele Plattenaufnahmen aus den Berliner Jahren spielte Feuermann daher auf diesem exquisiten Instrument ein ( bis zum Jahre 1932, als er, noch in Berlin lebend, vom Londoner Handelshaus William E. Hill & Sons ein Montagnana-Cello übernahm).

Radikaler politischer Umbruch

Doch dann kam mit der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 die große Wende. Mit Brief vom 8. April 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung von seiner Professur mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Noch im Oktober 1933 besuchte Feuermann im Namen des jüdischen Kulturbundes mehrere deutsche Synagogen, was ein nicht ungefährliches Unterfangen darstellte.

Das Kapitel Deutschland wurde so jäh beendet. Feuermann emigrierte, damals immer noch ledig, ebenso wie seine Trio-Kollegen Szymon Goldberg und Paul Hindemith nach London (letzterer 1938). In England führten Feuermann mit seinen beiden Berliner Kammermusik-Partnern Paul Hindemith und Goldberg diverse bedeutende Trio-Werke der Musikliteratur auf.

Weltweite Konzert-Tourneen

Feuermann ging  nach seiner Berliner Zeit auf Konzertreisen nach Nord- und Südamerika, sowie nach Asien. Kurz darauf gab es ein erneutes musikalisches Highlight. Bei der Uraufführung von Arnold Schönbergs Cellokonzert spielte er den überaus schwierigen Solopart, Dirigent war Sir Thomas Beecham. Pablo Casals war ursprünglich für diesen Part vorgesehen, hatte aber aus terminlichen Gründen abgesagt. 1935 heratete Feuermann Eva Reifenberg, Tochter des Kölner Mäzens Paul Reifenberg. Ein neues Kapitel im Leben des Emanuel Feuermann wurde eingeleitet.

Bisher erschienen in der Blogreihe zum Grand Prix Emanuel Feuermann:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Der Lehrer und Pädagoge (2)

Michael Heinz


Der Lehrer und Pädagoge (2) – Grand Prix Emanuel Feuermann

Donnerstag, 11. November 2010

Feuermanns immerwährendes Credo: ein singendes Cello

Emanuel Feuermann - beim Intonieren

Im vorherigen Blogbeitrag hatten wir uns mit den Vorstellungen Emanuel Feuermanns zum Thema Lernen und Üben befasst.

Jetzt sollen mehr die  künstlerischen Qualitäten des Cello-Spiels aus seiner Sicht beleuchtet werden. Es sei nochmals in Erinnerung gerufen, dass in den Augen vieler berühmter Musiker-Zeitgenossen die Meisterschaft im Cello-Spiel durch Feuermann ungeahnte Höhen erlebte. Zur Verdeutlichung ein Zitat des ungarischen Cellisten Janos Starker über ihn:

“I place him as the most important figure for 20th century cello playing . . . . [While] Casals was responsible for establishing cello playing of the modern age, [it was] Feuermann who showed us the way to the next development. The cello was no longer an instrument to be excused because of its difficulty. He overcame all the difficulties which before his time were considered almost invincible obstacles.”

Die Beherrschung des Cellos

“It is surprising how few rules and principles there are and still more surprising how completely they change the entire style of playing. Believe it or not, my dear friend, the really outstanding string players, whether Kreisler, Casals, or Heifetz, are similar to each other in the way they use their muscular systems and handle their instruments and bows. The main differences lie in their different personalities, talents, and ideas, and only to a very small extent in their techniques, for which, again, physical differences are accountable.

Very simply, these rules are not demanded of the performer, but demanded by the instrument. Please understand this point thoroughly, because this is the basic fault of your approach. You have to know your instrument, cello and bow and how to handle them, the demands of the music and your mental and physical abilities and weaknesses to be able to recognize your mistakes, the inadequacies in your playing and to try to correct them. Analysis, patience, and endurance are the main requirements for your development.

One small example: when a cellist plays fast detache notes on the lower strings, you can hardly speak of the sound he produces, rather, you could call it a scratchy noise. The reason? You can only get a good sound from a string if it vibrates. Bring the string to vibration and one of the worst handicaps of the cello disappears. A very simple fact, certainly not a miracle, easy to remedy, yet still not recognized as the source of one of the ugliest and most prevalent ills of cello playing”.

