Interview mit István Várdai – Kronberg Academy Masters
Donnerstag, 16. Dezember 2010Gedanken und Impressionen zum Meisterkurs bei Professor Zahkar Bron
Am vergangenen Donnerstag traf ich auf einen unserer Studenten des Kronberg Academy Masters Studiengangs, den jungen István Várdai (Violoncello). Istvan weilte zusammen mit weiteren Studenten des Studiengangs für zwei Tage in Kronberg, um an Meisterkursen mit Professor Zakhar Bron teilzunehmen.
Am Abend des 9. Dezember gab es Gelegenheit, István Várdai nach seinen Eindrücken zu befragen. Hier seine Antworten:
Michael Heinz: Bevor es los ging am gestrigen Mittwoch, wie waren Deine Erwartungen an den Meisterkurs mit Zakhar Bron?
István Várdai: Nun, Ich hatte keine Angst, aber es gab eine gewisse Spannung in mir, denn ich wusste, dass Professor Bron sehr streng ist. Und dann dachte ich wiederum, dass es ein sehr spannender Nachmittag werden könnte.
MH: Was hattest Du von Ihm schon gehört bzw. gewusst?
IV: Na ja, das er halt sehr streng ist und auch, dass er sein sehr guter Pädagoge sein muss!
MH: Wie ist es nach dem Meisterkurs gewesen?
IV: Ich war sehr erleichtert, und vor allem, ich habe diverse Anregungen bekommen. Er hat auch bei mir geschimpft. Was mir die anderen Studenten schon vorher gesagt hatten, war etwas tröstlich: je mehr er das Gefühl hat, dass bei einem Solisten Potenzial vorhanden ist, desto strenger wird seine Kritik, und sie kann heftig werden! Ja, ich habe wichtige Anstöße bekommen und habe einen klareren Blick bekommen, technisch und musikalisch. Professor Bron betonte immer wieder, auf den Komponisten und auf die Textur des Stückes zu achten. Er hat es mit einem Beispiel belegt, bei einer Crescendo-Passage muss es in diesem Werk nicht bedeuten: lauter werden, sondern es soll heißen, sich mehr zu öffnen.
MH: Wie hat er unterrichtet als Violin-Lehrer – aus der Sicht eines Cellisten, was ist Dir besonders aufgefallen, wovon konntest Du sehr profitieren?
IV: Professor Bron vermittelt Einblicke jenseits der Beherrschung des spezifischen Instruments. Denn, wie er hinzufügte, Cellisten denken sehr „cellistisch“! Er betont den Blick auf die musikalischen Strukturen, unterstreicht, dass man die Komposition ganzheitlich erfassen muss, die Textur sei maßgeblich. Und er unterstreicht ferner, dass er eben kein Cellist sei und dass er eine Brücke bauen wolle. Auf diese Art und Weise hilft er aus meiner Sicht sehr sehr gut, die Unterschiedlichkeiten der Streichinstrumente zu überwinden. In Bezug auf das Verständnis der Komposition sei es egal, ob man als Cellist oder Geiger herangeht. Das ist natürlich sehr hilfreich.
MH: Welches Stück habt ihr geübt..?
IV: Wir haben das 1. Cellokonzert von Shostakovich gespielt , daraus den 2. und 3. Satz
MH: Hattest Du dieses Stück schon einmal zuvor öffentlich gespielt oder sogar schon des öfteren…?
IV: Ja einige Male, beim Tchaikovsky Wettbewerb, dann auch bei Konzerten. Das ist aber schon lange her.
MH: Was ist das besonders Schwierige an diesem Stück?
IV: Technische Probleme einerseits, aber auch das Verstehen der Textur. Shostakovich hat persönliche Erfahrungen des Krieges, der Kälte, der Düsternis in Musik verwandelt, dies klanglich angemessen umzusetzen, ist eine echte Herausforderung! Man muss versuchen, das Werk im Grunde auf einer metaphysischen Ebene zu erfassen. Das ist wirklich nicht leicht.
MH: Hattest Du Gelegenheit, seine Arbeit mit den jungen Violin-Solisten mit zu verfolgen – wie ist Dein Eindruck dazu?
IV: Ja, das hatte ich. Ich habe dies mit großem Interesse verfolgt. Und dabei bemerkt, dass wir alle mehr und minder mit denselben Problemen in dieser Phase unserer Entwicklung zu tun haben. Und was ich noch anmerken wollte, alle Studenten des Kronberg Academy Masters haben ja zwischenzeitlich auch eine Schulung in Sachen Alexander-Technik absolviert.
MH: Wie ist es eigentlich, wenn während eines Meisterkurses die anderen jungen Solisten unter den Zuhörern sind, wie bei Dir geschehen?
IV: Gar nicht so schlimm, alle waren wohlwollend. Jeder wünscht dem anderen nur das Gute, und wenn geschimpft wird, da leidet man dann mit!
MH. Was sind Deine nächsten wichtigen Lernschritte, wie geht es weiter bei Dir?
IV: Ich bin in Kürze mit einem weiteren Meisterkurs bei Frans Helmerson dabei - noch im Dezember. Dann gibt’s erst einmal eine Pause. Und ich habe bereits die erste Konzert-Verpflichtung für einen Auftritt im dänischen Odense, im Januar 2011. Und dann möchte ich mich weiter in meiner neuen Heimat in Berlin, wo ich im Bezirk Wedding seit ein paar Monaten lebe, akklimatisieren. Die Stadt ist so groß und bietet viele Konzerte und Veranstaltungen. Was mir aber besonders wichtig ist: Ich möchte künftig mehr wichtige Prinzipien beachten, auch das habe ich vom Meisterkurs mit Professor Bron mitgenommen. Er hat mich für diese Dinge sensibilisiert. Eines hat zu tun mit den eigenen Ressourcen. Ich habe mir vorgenommen, im neuen Jahr mit meiner Kraft und meiner Zeit ökonomischer und klüger umzugehen, nicht mehr so viele Konzerte geben: Im letzten Jahr waren es an die 50, das werde ich in diesem Jahr nicht wiederholen.
MH: danke für dieses Gespräch und alles Gute für Dich im neuen Jahr!
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In diesem Interview wurde mehrfach der Begriff Textur verwandt, wie ist dieser Begriff in der Musik definiert? Die folgenden Erläuterungen mögen ein wenig hilfreich sein.
Es handelt sich im deutschprachigen Raum, insbesondere in der Computermusik, um ein musikalisches Muster, das durch Aneinanderreihung von Variationen eines Motivs entsteht.
Im englischsprachigen Raum wird der Begriff viel umfassender definiert und zwar nicht nur in Bezug auf Computermusik: In music, texture is the way the melodic, rhythmic, and harmonic materials are combined in a composition, thus determining the overall quality of sound of a piece.
Michael Heinz