Keine Note ohne Ausdruck und Artikulation

“As in a written sentence the only guidelines are the single words, commas, periods, question marks, etc., so in music notation we have only the bar lines, the bowings, the pitch and length of the single notes, and expression marks (accents, crescendi, etc., play quite a special role). What meaning can there be in a story recited in a monotone? Very little. The words may be recognizable, but there will be little real sense.

When you played for me, I showed you how little attention you have given to this way of looking at music, to this kind of approach, the most important one for a performer that I know of. Of course, partly by chance, partly because we have more to lean on in musical notation than in language, and partly because you have a musical education outside of cello playing, and lastly because one cannot practice and play for years without achieving something, you quite often understood the meaning of the music.

Let me try to explain to you what I mean by approach. Except for groups of fast notes where a given number of notes are one single rhythmical unit, there is not a note in music that should be played without expression or articulation. It can be compared to speaking, in which every syllable has its rhythm and phrasing within a sentence, according to its desired meaning. So, every note must be played according to the intended expression within the musical phrase”.

Musikalität und Spieltechnik

“Here technique, there musicality – an ancient comparison which is senseless and has done great damage to the perfection of playing. There should be a three-part division: mechanism, musicality, and technique, which when used musically is the mechanism.

What should the goal be for a performer, that is for the interpreter of a composition, i.e., the musical expression of another person? To interpret as closely as possible the composer’s intentions, at least what the player believes are his intentions. How can one best accomplish this goal? First one should recognize this goal as such and then control the means that are absolutely necessary for its accomplishment.

In my opinion, a war exists between technique and musicality. It brings with it only confusion, and makes a great performance virtually impossible. If one understands that by musicality is meant that one recognizes the intentions of the composer, then the other half of the term-”technique”-can be explained as possessing the real means necessary for bringing these intentions to fruition……. virtuoso includes: the greatest ability, respect for a piece of art, and the ability to fit one’s personality to the art work. How many of us have this? How many of us believe we have it, and are mistaken about it? And how many could have it if they were guided properly during their development?”

Persönlichkeit und Interpretation

“We must make it clear to ourselves that it would do great harm to Beethoven’s music if each musician were allowed to maintain the essentiality of his own personality for the shaping and molding of Beethoven.

This arrogant attitude does great damage to both music and public. The personality cannot be excluded, but the musician must try to live up to the composer and not bring the composer down to his level. We must take it for granted that of the two, the composer is the greater. The goal which I consider as the most important for the player is: abandon vanity, and ability, if there is any thought behind it at all, will come forth”.

In dieser Blog-Reihe zum Grand Prix  Emanuel Feuermann sind bereits erschienen:

Zeit zum Erinnern

Bernard Greenhouse remembers

Der Lehrer und Pädagoge (1)

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World – Was aus den Ex-Juniors geworden ist (1)

Montag, 3. Mai 2010

Claudio Bohórquez, Violoncello / Junior 2002

Claudio Bohorquez

Claudio Bohorquez war im Jahre 2002 erstmals als Junior bei Chamber Music Connects the World dabei. Er war damals 26 Jahre jung. Mit acht Jahren begann er das Cello-Spielen und kam im Jahre 1989 für zwei Jahre als Jungstudent zu David Geringas an die Musikhochschule  Lübeck. Später dann, als Schüler von Boris Pergamenschikow war Claudio Bohórquez schon früh erfolgreich bei internationalen Wettbewerben wie dem Tschaikovsk y Jugendwettbewerb in Moskau oder dem Rostropovich Wettbewerb in Paris. Von der Kronberg Academy wurde er u.a. durch den Landgraf von Hessen-Preis gefördert. Im Jahr 2000 war er mit drei Auszeichnungen Gewinner und erfolgreichster Teilnehmer des 1. Internationalen Pablo-Casals-Wettbewerbs der Kronberg Academy. Aus der Hand von Marta Casals Istomin erhielt er als zweijährige Leihgabe das Goffriller-Cello von Pablo Casals.

Claudio Bohórquez gastiert heute in der ganzen Welt. Er arbeitet dabei mit vielen der namhaftesten Dirigenten wie Daniel Barenboim, Rafael Frühbeck de Burgos, Christoph Eschenbach, Sir Neville Marriner, David Zinman oder Krzysztof Penderecki zusammen und konzertiert mit den größten deutschen und internationalen Orchestern – in Japan mit dem NHK Symphony Orchestra Tokyo und dem Tokyo Philharmonic Orchestra, in den USA mit fast allen großen Orchestern des Landes. Claudio Bohórquez verzeichnet eine beachtliche Anzahl an CD-Einspielungen, Rundfunkaufnahmen und Fernsehauftritten. Darüber hinaus widmet er sich verschiedenen Installations-, Improvisations- und Meditationsprojekten ent-wickelt ( z.B. gemeinsam mit dem Maler Klaus-Peter Kirchner das Installationsprojekt “Raum für Pablo Casals” als Hommage an diesen großen Cellisten) . Von 2003 bis 2006 war er Gastprofessor an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Berlin und ist ab Oktober 2009 erneut dorthin berufen worden.

Claudio spielt ein Violoncello von G. B. Rogeri, das ihm von der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt wird. Er lebt zur Zeit in Berlin.

Bisher erschienen:

CMCW – Wie alles begann

CMCW – die Feuertaufe

CMCW – Ein Musikfilm als Inspiration

Michael Heinz

Chamber Music Connects the World / Wie alles begann

Donnerstag, 1. April 2010

Dies ist der Auftakt und eine kleine Einstimmung zu unserer neuen 10-teiligen Blog-Serie über die Anfänge des Kammermusik-Projekts „Chamber Music Connects the World“ und Portraits einiger Ex-Juniors.

Vor nunmehr fast genau 10 Jahren begann für die Kronberg Academy die Reise in die Welt der Kammermusik, und gleichzeitig die Etablierung eines weiteren Bausteins in der Förderung und Ausbildung junger, hochbegabter Musiker und Solisten.

In insgesamt drei Blogbeiträgen wollen wir die Geschichte von CMCW nacherzählen, von den gedanklichen Wurzeln bis zur Realisierung im Jahre 2000. Und vorweg ein kurzer Rückblick auf ein Kammermusik-Projekt in Amerika, wo das Experiment „Marlboro Music School“ in den frühen Fünfziger Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Welche Hürden und Hindernisse beim ersten Zusammentreffen in Kronberg im Jahre 2000 zu überwinden waren, davon soll auch hier später berichtet werden. Und über manche Eigentümlichkeit.

Dies alles wird erzählerisch und mit kleinen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen garniert. Eingesammelt und eingefangen bei all jenen, die mit Herzblut von Anfang mit dabei waren.

Was uns aber alle bis heute fasziniert ist dies:

die ersten Seniors bei Chamber Music sind über ihre eigenen Lehrer und deren Wegbegleiter mit  einer Generation verbunden, die viele herausragende Künstler der jüngeren Musikgeschichte hervorgebracht hat – dies wird stets lebendig, wenn man die Lebensläufe der beteiligten Musiker sich vor Augen führt und dann realisiert, dass auch diese Seniors auf den Schultern jener Generation stehen und von deren Kreativität und Meisterschaft nachhaltig inspiriert wurden. Ausnahmekünstler wie Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Rudolf Serkin, David Oistrach und Jascha Heifetz, Yehudi Menuhin und natürlich nicht zu vergessen Mstislav Rostropovich haben ihre Meisterschaft und Disziplin an unsere Seniors weitergegeben – sich dieser Verbindungen bewusst zu sein und zugleich als Ansporn und Maßstab weiterzugeben, das ist nach wie vor das Ziel . Die jungen Musiker von heute reihen sich ein in diesen Strom. So betrachtet, ergibt sich ein bedeutungsvoller Brückenschlag zwischen den Generationen bis in die heutige Zeit.

Schließlich erhellen wir an sechs Musiker-Beispielen in den dann folgenden Blogbeiträgen zur Geschichte von Chamber Music Connects the World wie sich der eine oder andere Ex-Junior seit der Teilnahme künstlerisch weiter entwickelt hat. Denn “Chamber Music” istbekanntlich ein weiterer Pfeiler in der individuellen Förderung und Entwicklung einer aufstrebenden jungen Solisten-Generation der Extra-Klasse.

Nächster Blog:   Feuerprobe für ein einzigartiges Konzept

Michael Heinz



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